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CORVUS CORAX (CASTUS)

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NICHT GENUG, DASS CORVUS CORAX IHRE GANZ EIGENE VERSION DER CARMINA BURANA IN BOMBASTISCHEM GEWANDE ERSCHAFFEN HABEN. NEIN, DIE KÖNIGE DER SPIELLEUTE MACHEN IHREM NAMEN ALLE EHRE UND SETZEN NOCH EINEN DRAUF. SO GIBT ES ALS SCHMANKERL AUCH EINE DOLBY-SURROUND-FASSUNG. EINE EINLADUNG ZUM PROBEHÖREN UND FRAGEN STELLEN WURDE DA GERNE ANGENOMMEN UND SO MACHTE ICH MICH AUF DEN WEG ZU DEN BÜRORÄUMEN DES CORVUS-EIGENEN LABELS PICA MUSIC IN EINEM FRIEDRICHSHAINER HINTERHOF, WO IM SELBEN HAUS IN DEN KELLERRÄUMEN AUCH DAS STUDIO VON CC EINGERICHTET IST. BEI KEKSEN UND GETRÄNKEN PLAUSCHTE MAN ERST ETWAS MIT DEM ANWESENDEN PRESSEKOLLEGEN UND DEN PICA-LEUTEN, SPIELTE MIT HUND EMIL, BIS DIE JUNGS FRISCH AUS HAMBURG EINTRAFEN, WO SIE SCHON EINEN INTERVIEWMARATHON HINTER SICH GEBRACHT HATTEN. FIX WURDE IM STUDIO DIE ANLAGE AUFGEBAUT, DANN GABEN WIR UNS AUSSCHNITTEN DER CARMINA BURANA HIN, DIE MICH IN SURROUND NOCH MEHR GEFANGENNAHM, ALS DIE NORMALE STEREO-VARIANTE. NACH WENIGEN LIEDERN WAR ABER LEIDER AUCH SCHON SCHLUSS UND ES WAR ZEIT FÜR DAS INTERVIEW, ALSO BLIEB ICH MIT CASTUS NACH KURZER ÜBERLEGUNG GLEICH AN ORT UND STELLE, UM IHN AUSGIEBIG ZU LÖCHERN. IHR SEID JA SCHON SEIT MONTAG MIT INTERVIEWS BESCHÄFTIGT: SCHON GENERVT ODER MACHT’S NOCH SPASS? Nee, genervt ist man eigentlich gar nicht. Abends, wenn dann die letzten Leute kommen, dann ist man froh, wenn man durch ist, weil… das Interesse ist ja doch relativ gleich und die Fragen ähneln sich natürlich. Dann ist es aber auch schon so, dass man schon so im Fluss eine ganze Menge Fragen beantwortet, bevor sie gestellt werden – wo einige Leute dann ein wenig unglücklich gucken, weil man die Informationen in einem Satz von einer halben Stunde beantwortet. Da müssen wir uns dann wieder ein bisschen zurücknehmen, aber es nervt gar nicht, denn wir haben ja auch etwas zu vermitteln. Wir haben das ja nicht nur für uns gemacht. DIE CARMINA BURANA IST JA BEI SOLCHEN – ICH SAG MAL – „WELTLICHEN“ MITTELALTERBANDS DOCH ZIEMLICH BELIEBT, SELBST QNTAL HABEN SICH SCHON DARAN BEDIENT. IHR HABT AUCH SCHON SELBER VOR EINIGER ZEIT EINIGE STÜCKE DARAUS BEARBEITET; WER VON EUCH HATTE DANN DIE IDEE, DAMIT EIN KOMPLETTES ALBUM ZU MACHEN, EIN GESAMTKONZEPT DARAUS ZU MACHEN? Es ist so, dass wir nun seit 16 Jahren bei CORVUS CORAX immer mal was aus der Carmina spielen. Vielleicht noch etwas kurz zur Carmina überhaupt: die Carmina Burana wurde im Jahre 1220/1230 ungefähr aufgeschrieben, es sind zum großen Teil weltliche Lieder – und 28 geistliche Dramen, die sind uns aber vollkommen egal. 1830 wurde sie dann wiederentdeckt. Es ist einfach die größte Sammlung von weltlichen Liedern und es ist so, dass wir als CORVUS CORAX und immer wieder gern daran bedienen. Leider kann man, wenn man sich die Carmina Burana so durchliest mit den Neumen, also diesen Noten, nichts anfangen. Aber die Hälfte der Titel aus der CB, also dieser Verse gibt es parallel in anderen Überlieferungen, z.B. den Heidelberger Handschriften, mit zum Teil sehr gut erhaltenen Neumen. Da haben wir dann die Melodien hergeholt und dann