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.COM/KILL (ADRIAN HATES)

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„Nicht ein einziges .COM/KILL-Stück hätte ich so bei DIARY veröffentlicht. Unter keinen Umständen!“ ADRIAN HATES, BEKANNTERMASSEN CHARISMATISCHER FRONTER VON DIARY OF DREAMS, GIBT AUSKUNFT ÜBER SEINE NEUE MUSIKALISCHE SPIELWIESE .COM/KILL, DIE ER ABERMALS MIT SEINEM PARTNER GAUN:A BETREIBT. AM RANDE DES GASTSPIELS IN DER MATRIX STELLTE ER SICH DEN INVESTIGATIVEN FRAGEN UNSERER WOHLGESCHÄTZTEN KOLLEGIN KATARINA MAZURKIEWICZ VOM RADIOSENDER HERTZ87,9, WO DAS INTERVIEW AM 23.6.2013 IM O-TON GELAUFEN IST. FÜR DEN TERRORVERLAG WURDE ES TRANSKRIBIERT. BEI EINEM DEBÜT KANN MAN JA NORMALERWEISE STANDARDFRAGEN STELLEN WIE: „WO HABT IHR EUCH KENNENGELERNT“, WAS MAN SICH BEI EUCH NATÜRLICH SCHENKEN KANN. ANDERERSEITS HABE ICH IRGENDWO GELESEN, DASS DAS PROJEKT SCHON 1996 IN DER SCHWEBE WAR… Nun man kann nicht sagen, dass .COM/KILL zu dem Zeitpunkt schon konkret war, aber es gab erste Sachen, die ich sagen wir mal „auf Abwegen“ gemacht habe und die nicht zu DIARY OF DREAMS passten. Und das war tatsächlich im Januar 1996 während der Produktionsphase von „End of Flowers“. Damals habe ich mit einem alten Akai S900 Stein- und Blech-Geräusche gesampelt und daraus eine Rhythmik gebaut, die dann „Kalt wie Stein“ hieß. Und von der Refrainstruktur ist das exakt wie das heutige „Das Blendwerk“, was damals final dann auch schon so benannt wurde. Von der Grundstruktur und der Tonalität ist das alles von damals übernommen worden. Insofern ist auf dem Debüt tatsächlich ein Stück, das seine ursprüngliche Idee 1996 hatte. Und über die Jahre gab es immer wieder Songs, die nicht zu DIARY passten und in eine spezielle Schublade für „Irgendwann-mal“ gelegt wurden. Vieles ist aber auch frisches Material. Gaun:A ist jetzt auch schon über 10 Jahre bei DOD dabei… UND WAR ER VON VORNEHEREIN ALS PARTNER FÜR ETWAS „NEUES“ ANGEDACHT? Wir haben halt immer mal wieder darüber geredet, dass man etwas Neues machen müsste, um wieder so eine Art Narrenfreiheit zu haben. Wobei selbst die, die sagen, es klinge nicht wie DIARY, vergleichen es natürlich damit, wir sind halt die gleichen Musiker. Das stört ja bei Bands, wo die Nebenprojekte 100 Prozent gleich klingen wie das „Original“, auch keinen. Siehe DEPECHE MODE. Abgesehen von Wilders RECOIL-Porjekt. Da sind die letzten Sachen ja sensationell, wie kleine Musikreisen, die man unternimmt. Wie auch immer, wir haben immer wieder über ein Nebenprojekt gesprochen und irgendwann gesagt, dass wir die Lawine jetzt lostreten, wir haben jetzt Zeit, „Ego:X“-Album und Touren sind vorbei und es war ein schöner Moment, um mal Abstand zu nehmen und einen neuen Startpunkt zu setzen. Wir haben uns immer wieder gesagt: „Nach dem nächsten DIARY-Album haben wir Zeit und machen was“ und dann kamen Touren etc. dazwischen, aber jetzt war der Moment gekommen. WENN MAN DEINE PERSÖNLICHEN PROJEKTE DER LETZTEN 12 MONATE BEOBACHTET, DANN KÖNNTE MAN AUF DIE IDEE KOMMEN, DASS DIARY DICH JETZT VIELLEICHT NICHT GELANGWEILT HABEN, ABER DASS DU ZUMINDEST EIN VENTIL GEBRAUCHT HAST, DAMIT DIES IN LETZTER INSTANZ NICHT PASSIERT… Nein, eigentlich nicht, du kannst die letzten 12 Monate vielleicht sogar besser zusammenfassen als ich, aber wir hatten ja schon einige Konzerte. 