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DISTAIN! (MANFRED/ALEXANDER)

ERST EINMAL GRÜSS GOTT DIE HERREN, ICH WURDE VON DER INTERVIEWMÖGLICHKEIT ETWAS ÜBERRASCHT DA ICH NICHT MIT EINEM REMIX-ALBUM GERECHNET HABE. WAS WAREN EUERE MOTIVE ZU DIESEM ENTSCHLUSS? Manfred: Grüss Gott zurück! Angeregt wurde das Album durch Synthphony Records und das Internet-Forum des Labels. Die Fans in den USA haben eine große Vorliebe für Cover-Versionen und Remix-Alben. Und Synthphony Records hat sich genau darauf spezialisiert. Alexander: Und als die Frage im Raum stand, ob wir an einem !DISTAIN Remix-Album interessiert seien, sahen wir eine gute Möglichkeit, in der neuen Besetzung eine Brücke zwischen dem bisherigen Schaffen und dem neuen Material zu schlagen. Außerdem wollten wir so manchen Track einfach mal anders ausleuchten und den sich veränderten Möglichkeiten unterziehen. IHR HABT ALLE STÜCKE AUSSER 2 AUSNAHMEN NEU EINGESUNGEN, WAS WAR DER BEWEGGRUND ZU DIESEM SCHRITT UND WARUM WURDEN „SINCERTY” UND „AUTUMN LEAVES” DAVON AUSGENOMMEN? HÄTTE NICHT EINFACH EIN NORMALES REMIXKONZEPT GELANGT? Alexander: Nein, denn dafür liegen uns unsere Songs zu sehr am Herzen. Man entwickelt sich schließlich weiter und möchte immer das Optimum herausholen. Außerdem ist es für uns spannend zu hören, wie ich heute einen z.B. acht Jahre alten Song interpretiere. Manfred: Wir wollten etwas bieten, was kaum eine Band macht, d.h. aktiv an einem Remix-Album mitwirken, ohne die Arbeit der Remixer dadurch einzuschränken. Und da erschien uns das Neuaufnehmen der Vocals bestens geeignet. Darauf beruhend hoffen wir beim Fan natürlich auf eine Reaktion. Gut ein Jahr lang haben wir an diesem Album gearbeitet, immer wieder Vocals aufgenommen, ständig mit den Remixern gemailt … wir wollten, dass dies ein !DISTAIN Album ist und keine CD der Marke „schnell mal was in Auftrag geben, um noch ein bisschen Kohle einzufahren”. Alexander: Dennoch haben wir bei zwei Songs die Original-Stimmen gelassen, wie sie waren. Bei „Sincerity” lag dies daran, dass Manfred den Remix bereits vor einigen Jahren anfertigte und wir nur noch den Remix als solchen hatten, nicht aber mehr die Programmierung dazu. Die Gesangsaufnahme zu „Autumn Leaves” entstammt dem Original-Demo, d.h. sie entstand gleich in dem Moment, als wir die Melodien komponierten. Dieser Moment hat für uns eine besondere Bedeutung, weshalb wir ihn so belassen wollten, wie wir ihn erlebt haben. MAN KANN SCHON FAST VON EINEM DANCE-ALBUM SPRECHEN, FAST JEDES STÜCK IST FÜR DIE DISKO GEEIGNET UND KANN SOGAR ÜBERGREIFEND IN ANDEREN GENRES DER ELEKTRONISCHEN SPARTE GESPIELT WERDEN. WAR DIES SO GEPLANT? Alexander: Nicht direkt. Die Remixer hatten keinerlei Vorgabe, außer die Seele des Songs zu bewahren. Natürlich aber wurde die Wahl der Remixer bewusst getroffen. MIR SIND AUSSER DUST OF BASEMENT UND THE ETERNAL AFFLICT KEINE ANDEREN GRUPPEN BEKANNT, WIE KAMT IHR SPEZIELL AUF DIESE PERSONEN, UND WIE LIEF DIE ARBEIT IM ALLGEMEINEN AB? Alexander: Viele Remixer stammen aus dem Pool, aus dem Synthphony Rec. für seine Veröffentlichungen schöpft. Zur Orientierung schickte uns das Label Remixe zu. Aus