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DIE APOKALYPTISCHEN REITER (VOLK-MAN)

ALS ERSTES DANKE ICH DIR, DASS DU DIR DIE ZEIT FÜR DAS INTERVIEW NIMMST UND ICH MÖCHTE SAGEN: GRATULATION ZUM NEUEN WERK, WAS JA LYRISCH ALS AUCH MUSIKALISCH WIRKLICH HERAUS STICHT. MEINE ERSTE FRAGE WÄRE RECHT OBLIGATORISCH. LIEF EIGENTLICH ALLES GLATT BEI DER PRODUKTION? Ja, diesmal ja. Beim „Samurai“-Album haben wir einen großen Schock gekriegt, weil der Produzent nach dem sechsten oder siebten Tag hochgekommen ist und gesagt hat, er habe ein Problem mit den Festplatten (lacht), weil er auch keine Datensicherung gemacht hatte, was er uns aber erst ganz danach gesagt hat, nachdem alles wieder in Ordnung war. Da haben wir zwei Tage rumgesessen und gewartet, bis das alles wieder repariert gewesen ist. Aber diesmal, diesmal ist alles gut gegangen. Diesmal gab’s eigentlich gar keine Probleme. IHR WART JA DIESMAL IN DEN PRINCIPAL STUDIOS BEI VINCENT SORG. WELCHE GRÜNDE SPRACHEN FÜR DIE LOKALITÄT UND SPEZIELL AUCH FÜR VINCENT? Ja gut. Also dass der Vincent das gemacht hat, haben wir auch nicht so richtig gewusst. Wir wussten nur von den Studios. Wir hatten das letzte IN EXTREMO-Album gehört, was uns halt sehr sehr gut gefallen hat – „Mein rasend Herz“ – und IN EXTREMO machen halt auch sehr vielschichtige Musik, sie haben halt sehr mittelalterliche Sachen, auch sehr leichte Sachen mitunter und auch manchmal heftige Gitarren. Uns hat der gesamte Sound einfach sehr gut gefallen, und wir waren eh auf der Suche nach einem neuen Studio, weil wir bisher zwar immer zufrieden waren, aber immer noch so ein bisschen Reserven gesehen haben und dieses Mal haben wir einfach gesagt: OK wir versuchen es einfach diesmal hier. Wie gesagt, weil auch einige Bands von dort gewesen sind, auch CALIBAN waren dort und deswegen haben wir uns diesmal dafür entschieden und es auch nicht bereut – definitiv nicht. VERSTEH ICH DICH RICHTIG, DAS IHR EUCH HABT EIN WENIG VON IN EXTREMO HABT BEEINFLUSSEN LASSEN? Nein gar nicht. Das spielt da gar keine Rolle. Die Songs sind ja sozusagen komplett schon fertig gewesen, bevor wir uns entschieden haben, in das Studio zu gehen. Wir sind ja auch eine Band, die die Songs vorher komplett fertig macht und nicht mit halben Ideen ins Studio geht und sieht, wie man dann noch irgendwie noch einen Song daraus baut. Da ist unsere Arbeitweise schon immer ein bisschen anders gewesen, und IN EXTREMO sehe ich definitiv nicht als musikalischen Einfluss. Auf keinen Fall. WIE LANG HABT IHR DENN AN DEN SONGS GEARBEITET? Knapp anderthalb Jahre, bis es dann aufgenommen worden ist. Wir haben immer nie so eine Hauptzeit, wo man Songs schreibt, sondern es ist eher so, dass es über das Jahr einfach Ideen gibt, die dann zusammengetragen werden. Wir schreiben eigentlich pro Monat meistens nur ein bis zwei Songs, und dadurch ist das Album vielleicht auch immer so bunt und vielschichtig, weil man halt in jeder Zeit des Jahres in unterschiedlicher Stimmung ist und sicher auch anders komponiert und anders Texte schreibt. Das ist eigentlich schon seit Jahren so unser Zeitfenster. Wir sind meistens anderthalb Jahre mit dem Songwriting beschäftigt, bevor wir dann ins Studio gehen, und die Alben kommen dann halt im Zwei-Jahres-Rhythmus raus bei uns. DA DU ANSPRICHST, DASS DIE ALBEN IMMER