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DESPISED ICON (ALEX ERIAN)

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„ES IST VERRÜCKT! WIR HATTEN EIN INTERVIEW MIT DEM „METAL HAMMER“ UND DER TYP HAT DIE GANZE ZEIT NUR DAVON GEREDET, WIE WIR UNS ANZIEHEN WÜRDEN. ICH SAGTE NUR: “DUDE, GET OVER IT!“ ES GEHT NICHT DARUM, WIE DU ANGEZOGEN BIST, ES IST IN DEINEM KOPF.“ NACH DEN ÜBLICHEN UMWEGEN, DIE EINE INTERVIEW-VERABREDUNG SO MIT SICH BRINGT, ERWIES SICH ALEX ERIAN, EINE HÄLFTE DES SANGES-DUOS UM DIE DEATH-CORE SENKRECHTSTARTER DESPISED ICON, ALS ÄUSSERST REDSELIGER UND ÜBERAUS FREUNDLICHER ZEITGENOSSE. DA DAS KONZERT IN DER KLEINEN HALLE STATTFAND, MACHTEN WIR UNS IN DER GROSSEN HALLE BREIT UND EIN LEICHT ERKÄLTETER ALEX GING BEREITWILLIG AUF MEINE FRAGEN EIN. DABEI BEANTWORTETE ER DIE FRAGEN SCHON VORWEG, OHNE DASS ICH SIE ÜBERHAUPT STELLEN MUSSTE. HERE IS THE GOSPEL ACCORDING TO ALEX: DIE ERSTE FRAGE WIRD DICH ÜBERRASCHEN: WIE LAUFEN DENN DIE DINGE AUF DIESER TOUR BISHER? Das ist ja erst unsere zweite Tour durch Europa, aber wir wollten unbedingt auf eine große Tour, mit großen Bands und dem ganzen Drumherum. In den UK haben wir den Headliner gemacht, obwohl wir erst das zweite Mal da waren. Wir waren ganz schön „stressed out“ deswegen, aber es waren so viele Kids da. Gestern in Berlin waren 500 Kids vor Ort, dieses Package zieht wirklich eine Menge Leute an und füllt die Venues richtig gut. Viele Shows waren ausverkauft oder standen kurz davor. Viele Leute kommen und geben uns ein gutes Feedback. Das hat wirklich jede einzelne Erwartung, die wir hatten, übertroffen. Deswegen genießen wir dies wirklich. Anfangs dachten wir nur, es kommen nicht viele Leute. Aber da wir gut mit MISERY INDEX und BENEATH THE MASSACRE befreundet sind, hätten wir auch mit 50 Kids und unseren Freunden eine tolle Zeit gehabt. UND ES GIBT KEINE PROBLEME IN RICHTUNG AMERIKANER GEGEN DIE KANADIER UND DIE SCHOTTEN GEBEN DEN SCHIEDSRICHTER? BENEATH THE MASSACRE und wir kommen ja aus Montreal, dem französischen Teil von Kanada, und dementsprechend sprechen wir französisch miteinander. Aber MISERY INDEX waren in unserer Gegend viel unterwegs und sind an die Sprache gewöhnt. Außerdem haben sie dort ebenfalls eine Menge Freunde. Denen macht das nichts aus. Unser Gitarrist und Bassist kommen aus Boston, die sprechen sowieso englisch. Jeder kommt mit jedem aus. Kein Problem. DU HAST ERWÄHNT, DASS ES EURE ZWEITE TOUR IST. IST DIESE BESSER ODER ANDERS ALS DIE LETZTE? ABGESEHEN DAVON, DASS SIE GRÖSSER IST. Das letzte Mal waren wir mit JOB FOR A COWBOY und UNEARTH unterwegs und überraschenderweise ist diese Tour besser. Wir waren in einigen Städten ja jetzt das zweite Mal und komischerweise waren viel mehr Leute da, besonders in den UK. Wow! Das ist verrückt. Vielleicht gibt es zu dieser Jahreszeit nicht so viele gute Konzerte, vielleicht kommt uns das zugute, ich weiß es nicht. Es scheint fast so, als wenn sich die Szene hier in einem Jahr sehr verändert hat. Bestimmte Leute werden immer offener für diesen Metal-Core, denn wir sind nun einmal beeinflusst von Hardcore und Metal gleichermaßen. Nach meinem Verständnis waren die Leute hier eher im traditionellen Metal verankert und wir sind eine neue Art von Death-Metal-Band. Ich weiß nicht was ich erwarten soll, aber ich denke immer mehr Leute entdecken diesen Sound für sich. Bands wie wir oder ANIMOSITY, ALL SHALL PERISH und so weiter. MEHR