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DARK TRANQUILLITY (MIKAEL STANNE)

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HEY MIKAEL, DIE INTERVIEWS LAUFEN UND DAS INTERESSE DÜRFTE ZU RECHT GROSS WIE IMMER SEIN? Auf jeden Fall! Wir haben erst einige gemacht, aber es steht auch noch einiges an. Ich freu mich drauf, denn meist macht es auch Spaß! BEVOR ES ZUR MUSIK GEHT, ERSTMAL DIE FRAGE, OB ES BEI EINEN NEUEN FRISUREN-TREND GIBT… DU BIST JA NUN DER EINZIGE MIT ETWAS MÄHNE! UND ALS ROTE HABEN WIR JA DANN EH NOCH BESSERE CHANCEN BEI DEN MÄDELS! Ja, haha!! Aber ich habe nicht vor, mich von meinen Haaren zu trennen. Ich fühle mich da noch recht wohl mit, hahaha! Naja, aber wenn es keinen Sinn mehr macht, muss man halt handeln. So z.B. bei Martin mit seinen Dreads. Und Niklas weiß eh nie, was er mit seinen Zotteln machen soll, hahaha. Vielleicht macht er ja nun mal die Dreads! ABER WAS ZÄHLT IST DIE MUSIK… AUCH WENN MAN GERADE BEI JUNGEN BANDS OFT EINEN ANDEREN EINRUCK HAT. Oh, das stimmt wohl! Aber auch ältere Metaller mäkeln oft, wenn es um die Haare geht, glaub mir! BEGINNEN WIR AM ENDE. UND ZWAR AM ENDE VON “WE ARE THE VOID”. WIE HABT IHR EUCH GEFÜHLT, NACHDEM DAS ALBUM QUASI ABGEHANDELT WAR? Es war schon eine Art Leere, tatsächlich. Die Aufnahmen zu “We are the Void” waren echt langwierig und schwierig, da wir Probleme hatten, vernünftige Ansätze zu entwickeln und diese dann zu entsprechenden Songs zu formen. Dazu gab es einige Vorgänge in und um die Band herum, die nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für kreative Arbeiten boten. Da Resultat war dafür aber wirklich großartig, wir mögen die Platte wirklich sehr! Aber der Weg dorthin war wirklich sehr anstrengend! Als wir dann von den Tourneen kamen und wir uns Gedanken über neue Songs machten, stellten wir uns wirklich die Frage: “Sollen wir uns diese Tortur noch einmal antun??” Wir hatten eine wirklich gute Zeit auf Tour und das Album ist klasse, aber jeder konnte sich nur zu gut an die schwere Zeit der Entstehung erinnern. Wir haben die Entscheidung, ob wir weitermachen, lange vor uns her geschoben. Erst kam noch ne Tour, dann hier noch was und da noch was. Wir haben uns nicht unbedingt darum bemüht, wieder ans Songwriting zu gehen. Wir hatten alles andere als kreative Eingebungen und massenweise Ideen, die wir unbedingt und sofort umsetzen wollten. Sicherlich spielte auch der Gedanke mit, dass wir nach den letzten drei zum Teil ähnlichen Alben doch etwas verändern wollten. Die Frage war nur, ob wir dazu in der Lage wären. An sich reicht uns eine Keys-Melodie oder ein Riff als Grundidee und darum bauen wir den Song. Das war uns dieses Mal aber nicht genug. Wir brauchten mehr als Ansporn als nur eine Ahnung. Wir hatten zwar viele dieser Grundideen, aber keinen Plan, wie wir etwas draus machen. Auch ich habe mich da dieses Mal damit etwas überfordert gefühlt. Ich sagte nur zu Martin (Gitarre), dass er sich mit Niklas (Gitarre) und Anders (Drums) zusammentun solle und dann gemeinsam geschaut werden sollte, ob was entsteht. Martin hat eh eine gute Übersicht und hält beim Songwriting viel zusammen. Dieses Mal besonders! Anstatt erst etwas zu im Proberaum zu testen, haben sich die Jungs direkt ins Studio verzogen und haben mit der Arbeit begonnen. Und plötzlich platzte der Knoten. Als die drei zusammenhingen, fügten sich die Mosaik-Teilchen plötzlich zusammen und ergaben einen Sinn. Und was für einen! Es war halt schon ein Unterschied, ob jeder für sich an seinen