kam irgendwann die Idee von uns: Warum nicht mit einem größeren Klangkörper arbeiten? CORVUS CORAX, also fünf Dudelsäcke und dreimal Percussionisten, das ist ja schon eine unheimliche Wucht, wenn man das so auf der Bühne sieht – und jetzt inzwischen ja auch in großen Sälen und auch mit Anlage, also alles verstärkt… aber warum nicht noch mit noch mehr akustischen Instrumenten? Da war natürlich die Idee: Hm, was nimmt man da so dazu? Dann war’s die Geschichte… ein Chor, natürlich. Also wenn wir zu acht singen… so kann man da noch viel mehr erreichen. Dann also ein Chor und vielleicht… ein Orchester. Dann fiel uns auf, dass wir so laut sind, dass wenn man ein Orchester nimmt, dann muss es schon ein großes Sinfonisches Orchester sein, um mit unserer Lautstärke und Dynamik auch mitzuhalten. Und parallel dazu hat der Prinz Luitpold von Bayern, der der Ausrichter des Kaltenberger Ritterturniers ist – das größte Mittelalterspektakel der Welt – uns gefragt, ob wir nicht eine Hymne fürs Kaltenberger Ritterturnier schreiben wollen. Das ist dann „Hymnus Cantica“ geworden und dann fiel uns auf, dass es ganz logisch ist, dass wir noch mehr mit Orchester und Chören machen als diese Hymne. Und als wir dann sozusagen an den Demos gearbeitet haben, dann war das schon klar: Das wird ein großartiges Werk, aber wir haben natürlich nicht geahnt, welche Ausmaße es dann annehmen würde, in der Produktion. Während der Produktion wurde das immer größer. ABER DAS IST JA SCHON EINE RELATIV UNGEWÖHNLICHE MISCHUNG: MITTELALTERLICHE HANDSCHRIFT, MITTELALTERBAND UND DANN EIN SINFONIEORCHESTER DAZU… Naja es gibt eben keine… wenn man sich überlegt: Was gibt es für akustische Instrumente – CORVUS CORAX werden sicherlich keine E-Gitarre mit dazunehmen, dafür haben wie ja unsere andere Gruppe TANZWUT, um die modernen Sachen zu verwirklichen. Auch kein Keyboard, das passt einfach nicht. Also brauchten wir akustische Instrumente, moderne akustische Instrumente. Naja wenn man das jetzt so hört, also eine Geige… Barockinstrument… aber für mittelalterliche Instrumente ist das extrem modern. Dann mussten es natürlich möglichst viele sein. Wir haben dann Stimmen geschrieben und dann fiel uns auf, das und das brauchen wir auch noch. Und so kam’s dann im Prinzip zum großen Sinfonischen Orchester und ZWEI Chören, weil wir die Chorstimmen auch noch aufgesplittet haben, die dann quasi ein paar Ergänzungen machen, so Echogeschichten, da hat uns auch ein Chor nicht gereicht. (Gelächter) WENN IHR SCHON VORHER IMMER AN CARMINA BURANA-STÜCKEN GEARBEITET HABT, WAR DIE VORBEREITUNGS- UND RECHERCHEPHASE FÜR DAS ALBUM DANN EHER LÄNGER ODER EHER KÜRZER ALS FÜR DIE VORHERIGEN ALBEN? SO VON DER KONZEPTPLANUNG HER… Wir haben ja nie ein Konzeptalbum gemacht mit CORVUS CORAX, und haben gesagt, so, jetzt machen wir die weltlichen Sachen aus der Carmina Burana mit den Originalmelodien aus den überlieferten Handschriften. Wir haben auf jeweils jeder Scheibe, die wir gemacht haben, irgendwo ein Stück aus der Carmina Burana… manchmal sogar auch nicht… wie es halt über uns kam. Die liegt eben immer hier im Studio rum und man blättert mal rum. Wir haben ja auch mal mit TANZWUT ein Stück aus der Carmina Burana