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DAYS IN GRIEF (SEBASTIAN/JÖRG)

HEY, WIE GEHT’S EUCH? WAS MACHT IHR UND WO MACHT ES GERADE? Sebastian: Kann nicht klagen, die Tour ist gut gelaufen, wir sind alle wohlbehalten zurück in Köln und gehen zur Zeit verstärkt unserem Studium/ Beruf nach. EUER NEUES WERK ROCKT RICHTIG ORDENTLICH. WIE ZUFRIEDEN SEID IHR MIT DEM ERGEBNIS. KONNTET IHR EURE VORSTELLUNGEN GUT UMSETZEN? Sebastian: Der größte Anspruch, den wir hatten, war eine Verbesserung im Sound auf der neuen Platte. Das haben wir definitiv erreicht. Meiner Meinung nach ist auch das Songwriting und das Zusammenspiel besser geworden: Man hat sich auf den Konzerten in den letzten Jahren doch schon gut zusammen eingespielt und kann besser einschätzen, welche Parts funktionieren und welche nicht. DAS WOODHOUSE IST JA EIN BEKANNTES STUDIO. WIE LIEFEN DIE AUFNAHMEN? Sebastian: Wir hatten uns gut vorbereitet und mussten an den Songs nicht mehr groß rumbasteln, was viel Zeit gespart hat. Bei den Gitarren gab es allerdings einige Diskussionen, weil Siggi da teilweise andere Ansichten vertritt als wir. Wenn man sehr genaue Vorstellungen hat, lässt man sich da natürlich nicht gerne reinreden. DAS LETZTE ALBUM IST JA NOCH GAR NICHT SO LANGE HER. WIESO HABT IHR SCHON SO BALD DIE NEUE SCHEIBE AN DEN START GEBRACHT? Sebastian: Wir mussten uns bei der Entscheidung ein wenig nach Jörgs Studium richten. Er macht Ende diesen Jahres Examen und wir wussten, dass ab Oktober erst mal eine längere Pause ansteht. Also hatten wir die Wahl, entweder noch dieses Jahr ein neues Album zu machen, oder bis Mitte 2006 zu warten. Da wir schon genug neue Songs geschrieben hatten, mit denen wir auch sehr zufrieden waren, war die Sache für uns ziemlich schnell klar. Wir wollen ja nicht in Vergessenheit geraten :-) “PORTRAIT…” KAM JA SEHR GUT AN UND HATTE MIT “ALL INSIDE” EINEN DICKEN CLUBHIT. WIE SEHR BEEINFLUSSTE DAS ALLES EUER SONGWRITING? Sebastian: Natürlich denkt man sich ab und zu, man hätte wohl gerne ein neues „All Inside“ auch auf der neuen Platte, aber wir versuchen nicht zwanghaft solche Songs zu schreiben, weil uns klar ist, dass das nicht funktioniert. Die Entstehung von „All Inside“ ist selbst ein gutes Beispiel dafür, dass man vorher gar nicht merkt, was für ein Potenzial bestimmte Songs haben. Der Song war jedenfalls nicht sofort die erste Wahl für die Single. Erst viel später merkt man, dass man da wohl eine richtige Entscheidung getroffen hat. Und wenn man so was vorher nicht weiß, kann man auch schwer mit Absicht solche Songs schreiben. “BEHIND THE CURTAIN OF A MODERN TOMORROW”. EIN INTERESSANTER ALBUMTITEL. WIE KAMT IHR DARAUF UND WAS GLAUBT IHR VERBIRGT SICH HINTER DIESEM VORHANG? Jörg: Der Titel ist eine Anspielung auf die unglaubliche Naivität und Leichtsinnigkeit, mit der wir Menschen mit unserer Mutter Erde, ihren Lebewesen und natürlich uns selbst umgehen. Beflügelt von unserem Forschungsdrang und mit der Überzeugung einer (vermeintlichen) Herrschaft über alles Lebende, stürzen wir uns nicht nur auf wissenschaftlicher, sondern auch politisch-ökonomischer Ebene mehr und mehr in „Abenteuer“, deren Auswirkungen und Folgen wir weder voraussehen noch steuern können. Das