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ABSURD MINDS (STEFAN/ TILO/ TIMO)

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VIELEN DANK, DASS IHR EUCH ZEIT NEHMT, UM EIN PAAR FRAGEN ZU BEANTWORTEN. NUN STEHT EUER NEUESTES ALBUM „SERVE OR SUFFER“ IN DEN REGALEN. WIE IST DIE BISHERIGE RESONANZ? Tilo: Wenn wir den Grundtenor aller bisherigen Rezensionen betrachten und auch die Verkaufszahlen, dann müssen wir mehr als zufrieden sein. Es gab bis zum jetzigen Zeitpunkt sehr viel Lob von allen Stellen. WENN IHR DIE WAHL HÄTTET: DIENEN ODER LEIDEN? WELCHE ALTERNATIVE IST DIE BESSERE? Stefan: Keine, suggeriert der Titel dir auch die Möglichkeit einer Wahl, so schneidest du doch, egal wie du dich auch entscheidest, schlecht ab. Des Weiteren sollte man sich fragen, ob das eine nicht das andere nach sich führt oder sogar untrennbar miteinander verbunden ist. KANN MAN DIESEN TITEL ALS DEMONSTRATIV UND MIT POLITISCHEN ANSICHTEN BETRACHTEN? ODER GIBT ES EINEN BEZUG ZU EINEM BESTIMMTEN GESELLSCHAFTSMODELL? Stefan: Es geht im Titelsong um eingeschränkte Freiheiten, im Sinne eingeschränkter politischer Freiheit und nicht im Sinne einer Willensfreiheit, die durch einen absoluten Determinismus ad absurdum geführt wird. Der Titel ist demonstrativ, da das lyrische Ich (vielleicht der Charakter des Artworks) die Selbstaufgabe des Individuums fordert, und zwar unter den Deckmäntelchen scheinbarer Möglichkeiten oder Alternativen. Ein mögliches Gesellschaftsmodell wäre der real existierende Sozialismus. BETRACHTET MAN EURE DISKOGRAFIE, FÄLLT SCHNELL AUF, DASS SEIT „NOUMENON“ SCHLAPPE FÜNF JAHRE INS LAND GEGANGEN SIND. WELCHE GRÜNDE GIBT ES DAFÜR? HABT IHR ETWA AUF DER FAULEN HAUT GELEGEN? Timo: Selbstverständlich haben wir das. Die letzten 5 verbrachten wir am Strand von Aruba und haben Cocktails geschlürft. Um aber zur Wahrheit zurückzukehren: Bestimmte Veränderungen im privaten und vor allen Dingen beruflichen Leben haben die Zeit schrumpfen lassen, die wir der Musik widmen konnten. Wenn man den Schritt in die berufliche Selbständigkeit wagt, ist Freizeit eng beschnitten. MEINT IHR, DASS ES BESSER IST, DIE LEUTE DA DRAUSSEN AUCH MAL „ZAPPELN“ ZU LASSEN IM GEGENSATZ ZU FLIESSBANDPRODUKTIONEN? WIE HOCH IST EUER EIGENER QUALITÄTSANSPRUCH? Timo: Der Grund für die lange Pause liegt sicher nicht darin, dass wir die Wartezeit künstlich in die Länge ziehen wollten. Wir hatten, wie eben erklärt, lange Zeit keine Möglichkeit, uns intensiv mit unserer Musik zu befassen. Wir sind aber im Umgang mit unserer Musik recht kritisch und überlegen uns genau, ob wir einen Titel veröffentlichen wollen oder nicht. Nicht alles scheint uns geeignet. Dazu kommt ebenso, dass die Ideenfindung nicht der einzige Abschnitt einer Produktion ist. Arrangieren, Sounddesign, Mixing und Mastering sind Produktionsabschnitte, die zeitlich nicht nah auf einander folgen. Wir lassen uns Zeit, probieren aus. Erst wenn alles unseren Wünschen und unserem Anspruch entspricht, geht das Material an die Öffentlichkeit. 