gemacht. Das war also nie ein Konzept. Wir spielen eben gern diese Lieder und wenn wir live spielen, dann spielen wir auch drei oder vier Sachen aus der CB. Das mögen die Leute auch, das ist sozusagen wirklich „Schlager des Mittelalters“, die bekannten Sachen. Ja, und jetzt die Carmina Burana, das ist ein Konzeptalbum, nur Stücke aus der CB mit weltlichem Inhalt, also auch moralische oder satirische Dichtung, dann Liebeslieder natürlich und es bleibt nicht bei der Liebe sondern es kommt auch irgendwann die Lust dazu… UND HAT SICH DANN DIE PLANUNGSPHASE DADURCH VERKÜRZT, DASS IHR DIE SACHEN EBEN SCHON TEILWEISE BEARBEITET HATTET? Naja, das sind ja über 250 Verse oder Lieder, die da überliefert sind. Die haben wir natürlich nicht alle immer sofort auf dem Schirm. Jeder hat da so seine Lieblinge und die Lieblinge haben wir erstmal ganz rausgenommen, weil die ja mit Originalmelodien überliefert sind und die sind auch bekannt. Wir wollten auch unbekannte Sachen aus der Carmina Burana nehmen. Und wichtig ist ja auch, zu sagen, wir haben die CB für Orchester, Chor und mittelalterliches Ensemble – sprich CORVUS CORAX – komponiert, also in einer Symbiose sozusagen. Das sind alles Neukompositionen, wir haben uns also nicht an irgendwelchen alten Neumen vergriffen, sondern wir haben wirklich alles neu gemacht. Und wir werden dieses Werk auch nur zusammen aufführen, es wird also nie so sein, dass man CORVUS CORAX auf der Bühne erleben wird und wir spielen mit mittelalterlichen Instrumenten diesen Part der Carmina Burana. Man muss sich das wie so ein Gerüst vorstellen, und wenn ich ein paar Stangen abschraube, dann fällt das ganze Ding zusammen. Und als solches war es auch gedacht, als ein Miteinander. ALSO WIRD ES AUCH WIRKLICH NUR DIESE GROSSEN AUFFÜHRUNGEN GEBEN. WACKEN IST GEPLANT, MUSEUMSINSEL IST GEPLANT… WIRD’S NOCH MEHR GEBEN ODER WAR’S DAS DANN DAMIT? Es wird mehr geben und das ist auch in Planung, aber darüber können wir leider noch nicht reden, weil das ist… so ein Projekt ist eben langfristig. Ein Orchester hat eben eine Vorbereitungszeit von zwei Jahren, also wir sind jetzt teilweise in der Planung für 2007, wo wir gar nicht wissen, ob wir die Carmina Burana überhaupt noch öfters spielen. Also diese jetzt – vielleicht gibt’s ja bis dahin schon eine zweite. Oder etwas ganz anderes. Das bringt die Zeit so mit sich, aber wir werden auf alle Fälle in dieser Großartigkeit, also CORVUS CORAX mit Orchester und zwei Chören… das wird sicherlich die nächsten Jahre immer wieder passieren. Ob wir damit eine große Tour machen, das ist eine Frage, die können wir leider noch nicht beantworten, wir werden aber damit sicherlich auch auf der anderen Seite der Welt irgendwann spielen, weil wir uns das vorgenommen haben. Das ist ein Traum von uns, aber dann sicherlich nicht mit einem deutschen Orchester. DAS IST DANN ABER SUPER AUFWÄNDIG… Naja, warum super aufwändig? Im Prinzip müssen wir da nur irgendwie unsere Instrumente da rüberschicken und fahren dann zu einer Probe. Vor Ort gibt’s ja Orchester und Chöre. Da muss man dann eben den Dirigenten 14 Tage vorher hinschicken, dann wird geprobt… das sind ja alles studierte Musiker. JA KLAR, ICH MEINE