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REBELLION (MICHAL SEIFERT/TOMI GÖTTLICH)

WIE HAT EUCH DER GIG IM WOHNZIMMER DER DEUTSCHEN METAL-SZENE GEFALLEN? WIE WAR ES VON DER STIMMUNG? Tomi: Ja hat Spaß gemacht. Kam gut rüber, die Leute haben gut gerockt, und wir hatten jede Menge Spaß auf der Bühne. Michi: Ja doch, es war eigentlich wie erwartet. Die Leute hier in Hamburg rocken halt. Man kommt hier hin, der „Headbangers Ballroom“ ist natürlich eine Hausnummer. Wie gesagt, ich habe es ja auch auf der Bühne erwähnt, dass es Spaß macht in so einem Laden zu spielen, weil das einfach kultig ist. DIE FRAGE STELLE ICH EIGENTLICH ALLEN, MIT DENEN ICH EIN INTERVIEW MACHE. WAS WÜRDET IHR JEMANDEM DER EUCH NOCH NICHT KENNT, WAS WÜRDET IHR IHM SAGEN, WARUM ER EUER ALBUM KAUFEN SOLLTE? Michi: Das ist eine gute Frage. Also, ich denke es gibt ja viele Metal Bands, die einfach drauf los spielen und einfach irgendwelche Texte schreiben. Bei unserer letzten Platte war es so, dass wir wirklich versucht haben ein Konzept aufzubauen, und ich denke, dass gerade dieses Konzept für die Leute interessant sein könnte. Deswegen denke ich, dass es Sinn macht für einen Metal Fan, der auf die alten Größen steht, unser Album zu kaufen. JA AN DICH GENAU DIE GLEICHE FRAGE, WARUM SOLLTE EIN FAN EURE PLATTE KAUFEN? Tomi: Was ich ihm empfehlen würde, ist ganz einfach. Zum nächsten Plattenhändler deines Vertrauens zu gehen, 15 Ocken auf den Tisch zu knallen. Nach REBELLION fragen, eintüten, schnell nach Hause, Anlage anwerfen, Volumenpoti hochdrehen, REBELLION einlegen, Dröhnung abholen. ICH BIN NOCH EIN WENIG VON DER ALTEN SCHULE, DESHALB MÖCHTE ICH NOCH EIN PAAR HINTERGRÜNDE ÜBER EURE BAND ERFAHREN. ERZÄHLT MAL EIN BISSCHEN ÜBER EURE BAND, ÜBER EURE GESCHICHTE, VIELLEICHT AUCH ÜBER EURE EIGENEN LIEBLINGSACTS? WAS IHR FÜR MUSIK HÖRT, MASSE DER FREUNDIN UND SO WEITER? Tomi: Also, dass Du von der alten Schule bist, dass ist ja nicht zu übersehen bei deiner Haartracht. (lautes Gelächter) Ja nachdem Uwe und ich bei GRAVE DIGGER ausgestiegen sind, haben wir uns einige Jahre später wieder getroffen und haben uns dann entschlossen, wieder zusammen zu arbeiten. Haben ein paar Songs geschrieben. Das kam eigentlich ganz gut rüber. Haben ein Demo zusammengestellt, weil wir gemerkt haben, dass wir einfach noch gut zusammen harmonieren. Dass das gut zusammenpasst. Haben einen Plattenvertrag geholt. Haben die Band dann noch komplettiert. Michi war eigentlich von Anfang an dabei. Wir haben dann noch Björn geholt und den Randy an den Drums und haben dann die „Shakespeare’s Macbeth“ aufgenommen. Sind dann mit RUNNING WILD auf Support-Tour gewesen. Das kam eigentlich ganz gut an. Dann wurde „Born a Rebel“ aufgenommen. Diverse Festivals gespielt, also Wacken haben wir gespielt, Balingen haben wir gespielt „Bang your head“. Auf dem Z7 Festival in Pratteln haben wir gespielt. In Spanien auf dem „Metalmania“ haben wir gespielt. Wir sind so in den letzten Jahren nur so über die europäischen Festivals gezogen. Haben noch U.D.O supported, nachdem wir die „Born a Rebel“ unsere zweite Scheibe veröffentlicht hatten. Und sind jetzt im Prinzip mit der dritten Scheibe, mit der „Sagas of Iceland“ das erste Mal auf einer Headlinertour und sind uns trotz