Terrorverlag > Blog > MERCENARY > MERCENARY (MORTEN SANDAGER)

Interview Filter

MERCENARY (MORTEN SANDAGER)

Mercenary-1.jpg

“QUEEN, TOTO, whatever!” MORTEN SANDAGER, KEYBOARDER UND SÄNGER BEI DEM MELODIC DEATH ÜBERFLIEGERN MERCENARY, ÜBER DEUTSCHE EFFIZIENZ, ABBA UND DIE TÜCKEN DES TOUR-ALLTAGS. WIE FÜHLT ES SICH AN, IN DEN DÄNISCHEN TOP 40 ZU SEIN? Ohh! (lacht) Ich glaube, mit unserem letzten Album sind wir auf Platz 67 eingestiegen. Aber es fühlt sich natürlich noch besser an, jetzt unter den ersten 40 eingestiegen zu sein. Das ist wirklich ein wunderbares Gefühl. Nicht viele dänische Metal-Bands schaffen das. TUMMELN SICH DENN IN DEN DÄNISCHEN CHARTS DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN, WIE AUCH IN REST-EUROPA? Ja, ich denke schon. Viel Pop, auch wenn es da coole Sachen gibt. WIE ENTWICKELT SICH DIE DÄNISCHE SZENE DENN IM AUGENBLICK? Oh, in den letzten fünf Jahren hat sie sich sehr weiter entwickelt. Es kommen die ganze Zeit neue Bands zum Vorschein, die auch gleich vernünftige Plattenverträge bekommen. Es geht definitiv aufwärts. WAR DIE ENTWICKLUNG ZU EINEM DEUTLICH ROCKIGEREN SOUND GEPLANT, ODER FÜHLTE ES SICH WIE EINE LOGISCHE WEITERENTWICKLUNG FÜR EUCH AN? Ich weiß nicht so genau. Ich glaube, wir sind bessere Songwriter geworden, aber das haben wir wahrscheinlich auch schon bei der letzten Scheibe von uns gegeben. Aber deswegen bedeutet „Progress“ ja auch Fortschritt. Wir lernen uns eben immer besser kennen, wissen, was der andere will und kommen langsam in den Rhythmus, der unsere Art von Musik zusammenhält. Und jetzt haben wir Rene (Pedersen, Vocals & Bass) in der Band und dieser bringt mit seinen rauen Vocals eine neue Komponente mit hinein. Ich denke wir sind auf der neuen Platte insgesamt viel härter. Wir sind damit auch ein wenig zu dem Stil der „11 Dreams“ zurückgekehrt, die ich persönlich sehr mag. Und wir haben kürzere Songs und das war auch so geplant. Viele unserer Songs sind sieben bis acht Minuten lang und wenn Du live spielst kannst Du in einem 30minütigen Set nur drei bis vier Lieder unterbringen (lacht). Deswegen haben wir die „unnötigen“ Sachen dieses Mal weggelassen, es sei denn, der Song verlangt unbedingt nach diesen Parts. Wenn wir einen Teil des Liedes viele Male wiederholt haben, wurde er auf zwei Wiederholungen gekürzt, damit der Song besser funktioniert. So wird das Ganze intensiver. WENN MAN DICH PERSÖNLICH FRAGT, WAS FÜR EINEN SOUND IHR SPIELT, WELCHE ANTWORT WÜRDEST DU DANN GEBEN? Och, das ist immer so schwierig… Ich weiß nicht genau, ich denke man könnte sagen, wir spielen dänischen Metal (lacht). Vor fünf Jahren hätte ich gesagt, wir würden Schweden-Metal mir Pop-Melodien spielen. Letztes Jahr macht aber jemand ein Live-Review über uns, und der hat eigentlich eine gute Beschreibung parat gehabt: „Melo-Death-Stars for the NIGHTWISH-Generation“. IST DAS EIN KOMPLIMENT? Wir haben es jedenfalls so verstanden, auch wenn er es wahrscheinlich nicht so gemeint hat (lacht). Aber ich denke, dass er Recht hat. Wir haben etwas in unserer Musik, das die Progressive Szene genau so anspricht wie die melodische. Und das wollten wir auf unsere Art vermischen. IHR SEID MOMENTAN ABER UNGLEICH HÄRTER ALS DER REST DER ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN. WENN MAN SICH DIE NEUE IN FLAMES ODER SOILWORK ANHÖRT, HAT MAN DAS GEFÜHL, DASS ES MIT DIESEM STIL EIN WENIG DEN BACH HINUNTERGEHT. IHR HINGEGEN HABT EIN HARTES, GUTES, MELODISCHES ALBUM VORGELEGT. OK, ja. Wir machen nur das, was wir mögen, wir wollen niemandem unbedingt