Ergebnis solcher Entwicklungen liegt hinter einem medial verklärten Vorhang, der uns die Sicht in eine schwierige Zukunft vorenthält. WIE SIEHT ES MIT DEN LYRICS AUS? GAB ES VON VORNEHEREIN THEMEN, ÜBER DIE IHR UNBEDINGT SCHREIBEN WOLLTET? Jörg: Ein wichtiges Anliegen war der Text „Jihad“, der die Problematik im Nahen Osten anspricht. Auf Grund des hohen Konfliktpotenzials zwischen der so genannten „westlichen Welt“ und der „islamischen Welt“, ist es wichtig, den kulturellen Dialog einzufordern und für eine Gleichberechtigung aller Völker einzutreten, auch wenn dies im Falle Israel – Palästina, wohl einer subtileren Betrachtung bedarf. Denn wir Deutschen haben den Israelis, also zumindest dem jüdischen Bevölkerungsanteil gegenüber, eine immense historische Verantwortung und Schuld zu tragen. Die Greueltaten unserer Vorfahren gegen das jüdische Volk sollten auch heute noch ständig in unserem Bewusstsein bleiben und jeder Form von Antisemitismus muss entschieden entgegen getreten werden. Nichtsdestotrotz muss es auch erlaubt sein, diesen Konflikt nicht nur einseitig zu betrachten, sondern beide Seiten zu beleuchten. Und am Anfang eines sinnvollen Friedensprozesses muss meiner Meinung nach die Errichtung eines palästinensischen Staates stehen. Erst dann herrscht Gleichberechtigung zwischen beiden ethnischen Gruppen und ein kultureller Dialog könnte auf gleicher Augenhöhe eingeleitet werden. EMO/ SREAMO (WIE AUCH IMMER) IST JA DEUTLICH VOM PUNK BEEINFLUSST. WIE WICHTIG IST DA FÜR EUCH “POLITICAL CORRECTNESS”; EIN SONG HEISST JA AUCH SO. Jörg: Der Song „Political Correctness“ beschreibt einfach, dass es schier unmöglich ist wirklich politisch korrekt zu leben. Denn auch wenn man vegan lebt, nur fair-trade-Schokolade kauft und bei „Ärzte ohne Grenzen“ arbeitet, kann es einem doch passieren, dass man sich z. B. im Urlaub ein Fußballtrikot kauft, dass in Asien von ausgebeuteten Kindern hergestellt wurde. Damit sollen keines Falls die oben genannten Bemühungen relativiert werden, denn all diese Einstellungen sind bewundernswert. Der Song soll nur einfach die Scheinheiligkeit von Leuten darstellen, die meinen völlig politisch korrekt zu leben und dies auch von anderen Menschen fordern. Viel wichtiger ist, dass allen Menschen bewusst ist, dass unser Handeln, und somit vor allem unsere Kaufgewohnheiten, bestimmt, wie wir mit Tieren und Menschen in der Marktwirtschaft umgehen. Wenn jeder Mensch kleine Beiträge leistet, wie z. Bsp. Vegetarier zu werden, oder wenigstens Bio-Fleisch aus artgerechter Haltung zu kaufen, kann die Welt im Gesamten um einiges besser werden. Und das allein ist unserer Meinung nach politisch korrekt, weil es den Menschen die Freiheit lässt, selber entscheiden zu können, wie viel man bereit ist für eine bessere Welt zu leisten. WIESO HABT IHR “BREATHE” ALS SINGLE AUSGEWÄHLT? Sebastian: Da wir keine Singles in die Geschäfte bringen, bedeutet Single für uns lediglich, dass das der Song ist, der in den Clubs gespielt wird. Deswegen wollten wir einen Song, der etwas leichter zugänglich ist, da ihn die Leute recht selten zu hören bekommen und nicht noch mal auf “repeat” drücken können. DAS COVER-ARTWORK IST SEHR INTERESSANT. WIE KAMT IHR AUF DIE KYRILLISCHE SCHRIFT