diesen Tracks wählten wir die Künstler aus, deren Arbeit uns am besten gefiel. Einige Remixer kannten wir allerdings auch persönlich, z.B. ELMODIC. Bezüglich der Zusammenarbeit gab es alle möglichen Variationen. Meist war ein Layout-Playback des Remixers vorhanden und wir haben dazu gesungen. Umgekehrt nahmen Remixer unsere neuen Vocals als Basis für ihren jeweiligen Remix. DIESES „SYNTHPHONY REMIXED” ALBUM WIRD GUT BEWORBEN. IST DIES SOZUSAGEN EIN VORBOTE FÜR EIN BALDIGES NEUES ALBUM? HABT IHR NEUE KREATIVE EINFLÜSSE FÜR EURE EIGENE ARBEIT AUS DIESEM PROZESS GEWONNEN? Alexander: Beides. Das neue Album wird ebenso erscheinen, wie wir kreativen Input durch das RMX-Album erhalten haben. Die Arbeitsweise und auch die Liebe zur Musik der vielen Musiker, mit denen wir im Rahmen dieser CD zu tun hatten, steckt zusätzlich an. Und man lernt auch dabei, denn wir haben ja jede Phase des Entstehungsprozesses sozusagen betreut… Manfred: Allerdings wissen wir noch nicht, wann das neue Album erscheinen wird. Das Remix-Album war zeitintensiv, so dass wir erst jetzt dazu kommen, die ersten der neuen Tracks abzuschließen. Und nach dem Rückzug von Chrom Records müssen wir abwarten, wie die Gespräche mit den Labeln laufen. AUFGRUND DER AKTUALITÄT INTERESSIERT MICH EUERE MEINUNG ZU DEM NEUEN DEPECHE MODE ALBUM „PLAYING THE ANGEL”. HABT IHR SIE IMMER NOCH ALS VORBILD, UND WIE WÜRDET IHR DIE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN EUCH BESCHREIBEN. Alexander: Es wäre vermessen, Unterschiede hervor zu kramen. DEPECHE MODE sind eine Größe für sich. Auf dieser Ebene stehen sie ganz alleine. Und das auch zurecht… Ich mag die neue Platte, allerdings nicht jedes Stück. Insgesamt ist sie mir zu düster. Aber der Hauch von Genie ist wie immer enthalten. Allerdings fehlt Alan Wilder. Dies zwar seit vielen Jahren, aber er fehlt… Manfred: Bislang habe ich meine Schwierigkeiten mit dem Album, aber es gibt eine Scheibe der STRANGLERS („Black & White”), die ich mir über rund zehn Jahre immer wieder angehört habe, bis es „klick” machte. Wenn eine Band durch ihre Arbeit so viel Zeit verdient hat, dann muss einem eine neue Scheibe nicht gleich gefallen. Um diesbezüglich auf Deine Frage zurück zu kommen, sind die STRANGLERS für mich persönlich die entscheidende Einflussgröße gewesen. Mehr noch als DEPECHE MODE, A-HA, NEW ORDER, SKINNY PUPPY oder AND ALSO THE TREES … LASST UNS EIN BISSCHEN IN DER VERGANGENHEIT KRAMEN, SO WIE ES DIESES REMIX-ALBUM MACHT, ICH KANN MICH NOCH AN DIE ZEIT UM 1995 ERINNERN, DE/VISION BRACHTEN GERADE IHR ERSTES ALBUM HERAUS, BLIND PASSENGERS WAREN AUCH IM BEGRIFF DEN SPRUNG NACH OBEN ZU MACHEN UND ICH KAUFTE MIR EUERE ERSTE MAXI NAMENS„CONFESSION.EP” (DIE ICH ÜBRIGENS IMMER NOCH BESITZE). SEITDEM IST SEHR VIEL PASSIERT, DER SYNTHPOP-HYPE IST TROTZ DES GUTEN GRUNDGEDANKENS UND DER MUSIKALISCHEN QUALITÄTEN RELATIV VEREBBT, DIE „BLINDIS” SIND PASSE, DE/VISION KÄMPFEN SICH BEIM MAYOR SO DURCH UND S.P.O.C.K. SIND AUCH VERSANDET. SCHILDERT DOCH MAL BITTE DIESE ZEIT AUS EURER SICHT, WIE HABT IHR DEN WANDEL ERLEBT, UND WIE IST EUERE AKTUELLE SICHT DER DINGE? Alexander: Diese Entwicklung spiegelt auch ein