der Vergangenheit, die Uwe und ich hatten, wo wir schon ein bisschen größere Hallen gewohnt waren, von Anfang an eigentlich bewusst gewesen, dass wir jetzt wieder durch die kleinen Clubs ziehen müssen. Dass wir die Band von unten wieder aufbauen müssen und aus dem Müssen ist, und das hast du vielleicht ja auch gemerkt, ein Riesenspaß geworden, weil das immer wieder ein geiles Erlebnis ist, in einem Club zu spielen und den Leuten wirklich in die Augen gucken zu können. Da sind wir jetzt grad dabei, und wir freuen uns auf die nächste Show morgen und heute hat es auch Spaß gemacht. SO EIN BISSCHEN ZU PERSÖNLICHEN VORLIEBEN. WAS BEEINDRUCKT DICH IN DER SZENE ODER WAS BEEINDRUCKT DICH PERSÖNLICH SO AN BANDS? Tomi: Also meine persönlichen Vorlieben sind so die Bands aus den 80ern. Das wird jeder irgendwie sagen, der kurz vor 40 ist, MAIDEN, PRIEST, SCHENKER, GARY MOORE, THIN LIZZY von meiner Seite aus auch noch, was ja eigentlich ja keine typische Metal Band ist. Das ist so das, was ich am liebsten höre. So moderne Sachen, weißte da bin ich einfach zu alt dafür, da fehlt mir auch ein bisschen was, was da so an Death und Thrash und New Metal und Hip Metal und keine Ahnung was fürn Metal da alles so unterwegs ist. Das ist einfach nicht so mein Käse. Ich spiele Musik, wie man sie vor 20 Jahren gespielt hat, das ist das, was ich kann. Das ist das, was mir Spaß macht und ich spiel das ja letztendlich nicht für die Plattenfirma, für das Management oder für irgendwelche Leute, die irgendwas von mir erwarten, ich spiele es für mich, und ich freu mich tierisch, wenn es immer noch ein paar Nasen gibt, die meine Fresse auf der Bühne sehen wollen und die dann vorbei kommen, um mit mir abzurocken. Da hab ich einen Riesenspaß dran, und so ist das richtig und so ist das gut und so wird das auch bleiben. SCHÖN GESAGT. JETZT NOCH ZU DIR MICHI. AUCH SO EIN PAAR PERSÖNLICHE VORLIEBEN. WAS HAT DICH INSPIRIERT. Michi: Ja bei mir ist es eigentlich so, dass ich gar nicht mehr unbedingt so gewisse Vorbilder habe. Ich hör mir einfach das an, wo ich einfach Bock drauf hab. Das sind alte Sachen aus den 80ern. Das sind auch aber jetzt ganz aktuelle Sachen. Ich schiel auch mal rüber in andere Musikrichtungen im Metal. So zum Beispiel Black Metal oder so was. Ich lass mich einfach davon treiben, was mir einfach gefällt, und ohne da jetzt groß zu sagen: Das ist jetzt nicht „true“. Das ist mir eigentlich völlig egal. Ich hab auch schon mal Gothic gehört, und ich denke, es ist einfach wichtig, dass man irgendwann seinen Horizont erweitert und da nicht mehr so engstirnig denkt. IN DEN VERGANGENEN JAHREN BOOMT DER METAL JA WIEDER, WIE IHR ALLE SO AUCH MITBEKOMMT. IMMER MEHR KIDS HÖREN METAL, WEIL DURCH DIE CYBERWELT UND DURCH DIE FANTASIESPIELE DIESE MUSIKRICHTUNG IN DIE KINDERZIMMER GETRAGEN WIRD. WIE SEHT IHR DIESE ENTWICKLUNG? Tomi: Ich sehe diese Entwicklung eigentlich gar nicht. Ich sehe nur, dass die Plattenverkaufszahlen in den letzten 15 Jahren kontinuierlich runter gehen. Also du hast in den letzten 5 Jahren Einbrüche am Markt von 75%. Da mag es sein, dass immer mehr Kids Metal auf Video Konsolen hören. Aber es gibt wirklich ganz, ganz viele Plattenfirmen und Bands in Deutschland, gerade kleine Bands, die sag ich mal um Plattenverträge