Terrorverlag > Blog > REVOLVERHELD > REVOLVERHELD (KRISTOFFER/ FLORIAN/ JAKOB)

Interview Filter

REVOLVERHELD (KRISTOFFER/ FLORIAN/ JAKOB)

Revolverheld-2.jpg

VOR IHREM AUSVERKAUFTEN KONZERT IM RINGLOKSCHUPPEN SPRACH DER TERRORVERLAG MIT GITARRIST KRISTOFFER HÜNECKE, BASISST FLORIAN SPEER UND SCHLAGZEUGER JAKOB SINN VON DER HAMBURGER BAND REVOLVERHELD. DIE DREI MUSIKER ERZÄHLEN VON IHREM TOURALLTAG, DEM VIDEO ZU IHRER AKTUELLEN SINGLE »UNZERTRENNLICH«, MUSIKALISCHEN EINFLÜSSEN SOWIE DEM GLÜCK, DIE PERFEKTE BANDKONSTELLATION GEFUNDEN ZU HABEN. DAS KONZERT HEUTE ABEND IST AUSVERKAUFT. WIE FÜHLT MAN SICH, KURZ BEVOR MAN VOR EINIGEN HUNDERT MENSCHEN AUF DIE BÜHNE GEHT? Florian: Eigentlich sind wir sehr entspannt. Mittlerweile haben wir ja schon eine gewisse Routine. Es ist auf jeden Fall toll, und eine große Bestätigung, wenn man weiß, dass so viele Leute kommen. WANN SEID IHR HEUTE IN BIELEFELD ANGEKOMMEN? HATTET IHR ZEIT EUCH EIN WENIG UMZUSCHAUEN? Florian: Wir sind schon heute Morgen ganz früh angekommen, haben insgesamt aber leider nicht so viel von Bielefeld gesehen. Jakob und ich waren vorhin kurz in der Innenstadt und haben ein paar Kleinigkeiten besorgt. Aber es war doch recht kalt draußen und der erste Schnee fiel. Wir haben nicht so viel gesehen, weil wir heute kaum Zeit hatten. Der Soundcheck hat sich ziemlich in die Länge gezogen. WIE LANGE SEID IHR DIESES JAHR INSGESAMT AUF TOUR GEWESEN? Kristoffer: Oh, wahnsinnig viel. Wir waren Anfang des Jahres im Studio um unser neues Album aufzunehmen und haben im Anschluss daran gleich eine Frühjahrstour gemacht. Danach kamen die Festivals und jetzt eben noch die Herbst-Wintertour. Ich glaube, wenn wir jetzt im Dezember nach Hause kommen und ein bisschen frei haben, dann werden wir alle erst einmal das Jahr verarbeiten müssen. WIE SIEHT DENN EIN TYPISCHER REVOLVERHELD-TOURTAG AUS? Jakob: Man kommt morgens um acht oder neun Uhr an und dann kann eigentlich jeder schlafen, so lange er will. Es gibt ein paar Früh- und ein paar Spätaufsteher, zu denen ich gehöre (lacht). Die ersten Termine sind meistens gegen 15 Uhr, manchmal aber auch erst um 17 Uhr. In der Regel hat man davor Zeit, die Stadt zu erkunden. Heute hat das leider nicht hingehauen, weil wir ein frühes Interview hatten. Aber man macht den Soundcheck und gibt Interviews, isst zu Abend, geht auf die Bühne, geht danach vielleicht noch was trinken. Dann geht es weiter in die nächste Stadt. Das ist so der normale Ablauf. WENN MAN SO VIEL AUF TOUR IST, BLEIBT DA NOCH ZEIT, SICH REGELMÄSSIG MIT DEN FREUNDE ZU TREFFEN? KOMMEN DIE AUF EURE KONZERTE, WENN IHR GERADE IN DER NÄHE SPIELT ODER WIE HALTET IHR KONTAKT? Florian: Wenn man in Städten ist, wo man Freunde hat, kommen die natürlich auch. Das ist dann auch cool, weil man sie mal sieht. Aber so die Freunde und Eltern zu Hause, mit denen ist es natürlich schwierig auf Tour. Man nutzt auf jeden Fall die Zeit zu Hause viel intensiver. Dieses Jahr waren das meist nur ein paar Tage, aber das wussten wir ja auch vorher. Das gehört eben zum Musikerleben einfach dazu. IHR HABT JA UNTER ANDEREM SCHON ALS SUPPORT FÜR ETABLIERTE DEUTSCHE ACTS WIE UDO LINDENBERG, SILBERMOND ODER DIE HAPPY GESPIELT. WAS HABT IHR VON DENEN GELERNT, WAS HAT EUCH AN DEREN ARBEITSWEISE BESONDERS BEEINDRUCKT? Jakob Sinn: Also DIE HAPPY haben uns auf jeden Fall am meisten beeinflusst. Weil wir innerhalb der gemeinsamen Tour Freunde geworden sind. Da konnte man schon sehen, dass