SEHR BUNT UND VIELSCHICHTIG SIND, MUSS ICH SAGEN, DIESES MAL BEDIENT IHR JA WIEDER EIN SEHR WEITES FELD. WENN ICH SEHE, „RIDERS ON THE STORM“ IST SO EIN, ICH MÖCHTE SAGEN, TYPISCHER REITERMANIA-KRACHER WÄHREND SONGS WIE „LIEBE“ ODER AUCH „IN THE LAND OF WHITE HORSES“ ETWAS AUS DEM RAHMEN FALLEN. WIE KOMMT MAN EINSERSEITS AUF SOLCHE HARTEN STÜCKE WIE EBEN „RIDERS ON THE STORM“ UND ANDERSEITS AUF SOFTE STÜCKE À LA „IN THE LAND OF WHITE HORSES“? Wir versuchen halt immer so eine kleine musikalische Reise auf unserem Album zu haben, weil das Ohr und der Mensch neigt halt dazu, wenn er eine ganze Weile immer einen ähnlichen Sound vorgesetzt bekommt, schaltet man halt irgendwann ab und hört nicht mehr so genau zu. Wir wollen halt immer eine gewisse Spannung aufrechterhalten, weswegen es auch immer sehr schwierig ist am Schluss, wenn die Songs aufgenommen sind, da steht halt die Reihenfolge noch nicht fest. Dann gibt’s halt zig Varianten, wie man die Songs jetzt auf das Album tut, damit man auch einen gewissen roten Faden darin findet. Dieses Mal ist es halt ein ziemlich heftiger Beginn, in der Mitte wird es wieder ein bisschen ruhiger und zum Schluss wird’s dann wieder heftig und dann geht’s wieder ganz runter. Das ist halt so wie wir denken, dass es vom Harmonischen am besten ist und dadurch, dass halt nicht nur einer am Songwriting beteiligt ist, auch wenn unser Sänger Fuchs schon das Meiste macht, kommen immer noch viele andere kleine Ideen dazu, und jeder Mensch und jeder in der Band tickt ja auch ein bisschen anders, was seine ganz persönlichen Gefühle angeht und wie er halt Songs komponiert und schreibt und sich Riffs ausdenkt, und da kann es mitunter schon zu großen Gegensätzen kommen. Aber ich denke, die Reiter haben es diesmal geschafft, es ganz harmonisch und rund zu verpacken, dass es auch nach mehrmaligem Hören noch interessant bleibt. Das ist für uns sehr wichtig. AUF JEDEN FALL! INWIEWEIT GEHEN DA EIGENTLICH PERSÖNLICHE ERFAHRUNGEN ODER PRÄGENDE SITUATIONEN IN DIE SONGS EIN, DA TITEL WIE Z.B. „LIEBE“ DOCH SEHR EMOTIONAL SIND? Ja ich finde auch, dass es ein sehr emotionaler Song ist. Ich hab ihn selber nicht geschrieben, auch den Text nicht, deswegen will ich da auch nicht soviel Inhaltliches darüber sagen, aber ich denke es ist einfach ein Text und ein Song, den man sich in einem ruhigen Moment anhört und ihn auf sich wirken lässt. Ich glaube, in Sachen wie Partnerschaft und Liebe hat halt jeder eine ganz eigene Beziehung dazu, weil es halt so ein zentrales Grundbedürfnis eines jeden Menschen ist. Wir haben sehr lange auch überlegt, ob wir diesen Song überhaupt bringen können, denn gerade in der Metal-Szene ist es oftmals nicht so einfach, Gefühle anzusprechen und gleichzeitig ist es halt auch immer eine Gratwanderung, wie so etwas ankommt. Aber letztendlich geht es erstmal darum, dass wir als Band damit glücklich sind, und wir müssen ja auch selber irgendwie Spaß haben an dem, was wir tun, weil wir das eigentlich sehr sehr viele Tage im Jahr machen, um nicht zu sagen fast jeden Tag, und wir wollen für uns eine musikalische Reise und Entwicklung darin sehen. Wir wollen auch nicht stehen bleiben. Das ist uns sehr wichtig. IN DEM ZUSAMMENHANG FÄLLT MIR AUCH „SOLDATEN DER ERDE“ AUF. DER SONG BRINGT EINEN POLITISCHEN BEZUG MIT SICH. Ja, also das