NUR, WENN MAN DAS MIT EINER NORMALEN CLUBTOUR VERGLEICHT, DANN IST DAS SCHON EIN ETWAS GRÖSSERER MASSSTAB! Ja klar, natürlich, wir sind auch da sozusagen in der Planung, und wie man überhaupt so eine Geschichte plant, damit sind wir noch gar nicht fertig. Man kann dann auch von anderen großen Produktionen, klassischen Produktionen, lernen. Es ist ja nun keine Rockproduktion sondern… das ist eine ganz andere Liga, keine höhere sondern das ist einfach etwas ganz anderes. Aber etwas Faszinierendes und etwas ganz Großartiges. ABER GERADE WENN DU SAGST, DAS IST KEINE ROCKPRODUKTION, DANN IST ES JA UM SO ERSTAUNLICHER, DASS IHR AUF DEM WACKEN AUFTRETET. WIE KAMS DAZU? DIE SCHNITTMENGE IST JA SCHON ETWAS GERINGER ZWISCHEN DEM TYPISCHEN WACKEN-BESUCHER UND CORVUS CORAX; VOR ALLEM MIT ORCHESTER UND ZWEI CHÖREN! Also wir haben bei CORVUS CORAX wirklich viele Leute aus dem Metalbereich, die auch vor der Bühne stehen und Luftgitarre spielen, obwohl wir gar keine Gitarren haben. Das mögen wir, diese Art und Weise, wie die sich da sozusagen gehen lassen. Die moshen auch und da gibt’s dann Headbanging und da geht’s ab! Der Ausrichter vom Wacken hat diese Produktion gehört, wir wurden dann im Januar eingeladen und er hat schon vorher gesagt: also ihr spielt dann am Freitag auf dem Wacken, um 0:30 Uhr oder so. Das ist ein Höhepunkt in unserer musikalischen Laufbahn, sicherlich… hoffentlich auch ein Höhepunkt fürs Wacken Open Air, weil das ist einmal ganz was anderes, und wir hoffen, dass die Leute uns verzeihen, dass wir keine E-Gitarren dabeihaben. Wir hoffen, dass es reinpasst… also wir wissen, dass es reinpasst. Und wir werden schon schön laut machen, die Leute brauchen also keine Angst zu haben, dass es so säuselt. Also ich denke mal, dass nicht nur wir Spaß haben werden, sondern auch die zigtausend Leute, die sich da der Musik hingeben. FAHRT IHR NUR FÜR EUREN AUFTRITT DAHIN ODER TUT IHR EUCH DEN REST DANN ALS BESUCHER AN? Mal sehen ob wir’s noch können. (lacht) Wir haben ja was zu feiern danach. Ich werde auf jeden Fall etliche Bands, die vorher spielen, anschauen, um mich selber zu beruhigen. Ich habe gehört, dass MACHINE HEAD vor uns spielt, ich bin ja totaler MACHINE HEAD Fan. Ich freu mich auf alle Fälle, und mal sehen, was dann den nächsten Tag so passiert. Ob man dann noch kann… oder nicht. (lacht) DIE KONZERTE FANGEN DORT JA AUCH ETWAS SPÄTER AN, TEILWEISE… DIE SURROUND-AUFNAHME KLINGT JA SCHON HAMMERGEIL, WENN MAN SO MITTEN IM KLANG SITZT. DAS HAT MAN JA AUCH NICHT OFT BEI MUSIK, BEI KONZERTEN SCHON GAR NICHT, DA KOMMT SOWIESO ALLES VON VORN. WIRD DAS JETZT EINE SPECIAL EDITION? ICH MEINE, MAN KANN JA NICHT DAVON AUSGEHEN, DASS JEDER ZUHAUSE SO EIN SURROUNDSYSTEM HAT. Also am 8.8. kommt ja die CD raus und da gibt’s dann auch eine Special Edition, da liegt eine DVD mit bei. 5.1., also Dolby Surround geht ja heutzutage nur auf einer 5.1.