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QNTAL (MICHAEL POPP)

ALS UNSERE KOLLEGIN KATARINA MAZURKIEWICZ ZUM INTERVIEW MIT DEM QNTAL MASTERMIND MICHAEL POPP FUHR, ERLEBTE SIE IN EINER HANNOVERANISCHEN STRASSENBAHN IHR BLAUES WUNDER. ZU IHRER ÜBERRASCHUNG WURDEN NÄMLICH ALLE FAHRGÄSTE AN BORD DER LINIE 4 VON DEM HÖFLICHEN FAHRER HERZLICHST BEGRÜSST, DAS DATUM UND DIE UHRZEIT ANGESAGT UND EINE GUTE REISE GEWÜNSCHT. DANN GING ES LOS RICHTUNG HERRENHÄUSER GÄRTEN, IN DEREN NÄHE SICH EINE DER ABGEFAHRENSTEN LOCATIONS DEUTSCHLANDS ÜBERHAUPT VERSTECKT – DAS BAD-MUSIKTHEATER, EIN TROCKENGELEGTES SCHWIMMBAD SAMT WIRTSCHAFTSGEBÄUDE, WELCHES EINE BAR, EINEN KLEINEN VERANSTALTUNGSSAAL UND DEN BACKSTAGEBEREICH BEHERBERGT. UND DORT, GANZ OBEN IM FLUR AUF EINEM SCHÄBIGEN SOFA, DURFTE SIE DEN EHEMALIGEN MUSIKALISCHEN WEGBEGLEITER VON ERNST HORN ÜBER DAS AUS GEMEINSAMEN ZEITEN STAMMENDE PROJEKT, DAS SICH AUCH OHNE DEN LAKAIEN MASTERMIND PRÄCHTIG ENTWICKELT HAT, BEFRAGEN. PROMPT WURDE IHR KLAR, DASS 25 MINUTEN MIT DEM BANDMITGLIED VON QNTAL GENAU SO INFORMATIV WIE EINE 90MINÜTIGE VORLESUNG ZUM THEMA “LITERATUR DES MITTELALTERS” SEIN KÖNNEN. QNTAL IST DAFÜR BEKANNT KONZEPTALBEN, ALSO QUASI ALBEN MIT LEITFADEN, HERAUSZUBRINGEN. BEI QNTAL III WAR ES Z.B. DIE GESCHICHTE VON TRISTAN UND ISOLDE UND DAS THEMA „LIEBE“. DIESMAL GIBT ES EINEN LEITFADEN NAMENS „OZYMANDIAS“. DAS IST ABER, SO WIE ICH ES VERSTANDEN HABE, NICHT DAS THEMA DES ALBUMS, SONDERN NUR DIE MESSAGE EINES GEDICHTS VON P.B. SHELLEY?! So ist es. In dem Gedicht reist ein englischer Adeliger im achtzehnten Jahrhundert durch die ägyptische Wüste und sieht dort ein halb-versunkenes Standbild von Ramses II. Eigentlich sieht er nur die Beinstümpfe der Statue. Das motiviert den Adeligen über die Vergänglichkeit von Macht, Größe und Glorie nachzudenken. Aber auch über die Idee, diese Dinge auszugraben, sie sozusagen wiederzubeleben… Die Melancholie, die darin steckt und das Wiederbeleben stellen gewiss eine Art Parallele zu QNTAL dar, weil wir genau das mit der Kultur vergangener Zeiten zu machen versuchen. Wir graben sie wieder aus und versuchen sie aufzuarbeiten und eben neu zu beleben. JA, ICH KANN MICH NOCH SEHR GUT AN DAS GEDICHT ERINNERN. ALS ICH ZUR SCHULE GING, WAR ES PFLICHT ES ZU LESEN. DANACH STELLTE DER LEHRER DIE VERHASSTE FRAGE: „WAS WOLLTE DER AUTOR DAMIT SAGEN?“. ICH GLAUBE MICH ERINNERN ZU KÖNNEN, DASS DIE AUSSAGE DES GEDICHTES ALS „ALLES IST VERGÄNGLICH“ ZU INTERPRETIEREN SEI. EIGENTLICH IST NICHT ALLES VERGÄNGLICH UND, WIE DU SELBST SAGST, QNTAL IST AUCH EIN GUTES BEISPIEL DAFÜR, DIE VERGESSENE SACHEN WIEDER AUFLEBEN ZU LASSEN. Ja, deswegen würde ich sagen, die Aussage des Gedichtes ist, dass nicht alles vergänglich ist, sondern eben nur Macht und Glorie. Die weltliche Macht ist durchaus vergänglich, während tatsächlich bestimmte Gedanken, bestimmte kulturelle Errungenschaften nicht so leicht