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NEW GENERATION SUPERSTARS (AJ)

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„ROCK’N’ROLL FOREVER“, SCHREIBT AJ, DER SÄNGER DER NEW GENERATION SUPERSTARS, GEWÖHNLICH AUF AUTOGRAMME, BRIEFE UND PRESSEPÄCKCHEN. UND „ROCK’N’ROLL FOREVER“ IST AUCH DAS GELEBTE MOTTO DER BAND, DIE SICH VOR 14 JAHREN IM ENGLISCHEN NOTTINGHAM GEGRÜNDET HAT. WAS EINMAL ALS VERNEIGUNG VOR PUNK UND TRADITIONAL ROCK BEGANN, HAT SICH INZWISCHEN ZU EINEM PROJEKT ENTWICKELT, DAS DEUTLICH MEHR IN RICHTUNG METAL UND SLEAZE ROCK GEHT UND SICH VOR ALLEM EINS AUF DIE FAHNE GESCHRIEBEN HAT: ES HART UND DRUCKVOLL KRACHEN ZU LASSEN UND DABEI JEDE MENGE SPASS HABEN. NACHZUHÖREN IST DAS AUF BISHER DREI ALBEN: „CRASH COURSE“, „RASING THE STAKES“ UND DEM IM LETZTEN JAHR VERÖFFENTLICHTEN „ROCK’N’ROLL OR DIE“.

BEIM TRASHFEST IN HELSINKI KONNTEN DIE VIER BRITEN IN DEN LETZTEN JAHREN JEDENFALLS IMMER ÜBERZEUGEN, UND FÜR DIESEN SOMMER SIND AUCH GIGS IN DEUTSCHLAND GEPLANT – GRUND GENUG, DIE NEW GENERATION SUPERSTARS HIERZULANDE EINMAL AUSFÜHRLICHER VORZUSTELLEN. UND SO HAT SÄNGER AARON JAMES FÜR HEUTE ABEND ZUM SKYPE-CHAT GELADEN. ERST EINMAL GIBT ES DABEI EINE KLEINE LAPTOP-KAMERAFAHRT DURCH DIE KÜCHE UND DURCHS GANZE HAUS: DIE SUPERSTARS DER NEUEN GENERATION HABEN JEDENFALLS KEINE STARALLÜREN. NACH EIN BISSCHEN SMALLTALK UND DEM RÜCKBLICK AUFS LETZTE TRASHFEST, BEI DEM WIR SCHON AUSFÜHRLICH INS GESPRÄCH GEKOMMEN WAREN, DANN ERST EINMAL DIE OFFENSICHTLICHE FRAGE …

… NACH EINEM KURZEN ÜBERBLICK ÜBER DIE BISHERIGEN GESCHICHTE DER SUPERSTARS. KANNST DU DEN TERRORVERLAG-LESERN KURZ EIN WENIG DAZU ERZÄHLEN? Gerne! Angefangen hat alles mit einer Band namens The Rockets, die klassischen Rock’n’Roll der Fünfziger mit Punk gemischt haben. Dann tat ich mich mit Chris (Reed, Schlagzeug) und Tony (Dazzle Rebel, Bass) zusammen, und kurz, bevor wir für unser erstes Album „Crash Course“ ins Studio gingen, stieß Davey (Messiah, Gitarre) zu uns. In der Formation haben wir dann auch die ersten beiden Alben eingespielt. Die erste Platte erschien 2007, und danach ging es auch ziemlich gut los für uns: Wir haben mit Bands wie den L.A. Guns, Love/Hate und Vain gespielt und sogar ein bisschen Geld verdient. Dann kam das zweite Album, wir waren zum ersten Mal in Finnland, haben Shows mit den Supersuckers und mit Duff McKagan gegeben und uns ganz allgemein den Arsch abgespielt. Nebenbei haben wir natürlich auch noch alle irgendwas gearbeitet… das war eine Weile schon ganz schön hektisch. Vor zweieinhalb Jahren dann hat sich eine Menge verändert, zum Guten wie zum Schlechten. Tony stieg aus, weil sein Sohn sehr krank war und er ganz für ihn da sein wollte, und Chris ging zu Steve Steinman’s Vampire Rocks Tour – das ist eine Art Revue, die Coverversionen von Rocksongs spielt. Die hatten auch bei mir angefragt, und eigentlich war es ein Superangebot; das Ding ist ein Riesenerfolg. Aber ich wollte nicht die Songs anderer Leute spielen, sondern meine eigenen. Ich hatte damals schon einen ganzen Stapel Songs geschrieben und richtig viel in die neuen Aufnahmen der letzten Platte investiert, das wollte ich nicht aufgeben. Chris und ich sind immer noch in Kontakt, ich konnte gut verstehen, dass er sich so