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THE MISSION (WAYNE HUSSEY/ SIMON HINKLER)

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NACH IHRER REUNION MELDETEN SICH THE MISSION 2013 ENDLICH WIEDER EINMAL MIT EINEM ALBUM ZURÜCK, DAS AN DIE QUALITÄTEN DER FRÜHEN JAHRE ANKNÜPFEN KANN: „THE BRIGHTEST LIGHT“ ENTSTAND FAST IN ORIGINALBESETZUNG, UND DAS HÖRT MAN AUCH. NEBEN WAYNE HUSSEY UND CRAIG ADAMS IST NACH LANGER AUSZEIT AUCH GITARRIST SIMON HINKLER WIEDER AN BORD, EINZIG SCHLAGZEUGER MICK KELLY IST NEU IM VERBUND. DIE TOUR ZUM ALBUM FÜHRTE IM DEZEMBER 2013 AUCH NACH DEUTSCHLAND, UND VOR DEM GIG IN HAMBURG NAHMEN SICH WAYNE HUSSEY UND SIMON HINKLER NOCH ZEIT FÜR EIN AUSFÜHRLICHES „TERROR-GESPRÄCH“. DARAUF HÄTTEN VIELE FANS JA GAR NICHT MEHR ZU HOFFEN GEWAGT: THE MISSION SIND NACH VIELEN BESETZUNGSWECHSELN UND OFFIZIELLER AUFLÖSUNG NUN BEINAHE IN ORIGINALBESETZUNG MIT EINEM NEUEN ALBUM WIEDER AUF TOURNEE. WIE KAM ES DAZU? Simon: Tja, also, angefangen hat das alles 2008 … Wayne (lacht): … mit diesen Abschiedskonzerten … Simon: … und dann kam irgendwie die Idee auf: Sollten wir zum [25-jährigen] Bandjubiläum nicht vielleicht die Originalbesetzung zusammentrommeln? Wayne: Dass es dann tatsächlich so geklappt hat, haben wir unserem Manager zu verdanken, George Allen. Der fragte mich nämlich irgendwann genau das. Meine Reaktion war erst mal ziemlich verhalten. Aber dann ging George zu Simon und Craig und hat denen erzählt: „Wayne will das gerne machen.“ Woraufhin dann die beiden sagten: „Tja, also, wenn das so ist, dann überlegen wir uns das natürlich auch.“ Nur Mick wollte nichts davon hören, aus welchen Gründen auch immer, aber er sagte, wir hätten seinen Segen. Simon: Eigentlich sollten es dann nur ein paar Konzerte sein, aber wir hatten dann so viel Spaß zusammen, dass wir uns überlegten, es wäre doch Quatsch, jetzt aufzuhören. Wayne: Und heutzutage sind wir ja auch nicht mehr ewig auf Tournee unterwegs. Wir geben ja nur eine Handvoll Livekonzerte, und dann folgt wieder eine lange Pause. Wenn wir wie früher sechs oder acht Wochen am Stück unterwegs sein würden, dann wäre es gefährlicher. WIE IST DENN HEUTE DIE CHEMIE IN DER BAND? HAT SICH DURCH EUREN NEUEN SCHLAGZEUGER MIKE KELLY VIEL VERÄNDERT? Wayne: Mike ist ein toller Typ, und er bringt sehr viel frischen Wind mit. Er ist Mitte dreißig, also sehr viel jünger als wir anderen, und dadurch haben The Mission heute eine Vitalität, die sonst vielleicht nicht da wäre. Wobei, das liegt vielleicht auch daran, dass heute viel weniger Drogen im Spiel sind, viel weniger Alkohol und auch viel weniger anderer Blödsinn. Ich würde sagen, es gibt schon eine gewisse Nähe zwischen uns. Nicht mehr ganz so wie damals, aber das wird auch nie wieder so sein – damals haben wir ja praktisch in den Taschen der anderen gelebt. Simon: Das war wie eine Ehe zu viert. Wayne: Eben, sag ich ja. [Augenzwinkernd:] Und wir haben alles geteilt. AH, RICHTIG, GUTES STICHWORT. WAYNES FRAU BEZEICHNETE „THE BRIGHTEST LIGHT“ ALS SEIN „TESTOSTERON-ALBUM“. WIE SEHT IHR DAS? Wayne: Ja, das war ihr Kommentar, als ich ihr die Songs zum ersten Mal vorgespielt habe. Ich finde das super, weil ich ja sonst nicht so der Testosteron-Typ bin. (lacht) – Also, ich wollte vor allem eine Rockplatte machen, auch deshalb, weil ich zu der Zeit viel Blues, viel Dylan und viel Stones gehört habe, und es sollte ein Album werden, das in eine ähnliche Richtung