ist bei dem Song nun ganz offensichtlich. Da muss man sicherlich nicht groß deuten, wie er gemeint ist. Kriege sind halt nun omnipräsent in den Medien, soweit man irgendwo eine Zeitung zur Hand nimmt oder einmal Nachrichten schaut. Es sind halt viele Sachen, die auf der Erde passieren – ich will mich da auch gar nicht so als Musiker herausstellen gegenüber anderen, denn es sind einfach Dinge, die einen bedrücken und bewegen. Und so ein Song ist halt eine Möglichkeit, um da auch einmal ein Ventil zu öffnen, die Meinung kund zu tun, und ich denke, das ist bei dem Song sehr sehr deutlich geworden. AUF JEDEN FALL. ER IST FÜR MICH EINES DER HERAUSRAGENDEN STÜCKE DES ALBUMS. Ich finde ihn persönlich auch sehr gelungen. Er ist ja auch auf einer sehr zentralen Position. Wenn man sich die alten Reiter-Alben anschaut, welche Songs meistens in der Hälfte gekommen sind, das sind Sachen wie „Metal will never die“ oder „Reitermania“ und „We will never die“. Ich denke schon es ist ein sehr zentraler Song, zumindest für mich persönlich. GEHEN WIR MAL ETWAS VON DEN EINZELNEN TITELN WEG UND KOMMEN ZUR ART UND WEISE DER MUSIK. AUFFÄLLIG IST, DASS IHR EUREN GESANG ETWAS UMGESTELLT HABT, WEG VON DEN BLACK METAL VOCALS UND HIN ZU KLAREM GESANG. GAB ES DAFÜR EINEN BESTIMMTEN GRUND? Ich denke einfach, dass Fuchs erstmal gesangsmäßig ein total großes Spektrum hat, weil er ein sehr engagierter und beharrlicher Sänger ist und ständig an sich arbeitet. Und wenn man halt ein stimmliches Potential hat und denkt, dass man das auch umsetzen kann, dann wird man das natürlich auch tun und versuchen die Stimmung einer jeden Textpassage auch gesanglich gut zu untermalen. Es würde natürlich wenig Sinn machen, so einen Song – da wir vorhin gerade über den „Liebe“-Song gesprochen haben – den jetzt so zu grunzen. Das würde im Death Metal Stil, glaube ich, sehr sehr komisch rüberkommen und deswegen, glaube ich, ist in erster Linie der Text die Vorgabe wie man es interpretiert, auch gesanglich. SEIT 2002 HABT IHR JA DEN PITRONE ALS ZUSÄTZLICHEN GITARRISTEN. WIE GUT HABT IHR EUCH BIS ZUM HEUTIGEN TAG MIT IHM ZUSAMMENGEFUNDEN? Pit ist seit 2002 bei uns, und wir haben schon sehr viel Touren gefahren, und es war ja von Anfang an so, dass wir immer gesagt haben, es geht uns nicht primär nur um das Musikalische sondern einfach auch darum, dass da eine Art gemeinsamer Background da ist, das man auf einer Wellenlänge schwimmt. Und so es war ja von Beginn an, als er bei uns im Proberaum war und hatte sich 3 oder 4 Stücke von uns, von der „All you need is love“ glaube ich, draufgedrückt und hat die uns fast fehlerfrei vorgespielt, und auch seine Art – wir wohnen in Weimar und er kommt aus Erfurt, es ist also quasi die Nachbarstadt. Regional gibt’s dann halt einige Bande, das man zum Teil einen gemeinsamen Bekanntenkreis hat und über andere Leute, die man selber kennt, die auch ihn wieder kannten, sind dann auch Freundschaften reaktiviert worden. Aber es ist ja nicht nur die Band, wir haben auch einen Tonmann und einen Lichtmann und Techniker, die mit uns mitfahren. Es ist mittlerweile schon ein Zehn-Mann-Tross, der dann auch viele Wochenenden zusammen unterwegs ist, und das funktioniert nur, denke ich, wenn man auf so engem Raum unterwegs ist, man sitzt halt auch stundenlang zusammen im Bus und hat