2010 – DAS BEDEUTET 15 JAHRE ABSURD MINDS. WIRD DAS IN EINER BESONDEREN ART UND WEISE GEFEIERT? MIT EINER SPEZIELLEN VERÖFFENTLICHUNG ZUM BEISPIEL? WAS DÜRFEN WIR ERWARTEN? Tilo: Für dieses Jahr sind ein paar Dinge geplant, jedoch gibt es noch keine genauen Termine. Wenn es konkret wird geben wir Bescheid. WIE HAT SICH DIE ELECTRO SZENE IN DEN LETZTEN 5 JAHREN EURER MEINUNG NACH VERÄNDERT? IST DER FAKTOR QUALITÄT NICHT MEHR GANZ SO WICHTIG IM VERGLEICH ZUM IMAGE? Stefan: Wir wollen zwar nicht den berühmten Splitter im Auge des Anderen sehen, aber müssen dennoch feststellen, dass die Verpackung oft wichtiger genommen wird als der Inhalt. 15 JAHRE, EIN LANGER ZEITRAUM, IN DEM VIEL PASSIERT IST. MAN NEHME DA ZUM BEISPIEL DAS INTERNET. WELCHE ERINNERUNGEN HABT IHR AN DAMALS, WAS ZUM BEISPIEL KOMMUNIKATION, DATENTRANSFER USW. IM VERGLEICH ZU HEUTE ANGEHT? WELCHE VORTEILE UND WELCHE NACHTEILE SEHT IHR PERSÖNLICH HINSICHTLICH DES INTERNETS, MYSPACE, COMMUNITIES? Timo: Das Internet war damals und ist heute um so mehr eine globale Plattform, auf der man sich auf einfachem Wege bis in die hintersten Ritzen des Universums präsentieren kann, ohne großen technischen wie auch finanziellen Aufwand. Global gesehen steht es fast überall zur Verfügung und damit ist die Anzahl der Menschen, die man auf diesem Weg erreicht, unüberschaubar. Kurz gesagt: viel Werbung für wenig Geld. Auf der anderen Seite, und das war ja auch gerade Thema in den Medien, ist man, wenn man nicht vorsichtig ist, ein offenes Buch für jeden und auch fragwürdigen Machenschaften bestimmter Institutionen und Unternehmen ausgesetzt. Segen und Fluch. Begriffe, die bei fast jeder technischen Errungenschaft miteinander verknüpft sind. UND AUCH DIE TECHNIK IST JA UM WELTEN ANDERS ALS 1995. HALTET IHR AN DEN ALTEN INSTRUMENTARIEN UND TECHNIKEN FEST ODER HABT IHR EUCH AUCH (WAS DIE TECHNIK BETRIFFT) MODERNISIERT? WIE HAT SICH EUER SONGWRITING VERÄNDERT? Tilo: Wir haben uns auf technischem Sektor und auch im Umgang mit der Technik weiterentwickelt und unsere Möglichkeiten ausgebaut. Ein großer Teil des Erlöses unserer Arbeit fließt in diesen Bereich. Wir haben mittlerweile ein eigenes Studio, wo wir unsere Musik und auch die anderer Bands produzieren. Auf das Songwriting hat das jedoch nur wenig Einfluss, erweitert aber die gestalterischen Möglichkeiten beim Produzieren des Songs gewaltig. WIE HAT SICH DIE HÖRERSCHAFT BZW. EURE FANGEMEINDE ÜBER DIE JAHRE VERÄNDERT? BZW. DER KONTAKT ZU EUREN FANS. Timo: Seit einiger Zeit präsentieren wir uns in Communities wie Myspace oder Facebook und haben auf diesem Weg einige bessere Übersicht über die Menschen, die unsere Musik hören, da die Kommunikation wesentlich einfacher ist. Wir haben im Bezug auf die Vergangenheit wenig Vergleichswerte, können also keine konkrete Aussage treffen, wie sich unsere Fangemeinde vor