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DIE PERLEN (FERDINAND)

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HALLO FERDINAND, ES IST SEHR NETT, UNS HEUTE EIN PAAR FRAGEN ZU BEANTWORTEN. DANN SCHIESSEN WIR DOCH AUCH GLEICH EINMAL LOS. DIE PERLEN EXISTIEREN SEIT 2000. ERZÄHLE UNSEREN LESERN DOCH BITTE EINMAL ETWAS ZU EURER ENTSTEHUNGSGESCHICHTE UND WIE ES DAZU KAM, EINE MUSIKALISCHE LAUFBAHN EINZUSCHLAGEN. Richtig, begonnen wir haben im April 2000, also genau vor 9 Jahren unter dem Namen „perlen vor die Säue“. Zunächst haben wir ganz klein mit wenig Equipment angefangen. Das klang dann auch eher nach Minimal-Electro, weshalb wir auch heute noch so eingeordnet werden. Die ersten Stücke haben wir mal so zum testen ins Internet gestellt und die Resonanz war so groß, dass wir beschlossen, weiter zu machen. Anfangs gab es pro Jahr eine Demo-CDR die wir in kleiner Auflage selbst vertrieben. Irgendwann sind wir mit dem Brennen nicht mehr nachgekommen… IN NEUN JAHREN BANDDASEIN GIBT ES NUN VIER VERÖFFENTLICHUNGEN. 2004 ERSCHIEN DIE MCD „GEDANKENZÜGE“, 2006 UND 2008 FOLGTEN DIE BEIDEN ALBEN „TELEKTROPONK!“ UND „SZENENWECHSEL“. NUN ERSCHIEN AM 17.04. DIE VINYL „STADT.EP“. AUS WELCHEM GRUND LASST IHR EUCH MIT DEN RELEASES IMMER SO LANGE ZEIT? Was heißt lange Zeit? Rückblickend hatten wir bis auf wenige Ausnahmen fast jedes Jahr eine Veröffentlichung. Wir haben beide einen festen Beruf – im Moment arbeite ich fast 50h/Woche. Außerdem hatten wir ziemlich viele Konzerte. Wenn man jedes Mal im Durchschnitt 300Km anreist, vergeht da viel Zeit und die fehlt dann für die Produktion neuer Stücke. Wir halten außerdem so gut es geht persönlichen Kontakt zu unseren Fans. Zur Zeit bin ich mit insgesamt 4 Musikprojekten eigentlich eher überlastet und habe das Gefühl, dass mir eher die Zeit zu knapp ist, um alles meine Ideen umzusetzen. Nicht zu vergessen: Wir sind nur zu zweit und machen vom ersten Ton bis zum Endmix alles selbst, einschließlich Videoclips. Die Pausen 2005 und 2007 lagen daran, dass wir kein Label hatten und zu der Zeit zusätzlich alles organisatorische übernahmen. WIE SEHT IHR DIE MUSIKALISCHEN VERÄNDERUNGEN/ WEITERENTWICKLUNGEN VON DER ERSTEN BIS ZUR HEUTIGEN VÖ? Einige Leute kennen noch unsere ersten Demos und ich denke, für die sind wir heute eine andere Band. Wie gesagt, es fing minimal und rein elektronisch an, mit ausschließlich englischen Texten. Die haben wir heute eher aus Tradition noch. Im Moment klingen wir eher rockig, punkig und auf die Stadt.EP klingt durch die Gitarre und das Schlagzeug teilweise sehr natürlich. WARUM ERSCHEINT DIE „STADT.EP“ AUF VINYL? HABT IHR EINEN HANG ZUM RETRO? Das hat mit Retro weniger zu tun. Wir wollten eher etwas besonderes machen – eine Platte in einem außergewöhnlichen Format, bei dem alle Stücke das gleiche Thema aus völlig unterschiedlichen Aspekten behandeln und bei der auch noch was zum Ansehen und Anfassen dabei ist – daher der Stadtplan und die Postkarte. Ich finde, dass Musik heutzutage zu einer Art Fastfood verkommt. Man kann sich Lieder in wenigen Sekunden aus dem Netz herunterladen, kurz reinhören und dann gleich wieder löschen. Ich finde das sehr schade und mag Platten, die mehr als nur Musik sind, indem sie entsprechend gestaltet sind. ALS GIMMICK LIEGEN DER VINYL WIE DU GERADE ERWÄHNTEST AUCH NOCH EIN STADTPLAN UND EINE POSTKARTE BEI. DIE STADTTEILE AUF DEM STADTPLAN SIND NACH NAMEN EURER BISHERIGEN VERÖFFENTLICHUNGEN UND DIE STRASSENNAMEN NACH EUREN SONGTITELN BENANNT. DAS IST EINE SEHR ORIGINELLE IDEE! WER IST DARAUF GEKOMMEN? Als wir gleich nach „Szenenwechsel“ das Video zu „Stadt stirbt“ veröffentlichten, wollte unser Label, dass das Lied so schnell wie möglich veröffentlicht wird. Uns kam dann die Idee, eine ganze Platte zum Thema „Stadt“ zu machen. Dazu gehört natürlich ein Stadtplan, eine Postkarte, Ehrenbürger, Partnerstädte usw. Wir sind während der Fahrt auf Hochtouren gelaufen und als wir zuhause waren, steckten wir voller Ideen. UND WAS BEZWECKT IHR MIT DEN BEILAGEN? LADET IHR EURE HÖRER IN EURE STADT EIN UND SOLLEN SIE VON DA AUS AUCH GLEICH EINE POSTKARTE VERSENDEN? Wie gesagt, der Hörer kann beim Hören auch gleich noch ein bisschen schmöckern und sich über unsere Bandgeschichte informieren. Mit viel Glück entdeckt der eine oder andere eine Straße die nach unserer Lieblingsband benannt ist oder vielleicht sogar nach ihm selbst… DAS GUTE STÜCK IST AUF 300 EXEMPLARE LIMITIERT. DAS IST EINE SEHR KLEINE ZAHL FÜR EINE BAND MIT NEUN JAHREN MUSIKGESCHICHTE. IST DIE AUFLAGE BEREITS AUSVERKAUFT ODER BESTEHT NOCH DIE CHANCE, EIN EXEMPLAR ZU ERHASCHEN? WENN JA, WO? Die Vorbestellungen lassen Gutes ahnen, aber es gibt noch Exemplare. Am einfachsten bekommt man die Platte bei uns direkt, über unser Label Firezone Records, bei einigen Mailordern oder auf unseren Konzerten (z.B. WGT) AUF DER AKTUELLEN VERÖFFENTLICHUNG STEHT DAS THEMA „STADT“ IM VORDERGRUND. AUS WELCHEM GRUND? Ausgangspunkt war „Stadt stirbt“. Katja kam von einer Reise zurück und hat ihre Eindrücke verarbeitet, das Lied handelt von der drastischen Abwanderung in einigen deutschen Städten, wo teilweise ganze Wohnviertel leer stehen. Ich finde, das Thema Stadt gibt einfach viel her. Eine meiner Lieblingsbands The Jam hat auch immer wieder das Thema in ihren Liedern und deshalb haben wir auch gleich eine Coverversion von „A bomb in Wardour St.“ Mit aufgenommen. Katja wollte außerdem ein Gedicht vertonen und da sind wir bei Kurt Tucholsky fündig geworden. „Stadt lebt“ sollte dann auch die psoitiven Aspekte der Stadt beleuchten und auf einem unserer früheren Alben gab es bereits ein Stück „Großstadtangst“. Das haben wir komplett auf den Kopf gestellt. „Villes jumeless“ (Partnerstädte) zählt einige Orte auf, an denen wir gespielt haben und ist ein Gruß an alle unsere Fans. MIT WELCHEN EINFLÜSSEN BZW. ERLEBNISSEN ENTSTEHT