KIDS MIT SCHWARZEN HAAREN WERDEN ES AUF JEDEN FALL… (lacht) UND BIST DU ANSONSTEN MIT DEN REAKTIONEN AUF „ILLS OF MODERN MAN“ ZUFRIEDEN? Ja, total. Ich bin glücklich darüber, wie sie im Endeffekt geworden ist. Ich bin glücklich darüber, dass wir auf der anderen Seite des Ozeans sind. Jeden Abend Leute zu sehen, die die Texte mit schreien, die tanzen und headbangen, der ganze Kram eben. Fuck! Ich kann nicht glauben, dass uns das passiert. Seit 2007 sind wir nonstop unterwegs, seit 3.5 Jahren touren wir insgesamt und letztes Jahr waren wir nur einige Wochen zuhause, deswegen hatten wir keine Zeit irgendetwas zu schreiben. Nach dieser Tour haben wir erst mal zwei Monate Zeit und können endlich wieder an etwas neuem arbeiten. Eigentlich wollen wir so schnell wie möglich neue Songs aufnehmen. Aber da die Tour so gut läuft… Eigentlich wollten wir dieses Jahr nur eine Tour durch Kanada und den USA machen und haben gedacht, dass dies unsere einzige Europa-Tournee bleibt. Aber wir haben die USA und Kanada die letzten Jahre dermaßen beackert und wollen uns lieber in Europa mehr etablieren. Deswegen arbeiten wir jetzt an einer kleinen Festival-Tournee im Sommer und im Herbst werden wir eine neue Club-Tour starten. Hoffentlich klappt das alles und deswegen werden wir mehr Zeit brauchen um aufzunehmen. Aber ich denke, dass es das wert ist, denn viele Bands aus unserer Gegend unterschätzen die europäische Szene. Es kommen viele Leute zu den Shows, es gibt eine große Kultur des Metals hier… DIE LEUTE KAUFEN SOGAR NOCH CDS… Ja, das ist verrückt. In den Staaten machen wir Tausende von Dollar mit dem Merchandise und verkaufen ca. vier CDs. Es ist verrückt. Die Leute downloaden bloß noch. WAS HÄLTST DU VON ALL DEM? Weißt Du, an einem Punkt in meinem Leben wollte ich bei einem Label arbeiten, als A&R oder so etwas in der Richtung. Aber so wie sich die Dinge heutzutage entwickeln wäre es für mich persönlich keine kluge Entscheidung mehr, wenn ich mit dem Leben in einer Band abschließen würde (wirkt ratlos und zuckt mit den Schultern). Es ist komisch, denn noch vor sechs Monaten hatte ich noch nicht einmal einen I-Pod oder so etwas und wusste nicht wie man downloaded. Nun habe ich einen und weiß wie es geht. Aber ich lade nur superobskure Sachen herunter, die sonst keiner hat und wo die CD bei uns 70 Dollar als Import kosten würde. Das mache ich schon, auch mehr so Mainstream Sachen, bei denen ich mich nicht so sehr schuldig fühle. Ich bin dumm, ich falle in die gleichen Verhaltensweisen wie alle anderen. Ich bin so pleite, weil ich Musik mache. Ich habe nicht genug Geld, um mir richtige Platten zu kaufen, deswegen downloade ich in letzter Zeit ein wenig, was wiederum eigentlich das Letzte ist. Es hat mir geholfen viele neue Bands zu entdecken und wenn es Bands gibt, die ich mag, kaufe ich dann halt ein T-Shirt und kaufe deren Platte etwas später. Das passiert uns auch: Viele Leute haben unsere Musik nur auf ihrem MP3-Player oder gebrannt, aber sie kommen zu den Shows und kaufen unser Merchandise. WENIGSTENS GEBEN SIE EUCH ETWAS ZURÜCK… Der Support ist da, aber unser Einkommen ist wirklich fast nur auf die Merchandise-Verkäufe beschränkt. Viele Leute kaufen die Sachen heute online, deswegen haben wir mittlerweile eine Firma, die sich darum kümmert. Ich will aber nicht so rüber kommen, das wir, oder irgendeine andere Band, dass nur wegen dem Geld machen würden. Bestimmt nicht! Aber