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KONTRAST (FALKO/ROBERTO/DIRK)

DIE NEUE KONTRAST-CD “INDUSTRIE<>ROMANTIK” IST FERTIG UND STEHT NUN ZUM VERKAUF. WIE ZUFRIEDEN SEID IHR SELBST? ENTSPRICHT DAS ERGEBNIS EUREN ANSPRÜCHEN? Falko: Die CD entspricht voll und ganz meinen Ansprüchen. Ich denke, wir haben ein sehr gutes Produkt abgeliefert. Roberto: Man könnte es fast schon “epochal” nennen… ;-) “Industrie<>Romantik” ist für uns wirklich ein riesiger Schritt nach vorn. Dirk: Klar! “Industrie<>Romantik” ist ein Album, das ich mir sogar selbst gerne anhöre, ohne dass es Abnutzungserscheinungen zeigt. Das war beim “KONTRAST: Programm” noch anders. Da habe ich mich doch schon dabei erwischt, dass ich beim Hören den einen oder anderen Song einfach “überzappt” habe. Logisch, denn die Songs hatten teilweise schon mächtig Jahre auf den Buckel und spiegelten ganz andere Lebens- und Schaffensphasen wider. Die Identifikation mit dem neuen Material ist ungleich höher. WÄHREND AUF DEM VORGÄNGER “KONTRAST: PROGRAMM” EINE SAMMLUNG VON BANDKLASSIKERN ENTHALTEN WAR, HATTET IHR DIESES MAL DEUTLICH WENIGER ZEIT ZUM KOMPONIEREN. INWIEWEIT HAT DAS EUER SONGWRITING BEEINFLUSST? ICH FINDE, DAS WERK HÖRT SICH DEUTLICH KOMPAKTER AN. Falko: Das “KONTRAST: Programm” enthielt einen Querschnitt aus unserem langjährigen Bühnenprogramm und wurde dementsprechend auch zeitlich gestückelt aufgenommen und abgemischt. Dirk: Entscheidend beim Komponieren der neuen Stücke war, dass es diesmal eine Deadline und somit ein klares Ziel vor Augen gab. Dementsprechend habe ich weniger Zeit in das Experimentieren mit Sounds und Stilen investiert, sondern mich voll auf die Songs konzentriert. Wichtig war für mich, dass der Song in sich funktioniert. Im Gegensatz zu früher habe ich Songideen konsequent weiterverfolgt – auch wenn es zwischendurch mal hakte. Früher hätte ich den Prozess des Songwritings an dieser Stelle abgebrochen und wäre mit neuen Stücken angefangen. Dadurch sind früher sehr viele nie vollendete Demos entstanden. Für “Industrie<>Romantik” hingegen sind nur drei Demos auf der Strecke geblieben, die es nicht auf die Platte geschafft haben. Somit kann man schon sagen, dass wir sehr effektiv gearbeitet haben. Dennoch war bei mir schon eine gewisse Skepsis nach dem ersten Hören der Demos vorhanden. Die Musik hatte sich ja auch ein bisschen in eine andere Richtung entwickelt – mehr weg von der Szene, teilweise schon sehr “poppig”. Letztlich haben Musik und die Texte von Roberto – in einer Art blinden Einverständnisses – aber wieder eine sehr passende Symbiose ergeben. MEINER BESCHEIDENEN MEINUNG NACH KLINGT DAS NEUE WERK AUCH PRODUKTIONSTECHNISCH BESSER. HABT IHR IN EINEM ANDEREN STUDIO AUFGENOMMEN ODER MITTLERWEILE EINFACH MEHR ERFAHRUNG AN DEN REGLERN? Dirk: Es hat natürlich ein musikalischer Reifeprozess stattgefunden. Für das “KONTRAST: Programm” haben wir noch sehr hardwarelastig gearbeitet – alles in allem auch nur drei verschiedene Soundquellen (z.B. Sampler) genutzt. Das war dann teilweise schon richtige Sound-Frickelei. Die Drums wurden noch komplett per Hand eingespielt. Irgendwo ist man da natürlich limitiert. Der Prozess des Abmischens hat extern über Mischpulte stattgefunden. Mittlerweile nutzen wir natürlich auch die enorme Entwicklung im Bereich der Software-Synthesizer und die Möglichkeiten der Klangbearbeitung beim Abmischen. Auch das Arbeiten mit Drumloops eröffnete fantastische Möglichkeiten, noch mehr Ausdruck in die Songs zu bringen und eine Produktion “runder” wirken