im Hotel auch oftmals Zimmer zusammen, und das muss dann schon persönlich harmonieren. Da haben wir wirklich einen Glücksgriff getan. ICH HABE DA NOCH EINE FRAGE DIREKT ZUM TITEL DES ALBUMS. „RIDERS ON THE STORM“ IST JA, ÄHNLICH WIE BEI „ALL YOU NEED IS LOVE“, EIN SONG EINER ÄLTEREN BAND. „ALL YOU NEED IS LOVE“ WAR JA VON DEN BEATLES UND „RIDERS ON THE STORM“ IST VON DEN DOORS. IST DAS NUR EINE ART RUNNING GAG ODER STEHT DA EINE IDEE DAHINTER? Ich weiß auch nicht. Damals wahrscheinlich, wo wir uns den Titel ausgewählt haben, er kam uns so in den Sinn – wir haben dabei gar nicht an die anderen Bands gedacht – „Riders on the storm“ beschreibt einfach so ein Gefühl, was es momentan gibt. Wir als die Reiter, die sich auf dem Sturm befinden, wir stürmen durch die Musiklandschaft und haben das Gefühl, das man überall, wo man auftaucht und viele Leute, die uns vorher auch gar nicht kannten, auf einmal total begeistert sind. Das gibt uns auch sehr viel Kraft und Energie, da wir ja auch viel Energie der Fans zurückbekommen, was man dann auch wieder in das Album stecken kann. Und wir haben einfach gedacht, es beschreibt eben das Gefühl, das es im Moment in der Band gibt, und es ist einfach ein guter Titel. Natürlich gibt es da diese Parallelen zu „All you need dis love“, was von den BEATLES kam oder dass die Titel so ähnlich klingen. Damals war es ähnlich, „All you need is love“ war eine Idee, die man hatte und erst später kam man drauf, „Mensch da gibt’s ja auch einen Song von den BEATLES“. Man wird auch sehr oft darauf angesprochen. Vielleicht ist es auch so, dass es die Leute auch neugierig macht. Man denkt sich, wieso nennen die so ein Album so, aber es ist nicht wirklich bewusst passiert, sondern eigentlich immer erst, wo wir den Albumtitel hatten und fanden, dass er gut ist, dachten wir „Ah, da gibt’s ja auch noch ne andere Band, die das auch schon einmal gemacht hat, stimmt.“. Vielleicht wurde man auch unbewusst beeinflusst, ohne das man etwas gemerkt hat, aber bewusst eher nicht. IN DEM ZUSAMMENHANG INTERESSIERT MICH, WAS IHR PRIVAT FÜR MUSIK HÖRT? KOMMEN DA AUCH BEATLES ODER DIE DOORS MIT VOR? Ja, definitiv. Ich muss ehrlich sagen, ich höre eigentlich quer Beet, sehr viele Bands, auf alle Fälle nicht nur behaftet im Metal-Bereich. Ich höre auch viel TURBONEGRO, MAXIMO PARK oder auch sehr viel experimentelle Weltmusik oder auch alte Samurai-Soundtracks aus Japan aus den 50er Jahren. Einfach auch schräges Zeug; Mike Patton, FANTOMAS. Ich liebe solche experimentelle schräge Musik, die nicht so populär ist. Das ist eher das, was ich gut finde und mitunter hört man auch Gassenhauer, an denen man einfach nicht vorbeikommt. Aber ich durchforste da immer viele Zeitschriften, um auch unbekannte Bands anzutesten. Das ist ja heute auch schön – im Internet bieten viele Bands auf ihren Webseiten Songs zum Download an oder man kann einen Soundschnipsel hören. Das macht schon vieles einfacher. Ich bin früher schon in Läden gerannt auf Grund einer Plattenkritik und hab mir im Laden was angehört. Das fand ich dann doch nicht so cool. Hier kann man dann halt viel intensiver suchen, was einem persönlich auch gefällt. WEIL DU GERADE DAS THEMA INTERNET ANSPRICHST: BEI DEN MAJOR LABELS UND AUCH BEI DEN GROSSEN ACTS GIBT ES IMMER WIEDER DIE PROBLEME UND DISKUSSIONEN WEGEN