2013 war ein wenig ruhiger, aber man kann nicht 12 Monate im Jahr auf Tour sein, so gerne ich das würde. Nach der Akustik-Tour war es auch einfach an der Zeit, mal etwas Luft zu holen. Danach haben wir mit Accession noch ein paar CDs veröffentlicht, wo ich ja nun auch engstens involviert bin. Ich fiebere total auf die neuen DIARY-Sachen hin, ich hab das erste Material schon geschrieben und nach den Berlin-/ Leipzig-Shows werde ich mich sofort für das neue DIARY-Album ins Studio setzen. Den Rest des Jahres verbringe ich dann dort. SCHLÄFST DU ÜBERHAUPT IRGENDWANN? Mittlerweile bemühe ich mich, etwas verantwortungsbewusster zu sein und ab und zu auch etwas zu essen und zu trinken (lacht). Nein passt schon, nach außen sieht das jetzt vielleicht etwas extremer aus als es ist. Ich habe nie begriffen, dass manche Bands nur alle 3 bis 6 Jahre ein Album veröffentlichen, das würde mich zu Tode langweilen. DAS WÜRDE FINANZIELL WOHL AUCH NICHT FUNKTIONIEREN… Weil sich CDs so super verkaufen? (lacht) Es gibt sicher eine Art finanziellen Zyklus, aber wenn ich nur ein Album in 5 Jahren machen dürfte bzw. müsste, dann würde ich verzweifeln. Ich könnte mich da gar nicht auf 13, 14 Songs limitieren, da würde ich am Rad drehen. Dann hätte ich 18 Nebenprojekte… Alle 1.5/ 2 Jahre zu veröffentlichen, das hält auch frisch. Da ist immer Wirrwarr im Kopf, der dir durch die Birne jagt, der muss an die Öffentlichkeit. Wir leben meiner Meinung nach auch gesellschaftlich und kulturell in so turbulenten Zeiten, dass man von dieser Seite aus so viel kreativen Input bekommt, der muss einfach raus. WIE SEID IHR DENN EIGENTLICH AUF DEN NAMEN .COM/KILL GEKOMMEN? Das war so eine kreative Geschichte, wo Gaun und ich zusammengesessen und uns Bälle zugespielt haben. Das machen wir gerne, wirbeln mit Satzzeichen und Ansätzen herum. Irgendwann entstand dieses Basisthema mit .com, weil wir uns damit ja auf den ganzen medialen Irrsinn beziehen, der allerorten stattfindet. Die weltweite Vernetzung und Co., wobei man immer Vor- und Nachteile sehen muss. Es gibt da eben auch Gefahren und man muss abwägen, ob man selbst noch das Medium kontrolliert oder ob es eben genau andersherum ist. Dass man vom Internet kontrolliert wird, weil man Angst hat, etwas zu verpassen, das ist eben auch gefährlich. Wenn ich einmal am Tag online gehe, um etwas zu posten, um Fanreaktionen zu lesen und zu beantworten, das ist vollkommen legitim. Aber es darf keine Abhängigkeit von dem Medium entstehen. Und das haben sehr sehr viele, das sehe ich in meinem engsten Kreis, wo viele gar nicht mehr die Finger davon lassen können. Und wo wir mit .com/kill darauf hinauswollen, ist, dass jeder eine Meinung hat (was ja normal ist), diese aber nun auch publizieren und andere Leute damit anstecken kann. Und genau das finde ich bedenklich und irrsinnig, weil jeder Gestörte seine Wahnvorstellungen, die oft auch politisch sind, unter die Leute bringen kann. Im privaten Kämmerlein ist das besser aufgehoben. Und der /kill-Teil spielt sozusagen