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SILENCE (BORIS BENKO/PRIMOZ HLADNIK)

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An der Spitze der persönlichen Jahrescharts 2004 unserer Redaktionskollegin Katarina Mazurkiewicz stand das Werk der slowenischen Band SILENCE namens “Vain – a Tribute to a Ghost”. Deswegen zögerte sie nicht einen Moment, als es hieß, ab ins 400 km entfernte Leipzig zu fahren, um sich das einzige Deutschlandkonzert der Band anzusehen. Nach dem Auftritt erklärten sich SILENCE Mastermind und Sänger Boris Benko sowie der studierte Pianist und Keyboarder Primoz Hladnik bereit, ihren langen Fragekatalog zu beantworten. DIE SEITE WWW.VAINTRIBUTE.COM EXISTIERT BEREITS SEIT FEBRUAR 2002. DAS ALBUM „VAIN – A TRIBUTE TO A GHOST“ KAM ALLERDINGS ERST ENDE 2004, ALSO FAST DREI JAHRE SPÄTER, RAUS. WARUM HAT ES DENN SO LANGE GEDAUERT? B: Ich denke, solche Projekte brauchen wohl Zeit, um zu wachsen und die endgültige Gestalt an zu nehmen. Von dem Tag an, an dem wir die Seite ins Netz gestellt haben, haben wir die Reaktionen der Besucher beobachtet und im nachhinein das Material fürs Album gesammelt. WAR IHR EUCH VON VORNEHEREIN 100% SICHER, WAS IHR MACHEN WOLLT, ODER HAT SICH DAS PROJEKT „VAIN“ IN SEINER ENDFORM ERST SO ZU SAGEN IN DER MACHE RAUSKRISTALISIERT? B: Nein, nichts war uns klar. Als wir vor drei Jahren mit „Vain“ angefangen haben, hatten wir eigentlich keine konkrete Vorstellungen darüber, wie die Dinge sich entwickeln sollen FÜR MICH HÖRT SICH DAS GESAMTE PROJEKT IN ERSTER LINIE NACH UNGLAUBLICH VIEL ARBEIT AN. ZUERST ERFINDET IHR EINE PERSON, DEREN GANZEN LEBENSLAUF, JA EINE „LEGENDE“, WIE DIE CIA ES NENNEN WÜRDE. DAS GANZE SEHR DETALLIERT. MATEJ SMOLNIK, DIE IMMAGINÄRE PERSON IST NOCH DAZU EIN VIELSEITIGER KÜNSTLER, DER ZEICHNUNGEN, MUSIKSTÜCKE UND PROSA HINTERLASSEN HAT. UND ALL DIESE SACHEN GIBT ES ZU GENÜGE AUF DER SEITE. WER IST DER RICHTIGE AUTOR VON DEN BILDERN, TAGEBÜCHERN UND KURZGESCHICHTEN? B: Na ja, die Zeichnungen sind meine eigenen. Die habe ich während meiner Studienzeit gemacht. Auch die Prosa Sachen habe ich geschrieben. Sie stammen aus meinen bescheidenen Anfängen als Schriftsteller. Die wollte ich schon immer publizieren, aber andererseits war ich mir nicht sicher, ob sie wirklich gut genug waren. Diese Zeichnungen und Prosa haben uns aber wirklich geholfen, diese nicht existente Person zu kreieren. WAS HAT EUCH AN DEM GEDANKEN GEREIZT, EINE VÖLLIG FIKTIVE FIGUR ZU ERFINDEN? WESSEN IDEE WAR ES ÜBERHAUPT? B: Ja, ich habe schon immer Orson Welles und seinen Roman „The War of the Worlds“ gemocht und als das „Blair Witch Project“ kam, da war ich mir sicher, dass ich irgendwann was ähnliches machen wollte. Ich wollte eine Person erschaffen, die real ist, aber andererseits auch wieder nicht. Zuerst allerdings musste ich Primoz zu meiner Idee überreden, er war nämlich anfänglich sehr skeptisch. Ich glaube, jetzt ist er darüber froh, dass wir es gemacht haben. Was meinst du? P: Ja, ich bin glücklich (beide lachen) WENN MAN DIE SEITE BETRACHTET UND DIE MUSIK HÖRT, ICH MEINE JETZT NICHT DIE SONGSCHNIPPSEL, SONDERN DIE BEDROHLICHE MUSIK ALS „UNTERMALUNG“ , WELCHE DIE GANZE ZEIT HÖRBAR IST, DANN DENKT MANN, NA JA ICH HABE AUF JEDEN FALL GEDACHT, DASS DAS ALBUM MUSIKALISCH SOWAS WIE EINE KREUZUNG AUS RAMMSTEIN, LAIBACH UND SKINNY PUPPY SEIN MÜSSE. HÄTTE ICH EURE FRÜHEREN ALBEN NICHT GEKANNT, WÄRE ICH FAST EIN BISCHEN ENTTÄUSCHT… DU KRIEGST WAS TOTAL ANDERES ALS DAS, WAS DU ERWARTEST! B: Ja, ich glaube, du hast recht. Aber so sind wir. So ist SILENCE. JA, ABER DIESE GANZE MYSTERIÖSE GESCHICHTE RUND UM VAINS TOT, ES SCHREIT FÖRMLICH NACH DÜSTERER MYSTERIÖSER MUSIK B: Ich glaube, dass das genau mein Problem ist. Ich mag keine Stereotypen. Ich mag lieber was Unerwartetes machen WENN MAN DAS VORLETZTE ALBUM VON EUCH BETRACHTET, DORT WO „UNLIKE A VIRGIN“ AUFHÖRT MIT DEN SONGS „P.S.