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ELUVEITIE (CHRIGEL)

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HALLO CHRIGEL, ERSTMAL GROSSES KOMPLIMENT FÜR EUER NEUES ALBUM, ES IST WIRKLICH AUSGEZEICHNET GEWORDEN UND IN MEINEN AUGEN EINE WEITERE STEIGERUNG ZU „SLANIA“. GLEICH ZU ANFANG HABT IHR MIT DEM TITELTRACK „EVERYTHING REMAINS – AS IT NEVER WAS“ EINEN ZIEMLICH HARTEN TRACK AM START, WAR DAS ABSICHT, UM GLEICH ETWAIGE „EVOKATION I“-VERUNSICHERTE RICHTIG EINZUSTIMMEN? Eher nein würde ich jetzt mal sagen. Die Idee hatte ich schon Oktober vor einem Jahr auf Tour zu dem Konzept des Titeltracks, und die Musik entstand halt passend dazu. Er ist sicher einer der schwerer zugänglichen Songs, da er sich halt stetig entwickelt. Ausschlaggebend war das Thema für die Musik. Im Nachhinein kann man das sicher augenzwinkernd so sehen, aber ausschlaggebend war halt die Lyrik. WAS IST DENN DAS KONZEPT HINTER „EVERYTHING REMAINS…“ HABT IHR EINEN ROTEN FADEN, DER DIE SONGS ZUSAMMENHÄLT? Ja, lyrisch gesehen besteht das Album aus einer Sammlung von Geschichten aus dem alten Gallien. Geschichten von Einzelpersonen wie Königen, Druiden und Kriegern von ganzen gallischen Stämmen, Sagen und Mythen, die aus Jahrhunderten zuvor überliefert wurden. Beim Texten habe ich versucht, mich mehr mit dem menschlichen und emotionalen Aspekt auseinanderzusetzen, mit Individuen. Da Geschichtsfakten sehr hart und kalt sind, habe ich den Fokus auf den Menschen hinter den Kriegen gelegt, da hinter jedem Krieg nun mal Individuen wie Du und ich beteiligt waren und die letztlich auch Geschichte schrieben. Von daher begann ich sehr kritisch das ganze zu hinterfragen, das ist im Übrigen auch das, was der Albumtitel ausdrückt: Leicht sarkastisch zu erkennen dass letztlich niemand sicher weiß, was damals wirklich passiert ist. Natürlich kann man sehr viel von vergangenen Kulturen erfahren, lernen und erforschen und dennoch bleibt die Vergangenheit im Dunkeln. Denn niemand lebt damals und kann kaum nachvollziehen, was die Leute wirklich gedacht oder gefühlt haben müssen. So gesehen ist das die Idee zum Albumtitel. VIELLEICHT AUCH EINE LEICHTE MAHNUNG, DIESE THEMEN NICHT ZU ROMANTISIEREN? Ja genau, auf jeden Fall. HABT IHR DIESMAL NOCH MEHR WERT IN SACHEN SOUND GELEGT? DIE VERPFLICHTUNG VON TOMMY VETTERLI LÄSST SCHON AUFHORCHEN UND COLIN RICHARDSON FÜR DEN MIX ZU BUCHEN, IST DER BURNER SCHLECHTHIN… WOLLTET IHR NICHT WIEDER IN SCHWEDEN AUFNEHMEN, WEIL DAS BIER ZU TEUER IST? Nun erstmal muss ich sagen, dass es im Metal Bereich kaum wen teureres als Colin Richardson gibt, was das betrifft. Auf der anderen Seite haben wir unheimlich Schwein gehabt, ihn zu bekommen, da er heute verdienterweise in der komfortablen Lage ist, sich auszusuchen, was er annimmt. Wir hatten, als wir fragten, gar nicht damit gerechnet, dass er uns nimmt. Als er sich die Musik angehört hatte, war er gleich total begeistert und wollte es unbedingt machen und kam uns sehr entgegen. Grundsätzlich versuchen wir immer, das Bestmögliche aus unseren Alben herauszuholen. „Slania“ war damals eine deutliche Steigerung zu „Spirit“ und auch hier haben wir den heutigen Status Quo. Bei jeder Produktion lernt man dazu und das versuchen wir bei jeder neuen