Ideen werkelt und dieses dann den anderen zeigt oder ob man zusammen abhängt und bei aufkommenden Ideen des anderen sofort reagieren kann. Später kam ich dann dazu und wir passten meine Vocal-Lines und die Songs aneinander an. Das war ein intensives Erlebnis, denn anstatt im Proberaum rumzudoktern, haben wir fast 6 Monate im Studio verbracht. Und das war genau das, was wir brauchten, um diese Songs aus uns rauszuholen! Als wir dann das fertige Album hörten, wurde uns klar, dass wir das genau so machen mussten. Es war richtig so! GERADE WENN ES SCHWIERIGE ZEITEN GIBT UND NICHTS ZU FUNKTIONIEREN SCHEINT, WIE WICHTIG IST DA DIE ERFAHRUNG, WIE IHR SIE HABT? DENN EIGENTLICH SOLLTET IHR EUCH JA EURER FÄHIGKEITEN BEWUSST UND SICHER SEIN. Sollte man meinen. Wir trauen uns selbst aber nicht soviel zu, wie wir könnten und müssten. Natürlich klingt es für uns immer toll und super, aber ist es das am Ende auch? Wir sind oft sehr kritisch, vielleicht zu kritisch mit uns. Aber vielleicht macht es das auch aus. Wenn wir uns zurücklehnen würden und sagen, dass das alles schon laufen wird irgendwie… dann wären wir vielleicht auch nicht mehr so akribisch und perfektionistisch, wie wir es eben sind. Natürlich muss man es sich erstmal immer vor sich selbst beweisen. Aber sich selbst kann man auch am einfachsten etwas vormachen. Aber wir haben diesen hohen Standard, denn wir immer wieder erreichen wollen. Und das schafft man nicht, wenn man zu selbstsicher oder gar arrogant wird. MIT EUREM STANDING SOLLTET IHR JA EIGENTLICH KEINERLEI DRUCK MEHR SPÜREN. AT THE GATES HÖRTEN DAMALS MIT DEM GRUND AUF, DASS SIE ES NICHT MEHR BESSER MACHEN KÖNNTEN. DAS KÖNNTE MAN BEI JEDEM EURER ALBEN DENKEN UND DENNOCH KOMMT IHR WIEDER MIT DEM NÄCHSTEN TOP-DING UM DIE ECKE! Du hast ja Recht, wir sollten dieses Selbstbewusstsein haben. Es ist aber nicht so. Wenn ich zu Martin oder Niklas gehe und sage “Hey, auf dem und dem Song hast du so nen Sound X und Effekt Y gehabt, versuch das doch mal hier und da, denn das war super!”, dann schauen die mich an als wollt ich die verarschen! Aber so sind wir halt. Und ich finde das gut, denn so geben wir uns nie mit etwas zufrieden und sind immer motiviert noch besser zu werden! Auch wenn es oft auch sehr anstrengend wird! VOR “CONSTRUCT” GAB ES EINEN WECHSEL AM BASS. IM STUDIO HAT MARTIN DAS WIEDER ÜBERNOMMEN. ABER LIVE BRAUCHT IHR WEN. Ja, das wird sich ergeben. Natürlich ist ein Wechsel im Line Up immer blöd. Für die Songs hat sich da aber nicht viel geändert, denn Daniel (Antonsson) war nie wirklich am Songwriting beteiligt, von einigen Ideen hier und da mal abgesehen. Es hat auch etwas Befreiendes. Wir fünf kennen uns auch ewig und sechs Leute sind da schon viel. Und so hatten wir jetzt eine Person weniger, die wir mit ins Songwriting einweihen mussten. Daniel ist ein super Kerl, aber da wir keinen Zwang hatten, für die Aufnahmen einen Ersatz finden zu müssen, war das alles voll in Ordnung. Für die Live-Shows werden wir dann schauen. Gerade in Schweden kennt man ja genug Leute und da wird sich sicher etwas ergeben. Und für die Zukunft schauen wir dann, wie wir das handeln. DER ALBUM-TITEL “CONSTRUCT” KLINGT JA ERSTMAL POSITIV IM KREATIVEN SINNE. ABER AUCH MASCHINEN KONSTRUIEREN. DAS HAT BEI MIR EIN WENIG EINE ERWARTUNG AN EINE KALTE, STERILE, INDUSTRIELLE ATMOSPHÄRE DER SONGS GEWECKT, WAS DAS RESULTAT ABER ALLES ANDERE ALS BESTÄTIGT HAT. Für mich steht der Titel für ein unterbewusstes Konstrukt in deinem Bewusstsein. Es geht eher weniger um