kämpfen, die Plattenfirmen brauchen, die auch Geld in Aufbauarbeit investieren, die deshalb einfach keine Chance mehr bekommen. Und was übrig bleibt, sind die alten Säcke, die es immer noch geregelt bekommen. Aber wenn du dir mal vorstellst, dass du als normaler Arbeitnehmer innerhalb von 5 Jahren mal eben 75% weniger verdienst und davon dann vielleicht leben musst. Das ist schon ein ganz, ganz hartes Brot und das ist ganz, ganz schwierig und wir können eigentlich nur hoffen, dass die Situation sich stabilisiert, ansonsten wird die Musikindustrie und das gesamte Musikangebot sich letztendlich nur noch auf den Mainstream konzentrieren, weil es kann sich irgendwann keine Firma mehr leisten, Platten zu veröffentlichen. Das hörst du heute ja schon auf dem Markt, die Platten, die auf den Markt kommen, haben weitestgehend eine schlechte Qualität von der Produktion, weil einfach kein Geld mehr da ist, um eine vernünftige Produktion zu machen. Mit 3000 oder 4000 Euro kannst du keine Platte produzieren. Also nur das Geld, was die Verkaufszahlen, die zu erwarten sind rechtfertigt. Mehr ist einfach nicht zu bezahlen. Dann hörst Du dir irgendwelche Produktionen an von jungen Bands, die klingen einfach scheiße. Und das ist einfach total schade, weil die gar keine Chance mehr haben vernünftig und geil zu arbeiten und sich irgendwo aufzubauen. Also ich kann das aus meiner Erfahrung nicht sehen, was Du da für einen Eindruck geschildert hast. JETZT ZUM THEMA TRUE METAL IN BEZUG ZU GERMANISCHER MYSTIK. DAS IST IN DIESEM LAND JA IMMER NOCH EIN HEISSES EISEN. WARUM DIESE THEMEN DER MUSIK? Michi: Ja das ist eine komplizierte Frage. Ich denke einfach, dass das gut zusammen passt: Gerade die Wikinger haben ja eine gewisse Mystik, eine gewisse Lebensphilosophie. So das man auch mal die Gedanken der Menschen aus vergangener Zeit versteht. Eben nicht nur rein christlich. Man ist eben nicht mehr so gesteuert von diesem christlichen Denken, und gerade junge Leute versuchen eben auszubrechen aus diesen Klischees. Ich denke halt, dass das zum Metal passt, weil Metal einfach eine wilde Musik ist, und die Wikinger waren auch wild. Das macht das Ganze halt interessant als Thema für uns. AN DICH AUCH DIE GLEICHE FRAGE. WAS IST FÜR DICH DA DAS LEBENSGEFÜHL DAS DU VERSUCHST RÜBERZUBRINGEN? Tomi: Also ich will erst mal gar nichts rüber bringen. Ich will keinen missionieren. Ich will auch keinem irgendwie erzählen, wie er was machen soll. Ich denk, jeder soll selber entscheiden, was er macht. Ich lebe meine Musik, ich lebe meinen Spaß, und wenn jemand davon etwas mit nimmt, dann ist das sein eigener Käse, dass muss er für sich selber entscheiden, was er damit macht. Ich bin nicht hier, um die Welt zu verbessern oder um Leuten zu erzählen, wie sie denken sollen oder wie sie was machen sollen. Mich fasziniert die Wikinger Thematik, weil das einfach eine Kultur ist, die nicht mehr in die Zeit gepasst hat, in der sie letztendlich ihren Höhepunkt erlebt hat. Deswegen waren sie ja auch als die bösen Teufel verschrien. Sie lebten am Rand Europas von der Entwicklung vergessen, und das ist natürlich schon auch faszinierend. Da entstehen einfach auch große Geschichten, wenn Leute aus einer Kultur, die eigentlich schon seit zwei-, dreihundert