auf diesen „Hirntot“ an, den man selbst fabriziert. DIE LETZTE DIGITALE REVOLUTION DAVOR WAR WOHL DAS FERNSEHEN… Das zählt auch dazu, genau wie das Ding in meiner Hand, Computer, Spielekonsolen. Alles, was der Mensch braucht, damit er sich nicht mit sich selbst beschäftigen muss. DA DIE LESER ES NATÜRLICH NICHT SEHEN KÖNNEN: DU HÄLTST EIN SMARTPHONE IN DER HAND, DIE MARKE VERRATEN WIR JETZT NICHT… Warum nicht? Ist ein Obst… in der Tasche beim Sitzen nur ein wenig unbequem… MIT DEM „PUNKT“ ZU BEGINN DES BANDNAMENS HABT IHR EUCH AUCH ÜBERALL NACH VORNE DURCHGEBOXT IN AUFZÄHLUNGEN, NICHT UNCLEVER. Genau, aber viele listen es auch ohne die Sonderzeichen. FRÜHER GAB ES IN ZEITSCHRIFTEN OFT EINE RUBRIK, WO MAN BEI 2 BILDERN MEHRERE UNTERSCHIEDE FINDEN MUSSTE. WENN MAN DAS MAL AUF DIE MUSIK BEZIEHT, KÖNNTEST DU VIELLEICHT 5 UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DIARY OF DREAMS UND .COM/KILL BENENNEN? Ich persönlich würde DIARY introvertierter, melancholischer, nachdenklicher, mystischer sehen. .COM/KILL ist extrovertiert, direkt, mehr ins Gesicht. In gewissem Sinne gedanklich und musikalisch brutaler. Es ist tanzbarer und auf jeden Fall elektronischer, da es hier keine Gitarren gibt. Gesanglich ist es auch anders, da viel mehr im Computer nachbearbeitet wurde, da sind Vocoder-Stimmen und so. Das geschieht bei DOD nur sehr selten. Bei C/K wurde fast komplett auf Flächen-Sounds, Streicher, Orchestrierungen verzichtet. Es ist auch in gewissem Sinne monotoner, bei DIARY wirst du nur sehr selten 4 Takte finden, wo alles exakt gleich ist. .COM/KILL soll durch die Monotonie auch ein meditatives Element haben, ich glaube jetzt habe ich schon weit mehr als 5 Unterschiede benannt… Der Wechsel Deutsch/ Englisch ist bei beiden Acts zu finden, aber GAUN:As Stimme hat jetzt auch viel mehr Präsenz. Witzigerweise täuschen sich viele, wer bei C/K jeweils die einzelnen Tracks singt, weil wir da mehr experimentiert haben. WAS DEN PUNKT „MONOTONIE“ ANGEHT, WÜRDE ICH DIR FAST WIDERSPRECHEN WOLLEN, GERADE WENN MAN DAS WERK INTENSIVER MIT DEM KOPFHÖRER ANGEHT, ENTDECKT MAN SCHON EINIGE FINESSEN. WIE Z.B. DIE OFRA HAZA-„GEDÄCHTNISPASSAGE“ BEI „MONSTER DIVINE“. Oh das werde ich ihr mal weiterleiten (lacht)… MAN ENTDECKT HALT DIE FINESSEN SPÄTER… Das stimmt wohl, die Abwechslung findet sich hier mehr in den Rhythmusstrukturen… Aber die lyrische Arbeit ist auch viel komprimierter und reduzierter bei .COM/KILL und es ist auch tonal deutlich statischer. Was bei DOD nur sehr selten vorkommt. Und das ist spannend, mach mal auf einem Ton ein ganzes Stück, das dennoch abwechslungsreich klingt. So etwas ist eine Herausforderung, die uns auch Spaß bereitet. Wir haben uns damit jetzt so eine Art Basislager aufgebaut und ich glaube, dass da in Zukunft auch noch eine lange Reise vor uns liegt. Da werden die Wege zwischen beiden musikalischen Ausdrucksformen sich noch viel mehr trennen, die Abnabelung ist jetzt ja erst mal ganz frisch. FÜR DICH ALS LABELCHEF, DER SCHON 20 JAHRE IN DER BRANCHE IST, IST ES SICHERLICH EINE VERGLEICHSWEISE KOMFORTABLE SITUATION, EIN DEBÜT ZU VERÖFFENTLICHEN… DER WEG WÄRE FÜR EINEN NEULING DER „SZENE“ SICHER VIEL