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IM RAHMEN IHRER AKUSTIK-TOUR „VON ZAUBERERBRÜDERN, SCHWARZEN SCHMETTERLINGEN UND ANDEREN NACHTGESTALTEN“ MACHTEN ASP ANFANG OKTOBER AUCH IM LEIPZIGER HAUS AUENSEE HALT. MEIN KOLLEGE ENRICO UND ICH NUTZTEN DIE GUNST DER STUNDE, UM ASP-MASTERMIND ALEX SPRENG BACKSTAGE BEI BIER UND TEE EIN PAAR FRAGEN ZU STELLEN. STEPH: HALLO ZUNÄCHST…WIE BIST DU DENN AUF DIE IDEE GEKOMMEN, DIE KRABAT-GESCHICHTE MUSIKALISCH UMZUSETZEN? Den Anstoß gab mir der Roman von Otfried Preußler, den ich als Jugendlicher sehr, sehr geliebt habe. Mich hat die Geschichte immer mit so einem leeren Gefühl zurückgelassen. Ich dachte mir immer: „Das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein!“ Aber ich glaube, dass sollte bei jeder guten Geschichte so sein. Ich habe die Idee dazu dann aber für viele Jahre in meinem Projektordner verschwinden lassen – andere Sachen hatten zunächst Vorrang. Dann aber brauchten wir, wenn ich mich recht erinnere, noch ein paar Songs, um die „Ich bin ein wahrer Satan“-Single aufzufüllen. Ich wollte keine Songs der „Requiembryo“-Scheibe drauf platzieren, um nichts zu verraten. Daher brauchten wir Songs, die damit nichts zu tun hatten. Mir fiel dann die Krabat-Geschichte wieder ein, für die wir auch schon Ideen gesammelt hatten. Beim Produzieren der Songs merkten wir sofort, wie einfach uns die Lieder von der Hand gingen und so kam dann eins zum anderen. STEPH: WIE LANGE HAT DAS JETZT DENN INSGESAMT GEDAUERT? Das ist natürlich schwer zu sagen. Die erste Idee war sicher so vor 15 Jahren, aber so richtig intensiv haben wir uns ca. anderthalb Jahre damit auseinandergesetzt. ENRICO: ABER EUCH WAR SCHON DAMALS BEI DEN B-SEITEN KLAR, DASS IHR SPÄTER EIN KOMPLETTES ALBUM DAZU EINSPIELT? Wir haben es uns zumindest gewünscht. Auch die Fans haben sehr stark nachgefragt. Und jetzt war eben der günstige Moment da, um dieses Projekt umzusetzen. Der erste Erzählzyklus war vorbei und bevor ein neuer wieder für Jahre alles andere untergräbt, war der Zeitpunkt jetzt günstig. STEPH: AUF „KRABAT“ HABT IHR MIT GASTSÄNGERN ZUSAMMEN GEARBEITET. WIE LIEF DAS DENN SO AB? Also die Zusammenarbeit mit Eric (Fish – Anm. d. Verf.) hat sich aus einer tiefen Sympathie heraus entwickelt. Als wir uns kennen lernten, haben wir uns sofort prima verstanden, so dass mir klar war, dass er dort eine Rolle spielen würde. Bisher haben wir es ja immer vermieden, Gastsänger auf unseren normalen Alben zu integrieren. Ich bin da auch so ein bisschen eitel, das geb’ ich ganz offen zu. Ich mag das eben am liebsten, wenn nur ich zu hören bin. Bei der Lisa war es ganz anders. Dass ich nicht die Rolle der Kantorka spielen möchte, war relativ früh klar. Ich hatte damals einige Alben von FAUN gehört und fand die Stimme von Lisa so stark – ich habe mich direkt in diese Stimme verliebt und wollte sie unbedingt für diese Rolle haben. Ich hab dann gebettelt und sie hat, Gott sei Dank, ja gesagt. STEPH: ICH HAB EUCH DIESEN SOMMER AUF VIELEN FESTIVALS SPIELEN SEHEN. WELCHES HAT DIR AM BESTEN GEFALLEN? Erstmal muss ich sagen, dass ich fand, dass wir auf viel zu wenig Festivals gespielt haben. (lacht) ENRICO: ECHT, ICH HATTE DAS GEFÜHL, EUCH WIRKLICH BEI JEDEM FESTIVAL ANZUTREFFEN. Offensichtlich waren es eben die tollen Festivals. Zeigt ja auch, dass wir uns die richtigen ausgesucht haben. Mmmh… also an sich ist das schwer zu sagen, aber für mich war wohl wieder mal das Summerbreeze das Highlight. Die Atmosphäre ist so wahnsinnig gut und mit keinem anderen Festival zu vergleichen. Wir fühlen uns da auch als Musiker wahnsinnig gut aufgehoben. Das Team ist super eingespielt und auch bei den Technikern hat man das Gefühl, dass die richtig Bock auf ihren Job haben – Bock auf Musik. Das war für uns alle ein richtig großes Highlight. ENRICO: