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CAMOUFLAGE (MARKUS MEYN)

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AM FREITAG, DEN 3.11.06 NAHM SICH MARKUS MEYN ZEIT FÜR EIN LANGES INTERVIEW, WELCHES ICH VOR DEM AUFTRITT IM CAPITOL IN HANNOVER MIT IHM FÜHRTE. „RELOCATED“ HEISST EUER AKTUELLES ALBUM. WIE SAH DIE ARBEIT DARAN AUS? Die Arbeit am Album war dieses Mal sehr angenehm, weil wir die Möglichkeit hatten gemeinsam in unserem Studio zwei Monate am Stück zu dritt zu arbeiten. Bei „Sensor“ sah es ja eher so aus, dass Heiko die ganze Zeit die Produktion betreut hat, die teilweise an drei verschiedenen Orten stattfand, bis sie dann am Schluß in Hamburg zusammenlief. Für Olli und mich hieß das, dass wir immer nur temporär dabei sein konnten. Meistens immer nur am Wochenende, wo Du nicht wirklich in den Kreativprozeß eingreifen kannst. Da ist das Wochenende rum, bevor Du wirklich angekommen bist. Dieses Mal war die Tür zu und es bestand zwei Monate nur Konzentration auf die einzelnen Stücke. Jedes Stück und jeder einzelne Bereich des Stückes wurden auf den Prüfstand gestellt. Es wurde geschaut, ob die Strophe, die Bridge und der Chorus gut sind. Wenn sie nicht gut waren und zweien von uns die Bridge nicht gefiel, mussten wir was anderes finden. So haben wir uns von Song zu Song vorgearbeitet. ICH FAND DIE PROMOTION FÜR DAS ALBUM IN DEUTSCHLAND NICHT SONDERLICH GUT, WENN ICH DIESE MIT DEM VORGÄNGERALBUM „SENSOR“ VERGLEICHE. ODER KOMMT MIR DAS NUR SO VOR? Sagen wir mal, das müssen wir differenzierter betrachten. Die Leute, die für uns gearbeitet haben, haben einen super Job gemacht und ihr Möglichstes getan. Das Problem, dass uns auf einmal entgegen trat war, dass sich die Medienlandschaft in den letzten drei Jahren verändert hat. Früher war es zum Beispiel so, dass in den neuen Bundesländern die Radiostationen eine „Bank“ für uns waren, genau wie für AND ONE und DEPECHE MODE. Heute besuchst Du die Sender und sie sagen Dir, aufgrund der neuesten Marktanalysen (Mediaanalyse) mussten sie auf Rock umschwenken oder auf Mainstream oder andere Genres, die gerade hip sind. Für unsere Promoter eröffnete sich ein völlig anderes Bild als bei „Sensor“. Als sie zu den Sendern kamen, um neue Marketingkooperationen einzudealen – wie sie das bei „Sensor“ auch gemacht hatten – wurde uns von den Medienpartnern gesagt, dass sie das gerne machen würden, es aber nicht können, da sie eine neue Musikstruktur haben und CAMOUFLAGE nicht in ihr Sendekonzept passt. Dies ist für uns ein Riesenproblem. Wir hatten bei „Me & You“ zwar keinen Hit in den Top Ten Air-Play Charts, aber wir waren über Wochen in den Top 60 der Air-Play Charts und das kam hauptsächlich durch die Radiosender der neuen Bundesländer. Dieses Mal war das nicht der Fall. Wenn Du weder im Fernsehen stattfindest – außer über Marketingkooperationen – noch Radiostationen Deine Songs spielen und Du nur die Printmedien hast, dann ist das heutzutage einfach zu wenig und es reicht nicht. Wir haben in den Medien auch Freunde oder Fans sitzen. Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass diese Personen nicht in den Machtpositionen sitzen, um uns wirklich pushen zu können. Das ist nicht nur ein Problem von CAMOUFLAGE. Selbst DEPECHE MODE beklagen sich über die Radiostruktur in Deutschland. Diese hat sich gewandelt und die meisten Sender, die uns jetzt auch nicht spielen, spielen überwiegend „Enjoy the Silence“ aber nur selten die aktuelle Single von DEPECHE MODE. Für unsere Art von Musik fehlt einfach die Basis in den Medien. WIE LANGE DAUERTE DIE SCHAFFENSPHASE FÜR „RELOCATED“? Die wirklich konzentrierte Arbeit begann mit dem Umzug von Heiko nach Berlin, also im August/ September 2005 und endete mit der Masterabgabe im März 2006. Das war so die heiße Phase, wobei wir im November/ Dezember die zwei Monate Studiophase hatten, weil Olli da seinen Jahresurlaub genommen hatte und wir zu dritt arbeiten konnten. IHR SEID JA NUN ZIEMLICH LANGE AUF TOUR. WIE ORGANISIERT IHR EUCH MIT EUREN ARBEITGEBERN? Momentan hat nur Olli einen Arbeitgeber und er nimmt sich für die Tour und die Zusatzshows seinen ganzen Jahresurlaub. Er hat in diesem Jahr für sich selbst nur maximal eine Woche Urlaub und alles andere geht für die Band drauf. ICH HABE MIR EIN PAAR ALBENKRITIKEN DURCHGELESEN UND EINIGE KRITIKER BEMÄNGELN, DASS „RELOCATED“ ZU NAH AN EUREN VORBILDERN DEPECHE MODE ANGELEHNT SEI. WAS MEINST DU DAZU? Letztlich ist es vollkommen egal, was wir machen, es gibt Leute die meinen selbst „Love is a shield“ klinge nach DEPECHE MODE. Ich kenne, liebe und schätze DEPECHE MODE und Vergleiche sind teilweise an den Haaren herbeigezogen. Klar haben wir Songs, wo wir uns hinsetzen und sagen, wenn wir den Song so machen wie er ist, dann geht er schon sehr in die Richtung DEPECHE MODE. Das ist uns jedoch egal, denn DEPECHE MODE haben diese Art von Musik nicht gepachtet. Sie ist nur die einzige Band, die von den Vielen, die früher so eine Art Musik gemacht haben, übrig geblieben ist. Das heißt, alle stürzen sich nur noch auf diesen Vergleich. Dass unsere Musik vielleicht auch sehr viele Anleihen bei anderen Bands hat und man diese genauso zitieren könnte, wenn man wollte, das betrachten die Leute nicht. Der Song „We are Lovers“ zum Beispiel hat viel mehr mit HEAVEN 17 zu tun als mit DEPECHE MODE. Durch den Anfang „We are lovers“ kommt dann oft sofort: „Das klingt doch wie DEPECHE MODE.“ Da lässt sich nur zu sagen, wenn Du meinst es klingt so – wunderbar, DEPECHE MODE ist ne geile Band. Martin Gore ist einer der größten Songwriter auf der Erde und wenn man findet, dass man CAMOUFLAGE mit DEPECHE MODE vergleichen muss, habe ich damit kein Problem. DAS ALBUM ENTHÄLT 14 SONGS. HABT IHR BEI DER PRODUKTIONSPHASE AUCH WELCHE WEGGELASSEN, DIE ES NICHT AUF DAS ALBUM GESCHAFFT HABEN? Natürlich haben wir Songs weggelassen. Wir haben die Produktion mit 20 Ideen begonnen, doch dann blieben durch den bereits genannten Prüfprozess einige auf der Strecke. Songs wie „We are lovers“ oder „Motif Sky“ blieben bereits bei „Sensor“ unberücksichtigt. Schon damals haben wir an den beiden Stücken gearbeitet, sind aber nicht auf den Punkt gekommen. Mit Sicherheit wird der ein oder andere von den 8 Songs, die es nicht auf dieses Album geschafft haben, den Weg auf das nächste Album finden. Andere werden für immer in der Schublade verschwinden. Es gibt einige Stücke – da bin ich mir sicher – die sind gut, aber da haben die anderen nicht so gefühlt wie ich und man muss dann irgendwann noch mal den Song überarbeiten. 