STEINIGER. ICH HABE MIR SELBST DIE FRAGE GESTELLT, WIE ICH AUF DAS ALBUM REAGIERT HÄTTE, WENN ICH KEINE HINTERGRUNDINFORMATIONEN GEHABT HÄTTE… Diesen Gedanken hatten wir natürlich auch, wie würde jemand reagieren, der mit DIARY überhaupt keinen Kontakt hat oder oben über keinerlei Infos verfügt. Diese Frage können wir natürlich am allerwenigsten beantworten. Spannend sind aber die Fanreaktionen der letzten Wochen, denn die könnten unterschiedlicher kaum sein… Die einen sehen es absolut in der Tradition von DIARY, die anderen gar nicht. Ich kann dazu nur feststellen: Nicht ein einziges .COM/KILL-Stück hätte ich so bei DIARY veröffentlicht. Unter keinen Umständen! Nicht aus qualitativen sondern aus stilistischen Gründen. Eine gewisse Nähe ist natürlich dennoch vorhanden, wir sind halt dieselben Künstler bzw. Menschen. DU HAST FÜR DEN AUFNAHMEPROZESS MIT VIELEN LEUTEN ZUSAMMEN GEARBEITET, DIE DICH SCHON ALL DIE JAHRE BEI DIARY BEGLEITEN, HATTEST DU NICHT MAL DIE IDEE, MIT „FRISCHEN“ KRÄFTEN AUFZUNEHMEN, DIE EINEN „ANDEREN“ BLICK AUFS GESCHEHEN HABEN? So wie du das fragst, wirkt es fast so, als wenn wir „faul“ gewesen wären. Künstlerische Arbeit hat natürlich irrsinnig viel mit Vertrauen zu tun. Und nicht zu vergessen das Geld. So traurig das ist. Wenn ich beispielsweise ein Shooting mit einem neuen Fotographen mache und da viel Zeit in die Planung stecke, und am Ende gefallen mir die Fotos nicht, dann hab ich einen Riesen-Aufwand, kein Resultat und dennoch eine Rechnung auf dem Tisch. Dann suche ich mir lieber von den vielen Fotographen, die ich kenne, diejenigen aus, die 100 Prozent das umsetzen können, was wir uns gerade vorstellen. Wir wollten ja für das .COM/KILL-Shooting etwas ganz Spezielles. FÜR WELCHES DER BEIDEN? DIE PORTRAITFOTOS ODER DIE ILLUSTRATIONEN? Letztgenannte sind von Annie Bertram. Die Verwurstung des CK-Teddys habe ich zusammen mit Ingo Römling zusammen entwickelt. Ein super kreativer Mensch. Ingo kann kaputte Dinge so gestalten, wie ich ihm das beschreibe, er kann das transportieren. Annie wiederum ist einfach einmalig mit ihren Locations. Und Silke Jochum konnte den dreckigen Strassenlook für die Portraits bestens umsetzen. Mit Gaun:A zusammen wurde entschieden, wer jeweils der richtige Mensch für welchen Job ist. Das mag in gewissem Sinne faul wirken, andererseits wissen wir genau, von wem wir 100 Prozent das bekommen, was wir wollen. Das Portfolio an Menschen, das man um sich hat, wächst natürlich auch stetig. Mit Rainer Assmann hab ich beispielsweise an jeder Platte gearbeitet, seitdem ich Musik mache. Nicht mit ihm zu arbeiten, wäre fast eine Art Betrug. Selbst die beiden ersten DIORAMA-Platten wurden mit ihm gemacht. Die Arbeitsweise hat sich natürlich sehr geändert, die ersten waren ja noch analog. Mittlerweile kommt Rainer einfach nur noch für 1, 2 Tage dazu und wir hören uns die Sachen an. Er gibt ein paar Tipps, der Mann ist 30-40 Jahre im Geschäft, der hört halt noch mal anders als wir und das ist ein interessantes Feedback. Guido Fricke, Daniel Myer, das ist halt unser Kreativ-Kreis, „never change a running system“, könnte man sagen. „JÜNGERE“ BANDS WIE SLAVE REPUBLIC HABEN MIR