DER RAUBKOPIEN UND ILLEGALER TAUSCHBÖRSEN. WIE SEHR BETRIFFT DAS, DENKST DU, DIE METAL-SZENE, VOR ALLEM DIE DEUTSCHE METAL-SZENE UND AUCH EUCH ALS BAND PERSÖNLICH? Ich versuche immer darüber nachzudenken, was es wirklich für eine Band bedeutet. Ob man es nur so sehen kann, dass es halt Tauschbörsen gibt und dass man 100 Rohlinge für 7 Euro kaufen kann und man die Sachen so billig und einfach vervielfältigen kann wie noch nie vorher. Auf der anderen Seite hat man natürlich auch dadurch ein unheimliches Potential sehr viele Leute zu erreichen, die sonst nicht das Geld dafür haben, weil heutzutage viele Leute einfach nur sparen und trotzdem auf Musik nicht verzichten wollen, sich das einfach nur mal von einem Freund besorgen und sich mal was runterladen. Letztendlich, sage ich mal, als Band sind wir live auf der Strasse unterwegs, wir spielen 50 bis 70 Shows pro Jahr und merken auch, dass es immer mehr Leute bei unseren Konzerten werden, obwohl wir, was die Verkäufe unserer Platten angeht, nicht unbedingt so enorm viel in den letzten zwei Jahren gewachsen sind, was jetzt an Publikum bei den Shows da ist. Deswegen kann es auch sein, dass es hinten herum noch einen Effekt gibt, dass auch illegale Downloads die Musik auch anderen Leuten zuspielen, die dann halt trotzdem sagen: „Mensch das gefällt mir – da wär ich ja nie drauf gekommen“. Und die kommen dann zu uns in die Shows und dann kaufen sie sich doch ein T-Shirt, eine CD bei der Show. Letztendlich, denke ich, kann man den Leuten nicht vorschreiben, wie sie sich das besorgen, obwohl es schon ein ernstes finanzielles Problem ist, weil es auch gerade kleinere Bands wie uns oder auch kleinere Labels härter trifft, wenn bestimmte Summen rückläufig sind. Ich meine, dass die Umsätze der Musikbranche in den letzten 5 oder 6 Jahren rückläufig sind, ist nun mal Fakt und das kann man auch nicht wegdiskutieren. Ich kenne ja viele Indie-Labels, die deswegen zugemacht haben und wenn die kleinen Indie-Labels wegbrechen, hätten es die Bands wie die Reiter zum Beispiel heutzutage ungleich schwerer, überhaupt bekannter zu werden. Bis ein Label dich erstmal unter Vertrag nimmt, dauert es schon eine ganze Weile und bis dich dann ein größeres Label von dem Label wegholt, ist auch relativ schwierig geworden, wenn die kleinen Labels kein Geld haben, unbekannten Bands auf Verdacht einen Vertrag anzubieten. Da wird die Musiklandschaft auch ausgedünnt. Denn dann passiert es, dass neue Bands in erster Linie Kopien von den Bands sind, die schon da sind. Das ist dann traurig, da man denkt, das ist nur die Schiene, die erfolgreich ist, denn alle anderen Stile werden dann von den Labels gar nicht mehr gefragt. So richtig experimentelle schräge Musik hat es schwerer richtig groß rauszukommen. Wenn ich mir vorstelle, wie schräg vor vielen Jahren, wo ich auch noch gar nicht gelebt habe, Bands wie LED ZEPPELIN waren. Ich weiß nicht, ob es heute solche Bands noch mal in solche Dimensionen schaffen. Ich glaube, heute ist alles einfacher gestrickt, es muss alles hitmäßig sein um bei vielen Leuten anzukommen. Wenn ich jetzt an die Fussball-WM denke, an die Songs, das sind eigentlich Kindergartenmelodien, die sind so einfach, haben nichts Anspruchvolles, und so einfach scheint wohl das Rezept zu sein was den Leuten heutzutage gefällt. IHR