23 JAHRE CAMOUFLAGE – WIE SIEHST DU SELBST EURE ENTWICKLUNG UND WELCHE ZIELE HAST DU NOCH MIT DER BAND? Ich denke mal, ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Ich habe wahnsinnig viel gemacht, ich hab wahnsinnig viel ausprobiert. Ich habe sehr viele Ohrfeigen gekriegt für das, was ich ausprobiert habe und bin mit Lob überschüttet worden für andere Sachen. Von daher sehe ich einer Produktion immer sehr entspannt entgegen. Ich möchte natürlich schon neue Wege gehen und neue Dinge ausprobieren. Dennoch mache ich mir jetzt nicht den Druck, dass ich irgendetwas wahnsinnig neues kreieren muss. Unser Weg für die Zukunft heißt, unserer Linie treu zu bleiben. WIRD ES ZUM 25-JÄHRIGEN BANDBESTEHEN WAS BESONDERES FÜR DIE FANS GEBEN? Nächstes Jahr haben wir erstmal 20 Jahre „Great Commandment“. Dann kommt die Live-CD und die Live DVD. Und dann mal schauen, was es noch an Schmankerl geben wird. WENN DU AUF DIE BANDGESCHICHTE SCHAUST, WAS HÄTTEST DU GERNE ANDERS GEMACHT? Wenn ich Dinge verändern könnte, hätte ich anstelle des Dritten gleich das vierte Album gemacht, weil das eher dem entsprochen hat, was die Leute von uns erwartet haben. Wir hatten mit unserer ersten Single, einer sehr technoiden Popnummer, gleich einen riesen Erfolg. Dann haben wir das nächste Album rausgebracht, das sehr organisch war, mit dem mainstreamigen, soften Titel „Love is a shield“ und das hat auch funktioniert. In diesem Bewusstsein und dem Gefühl, von dem wir zum damaligen Zeitpunkt getragen wurden, hätten wir eigentlich weiterprobieren können, um dann eben eine sehr akustische Platte zu machen. Wenn diese Platte Erfolg gehabt hätte, hätten wir im Grunde alles machen können. Es wurde aber kein Erfolg. Also mußten wir umdenken, was im Nachhinein das einzige ist, wo wir jetzt noch denken, das hätten wir anders machen müssen. Aber es ist halt so wie es ist und letztlich ist es auch gut so. WENN IHR ZURÜCK IN DIE VERGANGENHEIT SCHAUT, WAS HAT SICH HINSICHTLICH EURER ARBEIT IM VERGLEICH ZU EURER ANFANGSZEIT GEÄNDERT? Die Arbeit ist um einiges professioneller und das Klima zwischen uns ist freundschaftlicher geworden. Viel intimer und auch entspannter. Wir „kämpfen“ dafür, dass die Dinge auch entspannt bleiben. Dies ist für unsere Band sehr wichtig, weil wir vorwiegend kopflastige Musiker sind und wir uns dadurch auch manchmal selber im Weg stehen, wenn wir alles bis ins kleinste Detail ausdiskutieren. Dennoch schaffen wir es immer den Schritt zurück zu machen und es dann so ein bißchen von außen zu betrachten, – mit einem leichten Schmunzeln- um dann neue Kraft zu schöpfen wieder weiter zu machen. WIE HABT IHR EUCH AUF DIE TOURNEE VORBEREITET? Mit sehr viel Streß. Wir hatten elf Tage einen Proberaum angemietet, wo wir zusammen gespielt haben. Zum Teil mit unserem Gitarristen, der heute in Hannover leider nicht dabei ist, zum Teil haben Olli und ich uns abends für Gesangsproben getroffen. Letztendlich war die Phase so dermaßen stressig, dass wir beim