zu lassen. Falko: Für die neue CD haben wir die Gesangsaufnahmen im Zusammenhang in einem noch besser gedämmten Raum aufgenommen. Die Endabmischung der kompletten CD erfolgte dann zeitnah an diversen Wochenenden, abgeschottet von der Umwelt. “Industrie<>Romantik” ist dabei komplett im Rechner entstanden. Dadurch konnten wir die Aufnahmen besser auf verschiedenen Anlagen testen und im Zweifelsfall sämtliche Einstellungen haargenau reproduzieren, um noch Verbesserungen vorzunehmen. Tja, und das wir mittlerweile mehr Erfahrung an den Reglern haben, stimmt sicherlich auch. DAS COVER SPIEGELT SEHR SCHÖN DAS ZENTRALE THEMA DES ALBUMS WIDER. HABT IHR DA SELBST HAND ANGELEGT? Roberto: Glücklicherweise haben wir das Artwork nicht selbst gestaltet – das Ergebnis hätte man wahrscheinlich niemandem zumuten können. Nein, wir haben einer Agentur unsere Vorstellungen unterbreitet und das Konzept der CD erläutert. Daraufhin haben die Graphiker sich Gedanken gemacht und sind dabei zu einem Ergebnis gelangt, das uns wirklich sehr gefällt. Es freut mich übrigens, dass Dir das Cover positiv aufgefallen ist: Wir halten ein stimmiges Artwork und ein ausführliches Booklet mit allen Texten für sehr wichtig, da es die Wertigkeit des Produkts deutlich erhöht. Gerade heutzutage, wo man eine CD in zwei Minuten kopieren kann, ist ein solcher Faktor ein gutes Argument dafür, sich ein Album im Original zuzulegen. IN DEN TEXTEN SCHEINT MIR EINE ART HASSLIEBE GEGENÜBER DEM TECHNISCHEN FORTSCHRITT DURCHZUSCHIMMERN. COMPUTER: NOTWENDIGES ÜBEL, FASZINIERENDES KOMMUNIKATIONSWERKZEUG ODER TEUFLISCHE VEREINSAMUNGSMASCHINEN, WAS IST EURE MEINUNG? OHNE RECHNER WÄRE EURE MUSIK JA LETZTLICH GAR NICHT DENKBAR. Roberto: Letzteres ist schon ein bisschen paradox, das stimmt. Und es ging mir beim Texten in der Tat darum, exakt dieses Spannungsfeld zu beschreiben. Es ist einfach so, dass die Technik die Kommunikation zwischen den Menschen erleichtern kann. Andererseits ist es auch viel einfacher, per SMS mit seiner Liebsten Schluss zu machen, als ihr dabei in die Augen zu schauen. Ich möchte persönlich gar keine Wertung abgeben – ich wollte lediglich die Ist-Situation darstellen. Welche Schlüsse der Hörer für sich daraus zieht, ist letztlich seine Sache. Falko: Ich sage es mal so: Der Computer erleichtert auch beim Musikmachen die Arbeit unheimlich; ich arbeite auch gerne damit. Das führt aber durch viele Unzulänglichkeiten der Software oftmals zum Frust. AUF DER SCHEIBE BEFINDET SICH EIN COVER EINES 68ER FRANCE GALL-STÜCKS. WIE KOMMT IHR AUF SOLCHE VORLAGEN? LIEBT IHR ES, DIE HÖRER ZU VERWIRREN? UND ICH STELLE MIR UNWEIGERLICH DIE FRAGE: WIE GROSS BZW. WEIT GEFÄCHERT IST EURE EIGENE CD-SAMMLUNG? Falko: Meine reicht von Alan Parsons über Madonna, Die Ärzte, Oomph!, Tori Amos, Vanessa Carlton bis hin zu Qntal, Deine Lakaien, And One, Yelworc, Leatherstrip, Wumpscut… Roberto: Ich finde, man sollte seine Ohren in alle Richtungen offen halten. In jedem Genre, also auch im deutschen Schlager, gibt es hörenswerte und weniger hörenswerte Songs. Das France Gall-Stück hatte ich ein einziges Mal in einer Oldie-Sendung im Radio gehört, als ich zwölf Jahre alt war; und die Nummer ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Als sich dann das Motiv “Industrie<>Romantik” für unser neues Album herauskristallisierte, musste dieser Titel einfach für eine Neubearbeitung herhalten, denn er passt thematisch hundertprozentig in das Konzept hinein. Es geht in “Der Komputer Nr. 3″ ja um ein technisches Instrument, das zur