HABT JA ZUM LETZTEN ALBUM „SAMURAI“ EIN RECHT AUFSEHENERREGENDES UND, ICH SAGE MAL, ETWAS ABGEDREHTES VIDEO GEMACHT ZU „DIE SONNE SCHEINT“. WIRD ES ZU „RIDERS ON THE STORM“ AUCH EIN NEUES VIDEO GEBEN? Wir haben jetzt für „Friede sei mit dir“ einen Videoclip gemacht, den kann man sich auch im Internet bei uns kostenlos anschauen, und für „Riders on the storm“ selbst warten wir jetzt ein bisschen ab. Wir haben damals auch „Die Sonne scheint“ deswegen gemacht, weil wir gemerkt haben, dass es irgendwie genau DER Song ist. Wir finden zwar selber, dass es ein schöner netter Song ist, aber es gibt auch andere Songs auf dem Album, aber das ist scheinbar genau der Song, der live am besten funktioniert und den die Leute immer wieder hören wollen, und wir haben uns gedacht, lasst uns von dem Song einfach ein Video machen, weil ihn die Leute scheinbar am besten finden und genauso wird’s wahrscheinlich auch auf dem neuen Album werden. Wir werden es jetzt erstmal auf den Markt bringen und schauen uns die nächsten Tourneen an, was dann den Leuten am besten gefällt und vielleicht picken wir uns dann den Song raus, der die richtig guten Reaktionen ergab. Obwohl, ich muss schon sagen, dass ich echt Lust hätte den Titeltrack „Riders on the storm“ als Video auszukoppeln, weil er der Titeltrack ist und weil er das Album verkörpert. Aber um das so umzusetzen, wie ich mir das vorstelle (lacht), müssen wir wahrscheinlich erst ganz viele Schallplatten verkaufen, denn wenn ich das Lied anfassen würde, würde ich es sehr dick und fett machen wollen, dass es fürs Auge sehr unterhaltsam ist, das viel passiert. Nicht das typische „eine Band stellt sich in eine Halle und hat die Gitarren um“ – das find ich ein bisschen langweilig. „Friede sei mit dir“ geht da schon in die Richtung. Wir haben eine total schräge Kombination, wie es wohl nur bei den Reitern geht. Wir haben einen Grafiker kennen gelernt, der in der Hip Hop-Szene arbeitet und einen Cutter, der aus der BMX-Szene kommt. Sie haben eigentlich nicht so richtig was damit zu tun, aber Teile von ihren Crews sind halt auch Metalheads und arbeiten für Metal-Firmen. Und der sollte für uns mal ein T-Shirt- oder ein Coverdesign anfertigen. Wir fanden das total cool, hatten uns aber fürs Cover was anderes vorgestellt, aber wir haben gemerkt, dass der Typ grafisch total der Hammer ist und auch einen völlig anderen Stil für die Reiter erschaffen kann. Deswegen haben wir mit den Leuten zusammengearbeitet und haben halt die Mischung gemacht, aus live auf genommenen Sequenzen, animierten Vektorgrafiken, was auch sehr geil geschnitten worden ist. Und das ist die Messlatte, die ich mit dem nächsten Video erreichen möchte. Einfach vom Grad der Auffälligkeit, weil heute ist es ja so, dass im Fernsehen kein Metal mehr kommt. Er wird von den Medien nicht präsentiert und deshalb befinden sich die Videos meistens auf speziellen Metal-DVDs, wo du halt 30, 40 Clips am Stück hast. Und da ist es für eine Band wichtig, dass man da auffällt. Und das passiert mit dem neuen Video definitiv. DA DU DAS „AUFFALLEN“ ANSPRICHST, OBWOHL Z. B. LORDI DEN EUROVISION-CONTEST GEWONNEN HABEN, HÖRT MAN VON DENEN AUCH NICHTS MEHR, WAS DENKST DU DENN DARÜBER? So eine Band wie LORDI zeigt ja diese ganze verquere, paradoxe Musikszene in Deutschland. Auf der einen Seite