ersten Konzert in Hamburg echt durch waren. Es war eine Erleichterung, als das Konzert angefangen hat. Du hattest nicht mal Zeit für Aufregung und das ganze, was drum herum passiert ist. Wir waren wirklich froh, als wir in der ersten Nacht im Tourbus saßen und uns dachten:“ So jetzt sind wir erstmal angekommen und alles andere bleibt außen vor“. WIE SIEHT EIN TOURNEETAG BEI EUCH AUS? Wir wachen irgendwo in einem Bus, in dem wir schlafen, auf. Der Bus steht dann vor der Konzerthalle. Zwischen 11 – 12h findet dann ein sogenanntes „Get in“ statt, wo man die Räumlichkeiten das erste Mal besichtigt. Dann gibt es Frühstück und frischen Kaffee. Im Anschluss fängt unsere Crew an aufzubauen und in der Zeit, wo sie dies tun, macht von uns eigentlich jeder, was er will. Ich gehe meistens mit Jochen ins Fitneßstudio, um mich fit zu halten oder wir fahren in einen Waschsalon und waschen die Wäsche oder machen einfach mal gar nichts und schauen uns einen Film an. Irgendwann ist dann der Soundcheck. Zwischen diesem und dem Konzert finden dann noch Interviews statt. Dann gehen wir auf die Bühne, spielen das Konzert. Danach geben wir noch Interviews und Autogramme. In der Zeit baut unsere Crew wieder ab und wenn alles eingeladen ist, fahren wir weiter. Meistens machen wir noch eine von uns benannte Schnitzelpause – irgendwo wird nachts noch was gegessen und dann geht es ins Bett und tschüß. WIE GUT WAR DIE DEUTSCHLANDTOURNEE BESUCHT? Sie war nicht so gut besucht wie die Vorherige. Wir haben aber auch fünf Konzerte mehr gespielt. Es war für mich vom Gefühl her um einiges enthusiastischer als beim letzten Mal. Die letzte Tour war geil, aber ich hatte jetzt mehr Spaß. Ich war dieses Mal um einiges fitter. Bei der letzten Tournee hatte ich die ganze Zeit gearbeitet, hab dann für die „Sensortour“ meinen Jahresurlaub genommen und war nach jedem Konzert richtig durch. Dieses Mal mache ich noch mehr auf der Bühne als bei „Sensor“, bin danach aber noch richtig fit. Ich fühle mich nach einem Konzert richtig gut und die Leute sind geil drauf und nehmen die neuen Songs super an. Jeder Abend ist genial! Wir spielen jedes Mal über 2 Stunden. Die Tour war der Wahnsinn und wir freuen uns jetzt auf die Auslandskonzerte. Schade ist nur, dass bei unserem letzten Auftritt heute in Hannover unser Gitarrist fehlt. WO WAR DAS BISHER BESTE KONZERT IN DEUTSCHLAND? Das in Dresden war der Hammer! Allerdings konnten wir Dresden nicht so genießen wie zum Beispiel Leipzig, wegen der DVD Aufnahme. Wenn Du weißt, dass acht Kameras auf Dich gerichtet sind und dass Du etwas aufnimmst, was dann nachher auch so erscheint, dann stehst Du ganz schön unter Druck. Am Abend vorher war es um einiges entspannter. Da haben wir in Leipzig gespielt und es war rappelvoll. Leider war es dort während und nach dem Konzert elendig heiß. Ich habe fast einen Kreislaufkoller bekommen. Leipzig war auf jeden Fall ein gefühltes Highlight. Aber auch in Soest, wo glaube ich nur 150 Leute waren, in einem Club, in den ungefähr 250 Leute reinpassen, herrschte eine Bombenstimmung. Die Leute dort haben so einen Alarm gemacht, dass Du so motiviert warst, dass es vom Gefühl her genauso geil war, als