ich bin keine 18 mehr. Die meisten dieser „MySpace-Death-Core“-Bands sind nicht älter als 18 und wohnen noch bei ihren Eltern. Die können es sich leisten, die ganze Zeit zu touren und danach kommen sie heim zu „Mummy“ und bekommen ein frisches Mahl serviert. Weißt Du, für uns ist das eine andere Realität. Wir sind von 23 bis 29 Jahre alt, wenn wir nach hause kommen, müssen wir die Miete, Rechnungen und den ganzen Kram bezahlen. Genau wie jeder andere auch. Ich kenne viele Leute, die nicht mal ein Appartement haben, die sind ständig auf Tour. Wir fangen zwar an etwas Geld zu verdienen, aber verglichen mit einem richtigen Job sind das Peanuts. Wir sind immer noch „fuckin poor“… Aber ich liebe es, jetzt gerade bin ich in Deutschland. Ich wäre nicht hier, wenn ich das nicht machen würde. Unser Bassist hat das letztens treffend umschrieben: Wir haben die Möglichkeit unsere Träume jetzt schon zu erleben und Dinge zu machen, die man ansonsten vor seiner Rente niemals in Angriff nehmen könnte. Ich will nicht warten bis ich 60 bin, um dann mit Experimenten zu beginnen. Ich will nicht später verpassten Chancen nachtrauern. Ich muss das jetzt bis zum Maximum machen, ich liebe Musik, mit meinen Freunden zu spielen, auf Tour zu sein. WARUM BIST DU DENN VON DEN DRUMS AN DAS MIKROFON GEWECHSELT? ETWA GROSSER PHIL COLLINS FAN? Oh, no, no, no… Damals spielte ich in drei Bands. Ich habe das Schlagzeug bei DESPISED ICON während der ersten zwei Jahre gespielt, habe die Drums auf der ersten Scheibe eingespielt. Dann habe ich in dieser melodischen Band NEURAXIS gespielt, dann war ich auch noch in einer Hardcore Band. Es war einfach zu viel, dann hatte ich mir obendrein noch eine Verletzung am Arm zugezogen und entschloss mich eine Pause einzulegen. Wir hatten ja von Anfang an zwei Sänger und als uns eine (Anm. d. Verf: Marie-Hélène Landry) davon verlassen hat, fragte ich Alex Pelletier, von dem ich wusste, dass er ein großartiger Drummer war, ob er den Part nicht übernehmen wollte. Ich wollte mal etwas anderes ausprobieren und es hat sich als toll herausgestellt. Ich vermisse es nicht, jeden Tag mein Drum-Set durch die Gegend schleppen zu müssen, es nach jeder Show abbauen zu müssen. Ich brauch mein Mikro und das war’s. Natürlich helfe ich den anderen Jungs beim aufbauen. Ich mag es ein Sänger zu sein, einen Draht mit den Zuschauern herzustellen, sich zu bewegen und auszuticken. Du kannst machen, wonach du dich fühlst. Schlagzeug spielen macht natürlich auch Spaß, aber für mich war es ein großer Schritt, denn ich war anfangs sehr, sehr schüchtern. Zu Anfang stand ich vor all diesen Leuten und wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich konnte mit keinerlei Selbstüberzeugung etwas sagen. Ich musste eine menge an mir arbeiten um mit den anderen gleichzuziehen, denn ich wusste eigentlich nicht, wie man richtig schreit. Ich hab ja erst 2004 damit angefangen und die Band gab es schon zwei Jahre vorher. Das sollte Dir verdeutlichen, wie viel ich den anderen gegenüber aufholen musste. UND WIE HAST DU DIR ES DENN LETZTENDLICH BEIGEBRACHT? DIE „BREE“ PARTS KOMMEN JA VON STEVE, ODER? Ich bin eher für die Mid-Range-Vocals zuständig, während die gutturalen Laute und die hohen Schreie von Steve kommen. Ich kann mehr nur eine Art von Vocals, während Steve zwei Arten hat. ALSO SO MEHR DER HARDCORE-STIL? WENN ICH MIR SO EUREN GESAMTEINDRUCK ANSCHAUE, VERORTE ICH EUCH EIGENTLICH MEHR IN