hast du so Riesen Bands, wie z.B. LORDI, die unheimlich viele Platten verkaufen, oder auch Bands wie IN EXTREMO, die total bekannt sind, oder auch NIGHTWISH, wo man dann erfährt, dass bestimmte Videos im Fernsehen einfach nicht gezeigt werden, weil MTV, was ja der Monopolmarkt ist, weil es ja VIVA aufgekauft hat, einfach sagt, „Wir spielen das einfach nicht. Uns ist total egal, wie hoch das ist den Charts ist, es passt nicht zu uns, wir stehen da einfach drüber. Wir spielen nur das, was uns genehm ist.“ Da wirken halt auch total andere Kräfte, die für Bands völlig unerreichbar sind, um da irgendetwas zu beeinflussen. Die großen Medien sind zu abgehoben, und ich würde mir echt wünschen, das die Musiklandschaft, gerade was das Fernsehen angeht, irgendwie ein bisschen bunter würde. Gerade wenn ich an England denke, oder Frankreich, da gibt es so viele kleine, auch überregionale TV-Stationen, die Musik reinkriegen. Selbst ich krieg hier über mein Satelliten-TV irgendwie zwei oder drei französische Musiksender rein und die spielen wirklich auch quer Beet. Da kommt auch mal SLAYER und auch mal IRON MAIDEN und dann kommt halt auch Britney Spears, aber das ist egal. Ich finde es halt so blöd, dass es hier in Deutschland gerade die härtere Richtung im Fernsehen total ausgeblendet wird. ZUM SCHLUSS HÄTTE ICH NOCH EIN PAAR FRAGEN, DIE ABSEITS DER MUSIK LIEGEN. IN ZUSAMMENHANG MIT METAL UND AUCH ANDEREN UNTERHALTUNGSMEDIEN WIE Z.B. FILM ODER PC-SPIELEN WERDEN IMMER WIEDER GRÜNDE GESUCHT FÜR GEWALTTATEN AN SCHULEN. INWIEWEIT SEHT IHR ALS METAL-MUSIKER SCHULD IN DEN MEDIEN, WENN AN SCHULEN SOLCHE GEWALTAKTE ENTSTEHEN? Das ist eine ganz heikle Frage. Ich glaube, da haben sich schon einige Soziologen ganz stark damit beschäftigt, in wieweit Gewalt aus den Medien bei einem Heranwachsenden Sachen im Gehirn auslösen, die auf irgendeine Art und Weise so unbegreiflich sind, dass man händeringend versucht, sich eine Erklärung aus den Fingern zu saugen. Ich denke man macht es sich zu einfach zu sagen, du spielst CounterStrike – du bist sofort gefährdet, irgendwann später Amok zu laufen oder irgendwelche Leute abzumetzeln. Wer es sich so einfach macht, hat einfach zu kurz gedacht. Wenn ich an meine Kindheit denke, ich bin ende der 70er Jahre in der DDR aufgewachsen, und ich hatte eine total andere Kindheit als z.B. mein Neffe, der jetzt 6 Jahre alt ist und wo ich sehe, womit er sich beschäftigt, wie sehr er durch das Fernsehen einfach auch beeinflusst wird. Welche Auswirkung das auf die Entwicklung von einem Kind und ein Gehirn hat, die ganze Zeit mit solchen Reizen – ich finde es teilweise sehr hektisch, wenn man sich Videoclips anschaut oder Werbung, wie schnell da auch Bilder geschnitten werden und wie viele Informationen man da aufarbeiten muss. Wenn man das mal vergleicht, wie man früher Räuber und Gendarm mit Freunden irgendwo gespielt hat, draußen im Wald. Das sind fundamentale Unterschiede, und ich denke, das wird eine große Herausforderung für die Wissenschaft und die Psychologen und für die gesamte Gesellschaft sein, daran zu arbeiten, wie man damit umgeht, und da muss man halt verstehen, wie es wirkt und der Mensch befindet sich gerade in dem Prozess, das herauszufinden. Ich selbst möchte mir da auch kein wirkliches Urteil erlauben. ZUGUTERLETZT MÖCHTE ICH GERN