MIST, ICH HAB’S VERPASST UND MIR HOLLENTHON GEGEBEN. STEPH: TJA, ICH WAR DABEI. Das ist schön. STEPH: HABT IHR BEI DEN FESTIVALS AUCH ZEIT, ANDERE BANDS ANZUSCHAUEN? Das ist doch eher selten. Beim Summerbreeze hab ich diesmal fast gar nichts mitbekommen. Man hat kaum noch Zeit dafür. Wenn man ankommt, warten schon die ersten Interviewtermine, so dass kaum Zeit bleibt. ENRICO: IHR WART JA BEIM BREEZE AUCH ERST SEHR SPÄT DRAN, SO GEGEN MITTERNACHT. DA KANN MAN JA VORHER GAR NICHTS TRINKEN. ALLE MACHEN PARTY BACKSTAGE UND DU MUSST BRAV BLEIBEN. Das ist wirklich sehr hart. Aber wir waren erst spät da, das war sehr gemütlich. Dann gab’s die ersten Pressetermine und dann bereitet man sich auch schon ein wenig auf das Konzert vor. Und ja, so ein Bier geht dann schon. (lacht) STEPH: KOMMEN WIR MAL ZURÜCK ZU KRABAT. WAR ES ENTSPANNEND FÜR DICH, THEMATISCH MAL WAS ANDERES ZU MACHEN, ALS IMMER DEN SCHWARZEN SCHMETTERLING? Ehrlich gesagt, war es genauso anstrengend, wie eine eigene Geschichte zu schreiben. Das hätte ich nicht gedacht. Aber es steckt auch in der Geschichte viel von mir drin und das ist dann schon anstrengend. Außerdem verbraucht die Recherche viel Zeit. Ich hab versucht, in den nichtphantastischen Momenten so authentisch wie möglich zu bleiben. Diese Quellenarbeit hat Wochen gekostet. Ich freu mich jetzt auch schon wieder sehr, eine eigene Geschichte erzählen zu können. Das ist einfach ein Stück erfüllender. Aber um es kurz zu machen: Eine Arbeitserleichterung war es nicht. STEPH: KRABAT IST JA AUCH EINE SEHR DÜSTERE GESCHICHTE. WAS FASZINIERT DICH AN DEN DUNKLEN STOFFEN IM ALLGEMEINEN? Oh, oh, eine Grundsatzfrage… Bei Krabat ist es aber so, dass sich am Ende doch eine sehr positive Botschaft dahinter verbirgt. Aber natürlich fühle ich mich schon immer von düsteren Texten angezogen. Das Leben auch in seiner negativen Seite auszukosten macht durchaus Sinn. Wie Stephen King auch schon sagte, bin ich ein sehr ängstlicher Mensch und dadurch von solchen düsteren Geschichten sehr angezogen. STEPH: UND WIE KAM ES JETZT ZU DIESER AKUSTIKTOUR? Das hat sich einfach angeboten, da die CD ja oft sehr ruhig und mit vielen akustischen Instrumenten daherkommt. Wir wollten die Geschichte auch vom Klang anpassen und da passte es einfach besser, die Geige und das Cello zu integrieren. Und wenn man die Leute einmal zusammen hat, sollte man auch gleich eine Tour machen. STEPH: WARUM SPIELT IHR GERADE IN LEIPZIG NICHT IN EINER KIRCHE? IN VIELEN STÄDTEN MACHT IHR DAS DOCH AUCH? Na ja zunächst sollte das ja keine Kirchentour werden – da wäre Krawall von Seiten der Kirchenväter vorprogrammiert. Aber uns wurde offenbar hier keine angeboten. In Dresden war das wunderbar, das lief reibungslos. Ich bin aber nicht sicher, wie viele Kirchen das wirklich gerne sehen. Aber Gott sei Dank muss ich mich nicht um das Booking kümmern. STEPH: WIESO HABT IHR AUF EINE VORBAND VERZICHTET? Zum einen wollten wir, dass der Abend nicht zu ausufert. Das Programm ist echt sehr lang. So dass es schön ist, dass wir pünktlich um 20 Uhr anfangen können und Zeit für eine Pause haben. Zweitens wollten wir eine richtig andächtige Stimmung erzeugen und da ist es wichtig, dass die Leute eine Pause bekommen. Ansonsten hat man immer jemand, der gerade mal rausgeht und dann ein wenig Krach macht. Das ist bei solch einer Instrumentierung schon störend. STEPH: HAST DU DEN KRABAT-FILM EIGENTLICH SCHON GESEHEN? Nein, du? STEPH: NOCH NICHT (MITTLERWEILE SCHON… – ANM. D. VERF.)