vergehen, und da würde ich vielleicht die Arbeit von QNTAL nicht mal dazuzählen. Diese Sachen halten sich schon über die Jahrtausende. Aber genau das, was in unserer Zeit so wichtig ist, eben die Macht und der Erfolg sind von sehr kurzer Dauer. Davon bleibt irgendwann in der Geschichte nichts übrig als ein Trümmerhaufen. Und aus dem Trümmerhaufen kann ich dann wiederum entdecken, was die eigentlich unvergänglichen Werte sind. WAS ICH FÜR MICH AUS DEM ALBUM AUCH RAUSGEPICKT HABE, SIND DIE VIER ELEMENTE. DA WÄRE DIE ERDE – HIER ALS SAND IN DEM GEDICHT „OZYMANDIAS“ DARGESTELLT -, DANN WASSER, WAS MAN BEI „FLOW“ RAUSHÖREN KANN, FEUER IM „FLAMMA“ UND DANN VIELLEICHT AUCH DIE LUFT IM „VOGELFLUC“ Ja, auch bei „Amor Volat“… Ja, es ist schon so, jeder der sich „Künstler“ nennt, macht sich Gedanken. Anders ausgedrückt; Künstler sein bedeutet mehr als nur ein schönes Musikstück zu komponieren, oder ein schönes Bild zu malen, sondern es heißt auch sich mit Themen auseinander zu setzen. Seit längerer Zeit hört man Fragen wie „Was ist Kunst eigentlich?“. Ich würde es so definieren, dass die äußere „Kruste“ so zu sagen die Schale, das, was im Endeffekt ins Ohr oder ins Auge des Betrachters dringt, das ist eigentlich nur die Oberfläche eines konzeptionell/ gedanklichen Durchdringens von Dingen. Es ist wichtig, so denke ich, Konzepte zu machen, man sollte die Dinge als Künstler tiefer durchdringen und daraus die Phantasie entwickeln, das Unbewusste aktivieren. Das wiederum führt dazu, dass Kunst hörbar oder sehbar wird. In unserem Fall – hörbar. Das ist in meinen Augen ein ziemlich wichtiger Prozess; durch das Durchdringen entstehen unsere Konzepte. Es hat wenig damit zu tun, dass jedes Stück praktisch gesehen thematisch mit unserem Konzept verbunden ist, aber dass es eben unsere Phantasie anregt und so hat sich diese Geschichte auf dem Album nebenbei ergeben. Irgendwann haben wir festgestellt „hoppla, da gibt es ‚Flamma’, also Feuer, und auch Wasser und so weiter“. Uns wurde es klar, dass die vier Elemente mehr oder weniger unbewusst in das Ganze eingeflossen sind. Und wenn man sie mit dem Gedanken der Vergänglichkeit von weltlichen Dingen verbindet, dann hat man praktisch den Gegenpol – das Unvergängliche – und das ist die Natur. ANDERERSEITS UNTERLEGT DIE NATUR AUCH GANZ STARK IHREN ZYKLEN UND DIE LEBEWESEN STERBEN IRGENDWANN ALLE. SCHAU DIR DIE JAHRESZEITEN AN… Natürlich ist die Natur nicht unveränderlich, aber die Natur als solches bleibt immer bestehend. Selbst wenn die Erde sich in Luft auflöst, oder die Sonne irgendwann verglüht und unser Planet auch zu Grunde geht, werden die Bestandteile der Erde wieder zu Staub, der sich wiederum in kosmischen Staub verwandelt, der sich dann irgendwann wieder zusammenballt und eine Ur-Explosion herbeiruft, was zu einem neuen Stern führen wird. Also insofern ist die Natur praktisch das einzig Unvergängliche in unserem Bewusstsein. Sie