gefallen. Einige Songs fallen ja wirklich in eine Pop-Radio-Schiene, aber das war nicht beabsichtigt. Die Songs entwickeln sich einfach in eine solche Richtung. Songs wie „Execution Style“ hingegen sind geboren, um Thrash-Nummern zu werden. Wir haben eine Grundidee für einen Titel und von dem Moment an merken wir, in welche Richtung er gehen wird: Eine Ballade, oder ein Thrash-Song? Und dann arbeiten wir gemeinsam in die vorgegebene Richtung weiter. SIND DENN ERST DIE RIFFS VORHANDEN ODER DIE MELODIEN? Das ist wirklich unterschiedlich. Mikkel (Sandager, Vocals) und Rene schreiben ihre eigenen Lyrics, manchmal sogar als Gedichte. Wenn sie erst einmal eine Idee haben, fließen die Worte so aus ihnen heraus. Die meiste Zeit sitzen Mikkel, Rene und ich am Keyboard, hören uns die Aufnahmen der Anderen an, auf denen die Grundriffs zu hören sind. Daraus entwickeln wir die Akkorde und versuchen, Melodien zu entwickeln. Wenn der Anfang gemacht ist, entwickelt sich der Rest von alleine. Aber hauptsächlich ist erst die Melodie vorhanden, dann kommen die Lyrics. Geht aber auch umgekehrt. Wir ändern aber auch die Lyrics später noch, wenn wir merken, dass bestimmte Passagen nicht zu der Musik passen. WER IST DENN NUN DER „ARCHITECT OF LIES“? JEMAND SPEZIELLES ODER GIBT ES KEIN THEMA HINTER DEM TITEL? Eigentlich ist es eine Mixtur aus vielen verschiedenen Dingen. Die Grundidee drehte sich eigentlich – wir konnten es aber leider nicht so im Cover unterbringen, wie wir es uns eigentlich gedacht haben – um einen Serienkiller. Ich weiß nicht, ob Du jemals von dem „Ice Man“ gehört hast. Er war der meistgenutzte Hitman der Mafia in den USA, sein Name ist Richard Kuklinski. Er ist es auch, von dem die Sprachsamples auf „Architect of Lies“ stammen. Also eigentlich hat es Serienkiller als Thema, aber trotzdem kannst Du alles hinein interpretieren, wenn Du willst. Es gibt heutzutage viele Architekten da draußen, man braucht nur in den Irak zu schauen. Aber wir wollen nicht zu politisch werden. Im Endeffekt bedeutet der Titel, was Du damit in Verbindung bringst. EURE NEUE PLATTE WIRD JA EIGENTLICH NUR POSITIV BESPROCHEN. ÄRGERT ES DICH TROTZDEM, WENN DU MAL EINE NEGATIVE KRITIK LIEST? (lacht) Ich meine, natürlich liest Du Dir die Reviews durch… aber nachdem wir das Prozedere jetzt schon ein paar Mal durch gestanden haben, wissen wir, dass man nicht jeden zufrieden stellen kann. Gott sei Dank haben nicht alle Menschen den gleichen Musikgeschmack! Wenn uns jemand nicht mag, ist das in Ordnung. Wir sind deswegen nicht angepisst, einige Reviews sind sogar richtig lustig! Da war ein Typ, der uns einen Punkt von zehn gegeben hat, ich glaube das war bei „The Hours that remain“. Er sagte, dass sich Mike (Park, Drums) erst einmal neue Leute zum Spielen suchen sollte. Der erste Song wäre richtig gut, aber von da an würde es schneller bergab gehen, als ein „greased up weasel on roller-skates“. Ich mag das. Wir haben sehr gelacht. Er mochte uns definitiv nicht, aber es bedeutet uns nicht so viel. Aber es ist immer interessant zu sehen, was andere Leute denken. Es ist klar, dass wir es lieben, gute Reviews zu lesen, man muss beide Seiten der Medaille kennen. Aber es ist durchaus auch so, dass wir uns berechtigte, konstruktive Kritik zu Herzen nehmen. Wenn einer sagt: „Ich mag das nicht und die Songs sind definitiv zu lang“, beginnst Du, darüber nachzudenken. WENN DU INNERHALB DER BAND AGIERST, VERLIERT MAN SICHERLICH MANCHMAL DAS GEFÜHL FÜR SOLCHE DINGE. WENN MAN LIVE IM PROBERAUM SPIELT, KLINGT JEDER JAM