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ROME

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ES FREUT UNS SEHR, DASS IHR UNS EIN PAAR FRAGEN BEANTWORTEN MÖCHTET. GLEICH ZU BEGINN EIN KOMPLIMENT FÜR EUER NEUES ALBUM „FLOWERS FROM EXILE“ UND HERZLICH WILLKOMMEN BEIM INTERVIEW. JEROME, BESCHREIBE UNSEREN LESERN DOCH BITTE EINMAL DEN PATRICK UND WAS SEINE AUFGABE BEI ROME IST. Patrick ist der zweite Kopf des Projekts. Er ist verantwortlich für das Recording, Engineering und Mastern aber auch für Arrangements und Instrumentierung. Macht also eigentlich alles, haha. PATRICK, UND NUN BITTE VICE VERSA? Na gut, Jerome muss dafür erstmal alles schreiben und komponieren. Er ist sozusagen Mastermind und liefert Konzept und Kontext eines Albums, sowie die Texte, Sampleauswahl, etc. MIT NIKOS HABT IHR EINEN NEUEN MANN AN BORD, WELCHER EUCH MIT DER VIOLINE BEGLEITET. WIE HAT MAN SICH KENNEN GELERNT? WELCHE BEDEUTUNG WIRD DAS INSTRUMENT ZUKÜNFTIG NOCH SPIELEN? Kennengelernt hat Patrick Nikos dank einiger Produktionen in seinem Studio. Für „Flowers“ wollten wir dann mal ein paar Geigen richtig aufnehmen. Patrick hat Nikos einfach angerufen, und wir haben eine ganze Nacht lang durchgearbeitet. Wir haben uns gut verstanden und daraufhin später beschlossen es auch mit ihm live auf der Bühne zu versuchen. Wir sind mittlerweile ein gut eingespieltes Team. Welche Bedeutung das Instrument haben wird, ist noch schwer abzuschätzen da die Arbeit an neuen Sachen erst im Anfangsstadium ist… DER WECHSEL ZU EINEM ANDEREN LABEL IST ZWAR NICHTS NEUES, ABER GERADE BEI EUCH SCHEINT EINIGES AN UNVERSTÄNDNIS BEI MANCHEN „SZENE PURISTEN“ AUFGEKOMMEN ZU SEIN. WAS HAT EUCH ZUM WECHSEL VON COLD MEAT ZU TRISOL VERANLASST? IST DIES AUCH AUSDRUCK EINER ANDEREN „STRATEGISCHEN“ AUSRICHTUNG VON ROME BZGL. DER LYRISCHEN THEMEN, DER BREITENWIRKUNG DER MUSIK? Nein, es ist nur Ausdruck von Unrast und dem Willen, sich weiterzuentwickeln. Wir sind gut dort aufgehoben, wo wir jetzt sind. Wir haben viele Freunde bei Cold Meat, und das hat sich auch nicht geändert durch den Wechsel. Was die Puristen angeht… unsere Musik ändert sich ständig – unabhängig vom Label. Wir werden auch auf Trisol trisol-untypische Sachen veröffentlichen. Wir sind davon überzeugt, dass die Bands auch ein Label beeinflussen – nicht nur umgekehrt. Ich mag keine Szenen, und schon gar kein Herdendenken mit Vorstellungen von Purismus, Loyalität und Verrat. Da sollte man Politik machen, nicht Kunst. Die Arbeit an „Flowers“ hat zudem lange vor dem Wechsel angefangen. Die Platte hätte also auch noch auf CMI erscheinen können, und hätte sich dann genau gleich angehört. Was für uns das wichtigste ist, ist die reibungslose Zusammenarbeit von Label und Band – ohne dass der eine dem anderen in den Arsch treten muss, und mit einer klaren Zieleingabe. WIE UNTERSCHEIDEN SICH BEIDE LABELS IM BEREICH PROMOTION, FÜHRUNG UND UMGANG MIT DEN KÜNSTLERN? Deutlich. Wie gesagt, wir fühlen uns bei Alex ganz gut aufgehoben. Interna will ich hier nicht ausbreiten. CMI ist ja auch ein