wird nie verschwinden, die materiellen Grundlagen unseres Lebens werden somit auch nie ganz verschwinden, sie werden sich zwar radikal verändern, so dass man nichts wiedererkennt und es möglicherweise keine Menschen mehr geben wird, aber, wie gesagt, die Natur – weit gefasst – ist unvergänglich. WENN MAN SCHON ÜBER EURE KONZEPTE SPRICHT, STELLE ICH ES MIR RELATIV SCHWIERIG VOR, SO VIELE VERSCHIEDENE STILE, EPOCHEN, SPRACHEN UND KULTUREN, DIE IHR DURCHWANDERT, IN EINEM HOMOGENEN ALBUM ZU VEREINEN, WAS EUCH DENNOCH SEHR GUT GELUNGEN IST. WIE MACHT IHR DAS? Ich habe eben über die geistigen Hintergründe gesprochen, über das Gedanklich- Intellektuelle, das dahintersteckt. Was du jetzt ansprichst, hat mehr mit dem Handwerklichen zu tun. Dass man diesen ganzen Gedanken dann letztendlich in ein musikalisches Konzept umsetzt, in eine musikalische Sprache, die keine Beliebigkeiten aufweist und trotzdem variabel ist, das sind natürlich Dinge, die im musikalischen Handwerk liegen. Ich kann es nicht genau begründen, es hat mit der Tonsprache zu tun, es hat mit den Arrangements zu tun, dass man das Ganze zusammenfasst und es trotz der Variabilität eine Einheit bildet. Wir hatten in dem Sinne auch was ganz bestimmtes vor, und zwar in einem engen musikalischen Konzept die Stücke sehr stark zu akzentuieren, zu konturieren. Das heißt ein schnelles Stück soll auch wirklich schnell sein, ein simples Stück soll simpel bleiben, und ein kompliziertes Stück soll auch wirklich kompliziert und ein langes Stück wirklich lang sein. Diese Parameter wollten wir nicht in einem Song verwirklichen, sondern in verschiedenen Liedern. Insofern war es tatsächlich eine große Herausforderung, damit es nicht auseinander fällt. Was soll es für ein Album sein? Wie soll es sein? Soll es eher eine besinnliche CD sein? Eine „Tanzmusik Scheibe“, oder was auch immer? Ich denke, dass es uns gut gelungen ist und das Ganze als Einheit empfunden wird. Solche musikalischen Leistungen siedelt man eben in dem Handwerklichen Bereich ein. BLEIBEN WIR ALSO NOCH EINEN MOMENT BEIM „HANDWERKLICHEN“. ICH KANN MIR VORSTELLEN, DASS ES SCHWIERIG IST, ZU EINEM ALTERTÜMLICHEN TEXT DIE MUSIK ZU KOMPONIEREN. SCHON WEGEN DES VERSTEHENS DES SCHRIFTSTÜCKS, DER SPRACHE NATÜRLICH, DEM RHYTHMUS, REIM UND SO WEITER. WIE GEHT IHR AN SOLCHE TEXTE HERAN? GIBT ES ÜBERHAUPT UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DER VERTONUNG EINES MODERNEN GEDICHTS UND EINEM STÜCK BEISPIELSWEISE AUS DEM XIII JH.? Ja, es ist schon ein großer Unterschied. Ich würde aber nicht sagen, dass die alte Texte schwieriger zu vertonen wären, als neue, aber es ist in der Tat eine komplexe Angelegenheit. Grundsätzlich entstehen da Probleme wegen eines ganz anderen rhythmischen Bewusstseins in der alten Literatur. Die Zeilen sind z.B. viel länger, als bei „klassischen“ Pop Musik-Lyrics, wenn man das überhaupt als „Lyrik“ bezeichnen kann. Wir haben uns