Produktion mit einfließen zu lassen. Freut mich auf jedenfalls, dass dir das Resultat gefällt. Meiner Meinung nach ist das auch der beste Sound, den wir je hatten. Vor allem auch durch die Transparenz. Fairerweise muss man ja auch sagen, dass es alles andere als einfach ist, ein ELUVEITIE-Album zu mischen. Die ganzen Instrumente und Chöre, da geht so viel ab gleichzeitig… ein gutes Beispiel ist der Titeltrack zum Album, da waren alleine über 90 Spuren, das ist wirklich schon verdammt viel. Und so ist es natürlich wahnsinnig schwierig, auf der einen Seite einen druckvollen Sound hinzubekommen und auf der anderen eine gewisse Transparenz zu erzeugen, dass die einzelnen Instrumente auch zur Geltung kommen. Und genau das hat Colin super zustande gebracht und deswegen sind wir selbst auch super happy damit. OK, ERZÄHL DOCH MAL VON DER GEBURTSSTUNDE ELUVEITIES. WIE SEID IHR DAMALS AUF DIE IDEE GEKOMMEN, MUSIK IM STILE DER HELVETIER MIT METAL ZU VEREINEN? IST DAS VIELLEICHT ETWAS ADAPTIERT VOM VIKING METAL UND IHR GESAGT HABT: WIR SIND SCHWEIZER UND KEINE SCHWEDEN UND FORSCHEN DAHER NACH UNSEREN EIGENEN WURZELN? Dazu muss ich sagen Viking- oder Pagan-Metal gab es damals in dieser Art noch gar nicht. Ich hatte die Idee eigentlich schon zehn Jahre, bevor wir ELUVEITIE gegründet haben. Der Ausschlag war mein Traum, die beiden Musikarten, die ich am allermeisten Liebe, miteinander zu verschmelzen: Logischerweise zum einen Metal und zum anderen keltische Volksmusik. Ich hatte damals große Schwierigkeiten, Musiker zu finden, weil es das bis dato noch gar nicht gab – vielleicht von einzelnen Bands wie SKYCLAD mal abgesehen. Daher waren die Vorurteile auf der Folk- bzw. der Metal-Seite zu groß, um mitzumachen. Letztlich hat das ganze zehn Jahre später geklappt, weil es als Studioprojekt konzipiert war und keiner weitere Verpflichtungen wie Bandproben oder Auftritte eingehen musste. So hat es dann letztlich doch geklappt. WIE AUFWÄNDIG IST ES DENN, RECHERCHE FÜR EURE SONGTEXTE ZU BETREIBEN, BZW. DAS HELVETISCHE GALLISCH ZU REANIMIEREN. DAS STELLE ICH MIR NICHT GANZ SO EINFACH VOR… Klar aufwändig ist das schon, aber da das meine persönliche Leidenschaft ist, sehe ich das nicht als Aufwand für ELUVEITIE an sondern gehört seit vielen Jahren zu meinen Alltagsbeschäftigungen. Was die Sprache, also das Gallische betrifft, das machen wir natürlich nicht selbst, größtenteils sind das übernommene Texte, die für über 2000 Jahren verfasst wurden. Was die Rekonstruktion der Sprache anbetrifft, so sind wir voll und ganz auf die Wissenschaft angewiesen und erhalten erfreulicherweise von dort auch Unterstützung. Wir arbeiten seit „Spirit“ an sich regelmäßig mit Wissenschaftlern zusammen, schon alleine wegen der Aussprache, die es heute ja gar nicht mehr gibt. WIE VERHÄLT SICH DAS DENN MIT DEN TUNES UND MELODIEN, Z.B. „TRI MARTOLOD“ DAS IN „INIS MONA“ VERWENDUNG FINDET? BRAUCHT IHR DA GENEHMIGUNGEN ODER IST DAS MATERIAL INSGESAMT SO ALT, DASS ES ZUM ALLGEMEINGUT GEWORDEN IST? Das ist unterschiedlich. Zu 90 Prozent sind die Tunes sog. Traditionals, wo noch nicht mal ein Name des Komponisten überliefert wurde. In der Folkszene ist das Gang und Gäbe, dass eben Traditionals verwendet werden, die dann auch bei ELUVEITIE Verwendung