DER HARDCORE-ECKE, AUCH WEGEN DER LYRICS. Eigentlich nicht so richtig. Es hat zwar einige Elemente, aber ich bin in beiden Szenen groß geworden. Ich ging auf Death-Metal und Hardcore-Shows, dieser ganze Kram Anfang bis Mitte der Neunziger. Ich bin jetzt 27, habe das also jetzt schon eine Zeit lang gehört. Death-Metal-Bands wie SUFFOCATION haben mich sehr beeinflusst. Meine ersten Hardcore CDs waren von MADBALL „Set it off“, alte HATEBREED und BIOHAZARD Scheiben. Ich war also immer in beiden Szenen und als wir diese Band gründeten, wollten wir beides miteinander verbinden. Vor sechs Jahren war das natürlich nicht so populär wie heute, hat eigentlich kaum existiert. Es gab nur eine handvoll von Bands, die das damals gemacht hat. Wir hatten damals alle lange Haare, aber ich war schon immer der Meinung, dass Musik nichts mit der Art zu tun hat, wie Du aussiehst oder was du anhast. Es ist verrückt! Wir hatten ein Interview mit dem „Metal Hammer“ und der Typ hat die ganze Zeit nur davon geredet, wie wir uns anziehen würden. Ich sagte nur: “Dude, get over it!“ Es geht nicht darum, wie du angezogen bist, es ist in deinem Kopf. Es hat mit deiner Mentalität zu tun, deinen musikalischen Präferenzen. Es interessiert mich nicht ob Du eine Kutte und eine Lederhose anhast. Es hat keine Bedeutung, wie Du aussiehst! Aber eine menge Leute denken, dass es seeehr wichtig ist. EIGENTLICH SPRICHT SO EIN DENKEN KOMPLETT GEGEN DIE IDEE DES HEAVY METALS… Genau! Metal, war eine Kampfansage gegen Konformität, gegen kommerzielle Mainstream Musik. Es hieß damals: “Es interessiert mich nicht, was Du über mich denkst. Verurteile mich nicht, ich trage die Klamotten, die ich will.“ Und heutzutage in der Metal-Szene heißt es eher: Black-Metal macht sich über Emo lustig, Death-Metal macht sich über Hardcore lustig, Emo macht sich über Thrash-Metal lustig. Du weißt schon was ich meine. Es ist so dumm, ich verstehe es nicht. ICH GLAUBE DIE KIDS HABEN HEUTZUTAGE ZU VIEL ZEIT. DIE DISKUTIEREN AUF YOUTUBE DARÜBER, DASS IHR KEIN METAL SEID, DA IHR JA ALLE KURZE HAARE HABT… „That’s awesome!“ Ich finde das wirklich lustig. Eine Menge Leute hassen mich wirklich, das ist großartig, aber im Endeffekt interessiert es mich nicht. WARUM HASSEN SIE DICH? „People just like to talk shit and hate!” Schau Dir die Message-Boards an. Da sind 15 Jahre alte Kids, die glauben alles über Metal zu wissen, obwohl sie sich den Scheiß erst seit sechs Monaten geben. Die meinen, die wären Mr. Knowitall. Sie könnten besser Gitarre spielen, schneller Schlagzeug spielen, aber weißt Du was? „They are all full of shit!” Niemand redet im Moment mit denen, die geben im Moment kein Interview. Diese Band ist mein Leben, ich manage die Band immer noch, ich liebe es dies alles zu machen. Zu Anfang hat mich das echt angefressen, regelrecht depressiv gemacht. Nach dem Motto: „Diese Leute hassen mich wirklich“. Wir haben mit der letzten Platte alleine in Nordamerika 25.000 tausend Platten verkauft, es müssen uns also ein paar Leute mögen. Darauf fokussiere ich mich einfach. Wenn ich dann manchmal höre, was Leute über mich gehört oder gelesen haben, denke ich nur wie wahnsinnig komisch das ist. Es ist lustig, so Sachen wie: „DESPISED ICON sind nicht Metal, weil der Sänger ein Oranges Shirt trägt und ein Cap aufhat und außerdem sind seine Schuhe weiß“ zu hören. O.K., dann bin ich nicht Metal. „Whatever“. Im Moment habe ich noch ein Old-School-Hip-Hop