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MICHAEL MONROE

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IN DEN USA UND GROSSBRITANNIEN IST ER EINE LEGENDE, IN SEINER FINNISCHEN HEIMAT SOWIESO – IN DEUTSCHLAND HINGEGEN FINDET MICHAEL MONROE IMMER NOCH NICHT DIE BEACHTUNG, DIE ER SCHON SEIT JAHRZEHNTEN VERDIENT HÄTTE. SEINE BAND HANOI ROCKS FÜHRTE ANFANG DER ACHTZIGER FORT, WAS DIE RAMONES UND DIE NEW YORK DOLLS EINMAL ANGEFANGEN HATTEN UND EBNETE DEN WEG FÜR SLEAZE ROCK UND GLAM METAL; NICHT ZULETZT MÖTLEY CRÜE ODER GUNS ’N ROSES NANNTEN HANOI ROCKS STETS ALS GROSSEN EINFLUSS. SEIT DIE BAND 1985 GETRENNTE WEGE GING, ARBEITET IHR FRÜHERER SÄNGER VOR ALLEM SOLO. EIN GUTES DUTZEND ALBEN HAT DER MULTIINSTRUMENTALIST VERÖFFENTLICHT UND ZWISCHENDURCH AUCH IMMER NOCH ZEIT GEHABT, BEI FREUNDEN AUSZUHELFEN (WIE BEISPIELSWEISE AUF GUNS ’N ROSES’ „USE YOUR ILLUSION 1“ UND „THE SPAGHETTI INCIDENT“) ODER MIT JUNGS WIE STEVE STEVENS, STIV BATORS, STEVEN TYLER ODER IAN MCLAGAN ZU JAMMEN. STILISTISCH IST ER SEINEN WURZELN DABEI STETS TREU GEBLIEBEN, UND SO STEHT AUCH SEIN AKTUELLES ALBUM „HORNS AND HALOS“ WIEDER GANZ IN DER TRADITION VON PUNK, ROCK UND METAL. DIE LETZTEN ZWEI JAHRE, SEIT DAS ALBUM „SENSORY OVERDRIVE“ ERSCHIEN, WARST DU MIT DEINER BAND FAST UNUNTERBROCHEN AUF TOURNEE. WELCHE ERFAHRUNG IN DIESER ZEIT HAT DICH RÜCKBLICKEND AM MEISTEN BEWEGT? Hm, jetzt aus dem Stehgreif fällt mir kein herausragendes, einzelnes Erlebnis ein. Aber es war großartig, mit der Band zu spielen und dabei zu erleben, wie sie immer mehr zu einer Einheit zusammenwuchs. Wir sind unglaublich zusammengerückt, und das war das Beste in dieser ganzen Zeit. Es ist kein einziger schwieriger Typ dabei, alle sind total positiv. Normalerweise ist immer irgendeiner in der Band, der die anderen nervt. Aber jetzt ist alles großartig – ich schätze mich sehr glücklich, mit diesen Jungs spielen zu können. ZUM LINE-UP DER BAND ZÄHLEN HEUTE BASSIST SAMI YAFFA, EIN ALTER MITSTREITER AUS HANOI-ROCK-TAGEN, GITARRIST STEVE CONTE, DER ZEITWEISE AUCH BEI DEN NEW YORK DOLLS SPIELTE, SCHLAGZEUGER KARL ROSQVIST UND SEIT LETZTEM JAHR GITARRIST DREGEN VON DEN BACKYARD BABIES UND HELLACOPTERS, DER GINGER WILDHEART ERSETZT HAT. BEIM LETZTEN ALBUM „SENSORY OVERDRIVE“ WAR GINGER JA STARK AM SONGWRITING BETEILIGT. WER HAT BEI DER ENTSTEHUNG VON „HORNS AND HALOS“ DIESEN PART ÜBERNOMMEN? Wir waren von Anfang an entschlossen, dieses Album ganz anders anzugehen und nicht die Arbeitsweise vom letzten zu kopieren. Also haben wir einfach losgelegt und geguckt, was sich so ergibt. Und Steve Conte ist dabei richtig über sich hinausgewachsen; er kam mit so vielen Ideen, dass es mich umgehauen hat, und auch mit sehr vielen Texten. Ich hatte natürlich auch einiges geschrieben, aber als wir unser Material durchgingen, habe ich oft gesagt, halt, lasst uns die Idee von Steve nehmen, die gefällt mir viel besser! Dregen hat einige sehr gute Riffs beigesteuert. Letztlich ist es eine echte Band-Platte geworden. DAS HÖRT MAN – GERADE „SOUL SURRENDER“ KLINGT NACH