… GAB ES DA VIELLEICHT ANFRAGEN, OB IHR AUF DEM SOUNDTRACK MITWIRKEN KÖNNTET? Gar nicht. Unser Verlag hat sich jedoch bemüht. Aber Interesse bestand gar nicht. Für die sind wir halt ein Indie-Thema. Die benötigten Connections bestanden da einfach nicht. Es geht ja nicht um Kunst, sondern viel mehr darum, wer wem nutzt und wohin irgendwelche Gelder fließen. STEPH: GIBT ES NOCH ANDERE BÜCHER, DIE DICH IN DEINER KINDHEIT GEPRÄGT HABEN? Ja sicher. Viele sogar. Ich habe immer schon ein Faible für Fantastik gehabt. Den „Herr der Ringe“ hab ich, glaub ich, wohl schon mit 11 gelesen. Ich weiß noch, als ich mir das Buch in der Bücherei ausleihen wollte, da wurde ich schon blöd angeschaut, weil es ja eigentlich aus der Erwachsenenabteilung war. Die Geschichte hat mich sehr beeindruckt. Ich glaub, weil es ähnlich wie bei Krabat so ein starkes Gefühl von Verlust bewirkt. STEPH: WIRST DU IN ZUKUNFT ERNEUT AUF EINE LITERARISCHE VORGABE EINGEHEN UND DARAUS EIN ALBUM MACHEN? Das werde ich ganz sicher machen. Aber vorher möchte ich erstmal wieder was selbst schreiben. Aber es ist schön zusehen, dass wir so was auch können – dass wir es schaffen, Stoffe anderer Leute zu vertonen. Aber ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich immer solche Musik machen wollte. So ein wenig vermisse ich auch den Rock. ENRICO: WIE SIEHT ES MIT NEUEN IDEEN FÜR DAS KOMMENDE WERK AUS? Da hab ich schon sehr viele. Aber ich muss mich bremsen. Wir haben am Ende dieses Jahres drei Doppel-CDs veröffentlicht. Ich muss sagen, ich brauche jetzt einfach mal Urlaub. Ich bin völlig durch und froh, wenn ich diese Tour geschafft hab. Trotzdem hab ich immer einen Notizblock dabei und darin landet auch immer die ein oder andere Idee. STEPH: IN EUREN TEXTEN STOLPERT MAN JA EHER SELTEN ÜBER ETWAS POLITISCHES. ABER BEI „SPOTTLIED AUF DIE HARTEN WANDERJAHRE“ FINDET MAN DIE ZEILEN „GEGEN INTRIGEN UND DIE POLITIK HILFT NICHT EINMAL DER STÄRKSTE ZAUBERTRICK.“. WIE IST DEINE MEINUNG ZUR GEGENWÄRTIGEN POLITISCHEN LAGE DEUTSCHLANDS? Ui… ENRICO: ODER IN HESSEN? DA IST JA IM MOMENT EINIGES LOS. In Hessen ja, da ist im Moment ja einiges blockiert und keiner weiß so richtig, wie es weitergeht. Was Hessen angeht, wäre es mir ganz recht, wenn der Herr Koch nicht mehr Landesvater wäre. Auf die Gesamtheit bezogen, muss ich leider sagen, dass ich etwas politikmüde geworden bin. Es ist alles ein sehr durchschaubares Kasperletheater geworden. Früher war es noch lustig, sich diese Realsatire anzuschauen. Heute ist es nur noch enttäuschend, weil ich glaube, dass dadurch dieses Land einfach zu viel unter seinen Möglichkeiten bleibt. Dieses Zusammenspiel von Politik, Medien und zu fütternder Leute ergibt eine hochexplosive Mischung – das kann einem schon manchmal Angst machen. Was wir an Bildung für unsere Kinder versäumen, dass wird uns in spätestens 20 Jahren in den Abgrund führen. STEPH: ICH GEBE DIR JETZT DREI THEMEN VOR UND DU SAGST UNS MAL ZU JEDEM DEINE MEINUNG. ERSTENS: FINANZKRISE. Mmmh… ENRICO: SUPER IDEE, WAS? KAM VON MIR. STEPH: ECHT SUPER IDEE! TSSS… Ach weißt du, wer so wenig Geld hat wie ich, braucht sich über so was keine Gedanken machen… (kollektives Gelächter). STEPH: ZWEITENS: DIE US-WAHL. INTERESSIERT DICH DAS (DAS INTERVIEW WURDE VOR DER WAHL AUFGEZEICHNET – ANM. D. VERF.)? Sehr stark sogar. Sehr zu meinem Missfallen bestimmt die USA ja ein Großteil des globalen Geschehens. Und daher darf McCain niemals Präsident werden – Grundgütiger. Der erinnert mich eher an Leslie Nielsen in seiner Rolle als Präsident. Fürchterlich! STEPH: EINTRACHT FRANKFURT. So, ich bekenne, dass ich der absolute Fußball-Langweiler bin. Das interessiert mich überhaupt nicht. ENRICO: WOHER WUSSTE ICH DAS? Bei einem riesigen Event wie der WM oder so schau ich mir das schon mal an, aber ich hab echt andere Hobbys (lacht). Schlafen zum Beispiel oder ein Buch lesen. Für anderes hab ich einfach gar keine Zeit… APROPOS ZEIT… DIE LÄUFT JETZT AB… TICK TACK, TICK TACK… DIE SHOW FÄNGT AN. GERADE NOCH MIT UNS AUF DER COUCH… UND JETZT SCHON AUF DER SHOWBÜHNE.

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