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CLAWFINGER (ZAK TELL)

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HEY, WIE GEHT’S… Alles wunderbar, ein netter Abend, ich mache ne Runde Interviews… aber ich bin noch kein Antwort-Roboter geworden, haha MAL GLEICH ZUM NEUEN ALBUM. DAS KLINGT VERDAMMT SELBSTBEWUSST UND NE GANZE ECKE AGGRESSIVER… Naja, selbstbewusst sollte man nach gut 14 Jahren im Business auch sein, sonst hält man das nicht durch. Aber aggressiver… ja, das trifft es schon ganz gut, denke ich. Wir sind ja auch eine gitarrenorientierte Metal-Band, und ich sehe auch keinen Grund nachzulassen, denn die Welt bietet noch mehr als genug Futter für harte Musik. DIE LETZTEN BEIDEN ALBEN WAREN ZWAR GANZ NETT, DOCH DAS NEUE WERK KLINGT UM EINIGES HÄRTER, DIREKTER UND RAUER. MEINER MEINUNG NACH SEID IHR ERST JETZT WIEDER RICHTIG ZURÜCK. Ja, das sehe ich ganz genauso. Ein Grund für diese Entwicklung ist sicherlich, dass ein Mitglied die Band verlassen hat. Das hat natürlich die ganze Struktur innerhalb der Band und vor allem beim Songwriting geändert. Das Arbeiten ging ganz anders von der Hand. Es wurde viel leichter auf einen Nenner zu kommen und hat im ganzen mehr Spaß gemacht… Ein weiterer Grund ist ganz sicher, dass wir zum ersten Mal überhaupt mit echten Drums aufgenommen haben. Sonst haben wir ja immer mit programmierten Drums gearbeitet, und nun hört sich der Sound alleine durch diese Änderung um einiges organischer und fetter an. Zudem haben wir die ganzen Loops und Samples runtergefahren und uns mehr auf das Wesentliche konzentriert. Manchmal ist eine Art Sound-Wand der effektivste Weg, die Power aus den Songs zu nehmen. Das wollten wir diesmal vermeiden. Wenn man versucht alle Kanäle mit Sounds voll zu stopfen, kann das oft derbe nach hinten losgehen. Wir wollten einen fetten Sound, aber dieses nicht künstlich aufbauschen. ABER IHR SEID JA NUN EIN „DREIER“ OHNE BASSER UND SCHLAGZEUGER… Ja, wir sind ein „Dreier“ während des Songwritings und der kreativen Zeit. Für Gigs und generell zum Proben holen wir schon noch unseren Drummer und Basser dazu. Die sind halt engagiert und daher nicht auf den Promo-Fotos. Das verwirrt die Leute natürlich. Die Jungs wollten halt nicht mehr fest in der Band sein, sondern nur als Job bei uns spielen, was für sie heißt, dass sie ihr Geld kriegen, wenn wir z.B. gar nichts verdienen, haha. Unser Drummer ist seit ´97 dabei und unser Basser eigentlich seit dem Beginn. Aber die Aufteilung hat sich halt geändert. Es war zwar am Anfang etwas seltsam, aber jetzt hat sich das alles gut eingespielt. Alles geht relaxter von der Hand. Wir können zu dritt besser die Songs schreiben und die Jungs verdienen ihr Geld, wenn sie bei uns spielen. So hat eigentlich jeder profitiert. Und unser Basser war einfach nicht mehr glücklich. Wir haben das schon länger gemerkt. Er war einfach nicht mehr voll dabei, und auf diesem Weg spielt er noch mit uns, hat aber nicht die Verpflichtung sich auch kreativ und verantwortlich in die Band einzubringen. Er hatte immerhin dann doch die Eier zu sagen, wie er denkt und fühlt und damit ist das auch völlig ok. Und nun können wir endlich weiter nach vorne gehen, denn irgendwie hat sein Unwohlsein natürlich die gesamte Band eingebremst. UND WIE WICHTIG IST ES, DASS IHR DREI NUN ZUSAMMEN BLEIBT? ODER KÖNNTE ES AUCH NOCH WEITER GEHEN, WENN NOCH WER AUSSTEIGT? Puh, schwer zu sagen. Mick Jagger sagte einmal, dass er „Satisfaction“ nie nach seinem 40sten singen würde. Also, von daher sollte man sich nie festlegen. Wir sind drei verschiedene Menschen mit drei eigenen Leben. Wenn wir