Jahren… seit fünfhundert Jahren, wenn Du das römische Reich und Gallien mit dazu nimmst, ausgestorben ist, und dann mit einem Mal in die christliche Welt kommen und sich so benehmen, wie man sich vor fünfhundert Jahren benommen hat. Dann entstehen eben solche Geschichten. Das ist auch so eine Spannung, so eine kulturelle Reibung, wo dann wirklich auch Leute entstehen, die man heute als Helden sehen kann. Wo Heldentaten vollbracht werden, wo große Dinge passieren, die in Sagen dann irgendwann nieder geschrieben wurden. Das ist eine unglaublich interessante Geschichte und das passt perfekt zu Heavy Metal. Super geil! WIE SIEHST DU DIE ZUKUNFT DES TRUE METAL? WIE SIEHST DU DIE WEITERE PERSPEKTIVE? Tomi: Du weißte, ich denk erst mal, dass Metal da ist wo er hingehört und zwar in den Untergrund. Das ist nie ne Musik für den Mainstream gewesen, das ist kein Thema für die Charts und das ist auch gut so. Weil wir wollen eben nicht Mainstream sein. Ich spiel das, weil ich anders sein will, ich bin stolz drauf, dass ich in dem Randbereich meines Lebens noch eine gewisse Andersartigkeit, eine Eigenheit bewahren kann. Das hilft mir persönlich auch in meinem Leben nicht so spießig und eingerostet zu werden, sondern einfach lebendig zu bleiben, meinen eigenen Weg zu gehen. Ich muss da jetzt nicht die Zukunft des True Metal da irgendwie erkämpfen oder bedenken. Dass sind so religiöse, große überfrachtete Dinge. Ich geh einfach auf die Bühne ich hab Bock zu rocken, und ich freu mich, wenn ich Leute finde, die mit mir abrocken. Das ist eigentlich alles, worum es geht. Um mehr geht es eigentlich gar nicht. Weißte und Zukunft, weißte so lange es jemand gibt, der Bock hat meine Musik zu hören, werde ich meine Musik spielen und ob es im Wohnzimmer oder auf eine großen Bühne das hängt dann davon ab, wie viele Leute mich noch sehen wollen. Und so lange es noch solche Nasen gibt, werden wir einfach weitermachen, weiter unseren Spaß haben und weiter rocken. Das ist einfach so unser Ding, und was so rundherum passiert, dass können wir sowieso nicht beeinflussen. Also wenn jetzt in zehn Jahren alle Leute nur noch Michael Jackson hören, na gut, dann wird es halt kein REBELLION mehr geben oder wir schließen uns im Bunker ein und spielen halt für uns und unsere Freundin. Wir machens halt so, wie’s kommt, was willste machen. JA AN DICH AUCH DIE FRAGE ZUR ZUKUNFT DES TRUE METAL? Michi: Ja das ist schwer zu sagen. Das ist ja schon ne Musikrichtung, die zwanzig Jahre alt ist ungefähr, wenn nicht schon älter. Und natürlich wollen die Kids nicht unbedingt die Musik hören, die schon ihre Eltern gehört haben, von daher hat True Metal immer seine Fans, aber es ist im Moment einfach schwer Leute zu erreichen, weil aber auch viele extremere Richtungen im Metal populär sind. Also ich denke, dass es immer einen Markt für True Metal geben, wird aber das es immer eine Richtung von vielen sein wird. So wies auch im Moment ist. JETZT DIE GANZ DREISTE FRAGE, WANN IST EIN NEUES ALBUM VON EUCH ZU ERWARTEN? Michi: Tja da müssen wir mal mit dem Tomi sprechen. Ich denk wir werden uns jetzt demnächst mal wieder zusammen setzen, um wirklich intensives Songwriting zu betreiben, weil jetzt nach Release des letzten Albums wenig Zeit war für alle war, da viel