EINER BAND-SCHÖPFUNG, ALS SEI DER SONG BEI EINER JAM-SESSION ENTSTANDEN. Ja, das war auch so ähnlich. Wir waren in New York – auf Tour haben wir immer versucht, uns zwischendurch mal ein Studio zu mieten, um Songs zu proben oder auch Demos einzuspielen – und Karl war noch ein paar Tage unterwegs, deswegen übernahm ich bei der Session das Schlagzeug. Sami brachte das Riff mit, und ich kam zwischendrin plötzlich auf die Idee, im Reggae-Rhythmus weiterzuspielen – ich hatte schon seit einer Ewigkeit nicht mehr am Schlagzeug gesessen und wurde schnell ein bisschen müde, deswegen dachte ich, hey, spiel doch die Strophen einfach ein bisschen entspannter. Die anderen fanden die Idee dann überraschenderweise ganz cool: Bob Marley meets Motörhead! Das lassen wir so! GENUG ENERGIE IST JA TROTZDEM AUF DER PLATTE, ANGEFANGEN MIT DEM OPENER „TNT DIET“, DER BEI KONZERTEN GARANTIERT HERVORRAGEND ANKOMMEN WIRD. Klasse, dass dir der Song gefällt! Wir haben versucht, alles so „live“ wie möglich einzuspielen und möglichst auf Overdubs zu verzichten. DER ZWEITE SONG, „THE BALLAD OF THE LOWER EAST SIDE“, SPRICHT EIN GEFÜHL AN, DAS MAN AUF DEINEN PLATTEN ÖFTERS FINDET – EIN NOSTALGISCHES BEDAUERN DARÜBER, DASS DIE AUFREGENDEN SZENEN VON FRÜHER IHREN BISS VERLOREN HABEN. DAS HAST DU JA SCHON 1993 IN „HAMMERSMITH PALAIS“ BEKLAGT ODER VOR ZWEI JAHREN IN „’78“. HAST DU DAS GEFÜHL, DASS DIE WELT KLINISCHER GEWORDEN IST? Ja, das ist wohl vor allem in New York passiert. Es ist alles sehr keimfrei geworden, und letztlich ist dadurch viel von dem alten Vibe verloren gegangen. Aber die Stadt ist immer noch toll. Nur eben anders als früher. Ich will jetzt nicht darüber jammern, dass früher alles besser war … aber die good old bad days sind eben vorbei. Ist auch in Ordnung – das Leben geht weiter, und wir passen uns den neuen Gegebenheiten an. Vieles ist heute ja auch besser als damals. IN „CHILD OF THE REVOLUTION“ SINGST DU VON DEN LEUTEN, DIE NOCH DIE ALTEN PUNKROCK-IDEALE HOCHHALTEN UND „FUCK THE BOURGEOISIE“ SKANDIEREN. GEHT ES DA UM ECHTE BEGEGNUNGEN, ODER IST DAS REINE FIKTION? Es geht eher um Leute wie Johnny Thunders oder Stiv Bators – also weniger um eine bestimmte Person als um den Geist der Rockrebellen. Und außerdem fand ich, dass es gar nicht so einfach ist, das Wort „Revolution“ in einem Songtitel unterzubringen und wollte mir was beweisen. GLAUBST DU, DASS PUNK HEUTZUTAGE NOCH EINE POLITISCHE KRAFT IST? Ich würde sagen, Musik ist eine Kraft, die man nicht unterschätzen sollte. Mit Musik kann man viel mehr erreichen, als Politiker das tun, die meist nur ihre eigenen Interessen verfolgen und Geld machen wollen. Sie streichen ihre Diäten ein und reden, tun aber nichts – da läuft viel Heuchelei und Korruption. Aber bei Musik ist das anders, und ich denke, Bob Geldof hat es mit Live Aid eindeutig bewiesen: Wenn Musiker und Bands zusammen kommen, dann hat das sehr viel Durchschlagskraft. Wenn man etwas ändern will, ist das der richtige Hebel. DU SELBST ENGAGIERST DICH FÜR DEN TIERSCHUTZ IN FINNLAND? Ja. Ich habe dieses