finden. Es gibt einige Ausnahmen: Auf dem neuen Album die Tunes in „Kingdom Come Undone“ oder „Setlon“ sind neue Tunes und stammen von einer bretonischen Folk band, mit der ich befreundet bin und bei denen ich angefragt habe, aber das sind an sich Ausnahmen. Abgesehen von den Traditionals schreiben wir Tunes nun vermehrt auch selber. WAS HAST DU VOR ELUVEITIE MUSIKALISCH GEMACHT? BIST DU DER FOLK-MUSIKER, DER ZUM METAL GEKOMMEN IST, ODER DER METALLER, DER ZUM FOLK GEKOMMEN IST? Eigentlich eher letzteres, obwohl ich beides schon seit vielen vielen Jahren mache. Aktiv gespielt habe ich aber Metal. Ich glaube meine erste Death-Metal Band hatte ich 1991. Ist halt schon eine ganze Weile her, aber ursprünglich bin ich Metal Gitarrist und begann die ganzen Folk-Instrumente erst später zu spielen. Leidenschaftlich gesehen höre ich Folk auch schon seit Urzeiten. IN DEN KOMMENDEN WOCHEN SEID IHR JA UNTER DEM BANNER „PAGAN-FEST“ AUF TOUR. GIBT ES DARÜBERHINAUS SCHON PLÄNE FÜR EINE TOUR ALS HEADLINER ODER SUPPORT? Gedanken haben wir uns schon gemacht. Momentan im Januar sind die Jahresplanungen noch nicht abgeschlossen. Natürlich wird das kommende Jahr vornehmlich aus Touren bestehen, aber da außer dem Pagan-Fest noch nichts bestätigt ist, kann ich darüber noch nicht allzu viel sagen. Wir wollen in jeden Fall wieder nach Amerika gehen und im Sommer sind die ganzen Festivals angesagt von denen wir auf etlichen spielen werden. GIBT ES VON EURER SEITE WUNSCHKANDITATEN FÜR EINE GEMEINSAME TOUR? IHR HABT JA SCHON MIT BANDS AUS VERSCHIEDENEN SPARTEN GESPIELT. ICH KÖNNTE MIR VORSTELLEN, DASS DARK TRANQUILLITY MUSIKALISCH GUT PASSEN WÜRDEN VON DER BASIS HER… Ja na klar. Da haben wir tatsächlich auch schon drüber gesprochen, ohne dass es zustande gekommen ist. Es war aber tatsächlich mal ein Thema und ich könnte es mir auch sehr gut vorstellen, zumal ich persönlich die Band auch sehr gerne mag und ich mir gleich das erste Album sofort gekauft habe. Das war Liebe auf den ersten Ton, könnte man sagen. Grundsätzlich spielt es aber keine allzu große Rolle, mit welchen Bands wir zusammen spielen. Wir sind eine Band, die oft und gerne auf Tour ist und spielt so oft es geht. Wir haben schon mit vielen sehr unterschiedlichen Bands gespielt und aller meistens war es einer super Erfahrung. Meistens war die Chemie super und insofern sind wir meistens glücklich, egal mit wem wir spielen. So gesehen spielt es keine Rolle, wir machen immer das Beste daraus. SEID IHR DANN AUCH FLEISSIG AM MITFILMEN FÜR EINE KÜNFTIGE DVD-VERÖFFENTLICHEUNG? Ja das ist definitiv ein Thema über das wir gerade in den vergangenen Wochen immer gesprochen haben. Der Punkt ist, WENN wir so was machen, dann nicht nebenher. Das soll dann wirklich etwas richtig Dickes werden, wo wir uns vollständig drauf konzentrieren wollen. Es soll ein kompletter Report werden von verschiedenen Tourneen auf verschiedenen Kontinenten, Studioreports usw. Also wenn wir es machen dann wird es was Größeres und Umfangreicheres. Deswegen zu dem Wann kann ich so noch nicht genau sagen. UM NOCHMAL AUF „EVERITHING REMAINS…“ ZURÜCKZUKOMMEN: WENN MAN JETZT SO EIN HAMMERALBUM ABGELIEFERT HAT MIT GEILEN SONGS UND EXZELLENTEM SOUND, KANN MAN DA NICHT DIE PANIK KRIEGEN? ICH