entschieden hatte. Aber so mussten wir erst mal Ersatz suchen: Für Chris kam Lexxi Kaine am Schlagzeug, und den Bass übernahm mein kleiner Bruder Rik. Zusammen haben wir vier Monate an den neuen Songs gearbeitet und waren dann noch mal sechs Monate im Studio. Diesmal haben wir richtig Geld und Zeit in die Produktion gesteckt. Aber das hat sich für uns auch ausgezahlt. UND JETZT GAB ES GERADE WIEDER EINEN BESETZUNGSWECHSEL? Ja, Rik hat uns wieder verlassen, weil er einfach noch zu viele andere Dinge am Laufen hat. In den nächsten Tagen erscheint von ihm beispielsweise eine Benefiz-Single zugunsten der Krebsforschung. Ziemlich gutes Ding übrigens. Wir wünschen ihm nur das Beste. Ein Nachfolger ist auch schon da – Jonny Ssuicide, ein alter Freund und ein richtig netter Typ. Den hatten wir vor drei Jahren auch schon mal gefragt, da hatte er leider keine Zeit. WIE HAT SICH DENN DAS NEUE LINE-UP AUF DEN SOUND DER BAND AUSGEWIRKT? Ich denke, wir haben uns ein wenig von der Ungeschliffenheit des Punk wegbewegt, aber das ging schon in Ordnung, weil Davey, unser Gitarrist, sowieso von Anfang an eher auf Glam stand, auf Leute wie Slash, und auf die Stoner-Szene, auf Stone Temple Pilots und so. Ich liebe die Dead Boys und die New York Dolls – die Punks, die mehr am alten Rock’n’Roll orientiert waren und weniger auf Lärm und Rumbrüllen. ALSO EHER RAMONES ALS UK SUBS? Ja, genau, wobei ich mit Charlie Harper ziemlich gut befreundet bin. Als jedenfalls Rik und Lexxi kamen, die auch ein bisschen jünger sind, kam wesentlich mehr Metal als Punk ins Spiel. Wir klingen immer noch wie wir, nur kräftig revitalisiert. Wir planen jetzt erst mal, eine Akustik-EP aufzunehmen, um die Wartezeit bis zum nächsten Album etwas zu verkürzen, und es stehen auch ein oder zwei Videodrehs an. Bei uns tut sich also eine ganze Menge. Über unsere ganz neuen Songs hat Shelly, unsere Managerin, gesagt, wir sollen sie auf keinen Fall live spielen, weil die so gut sind … IST ES FÜR EUCH EIN PROBLEM, DASS NEUE SONGS, DIE MAN FRÜHER NOCH BEI GIGS AUSPROBIEREN KONNTE, HEUTE OFT SCHON GLEICH BEI YOUTUBE STEHEN, AUCH WENN DIE SONGS VIELLEICHT NOCH GAR NICHT IHRE ENDGÜLTIGE FORM GEFUNDEN HABEN? Wir haben schon immer gern Sachen bei den Konzerten ausprobiert – bevor man im Studio viel Zeit und Geld auf einen Song verwendet, ist es schon gut, wenn man den vorher mal auf Tauglichkeit gecheckt hat. Unsere Managerin hat wahrscheinlich recht mit ihrer Skepsis, auch wenn ich das tendenziell anders sehe. Ich höre immer gern die Meinung der Fans. ES IST NATÜRLICH EINERSEITS EINE GROSSARTIGE SACHE, DASS EIN SOLCHER AUSTAUSCH ZWISCHEN BAND UND FANS STATTFINDET, ANDERERSEITS NIMMT ES NATÜRLICH AUCH VIEL VON DER SPANNUNG, MIT DER MAN EINEM NEUEN ALBUM ENTGEGENFIEBERT, ODER? Generell habe ich trotzdem kein Problem damit. Für mich sind diese Youtube-Aufnahmen eine großartige, kostenlose Promotion. Anzeigen im Web oder in Zeitschriften sind teuer, im Radio und Fernsehen findet unsere Musik nicht statt, für uns ist es großartig, dass es diese Form der Werbung gibt. Aber natürlich ist genau das das Problem. Als „Rock’n’Roll Or Die“ rauskam, kannten die Fans schon alle Songs – wir hatten sie ja schon eineinhalb Jahre lang gespielt. Aber man darf sich über