-Anlage, also einer DVD. Da sind dann alle 12 Titel noch einmal in 5.1. abgemischt. Ich rate dann jedem, der sich zuhause so eine Anlage geleistet hat, dass er sich genau in die Mitte setzt, die Augen zumacht und es einfach genießt, mal mitten im Orchester zu sitzen. Man muss sich vorstellen, man ist der Dirigent, schaut aber nicht zum Orchester, sondern nach vorne, wir stehen dann davor, spielen aber eigentlich zum Hörer und der Chor auch. Man sitzt also wirklich mittendrin und man schließt die Augen und hat auf einmal irgendwelche Ideen oder… also das ist fast wie Trance. Also ich hab dich ja beobachtet, aber du hast die Augen noch aufgehabt, klar, das ist so, wenn man irgendwo in der Fremde sitzt, aber zuhause kann man ruhig mal die Augen zumachen und man wird auf einmal ein ganz anderes Raumgefühl haben. Es wirkt auf einmal alles viel größer, man hört Sachen, die man vorher noch nicht gehört hat. Das ist mir ja selber so gegangen. DAS HÄTTE MAN JA AUCH GERNE ALS KONZERTZUSCHAUER MAL SO, DASS MAN MAL MITTENDRIN SITZT UND DIE MUSIK VON ALLEN SEITEN KOMMT, DAS HÄTTE AUCH MAL WAS. Das geht natürlich, aber wo will ich die Musiker hinsetzen? KLAR, DAS FUNKTIONIERT NICHT, ABER WENN MAN DAS GERADE HÖRT UND SICH SO VORSTELLT… Es gibt ja solche Konzepte, es gab ja schon in den 70ern „Quadro“, also nicht Stereo sondern „Quadro“, also so in Würfelform, das Publikum saß in der Mitte und dann wurde man rundum beschallt… aber das ist schon sehr abstrakt. Eigentlich wär’s dann so, dass man oben drüber spielt und man guckt nach oben aber hört die Musik von allen Seiten, vielleicht wäre das ein Konzept. Aber um so was mal zu machen… es wird auch nie eine Live-DVD von der Carmina Burana geben mit dieser Art abzumischen, das passt einfach nicht, denn wenn ich auf den Fernseher schaue, dann will ich auch von vorne die Musik hören. Alles was ich von vorne sehe, muss man eigentlich auch von vorne hören, sonst kriegt man Gleichgewichtsprobleme. DAS WÄRE DANN SONST SEHR UNGEWOHNT, JA. Ja klar, aber so ist es egal. Mach einfach die Augen zu und stell dir irgendetwas vor. Da seh ich ja die Musiker nicht sondern denk mir einfach: okay, dann stehen die jetzt hinter mir. Zusätzlich wird’s auf der DVD noch ein paar Informationen zur Voraufführung geben, die wir im Januar im Stadttheater Cottbus hatten, und ein Livetrack, „Rustica Puella“ wird mit drauf sein, dass man schon ein bisschen einen Eindruck bekommt, was da live passiert. Ein paar Stimmen, vom Intendanten zum Beispiel, ein paar Sachen von uns und… ja, das ist eben eine Special Edition, die gibt’s dann irgendwann nicht mehr und… was soll ich noch dazu sagen… extra deswegen kaufe ich mir eine Dolby-Surround-Anlage! Weil es mich schon im Studio überzeugt hat, und ich bin gespannt, was da in Zukunft von anderen Musikproduktionen noch kommt. WIE KAMS EIGENTLICH, DASS IHR ALS CHOR NOCH EIN ENSEMBLE AUS PRAG DAZUGENOMMEN HABT? DAS IST JA NUN AUCH NICHT GERADE DER NÄCHSTE WEG; KANNTET IHR DIE VORHER SCHON ODER HAT DA DIE PLATTENFIRMA DIE KONTAKTE GEKNÜPFT? Es ist ja so, dass wir als CORVUS CORAX unsere eigene Plattenfirma haben, sind dann zwar, als die Produktion fertig war, zu Roadrunner gegangen, aber wir haben das alles in Eigenregie aufgenommen und auch selber finanziert. PSALTERIA kennen wir aus Prag aber auch aus Kaltenberg, das ist ein mittelalterliches Ensemble, vier Frauen, und die passen eben dazu. Die haben so ein bisschen osteuropäisches Feuer, das ist das, was wir so mögen, dass die Leute ein etwas anderes