meinetwegen 7 Jahren zusammengesetzt hat. Wir wissen aber, dass es viele Menschen gibt, die unseren Werdegang schon von Anfang an verfolgen, dass es genauso viele gibt, die uns erst jetzt entdecken und dass die Menschen jenseits des Atlantik auf eine Tournee von uns warten. HABT IHR IRGENDETWAS BESONDERS BEREUT IN ALL DER ZEIT ODER VERLIEF IMMER ALLES SO ZIEMLICH NACH PLAN? Timo: Aus jetziger Sicht hätte sicherlich einiges anders laufen können, jedoch findet sich die Ursache für Versäumnisse oder Suboptimalitäten meistens in Entscheidungen, die wir in der Vergangenheit, aus der damaligen Situation heraus vernünftig erscheinend, getroffen haben. WIE SEID IHR DAMALS EIGENTLICH ZUM LABEL DARK DIMENSIONS GEKOMMEN? Tilo: Es wollte uns unbedingt haben. GEHEN WIR NOCH WEITER ZURÜCK. VOM ERSTEN ALBUM AN WURDE EUCH EINE GEWISSE ÄHNLICHKEIT MIT PROJECT PITCHFORK ZUGESPROCHEN. WAR DAS FÜR EUCH EHER EINE BELASTUNG ODER BETRACHTET IHR DAS IM NACHHINEIN ALS KOMPLIMENT? Timo: Wenn man die Musik von Pitchfork kennt, kann man das als Kompliment betrachten. Zum anderen ist es ein Vergleich, der das Einordnen der Musik zu eine bestimmten Gattung erleichtert, vor allen Dingen für die Menschen, die unsere Musik nicht kannten oder kennen, da sich PP einer großen Popularität erfreut. Auf der anderen Seite fanden wir es in der Vergangenheit bedenklich, dass unsere Musik von einigen Stellen nur unter diesem Aspekt betrachtet und bewertet wurde, als hätten wir uns schuldig gemacht etwas zu fälschen, ein Plagiat zu erstellen. Das hat uns nicht unberührt gelassen. Vielleicht sollte man noch anfügen, dass die in der Vergangenheit geäußerte Kritik diesbezüglich bei Project Pitchfork auf Unverständnis gestoßen ist. DES WEITEREN SEID IHR AUCH „BERÜHMTBERÜCHTIGT“ FÜR EURE TIEFGRÜNDIGEN TEXTE. WOVON HANDELT DAS NEUE ALBUM IN EUREN WORTEN? GIBT ES EIN KERNTHEMA UND STEHEN DIE SONGS IN VERBINDUNG ZUEINANDER? Stefan: Das kann man in wenigen Sätzen nicht einfach vornweg nehmen. Dazu müsste man sich auf das Album schon einlassen. Aber wie schon dieser fiese, kleine Charakter im Artwork zeigt, geht es bei sagen wir 50 % der Songs, um das Thema Macht Es gibt aber auch Songs auf dem Album die nicht diesem Thema folgen. WER ODER WAS IST BEIM SONG „INTERCONNECTEDNESS“ VERNETZT? Stefan: Alles ist vernetzt, auch wenn dies unserer Alltagserfahrung widerspricht, welche abgegrenzte Dinge voraussetzt, die sich nach physikalischen Gesetzen organisieren. Neben diesem klassischen physikalischen Bild autonomer Körper im leeren Raum gibt es auch noch andere Erfahrungen von der immer wieder Mystiker berichten, die sich aber auch mit Erkenntnissen bedeutender Wissenschaftler, wie z.B. David Bohm decken. WER IST DER „EWIGE ZEUGE“? Stefan: Der „Ewige Zeuge“ ist der menschliche Bewusstseinszustand subjektiver Permanenz, in der sich der Mensch von seinem Ich-Konzepten desidentifiziert. Man kann ihn auch „Innerer Beobachter“ nennen. „S[HELL]S“ – EIN