Kreativität, sondern eher um das unterschwellige Verlangen, sich ein Umfeld oder einen Zustand zu erschaffen. Quasi ein Ziel. Dieses Verlangen motiviert und lenkt dich unterbewusst zu allem, was du tust. Du kannst dir selbst nicht erklären, was du brauchst und so konstruierst du dir unbewusst Situationen oder auch regelrechte Gebilde, die diesem am ehesten entsprechen. Oder du machst die unterbewusst selbst etwas vor, um in einer Situation weiter zu bestehen, die dir eigentlich vom Wesen her alles andere als angenehm ist. Etwas aus dem nichts zu konstruieren, also kreativ zu sein, ist ja etwas sehr positives. Aber sich quasi etwas vorzumachen und sich unbewusst wohler fühlen zu lassen als es ist, ist alles andere als gut für einen selbst. Auch wenn es in dem Moment einfacher ist als Verantwortung zu übernehmen und etwas zum wirklich Guten zu ändern! MUSIKALISCH ÄHNELN SICH DIE VORHERIGEN DREI ALBEN MEINER MEINUNG NACH SCHON MEHR ALS NUR WENIG. BEI DIESEM ALBUM HAT SICH EINIGES GETAN. AUCH KOMMEN WIEDER DIE “PROJECTOR”-VERGLEICHE AUF, WORÜBER SICH EINIGE FANS AUCH FREUEN WERDEN. NICHT GANZ ERNST GEMEINT, ABER WART IHR DIE EWIGEN FORDERUNGEN DANACH EINFACH LEID UND HABT DIES NUN EINFACH GEMACHT? Ja, hahaha! Könnte man meinen! Aber nein, das hat eigentlich keinen Einfluss gehabt. Allen voran müssen sich die Songs hat natürlich ergeben. Aber da wir dieses Mal das Album direkt im Studio geschrieben haben, konnte man auch technisch gleich vor Ort einiges ausprobieren. Gerade was Martin (Keys) angeht, war da mehr möglich. So brachten es auch die Umstände und die Möglichkeiten ganz von selbst mit sich, dass einige Songs etwas ruhiger und atmosphärischer geraten sind. Dazu brachte uns der schwierige Start ins Songwriting und der Wille, sich zu entwickeln natürlich auch die Motivation, einige Ideen auszuarbeiten, die wir sonst wieder schnell zur Seite gelegt hätten. Wir mögen diese Passagen, aber hatten lange nicht das Gefühl, dass es passen würde. Und diese Ansätze hatten auch ihren Einfluss auf die textliche Entwicklung für mich. Aber tatsächlich gibt es eine Parallele zu “Projector”. Auch damals fühlten wir das Verlangen nach einer Veränderung. Es musste etwas passieren. Und das anders als in unserer normalen Entwicklung. Und wenn dieser Drang nicht bedient werden kann, weil man nicht weiß wie, dann macht es einen geradezu wütend und verzweifelt. Man will die Kreativität rauslassen, aber man kann es nicht kanalisieren. Grundsätzlich treibt uns dieses Gefühl jedes Mal dazu neue Songs zu schreiben, aber in bestimmten Momenten kommt noch etwas anderes dazu und das kann im Zweifel auch gefährlich werden. Umso intensiver ist das Gefühl, wenn der Ausbruch gelingt und sich alles zusammenfügt. Ich bin umso erfreuter, dass uns dies auch dieses Mal gelungen ist und das Ergebnis ist großartig! ALS ERSTES VIDEO HABT IHR “UNIFORMITY” GEWÄHLT, WAS GUT ZUM STIL DES ALBUMS PASST. MAN HÄTTE ABER AUCH AUF NR.-SICHER GEHEN KÖNNEN MIT Z.B. “THE SILENCE IN BETWEEN”. Es gab richtige Diskussionen innerhalb der Band, ob wir nun was eher Klassisches nehmen, wie z.B. auch “Science of Noise” oder doch was wagen wie “Endtime Hearts” oder was langsames, was man halt nicht unbedingt erwartet, wie eben “Uniformity”. Dieser Song hat sich am meisten entwickelt und gewandelt während der Aufnahmen und erst ganz am Ende wirklich die Form angenommen, die uns wirklich passt. Das macht ihn speziell, denn bei vielen anderen Tracks erahnt man recht schnell, wohin der Weg geht. Wir dachten uns also, warum