Projekt mit ein paar Freunden am Start, so in Richtung WU TANG CLAN. Die Leute hassen uns so sehr, weil wir Metal-Heads sind, die Rap machen. ICH DACHTE SOLCHE KÄMPFE WÄREN VORBEI, SEIT ANTHRAX UND PUBLIC ENEMY DAMALS ZUSAMMENGEARBEITET HABEN. Ich erinnere nur an den „Judgement Night“ Soundtrack mit BIOHAZARD und ONYX… HELMET UND HOUSE OF PAIN! Yeah! (ahmt das Riff nach) Dieser Soundtrack ist ein Klassiker. EURE LYRICS HABEN JA NICHTS MIT FANTASY ZU TUN, SONDERN GEHEN JA AUCH EHER IN EINE PERSÖNLICHE RICHTUNG. EIN SONG WIE „QUARANTINE“ KLINGT JA FAST SCHON WIE EIN HOFFNUNGSLOSES LIEBESLIED. Eigentlich sind ganz schön viele Liebeslieder auf der Platte. Und da hätten wir noch einen weiteren Grund, warum die Metal-Heads uns hassen (lacht). Sieh es mal von dieser Seite: Es gibt eine menge Bands die in ihren Texten Geschichten erzählen, andere gehen mehr in eine politische Richtung. Wir haben damals auch mit sozialen und politischen Texten gestartet, aber da draußen gibt es so viele Bands, die das besser können als wir. Wir lassen die lieber für uns sprechen, weil sie es einfach drauf haben. Und da die Sänger in den sechs Jahren unseres Bestehens eben gewechselt haben, hat sich das lyrische Konzept ebenfalls weiterentwickelt. Steve und ich schreien lieber unsere persönlichen Probleme heraus. Keiner ist perfekt und jede Sache, die wir in unserem Leben versaut haben, beschäftigt einen. Aber da musst Du durch. Jetzt im Moment siehst du mich lächeln, das heißt nicht, dass ich die ganze Zeit im „Black-Metal-Mode“ bin. In dieser Band zu sein, und den ganzen Mist herauszuschreien, der dich beschäftigt, hilft mir mit dem ganzen Bullshit klar zu kommen, den es auch in meinem Leben gibt. Deswegen bin ich auch ausgeglichener und geistig zurechenbar. Dafür schreist Du auf der Bühne, wie ein Verrückter. Und wenn Du die ganzen Frustrationen herausgelassen hast geht es Dir danach viel besser. „Boom, it´s gone.“ Aber weil Du eben ständig auf Tour bist, gibt es auch immer persönliche Probleme, da Du dich nicht richtig um deine Beziehung kümmern kannst. Du bist einfach nicht da. Wir haben eine menge durchgemacht und darüber singen wir halt. Schau Dir einmal den Titel-Track „Ills of modern man“ an: Da geht es darum, dass wir wissen, dass es anderen Menschen, trotz all der Probleme, die wir haben, viel beschissener geht. Es geht also nicht nur um Emo-Gegreine. Dir passieren halt dumme Sachen, und du musst versuchen, Deinen Mann zu stehen. ICH FINDE ES AUCH EINFACH SINNVOLL NUR ÜBER ETWAS ZU SINGEN, VON DEM MAN AUCH AHNUNG HAT… „Totally…“ Ich respektiere natürlich jeden, der an die Sache anders herangeht. Hör Dir MISERY INDEX als gutes Beispiel an, die haben einen politischen Hintergrund. Jason ist sehr gut in solchen Sachen unterrichtet und deswegen bin ich froh, dass sie sich für solche Dinge engagieren. Jeder so wie er kann und mag, jeder hat ein Talent für etwas anderes. DU SCHREIBST JA AUCH AN DER MUSIK MIT. AUF WELCHEM INSTRUMENT HÄLTST DU DEINE IDEEN FEST? Also wir arbeiten eigentlich immer gleich. Wir machen viel mit Computer-Programmen, so wie Cubase. Da ich ein Schlagzeuger bin, denke ich in Beats. Meine musikalischen Ideen und Riffs, die ich mir vorsumme, programmiere ich als einen kompletten Song, bestehend nur aus den Drum-Parts. Dann setze ich mich mit Eric zusammen und wir gehen jeden Beat durch. Ich erkläre ihm diese und demonstriere wie die Gitarre meiner Meinung nach