tolles Label. DER AUFSTIEG VON ROME IST GERADEZU KOMETENHAFT ZU NENNEN, NOCH 2006 WAREN KAUM BIOGRAPHISCHE INFORMATIONEN VORHANDEN, NUR SEID IHR SO ETWAS WIE KLEINE SZENE-STARS. WIE SEHT IHR SELBST DIESE ENTWICKLUNG? WAR DAS EINE ART ZIEL VON ANFANG AN? SEID IHR MANCHMAL „ERSCHROCKEN“ DARÜBER, MIT WELCHER LEICHTIGKEIT DER WEG BESCHRITTEN WURDE? IST DAS „LICHT DER ÖFFENTLICHKEIT“ IMMER ANGENEHM ODER WÜRDET IHR MANCHMAL WIEDER GERNE IN DIE ANONYMITÄT DES UNDERGROUNDS ZURÜCKKEHREN? Also was den öffentlichen Rummel angeht, so sind wir doch locker in der Lage einkaufen oder zum Frisör zu gehen, ohne von Autogrammjägern umgeben zu sein, haha. Von daher hat sich für uns gar nichts geändert. Dass man auf den eigenen Konzerten angesprochen wird, wollen wir ja auch selbst, um den Kontakt zu den Fans und Unterstützern zu pflegen und was den Alltag angeht und das Schreiben bzw. Werkeln für ROME, so geniessen wir da weiterhin die Anonymität des Undergrounds. Der vermeintlich „kometenhafte“ Aufstieg war übrigens alles andere als geplant. Die erste EP war für mich nur ne kleine Demo, und alles, was folgte, hat mich selbst überrascht. Natürlich ist man schnell auf den Geschmack gekommen und hat sein Leben jetzt komplett danach ausgerichtet, aber überraschend war es allemal. WELCHER ZUSAMMENHANG BESTEHT BEI ROME ZWISCHEN SONGTITEL UND KOMPOSITION AN SICH, HABEN DIE MEISTEN LIEDER DOCH EINEN ANDERSSPRACHIGEN TITEL ALS DIE „SONGSPRACHE“ SELBST. Das ist wie bei einsprachigen Bands auch. Der Titel passt normalerweise zum Song. Nur weil wir uns nicht auf Textpassagen im Titel referieren, ändert das nichts daran, dass das Thema sowohl im Song selbst als auch in dessen Titel verankert ist. ALLE EURE VERÖFFENTLICHUNGEN HATTEN STARKE LYRISCHE THEMEN, MIT DENEN MAN SICH INTENSIV AUSEINANDERGESETZT HAT BZW. MUSSTE. WOHER DIE JEWEILIGE INSPIRATION? WIE WERDEN DIE KONZEPTE ERARBEITET? WIE VIEL DAVON IST PERSÖNLICHES INTERESSE, PERSÖNLICHER BACKGROUND? Beim letzten Album war es deutlich offensichtlicher, dass es den persönlichen Background braucht – ein Teil meiner Familie hat im Spanischen Bürgerkrieg gegen Franco gekämpft – bei den anderen Alben war es sowohl Allgemeines wie auch Persönliches, das den Anstoss gegeben hat. Man stösst auf ein Thema und macht sich an die Arbeit; Schreiben, Recherchieren, Komponieren… wie das halt so geht. WIE SO OFT WERDEN BANDS IMMER IN SCHUBLADEN GESTECKT. WENNGLEICH MANCHE BEHAUPTEN, ROME SEI IM KERN EINE NEOFOLK-BAND, KANN ICH DEM NICHT GANZ ZUSTIMMEN. ES IST SCHWER, EUCH EINZUORDNEN, JA FAST UNMÖGLICH. WIE BESCHREIBT IHR SELBST EURE MUSIK? WELCHE MUSIKALISCHEN EINFLÜSSE WÜRDET IHR NENNEN? Wir bezeichnen das Ganze als Chanson Noire, da wir es wohl bei ROME meist mit der düsteren Variante der Songwritertums zu tun haben und der Begriff Chanson uns persönlich sehr gefällt da er sich stilistisch auch nicht strikt eingrenzen lässt. Wir mögen keine Schubladen. Keiner mag die. WELCHE ROLLE SPIELEN SAMPLES IN EUREN SONGS? WIE WERDEN DIESE AUSGEWÄHLT? Das ergibt sich durch die Recherche. Man