EIN TEXT VON EUCH ODER SIND DIESE FREI ERFUNDEN? Das ist von Stück zu Stück unterschiedlich. Mir fallen am besten dann Texte ein, wenn mich etwas ganz besonders aufregt, so ist z.B. „who is to blame“ am 11.09.2001 entstanden. Katja geht meistens etwas abstrakter ran, in dem sie Texte eher konstruiert. IHR SELBST BEZEICHNET EUREN MUSIKSTIL ALS „TELEKTROPONK“. DIESER NAME STEHT FÜR? Einer wilden Mischung aus Techno, Electro, Pop und Punk. Wir wurden früher sehr leicht in eine Musikrichtung eingeordnet, die meist eher unpassend war und so haben wir einfach selbst unsere eigene Bezeichnung erfunden. Ich habe den Eindruck, die meisten Leute kommen damit besser klar. Wenn wir als Synthie-Pop bezeichnet werden und dann schnelle verzerrte Gitarren zu hören sind, ist damit Niemandem geholfen. WIE SEID IHR EIGENTLICH ZUEINANDER GEKOMMEN? UND WIE ERGÄNZT IHR EUCH GEGENSEITIG? Streng genommen kennen wir uns seit der Schule. In den letzten Jahren hat sich bei uns fast so etwas wie eine Arbeitsteilung ergeben. Katja kann sehr gut Texte schreiben und ich kann mich dadurch besser auf musikalische und technische Details konzentrieren. FERDINAND, DU BIST AUSSERDEM DRUMMER BEI DER BAND „DRUNKNESS“. WELCHE GRENZEN ZIEHST DU ZWISCHEN DIESER BAND UND DEN PERLEN? GIBT ES EVENTUELL AUCH ÜBEREINSTIMMUNGEN? ICH MEINE, GIBT ES AUCH GEMEINSAME AKTIVITÄTEN? Anfangs waren die musikalischen Unterschiede zwischen beiden Bands nicht so groß wie heute, es gab da dennoch eine strikte Trennung. Inzwischen klingen beide Bands völlig unterschiedlich, trotzdem geben wir jetzt sogar im Mai ein gemeinsames Konzert und Katja hat sogar bei Drunkness schon mitgesungen. Das ist irgendwie komisch, je größer die Unterschiede sind, desto mehr machen wir gemeinsam. AUSSERDEM HABT IHR EINEN RECHT GUTEN KONTAKT ZU WELLE: ERDBALL, WIE MIR SCHEINT. AUF EUREM LETZTEN ALBUM EIN TITEL IN KOOPERATION MIT DIESER FORMATION ZU HÖREN „WIR HÖREN MIT“. IST MAN GUT BEFREUNDET? Ja durchaus! Wir kennen uns schon seit ein paar Jahren und „wir hören mit“ ist während eines privaten Besuchs bei Honey entstanden. Wir hatten kurz vorher ein Konzert und deshalb unser Equipment dabei und so ergab dann eins das andere… GIBT ES NOCH WEITERE MUSIKALISCHE KOOPERATIONEN? Im Moment mische die die „Droogiez“ ab. Das ist Band von unserem Graphiker Arne. Bei Drunkness warten einige neue Stücke auf die große weite Welt und dann gibt es noch ein Geheimprojekt, von dem es bald was zu hören gibt…. UND MIT WELCHEM MUSIKER, WELCHER BAND WÜRDET IHR GERN EINMAL ETWAS ZUSAMMEN MACHEN? Hm gute Frage… Ich denke, wir haben bereits mit sehr vielen Bands zusammen gearbeitet und ich bin sehr froh darüber. Eigentlich vermisse ich nicht viel, aber mit unseren befreundeten Bands würde ich jederzeit wieder was unternehmen (fettes grins!!) FIREZONE IST EIN 2008 GEGRÜNDETES, DEMENTSPRECHEND NOCH SEHR JUNGES, LABEL. WIE IST DIESES AUF EUCH AUFMERKSAM GEWORDEN? Katja und ich sind