MEIN, WIE WOLLT IHR SON DING NOCH TOPPEN? (lacht baff) …ja, was soll ich jetzt sagen? Erstmal herzlichen Dank für die Blumen. Aus persönlicher Sicht sehe ich das gar nicht so. Das ist natürlich Ansichtssache von wegen Messlatte hochlegen, aber solche Art von Gedanken machen wir uns nicht. Wir machen halt die Musik, die uns gefällt und die uns liegt und der Rest entsteht daraus recht spontan, wie eben auch das neue Album. Es ist ja, wie ich vorhin schon bei der Produktion angemerkt habe: Man lernt mit jedem Mal dazu und kann das Dazugelernte dann mit einfließen lassen und das ist natürlicherweise auch bei den Songs so. Und deswegen machen wir uns derlei Sorgen gar nicht. IHR HATTET JA ZUM JUBILÄUM VOM HAMMER LETZTES JAHR EINE SEHR WERTIGE COMPILATION BEIGESTEUERT, AUF DER GROSSE TEILE EURES BRANDAKTUELLEN ALBUMS „EVOKATION I“ ENTHALTEN WAREN, UND AUF DER IHR AUCH NICHT MIT HITS GEGEIZT HABT. FÜR MICH EINE SEHR FANFREUNDLICHE SACHE. WIE KAM ES ZU DER IDEE? Ich weiß gar nicht mehr genau wie diese Geschichte ihren Anfang genommen hat. Ich glaube, ursprünglich war es eine Idee vom METAL HAMMER und ich fand, dass es für alle eine tolle Sache ist. Klar haben wir dafür Teile unseres Albums „für lau“ rausgehauen, aber wir verstehen uns super mit den METAL HAMMER Leuten und sind auch mit einem von ihnen befreundet. Von daher haben wir es einfach mal gemacht und fertig. JETZT MAL EINE EINFACHE FRAGE, CHRIGEL: WIE SIEHT EUER PROBERAUM AUS? ICH KANN MIR VORSTELLEN, DASS ES NICHT GANZ SO LEICHT IST, ACHT LEUTE IN EINEN RAUM ZU QUETSCHEN, BZW. ZU PROBEN… (lacht) Ja, ok… heute Abend zum Beispiel haben wir keine reguläre Probe. Einige sind am Proben, wie Du vielleicht hörst, andere stehen draußen zum Rauchen,…An sich ist es ein superschöner Raum der auch gut ausgerüstet ist, nur sind wir alle einigermaßen chaotische Leute. Mal raffen wir uns auf, um Ordnung zu schaffen, aber zwei Wochen später sieht er wieder aus wie der größte Schweinestall. Wir haben die Hoffnung, dass sich das jemals ändert aufgegeben inzwischen. DANN SCHON ZU MEINER LETZTEN FRAGE: BEZIEHT IHR EURE FOLK-INSTRUMENTE VON SPEZIELLEN HERSTELLERN, ODER IST GAR EIGENBAU IM SPIEL? Nein Eigenbau nicht. Wartung und Reparaturen teilweise ja, aber Instrumentenbauer haben wir keine in der Band, leider – schön wär’s! Für unsere Metal-Instrumente haben wir teilweise Endorsements wie TAMA oder IBANEZ. Bei Folk-Instrumenten gibt es halt die einen oder anderen Lieferanten, über die wir die Instrumente beziehen. Anna, unsere Drehleierspielerin hat ihre Drehleier von Helmut Gotschy, der Deutschland- vielleicht sogar Weltweit als einer der besten Drehleierbauer gilt. IST ALSO SCHON SCHWIERIGER, KOMPETENTE LEUTE ZU FINDEN ALS BEIM METAL INSTRUMENTARIUM, DAS MAN THEORETISCH IM LADEN UM DIE ECKE BEKOMMT? Na ja das kommt darauf an: Du kannst natürlich auch als Gitarrist das Nächstbeste kaufen, aber wenn Du das ernsthaft betreiben willst, dann setzt Du Dich natürlich auch intensiv mit dieser Materie auseinander. DANN SAGE ICH VIELEN DANK FÜR DEINEN ANRUF, MÖCHTEST DU DEN LESERN DES TERRORVERLAGS NOCH ETWAS MITTEILEN? Ja auch einen herzlichen Dank für das Interview und den Lesern vielen Dank für ihr Interesse.

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