all das nicht zu viele Gedanken machen. Die letzte Platte kann man jetzt schon überall im Internet kostenlos hören. Dagegen können wir nichts machen. Ich hoffe immer, dass sie den Leuten gefällt und sie dann eben zu unseren Konzerten kommen. WER HAT BEI EUCH DEN GRÖSSTEN KREATIVEN EINFLUSS? Den größten Teil des Songwriting übernehme wohl ich, ich bringe ein paar Riffs oder die Texte mit und kümmere mich um die Struktur. Trotzdem bin ich nicht der alleinige Songwriter, denn der Song ist ja dann noch nicht fertig. Ich sorge vielleicht für die Basis, aber dann bringen sich alle anderen ein. Und wenn jemand sonst eine Idee hat, einen Text oder andere Elemente, dann nehmen wir die als Ausgangspunkt. Wir würden gerne mehr Zeit im Studio auf sowas verwenden, aber meist haben die Tage leider nicht genug Stunden. AUF FACEBOOK HAST DU NEULICH EINEN GANZEN STAPEL CLIPS VON BILL HALEY UND CHUCK BERRY EINGESTELLT – WAS FASZINIERT DICH AN DIESER MUSIK? Ich liebe diese alten Sachen. Hauptsächlich, weil das mein Einstieg in die Rockmusik war. Meine Eltern standen total auf die Everly Brothers und Elvis. Der Bruder meiner Mutter ist ein großer Punk-Fan und liebt die Stranglers und die Sex Pistols, und der Bruder meines Vaters liebt den klassischen Hardrock, Black Sabbath, Deep Purple, Led Zeppelin und so. Ich war von daher immer schon ganz verschiedenen Einflüssen ausgesetzt. Aber am meisten fühle ich mich wohl dem Rock der Fünfziger verbunden, denn ohne den gäbe es letztlich keines der Rock-Genres, die wir heute kennen. Und da steckt eine wahnsinnige Energie drin. Wenn man sich die alten Fernsehaufnahmen ansieht, kann man das an den Gesichtern der Musiker ablesen. Little Richard zum Beispiel. Der hat diese Ausstrahlung, die sagt: Ich spiele meinen Rock’n’Roll, und mir ist scheißegal, was die Leute sagen. Das ist der Wahnsinn. Privat höre ich sowas viel, aber auch viel Country. Ich bin inzwischen in dem Alter, in dem ich mir erlaube, alles gut zu finden, was mir eben gefällt. Wenn man einen Song entdeckt, der funktioniert, dann ist es doch völlig egal, von dem der ist. Gutes Songwriting gibt es in allen Stilrichtungen. Ich war letztes Jahr bei einem Konzert von Lionel Richie, er hat zweieinhalb Stunden gespielt und mich echt umgehauen. Das war eins der besten Konzerte, bei denen ich je war. Eine Woche vorher war ich bei Mötley Crüe, und die waren auch ganz großartig, aber auf einer völlig anderen Ebene. Ich schätze gute Songs in allen möglichen Genres, aber wenn es darum geht, selbst Musik zu machen, dann muss es schon Rock sein, allein wegen der Energie. Wenn es nach mir ginge, würde ich wahrscheinlich wesentlich mehr old school klingen. Aber bin auch sehr stark beeinflusst von Social Distortion. AUF EUREM LETZTEN ALBUM GEHT ES JA OFT UM DEN BEGRIFF ROCK’N’ROLL UND AUCH UM DEN DES ROCKSTARS. WAS MACHT DENN DEINER MEINUNG NACH EINEN ECHTEN ROCKSTAR AUS? Ein Rockstar … das ist für mich jemand, der auf der Bühne steht und dafür sorgt, dass die Leute Spaß haben, der aber trotzdem zugänglich bleibt. Die Zeit der Rockstars, die dir nur vom Cover eines Hochglanzmagazins entgegengrinsen, ist vorbei. Gene Simmons kann vielleicht immer noch ein Rockstar sein, weil er bei der berühmtesten Rockband aller Zeiten