Musikverständnis haben, so ein ursprüngliches, was wir in der Carmina Burana auch haben wollten bzw. wie wir selber ja auch ein bisschen so sind. Da war es dann naheliegend. Und wenn wir dann live spielen, haben wir auch noch einen Chor aus Kroatien dabei, also nicht nur den Cottbuser Profichor. Wir mischen gerne die Kulturen, das wird man hier auch merken, man hört Osteuropa, man hört vielleicht auch ein wenig den Orient mit raus… DOCH, DAS STIMMT SCHON. Ja, also du hast ja jetzt das zweite Lied auch gehört, „Dulcissima“, das ist eben gerade so so angelegt: ungarische Tänze aber auch bulgarisches Feuer der Frau, etwas Folklore… WIE KOMMT ES DANN, DASS IHR MIT ROADRUNNER BEI EINEM METAL-LABEL GELANDET SEID? Roadrunner hatte Visionen. Die waren interessiert; es gab mehrere, wir haben überall Demos hingeschickt und gefragt: Na, wie sieht’s aus? Und das waren einfach die Leute, wo wir dachten, die können die Vision, die sie haben, auch umsetzen. Die haben tausend Ideen gehabt und waren kreativ, ganz schnell, und haben ein weltweites Konzept sozusagen vorgelegt, für die Zukunft. Und es war auch… wir wollen das nicht normal. Wir hätten auch zu einem Klassiklabel gehen können aber dann würde ich wahrscheinlich jetzt hier sitzen und schlafen. Es ist zwar Klassik, die Carmina Burana läuft unter Klassik, aber sie ist trotzdem von uns gemacht und nicht nur für Klassikfreaks. Die werden das sicherlich auch lieben, aber eigentlich für jeden Zuhörer. ICH BIN JA GESPANNT, OB DAS JETZT IM HANDEL UNTER METAL EINSORTIERT WIRD! Na schaun wir mal, CORVUS CORAX sind ja auch schon überall gewesen. ABER MAL EINE GANZ ANDERE FRAGE: AUF DEM COVER SIND ACHT LEUTE ABGEBILDET, ACHT SCHATTENRISSE, ABER HINTEN AUF DEM BACKCOVER STEHEN NUR SIEBEN NAMEN… Wir haben sieben Komponisten, also sieben Leute, die intensiv an der Carmina Burana gearbeitet haben. Sind aber acht Leute bei CORVUS CORAX. JA EBEN, ICH HABE MICH SCHON GEWUNDERT, DASS IHR DA DEN ARDOR RAUSGELASSEN HABT. Naja, er hat ja noch sein anderes Projekt, CORNIX MALEDICTUM und das liegt ihm auch sehr am Herzen… [AN DIESER STELLE WAR ES SCHON WIEDER ZEIT FÜR DIE NÄCHSTE JOURNALISTENRUNDE, SICH DEM SURROUNDGENUSS IM STUDIO HINZUGEBEN, WESHALB CASTUS UND ICH KURZERHAND IN DEN KELLERGANG AUSWICHEN UND DORT AUF AUSRANGIERTEN SESSELN PLATZ NAHMEN.] EUER ENSEMBLE KOMMT JA NUN AUS UNTERSCHIEDLICHEN REGIONEN ZUSAMMEN, DU SAGTEST JA SCHON: DER CHOR AUS KROATIEN, DANN NOCH WELCHE AUS PRAG, DAS ORCHESTER IST AUS COTTBUS… WIE HABT IHR DA DAS PROBEN KOORDINIERT? HABT IHR RECHT SELTEN GEPROBT, WAR DAS GANZE ZIEMLICH AUFWÄNDIG? Für die Generalprobe am 30.01.? JA, GENAU. NA UND FÜR DIE KÜNFTIGEN AUFTRITTE JA AUCH. Also es war so, dass wir in Cottbus geprobt haben. Jeder hat die Partitur bekommen, das kann man ja einfach so zuschicken, und dann wurden die Stimmen verteilt. Und beim Chor ist es so, dass der Chorleiter da die Übersicht hat und die Stimmen verteilt, da kriegte dann jeder seine Noten in die Hand. Dann hatten wir noch unseren Dirigenten Jörg Iwer, der die ganzen Sachen auch sozusagen druckreif geschrieben hat, wir hatten ja… das muss man sich handschriftlich vorstellen, wie beim Herrn Mozart. Er hat dann noch