geht. DAHER ALSO AUCH DIE STÄRKERE RIFF-ORIENTIERUNG? Simon: Ja, hat sich einfach so entwickelt, und wir waren damit auch sehr zufrieden. Wayne: Ganz am Anfang haben die anderen mir gesagt, dass sie gern richtige Demos von den neuen Songs bekommen würden, nur Akustikgitarre und Gesang, und auf dieser Basis konnten wir mit einer ganz anderen Farbpalette arbeiten als sonst. Früher diente mir immer eine Drum Machine oder eine Basslinie als Ausgangspunkt. Dass das dieses Mal völlig anders war, empfand ich das als großen Luxus, als Befreiung. Es hat meine kreativen Schleusen total geöffnet – in drei oder vier Monaten habe ich 24 oder 26 Songs geschrieben. WIE ENTSTAND DENN „THE GIRL WITH THE FUR SKIN RUG“? DIESER TITEL VERWEIST JA NICHT NUR MUSIKALISCH AUF DIE SECHZIGER, SONDERN AUCH IM TEXT? Wayne: Och, ich habe einfach bloß ein bisschen herumgeklampft, nebenbei lief der Fernseher, und dann entwickelte sich diese Akkordfolge. DA STECKT EIN BISSCHEN VON „DEAR PRUDENCE“ DRIN, ODER? Wayne: Echt? Ist mir bisher gar nicht aufgefallen. Simon [summt die Melodie]: Doch ja, das ist auch so eine absteigende Harmonie … Wayne: Sowas haben wir früher aber auch schon benutzt. Was den Text angeht, ich habe viele Biografien und Bücher über die Sechziger gelesen, vielleicht gab das den Ausschlag. Aus einer Zeile ergibt sich dann die nächste. ES WAR JEDENFALLS EINE SCHÖNE IDEE, DIE ZEILE MIT „BUTTERFLY ON A WHEEL“ WIEDER AUFZUNEHMEN UND DEN VERWEIS AUF MARIANNE FAITHFULL ZU VERDEUTLICHEN. („WHO BREAKS A BUTTERFLY ON A WHEEL“ LAUTETE DIE ÜBERSCHRIFT EINES ZEITUNGSKOMMENTARS AUS DEM JAHR 1967 ÜBER EINE DROGENRAZZIA BEI DEN ROLLING STONES, BEI DER MARIANNE FAITHFULL NUR MIT EINEM HIRTENTEPPICH BEKLEIDET ANGETROFFEN WORDEN WAR.) Wayne: Ja, aus diesem Times-Artikel hatte ich damals schon den Titel zu „Butterfly On A Wheel“ entlehnt. Ein paar Fans haben sich schon beschwert, von wegen, ihm fällt wohl nichts mehr ein, jetzt wärmt er seine alten Textzeilen wieder auf. Aber denen kann ich nur sagen: Ihr habt einfach eure Hausaufgaben in Rockgeschichte nicht gemacht, ihr Ignoranten! WELCHE BIOGRAFIEN HAST DU DENN KÜRZLICH GELESEN? Wayne: Gerade bin ich mit dem Buch durch, das der Geliebte von Freddie Mercury über dessen letzte Jahre geschrieben hat. – Hey, ich habe Queen 1975 gesehen, kurz, nachdem „Bohemian Rhapsody“ erschien, und das ist mir bis heute als eines der tollsten Konzerte in Erinnerung, die ich je erlebt habe. Später hat ich mich die Band dann nicht mehr so umgehauen, aber die ersten Alben sind phantastisch; „Killer Queen“ ist ein großartiger Song … – Aber Bücher, warte mal … ich habe auch einiges über die Nazizeit gelesen und über Hitler. Ich lese sehr viel. HAST DU SCHON MAL DRÜBER NACHGEDACHT, DEINE AUTOBIOGRAFIE ZU SCHREIBEN? Wayne: Nachgedacht, klar. Ich habe auch schon ein paar Sachen aufgeschrieben, aber wann da wirklich mal was draus wird, das weiß ich nicht. Allerdings ich habe trotzdem gerade mein erstes Buch rausgebracht. JA, ICH HABE ES VORHIN AM MERCHANDISE-STAND GESEHEN: „AND AS THE SKY IS TOUCHED BY THE FIRST SIGH OF MORNING LIGHT“, EINE GESAMTAUSGABE DEINER TEXTE, SEHR EDEL GEBUNDEN UND AUCH SCHÖN ILLUSTRIERT. Wayne: Ich bin sehr stolz drauf, das muss ich schon sagen. Das war ein schweres Stück Arbeit. Die Illustrationen stammen von Xander Hook-Hultgren, mit dem wir gut befreundet sind, und meine Frau hat das Layout gemacht. DU LEBST NUN SCHON SEIT VIELEN