Jahr, aber auch schon im letzten einen Fernsehspot für das Tierheim von Turku gedreht, der Stadt, in der ich mittlerweile lebe. Das bekam daraufhin genug Spenden, um einen neuen Kleinbus für den Tiertransport anschaffen zu können. Ich freue mich, wenn ich meine Popularität für solche Zwecke nutzen kann, um etwas Positives und Konstruktives zu tun und Tieren zu helfen. Ich liebe Tiere, vor allem Katzen, und je mehr Menschen ich kennen lerne, desto mehr liebe ich meine Katzen! Sie machen dir nichts vor und sind niemals hinterhältig. Ich würde nie eine Katze von einem Züchter kaufen, meine stammen alle aus dem Tierheim. Es gibt dort so viele wundervolle Persönlichkeiten. Meiner Meinung nach sollte Tierquälerei auch gesetzlich viel stärker geahndet werden. In Schweden sollen ja die Gesetze viel strenger sein. Da gab es neulich so einen Fall, wo so ein Arschloch – ’tschuldigung, aber das kann ich nicht anders formulieren – jahrelang seinen Hund geschlagen hat und dafür jetzt ein paar Jahre in den Knast gekommen ist. Das sollte auch in anderen Ländern so sein, sonst haben Gesetze doch keine abschreckende Wirkung. ES IST ABER WAHRSCHEINLICH GAR NICHT SO EINFACH, TIERE ZU HALTEN, WENN MAN SO VIEL AUF TOURNEE IST WIE DU? Ja, das stimmt. Glücklicherweise kümmert sich meine Schwiegermutter um die Katzen, wenn wir unterwegs sind, meine Frau reist ja meistens mit mir mit. Es geht mir aber immer ganz schlimm unter die Haut, mich von den Tieren zu verabschieden. Meist sind aber auch Freunde in unserem Haus, wenn wir nicht da sind, so dass unsere Katzen nicht einsam sind. „HORNS AND HALOS“ ENTSTAND JA WÄHREND DIESER LANGEN, ZWEIJÄHRIGEN TOUR AN ALLEN MÖGLICHEN ORTEN – STOCKHOLM, NEW YORK, LOS ANGELES, ABER AUCH IN FINNLAND. WELCHER ORT HAT EURE MUSIK AM MEISTEN BEEINFLUSST? Das ist eine interessante Frage! Vielleicht New York … hmmm … nun ja, wir haben alle unsere Einflüsse und nehmen sie mit uns mit, egal, wo wir hingehen. Aber New York ist eine der inspirierendsten Städte der Welt. In LA haben wir auch ein paar coole Demos eingespielt, beispielsweise „Eighteen Angels“. Wir hatten uns dort ein Vierspur-Studio gemietet, in dem früher viele der alten Beach-Boys-Songs entstanden sind und noch zahllose weitere tolle Platten – dort herrschte ein total cooler Vibe. Aber ich könnte jetzt keinen einzelnen Ort hervorheben. Vor allem, weil wir in der Band alle so unterschiedliche Einflüsse haben und so unterschiedliche Musik hören. Die Kombination aus unseren Persönlichkeiten und den musikalischen Richtungen ist es dann, die das Album zu dem macht, was es ist. BEI EUREN GIGS SPIELT IHR JA NEBEN DEN EIGENEN SONGS AUCH OFT COVERVERSIONEN – „NEW ROSE“ VON THE DAMNED ODER „BLITZKRIEG BOP“ VON DEN RAMONES. DAS HAT MICH EIGENTLICH IMMER ÜBERRASCHT, DA DU JA SELBST INZWISCHEN AUF EIN BEEINDRUCKENDES GESAMTWERK ZURÜCKBLICKEN KANNST. Es sind einfach tolle Songs, vor allem diese frühen Punk-Sachen. Außerdem möchte ich diese Songs den Leuten vorstellen, die sie sonst vielleicht nie entdecken würden, denn schließlich läuft sowas heute