dann aber zusammen kommen und die Chemie und die Power noch immer da ist, dann machen wir auch weiter. Und das Ende kann in einem halben Jahr kommen, aber auch erst in 10 Jahren. Das merkt man dann, wenn es soweit ist. Aber wenn wir nur ansatzweise weiter Alben wie dieses machen können, gibt es keinerlei Grund ans Ende zu denken. MIT DER CD KAM EIN BRIEF VON DIR… Ja, richtig. Das Label und unser Manager wollten ne neue Bio von mir geschrieben haben. Und dazu konnte mich niemand nicht bringen. „Blabla, die Band hat x Millionen Platten verkauft und sind die Pioniere des Crossover und sind nu wieder da mit ihrem Super-Duper neuen Album…. Bla bla“… keine Chance! Ich habe zu viele von diesen dösigen Bios gelesen…wenn die so was wollen, sollen die einen Profi-Schreiber engagieren. Ich habe halt diesen Brief geschrieben und dort meine Gedanken über das Album ausgedrückt und wenn die den irgendwo belegen wollen, dann sollen die das tun. Ich bin mir nicht mal sicher, ob diese Bios von irgendwem gelesen werden. Und mir war es doch wichtig, dass da etwas von der Band kommt und nicht von irgendwem, der uns nur cool aussehen lassen soll. DER BRIEF UND AUCH DEINE TEXTE KLINGEN WIEDER, WIE GEWOHNT, SEHR ANGEFRESSEN. GEHT MAN NACH SO VIELEN JAHREN NICHT RELAXTER ZU WERKE? Ja, könnte man meinen. Aber wir sind nun mal eine gitarrige Rock `n` Roll-Band, und da sind die Texte halt keine Gute Nacht-Geschichten. Aggressive Riffs, aggressive Vocals, so haben wir es immer gemacht. Klar, wir sind älter und ruhiger geworden, aber es gibt dennoch den gleichen Mist auf der Welt, wie vor Jahren. Und es gibt noch genug Themen, derer ich mich noch nicht gewidmet habe. Überall passiert soviel Mist und alles, was man so sieht und hört kann der Auslöser für einen Song sein. Ich finde es wichtig, dass man eine Message rüberbringt. Ich bin kein Tommy Lee von MÖTLEY CRÜE, wobei der sicher ein cooler Typ ist, mit dem man eine Menge Spaß haben kann. Aber diese Art Songs gibt es einfach zu viel. Ich mache ernste und persönliche Songs. EINE FRAGE, IHR STAMMT JA AUS NORWEGEN UND SCHWEDEN… STEHT IHR AUF BLACK METAL? Ähm, nein… interessiert mich eigentlich überhaupt nicht, haha! Wieso? MHM… EIN SONG VON EUCH HEISST JA „GOD IS DEAD“… Haha, ja aber Religion geht doch viel weiter, als nur bis zum Black Metal, ha. Ja, eigentlich wollte ich mich nie so um dieses Thema kümmern, und trotzdem kommt immer wieder mal solch ein Text zustande. Es ist schon fast faszinierend. Nach all den Jahrhunderten, nach all den Dingen, die so schief gegangen sind und nach alle den Menschen, die sterben mussten, ist Religion noch immer so mächtig. Das soll einer verstehen. Für mich steht in der Bibel und den Jesus-Geschichten genauso viel bzw. wenig Wahrheit, wie in „Herr der Ringe“. Für beides gibt es keine Beweise, dass es wahr ist. In Neuseeland hat man eine kleine Stadt errichtet, in der Hobbits leben sollen. Da sah ziemlich echt aus und hätte durchaus schon ewig da sein können. Es ist alles eine Kopf-Sache. Irgendwann muss man einfach aufwachen und merken, dass Gott und das alles einfach nur eine Illusion ist. Man sollte sich um sein eigenes Leben kümmern und sich seinen Problemen selbst stellen und sie lösen und nicht darauf hoffen, dass der das macht. Die Lyrics treffen es ganz gut „God is dead, he’s just a Ghost under your Bed“. Das sind schon fast punkige Lyrics. DAS GANZE ALBUM HAT EINE DEUTLICHE PUNK UND CORE-SCHLAGSEITE. WIE GEHST DU DAMIT UM, WENN LEUTE EUCH DARAUF ANSPRECHEN, DASS IHR EIGENTLICH CROSSOVER-PIONIERE SEID UND WARUM IHR NUN MEHR AUF PUNK GEHT? Ich weiß gar nicht, was das Wort „Crossover“ überhaupt bedeuten soll. Eigentlich geht es darum, verschiedene Stile miteinander zu kombinieren, halt zu kreuzen. Und ursprünglich wurde so der Mix aus Rap und Metal bezeichnet. Wir klingen ja grundsätzlich noch wie damals. Wir haben nur neue und andere Sachen mit hinein genommen. Es gab immer Kleinigkeiten, die uns von anderen unterscheiden. So sollte es auch in einer Band sein. Wenn man über viele Jahre Musik macht, bringt man immer wieder neues und anderes mit ein. So sollte es jedenfalls auch sein. Und diesmal haben wir halt diesen für uns neuen organischen Sound einer Menge Punk-Sound. IHR HATTET IMMER SCHON PROVOKANTE SONGTITEL. FRÜHER WAR ES „NIGGER“ UND HEUTE Z.B. „FAGGOT IN YOU“ ODER „RIGHT TO RAPE“… Jede Sekunde wird ein Idiot geboren. Und wenn man in Texte und Titel etwas falsches hininterpretiert bzw. das einfach falsch verstehen will, kann ich auch nicht helfen. Viele wollen uns dann damit nur provozieren und eine Reaktion erhalten, um uns damit angreifbar zu machen. Mit solchen Typen geben wir uns gar nicht ab. Ich schreibe in meinen Texten das, was ich denke, und fühle und achte dabei nicht auf irgendeine Zensur, und ob sich darüber jemand aufregen könnte. Das sind einfach meine Gedanken und Gefühle, und wenn jemand damit nicht klar kommt, ist das sein Problem. Klar, wenn diese Person es drauf anlegt, kann es auf Dauer auch zu unserem Problem werden. „Nigger“ war vielleicht etwas zu stumpf. Wir wollten einfach zu viel, zu schnell und zu früh sagen. Wir waren einfach noch jung und ungestüm, was aber den Song an sich nicht weniger cool macht! Aber es hätte vielleicht noch coolere Wege gegeben, das auszudrücken. Aber wir sind nun mal echt und sind das immer gewesen. Wir hätten ja auch einen auf unpersönliche Pop-Band machen können, aber das wären nicht wir gewesen. MIT „THE FAGGOT IN YOU“ ZIELT IHR ABER NICHT NUR AUF DAS THEMA „SCHWULE“ AB, ODER? Es geht generell um die Homophobie, die man derzeit überall spürt. Und dieser Song ist ein gutes Bild dafür, wie manche Sachen einfach unnötig verteufelt und unterdrückt werden, weil man sie nicht versteht. In diesem Falle halt die sexuelle Orientierung. In dem Sample zu Beginn sagt ein Prediger aus den 60ern oder 70ern, dass die Homosexuellen uns „normale“ und einfach Leute am liebsten umbringen würden und deswegen nicht mit andersgeschlechtlichen verkehren, so einen rassistischen und homophobischen Schwachsinn. Dieser Track geht an die Menschen wie ihn. Diese ganzen so harten und straighten Typen, denen man nichts anhaben kann. Die sollen mal ihre weibliche Seite entdecken. Es ist nichts falsches daran Gefühle zu zeigen und sensibel zu sein. Und vor allem sollte man niemanden wegen seiner sexuellen Vorlieben verurteilen… SELBST WENN MAN IN EINER ROCK-BAND SPIELT, HEHE… Gerade das macht das ganze ja so interessant und unterstreicht das noch mal. Rob Halford hat sich geoutet und wird mittlerweile akzeptiert… scheinbar… aber es gibt immer noch viele, die sich darüber aufregen. Und dieser Song ist eine Art neuerer „Nigger“, denn damals ging es um Ausländer, diesmal um Schwule. Und wieder mal klare Worte, wie man es von mir kennt. GIBT ES EINEN LIEBLINGS-SONG VON DIR, ODER EINE ART „LEADING-TRACK“? EVTL. DAS TITELSTÜCK? MEIN FAVE IST „SICK OF MYSELF“. Eigentlich sollte das ganze Album beachtet werden, wie auch alle unsere anderen. Meine persönlichen Faves sind eben „The Faggot in you“, das Titelstück und „Right to Rape“. Das sind so meine Eckpfeiler des Albums. Aber die anderen in der Band haben sicherlich ihre eigenen. „SICK OF MYSELF“ ist natürlich ein klassischer CLAWFINGER-Rocker in alter