zu machen. Aber wir bleiben da jetzt am Ball und werden versuchen, in möglichst kurzer Zeit das Ganze zu schreiben um sozusagen die Wikinger Teil Zwei irgendwie zu veröffentlichen. GENAU DIE GLEICHE FRAGE ODER NOCH EIN WENIG WEITER GEFASST, STEHEN DIE INHALTE DES NEUEN ALBUMS SCHON FEST? HABT IHR DA IRGENDWELCHE IDEEN, IRGENDWELCHE GRUNDKONZEPTE ODER GEHT IHR JETZT ERST EINMAL GANZ UNVORBEREITET DA REIN? Tomi: Nein, das Grundkonzept ist ja eigentlich schon in den Pressemitteilungen zu unserer ersten Platte erwähnt worden. Die erste Platte geht über die Westentwicklung der Wikinger, das heißt Norwegen, Dänen, England. Das in dem Bereich. Die Zweite wird über die Ostentwicklung gehen, das heißt Schweden Russland bis runter nach Byzanz. Reisen über die Flüsse, derlei Dinge. Du siehst auch schon wer die Arbeit hier macht in der Band, während der Micha keine Zeit hat irgendwas zu tun, hat der Tomi schon wieder 4-5tausend Seiten, wenn nicht sogar mehr Lektüre gelesen. Ich denke mal, wenn das so läuft, wie wir das planen, werden wir mit dem Songwriting auf jeden Fall anfangen können. Das Konzept wird dieses Jahr fertig werden. Ich denke mal wir werden dann irgendwann im Dezember, Januar mit den Aufnahmen anfangen, so wie es momentan aussieht. Und dann würde wahrscheinlich die Platte irgendwann im Herbst kommen. Das hängt auch vom Timing unserer Plattenfirma ab. Denn dann müssen wir auch gucken, wie das bei denen in den Veröffentlichungsplan reinpasst. Ich würde mal jetzt so aus der Hüfte geschossen sagen so zweite Hälfte 2006. Dann wird die Platte wahrscheinlich auf den Markt kommen. BEI VIELEN DEUTSCHEN BANDS IST ES JA SO, DASS VIELE DEN DURCHBRUCH ÜBER DAS AUSLAND SCHAFFEN. IST BEI EUCH DA IRGEND ETWAS GEPLANT ODER SIND DIE FÜHLER AUSGESTRECKT IN IRGENDWELCHE REGIONEN? Tomi: Ja, das ist halt so: letztendlich spielen wir überall da, wo es jemanden gibt, der es uns ermöglicht zu spielen, dass heißt, wo es jemanden gibt, der zumindest die Unkosten trägt, damit wir da spielen können, da haben wir noch nicht mal einen Cent verdient oder so! Und es ist natürlich heutzutage mit einer Band, die gerade ihre erste Headlinertour macht, wir sind ja keine Newcomerband mit ihrer ersten Platte, aber wir sind ganz am Anfang unserer Karriere, und da finde mal in Paris jemanden, der sagt, ich hol die Band mit nem Truck mit Equipment und Personal mal eben nach Paris. Ich weiß, dass da mindestens 500 Leute kommen müssen, um das zu bezahlen und den Status haben wir einfach noch nicht. Deswegen ist das Ausland für uns wirklich nur ein Randthema. Wir waren mal in der Schweiz, wir werden vielleicht auch Italien oder Frankreich machen können, aber letztendlich ist das ein finanzielles Problem. Ich kann ja nicht mal eben 10.000 Euro auf den Tisch legen, nur um in Paris spielen zu können. Also letztendlich denke ich, dass es im Heavy Metal immer noch so ist, dass Du als Band einfach so einen natürlichen Weg hast, du musst einfach über mehrere Jahre hinweg konstant hohe Qualität abliefern. Wenn es geht, jede Platte noch ein bisschen besser als die vorher und mindestens noch ein bisschen anders, dass Du nicht stagnierst in deiner Entwicklung. Dann wird es mit jeder Tour, mit jeder Platte einfach mehr Leute geben, die sagen, Mensch