ERZÄHLT, DASS DU SCHON MAL DEREN MATERIAL LOBST, ABER SAGST „DA GEHT NOCH WAS“. WELCHE PERSON(EN) DÜRFEN DAS BEI DIR? Ich selbst natürlich, der besonders streng mit mir ist, dann Gaun:A, der manchmal anmerkt, dass etwas noch nicht kickt. Albert Diehl, unser Booker und Manager. Dazu Leute aus dem engen Umfeld, Freunde, die gar keine andere „Wahl“ haben, die Songs zu hören, wenn sie ständig durchs Haus schallen, die können die Texte meist eher als ich (lacht). ODER DIE DANN AUF BRITNEY SPEARS UMSCHALTEN… Du ich habe im Auto eine Anzeige, wie lange ich dort schon verbracht habe, das ist erschreckend, da kennt man zwangsweise alles aus dem Radio und ist froh, wenn man mal auf Deutschlandfunk umschaltet… DU BIST JA NICHT GERADE EIN FREUND VON REMIXEN ODER COVER-VERSIONEN. .COM/KILL IST ABER DEUTLICH CLUBORIENTIERTER, DA FEHLT DOCH DEFINITIV EIN REMIX VON ICON OF COIL… Da hast du in gewissem Sinne Recht, bei CK würden Gaun und ich Kooperationen durchaus begrüßen, während ich das bei DIARY nach wie vor strikt ablehne. C/K ist mehr wie eine Spielwiese, wie ein Partyraum, wo du einfach mal was ausprobierst. Das ist wie das Kind, das jahrelang weggesperrt wurde und nichts durfte und jetzt einfach mal alles ausprobiert. Vielleicht passt eben auch die stumpfe 4/4-Techno-Basedrum in diesem Kontext. Bei DIARY würde ich da Schüttelfrost kriegen. DIARY muss ich vor so etwas beschützen. ALSO WÄRE BEISPIELSWEISE EIN REMIX-CONTEST FÜR FANS DENKBAR? Kann ich nicht sagen, wir haben das Ding ja gerade erst draußen, geben ein paar Konzerte und schauen, wie das Ganze so ankommt. Danach schauen wir mal, was das nächste Projekt ist. 40 MINUTEN, 9 TRACKS. DAS IST JA NICHT GERADE SOOOO VIEL. MEINST DU NICHT, DASS NEBEN EINEM VIDEO AUCH EIN HIDDEN TRACK NOCH EINEN BESONDEREN KAUFANREIZ DARGESTELLT HÄTTE? Wir waren ja die Könige der Hidden Tracks… Nun wir wollten einfach 9 starke Songs haben für ein rundes Album, obwohl etwas mehr Material vorhanden war. Eine Langspielplatte hatte früher 45 Minuten, jetzt haben wir auf einer Seite 4 und auf der anderen quasi 5 Stücke. Ich finde, das ist ein schlüssiges Konzept, das vollständig in Ordnung ist. Das kann beim nächsten C/K-Album schon wieder anders sein. Zudem ist es sehr abwechslungsreich geworden. Das ist die Ausgangsposition für .COM/KILL und alles andere entwickelt sich von alleine. INTERESSIEREN DICH DENN DIE KRITIKEN ZU DEINEM PROJEKT-DEBÜT MEHR ALS BEISPIELSWEISE NACH DEM X-TEN DIARY-ALBUM? EINFACH WEIL ES ETWAS NEUES IST UND DIR DIE MEINUNG DER HÖRER WICHTIG IST? Vollkommen richtig. Bei DIARY lese ich eigentlich gar nichts mehr, was vielleicht arrogant klingt. Nicht mal Interviews lese ich mir im Nachhinein noch durch, was geschehen ist, ist Geschichte. Beim .COM/KILL hingegen sauge ich alles auf, ich habe sogar die Amazon-Rezis gelesen. Bei DOD möchte ich mich von Meinungen von außen gar nicht beeinflussen lassen. Bei CK ist mir wichtig, was die Leute denken, wie sie die Unterschiede zur „Hauptband“ sehen etc. AUF FACEBOOK WIRD JA OFT VIEL HINGEROTZT, ABER DIE .COM/KILL-FANS SCHEINEN JA ZIEMLICH „BRAV“ ZU SEIN, FAST ALLES NUR NETTE WORTE. ODER BETREIBT IHR DA ZENSUR? Natürlich nicht, ich finde