jetzt aber in diesem Fall, anders als bei der QNTAL III, wo wir vom Konzept her viel stärker an Texte gebunden waren, die wir inhaltlich unbedingt drin haben wollten, diesmal die Texte wirklich nach der Musikalität ausgesucht. Das, glaube ich, macht das neue Album ein bisschen eingängiger, wenn man so will, ein bisschen „runder“. Natürlich, wenn man den Text von vornherein auswählt und mit der musikalischen Idee verbindet, dann ist es eine einfachere Sache, als wenn man vorgegebene Texte vertonen muss, was möglicherweise in die Richtung Theatermusik geht, dann wird die ganze Angelegenheit definitiv komplizierter. MAN KÖNNTE SICH NATÜRLICH DIE FRAGE STELLEN (UND MAN MÖGE MIR DAS SAKRILEG VERZEIHEN), DASS, WEIL HEUTZUTAGE AM COMPUTER PRAKTISCH ALLES MÖGLICH IST, MAN DIE KLÄNGE DER MITTELALTERLICHEN INSTRUMENTE, DIE DU HALT BENUTZT, GAR NICHT MEHR BRAUCHT. SIE SIND SOWIESO KEINE ORIGINALE – NUR NACHGEBAUT. WARUM ERZEUGT MAN IN FOLGE DESSEN SOLCHE KLÄNGE NICHT AM RECHNER? Ja, das ist sehr fraglich… Ob man es wirklich kann? Ich glaube nicht. Man wird immer elektronische Musik von Handgemachter unterscheiden. Auch im Bereich der Rock Musik, wo ich jede Gitarre samplen könnte, aber dann ist es eine ganz andere Energie. Sogar ein Laie kann heraushören, ob ein Stück elektronisch oder Live eingespielt ist. Erstens ist die Technik nicht so weit, dass man sagen könnte, es wäre eins zu eins machbar und zweitens ist das Spielen eine energievolle Sache – es ist ein großer Unterschied, ob man einen Part wirklich Live spielt, oder ihn programmiert. Unabhängig davon, ob es gleich klingen würde, rein von der Frequenz, der Wellenform her bleibt es trotzdem ein großer Unterschied, denn man merkt, ob es vom Sequenzer oder aus der menschlichen Hand kommt. Die Energie des Stücks überträgt sich einfach, und das ist auch gar nicht so verwunderlich. Es ist nur ein Beweis dafür, dass dasselbe oft nicht das gleiche ist. Es ist sehr gleich, sehr ähnlich, aber trotzdem anders. Die Authentizität ist noch mal eine Qualität, die über das rein formale, physische hinausgeht. Es ist eben die geistige Qualität, die wichtig ist, insofern werden Live gespielte Instrumente immer Bedeutung haben, sie lassen sich auch nicht ersetzen. ICH HABE VOR KURZEM FESTGESTELLT, DASS IMMER MEHR BANDS NICHT MEHR DIGITAL AUFNEHMEN, SONDERN „BACK TO THE ROOTS“ GEHEN UND ES ANALOG MACHEN. AUCH IN AMERIKA LEGT SICH GERADE FAST JEDER PRODUZENT ANALOGES EQUIPMENT ZU. WAS HÄLTST DU DAVON? Das würde ich jetzt nicht so hoch bewerten. Es sind Moden, die von Seiten der Produktionstechnik kommen. Einmal heißt es, es müsse alles digital sein, dann wiederum, dass nur analog gut sei. Es wird auch oft von der Industrie gesteuert, die bestimmte Geräte verkaufen will. Ich persönlich denke, dass es in der Produktion keine große Rolle spielt. In der Musik, ob vom Computer oder Live gespielt, spielt es, wie bereits gesagt, eine sehr