wir nicht einen etwas gewagteren Sound fürs Video nehmen sollten. Auch auf die Gefahr hin, dass es zuerst nicht so gut ankommen könnte. NICHT NUR VOM SOUND HER IST “CONSTRUCT” SPEZIELL. ES IST AUCH EUER ZEHNTES ALBUM UND IHR FEIERT AUCH DEMNÄCHST NOCH JUBILÄUM! Eigentlich sollte so etwas kein Thema sein, aber im Hinterkopf spukt das schon mit. Zehn Alben und bald 25 Jahr Existenz. Wer kann so was weg wischen? Da denkt man sich schon, was an einem so besonders ist, dass man noch immer hier ist und das machen kann? Alben aufnehmen, Shows spielen? Das ist nicht normal! Also muss da etwas sein, was wir den Leuten geben. Wir haben uns das nicht erschnorrt, sondern es hat sich entwickelt. Wir haben ein Talent und das sollte man schätzen! Und wir versuchen dem gerecht zu werden, indem wir auch wirklich nur das heraus bringen, was uns würdig erscheint. Wenn die Leute nicht mehr zu den Shows kommen… wenn die Musik keinen mehr interessiert… und uns selbst nicht mehr glücklich macht, warum weiter machen? Wir aber haben etwas erreicht, was wir uns nie vorstellen konnten! WAS FÜHLT MAN ALS PIONIERE DES SCHWEDISCHEN MELODIC DEATH METALS? STOLZ? DRUCK? BÜRDE? ALLES? Das ändert sich eigentlich von mal zu mal. Oftmals ist es eine Bürde. Einige Male war es auch verwirrend, Druck würde ich aber nicht sagen. Wir empfanden es auch als fast anmaßend, weil es so viele andere Bands gab, die es auch unserer Sicht viel eher verdient hatten, so betitelt zu werden. Unterm Strich steht aber der Stolz und zwar so richtig. Wir haben etwas ausgelöst, was heute etwas bedeutet. Und das können nur wenige von sich behaupten. Wir hatten damals Ideale, wir wollten etwas kreieren, das bleibt und an das Leute sich erinnern werden. Auch wenn die Aussichten sehr schlecht standen, denn zu der Zeit standen die Kids alle auf den richtig brutalen Death Metal. Wir waren so neben der Zeit und keiner sprang drauf an. Aber wir selbst hatten Bock drauf und fühlten uns gut dabei. Irgendwann musste es bei den Leuten doch einfach klicken. Wir stehen doch selbst auf Metal aller Art und wenn wir auf diesen unseren Stil stehen, dann muss es doch auch anderen gefallen. Und so sind wir uns treu geblieben, haben uns bis heute nicht rein reden lassen und nun sind wir hier! Und auch jetzt gibt es in Göteborg noch einen ähnlichen Vibe und Zusammenhalt wie zu unserer Zeit. Deswegen fühlen wir uns auch noch immer so gut dort! Wir sind stolz auf uns, aber auch auf die vielen anderen Bands, die ihren eigenen Weg gehen! Und es kommen immer noch neue Bands nach. Ich bin eh gespannt, wie sich der Metal entwickelt. Da tut sich gerade einiges! NATÜRLICH ERWARTEN WIR ALLE IN BÄLDE TOURDATEN? Ich darf noch nichts verraten, aber es wird fett! Nach einigen Festivals geht’s in die USA und dann zum Herbst geht es durch Europa. Und die bisher bestätigten Bands sind echt klasse. Ihr dürft Euch freuen! NATÜRLICH KOMMEN WIR BEIDE NIEMALS AM THEMA ZOCKEN VORBEI! DIESES MAL STEHT DIE FRAGE IM RAUM: DIESES JAHR KOMMEN NEUE GAMING-KONSOLEN HERAUS. WAS WIRD ES: XBOX, PLAYSTATION, KEINE… Oder beide? Ich hatte noch nie eine Playstation, ich bin immer Xbox-Spieler gewesen! Aber ich überlege mir eine PS3 zu holen, weil es auch da einige starke Spiele gibt. “Last of Us” oder “Uncharted”… Daher werd ich mir die wohl noch zulegen. Aber natürlich, und da sind uns natürlich einig, werde ich mir auch am ersten Tag die neue Xbox holen… EINE GUTE WAHL, WIE AUCH EUER NEUES ALBUM! DANKE!

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