wenig die Entwicklung in unserer Band wider. Der Erfolg war am Anfang groß, fast bis zum Major-Deal… doch dann gab es eine zu lange künstlerische Pause, die auch zum Auseinanderleben der damaligen Bandmitglieder führte. Ich glaube, der aktuelle Zustand der Band ähnelt dem der Szene. Wer jetzt noch Musik innerhalb der Szene macht, erlaubt sich dies vor allem aus der Liebe zur Musik heraus. Dafür aber ohne Kompromisse und mit viel Herzblut. Manfred: Was den Wandel bzw. den Hype betrifft: Was heute angesagt ist, kann morgen schon keinen mehr interessieren. Deshalb geht man als Musiker entweder mit der Zeit, oder man macht sein Ding. Bands wie DEPECHE MODE haben in den 80ern ihr Ding gedreht und waren dennoch weltweit erfolgreich. Das ist für einen Musiker im Normalfall vermutlich das Optimum. NIRVANA führten dies in den frühen 90ern fort. Später kamen ROBBIE WILLIAMS oder EMINEM hinzu. Lass mal einen Act aus dem Elektro-Bereich wochenlang die Charts anführen… und plötzlich werden von überall her neue Elektro-Bands den Markt betreten. Das war bei Punk so, bei Techno, bei Grunge… Deshalb ist der Hype an sich nicht wichtig, und für viele gute Bands durchaus gefährlich, da man schnell geschluckt wird. Den Synth-Hype selbst habe ich Mitte der 90er mehr als außenstehender Betrachter verfolgt. Die Debüt-Alben von DE/VISION und den BLIND PASSENGERS enthielten viele gute Songs. S.P.O.C.K sind eine großartige Band, die sich sehr gut entwickelt hat. WAS WAR DAS SCHÖNSTE ERLEBNIS EUERER MUSIKKARRIERE? Manfred: Das war unsere Reise nach Moskau in diesem Jahr. Das Publikum beim Festival war unglaublich, die Organisation vom ersten bis zum letzten Moment perfekt. Es war durchweg beeindruckend. Zudem hatten wir eine tolle Zeit mit DAS ICH und S.P.O.C.K. EINE LETZTE FRAGESTELLUNG, WENN IHR DIE VERGANGENHEIT ÄNDERN KÖNNTET, WAS WÜRDET IHR ÄNDERN WOLLEN UND WIE SIEHT DIE EURE GEWÜNSCHTE ZUKUNFT AUS? Alexander: Ich versuche nichts in meinem Leben zu bereuen. Schließlich sollte einem bewusst sein, dass alles was man tut immer Konsequenzen hat. Und aus Fehlern kann man lernen, sonst wäre man heute nicht da, wo man ist! Für die Zukunft wünsche ich mir vor allem, die Reise mit !DISTAIN fortzusetzen. Manfred: Entsprechend steht das fünfte Studio-Album als nächstes an. Das ist die relativ nahe Zukunft. Die Zeit danach ist hoffentlich mit vielen Konzerten verbunden. Was die Vergangenheit betrifft: Vermutlich gibt es vieles zu verändern, aber Alexander hat Recht: Wir sind jetzt das was wir sind, weil wir aus genau dieser Vergangenheit kommen. Wir haben sie einst so geführt und leben jetzt mit den guten wie auch mit den schlechten Erfahrungen. Zu sagen, Mitte der 90er hätte ich gleich einen Label-Deal unterschreiben sollen, anstatt ihn zu hinterfragen… das bringt mich nur auf den Gedanken „wo wäre ich heute, wenn ich unterschrieben hätte?” … Und das führt zu nichts. Entscheidend sind die Wege, die wir heute gehen. Und heute ist jeden Tag, den man neu erlebt. ICH DANKE FÜR DAS INTERVIEW UND HOFFE AUF WEITERE WUNDERBARE JAHRE MIT !DISTAIN. Alexander: Wir bedanken uns ebenfalls.

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