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MUFF POTTER (BRAMI/NAGEL)

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KURZ VOR IHREM AUFTRITT AUF DEM DIESJÄHRIGEN KRACH AM BACH IN BEELEN HATTEN BRAMI UND NAGEL SICH ZEIT FÜR EIN INTERVIEW GENOMMEN. HINTER UNS DIE BÜHNE, VOR UNS EINE ZIEGENHERDE, IM RÜCKEN DER SONNENUNTERGANG. EINE HERRLICHE ATMOSPHÄRE FÜR EIN INTERVIEW. DANKE ERSTMAL, DASS IHR EUCH VOR DEM AUFTRITT DIE ZEIT FÜR EIN INTERVIEW NEHMT. N: Kein Problem. WIE KAM ES EIGENTLICH ZUM NAMEN MUFF POTTER? N: Ich bin schon als kleiner Junge großer Tom Sawyer Fan gewesen. Wenn nachmittags im Kinderprogramm die Folgen liefen, haben wir die immer nachgespielt. Ich war damals immer Huckleberry Fynn, weil ich den cooler fand. Ich hatte damals schon einen guten Geschmack. Ich habe dann mit Brami vorher in einer Deutschpunk Band gespielt und mir immer gesagt, dass wenn ich mal eine andere Band haben werde, sie MUFF POTTER heißen soll. Na ja und ich bin eigentlich ziemlich zufrieden mit dem Namen. Ich habe halt die Band mit 16 gegründet, und da ist es ja schon so, dass man sich öfters mal peinliche Namen aussucht. Aber MUFF POTTER ist ein Name, den ich noch 13 Jahre später gut finde, er klingt gut, er nimmt nicht zuviel vorweg, es ist kein bedeutungsschwangerer Klischeename, der sofort in eine Richtung drängt, und es ist ein Name zu dem man was erzählen kann. Man liest den Namen und vielleicht nimmt der ein oder andere mal wieder ein Mark Twain Buch in die Hand. Na ja und dann stolpert man halt über einen betrunkenen Typen, der fälschlicherweise des Mordes beschuldigt wird. Viele wissen gar nicht, woher der Name kommt, obwohl es ja Weltliteratur ist. Auch wenn er nur eine Nebenrolle hat, ist Muff Potter schon ein Spitzentyp. ER IST SO DER LIEBESWERTE AUSSENSEITER, AUCH WENN ER ZIEMLICH DÜSTER WIRKT. N: Ja er sitzt halt so am Fluss und ist da. So wie der Alm-Öhi bei Heidi. So wollten wir uns dann aber nicht nennen. Im Ausland können sie das nicht aussprechen. IHR HABT ABER AUCH SO RELATIV VIEL BEZUG AUF LITERATUR IN EUREN TEXTEN. N: Na ja, kann man so eigentlich nicht sagen, bei Mark Twain kenne ich eigentlich auch nur die Verfilmungen. Andererseits ist Literatur in den letzten Jahren auch wesentlich wichtiger geworden. Die Texte haben schon mehr literarische Einflüsse, aber als Literatenband würde ich uns jetzt nicht bezeichnen. GERADE CHARLES BUKOWSKI, MIT SEINER “MÄNNER KÖNNEN IHRE GEFÜHLE NICHT ZEIGEN” THESE KOMMT JA SCHON HÄUFIGER BEI EUCH VOR. N: Ja schon, aber das hatte jetzt keinen literarischen Bezug. Es kommt halt in den Texten alles vor, was einen beeinflusst. Also bei mir ist es so, dass ich aus einem Elternhaus komme, in dem überhaupt nicht gelesen wurde. Ich habe zwar Abitur gemacht, aber das war auch eher zufällig. Ich war auch kein guter Schüler, habe nie gelernt oder studiert, wenn man es genau betrachtet bin ich relativ ungebildet. Obwohl ich auch im Deutsch Leistungskurs war, habe ich nie wirklich Bücher gelesen. Erst so mit Anfang Zwanzig ging das los. Erst so kurzweilige, trashige Sachen wie Charles Bukowski, den ich übrigens immer noch sehr mag. So richtig viel gelesen habe ich erst mit Mitte Zwanzig. Erst da habe ich mich damit richtig beschäftigt. Meine Eltern besitzen kein einziges Buch, sehr traurig. SOLL’S ÖFTERS GEBEN. N: Obwohl Konsalik glaube ich. Gerade wenn man Texte schreibt, kann ich es mir nicht mehr vorstellen, wie man existiert, wenn man nicht liest. Den Leuten fehlt eine komplette Welt, die sie sich im Kopf aufbauen. Ich kann es mir auch nicht mehr vorstellen, wie es ist zu texten, ohne zu lesen. Schon allein die sprachliche Ebene ist mir durchs lesen richtig bewusst geworden. WIE WICHTIG SIND BÜCHER