JAHREN IN BRASILIEN – WELCHES LAND WÜRDEST DU HEUTE ALS DEINE HEIMAT BEZEICHNEN? Wayne: Brasilien. Ich meine, seit ich in jungen Jahren bei meinen Eltern ausgezogen bin, habe ich ja an allen möglichen Orten gelebt, unter anderem auch in Kalifornien, aber da hat es mir nicht gefallen. Es ist zwar ein Klischee, aber die Gesellschaft dort ist wirklich sehr materialistisch, und ich hatte den Eindruck, dass die Leute sehr oberflächlich sind. Aber andere fühlen sich dort ja sehr wohl – mein guter alter Freund Gary Numan ist gerade letztes Jahr mit Frau und Kindern dorthin gezogen, und dem gefällt es super. GARY HAT KÜRZLICH AUCH EIN TOLLES NEUES ALBUM VERÖFFENTLICHT. Wayne: Ja, das ist großartig! Vor allem einen Song, „Lost“, finde ich wunderschön. Meiner Meinung nach singt er diesmal besser als je zuvor. Mir gefällt auch die neue Platte von der New Model Army. WO DU DIE GERADE ERWÄHNST: ALS ICH LAS, DASS IHR IN ENGLAND KÜRZLICH WIEDER MIT FIELDS OF THE NEPHILIM AUF TOUR WART, HABE ICH MICH GEFRAGT, OB EINE BAND WIE DIE NEW MODEL ARMY NICHT VIEL BESSER ZU EUCH PASSEN WÜRDE. IHR WERDET ZWAR AUFGRUND EURER VERBINDUNG ZU DEN SISTERS OF MERCY GERNE ZU DEN GOTHS GERECHNET, ABER MIT DEN FIELDS HABT IHR DOCH MUSIKALISCH NUR SEHR WENIG GEMEINSAM? Wayne: Es funktioniert wahrscheinlich, gerade weil wir uns nicht so ähnlich anhören. Wir kommen mit den Fields gut zurecht, menschlich sind die sehr in Ordnung. Persönlich mag ich ihre Musik nicht so sehr, aber wahrscheinlich würden sie über unsere dasselbe sagen, von daher geht das in Ordnung. Wir haben aber tatsächlich schon mal über eine Europa-Tour mit der New Model Army nachgedacht. Konkrete Pläne gibt es noch nicht, aber das wäre echt mal schön. IHR HABT DAS NEUE ALBUM WIEDER EINMAL MIT DAVE ALLEN EINGESPIELT… Wayne: Ja, wir kennen uns schon ewig. Mit Dave habe ich vor dreißig Jahren schon gearbeitet, also schon länger als mit Craig. ABER TROTZDEM HAT DIESES ALBUM EINEN GANZ ANDEREN SOUND, VERGLICHEN MIT EUREN FRÜHEREN PLATTEN. WIE KAM DAS? Wayne: Das hatten wir uns vorab so überlegt. Es sollte eine ruppige, schlichte Platte werden mit ganz wenig Overdubs, und Dave verstand genau, was wir wollten. Er kann sehr gut organisieren und versteht es immer, das Beste aus uns rauszuholen. Eigentlich war es gar keine Frage, dass er die Platte betreuen sollte. Es wurden kurz auch mal andere Namen gehandelt, aber wir haben alle gesagt, nee, bei Dave wissen wir, woran wir sind. Wir mögen ihn wahnsinnig gern. Er ist eine stete Quelle für Spaß und Inspiration. FÜR SPASS? IN WELCHER HINSICHT? Wayne: Er ist einfach ein sehr lustiger Typ. Manche Leute können sich ja nicht vorstellen, dass wir richtig viel Spaß im Studio haben, aber das ist so. Klar gibt es auch mal Stress, aber wenn, dann nur wegen technischem Kleinkram. Aber nie innerhalb der Band. SO SCHWER ZU GLAUBEN IST DAS NUN AUCH WIEDER NICHT, SCHLIESSLICH HAT DIE PLATTE AN SICH JA AUCH SCHON SEHR VIEL HUMOR. Wayne: In meinen Texten war das schon immer so, aber das wird ja gern mal übersehen. Dieses Mal habe ich einfach ein bisschen dicker aufgetragen. ES ZEUGT AUCH VON MUT, ANGESICHTS DES JUGENDWAHNS IN DER ROCKMUSIK GLEICH AM ANFANG EINE ZEILE WIE „WHEN YOU REACH MY AGE, THE CANDLES COST MORE THAN THE CAKE“ ZU PRÄSENTIEREN. Wayne: Ich fand die einfach nur lustig. Simon: Und wenn man mal zurückblickt – Leute wie Frank Sinatra haben auch im Alter noch Musik gemacht, und die Rolling