die Band ist geil. Die Leute, die heute Abend hier waren, werden ihren Kumpels erzählen, die Band ist geil, und nächstes Mal sind hier doppelt so viele Leute. Und dann müssen wir halt mal auch viermal hier spielen, bis wir dann auch in den Docks spielen können und so lang spielen wir eben im Headbangers Ballroom, so einfach ist das Spiel. Das war mit GRAVE DIGGER so, da haben wir auch ein paar Tourneen gebraucht, bis wir tausend Leute pro Show gebracht haben, und das wird mit REBELLION ganz genauso laufen. Das ist auch in Ordnung so, weil als Band fängst Du unten an, Du musst durch die Scheiße, Du musst in kleinen Clubs spielen, was manchmal ein wenig unbequem ist, was manchmal ein wenig schwierig, was ne ganz eigene Magie und einen ganz eigenen Charme hat. Da wächst Du auch ein Stück weit als Band zusammen, da lernst dich aufeinander zu verlassen, da lernst du auch Stärken und Schwächen von Einzelnen kennen. Kann ich mit denen, kann ich mit denen nicht. Wird’s ein Team? Und wenn man dann größer wird, dann sind diese Fähigkeiten, dieser Teamgeist, dieser Spirit ganz wichtig, dass man einfach nicht größenwahnsinnig wird, dass man auf dem Boden bleibt, das man weiß, wo man herkommt. Dass man denn nicht meint, man sei Graf Koks, nur weil man da mal vor tausend Leuten gespielt hat. Von daher seh ich das gar nicht so, dass wir jetzt morgen ins Ausland müssen, um groß und stark zu werden, wir müssen in Deutschland den natürlichen organischen Weg gehen, die mit jedem Album einfach ne Treppe höher steigt und das wird noch zwo, drei Platten dauern, bis wir in die großen Clubs können, und dann machen wir das auch einfach so. Das ist Rock `n` Roll weißte! BEI EUCH IST DAS JA SO, WIE ICH DAS HIER HERAUS HÖRE, DASS IHR JA NEBEN DER BAND NOCH EIN ANDERES LEBEN HABT. MACHT IHR NEBEN DER MUSIK NOCH ANDERE SACHEN, HABT IHR NOCH EINEN JOB? Michi: Also ich bin auch noch Vollzeit am arbeiten. Bei Tomi ist es ähnlich, er hat eigentlich sehr viel zu tun! WAS MACHST DU DENN? Michi: Ich bin immer noch in der Kunststoffindustrie tätig. Hab da meinen festen Job, hab da mein festes Geld. Das würde ich auch erst aufgeben, wenn ich wüsste, dass ich mit der Musik so viel verdienen würde, dass es sich einfach lohnt , das nur noch zu machen. Ich denke, die Zeiten sind vorbei, wo man so viel Geld damit verdienen kann. Wie gesagt True Metal oder Heavy Metal ist nur ein Teil der Musikindustrie. Wir wissen alle, was im Moment abgeht, dass wenig Platten verkauft werden oder weniger Platten als vor 10 oder 20 Jahren. Es ist wirklich unheimlich schwer so groß zu werden, dass man wirklich davon leben kann. AN DICH AUCH DIE FRAGE, AUS WELCHEM ARBEITSBEREICH KOMMST DU DENN, WENN DU NICHT GERADE MUSIK MACHST? Tomi: Ich bin da in der besseren Lage als der Michael. Ich hab nämlich einen Halbtagsjob mit doppelter Bezahlung und drei Monate Urlaub im Jahr. Das heißt, ich bin Lehrer für Englisch und Geschichte und das ist ein Job, der mir sehr, sehr viel Spaß macht, den ich sehr, sehr gerne mache. Für mich ist so die Balance mein Hobby, was ich auf semiprofessioneller Ebene betreiben kann, was die Qualität der Veröffentlichungen und der Konzerte betrifft. Das ist ne ganz gute Balance zu dem Lehrer, wo man doch dazu neigt so doch ab und zu mal