sammelt und spätestens im Studio ist es meist offensichtlich was wohin soll. Die Samples erweitern die Spannung und Deutungsmöglichkeiten. Es ist bei uns ein beliebtes Mittel Gegensätzliches zu integrieren. NUN SCHWENKEN WIR EINMAL ZUM AKTUELLEN LONGPLAYER „FLOWERS FROM EXILE“ ÜBER. WELCHE FUNKTION HATTE DIE VORAB EP „TO DIE AMONGST STRANGERS“? EINE ART EINSTANDS-GESCHENK FÜR TRISOL? Haha, ja, das war wohl die Mitgift. „FLOWERS FROM EXILE“ IST EIN IN SICH GESCHLOSSENES WERK UND MEINES ERACHTENS AUCH ALS DIESES ZU BETRACHTEN. DER SPANISCHE BÜRGERKRIEG STEHT IM VORDERGRUND UND DIE ENTFREMDUNG DES MENSCHEN, KÖNNTE IHR UNS MEHR ZU DEN HINTERGRÜNDEN UND DEM PERSÖNLICHEN BEZUG ZUM THEMA ERZÄHLEN? Das Thema „Spanischer Bürgerkrieg“ hat mich immer schon interessiert, aber ich war vor etwa drei Jahren zusammen mit meinem Onkel in Spanien und igendwann mal abends nach dem ein oder anderen Gläschen Wein hat er angefangen zu erzählen. Ich denke, dass das wohl entscheidend war, die Platte jetzt zu machen. Ich wollte diese Familiengeschichte, diesen Teil der Weltgeschichte und die vielen damit verbundenen Emotionen auf Platte festhalten. Mein Onkel ist im tunesischen Exil geboren. Das gehörte damals noch zu Frankreich, weshalb er Franzose ist, obwohl seine Mutter Italienerin war, die vor Mussolini nach Tunesien geflüchtet ist, wo sie sich dann in einen Spanischen Marinesoldaten der republikanischen Armee verliebt hat, der seinerseits vor Franco fliehen musste, weil ihm in Spanien wegen seines antifaschistischen Engagements die Todesstrafe drohte. Das war sozusagen eine Drehbuchvorlage, wie sie nur das wahre Leben schreiben kann, und die mich für dieses Album inspiriert hat. „FLOWERS FROM EXILE“ IST IN VIER PARTS GETEILT: „REISEHERRSCHAFT“, „BESITZBEGRENZUNG“, „RUHEVERBOT“ UND „VERZICHT“. WELCHE IDEE VERBIRGT SICH DAHINTER? WIE STEHEN DIESE TEILE IM VERHÄLTNIS ZUEINANDER? Von der Reiseherrschaft bis zum Verzicht wird eine moralische Entwicklung beschrieben. Die einzelnen Kapitel bezeichnen jeweils auch bestimmte Wertvorstellungen der Flüchtlinge. Die Songs sind in dem Sinn Flüchtlingsgespräche, die sich im einzeln mit bestimmten Werten auseinandersetzen. WER WIRD MIT „THE GENERATION OF DESTROYERS“ BEZEICHNET? Ich weigere mich stets, Platten eine Gebrauchsanweisung mitzugeben. „ODESSA“ LÄSST VIEL RAUM FÜR SPEKULATIONEN. GEHE ICH RICHTIG IN DER ANNAHME, DASS DAMIT EINE ORGANISATION IN SPANIEN ZU NAZI-ZEITEN GEMEINT IST? Odessa war eine Schleuserorganisation von ehemaligen Faschisten, ja. Das Wichtige bei der Titelauswahl war die Brücke zum Heute. Die von der Platte angesprochene Thematik hat an Aktualität nichts verloren und sollte keinesfalls auf die damalige Zeit limitiert werden. Wir sind nicht Guido Knopp, der Geschichte auf die banalsten Dinge herunterrechnen will, um ja keine aktuellen Zusammenhänge zu beleuchten. Odessa hat vielen Faschisten die Flucht ermöglicht, die ihrerseits im Exil leben mussten (das Mitleid sollte sich hier natürlich in ertragbaren Grenzen halten), es aber oft zu Staatsmännern oder