nie im Radio oder auf MTV. Es gibt so viele tolle Songs, die in Vergessenheit geraten. Und das möchte ich verhindern. BEI DEN KONZERTEN IN FINNLAND HABE ICH VIELE JUNGE LEUTE IM PUBLIKUM GESEHEN. IST DAS BEI EUCH ÜBERALL SO, AUCH IN DEN USA, WO DEIN NAME NOCH IMMER SEHR STARK MIT HANOI ROCKS VERBUNDEN IST? In Finnland hat sich das Publikum sehr verjüngt, seit ich in der Jury bei The Voice Of Finland saß [dem finnischen Äquivalent zu The Voice Of Germany]. Ich fand diese Sendung durchaus in Ordnung, weil es bei dem Format nicht darum geht, Leute fertigzumachen, sondern den Sängern konstruktive Ratschläge zu geben. Dort hat niemand zu hören bekommen, dass er nichts bringt oder nichts kann. Denn das stimmt nicht. Jeder kann etwas. Selbst, wenn man nicht tonrein singt, kann man daraus etwas Künstlerisches entwickeln – da muss man sich doch nur mal Bob Dylan ansehen. Jedenfalls haben mich über diese Sendung viele Kids entdeckt, und jetzt kommen eben auch Zehnjährige zu Michael-Monroe-Konzerten. In den USA ist das Publikum tatsächlich eher älter, aber auch dort kommen immer mehr Jüngere dazu. UM AUF DEN TITEL DER NEUEN PLATTE ZURÜCKZUKOMMEN: WAS ENTSPRICHT DEINER PERSÖNLICHKEIT MEHR, DIE HÖRNER ODER DER HEILIGENSCHEIN? Hahaha! Beides natürlich! Nein, der Heiligenschein ist natürlich immer da. Der dominiert alles. Liebe überwindet Hass, so ist es doch! Aber in uns allen steckt natürlich auch ein kleiner Teufel. Allerdings versuche ich heute, meine Dämonen weitgehend in Schach zu halten. WO DU GERADE DIE DÄMONEN ERWÄHNST: IM TEXT VON „HANDS ARE TIED“ SCHEINT ES UM JEMANDEN ZU GEHEN, DEM DU DEN RAT GIBST, MIT DEN DROGEN AUFZUHÖREN UND SEIN LEBEN IN DEN GRIFF ZU BEKOMMEN … Ja, ich glaube, das trifft es wohl ganz gut. Der Text ist von Steve, der ihn zu einem Jam der Band geschrieben hat – das war eine dieser Sessions, die man nicht mit jeder Band erlebt. Nicht jede Band spielt so gut zusammen, dass sie so etwas gemeinsam entstehen lassen kann. Es ist ein toller Track, um das Album zu beschließen, weil er sich so von den anderen unterscheidet. AUF EINEM ALBUM WIE „HORNS AND HALOS“, DAS SO SEHR DEN KLASSISCHEN ROCK’N’ROLL TRANSPORTIERT, DEN MAN KLISCHEEHAFT IMMER MIT SEX UND DROGEN IN VERBINDUNG BRINGT, IST ES ABER AUCH EIN UNERWARTETES STATEMENT. Mag sein, aber man muss sich nicht ständig die Birne zuknallen und sich wie ein Idiot benehmen, um ein echter Rocker zu sein. Es ist überhaupt nichts Cooles daran, dauernd abzustürzen, und es ist schon gar nicht cool zu sterben. SPRACH’S UND VERABSCHIEDET SICH, UM SICH AUF DIE FESTIVAL-KONZERTE VORZUBEREITEN, DIE ER ÜBER DEN SOMMER IN FINNLAND ABSOLVIEREN WIRD. BLEIBT ZU HOFFEN, DASS ES AUF DER NÄCHSTEN TOUR VIELLEICHT AUCH MAL DEN EINEN ODER ANDEREN GIG IN DEUTSCHLAND GEBEN WIRD.

1 Kommentar

  1. poppo sagt:

    sperrt den Typen ein, das kann nichts werden !!!

    Tippe mal auf die üblichen Uppers und Ampetamine…
    Und verschont mich mit Geschichten über New York,…..
    Das Rockt seit 2011 nicht mehr..

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