mal die Reinschrift gemacht, dass auch jeder seine Noten im richtigen Schlüssel hatte. Sowas war uns ja da eher egal… JA GUT, ABER DAS ZUSAMMENSPIEL WILL JA DANN AUCH IRGENDWANN GEÜBT SEIN… Naja, und das Orchester fing dann erst mal für sich an, zu proben, die Chöre haben vor Ort, also bei sich geprobt, wir hier unten bei uns im Studio und dann fünf Tage vor der Vorführung in Cottbus sind wir dann zusammengetroffen. Wir haben dann erst einmal mit dem Chor zusammengesessen, noch ein paar Sachen zur Aussprache und zum Duktus der lateinischen Sprache geklärt. Dann haben wir das erste Mal zusammen mit dem Orchester zusammengespielt, die hatten am Anfang ein bisschen Angst, weil sie so viele sind, dass sie zu laut sind. Als wir dann das erste Mal unsere Instrumente angemacht haben, war es genau andersherum (lacht), da waren sie ein bisschen eingeschüchtert, aber das verging ganz schnell und es war ein wunderbares Proben. Mit Orchester und Chor haben wir eigentlich nur zweimal angedeutet und eine Vor-Voraufführung, die war ganz katastrophal. Aber als wir dann am 30. vor Publikum gespielt haben, war alles gut. ALSO WART IHR DANN MIT DER AUFFÜHRUNG IN COTTBUS AUCH ZUFRIEDEN. Jaja! Es war ja für uns die Probe, ob es überhaupt so funktioniert. Wir mussten danach die Reinschrift noch ein bisschen verändern, in der Partitur, da gab’s so ein paar dynamische Sachen. Wo man z.B. die Frauenstimmen verteilt, damit die Lautstärke sozusagen den Männerstimmen angepasst ist. Dass man ein paar Streicher verändert, oder Bläsergeschichten, Sachen, die eben mit der Dynamik zu tun haben. Technische Probleme gab’s natürlich auch, das ist ganz logisch, aber die haben wir alle bewältigt und da wir sehr gut mit Sennheiser zusammenarbeiten, war das alles kein Problem und in Zukunft wird das immer besser. UND DIE RESONANZEN DARAUF? Sensationell! (lacht) Der Intendant hat gesagt, es waren italienische Verhältnisse, standing ovations für eine halbe Stunde oder so. Bei uns Tränen in den Augen – zum Glück nicht auf Kamera, weil wir doch so harte Typen sind. (lacht) Wir waren natürlich glücklich, wir hatten lange Zeit nicht soviel Lampenfieber wie da in Cottbus, und sicherlich auch in Wacken und Berlin wird es wieder so sein, dass es etwas Besonderes ist. Wir sind ja alte Hasen auf der Bühne, aber das ist schon etwas anderes. DAS IST SCHON EINE NUMMER GRÖSSER, JA. IHR SEID JA BEKANNT FÜR DEN EIGENBAU EURER INSTRUMENTE, AUCH BEI TANZWUT DIE LEUCHTENDEN TRUMSCHEITE WAREN SEHR SPEKTAKULÄR. WIE GROSS IST JETZT EURE GRÖSSTE DREHLEIER DER WELT? Du bist eben dran vorbeigegangen, im Studio! VERDAMMT! Naja, wie groß… (schätzt mit ausgebreiteten Armen die Länge ab), so! Sind das 2m, 2,20m oder so? Also eigentlich müssten das 2,10m sein oder so. Vielleicht sind’s auch nur 2m, aber auf jeden Fall ist es größer als auf dieser Abbildung in der Kathedrale von Santiago de Compostela. IST ABER NOCH SPIELBAR? Klar! Aber natürlich nur von zwei Leuten. Ich spiele ja bei der Carmina Burana auch eine Drehleier, die ist aber verhältnismäßig klein. Wenn man sie sieht und mit anderen Drehleiern vergleicht, ist sie schon relativ groß und auch laut, aber gegenüber der Drehleier, die Wim jetzt gebaut