das sehr erfahrene Musiker sind. Wir haben uns das eine oder andere Ritual von ihnen abgeschaut. Also es hat uns schon sehr motiviert. Weil gerade die Bühnenshow von so Tourerfahrenen Musikern sehr durchdacht ist. Aber auch die Touren mit SILBERMOND und UDO LINDENBERG waren toll. Gitarrist: Mit SILBERMOND war es so, dass wir das erste Mal vor richtig vielen Leuten gespielt haben und große Hallen füllten. Das war dann natürlich schon beeindruckend. Florian: Es ist jetzt nicht so, dass wir uns von den Musikern alles abgucken und dann selbst genauso machen. Aber es sind natürlich super Chancen, als Supportact zu spielen und somit neue Leute zu erreichen. WELCHE GENRES UND BANDS HABEN EUCH DENN BESONDERS BEEINFLUSST? Florian: Das ist bei uns auf jeden Fall Rockmusik. Da kommen wir alle auf einen Nenner. Die einen oder anderen hören dann auch mal Jazz oder Singersongwritersachen. Aber ich glaube FOO FIGHTERS, BILLY TALENT, NIRVANA, METALLICA, PEARL JAM sind Bands, die jeder von uns unabhängig gehört hat und die uns auch motiviert haben selbst Musik zu machen. Kristoffer: Das ist auf jeden Fall der gemeinsame Nenner. Klar hat Jeder dann noch mal verschiedene Vorlieben, der Eine hört viel Singersongwriter, der Andere eher Jazz. IN DEM VIDEO ZU EURER AKTUELLEN SINGLE „UNZERTRENNLICH“ STEHT EINE SICH ANBAHNENDE LIEBESGESCHICHTE ZWISCHEN ZWEI JUNGEN IM MITTELPUNKT. DIE HOMOSEXUALITÄT GILT IM ALLGEMEINEN ALS EINES DER TABUTHEMEN DER ROCKMUSIK. WOLLTET IHR MIT DIESEM VIDEO BEWUSST EIN ZEICHEN SETZEN ODER WAS SOLL DAS VIDEO TRANSPORTIEREN? Kristoffer: Ja klar, wir haben uns natürlich was dabei gedacht. Der Song ist für uns sehr besonders. Wir wollten dazu auch ein besonderes Video drehen. Da bot sich keine x-beliebige Mann-Frau-Geschichte, die es schon zwanzigtausend Mal gab, an. Das war eigentlich der Hauptgrund, warum wir uns dafür entschieden haben, eine Mann-Mann-Geschichte zu machen. Weil es genau diese besondere Beziehung, die wir auch zu diesem Song haben, auf einer anderen Ebene darstellt. Was dann daraus geworden ist, hat uns selbst ein bisschen verwundert. Dass da scheinbar im Jahr 2007 noch immer so viel Gesprächsbedarf ist und wir immer darauf angesprochen werden, weil es ja so außergewöhnlich wäre, ist verwunderlich. Es ist schon traurig, wenn man sieht, was zum Beispiel in der Berliner Hip Hop Szene momentan abgeht. Wie da relativ unreflektiert über Schwule gesprochen wird. Wie wir es im Video dargestellt haben, ist es denke ich total normal. Wir haben das Gefühl, dass Schwule immer nur respektiert werden, wenn sie irgendwie tuntig oder schrill sind, aber die Normalität sieht ganz anders aus. IHR SEID JA DURCH DAS COACHING DER MANNHEIMER POPAKADEMIE GEGANGEN. WAS WAREN EURER MEINUNG NACH DIE ZENTRALEN POSITIVEN ASPEKTE DIESER FÖRDERUNG, DIE EUCH BIS HEUTE HELFEN? Kristoffer: Das Positivste war, dass wir vor die Entscheidung gestellt wurden, ob wir jetzt wirklich professionell Musik machen wollen. Das wurde uns gleich zu Anfang vermittelt. Sie haben uns mit den Konsequenzen des Musikerlebens konfrontiert. Was man aufgeben muss, um Musik machen zu dürfen. Da ist jeder von uns noch einmal in sich gegangen und hat sich selbst gefragt, ob er wirklich dafür bereit ist. Würde ich für die Musik mein Studium aufgeben, würde ich meine Jobs so legen, dass ich erst einmal die Priorität auf der Musik habe. Das war zwar vorher auch schon unausgesprochen klar bei uns, aber dann halt auch ausgesprochen klar. Alles