UND WAS WOLLT IHR DAMIT SAGEN? Sebastian: Das Artwork stammt vom gleichen Graphiker (300design) wie bei „Portrait Of Beauty“, der auch sonst fast alle Artworks für ETB macht. Noch bevor wir überhaupt geplant hatten ein Album zu machen, haben wir bei unserem Label diesen Entwurf gesehen, waren alle sofort begeistert und haben uns das Artwork “reservieren” lassen. Dabei stand jetzt mehr der rein Visuelle Eindruck in Vordergrund, als irgendetwas damit aussagen zu wollen. Wir haben noch überlegt, die Schrift wegzunehmen, haben uns aber schließlich “pro Aussehen-contra Tiefsinn” entschieden. Es sagt also mal so rein gar nichts aus :-) IN EINIGEN ARTIKEL DER SCHREIBENDEN ZUNFT WERDET IHR PLUMP ALS THRICE-KOPIE BEZEICHNET, WAS ICH NICHT SO SEHE. WIE GEHT IHR MIT SOLCHEN AUSSAGEN UM? Sebastian: So was geht im einen Ohr rein und im anderen wieder raus, nachdem man kurz für sich selber überlegt hat, ob es gerechtfertigt ist. Uns ist klar, dass wir die gleichen Einflüsse haben wie THRICE, allerdings setzten wir diese Einflüsse ganz anders um. Jeder der genau hinhört, wird das merken. Für Kritik sind wir nur anfällig, wenn es um Dinge geht, bei denen wir uns beim Songwriting selbst nicht sicher waren. WIE WICHTIG SIND FÜR EUCH GENERELL DIE “GROSSEN” US-BANDS (ALS EINFLUSS UND ALS “TÜRÖFFNER”)? Sebastian: Viele Einflüsse, die wir haben kommen aus dieser Ecke, allerdings gibt es auch in Europa, bsp. Schweden große Bands, zu denen wir aufschauen. US-Bands muss man aber schon als Türöffner ansehen. Ich weiß nicht, woher es kommt, aber für viele Leute ist alles was aus Amerika kommt immer direkt viel besser als einheimisches. Das hat leider zur Folge, dass man Richtungen, die hier entstehen gerne als schlechte Kopie abtut, und man auf ewig den Amis hinterher hecheln wird. MEINT IHR, DASS DIE DEUTSCHE SZENE EIN ÄHNLICHES POTENZIAL AN GUTEN BANDS BESITZT? Sebastian: Ich finde man kann Deutschland nicht mit den USA vergleichen. Man müsste schon den Vergleich Europa-USA ziehen, allein der Einwohnerzahl nach ist es doch viel unwahrscheinlicher, dass in Deutschland große Bands entstehen. Das wird gerne vergessen und dann lieber wieder nach Übersee geschaut. MIT EINEM GUTEN LABEL IM RÜCKEN SOLLTE DOCH NUN DIE TÜR NACH AMERIKA WEIT OFFEN SEIN. ODER KONZENTRIERT IHR EUCH ERSTMAL DOCH EHER AUF’S HEIMATLAND? Sebastian: Das ist alles leider nicht so leicht, wie man denkt. Bevor wir in den USA veröffentlichen können, müssten wir erstmal dort Konzerte spielen, was halt einfach zeitlich nicht drin ist. Wie gesagt hat es dieses Jahr wieder nur für zwei Wochen zusammenhängender Tour gereicht. Für so einen Zeitraum braucht man gar nicht erst ins Flugzeug zu steigen. Außerdem gibt es auch in den benachbarten Ländern noch genug weiße Punkte, und wir konzentrieren uns erst mal darauf. WIE SEHEN EURE TOURPLÄNE AUS? Sebastian: Zur Zeit können wir leider wegen Jörgs Studium nichts planen. Wir hoffen allerdings nächstes Jahr verstärkt in Ausland zu kommen. OK, DER ZEILEN AM ENDE GEHÖREN TRADITIONELL EUCH: Sebastian: Verzeiht uns, dass wir dieses Jahr so wenige Konzerte spielen können :-) VIELEN DANK FÜR EURE ZEIT UND WEITERHIN ALLES GUTE AUF EUREM WEG!

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