Schattenmännern in südamerikanischen Juntas gebracht haben. Stellvertretend für diesen Aspekt der Geschichte (die sich machtpolitisch noch mindestens bis in die 90er Jahre zieht) beginnt der Song „Odessa“ mit Sprach-Samples von Salvador Allende. WER SIND FÜR EUCH DIE „SECRET SONS OF EUROPE“ ODER BESSER GEFRAGT, WEM WIDMET IHR DIESEN TITEL? Das ist allen gewidmet, die sich damit identifizieren können. Gemeint sind natürlich vorrangig die Kinder des Exils. „SWORDS TO RUST – HEARTS TO DUST“ IST MEINES ERACHTENS EIN SEHR INTERESSANTES WORSTPIEL. WAS VERBIRGT SICH DAHINTER? Es geht um die Vergänglichkeit des Lebens und die Unvergänglichkeit von Idealen. „FLIGHT FROM FORMATION“ STICHT AUF FAST ORCHESTRALE WEISE VOM REST DES ALBUMS AB. GIBT ES DAZU EINE BESONDERE „GESCHICHTE“? Nein. Es ist der erlösende Schlusschor. WIE SEHT IHR SELBST DIE EVOLUTION EURER VERÖFFENTLICHUNGEN? DEN KLANGLICHEN REIFEPROZESS? HAT SICH DAS SONGWRITING IM LAUFE DER JAHRE VERÄNDERT? Alles verändert sich ständig. Es gibt, denke ich, bei ROME einen roten Faden und eine klare Linie, aber sowohl das Songwriting, die Arrangements und die einzelne Instrumentierung ändern sich fortwährend. Wir wollen uns nicht wiederholen. Was gemacht ist, ist gemacht worden und bedarf keiner Wiederholung. Wir sind auch immer von anderen Sachen beeinflusst und inspiriert. Wir wollen jedem Album eine eigene Dynamik und Farbe verleien und natürlich verändert sich das Studioequipment auch – das darf man nicht unterschätzen, haha. EINEN TAG NACH DER VERÖFFENTLICHUNG DES ALBUMS HATTET IHR AUCH EURE RELEASEPARTY. WIE HABT IHR DIESE EMPFUNDEN? Es war echt ein wunderbarer Abend. Wir sollten das wiederholen. Für uns hat da alles gepasst. Wir fühlen uns in Mannheim auch sehr wohl, weil wir viele Freunde in der Nähe haben. Ich selbst habe lange in Heidelberg gelebt und Patrick lebt ja heute im gleichen Bundesland. Die Region ist für uns ein weiteres Zuhause geworden, obwohl die Locations sich ändern sind die Konzerte immer sehr nett. War auch ganz schön voll an dem Abend, was uns natürlich sehr geschmeichelt hat. Ich denke, wir werden das in irgendeiner Form bestimmt wiederholen. LIVE HAT SICH IM LAUFE DER ZEIT EINIGES VERÄNDERT. 2007 STAND JEROME NOCH MIT GASTMUSIKERN AUF DER BÜHNE. WIE IST BEISPIELSWEISE DER KONTAKT ZU DIE WEISSE ROSE ENTSTANDEN? UND FÜHLST DU/ FÜHLT IHR EUCH NUN SICHERER AUF DER BÜHNE, AUCH DURCH DEN ZUSPRUCH SEITENS PUBLIKUM UND MEDIEN? Ja, wir fühlen uns immer wohler auf der Bühne. Es gibt noch viel zu tun, aber langsam wird’s. Am Anfang hatte ich gar nicht vor, live aufzutreten. ROME als solches war ja nie in der Grössenordnung geplant. Da musste ich umdenken und vieles neu definieren. Halt aus dem Keller raus kommen, vom PC weg auf die Bühne. Eines der ersten Konzerte war in Kopenhagen, da hab ich Thomas von Die Weisse Rose kennen und schätzen gelernt. Wir sind seitdem wirkliche enge Freunde geworden und er hat mir gleich als Drummer ausgeholfen, bis es zu schwierig wurde, alles für uns unter einen Hut zu bringen. Wir sind immer noch regelmässig in Kontakt, so gut es geht. Und man sieht sich ja immer auf Konzerten. 