weitere, wie die ganzen Coachings haben wir mitgenommen, aber was jetzt nicht sehr besonders oder so. Das hat jede andere Band auch mitgenommen. Ich glaube wichtig ist, was man dann im Endeffekt selbst daraus macht und für sich rauszieht. Jakob: Ich glaube auch, dass das Coole an der ganzen Sache ist, dass sie auf jede Band individuell eingehen, weil sich jede Band auf einer anderen Höhe der Karriereleiter befindet. Es ist nicht so, dass wenn du da aufgenommen wirst, dass du dich zurücklehnen kannst und die Füße hochlegst. So funktioniert das auf keinen Fall. Es gibt nicht so viele Bands, die dann wirklich im Anschluss an das Coaching wirklich einen Plattenvertrag bekommen haben. IM GEGENSATZ ZU MANCH ANDEREN BANDS, DIE SICH FÜR IHRE ALBUMPRODUKTION GERNE NAMHAFTE PRODUZENTEN MIT INS BOOT HOLEN, ÜBERNEHMT IHR DAS MEHR ODER WENIGER SELBST. WIE WIRKT SICH DAS INSGESAMT AUF DIE ARBEIT AN DEN PLATTEN AUS? IST ES NICHT SCHWER, EINEN OBJEKTIVEN BLICK AUF DIE EIGENE MUSIK ZU WERFEN? Kristoffer: Es kommt drauf an, ob man da wirklich so objektiv sein muss. Kann ein Produzent, der eigentlich gar nichts mit der Band zu tun hat und sie dann auf einmal zwei Monate lang sieht und mit ihnen ein Album aufnimmt, wirklich das widerspiegeln, was eine Band über Jahre aufgebaut hat? Auch gerade an Attitude und unausgesprochenen Sachen, die vielleicht eigentlich klar sind, wenn man zusammen im Studio ist. Der Produzent muss dass dann halt erahnen und ich glaube, dass ist für ihn sehr sehr schwer. Deshalb ist es glaube ich gerade gut, dass wir das bei den ersten beiden Alben zusammen gemacht haben, weil wir eigentlich genau wissen, was jeder denkt und uns sehr gut kennen. Wir wissen den Geschmack von den einzelnen sehr gut einzuschätzen. Dementsprechend haben wir versucht, das auch auf CD hinzukriegen, das auf Band zu bannen. Und ich denke, dass es uns auch ganz gut gelungen ist. Wir haben auf den letzten beiden Alben den Weg des Sounds für uns gefunden. Irgendwann kann man bestimmt auch mal nach einer Erweiterung suchen. Aber das war für uns einfach sehr wichtig, dass wir uns gefunden haben und das wir erst einmal ein paar Meilensteine gesetzt haben, um die Richtung festzulegen. Mal gucken, was jetzt beim dritten Album passiert, wir haben schon darüber gesprochen, ob man mal mit einem Produzenten zusammenarbeiten kann, aber vorher waren wir definitiv noch nicht bereit dafür. Weil wir uns erst noch selbst einordnen mussten. MAN STELLT EUCH GERN ALS PARADEBEISPIEL FÜR DAS DO-IT-YOURSELF PRINZIP DAR. WIE SEHT IHR DAS SELBST? WAS UNTERSCHEIDET EUCH VON ANDEREN KÜNSTLERN? Jakob: Wir hatten sehr klare Vorstellungen von dem, was wir machen wollen. Und haben das von vornherein auch immer gemacht. Kristoffer und Niels haben schon vorher die Demos produziert, bevor sie das Album produziert haben. Wir haben am Anfang das Booking und die Homepage selber gemacht, es war eigentlich schon alles sehr stimmig. Das hat zum Glück auch der A&R, der uns dann gesignt hat, genauso gesehen. Wir haben die Unterstützung von der Plattenfirma bekommen, was auch nötig ist. Da haben wir sehr drauf geachtet. Es gab schon vorher Leute, die uns gefragt haben, dann aber einiges ändern wollten. Wir haben dann immer gesagt, dass wir das nicht machen, weil wir ein festes Ziel im Kopf hatten, dass wir Konsequenz verfolgt haben. Florian: Man muss auf jeden Fall hart bleiben. Es gibt sehr sehr viele Bands, die sich sehr verbiegen lassen und die dem