GUT, AUCH WENN ER 30 MINUTEN DAUERT. DA SIND MEINUNGEN VON AUSSERHALB SICHERLICH HILFREICH. Ja, ganz genau! WARUM SIND SKANDINAVISCHE BANDS SO ERFOLGREICH IM MITEINANDERVERBINDEN VON MELODIE UND HÄRTE? Ich denke, alles hat in Schweden angefangen und in diesem Land gab es schon immer diese große Tradition des Musikmachens. Junge Musiker haben in Schweden viele Möglichkeiten aufzutreten und zu spielen. Dort wird sich richtig um die Musiker gekümmert. DU BEKOMMST JA SOGAR MONETÄRE UNTERSTÜTZUNG, WENN DU IN EINER BAND SPIELST… Ja, ganz genau. Sie waren allen immer einen Schritt voraus. Die hatten damals schon die großen Bands wie ABBA. Dort fing eben alles an. IN FLAMES ist eine sehr harte Band, aber sie haben ebenfalls sehr viele Melodien – „Cloud Connected“ ist einer meiner Lieblingsnummern. WELCHE EINFLÜSSE SIEHST DU DENN NOCH IN EUREM SOUND? Wir haben natürlich sehr viele verschiedene Einflüsse. Jakob (Molbjerg, Gitarre) ist sehr von AT THE GATES, CARCASS, METALLICA, MEGADETH und IN FLAMES beeinflusst. Er hörte schon vor mir IN FLAMES, deswegen hat er seine Wurzeln in diesem Sound. Ich, Mikkel und Rene, Martin ebenso, hören uns auch total andere Musik an. Wir hören alles, wir sind nicht auf ein Genre beschränkt. Es interessiert mich nicht, ob das BEETHOVEN oder CARCASS ist. Solange es unser Herz anspricht, ist es gut. SOILWORK, NEVERMORE waren für alle ein großer Einfluss in den letzten fünf Jahren. NEVERMORE waren sogar der Grund, dass ich und Mikkel damals in die Band gekommen sind. Um die cleanen Vocals und die dunklen Keyboards mit in den Sound zu bekommen. Mikkel und ich sind ebenfalls große IRON MAIDEN Fans. „QUEEN, TOTO, whatever!“. WIE IST ES DENN MIT DEN OLD-SCHOOL-THRASH-HEROES VON DEATH ANGEL AUF TOUR ZU SEIN? (lacht) Es ist wirklich großartig, denn das sind alles nette Jungs! Sie sind lustig und immer glücklich. Selbst wenn es regnen sollte und man überhaupt keine Lust hat, kommen die Jungs vorbei und rufen: “Hey man! Hows it going?! Get up here! Smile!“ WAHRSCHEINLICH, WEIL SIE EINE HARTE ZEIT HINTER SICH GEBRACHT HABEN… Wahrscheinlich. Sie sind psychologisch in einer sehr guten Verfassung. Aber sie sind auch eine verdammt großartige Live-Band! Es interessiert sie nicht, ob sie eine drei Quadratmeter große Bühne haben, sie legen einfach los: „Fuck this! Lets go on stage and tear this place apart!“. Von dieser Einstellung haben wir viel gelernt. Heute Abend werde ich mich auch kaum bewegen können und nur mit dem kleinen Finger bangen, aber ich werde trotzdem alles geben und wir werden so gut sein, wie wir es nur können. WIE REAGIEREN DIE BESUCHER AUF EUCH? Ich denke, dieses Mal bekommen wir sehr positive Reaktionen. Wir waren ja schon ein paar Mal mit größeren Bands auf Tour, aber besonders in England werden wir im Moment sehr gut angenommen. Aber in Deutschland und in Holland bekommen wir mittlerweile genau so viel Feedback wie in unserer Heimat. Aber in Leipzig hatten wir glaube ich acht Fans und die waren alle auf der Show. SIND DIE SHOWS SO SCHLECHT BESUCHT? Nein, in Essen war es ausverkauft, da waren um 750 Leute da. In Leipzig waren es dafür nur so um die 150 Besucher. Das war aber an einem Dienstag. Du merkst schon sehr die Unterschiede: Von Donnerstag bis Samstag sind die Shows immer besser besucht. Wir spielen aber für jeden Einzelnen der kommt. SOLANGE IHR HEUTE ABEND NICHT „GUTEN ABEND HOLLAND“ SCHREIT… (lächelt verschmitzt) Ja, unser Bassist hat gleich am ersten Abend „Guten Abend Deutschland!