hättest Du vor 100.000 Leuten gespielt. Wir stehen eh mehr auf das Intime. „THE GREAT COMMANDMENT“ SPIELEN WIR IMMER NOCH GERNE, WEIL… …es ein geiler Song ist und die Leute darauf richtig abgehen. GIBT ES SCHON FESTIVALANFRAGEN FÜR DEN NÄCHSTEN SOMMER? Nein, da kümmern wir uns erstmal gar nicht drum. Wichtig sind für uns die nächsten 2 Monate und für das Jahr 2007 haben wir uns bis auf die Live CD/ DVD keine Gedanken gemacht und halten uns bisher bedeckt. AM 10. NOVEMBER ERÖFFNEN CAMOUFLAGE DIE TOUR IN ANKARA? WIE GROSS SIND DIE ERWARTUNGEN? Die Vorfreude ist groß. Was uns ein bißchen traurig stimmt ist, dass wir die Tour nicht in der Art und Weise spielen können wie die Deutschlandtour. Wir haben zum Beispiel unser Licht nicht mit dabei. Dies ist aus Kosten- und Transportgründen nicht möglich, so dass wir dort alles zusammenstreichen müssen, was wirklich sehr schade ist. Wir haben unseren Gitarristen leider auch nicht mit dabei, weil er selbst zu der Zeit Konzerte spielt. Von daher ist es alles etwas anders als auf der Deutschlandtour. Trotzdem freue ich mich wahnsinnig auf die Fans und das internationale Feeling. Im Dezember in Russland wird es auch hart, gerade bezogen auf die dortigen Temperaturen, aber ich freue mich wahnsinnig. DAS ERSTE, WAS ICH NACH EINER TOUR MACHE, IST… …für meine Familie da zu sein. Ich habe eine 10 Monate alte Tochter und zwei ältere Töchter, die sind 8 und 10 Jahre und mit denen habe ich einfach viel Zeit verbracht. Die Zeit war für mich, meine Kinder und meine Frau sehr wichtig. Die Familie ist das Großartigste, was es gibt! Als ich aus Asien zurück war, hatte ich erst mal einen richtigen Durchhänger. Es ist mir total schwer gefallen früh aufzustehen, weil man nach einer Tour in ein Loch fällt, da man während der Tour die ganze Zeit unter starker Adrenalinausschüttung steht. Man ist die ganze Zeit gefragt und dann kommst Du nach Hause und es ist einfach still. Ich habe es so genossen morgens um 8 Uhr aufzustehen, wenn meine Tochter aufgestanden ist. Ihr ihre Flasche zu geben, um mich dann mit ihr noch mal hinzulegen und noch mal bis 11 zu schlafen. Das war super! Einfach nur Familie, jeden Tag Familie, viel kochen, ganz viel Zwei- und Viersamkeit. WAS MACHT IHR DREI NACH DER TOUR? WIE KOMMUNIZIERT IHR? Wir telefonieren sehr viel. Den Heiko sehe ich fast täglich. Den Olli nicht soviel, weil er arbeitet. Aber wir haben schon ständig miteinander E-Mail Kontakt. Wenn wichtige Dinge anstehen, jeden Tag und wenn es ganz wichtig ist telefonieren wir. EIN CAMOUFLAGE KONZERT MUSS MAN ERLEBEN, WEIL… …es unheimlich viel Spaß macht. Weil man Songs hört, die man einfach kennt, die viele Leute teilweise lange Zeit durch ihr Leben begleitet haben und weil wir – glaube ich -, ohne dass es doof klingen soll, eine geile Liveband sind und mit den Leuten zusammen sehr viel Spaß haben. OHNE MUSIK WÄRE ICH… …sehr leer. Ich hatte einmal eine Phase zusammen mit Heiko, da haben wir uns `95 fast zwei Jahre lang nicht gesehen und da habe ich auch keine Musik gemacht. Als ich dann wieder anfing Musik zu machen, habe ich gemerkt, was mir wirklich gefehlt hat die letzten zwei Jahre. Das war ganz komisch, wie