klingen sollte. Meistens setzt es das ganz schnell um, oder er hat eine bessere Idee. Unser Drummer Alex hat das für die neue Platte ebenso gemacht. Jeweils vier Songs begannen auf den Drum-Beats des jeweils anderen, die anderen beiden Tracks hat Eric auf der Gitarre begonnen. Wir sind nun mal keine melodische Band, sondern eher rhythmisch betont. Deswegen ist es auch für jemanden, der nicht Gitarre spielt, einfacher seine Song-Ideen mit ein zubringen. Deswegen haben wir viel Groove in den Songs, denn Drummer denken mehr in diese Richtung. ABER IHR HABT IMMER IM HINTERKOPF, DASS IHR DIE SONGS AUCH LIVE PERFORMEN MÜSST. SEHT IHR EUCH ALS TECHNISCHE BAND? Wir wollten nie eine richtig „technische“ Band sein. NECROPHAGOUS, MESHUGGAH und DILLINGER ESCAPE PLAN schweben da in ganz anderen Sphären. Wir schreiben Riffs, die Tausend Noten haben können, aber auch welche, die nur aus drei Akkorden bestehen. Solange wir das Riff mögen, es das richtige Riff für den richtigen Part im Song ist, ist es das was zählt. Wir müssen nicht notwendigerweise angeben, es geht darum, was der Song verlangt. Es sind die einfachsten Riffs (ahmt eines nach), ich sitze vorm Computer und frage Eric, was er davon hält und in zwei Minuten ist der Part fertig. Und das sind meist die besten Riffs. ICH FINDE MAN BRAUCHT ZWISCHENDURCH MAL EINIGE GROOVIGE RIFFS UM DIE SONGS SPANNENDER ZU HALTEN. SO POP-PARTS LOCKERN DAS GANZE EIN WENIG AUF… Pop!? Wir mögen zwar HATE ETERNAL UND NILE, aber wir sind nicht die Band, die Non-Stop-Blast-Beats und Double-Bass-Geballer favorisiert. Das ist zwar toll, aber nicht unsere Art. DU SAGST, DASS DU HIP-HOP MAGST. GIBT ES NOCH ANDERE BANDS AUSSERHALB DER METAL-SZENE, DIE DU FAVORISIERST? Seitdem wir nur mit Metal-Bands auf Tour sind, höre ich es privat kaum noch. Ich bin jeden Abend auf einer Death-Metal Show, ich mache 250 Shows im Jahr, deswegen höre ich mehr relaxte Musik. Im Moment höre ich viel Old-School-Punkrock wie NOFX, MILLENCOLIN und PENNYWISE, Old-School Hip-Hop wie JEDI MIND TRICKS, NECRO, der über CANNIBAL CORPSE Lyrics rhymt, aber auch alte Sachen wie NOTORIOUS B.I.G. oder NAS. Mehr so der East-Coast-Stoff. Im Metal-Bereich mag ich im Moment die neue CEPHALIC CARNAGE, ABORTED, DECAPITATED. Wir haben mit einer Menge Bands getourt, die ich auch vorher schon gehört habe: THROUGH THE EYES OF THE DEAD, ALL SHALL PERISH, THE RED CHORD, aber auch BLACK DAHLIA MURDER, HATEBREED, MORBID ANGEL, DEICIDE und SUFFOCATION. Das waren Bands, die ich vorher schon geliebt habe und nun habe ich sie alle kennen gelernt. Das sollte Dir eigentlich verdeutlichen, welchen Background wir haben. Wir haben mit HATEBREED, aber auch mit BEHEMOTH getourt (lacht). Unsere nächste Tour durch die Staaten wird „Summer Slaughter“ heißen, da spielen unter anderem KATAKLYSM, BLACK DAHLIA MURDER, THE FACELESS, ABORTED. Da freue ich mich drauf. BLACK DAHLIA MURDER SIND JA EINE HÖCHST UNTERHALTSAME LIVE-BAND… „Yeah! They like to goof around”. Sie machen lustige Sachen und entertainen einen. Aber das ist auch nicht „Metal“, eine Show im Badeanzug zu machen. Das ist nicht „Metal“, aber diese Band ist mehr Metal, als viele andere da draußen. Noch einmal, es hat nichts mit einem möglichen Image zu tun, das man verraten könnte. WER HAT DENN DAS VIDEO ZU „FURTIVE MONOLOGUE“ GEMACHT? IM GEGENSATZ ZU VIELEN ANDEREN, SO GENANNTEN, VIDEOS HEUTZUTAGE, SIEHT DAS GANZE NACH RICHTIG HOCHWERTIGER ARBEIT AUS. Wir haben bis jetzt drei Videos gemacht. Die ersten beiden hat ein Freund von uns gemacht und das Neueste kommt von einem Typen, der 1 ½ Stunden von Montreal entfernt lebt. Dies war eines seiner ersten Arbeiten und es ist sehr gut geworden. Die Special Effects sind großartig, ich hätte nie gedacht, dass es so gut werden würde. JA, ES SIEHT SO AUS, ALS WENN SICH JEMAND MÜHE GEGEBEN HÄTTE… Es sieht gut aus. Ich war richtig aus dem Häuschen. „Thats my video?!