AUF EINER TOUR? ICH HATTE MICH LETZTENS MIT BILL VON SILVERSTEIN DARÜBER UNTERHALTEN, DASS ER SICH OHNE BÜCHER AUF EINER TOUR TOTLANGWEILEN WÜRDE. N: Man verbringt zwar auf einer Tour sehr viel Zeit mit Warten, aber ich habe nie die Ruhe dann zu lesen. B: Ich sehe das so, dass man immer ein paar Seiten braucht, um sich in ein Buch einzulesen. Bei uns ist es so, wir sind eine sehr laute Band, da wird herum geschrien oder krakeelt, einem ist die Musik zu laut oder zu leise, dann muss einer rauchen oder furzt rum und alle lachen. Wir sind auf Tour sehr pubertär, so eine Klassenfahrt halt. Da findet man nicht die Ruhe zu lesen. N: Ich ärgere mich jede Tour darüber, dass ich so viele Zeit habe, aber es nicht schaffe zu lesen. UND STATT ZU LESEN MAL EIN HÖRBUCH HÖREN? N: Ich glaube das könnte mir gefallen, so auf längeren Autofahrten oder mal zum Einschlafen. B: Ich verstehe das Prinzip Hörbuch nicht. Bei einem Buch muss man doch manchmal das Buch weglegen und einen Satz mehrmals lesen. Bei Hörbüchern kannst du doch nicht die ganze Zeit hin und herspulen. N: Es ist ja kein Ersatz für ein richtiges Buch. Ich glaube Hörbücher wurden erfunden, damit man etwas zum Verschenken am Geburtstag hat. Wir haben im Bus einen DVD-Player, aber wir schaffen es nur ganz selten mal einen Film zu schauen. Da kannst du es dir ausrechnen, wie es mit anderen Medien ist. WAS LEST IHR DENN MOMENTAN? B: Ich habe angefangen, die Krimis von Henning Mankell zu lesen, die hat man schnell durch, sind aber ziemlich interessant und unterhaltsam. N: Ich habe Kapuschinski für mich entdeckt. Der kommt aus Polen und schreibt Reisetagebücher aus der Dritten Welt und dem Ostblock. Es sind nicht nur Reisetagebücher, es sind richtige Geschichten, weil er auch einen sehr guten Stil hat. Auf den bin ich gekommen, weil ich ein Buch von Henry Rollins gelesen habe, in dem er von dem Typen geschwärmt hat. Es ist ja schon so, dass man von einem Buch auf das nächste gebracht wird. Ich habe jetzt viele Bücher gelesen, in denen Bezug auf “Schuld und Sühne” genommen wird und ich das dann wohl demnächst mal lesen werde. Ich habe da eine ganz unbedarfte Herangehensweise an die Sachen. Meist ergibt das eine Buch das andere. Aber ich kann auch nicht immer nur in eine Richtung lesen. Es kann schon vorkommen, dass einem Buch von Satre die MÖTLEY CRÜE Biographie folgt. Manchmal wenn ich Inspirationen für Texte suche, stelle ich fest, dass ich Bücher konsumiere, wie essen und schlafen. Vieles was in dem Buch vorkam, habe ich schnell wieder vergessen, und nur die ganz wichtigen Stellen habe ich mir dann herausgenommen. Das hat mit Genuss dann nichts mehr zu tun. Gerade jetzt, wo wir neue Texte schreiben, stelle ich immer wieder fest, dass ich den Geschichten nicht wirklich folgen kann, weil ich nur herausfiltere, was man für Songs benutzen kann. ICH BIN IN LETZTER ZEIT ÖFTERS AUF “THE DIRT” (DIE MÖTLEY CRÜE GESCHICHTE) ANGESPROCHEN WORDEN. N: Das kann ich auch verstehen, es ist halt ein extremes Buch. Es beeindruckt schon, wie beschissen man als Mensch sein kann. Es ist schon fast eine Studie über das Arschlochsein. Ich lese aber auch diesen Bandkram gerne. HAST DU MAL DARÜBER NACHGEDACHT, SELBER EIN BUCH ZU SCHREIBEN? N: Ich habe eins fertig geschrieben. Momentan suche ich halt noch einen Verlag. Es muss zwar noch eine Menge gemacht werden, aber eigentlich ist es fertig. Irgendwann hoffe ich, dass das Buch auf dem Markt erscheint. EIN BUCH ÜBER EURE TOUREN? N: Ja, aber auch Geschichten über Orte und Menschen, denen wir begegnet sind. Es geht halt so über ein normales Tourtagebuch hinaus. NA DANN HOFFE ICH, DASS ES NICHT MEHR LANGE DAUERT, BIS ES ERSCHEINT.

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