Stones spielen ja heute auch noch. Das ist längst ganz normal. ABER DIE WENIGSTEN LEUTE SPRECHEN DAS SO AUS. Wayne: Ja, das stimmt wohl. Rock’n’Roll steht in dem Ruf, was für junge Leute zu sein, aber das ist Blödsinn. Meiner Meinung nach kommt der beste Rock von älteren Leuten. Ich persönlich würde sagen, es ist eine sehr reife und erwachsene Platte. REIF BESTIMMT, ABER NICHT ERWACHSEN. Wayne [lacht]: Danke für die Richtigstellung! ERWACHSEN KLINGT SO VERNÜNFTIG UND SPASSBEFREIT. Wayne: Stimmt schon. Simon: Wie heißt es so schön, man wird älter, aber nicht erwachsen. EINES IST NATÜRLICH WAHR, AUF DEM NEUEN ALBUM GEHT ES OFT UM TOD. ZEILEN WIE „NO FEAR OF DEATH BUT OF DYING“ ODER DIE SZENERIE VON „AIN’T NO PRAYER IN THE BIBLE“ HABEN ABER NICHTS VON GOTHIC-ROMANTIK, SONDERN EINEN ALARMIEREND UNGESCHMINKTEN, REALEN TOUCH. WORAN LIEGT DAS? Wayne: Ich habe sehr viele alte Blues-Platten gehört, und die setzen sich oft auf sehr humorige Weise mit dem Tod auseinander. Aber wir haben dieses Thema nicht bewusst gewählt. Wenn man älter wird, dann wird man sich der eigenen Sterblichkeit einfach mehr bewusst, das ist ganz natürlich. Ich meine, wir können heute eben nicht mehr dieselben Sachen machen wie mit zwanzig. Altwerden ist ätzend, aber das kommt auf Jeden zu. Jedenfalls, wenn man Glück hat. KLAR, ALTWERDEN KANN MAN NUR VERMEIDEN, WENN MAN JUNG STIRBT … Simon: Was die Karriere vieler Leute entscheidend beflügelt hat. Wayne: Ja, siehe Joy Division. Ich bin mit meinen früheren Bands in Liverpool ziemlich oft zusammen mit Joy Division aufgetreten. Die waren damals eine großartige Band, gar keine Frage, und „Closer“ ist eine absolut phantastische Platte. Aber ihr Kultstatus hat eine ganze Menge mit Ians Tod zu tun, und damit, wie er gestorben ist. Wenn es nicht er, sondern Ian McCulloch gewesen wäre, dann würden wir heute so über die Bunnymen reden, oder, wenn es Julian Cope gewesen wäre, über Teardrop Explodes. Es ist schon beachtlich, welche Industrie sich rund um Joy Division entwickelt hat. In Brasilien sieht man dauernd junge Leute mit dem Design des ersten Joy-Division-Covers auf den T-Shirts rumlaufen. Die haben keine Ahnung, was sie da tragen; diese T-Shirts gibt’s in jedem Supermarkt. Das ist genau wie bei den Ramones. WIE DENKEN DENN EURE KINDER ÜBER EURE MUSIK? Wayne: Keine Ahnung, ich habe zu meinen nur wenig Kontakt … (an Simon gewandt:) Dein Sohn hat gerade sein erstes Musikstück komponiert, oder? Simon: Ja, in der Schule, und er war sehr stolz drauf. Wayne: Er hat es mir vorgespielt, mit einer Melodie und einer zweiten, gegenläufigen, die später einsetzt. Er hatte die Grundlagen für den theoretischen Aufbau absolut drauf. Und das mit – wie alt ist er? Elf? Simon: Zwölf. Wayne: Muss man sich mal vorstellen. Ich habe Jahre gebraucht, bis ich die Theorie kapiert hatte! SPIELT DIESER ASPEKT VON MUSIK FÜR EUCH EINE ROLLE? Wayne: Nein, überhaupt nicht. Wir sind alle technisch nicht so versiert. Als ich anfing Gitarre zu spielen, wusste ich nicht, wie man Akkorde greift, und weil ich die Songs anderer Leute nicht spielen konnte, habe ich eben eigene geschrieben. Es gibt ja Kids, die sich mit einer Platte hinsetzen und genau jede Note eines Songs herausarbeiten können. Sowas ist liegt mir nicht. Ich denke, entweder entwickelt man seinen eigenen, einzigartigen Stil, oder man orientiert sich an seinen Helden. Es ist mit Sicherheit auch ein Riesentalent, wenn man das kann – aber es kann einem auch im Weg stehen, wenn man etwas Eigenes erschaffen soll. Unser aktueller Support – Eklipse – ist eine tolle Band, vier junge Frauen, die Cello und Geige spielen und tolle Sachen machen. Wir hatten überlegt, zusammen „Like A Child Again“ auf der Bühne spielen, und ich schickte ihnen den Song. Sie fragten daraufhin: „Hast du dazu auch die Noten? So von der Platte können wir uns das gar nicht recht erschließen.