hat – nennt man auch Organistrum – ist die natürlich Firlefanz. Mit so einer Riesenkurbel (schätzt mit den Händen einen reichlichen halben Meter ab). HABT IHR EUCH SCHON DAMIT FÜR DAS GUINNESSBUCH ANGEMELDET? Ähm… eigentlich nicht. Dann hast du sofort irgendeinen Spinner, der eine größere baut, die natürlich scheiße klingt, aber erst mal größer ist. Ich hätte mich auch vor Jahren mal als Feuerspucker anmelden können, aber das war mit irgendwie zu blödsinnig. Ach, Wettbewerb… (schmunzelt) Sie ist eben die größte, sie klingt eben, also die größte gutklingende, sagen wir mal. DER VORVERKAUF FÜR DAS MUSEUMSINSEL-FESTIVAL HAT BEREITS BEGONNEN, HABT IHR SCHON DATEN, WIE ER SO LÄUFT? Also alles, was ich bisher gehört habe, ist: wer sich auf die teuren Plätze setzen möchte, also wer vorne sitzen möchte, der muss sich jetzt wirklich beeilen. Aber es gibt schon noch was, es ist ja auch noch ca. 2 Monate hin. GUT, ABER WENN DAS SCHON SO EIN SPEKTAKEL IST UND AUCH ERST EINMAL NUR AN ZWEI TAGEN, DANN DÜRFTE DER ZULAUF SCHON GANZ ORDENTLICH SEIN. Das ja. Wir machen da ja auch die DVD. In dieser Form wir das jetzt erstmal sozusagen einmalig sein, in Wacken dürfen wir ja gar nicht so viele Leute auf der Bühne sein, wegen der Statik, aber da haben wir dann direkten Zugriff, also wir nehmen verstärkertechnisch jeden Musiker direkt ab. Es wird genauso klingen, aber das ist eben eine Rockanlage, da wird es eh schön knallen. IHR SEID JA AUCH NICHT GERADE DAFÜR BEKANNT, DASS IHR, WENN IHR ETWAS FERTIGGESTELLT HABT, EUCH URLAUBSMÄSSIG ZURÜCKZIEHT UND ERST EINMAL GAR NICHTS MACHT, DA SEID IHR DOCH EHER UNMTRIEBIG. HABT IHR SCHON PLÄNE, WAS ES DANN DANACH GEBEN WIRD? Wir sind jetzt gerade schon in der Planung für 2007. Die Albumphase ist erstmal soweit abgeschlossen. Dann sind wir jetzt erstmal mit CORVUS CORAX auf Tour, aber wir spielen jetzt noch eni Konzert mit TANZWUT auf dem Feuertanz-Festival, dann Kaltenberg im Juli und später spielen wir auch noch einige Konzerte. Dann Fanclubtreffen, bzw. Fanclubfest, also eine Fete auf dem Wäscherschloss mit 2 Konzerten von CC, danach Proben fürs Wacken, Proben für die Carmina Burana in Berlin, und dann Studio mit TANZWUT im September. Im Oktober werden wir wahrscheinlich in Amerika sein mit CORVUS CORAX, dann vielleicht Mexiko. Aber zwischendrin dann noch die Vorproduktion… also erstmal TANZWUT fertig mischen, dann Vorproduktion für das nächste CC-Album, da gibt es auch schon sehr ausgereifte Ideen. Zwischendurch dann auch noch an der DVD arbeiten, ins Studio und den Sound mischen, vielleicht auch mit den Leuten, die das filmen, inhaltliche Sachen absprechen, also den Schnitt, ja… und eigentlich könnte ich jetzt hier für die nächsten zwei Jahre dir erklären, was wir so vorhaben. Wir haben glaube ich nach Kaltenberg so (rechnet) drei oder vier Tage frei. ALSO LANGWEILIG WIRD EUCH NICHT… Nee! ALLES KLAR, DANN VIEL ERFOLG UND VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW. ZUM SCHLUSS KEHRTEN WIR NOCH KURZ INS STUDIO ZURÜCK UND CASTUS PRÄSENTIERTE NOCH EINMAL EXPLIZIT DIE WAHRHAFT RIESIGE DREHLEIER, BEVOR ICH WIEDER ÜBER DIE HINTERHÖFE DEN HEIMWEG ANTRAT.

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