NOCH WISSEN, OB IHR DIE FUSSBALL-WM VERFOLGT HABT? Ja! Die WM haben wir verfolgt, definitiv. Ich bin jetzt nicht der Riesen Fanatiker, der ins Stadion oder zum Fan-Fest geht, aber man hat natürlich die Stimmung gespürt. Man konnte ja auch keine Zeitschrift aufschlagen und kein Fernsehen oder Radio hören, ohne dass man nicht irgendwo Fußball hatte. Selbst wenn man auf der Strasse gelaufen ist und Leute Deutschlandfahnen auf ihren T-Shirts hatten oder an ihren Autos. Es war auf alle Fälle eine sehr ungewöhnliche Erfahrung, wie ich das Land hier erlebt hab. DA DU JETZT DIE FAHNEN ANSPRICHST UND DIE T-SHIRTS. IN DIESEM ZUSAMMENHANG WIRD JETZT VIEL DISKUTIERT ÜBER DEN NEU GEWONNEN PATRIOTISMUS DURCH DIE WM. WIE STEHST DU DAZU? Ich denke, genau das man darüber spricht, ist ja schon der gute Effekt. Ich meine, dass da jeder eine andere Meinung dazu hat, ist völlig klar, und wie Patriotismus sich definiert – jeder Franzose und jeder Amerikaner definiert seinen Patriotismus ein bisschen anders. Das Problem in Deutschland war bisher nur, dass wir uns bisher kaum gewagt haben, über Patriotismus zu diskutieren. Auf der einen Seite hatte man wohl Angst, dass man das nicht darf und auf der anderen Seite wollte man sich nicht outen. Es war einfach ein großes gesellschaftliches Tabu. Ich glaube, jetzt fängt man an, erstmal darüber zu sprechen, und im Laufe des Gespräches, werden wir dann auch feststehen, wie patriotisch die Deutschen auch sein wollen. Ich glaube, wir sind gerade in der Phase, in der wir versuchen, unseren Patriotismus zu entdecken. Ich glaube, dass es wichtig ist, weil es einfach das Wesen der Nation ist, dass man ein Nationalbewusstsein hat. Aber es hat natürlich geschichtliche Gründe, warum das in Deutschland schwieriger ist als in anderen Ländern. Aber ich finde es gut, dass diese Diskussion angestoßen worden ist, und ich weiß auch nicht, in welche Richtung das jetzt gehen mag. Ich finde es nur gut, dass es scheinbar DAS Sommerthema momentan ist. Menschen sind über den Fußball wieder ins Gespräch gekommen. Man spricht nicht nur über das Deutsch sein, über den Patriotismus, man spricht überhaupt wieder ein bisschen mehr miteinander. Man teilt seine Befürchtungen, seine Wünsche und seine Nöte dem Anderen mit, und ich denke, das ist ein guter Weg. Sprechen ist immer ein guter Weg. Denn alles in sich reinfressen und dann griesgrämig werden, ist die falsche Antwort. ABSCHLIESSEND KANN ICH NUR SAGEN: DANKE FÜR DAS WIRKLICH AUSFÜHRLICHE INTERVIEW. ICH WÜNSCHE EUCH VIEL SPASS UND VOR ALLEM VIEL ERFOLG AUF EURER KOMMENDEN TOURNEE UND VOR ALLEM MIT DEM ALBUM. DIE LETZTEN WORTE GEHÖREN DIR: Ok, dann grüße ich in erster Line erstmal alle Leser von Terrorverlag und auch alle Fans von uns natürlich. Ich hoffe, dass ihr irgendwann mal die Zeit findet das neue Album anzutesten. Ich denke, die Reiter haben wieder was völlig Neues erschaffen, was wieder viele überraschen wird. Wir freuen uns auf unsere Tour jetzt im September durch ganz Deutschland – auf unserer Homepage findet ihr de kompletten Tourdaten – wir haben auch wieder einige Supportbands dabei, aus Finnland, von den Faroer Inseln, aus Deutschland und es wird auf alle Fälle ein sehr schöner und interessanter Herbst werden. Das können wir versprechen.

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