große Rolle. UND WIE NEHMT IHR AUF? Wir nehmen digital auf, aber nicht aus Überzeugung, sondern weil es sich so ergibt. Ich würde auch nichts dagegen haben, die Sachen einmal analog zu produzieren. SIND MIT STÜCKEN WIE „FLOW“ AUF DER QNTAL IV DIE GRENZEN ZWISCHEN QNTAL UND ESTAMPIE EIN STÜCKWEIT AUFGEWEICHT GEWORDEN? In Richtung ESTAMPIE überhaupt nicht, weil z.B. „Flow“ ein Renaissance Stück ist, und mit ESTAMPIE spielen wir eigentlich keine Renaissance Stücke. Es ist allerdings eine Grenze weggebrochen in Bezug auf das Mittelalter. „Flow“ stamm aus dem XVI Jh. Und „When I Am Late“, bzw. „Remember Me“, wie es bei uns heißt, stammt sogar aus dem XVIII Jh., also ist es ein Barockes Stück. (Auch das Gedicht “Ozymandias“ stammt aus den Anfangstagen des XIX Jh. Anm. d. Int.) Insofern sind da Grenzen aufgebrochen. Zu ESTAMPIE gibt es aber kaum einen Bezugspunkt, ich weiß nicht, woher der Eindruck kommen könnte, da ist z.B. im Instrumentarium ein Cembalo dabei, was für ESTAMPIE auch atypisch wäre, da es ein Instrument ist, welches später entwickelt worden ist, aber ich würde trotzdem sagen, dass eine gewisse Grenzöffnung da ist, nur mehr bei den Epochen. ICH KANN DIR SAGEN WOHER ES KOMMT, AUS DEM INFOBLATT ZUM ALBUM. DA STAND DRAUF, DASS SYRAH ZUM ERSTEN MAL IN DEM PROJEKT EINE KLASSISCHE ARIE GESUNGEN HAT. DER REST WAR MEINE ASSOZIAZIONSKETTE: ARIE – KLASSISCH – ESTAMPIE. SO EINFACH UND DOCH SO FALSCH…. Es kommt natürlich aus unserer klassischen Live Musikerfahrung, aber nicht der ESTAMPIE Richtung. Bevor und neben ESTAMPIE haben wir früher viel Barock und Renaissance Musik gemacht. JA, JA. DIE TOLLEN BANDINFOS UND ALBUMREZENSIONEN. WENN ES UM QNTAL GEHT FINDE ICH DORT IRGENDWIE IMMER DIE FORMULIERUNG “DIE MUSIK DER BAND BILDET EINE BRÜCKE ZWISCHEN MITTELALTER UND GEGENWART“. SIEHST DU ES GENAU SO? FÜR MICH KLINGT ES ETWAS „ABGEDROSCHEN“ Na, so falsch ist es nicht. Ich würde es vielleicht ein bisschen anders ausdrücken, aber was im Grunde gemeint ist – so nehme ich an -, ist, dass es eine große Mittelalter Szene gibt, die sehr nostalgisch aufgebaut ist. Es gibt viele Bands, die das Mittelalter wieder aufleben lassen wollen. Da sind Kostüme und das entsprechende Outfit von Bands und Publikum, die Holzbühnen, Feuerschlucker und so weiter und so fort. Bei uns ist es natürlich schon etwas anders. Wir sehen ganz klar das Mittelalter als eine Vision, die wir als heutiger Mensch haben. Wir haben schon unsere Vorstellung vom Mittelalter und die verbinden wir mit der heutigen Welt, insofern stimmt es schon mit der Brücke. Mit dieser Betrachtungsweise gibt es nicht so viele Bands (da wäre noch HELIUM VOLA zu nennen, Anm. d. Int.). Die meisten Mittelalter Formationen nostalgieren und sind „retro“, so zu sagen „rückwärts“ gerichtet. Wir dagegen sind vorwärts gerichtet. Das ist der Unterschied. NA WENN DU SCHON DAS WORT „RETRO“ SAGST, WENN ICH DEN ANFANG VON „AMOR VOLAT“ HÖRE, DANN DENKE ICH AN DIE GOTHIC URVÄTER DER FRÜHEN 80ER JAHRE… Das ist auch überhaupt nicht falsch. Es war die Melodie da, und dann haben wir versucht sie zu arrangieren und es hat sich so ergeben, dass wir damit zuerst nicht viel anfangen konnten. Irgendwann kam plötzlich die Idee, dass QNTAL ja eigentlich aus der Wave Szene kommen und aus dieser Szene stammten ja früher auch unsere Heroen, also warum nicht einmal eine Hommage an die guten alten Wave Zeiten machen? So ist es entstanden, was allerdings eher als Ironie, obwohl nein, es ist ein falsches Wort, eher als „Gimmick“ verstanden sein soll. Es ist zwar nicht unser eigentlicher Stil, aber wir haben es als Ehrerbietung an die 80er gemacht. KANNST DU MIR SAGEN, WARUM SICH ALLE BANDS AUF DIE GUTE ALTE „CARMINA BURANA“ STÜRZEN?! NICHTS FÜR UNGUT, ABER EUCH INKLUSIVE, DER TEXT VON „FLAMMA“ STAMMT DARAUS… Wir stürzen uns überhaupt nicht auf die „Carmina Burana“, die „Carmina Burana“ ist einfach ein wichtiger Kodex für Mittelalter Musik im Allgemeinen. Wenn wir uns überhaupt irgendwo hineinstürzen, dann stürzen wir uns gerade auf andere Kodizes. Das wichtigste Ding über die „Carmina Burana“ bzw. warum sie für Mittelalter Rock Bands, oder einfacher gestrickte Bands essentiell ist, ist, dass es kaum religiöse Texte sind. Es sind weltliche Texte, die das beinhalten, was man in allgemeinen mit dem Mittelalter verbindet, nämlich Erotik, Derbheit, Deftigkeit und so weiter. Da ist zwar für die „Carmina Burana“ typisch, aber für die mittelalterliche Literatur im Ganzen eigentlich ziemlich untypisch. Normalerweise ist solche Literatur fein gestrickt, sehr hochgeistig und natürlich auch religiös eingefärbt. Das wiederum gefällt gewissen Leuten weniger. Die wollen mit dem Mittelalter ganz einfach was anderes verbinden, oder haben andere Ideen und Vorstellungen. Und da suchen sie sich halt gerne die „Carmina Burana“ raus, weil die sich als singulärer Kodex ganz stark mit weltlichen Themen beschäftigt. Wie gesagt, es ist nicht typisch und wir stürzen uns nicht drauf, aber wir haben den Anspruch, auch mit ESTAMPIE, das Mittelalter in der Gänze abzudecken und sie gehört auf jeden Fall dazu. Sie ist ein Teil davon, kein wichtiger Teil, aber halt ein Teil. Wir werden bestimmt die „Carmina Burana“ nicht an die erste Stelle setzen, wenn es darum geht, Sachen zum Vertonen auszusuchen. MEIN HINTERGEDANKE WAR, DASS ES BALD EINE NEUAUFÜHRUNG DER „CARMINA BURANA“ VON CORVUS CORAX GEBEN WIRD, DA DACHTE ICH MIR: „O NEE, NICHT SCHON WIEDER“…. Ja, ich habe auch gerade an CORVUS CORAX gedacht. Für diese Formation ist die CB natürlich das Eldorado des Mittelalters, da es dort von den Texten her alles gibt, was sie über das Mittelalter vermitteln wollen. Es sind Kollegen von uns, wir kennen uns sehr gut. Sie sagen immer: „ESTAMPIE und QNTAL sind die hohe und CORVUS CORAX die niedere Minne“. Das ist eben das Derbe, das Bäuerliche und für die