spielt, der kann sich das leisten. Dafür kann er nicht einfach so auf die Straße gehen und einen Sack Kartoffeln kaufen. Aber er gehört zu einer aussterbenden Gattung; von denen gibt es nicht mehr viele. Ansonsten sind für mich Mötley Crüe der Inbegriff von Rock’n’Roll. Sie haben alles gemacht, was man sich so vorstellen kann und mehr – Hotelzimmer demoliert, Autos zu Schrott gefahren, das ganze Programm. Aber wenn man sich ansieht, was sie so auf Facebook, Twitter oder Instagram posten, dann sind Tommy und Nikki ganz normale Typen, die halt nur zufällig in einer der größten Rockbands spielen. Für mich war immer entscheidend, wie man sich bei seinen Konzerten gibt. Vielleicht klingt das komisch, aber … es gibt eine richtige Zeit und einen richtigen Ort für den klassischen Rockstar. Wenn man ein Interview gibt, dann möchte man natürlich schon cool wirken, aber doch sympathisch bleiben. Wenn wir mit NewGen live spielen, dann weiß ich, dass Leute im Publikum auch mit uns reden wollen, und ich nehme mir dafür immer Zeit. Denn schließlich haben sich die Leute auch die Zeit genommen, zu uns zu kommen und uns zuzuhören. Die Fans stehen immer an erster Stelle. Ohne sie könnten wir nicht mal so tun, als wären wir Rockstars. BEI „THE PRICE“, EINEM DER SONGS EURES LETZTEN ALBUMS, BESCHREIBST DU AM ANFANG EIN DURCHAUS BEKANNTES ROCKSTAR-SZENARIO: „SPEND MY LIFE WITH A SIX STRING, AND MY BEST FRIEND IS A BOTTLE OF WINE …“ WIEVIEL FAKT UND WIE VIEL FIKTION STECKT IN DEINEN TEXTEN? Ich würde sagen, fifty-fifty. Bei „The Price“ geht es tatsächlich um meine Familie, um meine zwei noch kleinen Kinder, die jedes Mal sehr traurig sind, wenn Daddy mal wieder wegfährt. Meine Frau und meine Kinder sind so verständnisvoll – wenn sie das nicht wären und wenn ich das hier nicht tun könnte, würde ich eingehen wie eine Primel ohne Wasser. Diesen Song habe ich allen Musikern und deren Freunden und Familien gewidmet, denn die sind es, die den Preis bezahlen müssen, während wir durch die Welt fahren, Musik machen können, Spaß haben. „The Price“ ist ein Song, der ganz und gar aus meinem Herzen kommt. Dieses Mal sind einige Songs dabei, die mir sehr aus der Seele sprechen. Zum Beispiel auch „Rock’n’Roll Or Die“: Mir hängen diese Reality-Shows und Casting-Shows total zum Hals raus. Gleichzeitig spielen sich wirklich gute Bands für einen Appel und ein Ei den Arsch ab und kriegen überhaupt keine Anerkennung. Denen wollte ich ein Denkmal setzen mit dem Song. IN „MY LIFE“ WIEDERUM GEHT ES DARUM, SICH SELBST TREU ZU BLEIBEN UND IMMER SEIN EIGENES DING ZU MACHEN. WIE SCHAFFT MAN DAS, WIRKLICH SO SELBSTBESTIMMT ZU LEBEN? Ganz ehrlich, manchmal weiß ich das selber nicht! Bei mir ist sicherlich von Vorteil, dass ich beruflich selbstständig bin und mir meine freien Tage einigermaßen selbst einteilen kann. Aber man braucht auch echt eine verständnisvolle Partnerin, die damit zurecht kommt, wenn man auf Tour geht und sich ein paar Tage eben nicht sieht. Die Botschaft von „My Life“ ist: Lass dich von niemandem fertig machen. Glaub an dich. Egal, ob du in einer Rockband spielst, ob du Gedichte schreibst oder ob du Schauspieler bist. Was auch immer du tust: Tu das, was dir wichtig ist.

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