Partnervermittlung eingesetzt wird. Wenn man bedenkt, dass der Song bereits 36 Jahre alt ist, kann man ihn fast schon als visionär bezeichnen. IN VIELEN STÜCKEN WIRD DAS THEMA “LIEBE AUS DEM COMPUTER” ANGESCHNITTEN. WARD IHR SELBST SCHON MAL AUF DEN SOGENANNTEN SINGLE-SEITEN BZW. DATING LINES? WÜRDET IHR FRAUEN “AUS DEM INTERNET” REAL DATEN, VORAUSGESETZT, IHR WÄRET SINGLES? Falko: Nein. Roberto: Nein. Dirk: Schon geschehen – ich habe tatsächlich meine Freundin übers Internet kennen gelernt. UND WAS DAS THEMA FRAUEN ANGEHT, WIE KOMMT ES, DASS IHR IMMER SO HÜBSCHE FRAUEN ALS GASTSÄNGERINNEN HABT (IVI, NEBELGEIST)? BEZAHLT IHR SOVIEL ODER MACHEN DIE DAS FREIWILLIG? ;-) Roberto: Wenn Du wüsstest, wie es in unserer Bandkasse aussieht… *seufz* Nein, das muss wohl in der Tat daran liegen, dass wir so attraktive junge Männer sind… ;-) Dirk: Da braucht man uns ja nur mal anzuschauen. Wer würde nicht gerne für uns singen wollen? Theoretisch müssten die Frauen sogar uns bezahlen…. ;-) “NR.1 IN DER HÖLLE” BESCHÄFTIGT SICH IRONISCH MIT DEN BÖSEN KLISCHEES IN DER SCHWARZKITTEL-SZENE. SEHT IHR DAS GANZE EHER AUGENZWINKERND ODER KOTZT EUCH DAS BRUTALE GEHABE MANCHER KAPELLEN RICHTIG AN? IHR WÜRDET NICHT VIELLEICHT VERRATEN, WENN IHR DABEI BESONDERS VERABSCHEUT? Roberto: Was mich persönlich daran am meisten stört, ist die Tatsache, dass das Publikum scheinbar nicht merkt bzw. nicht merken will, wie ihm ganz bewusst das Geld aus der Tasche gezogen wird. Ohne konkrete Beispiele nennen zu wollen, bezweifle ich bei einem sehr großen Teil der selbsternannten Todeskünstler, dass sie mit ihrer Musik wirklich so etwas wie einen künstlerischen Ansatz verfolgen. Da wird einfach alles zusammengeklaubt, was sich schon tausende Male vorher gut verkauft hat. Letztlich packt man noch ein paar Leichen oder einen langhaarigen Ritter auf das Cover – und ich garantiere, dass sich der Erfolg einstellen wird. IHR BEWERTET AUF EURER HOMEPAGE JA AUCH JEDE MENGE CDS ANDERER KÜNSTLER. HABT IHR DAMIT JEMALS ÄRGER GEHABT (BEI ETWAIGEN SCHLECHTEN KRITIKEN)? Roberto: Es gab schon sowohl positive als auch negative Reaktionen. Damit muss man leben können, wenn man sich als Schreiber in die Öffentlichkeit wagt. Auch unsere CDs werden von der Presse sehr unterschiedlich aufgenommen. Wenn ich jeden Verriss persönlich genommen hätte, gäbe es Kontrast wahrscheinlich schon nicht mehr. Im Gegenteil denke ich, dass fundierte Kritik für die eigene Entwicklung viel hilfreicher ist, als wenn man nur Honig um den Bart geschmiert bekommt – und unsere CD-Rezensionen halte ich schon für gut recherchiert. Da wird nicht einfach der Pressetext abgeschrieben oder die Punktzahl nach der Größe der im Magazin geschalteten Anzeige vergeben. ES GIBT EINE HOMMAGE AN DIE AKTUELLE KRAFTWERK-SCHEIBE AUF “INDUSTRIE<>ROMANTIK”. WAS HALTET IHR SELBST VON “TOUR DE FRANCE SOUNDTRACKS”? Falko: Nichts. Roberto: Klare Antwort… ;-) Ich hatte persönlich anfangs auch große Probleme mit den “neuen” Kraftwerk. Nach und nach habe ich allerdings zu verstehen begonnen, was die Herrschaften mit dieser CD beabsichtigen. Man muss “Tour de France Soundtracks” tatsächlich als eine klangliche Untermalung zu einer imaginären Radtour sehen. Das Album ist für meine Begriffe ähnlich einzigartig und konsequent zu Ende gedacht, wie es auch die Kraftwerk-Platten der 70er und frühen 80er Jahre waren. Diese sind zum Zeitpunkt ihres Erscheinens ja ebenfalls nicht selten verrissen worden. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob “Tour De France Soundtracks” eine ähnliche Haltbarkeitsdauer besitzt. Dirk: Siehe CD-Rezi im “Robotnik”-Magazin unserer Homepage www.einheitsschritt.de – der Meinung schließe ich mich an… KRAFTWERK UND DIE NEUBAUTEN SIND JA GERADE AUF TOUR, HABT IHR SIE EUCH ANGESCHAUT? Roberto: Ganz klar ja, passiert am vergangenen Wochenende – zuerst die Neubauten in Bremen, dann Kraftwerk in Hamburg. Beeindruckend, dass ihre Songs auch nach so vielen Jahren noch funktionieren; wohl aber ein eindeutiger Beweis dafür, dass beide Formationen aus wirklichen Musikern bestehen, die gelernt haben, wie man Spannungsbögen erzeugt. Besonders ist mir allerdings die Einzigartigkeit beider Bands aufgefallen. Hier haben wir es mit Künstlern zu tun, die wirklich ihr eigenes Ding durchziehen und nie versucht haben, so zu klingen wie andere Acts vor ihnen – diese Haltung hat mich schon immer fasziniert und macht sowohl Kraftwerk als auch die Neubauten noch heute relevant. WELCHE AKTUELLEN LONGPLAYER AUS DEM ELEKTRO-/ NON-ELEKTRO-BEREICH ROTIEREN DENN GERADE AUF EUREN (VIRTUELLEN) PLATTENTELLERN? Dirk: New Order – “Retro” Falko: Deine Lakaien – “White Lies”, And One – “Aggressor”, Leatherstrip – “Self-in-flict-ed”, Wumpscut – “Bonepeeler”… Roberto: Kirlian Camera – “Invisible Front.2005″, Front Line Assembly – “Civilization”, Alphaville – “Crazy Show”, Wir sind Helden – “Die Reklamation”, Peter Gabriel – “Up”, Einstürzende Neubauten – “Perpetuum Mobile”… WAS HALTET IHR VON DER NEUGESTALTUNG DES GRAND PRIX-VORENTSCHEIDS? ALTER WEIN IN NEUEN SCHLÄUCHEN ODER ECHTE INNOVATION? HAT MAX EINE CHANCE? ICH PERSÖNLICH HABE JA SCOOTER GEWÄHLT… Falko: Endlich war die Musik mal so, wie alle anderen Länder es schon lange vormachen. Max ist für mich die beste Wahl im diesjährigem Vorentscheid. Die Stimme ist optimal, aber der Song schnulli. Daher glaube ich nicht an einen internationalen Erfolg. Roberto: Der gute Max wird sicherlich zu den besten Sängern des diesjährigen Wettbewerbs zählen. Auch die Komposition von Stefan Raab braucht sich bestimmt nicht zu verstecken. Soul halte ich allerdings für einen Musikstil, der überhaupt nicht zu Deutschland passt – das ist ähnlich glaubwürdig wie ein jodelnder Japaner. Solange ich versuche, das Feeling fremder Kulturen nachzuäffen, werde ich immer scheitern. In Europa mag Max vielleicht noch akzeptiert werden; in Amerika wird man ihn hingegen zurecht auslachen. LIVE HABT IHR EINE GELUNGENE COVER-VERSION VON JULIANE WERDING (BZW. LETZTLICH MIKE OLDFIELD) IM PROGRAMM. WURDE DIE SCHON MAL AUF EINEM TONTRÄGER VERÖFFENTLICHT UND WENN NICHT, BESTEHT DIE CHANCE DAZU? Roberto: Die Version ist auf CD noch unveröffentlicht und wird es – nach unseren bisherigen Planungen – auch erst mal bleiben. Der Titel ist halt ein besonderer Anreiz, ein KONTRAST-Konzert zu besuchen. Einen Live-Mitschnitt bieten wir allerdings momentan auf unserer Homepage www.einheitsschritt.de zum kostenlosen Download an. SAGT MAL, KONTRAST MIT ILLUMINATE AUF TOUR – IST DAS KEIN WIDERSPRUCH? AUF DER EINEN SEITE SCHARFZÜNGIGES SATIREPROGRAMM, AUF DER ANDEREN GOTHISCHE SCHLAGERSEELIGKEIT? GAB ES EIN ANGEBOT, DASS “IHR NICHT ABSCHLAGEN KONNTET”? Roberto: Nun, bei KONTRAST gibt es ja nicht nur scharfzüngige Songs, sondern auch ernste Balladen – auf der neuen CD sind mit “Eisberg”, “Versprochen?” und “Fragen” gleich mehrere vertreten. Unser Labelchef Martin Sprissler hat uns sozusagen “vermittelt”, denn er ist mit Johannes Berthold von Illuminate gut befreundet. Der wusste übrigens genau, worauf er sich da eingelassen hat, denn er kannte