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LEICHENWETTER (NUMEN/DAWE)

LEICHENWETTER – EIN STARKER, PRÄGNANTER NAME: WIE SEIT IHR DARAUF GEKOMMEN? UND WIE IST EURE BANDHISTORIE BISHER ABGELAUFEN? ALLES REIBUNGSLOS ODER SCHON VIELE RÜCKSCHLÄGE? Dawe: Na ja, ich begann irgendwann damit Songs zu schreiben, die aber zu keiner meiner damaligen Bands passten. Da musste ich dem Kind einen Namen geben, und irgendwie war dann Leichenwetter da. Kurz darauf stieg dann auch Sänger Numen mit ein und wir absolvierten die ersten Gigs mit Gastmusikern. Wir entschlossen uns aber dann, lieber ein festes Bandgefüge aufzubauen. Nach kleinen Umbesetzungen hatten wir das dann erreicht. Rudiator (keys), Cpt. Loft (b) und RaweN (dr) sind die anderen drei Mitstreiter. WOHER KAM DIE IDEE MIT DEN EISHOCKEY-MASKEN? MÖGT IHR SLIPKNOT ODER JASON VORHEES AUS „FREITAG, DER 13.“? WOLLT IHR ANONYM BLEIBEN ODER DAMIT EINE GEWISSE VERROHUNG DER GESELLSCHAFT ANDEUTEN? UND WARUM VERZICHTET DER SÄNGER AUF DIE MASKERADE? Numen: Es geht darum, dass die Musik und besonders die Texte im Mittelpunkt stehen sollen, nicht der Musiker. Der Musiker ist nur das Medium, welches Musik und Wort transportiert. Dass ich keine Maske trage liegt daran, dass man damit so schlecht singen kann. Davon abgesehen soll ja noch ein wenig Mimik erhalten bleiben. SLIPKNOT sind eine geile Band mit einem wirklich originellem Konzept, kann ich mir aber nicht immer anhören. INWIEWEIT UNTERSCHEIDET SICH EUER SOUND VON HEUTE VON DEN ANFANGSTAGEN, Z.B. BEZÜGLICH DER „NACHTWERKE“-VÖ VON 1998? Numen: Unser Sound ist einfach moderner geworden und die Einflüsse unser Mitstreiter haben mit Sicherheit auch sehr viel zum heutigen Sound beigetragen. Damals haben Dawe und ich ja noch überwiegend allein gearbeitet. 1998 standen wir auch noch auf den etwas härteren Sound. Diese Musik hören wir zwar immer noch, sie hat aber nicht mehr denselben Stellenwert wie vor sechs Jahren. Mittlerweile hören wir auch Musik aus anderen Bereichen und nicht mehr ausschließlich nur Metal. IM PRESSEINFO STEHT ZU LESEN, DASS IHR „HARTPOP“ SPIELT. WIE WÜRDET IHR DIESE STILRICHTUNG SELBER BESCHREIBEN? WELCHE BANDS MÖGT IHR, WELCHE HABEN EUCH BEEINFLUSST? Numen: HartPop ist harte Populäre Musik wie es meines Erachtens auch EVANESCENCE, NIGHTWISH oder jetzt zuletzt auch eben OOMPH! machen. Beeinflusst haben uns mit Sicherheit die letzten 30 Jahre Rock und Popmusik. Die jüngsten sind wir alle ja auch nicht mehr. IHR VERTONT TEXTE DEUTSCHER DICHTER UND DENKER. WIE KAMT IHR ZU DIESER IDEE? SEID IHR GERMANISTIKSTUDENTEN? :-) WIE WIRD SO EIN TEXT AUSGEWÄHLT UND WIE IN MUSIK UMGESETZT? Numen: Dawe studiert Germanistik und die Idee stammt tatsächlich von ihm. Sie stand damals irgendwann im Raum, es machte Plopp und sie war da. Die Kriterien, die ein Text erfüllen muß, um unserem Anspruch genüge zu tun, sind gar nicht mal so schwer. Ein Text muß uns mit seiner Aussage ansprechen und das Innerste berühren. SCHREIBT IHR ERST DIE STÜCKE UND PACKT DANN DIE TEXTE DARAUF ODER ORIENTIERT IHR RIFFS UND INSTRUMENTE AN DEN DICHTUNGEN? Numen: Das ist sehr unterschiedlich. Meistens entsteht erst die Musik