“ in das holländische Publikum gerufen. UND DAS, OBWOHL DIE DEUTSCHEN UND DIE HOLLÄNDER SICH NICHT WIRKLICH GUT RIECHEN KÖNNEN… Ja, ich weiß. Aber gleich nachdem er das gesagt hat, kam nur ein: “Ohhh! I´m sorry. I´m sorry. I´m sorry!“ Er dachte nur: „Ah! Fuck!“ aber ich glaube, die Leute haben ihm das mittlerweile verziehen, aber manchmal vergisst man wirklich, wo man ist. Deswegen steht auch immer auf der Setlist der Ort. Und dort stand: „Tilburg, Netherlands“. Schau auf die Setlist, bevor du etwas sagst! HABT IHR IN DER ZWISCHENZEIT DENN NOCH ANDERE VERRÜCKTE SACHEN ERLEBT? (lacht) Diesen Morgen haben wir Jakob auf der Fähre vergessen. Ich habe geschlafen, deswegen habe ich davon nichts mitbekommen. Aber auf der Fähre von Dänemark nach Deutschland ist er eingeschlafen und der Bus ist ohne ihn losgefahren. Und nach 45 Minuten, als wir schon eine große Strecke zurückgelegt hatten, klingelte das Telefon vom Tourmanager. Jakob wachte in Dänemark wieder auf, er hat sogar den ganzen Weg zurück geschlafen! „This is Denmark?! Where ist the bus?!“ Also mussten wir umdrehen und ihn dann wieder abholen. „Shit happens“. SPIELST DU LIVE LIEBER DIE NEUEN ODER DIE ALTEN SACHEN? Auf dieser Tour spielen wir natürlich viele neue Stücke, denn wir müssen unser neues Album promoten. Wir haben so um die 50 Minuten Zeit, deswegen spielen wir fünf neue Stücke und zwei alte. Wir würden gerne von jedem Album etwas spielen, aber dafür fehlt uns die Zeit. Zwei Songs von „11 Dreams“ sind ja schon 20 Minuten. Auf den Festivals diesen Sommer werden wir die Songs viel mehr vermischen, von jedem Album zwei Tracks nehmen. Und natürlich spielen wir die neuen Songs auch liebend gerne. „11 Dreams“ spielen wir nun seit 2003 auf jeder Show, aber es ist nun einmal ein guter Titel, um einen Auftritt zu beenden. Den Song kennen nun einmal die meisten. Den brauchen wir nie zu proben, weil wir ihn in- und auswendig kennen. Aber onstage ist er nie langweilig. Live haben wir uns noch gelangweilt, nur im Proberaum kann das mal passieren. „Live is what makes you live!“. Die Reaktionen des Publikums, auch wenn es vielleicht nur zehn Leute sind, spornen Dich immer an. Wenn sie rocken, mitsingen, abgehen ist es das Gleiche, als wenn Du vor 10000 Leuten spielst. Wir mögen die kleinen Clubs übrigens viel lieber, wenn Du die Leute direkt vor der Nase hast, wenn Du sie schreien hörst. ABER EURE MUSIK FUNKTIONIERT AUF BEIDEN EBENEN. Ja! Große Festivals machen auch Spaß, aber manchmal ist ein Graben von 15 Metern zwischen Dir und dem Publikum. MÖCHTEST DU UNS NOCH ETWAS MITTEILEN? Wir bekommen immer mehr Fans aus Deutschland und was die CD-Verkäufe betrifft, ist Deutschland momentan unser größter Markt. Und natürlich finden wir das gut! Wir touren viel durch Deutschland und werden so oft wie möglich wiederkommen. Gute Fans und very good people. Deutsches Catering und die Venues sind Top! WIRKLICH? „German Efficiency“. VIELLEICHT KÜMMERN WIR UNS NOCH GERNE UM DIE BANDS? Es sieht ganz so aus. Es ist wie zuhause zu sein. Wenn Du es mit England vergleichst… da ist es richtig schlecht. Wenn Du dann noch Deutschland kommst: “Ahh, Germany!“. Und ist unser Label kommt natürlich auch aus Deutschland… Ich hoffe, die deutschen Fans werden nächstes Mal noch mehr Fans mitschleppen, damit wir noch öfter kommen können. Wir sind hier um für die Leute zu spielen und mit ihnen zu reden. Fankontakt ist uns sehr wichtig, deswegen pflegen wir unsere Seite noch genauso, wie die MySpace-Seite. Vielen Dank für das Interview! DANKE!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu MERCENARY auf terrorverlag.com