als wenn Du durch die Gegend läufst und das Gefühl hast irgendwas fehlt und Du kannst nicht mal genau definieren was Dir fehlt. Dann fängst Du wieder mit der Musik an und es geht Dir ein Licht auf. Du merkst, was Du vermisst hast, weil die Musik Dein Ventil ist. Durch Musik kann ich jedes Gefühl in irgendeiner Art und Weise rauslassen, was mir anders gar nicht möglich ist. BEREITET MAN SICH FÜR EINEN AUFTRITT BEIM ZDF FERNSEHGARTEN ANDERS VOR, ALS FÜR EINEN AUFTRITT BEIM AMPHI-FESTIVAL? Auf jeden Fall. Die meisten Fernsehauftritte sind Halb- oder Vollplayback. Da hörst Du Dir vorher den Song ein paar Mal an, aber ansonsten brauchst Du keine große Vorbereitung für so was. Bei einem Liveauftritt ist das schon ganz anders. Da probt man sehr intensiv. Wir haben nicht immer die Möglichkeit, dass die ganze Band zusammen probt und da bereitest Du Dich schon gezielt vor. Es ist auch ein ganz anderer Adrenalinkick, wenn Du auf einem Festival spielst oder ein Konzert gibst, als wie wenn Du im Fernsehgarten auftrittst, wo Du sehr viele Rentner hast und weißt, dass Du den Song nur performst, weil dieser im Fernsehen ausgestrahlt wird. WIE HAT SICH DEINER MEINUNG NACH DIE MUSIKSZENE SEIT 1980 VERÄNDERT? Es hat sich wahnsinnig viel verändert. Die ganze Medienlandschaft hat sich gewandelt. Gerade diese besondere Wertschätzung der Mediaanalysedaten beim Radio gab es früher gar nicht. Aber es gab ja 1980 auch noch keine Privatsender. Die Plattenfirmen haben sich auch neu formiert. Die haben in den 80er Jahren den CD Boom gehabt, wo sich einige dumm und dämlich verdient haben, wo teilweise das gesamte Tafelsilber verscherbelt und der ganze Backkatalog auf CD raus gebracht wurde. Ich kann mich noch daran erinnern, da war ich Platten kaufen und dann hattest Du Leute vor Dir in der Schlange, die hatten einen Einkaufswagen voll mit CDs, weil sie sich in den Läden alle Vinyl Platten auf CD gekauft haben. Solche Dinge gibt es heute nicht mehr. Heute gibt es die Brennerproblematik. Du hast Internet, was einerseits Fluch ist, da es immer noch illegale Tauschbörsen gibt, die gerade Bands wie uns schaden. Andererseits aber auch Segen ist, weil du eine neue Verbreitungs- und Promotionsmöglichkeit erschließen kannst, siehe MySpace. Neuerdings gibt es ja auch Bands, die ihren Bekanntheitsgrad nur durch das Internet erlangen via Songs per Youtube etc. Das muss man aber mit einer gewissen Skepsis betrachten und diese Bands kannst Du an einer Hand abzählen. Für mich als Künstler bedeutet das Internet, dass ich selber sehr viel machen kann, was ich früher nicht konnte. Nur ob man auch gleichzeitig davon leben kann, steht auf einem ganz anderen Blatt. WIE OFT SEID IHR AUF EURER EIGENEN HOMEPAGE BZW. AUF EURER MYSPACESEITE? Täglich. Sehr oft über Stunden, weil uns der Kontakt mit den Fans unheimlich wichtig ist. Unsere Internetseite betreue ich noch nicht allein. Das macht zur Zeit noch der Micha Schrök aus Jena, der gerade seine Examinas schreibt, weshalb viele Dinge nur über das Forum stattfinden. Die Myspaceseite betreue ich hauptsächlich allein und da findet auch ein sehr reger Austausch statt.

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