passt es auch gut. Für uns ist es nur ein Teil davon. Man muss vielleicht dazu sagen, dass nicht viele wissen, wie die „Carmina Burana“ überhaupt entstanden ist. Der Terminus heißt übersetzt „Die Bauernlieder“, sie sind aus dem Kodex des Klosters Benediktbeuren nahe München überliefert, sie lagen auch danach ganz lange in der Staatsbibliothek . Die Texte wurden von Geistlichen geschrieben, von arbeitslosen Geistlichen genauer gesagt, so genannten Vaganten. Es waren gebildete Leute, die aber sozial gesehen etwas auf der schiefen Bahn waren und nicht so richtig zum bürgerlichen Leben gefunden haben. Sie haben diesen geistigen Kodex im Grunde veräppelt. „Carmina Burana“ ist das Wissen um das kulturell-wertvolle Geistliche, was praktisch in den Dreck gezogen wurde. Und das ist natürlich eine Haltung, die Bands wie CORVUS CORAX, IN EXTREMO, SCHANDMAUL, SCHELMISH oder SALTATIO MORTIS sehr entgegenkommt. ICH RECHERCHIERE GERADE ÜBER „O FORTUNA“, UNGLAUBLICH WIEVIELE VERSCHIEDENE KÜNSTLER SICH DARAN SCHON GEWAGT HABEN! „O Fortuna“ hat sogar ESTAMPIE schon mal gemacht. JA, ICH WEISS, AUF „ONDAS“. ALEXANDER (Veljanov Anm. d. Int.) HAT ES GESUNGEN UND SEIN NAME STAND NICHT MAL AUF DEM CD COVER DRAUF…. (Lacht) Ja, weil er es inkognito singen wollte! VERFOLGST DU AUCH DIE MUSIKALISCHE KARIERRE DEINER EX-BANDKOLLEGEN? Natürlich. HMMM. NA JA, DANN VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW…. Ach so, sollte ich was dazu sagen? SICHER, ABER NUR WENN DU WILLST Klar verfolge ich es, aber nicht mit Argus Augen. Ich kriege es aber natürlich mit. Ja, was soll ich groß sagen? … DEINE LAKAIEN sind so wie gehabt, es wird nur versucht das Ganze ein bisschen kommerzieller zu machen, was meiner Ansicht nach nicht so richtig zieht. HELIUM VOLA, finde ich, ist ein sehr ehrenwertes Projekt in seiner experimentellen Herangehensweise. Ich finde die Sachen wirklich sehr schön. Ansonsten gibt es ja nicht so viel Neues, oder? FÜR MICH MUTIERT ERNST HORN LANGSAM ZUM „FRAUENVERSTEHER“. QNTAL I WAR BEREITS INHALTLICH/ LYRISCH AUS DER SICHT DER FRAU ZUSAMMENGESTELLT UND „LIOD“ – DAS ZWEITE ALBUM VON HELIUM VOLA VERFOLGT EIN, SAGEN WIR ÄHNLICHES KONZEPT. ERNST WAR DAMALS BEI DEN ERSTEN BEIDEN QNTAL ALBEN AUCH DER KREATIVE KOPF…. Nein, bei der QNTAL I und II haben wir schon zusammen gearbeitet. Dann beziehe ich den „Frauenversteher“ auch gerne auf mich. Nein, das sehe ich auch nicht so, so stark aus der Frauenrichtung waren die Alben damals gar nicht. Es waren auch andere Themen, die wichtiger waren. Der Punkt war, dass wir natürlich eine Sängerin hatten, deswegen bieten sich solche Sachen besonders an. Die Texte und Inhalte von QNTAL I und II kamen hauptsächlich von Syrah, es ist auch heute noch so. Sie hat fast immer jeden Song, den sie singen wollte, persönlich ausgewählt. VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW!

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