“ Ich hab’s nicht verstanden… Bei allen unseren Merchandising- oder Design-Geschichten arbeiten wir eng mit Freunden zusammen. Wir wenden uns an keine High-Profile-Artists, wir arbeiten lieber mit Leuten zusammen, die wir kennen. Wir unterstützen lieber lokale Talente. Der Soundmann auf dieser Tour ist Yannick, unser alter Gitarrist. Wenn wir Lieder aufnehmen, dann mit ihm in unserer Heimat. Wir halten das alles in der Familie. Für uns ist es wichtig, mit diesen Menschen zu kollaborieren. UND WAS WAR DER GRUND, WARUM YANNICK NICHT MEHR GITARRE IN DER BAND SPIELEN WOLLTE? Er hat geheiratet, hat mittlerweile ein Kind. Er eröffnet sein eigenes Studio. Heiraten und Kinder zu bekommen, ist eine große Verantwortung. Und bei dem Tourplan ist man selten zuhause. Wenn ich Kinder hätte, würde ich wahrscheinlich auch mit dem Touren aufhören. Dass heißt nicht, dass ich keine Kinder haben wollen würde. Irgendwann werde ich auch wieder sesshaft werden. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Für Yannick ist das jetzt wie Urlaub. Seit dem Herbst 2006 war er nicht mehr auf Tour und deswegen ist das für ihn jetzt wieder eine tolle Erfahrung, die ihn glücklich macht. Aber er vermisst seinen Sohn und er hat viele familiäre Dinge, die er klären muss, wenn er wieder zuhause ist. Er hat einen richtigen Job mit dem Studio. Es war seine Entscheidung und wir haben sie alle verstanden. KANADA ENTWICKELT SICH JA RICHTIG ZU EINEM METAL-MEKKA. HAST DU IRGENDWELCHE FAVORITEN ODER INSIDER TIPPS? Natürlich sind BENEATH THE MASSACRE und ION DISSONANCE gute Freunde von uns und obendrein noch zu meinen Lieblingsbands gehörend. Ich bin stolz auf die Bands, die aus unserer Gegend kommen, denn als wir anfingen gab es nicht viele kanadische Bands, die bekannt waren. Es gab zehn Jahre lang nur die großen vier: CRYPTOPSY, KATAKLYSM, GOREGUTS und VOI VOD. Das war alles was Du von Kanada gehört hast. Keine der jüngeren Bands hat Aufmerksamkeit erregt. Es war schon sehr schwer überhaupt einen Plattenvertrag zu bekommen. Wir waren keine amerikanische Band, denn da ist die Szene, die beachtet wird. Alleine außerhalb von Kanada zu touren, ist schon eine große Sache. Es kostet eine menge, du brauchst Aufenthaltserlaubnisse, dieser ganze Kram. Ich habe Deine Frage komplett vergessen! (lacht) DIE SZENE IN KANADA… Ach ja! Jetzt wo wir und unsere Freunde einen Plattendeal haben und uns in Nord-Amerika etabliert haben und durch Europa touren, werden heutzutage viel mehr Bands aus Montreal gesigned. Freunde von uns, THE PLASMA RIFLE, haben jetzt einen Deal mit S.O.A.R. Für die freut es mich besonders. Ja, die Dinge laufen gut zurzeit. O.K. VIELEN DANK! MÖCHTEST DU NOCH IRGENDWAS LOSWERDEN? Wir haben ein Auge auf Europa geworfen. Im August und im November werden wir zurückkommen. Also wenn ihr das lest, kommt zu unseren Shows und hängt mit uns herum. „Keep an open mind!“ Das ist es, „Fuck Rock Stars…“

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