“ Aber so haben sie die Musik nun einmal gelernt. Simon: Ist manchmal komisch, dass Leute, die wirklich gut spielen, völlig hilflos sind, wenn man ihnen die Noten wegnimmt. Bei uns ist es genau umgekehrt. DIE MEISTEN BANDS SPIELEN WAHRSCHEINLICH EHER NACH GEHÖR. Wayne: Simon ist darin sogar sehr gut. Wenn wir einen Song covern wollen, dann geh ich immer zu ihm und sage, finde doch mal raus, wie der geht. Er weiß genau, wie die Struktur funktioniert, die Akkordwechsel und all das. Das kann er großartig. Simon: Danke, Wayne! Wayne: Gerne doch! – Na ja, bei einem alten Bluessong kriege ich das auch selbst raus. WOHER KOMMT EIGENTLICH DIESES INTERESSE AM BLUES? Wayne: In letzten fünf oder sechs Jahren habe ich mich zunehmend für alte Sachen interessiert, weil es nicht so viele aktuelle Songs gab, die mich richtig begeistert hätten. Die Stones mochte ich schon immer, auch die Beatles oder Bob Dylan. – Dylan habe ich kürzlich in Sao Paulo auch live gesehen und war total fasziniert. Für mich war es das beste Konzert seit Jahren. Meine Frau war mitgekommen und fand es total grässlich: Der kann doch überhaupt nicht singen, dieser Typ! Gut, es gibt auch neue Sachen, die mir gefallen, eben wie die New Model Army oder Garys neue Platte, aber das sind ja auch wieder Künstler, die schon lange im Geschäft sind. Da ist allerdings auch eine neue Band aus Kalifornien, die mir gefällt, Tamarin, oder die Smoke Fairies oder The XX. Vieles, was in letzter Zeit aufgenommen wurde, klingt für mich allerdings ziemlich gesichtslos. Der Sound ist überall derselbe – das liegt meiner Meinung nach ganz stark daran, dass überall mit ProTools gearbeitet wird. WIE DENKT IHR ÜBER DEN RETRO-TREND UND NOSTALGIE? IN „THE GIRL WITH THE FUR SKIN RUG“ HEISST ES JA: „NOSTALGIA SELLS …“ Wayne: Ich habe ein paar Seitenhiebe dieser Art auf der Platte untergebracht. Mich frustriert es manchmal, dass die Leute, die zu den Gigs kommen, nur die alten Sachen hören wollen und sich nicht für das neue Material interessieren. Das ist in England noch heftiger als hier. Aber was soll’s, wir spielen natürlich trotzdem neue Songs, da müssen die Fans durch. Mir fällt dazu immer eine Story ein, die mir John Paul Jones mal erzählt hat: Als Led Zeppelin zum ersten Mal „Stairway To Heaven“ live spielten, wollte das Publikum den Song nicht hören, sondern hat lautstark nach „Immigrant Song“ und „Whole Lotta Love“ verlangt! So ist es eben. Wenn wir die nächste Platte auf Tour präsentieren werden, schreien die Leute wahrscheinlich nach „Black Cat Bone“ oder „Everything But The Squeal“. Simon: „Swan Song“ wird im Laufe der Zeit garantiert ein Klassiker werden. Wayne: Ja, der mausert sich jetzt schon zu einem Publikumsliebling. Jedenfalls spielen wir meistens fünf, sechs Songs von der neuen Platte. Aber natürlich auch die bekannten Sachen: Ohne „Deliverance“ oder „Butterfly On A Wheel“ geht es nun mal nicht. The Mission im Terror-Gespräch

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