spießig zu werden und einzurosten, und irgendwo passt das ganz gut so für mich, da bleib ich so am leben. Da bin ich ganz glücklich mit. Ich würde mich super freuen, wenn wir irgendwann mal einen Status erreichen, dass wir wirklich auf einem Level ankommen, wo wir von der Musik leben können, aber ich hab das jetzt nicht so als Ziel. Ich denke nicht, dass das passieren wird, und ich erwarte das nicht, wenn das mal irgendwann passiert, freut es mich umso mehr. Aber das ist nicht der Grund, warum ich das mache. Ich mache das, weil es mir Spaß macht. Ich mache das, weil es mein Leben bereichert. Damit bin ich super zufrieden, und alles andere, was On top kommt, das ist die Sahne auf der Kirsche, die ich nicht erwarte, und über die ich mich um so mehr freuen würde, wenn sie irgendwann mal käme. SO DIE ABSCHLUSSFRAGE NACH DEM ÜBELSTEN MUSIKERERLEBNIS, WAS FÄLLT DIR DA EIN? Stimme aus den Hintergrund: Tomi, als er versuchte Backing-Vocals einzusingen! Michi: Das war schon ziemlich übel, das stimmt….Nein es gibt schon keine wirklich schlechten Erlebnisse. Ich sag mal, man ärgert sich, wenn man vor Leuten steht, die überhaupt nicht dazu zu bewegen sind, irgend etwas zu machen vor der Bühne. Das ist natürlich geil, wenn Du irgendwo hin kommst, und da geht es richtig ab. Die Leute sind dabei und schreien und johlen vor der Bühne. Aber ich denke, man muss sich halt jedes mal wieder aufs neue beweisen. Das ist halt die Aufgabe, die wir haben und die werden wir halt weiterführen. AN DICH DIE GLEICHE FRAGE, ÜBELSTES ERLEBNIS ODER GRÖSSTER SUPERGAU? Tomi: Also ich meine, Pannen passieren immer. Wir sind alt genug, um drüber zu lachen, wenn auf der Bühne mal was schief geht, wir nehmen das nicht so krumm. Wir wollen alle Spaß haben und nehmen das mit dem notwendigen Humor. Das schlimmste, was mir passiert ist, war, dass es Zeiten in meinem Leben gab, wo ich eigentlich nicht mehr Musik gemacht hab, um Musik zu machen, sondern wo ich Musik gemacht hab, um auf Tour zu sein, mich wie ein Star zu fühlen, um Mädels zu ficken. Letztendlich war die Musik nur noch so ne Art notwendiges Übel, um das machen zu können. Ich hab dann für mich den Bass wirklich drei Jahre in die Ecke gestellt und hab ihn auch ganz bewusst drei Jahre nicht angefasst, weil ich gesagt hab, ich fass das Ding erst wieder an, wenn es bei mir so stark ist, dass ich das wieder unbedingt spielen will. Und das hat wirklich drei Jahre gedauert, bis das bei mir im Kopf wirklich so richtig klar war, ich mach die Musik um die Musik zu machen. Ich mach das für keinen Fan, ich mach das für keine Plattenfirma, ich mach das für keinen Manager, ich mach das für mich. Damit das mir Spaß macht, wenn mir das keinen Spaß mehr macht, dann hör ich auf. Das will ich nie mehr erleben, das ich so was, was mir so viel bedeutet und für mich so geil ist wie die Musik, das ich das instrumentalisiere, nur um Geld zu verdienen oder mein kleines Ego da irgendwie aufzubauen. Das hab ich nicht mehr nötig, und das möchte ich nicht noch mal erleben. Deswegen finde ich das super geil, wie das momentan bei REBELLION läuft. Weil wir es wirklich einfach nur für den Fun machen und weil es einen tierischen Fun macht. DANKE FÜR DAS INTERVIEW!

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