2009 WARD IHR ZUSAMMEN MIT FIRE & ICE IM VOLKSPALAST ANGESETZT, WAR ES EINE BESONDERE EHRE, AUF DERSELBEN BÜHNE WIE IAN READ ZU STEHEN? GAB ES EINEN PERSÖNLICHEN KONTAKT? Ja, wir haben uns vor dem Konzert gemeinsam darüber beschwert, dass es wohl keinen Soundcheck geben sollte, haha. Ist ein netter Kerl. Wir haben uns immer wieder zwischen den einzelnen Auftritten hinter der Bühne unterhalten. Meist gibt es zwischen den Bands nie wirklich Berührungsängste und den Soundcheck haben wir dann doch für alle Bands durchgeboxt! WAS BEDEUTEN EUCH DAS WAVE GOTIK TREFFEN UND DIE „SCHWARZE SZENE“ INSGESAMT? Es ist immer wieder schön, dort zu sein. Ich habe es vor ROME nie geschafft, selbst dorthin zu gehen, weil immer irgendwas anderes auf dem Kalender stand. Aber als wir dann vor ein paar Jahren dort zum ersten Mal gespielt haben, war es echt umwerfend. Wir hatten aber auch immer Glück mit Publikum und Location. Dieses Jahr war es einfach nur berauschend, im Volkspalast vor solch einem Publikum spielen zu können. Es war echt ein Hammerpublikum! Ich hoffe wir kommen bald wieder in den Genuss. Die Schwarze Szene ist ja Gottseidank sehr breitgefächert und es ist deshalb immer wieder interessant mit Leuten und Bands in Kontakt treten zu können. Wir fühlen uns natürlich da sehr zuhause. Es sind ja unsere Wurzeln. BANDS EURER STILRICHTUNG HABEN IMMER WIEDER MIT PROBLEMEN HINSICHTLICH DER POLITISCHEN AUSRICHTUNG ZU KÄMPFEN. HABT IHR DIES AUCH SCHON AM EIGENEN LEIBE ERFAHREN MÜSSEN? Nein. Uns liegt ja nichts an einer bestimmten Stilrichtung und zudem haben wir aus unserer antifaschistischen Haltung nie ein Geheimnis gemacht. AKTUELL GAB ES JA EINE DISKUSSION ÜBER DIE DARSTELLUNG DER SCHWARZEN SONNE AUF DEN OBSORGEKARTEN. WELCHE MEINUNG HABT IHR DAZU? Ich liebe Obstgarten… Ach, aus dieser Symbolik-Diskussion halten wir uns raus, schlimmer finde ich, dass sich rechtsradikale Verlage immer noch Zutritt zu bestimmten Veranstaltungen verschaffen können. Aber hier kenne ich auch die Gründe nicht und kann deshalb dazu nicht wirklich was sagen. LUXEMBURG IST EIN INTERESSANTES LAND ZWISCHEN DEN „GROSSEN NATIONEN“ – WIE IST EUER KULTURELLES SELBSTVERSTÄNDNIS? WIE POSITIONIERT IHR EUCH IN EUROPA? Mittendrein statt nur dabei. Wir haben kein Problem mit dem Selbstwertgefühl – auch wenn ihr mal auf uns schimpft, haha. Zwischen den grossen Nationen eingeklemmt verlernt man das Koffer packen nicht so schnell. Ausserdem war Luxemburg ja einer der 6 Gründerstaaten der Union. Uns gings in den letzten 20 Jahren besser als je zuvor, das kann also nicht von Dauer sein, wenn man bedenkt, dass wir unsere ganze Wirtschaft auf den Dienstleistungs- und Finanzsektor aufgebaut haben. Ansonsten haben wir die gleichen Probleme wie alle anderen Staaten. Was die Kulturlandschaft betrifft, ist es in Luxemburg etwas schwierig wegen der zugegeben doch recht geringen territorialen Grösse: es gibt einfach wenig Brauchbares und Dauerhaftes. Ein paar Perlen, ok, aber ansonsten