Geist der Zeit hinterher rennen. Das haben wir nicht gemacht. Wir haben unseren Film im Kopf gehabt und das knallhart durchgezogen und zum Glück auf Seite der Plattenfirma Leute gefunden, die an uns und unseren Film geglaubt haben. Und ich denke, dass das bei uns auch so ein Entweder-Oder-Ding war. Wir waren als wir den Plattenvertrag bekommen haben zu alt, um irgendwelche Kompromisse einzugehen. Wir waren Mitte 20 und somit nicht Mehr Bill und Tom, sondern schon etwas gereifter. SOWEIT MAN DAS EUREN BIOGRAPHIEN ENTNEHMEN KANN, SEID IHR ALLESAMT RECHT FRÜH ZUR MUSIK GEKOMMEN UND HABT AUCH DEMENTSPRECHEND INSTRUMENTALUNTERRICHT ERHALTEN. WÜRDET IHR SAGEN, DASS DAS EINER DER GRÜNDE IST, WARUM IHR SO WEIT GEKOMMEN SEID UND JETZT HEUTE HIER STEHT? Jakob: Es gibt viele Musiker, die früh angefangen haben, Musik zu machen und nicht so bekannt geworden sind. Der springende Punkt bei uns ist sicherlich, dass wir in dieser Konstellation zusammen gekommen sind. Es gibt viele Leute, die ihre ganze Musikerkarriere nach genau der richtigen Konstellation suchen. Wir hatten das Glück, dass wir irgendwann die richtigen Leute beieinander hatten, die genau das Gleiche gedacht haben und die Energie reingesteckt haben. Das gelingt glaube ich sehr vielen Bands nicht. Das war einfach auch ein bisschen Glück. Florian: Wir haben ja vorher auch andere Erfahrungen gemacht und haben in anderen Bands gespielt. Und da hat es halt eben nicht so funktioniert. Es ist sehr wichtig die richtigen Leute um sich zu haben, die alle an dem gleichen Strang ziehen, dann kann es halt erst was werden. Aber sicherlich gehört auch wirklich ein bisschen Glück dazu. WAS WÜRDET IHR DENN JUNGEN AUFSTREBENDEN NACHWUCHSBAND DIE IM MYSPACEZEITALTER UM EINEN DER WENIGEN PLATTENVERTRÄGE KÄMPFEN, MIT ALS TIPP AUF DEN WEG GEBEN? Florian: Das MySpacezeitalter birgt ja auf jeden Fall auch unglaubliche Chancen und es gibt ja viele Bands, die keinen Plattenvertrag haben, aber schon zehntausend MySpacefreunde oder so. Man kann halt weltweit auf sich aufmerksam machen und letzten Endes ist es ja so, dass Bands mit Plattenverkäufen immer weniger Geld verdienen und mit Livekonzerten immer mehr Geld verdienen. Das ist bei uns nicht anders. Um wirklich eine erfolgreiche Band zu sein muss man nicht zwangsläufig beim Majorlabel einen Plattenvertrag haben. Natürlich werden dann da noch mal andere Hebel in Bewegung gesetzt, aber es reicht auch erst einmal, wenn man das Booking selber macht. Man hat einfach durch das Internet wahnsinnig viele Möglichkeiten, vielleicht auch Shows von sich selber zu füllen. Einfach nur weil man bei Myspace viele Freunde hat. Oder wenn man mit befreundeten Bands Shows spielt. Außerdem kann sich mittlerweile ja fast jeder ein Homestudio einrichten und selbst geile Demos produzieren. Es gibt ja keine Ausreden mehr, dass man sagen kann, es wäre alles so teuer oder so. Das ist echt total günstig geworden. Man muss sich da nur reinfuchsen und wenn man musikalisch talentiert ist, dann schafft man das auch. Jakob Sinn: Wichtig ist einfach, nicht irgendeinem Trend hinterherzulaufen und zu sagen, dass hier funktioniert gerade, dass mache ich jetzt auch, sondern einfach das machen, worauf man Lust hat. Was dann auch wirklich aus deinem Herzen kommt. Kristoffer: Dass dann da irgendwas mit mehr Potential rauskommt, als irgendetwas fremdes, ist ja eigentlich klar.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu REVOLVERHELD auf terrorverlag.com