und ich schaue schon dabei nach, welcher Text dazu passen könnte. Dawe hat meistens eine kleine Auswahl an Gedichten im Proberaum liegen, die er für vertonenswert erachtet. WOLLT IHR DIESES TEXTLICHE KONZEPT DAUERHAFT DURCHZIEHEN? Numen: Möglichst ja. Es sei denn, wir finden irgendwann keine Lyrik mehr, die uns gefällt oder es gehen uns die Dichter aus. Momentan haben wir aber noch genug Material für zwei weitere Alben. WIESO GERADE EINE COVER VERSION VON NINO DE ANGELO? HABT IHR SIE IHM MAL VORGESPIELT? MÖGT IHR DAS POMPÖSE, PATHETISCHE? Numen: Wir finden halt den Text sehr schön und schmalzig. Natürlich hätte es auch „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens sein können. Es geht uns einfach darum auch mal unsere nicht so ganz ernste Seite zu zeigen. Wir hatten vorher auch schon mal eine Version des Stückes „Sauerland“ von ZOFF für einen NDW Cover Sampler beigetragen und in Zukunft wird mit Sicherheit irgendwann mal wieder ein Klassiker von uns durch den Kakao gezogen. UND DAS SCHNITTERLIED, IST DAS EINE KOMPOSITION VON EUCH? ICH KENNE AUCH EIN TRADITIONELLES SCHNITTERLIED, DAS HAT ABER EINEN ANDEREN TEXT. Numen: Das Schnitterlied ist traditionell überliefert und wahrscheinlich sind durch die Jahre auch verschiedene Versionen entstanden. Es gab auch mal eine Version von Thomas Elbern, in der er anstatt Blümelein, Schwesterlein singt, und wo auch ansonsten der Text von „unserem“ Schnitterlied abweicht. PRODUKTION, ARTWORK, PRESSEINFO USW. FÄLLT ALLES SEHR PROFESSIONELL AUS. IST DAS DER ANSPRUCH, DEN IHR AUCH OHNE LABEL AN EUCH HABT? IST DAS NICHT IRGENDWO AUCH EIN FINANZIELLES RISIKO BEI DEN ENORMEN KOSTEN (DIE ICH MAL VERMUTE) Numen: Wir haben im „Wohlklang Studio“ in Iserlohn aufgenommen, das unserem Tastenmann Rudiator gehört. Dadurch hatten wir natürlich sehr geringe Aufnahmekosten und konnten das dort gesparte Geld in Artwork und die gesamte Aufmachung investieren. HABT IHR SCHON ANGEBOTE VON LABELS BEKOMMEN ODER SEID IHR AKTIV AUF DER SUCHE? Numen: Momentan suchen wir, aber bei der aktuellen Lage im Musikgeschäft gestaltet es sich schon schwierig. LIVE HABT IHR SCHON MIT EINIGEN GRÖSSEN DIE BÜHNE GETEILT. WIE IST ES ZU DEN JEWEILIGEN KONTAKTEN GEKOMMEN, HABT IHR EIN SEHR UMTRIEBIGES MANAGEMENT? Numen: Das Management machen größtenteils Dawe und meine Wenigkeit. Man muß halt die verantwortlichen Leute immer wieder ein wenig nerven. Manchmal haben wir schon Angst, dass, wenn jemand am anderen Ende der Leitung das Wort „Leichenwetter“ hört, er einfach auflegt. WIE WAR DER KONTAKT MIT DIESEN BEKANNTEN BANDS? HABT IHR SIE ALS MENSCHLICH ANGENEHM EMPFUNDEN? Numen: Die waren alle meistens in Ordnung, sicher gibt es immer wieder jemanden der einem nicht so ganz sympathisch ist, aber ich könnte das jetzt nicht auf eine komplette Band beziehen. Die CRÜXSHADOWS waren sehr nett. Sie sind alle Vegetarier und rauchen nicht. Für mich als Kettenraucher ein ziemlich schlimmer Zustand, da im Backstage nicht geraucht werden durfte und ich mehr Zeit vor der Tür verbracht habe. WAS KANN MAN VON EURER BÜHNENSHOW ERWARTEN? TRETET IHR MIT MASKEN AUF, GIBT ES SPEZIELLE, DESTRUKTIVE