überdurchschnittlich mittelmäßige Erzeugnisse kleinkarierter Provinzmentalität (ui, das war böse, sorry). Aber das ist, wie wenn man von einem kleinen Bundesland verlangen würde, die bundesweite Kulturlandschaft zu stellen. Da stösst man schnell auf seine Grenzen. Perfekt also fürs innere Exil, aber wenn man wirklich etwas lernen will, muss man ins Ausland. Ist ja auch gut so. GIBT ES EINE ART „SZENE“ FÜR EURE MUSIK IM HEIMATLAND? Nein. UND WIE SEHT IHR DIE AKTUELLE FINANZKRISE, SCHLIESSLICH GAB ES JA WÜSTE BESCHIMPFUNGEN, DER BEGRIFF DER „LUXEMBURGISCHEN HEUSCHRECKEN“ MACHTE DIE RUNDE. WELCHE LÖSUNGSANSÄTZE GIBT ES? KÖNNTEN WIR AUS DER GESCHICHTE LERNEN, DIE AKTUELLEN PROBLEME ZU MEISTERN? IST DAS KAPITALISTISCHE SYSTEM NOCH ZU RETTEN ODER MUSS EINE ART RÜCKBESINNUNG STATTFINDEN? Ui, da könnte man ja ne Wochenzeitschrift mit füllen… Luxemburg wird die Krise etwas zeitlich versetzt spüren, dann aber umso heftiger. Das fängt ja alles erst an. Rückbesinnung auf was? Darauf, dass wir uns die Strassen zurück erkämpfen könnten für neue Experimente? Interessant wär’s allemal, aber daran kann ich nicht wirklich glauben. Der Kapitalismus findet immer wieder neue Strategien zum Selbsterhalt und zur Selbstentfaltung. Er hat ja nicht gesiegt, sondern ist nur übriggeblieben, weil er bequem ist, solange genügend Leute im Glauben sind Macht und Einfluss zu haben. Um da gescheit was zu ändern, müsste man das Prinzip von Besitz und Eigentum an sich neu definieren. MICH WÜRDE INTERESSIEREN, WELCHE WEITEREN PRIVATEN INTERESSEN IHR NEBEN DER MUSIK HABT, UND AUCH, WELCHE FILME UND BÜCHER IHR EMPFEHLEN KÖNNT. AUFGRUND EURER LYRIK VERMUTE ICH, DASS IHR AUCH IN DIESEN BEREICHEN SEHR BEWANDERT SEID. Für uns ist der Bereich Musik allumfassend. Da fliesst vieles mit ein. Es ist ja für uns sowohl Beruf als auch Freizeit – eine Unmenge an Arbeit aber eben auch Spass. Ja, wir sind sehr interessiert, auch an anderen Formen der Kunst, und mögen Bücher und Filme. Es ist sehr mühsam da ein gerechtes Name-dropping zu machen…aber für euch mach ich mal ne Ausnahme und erwähne mal ein paar gute Bücher und so… Filme: „There Will Be Blood“, „The Quiet American“, „Heat“ etc.. Zurzeit lese ich die Reste der „Flowers“-Recherche: Pablo Neruda und Reinaldo Arenas. Was ich aktuell ansonsten lese und mag, würde die neue Richtung verraten, sorry. WIE SCHAUT ES AUS MIT WEITEREN AUFTRITTEN IN 2009? MIT WEM WÜRDET IHR GERNE MAL DIE BÜHNE TEILEN, WENN IHR DIE FREIE WAHL HÄTTET? Wir spielen demnächst den ersten Gig in den Staaten, in 2 Wochen erscheint dort unser aktuelles Album. Ansonsten spielen wir noch in Leipzig, Berlin und Bucharest. Es kommen bestimmt noch Daten dazu. Mal schauen. Die Bühne teilen wir andauernd. Alleine, das wär mal wieder was, haha. VIELEN DANK FÜR DIE INANSPRUCHNAHME EURER ZEIT! NUN DÜRFT IHR EIN PAAR WEISE WORTE AN DIE LESER RICHTEN, WENN IHR WOLLT… Dank an euch für das Interesse. Wir hoffen euch dann mal auf einem unserer Konzerte begrüssen zu können. Bis dahin!

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