seit Jahren schon im W:E-Hörerclub unterwegs. Als wir „Szenenwechsel“ aufnahmen, waren wir im Prinzip ohne Label und wir arbeiteten einfach so vor uns hin, ohne genau zu wissen, ob es jemals wieder von uns eine Veröffentlichung geben wird. Als dann die Platte fertig war, stellte sich die Frage, ob und wo sie erscheinen könnte und Maike Bätz von Hörerclub teilte mir mit, dass Jörg (ebenfalls Hörerclub), vorhabe Firezone zu gründen. Wir kannten uns schon… das war perfekt! KOMMEN WIR EINMAL ZU EUREN LIVE-GIGS. WO ÜBERALL WARD IHR SCHON UNTERWEGS? Einfach in „villes jumelees“ reinhören: Hannover, Halle, Rudolstadt, Bamberg, Essen, Nancy, Erlangen, Rostock, Lissabon, Bratislava, Metz, Trier, Zürich, Mannheim, Eckental, Landgraaf, Münster, Paris, Brüssel, Koblenz, Regensburg, Zwickau, Basel, Bern, Stuttgart, München, Truckenthal, Braunschweig, Mainz, Berlin, Leipzig, Erfurt, Augsburg, Utrecht, Schalkau, Amsterdam um nur einige zu nennen… es fehlen noch Wien, Zapfendorf und… WIE KANN MAN SICH EIN KONZERT VON EUCH VORSTELLEN? Jedes Konzert hat seine eigene Atmosphäre… WIE IST ES FÜR EUCH AUF DER BÜHNE ZU STEHEN? Meistens dauert es ein paar Takte und ab da lassen wir uns treiben und sehen was passiert. Wir sind ziemlich spontan und auf der Bühne etwas chaotisch – jedenfalls haben wir unseren Spaß. Es würde sich nicht rentieren, auf die Bühne zu gehen, ohne Spaß zu haben. Das Publikum lässt sich meist davon anstecken. GIBT ES FÜR DIESES JAHR AUCH KONZERTE? Leider ist Erlangen abgesagt worden, weil es vor wenigen Wochen in dem Club einen Brand gab. Das wird aber nachgeholt. Ansonsten sind im Moment fix: Wien, Nürnberg, WGT-Leipzig, W:E Hörerclubtreffen und Deutzen. Mit drunkness außerdem: Nürnberg, Regensburg und Weissenfels. WELCHES WAR EUER BISHER SCHÖNSTES ERLEBNIS IM BEZUG AUF DIE PERLEN UND WELCHES DAS EHER PEINLICHSTE ODER NEGATIVSTE? Es gibt viele Schöne Momente. Das Drop Dead Festival war für uns das bisher stressigste Konzert, aber auch gleichzeitig für mich ein Höhepunkt in der Bandgeschichte. Überhaupt sind Konzerte was ganz besonderes. Und natürlich der Moment, wenn eine neue Platte fertig ist. Peinlich: Unser allererstes Konzert war eine Halloween-Party. Ich hab die Leute begrüßt mit den Worten „schön, dass ihr gekommen seid und Euch verkleidet habt“ Einige Leute (schwarze Szene) fanden das nicht ganz so lustig. Heute können wir darüber lachen. WORAUF DÜRFEN SICH DIE FANS ALS NÄCHSTES FREUEN? Als erstes auf die Stadt.EP, die heute bei unserem Label eingetroffen ist. Ich werde in den nächsten Wochen verstärkt an den Seitenprojekten arbeiten. Da wird es auch bald eine Veröffentlichung geben. VIELEN DANK FÜR DEINE ZEIT. WIR WÜNSCHEN EUCH WEITERHIN VIEL ERFOLG UND ICH BIN MIR SICHER, DASS WIR UNS EINES TAGES AUF EINEM EURER KONZERTE TREFFEN WERDEN! GROSSES DANK AN DIESER STELLE FÜR EURE INTERESSANTEN MUSIKALISCHEN BEITRÄGE.

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