SCHÖNES WORTSPIEL. WAS LÄSST SICH ÜBER DIESEN SONG BERICHTEN? Stefan: Ein Song aus der Sicht eines Waffenlobbyisten. WAS WAR ZUERST DA, DER ALBUMTITEL ODER DER SONG AN SICH UND WELCHE KRITERIEN GAB ES, „SERVE OR SUFFER“ ZUM ALBUMTITEL ZU MACHEN? Stefan: Der Albumtitel war zuerst da, er ersetzte den Arbeitstitel „The King“, welcher uns als Titel des Albums jedoch ungeeignet erschien. Und nachdem wir dann ein visuelles Konzept für das Coverartwork hatten, wurden wir unbewusst immer wieder auf das Kernthema zurückgeführt. Der Song „Serve or Suffer“ entstand viel später. UND ES GIBT AUCH EINEN COVERSONG: „SOMEBODY“, IM ORIGINAL VON ESCAPE WITH ROMEO. WAS HAT EUCH AN GENAU DIESEM TITEL SO FASZINIERT, DASS IHR DA SELBST HAND UND OHR ANGELEGT HABT? Stefan: Super Song. Tolle Stimmung. – Ein zeitloser Hit. AUCH ARTWORK UND AUFMACHUNG SIND IN MEINEN AUGEN HERVORRAGEND GELUNGEN. WER ZEICHNET DAFÜR VERANTWORTLICH? Stefan: Das Coverartwork entstand in Zusammenarbeit mit meiner Freundin Franziska Franke, einer sehr talentierten Konzeptkünstlerin. Sie realisierte die Grafiken im Innenteil des Digipaks nach meinen Vorzeichnungen, die Sie so hervorragend kolorierte. WAS KÖNNT IHR UNS FÜR DEN WEITEREN VERLAUF DES JAHRES 2010 IM HAUSE ABSURD MINDS BERICHTEN? SIND DENN SCHON LIVE-GIGS BEKANNT ZU GEBEN? Timo: Im Moment sieht es noch etwas mau aus. Wir sind aber zuversichtlich. Termine kann man auf www.myspace.com/absurdminds oder www.absurdminds.de ersehen. MAL EINE ETWAS ANDERE FRAGE: IM MOMENT WIRD DER 80STE GEBURTSTAG DES „EINHEITSKANZLERS“ KOHL IN DEN MEDIEN ZELEBRIERT. WIE SEHT IHR IM NACHHINEIN DEN FALL DER MAUER AUS PERSÖNLICHER WIE GESELLSCHAFTLICHER SICHT. WAS HAT SICH ZUM GUTEN, WAS ZUM SCHLECHTEN ENTWICKELT? Timo: Der Sturz eines totalitären Regimes auf friedlichem Wege ist eine gesellschaftliche wie auch im höchsten Maße vernunftgelenkte und humanistische Meisterleistung, die ihres gleichen sucht. Wie man auch immer heute zu dem Ergebnis der Vereinigung steht, gerade im Bezug auf Fehler, die gemacht wurden, sollte man nie vergessen, dass dieser Prozess ein Unikum war, für den es bis zu diesem Zeitpunkt keine Referenz gab, keine Erfahrungen. Aus heutiger Sicht hätte man sich einen etwas subtilere Vorgehensweise gewünscht, denn der Osten ist ja buchstäblich überrollt wurden. Vielleicht hätte man sich auch Errungenschaften des Sozialismus zu eigen machen können. Vieles von dem entdeckt man jetzt neu. VIELEN DANK FÜR EURE ANTWORTEN UND VIEL ERFOLG MIT „SERVE OR SUFFER“! DIE LETZTEN WORTE SOLLEN TRADITIONSGEMÄSS EUCH GEHÖREN… Tilo: Wir möchten allen danken, mit denen wir schon seit so vielen Jahren zusammenarbeiten und in Freundschaft verbunden sind, allen die unsere Musik mögen und damit unser Schaffen rechtfertigen, allen die uns in unserem Leben begleitet haben oder uns begleiten, dafür dass sie uns Halt bieten, Liebe schenken und Verständnis.

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