Tradition. Da merkt man, dass Du sicher die alten Sachen auch sehr magst. Aber ich selbst auch. Der Track rockt sehr cool! VOR VIELEN JAHREN HABT IHR IN BIELEFELD GESPIELT, UND DAS WAR EINER DER BESTEN GIGS, DIE WIR JE GESEHEN HABEN. HOFFENTLICH KOMMT IHR MAL WIEDER! Ja, das wäre cool. Wir planen derzeit eine Tour für Januar/ Februar. Aber die Dates stehen noch nicht wirklich fest. Da müssen alle immer schön auf die Page sehen und sobald was klar ist, steht es dort. Ich kann nicht mehr sagen, weil ich selbst noch nicht mehr weiß, haha. IHR HABT JETZT BEI NUCLEAR BLAST UNTERSCHRIEBEN. WIE LÄUFT ES MIT DENEN? Es ist sehr wichtig, dass ein Label seinen Job gut macht, wobei es nicht so wichtig ist, wie groß es ist. Klar, ein großes Label hat sicherlich bessere Möglichkeiten für Promotion. Aber eine kleine Firma kann sich oft mit mehr Leidenschaft den einzelnen Bands widmen. Man wird sehen, wie es bei uns läuft, aber auf alle Fälle ist es schon um einiges besser als bei dem anderen. Ich habe z.B. in den zwei Wochen jetzt schon mehr Interviews gemacht als beim alten Label innerhalb von 6 Monaten. Wir haben für unsere letzte Alben echt gemacht und getan, und auch viel getourt, und das Label hat kaum was getan, um Interviews zu organisieren oder uns in die Medien zu bringen. So geht’s halt nicht. Die wundervolle Welt der Musik-Industrie. IN DEINEM BRIEF BEÄUGST DU AUCH KRITISCH DIE NEUEREN BANDS, DIE SICH CROSSOVER BZW. NU METAL NENNEN. VERFOLGST DU EIGENTLICH, WAS DA SO ALLES ABGEHT? Durch das Internet geht das schon ganz gut. Ich bin aber kein purer Metal-Head. Ich bin ein Musik-Fan im generellen. Ich höre auch viel Reggae und Soul. Aber klar, ich versuche so auf dem neusten Stand zu bleiben und lasse da auch viel Zeit und Geld, haha. Mhm, in dem Rock-Bereich kann ich mich im Moment am meisten für SYSTEM OF A DOWN begeistern. Crossover im eigentlichen Sinne! Die kreuzen ja wirklich viele Dinge, und ich verfolge die schon seit ihren Demo-Zeiten von ´98, oder so. Und dennoch sind die immer noch frisch und sehr kraftvoll. Und sie rocken! Dann sind da noch SKINDRED, die leider nie so groß geworden sind, wie sie es verdient hätten… GIBT ES EINEN KÜNSTLER – TOT ODER LEBENDIG, EGAL WELCHES GENRE – MIT DEM DU GERNEN MAL SPIELEN ODER ARBEITEN WÜRDEST? Da wäre für mich FRANK ZAPPA die erste Wahl! Keine Ahnung, ob da war gutes bei rauskommen würde, aber es wäre einen Versuch wert. Bei den lebenden würde ich TOM WAITS sagen, das wäre sicherlich sehr interessant. Und dann wäre da noch MIKE PATTON. Das sind die Top drei, die mir so auf den Punkt einfallen. SO NUN SEID IHR WIEDER RICHTIG DA… Hell, ya! Wir werden sehen. Wir haben unser bestmögliches getan und wir werden sehen, wie es läuft, aber wir fühlen uns gut! Und an unseren treuen deutschen Fans: Checkt das Album an! Wenn es euch gefällt, dann kauft es! Wenn nicht, kauft es trotzdem und schenkt es Eurem kleinen Bruder, haha! Wir kommen wieder nächstes Jahr und kommt zu den Shows. By yourself und denkt daran, dass Musik ein „Ohrgasmus ist und nicht ein 2Min-Clip auf MTV! Musik ist mehr als ein dösiges Video… WOBEI IHR SELBST JA GERADE EINES GEDREHT HABT, HEHE… Ja, haben wir, haha. Aber das ist einfach ein Performance-Video, wie eine Live-Show. Keine große Ausschmückung, sondern einfach nur wir. Passend zum Album. Falls es ein „Hit“ wird, sieht man es evt. ja irgendwo mal… ok, MTV sicher nicht, ha. Aber Fuck it, TV ist sicherlich eh nicht die geeignete Plattform für gute Musik! GUT, DANN DANKE FÜR DAS INTERVIEW UND HOFFENTLICH BIS BALD AUF TOUR! Be there!

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