SHOW-ELEMENTE? Numen: Wir treten auch mit den Masken auf. Ansonsten haben wir die eine oder andere Feuereinlage, die sich aber leider wegen der Verordnung für Veranstaltungsstätten nicht immer realisieren lässt. Wir arbeiten aber schon an einer Erweiterung der Pyros, wofür wir aber noch ein wenig Zeit brauchen. Destruktive Elemente sind eher unfreiwillig. Da ist dann schon mal ein ausgerissenes Brustwarzen-Piercing oder ein ausgeschlagener Zahn. Aber das kommt schon mal vor. WOHIN WOLLT IHR MUSIKALISCH, WAS SIND EURE KÜNSTLERISCHEN ZIELE? Numen: Musikalisch werden wir den Weg, den wir eingeschlagen haben, auf jeden Fall konsequent weitergehen und versuchen unseren Sound so gut wie möglich zu perfektionieren. Und unser künstlerisches Ziel ist es, noch mehr Leute mit unserer Musik zu erreichen und ihnen somit diese Meisterwerke deutscher Literatur näherzubringen. HABT IHR AUCH DAS GEFÜHL, DASS DIE CHANCEN FÜR HARTE DEUTSCHSPRACHIGE MUSIK MOMENTAN GUT SIND, SIEHE DEN ERFOLG VON OOMPH! Numen: Die Chancen mit deutschsprachiger Musik Erfolg zu haben waren seit der NDW nicht mehr so hoch. Entweder der Verbraucher hat die Schnauze voll davon immer nur Englische Musik zu hören, oder die Leute können gar kein Englisch mehr. WAS TREIBT IHR AUSSERHALB DER MUSIK? MUSIK, HOBBIES, LEIDENSCHAFTEN… ODER IST DAS GEHEIM? Numen: Nun ja, außerhalb der Musik bleibt uns nicht mehr allzuviel Zeit für Hobbies. Da ist neben den alltäglichen Jobs, denen wir ja auch nachgehen müssen, bei dem einen die Familie oder Beziehung, die ja auch noch gepflegt werden muß. Denn ein Musiker ohne Freundin ist Obdachlos. Alles andere geht keinen was an. GLAUBT IHR, DASS DIE LAGE IN DEUTSCHLAND EIN REINIGENDES LEICHENWETTER NÖTIG MACHT, BEI ALL DEM POLITISCHEN UND KULTURELLEN MIST, DER AUF UNS NORMALERWEISE NIEDERPRASSELT? Numen: Wenn es keinen kulturellen Mist geben würde, wüßten wir doch die Musik, die wir alle mögen, gar nicht mehr zu schätzen. Und politisch wäre es mal ganz gut, wenn die Parteien wenigstens in sich geschlossen einer Meinung wären. Egal welche. WIE IST DENN ALLGEMEIN DIE MUSIKSZENE IN ISERLOHN? KENNT IHR DIE „SONS OF TARANTULA“, DIE ANGEBLICH OBSZÖNEN FÄKALCORE SPIELEN? Numen: Ja klar, und sie spielen wirklich nackt auf der Bühne und Urinieren. Was sie sonst noch alles treiben fragst du sie am besten selbst. Wenn ich es hier beschreiben würde, wäre dieses Interview erst ab 18 Jahren freigegeben. EIN BEKANNTER VON MIR SCHRIEB EINST AUF SEINER HOMEPAGE, ES GÄBE KEINEN NETTEN MENSCHEN IN ISERLOHN, WAS WÜRDET IHR DEM ENTGEGNEN? WOLLT IHR ÜBERHAUPT NETT SEIN? Numen: Wir sind schon ein komisches Volk von sturen Sauerländern. Aber dass es hier keinen netten Menschen gibt halte ich für übertrieben. Wir sind hier halt, was wir sind. Wenn sie alle böse wären, dann würden sie ja auch zu unseren Konzerten kommen, bis jetzt habe ich aber noch nicht 90 000 Menschen begrüßen können. IRGENDWELCHE LETZTEN WORTE AN UNSERE LESER? Numen: Ich würde mich freuen, den ein oder anderen von euch mal auf einem unserer Konzerte begrüßen zu dürfen. ICH BEDANKE MICH UND WÜNSCHE EUCH VIEL ERFOLG!

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