unseren Song “Todeskünstler” von unserem “KONTRAST: Programm” – und hat uns trotzdem mit auf Tour genommen, was ich ihm persönlich sehr hoch anrechne. Es bot sich für uns einfach an, da zuzusagen, denn so hatten wir die Gelegenheit, bundesweit vor insgesamt rund 1.500 Zuhörern, die uns größtenteils noch gar nicht kannten, unsere neue CD vorzustellen. Ich denke, wir haben auf diese Weise sehr viel mehr Leute erreicht, als wenn wir vier oder fünf Einzelkonzerte gegeben hätten, zu denen ohnehin nur “unser” Publikum gekommen wäre. Trotz unserer teilweise natürlich zynischen Texte haben uns die Fans von Illuminate fast durchweg positiv aufgenommen und mit der Band und ihrer Crew haben wir uns ebenfalls sehr gut verstanden – was will man als Support mehr? WANN TRETET IHR DENN MAL WIEDER IN DER BOX IN MINDEN AUF? DORT VERKEHRT IHR DOCH HIN UND WIEDER AUCH PRIVAT, ODER? UND MÖGT IHR DAS KICK IN HERFORD BZW. DEN RINGLOKSCHUPPEN IN BIELEFELD? Dirk: “Kick” is ganz cool… Roberto: Nicht so mein Laden. In Minden bin ich in der Tat häufig anwesend, ja. Mal schauen, vielleicht ergibt sich im nächsten Jahr mal wieder etwas mit einem Konzert dort. Im “Ringlokschuppen” war ich bis dato noch nicht – wenn die Musik allerdings so geblieben ist wie im “PC 69″, dann könnte ich mir auch dort mal einen Auftritt gut vorstellen. ZUM ABSCHLUSS EINE SEHR PERSÖNLICHE FRAGE: DER TRACK “FRAGEN” BEENDET DIE CD AUF WUNDERBARE ART UND WEISE. KANN MAN AUS DIESEM SONG DEN RÜCKSCHLUSS ZIEHEN, DASS IHR EIGENTLICH SEHR SENSIBLE WESEN SEID UND DASS EUER OFTMALS ERKENNBARER SARKASMUS AUS DER MELANCHOLIE ENTSTEHT, WIE EINE ART SCHUTZWALL? Dirk: Sehr gut erkannt. Hinter der manchmal zweifellos vorhandenen musikalischen und auch textlichen Härte verbirgt sich eine gewisse Melancholie, manchmal sogar Resignation. Selbst ein vordergründig sehr hart klingender Song wie “Die Maschine” entstand in einer absolut traurigen Grundstimmung. Ich denke schon, dass gewisse Ereignisse im Leben unheimlich prägen und wir solche Stimmungen dann eben mit KONTRAST verarbeiten. Die große Kunst dabei ist es, die entsprechende “Verpackung” zu finden, ohne ins Klischeehafte abzudriften. Man geht mit den Songs ja an die Öffentlichkeit und gibt sein Innerstes preis – möchte es manchmal gerade zu herausschreien. Einfacher ist es dann schon, so eine Art Mauer zu bauen. Man versteckt sich zwar – zugleich kann der Hörer aber eine Menge über die Menschen von KONTRAST erfahren, wenn er zwischen den Zeilen liest. Roberto: “Fragen” ist in der Tat ein sehr persönlicher Song geworden; das war der letzte Text, den ich als eine Art Fazit für die CD geschrieben habe. Deine Interpretation gefällt mir wirklich gut: Ich ziehe mich gerne in die Einsamkeit zurück; insbesondere, wenn ich kreativ tätig sein will oder wenn ich Monate am Stück gearbeitet habe. Mir hilft es viel mehr, im November an der Nordsee zehn Tage lang keinen Menschen zu sehen, als mir auf Malle die Rübe zuzuballern. Zynismus war schon immer die Art und Weise, auf die ich viele Erlebnisse verarbeitet habe; erst nach und nach habe ich gelernt, dass es bei manchen Themen auch funktioniert, sich nicht zu verstellen. Einen Text wie den zu “Eisberg” hätte ich beispielsweise vor fünf Jahren noch nicht schreiben können. Und genau dieser Lernprozess macht für mich überhaupt den Reiz aus, mit KONTRAST weiterzuarbeiten. Wenn ich das Gefühl hätte, dass ich bzw. meine Texte sich nicht mehr weiterentwickeln, hätte ich keinen Spaß mehr daran.

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