auch kritische Kommentare vollkommen legitim. Es muss ja beispielsweise nicht jeder DIARY-Fan .COM/KILL gut finden, das würde ja unserer eigenen Logik widersprechen. Ich freue mich natürlich sehr darüber, wenn es so ist. Hassmails oder Shitstorms sind uns aber tatsächlich bis dato erspart geblieben, was hoffentlich so bleibt. Ich habe die Motivation für derartiges Verhalten allgemein noch nie begriffen, was treibt Menschen zu Hasstiraden gegen bestimmte Bands? Das kann eigentlich nur mit chronischer Unzufriedenheit oder massiver Langeweile zu tun haben. DAS HAT JA AUCH MIT DER ANONYMITÄT ZU TUN. HAST DU SCHON MAL FANS GETROFFEN, DIE GANZ OFFEN HEFTIGERE KRITIK GEÄUSSERT HABEN, VON ANGESICHT ZU ANGESICHT? Das kommt schon mal vor, aber leider ist es meistens mit zu viel Alkohol-Genuss kombiniert. Und dann wird es aufdringlich und anstrengend. Aber grundsätzlich kann ich damit gut leben, wenn mich jemand kritisiert. Es ist ja auch immer die Frage, wie plausibel und fundiert kritische Gedanken geäußert werden. Oft ist Kritik ja auch retrospektiv sinnvoll. Der Künstler selbst, der mittendrin steckt, hat noch gar nicht genug Abstand zum Objekt. Erst im Nachhinein kann ich auch selbst erst beurteilen, wie gut ein Album war. Ich würde nicht sagen, dass ich eine schlechte Platte gemacht habe, aber die eine ist vielleicht schon besser als die andere. Das gebe ich auch problemlos zu. AUS DER RUBRIK „FRAGEN, DIE MAN SICH SONST NICHT TRAUT“: HAST DU ZUSAMMEN MIT GAUN:A EIGENTLICH VOR DEM SPIEGEL TRAINIERT, „BÖSE“ ZU SCHAUEN? BEI VIELEN METALBANDS GEHT DIESER VERSUCH JA OFT NACH HINTEN LOS… Also da kann ich definitiv für uns beide sprechen, so etwas haben wir noch nie gemacht. Da kämen wir uns selbst viel zu doof vor. Allerdings schaue ich wohl sehr grimmig, wenn ich nachdenke oder gelangweilt bin, das war schon zu Jugendzeiten so und dann fragen mich die Leute, ob ich gerade Streit hatte oder mich geärgert habe. Das kann ich gar nicht beeinflussen. Mein Grundblick ist anscheinend böse (lacht) SO WIE GRUMPY CAT… Ja das Internet kann aus allen Dingen einen Hype machen, das war jetzt ironisch… IST DIR AUCH BEWUSST, DASS DU MIT DEM .COM/KILL-TEDDY VIEL MEHR GELD MACHEN KÖNNTEST ALS MIT DER „DAZUGEHÖRIGEN“ MUSIK? Ja ich weiß und wir werden definitiv noch alle Hebel in Bewegung setzen, um den realisieren zu können. Aber das muss menschenwürdig hergestellt werden, finanzierbar und in kleinen Stückzahlen sein. ZUM GUTEN SCHLUSS: FRÜHER HÄTTE MAN NACH DEN AKTUELLEN LIEBLINGS SONGS GEFRAGT, IN ZEITEN DES SMARTPHONES WÜRDE MICH INTERESSIEREN, WAS AKTUELL DEINE LIEBLINGS APP IST?! Im Moment ist es NanoStudio, das ist bei .COM/KILL auf der Bühne. Ich habe aber auch gerade 2 CDs gekauft… WELCHE DENN? Das eine ist 30 SECONDS TO MARS, obwohl ich die Single nicht so toll fand, aber „The Race“ hat mich dann doch wieder überzeugt. Und das andere BIFFY CLYRO, das war schon live ein absolutes Erlebnis. Die haben eine Aura und ein Karma, an das nur wenige herankommen. Ansonsten lese ich sehr gerne, was so in der Welt vor sich geht… VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW Gerne…

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