“ UND „4-2“ STELLT MAN SOFORT FEST, DASS „VAIN – A TRIBUTE TO A GHOST“ AN DER STELLE DEFINITIV NICHT ANKNÜPFT. WÄHREND VIELE SONGS AUF „UNLIKE…“ NOCH SEHR EXPERIMENTELL KLANGEN, SO HÖRT SICH „VAIN…“ HOMOGEN POPPIG AN, TRIP HOPPIG SOGAR, UM GENAUER ZU SEIN B: „Unlike a Virgin“ haben wir 1999 herausgebracht. Die Zeiten haben sich verändert, wir haben uns verändert. 2002 haben wir angefangen „Vain..“ aufzunehmen, es musste anders klingen. Zudem bin ich der Auffassung, dass jedes Album komplett anders klingen soll, wenigstens so anders wie nur irgend möglich. Ich weiß, dass Plattenfirmen und die gesamte Musikindustrie darüber nie erfreut sind, aber als Musiker, denke ich, sollst du dich ständig neu erfinden, auch wenn die es nicht mögen. NUN JA, WENN MAN EURE ALBEN MITEINANDER VERGLEICHT, ERKENNT MAN NATÜRLICH DEN SILENCE SOUND, ABER ICH MUSS SAGEN, DASS SICH EURE SACHEN SCHON MANCHMAL WIE VON VERSCHIEDENEN BANDS ERDACHT ANHÖREN. MEINST DU, DASS IHR DAS „EXPERIMENTELLE“ KAPITEL FÜR IMMER GESCHLOSSEN HABT? B: Nein, das glaube ich nicht. Alles im Leben dreht sich im Kreis. Ich sage nie „nie“. Es passierten mir so viele seltsame Dinge in den letzten Monaten, dass mich praktisch nichts mehr überraschen kann! DIE BAND EXISTIERT SEIT 1992, IST DAS RICHTIG? B: Jaaa, mein Gott sind wir alt! NEIN, WAS ICH EIGENTLICH WISSEN WOLLTE IST: WARUM GIBT ES NUR DREI REGULÄRE STUDIOALBEN VON SILENCE? IN 13 JAHREN! JUNGS, ICH KENNE BANDS, DIE IN DER SELBEN ZEIT DREI BEST OF-, VIER LIVE- UND ETWA ZEHN STUDIOALBEN RAUSGEBRACHT HABEN! B: Die wohl beste Antwort auf deine Frage ist wohl, weil wir „Vain“ sind… ACH SO, IHR VERBRENNT ALLES, WAS IHR MACHT…. (DIE FIKTIVE PERSON MATEJ SMOLNIK A.K.A. VAIN TAT ES MIT FAST ALLEN SEINEN WERKEN) Nein, wir wollen unseren Output kontrollieren und nur das wirklich beste rausbringen. Wir mögen es auch viel Zeit zu haben, um das Material, an dem wir gerade arbeiten, gründlich zu überdenken und es nicht sofort zu publizieren. AUSSER SILENCE MACHT IHR NATÜRLICH ZIEMLICH VIEL THEATERMUSIK UND SO KAM Z.B. LETZTES JAHR AUCH DER BETONTANC PROJEKT SOUNDRACK „MAISON DES RENDEZ-VOUS“ VON EUCH RAUS. ES SCHEINT SO, ALS OB THEATERMUSIK EUER ZWEITES STANDBEIN WÄRE. HABE ICH RECHT? B: Oh ja, aber ich glaube, darüber kann Primoz was erzählen… P: Ja, hallo… (allgemeines Gelächter) Ja, das stimmt, wir waren in letzter Zeit in mehreren Theaterproduktionen involviert. Dadurch hat sich natürlich die Sache mit „Vain…“ etwas verzögert, da wir uns hauptsächlich auf andere Projekten konzentriert haben. WAS MAN SEHR DEUTLICH AUF „MAISON DES RENDEZ-VOUS“ UND „VAIN“ RAUSHÖREN KANN, SIND FERNOSTLICHE EINFLÜSSE. IHR BENUTZT TEILWEISE AUCH TRADITIONELLE JAPANISCHE ORIGINAL-INSTRUMENTE. GIBT ES DA VIELLEICHT SOWAS WIE EINE PERSÖNLICHE VERBINDUNG IN RICHTUNG JAPAN? P: Ja, es gibt sogar eine sehr persönliche Verbindung, aber auch davon abgesehen, wir stehen auf diese Ethno Sounds, die asiatischen, und auch die osteuropäischen. IRGENDWIE MUSS ICH NOCHMALS ZU DER VAIN-TRIBUTE SEITE ZURÜCKKEHREN. EINE WICHTIGE SACHE SIND DIE TEXTE VON VAIN, DIE ZU SONGTEXTEN WURDEN. WENN MAN SEINE LEBENSGESCHICHTE LIEST UND AUCH, WAS DIE FREUNDE, KOMMILITONEN UND NACHBARN ÜBER IHN ZU ERZÄHLEN HABEN, ERWARTET MAN WAHRSCHEINLICH ETWAS WEITAUS MYSTERIÖSERES UND TIEFSINNIGERES ALS FAST AUSSCHLIESSLICH LIEDER ÜBER DIE LIEBE, MANCHE SEINE AUSSAGEN HÖREN SICH DABEI FAST WIE STATEMENTS EINES VERLIEBTEN PSYCHOPATHEN AN… B: Na ja, egal wie unten durch man ist, im Endeffekt dreht sich alles um die Liebe. Das haben schon damals THE BEATLES gewusst! Ich liebe das Thema „Liebe“ und ich liebe es, damit auf einer eher unorthodoxe Art zu spielen. Und „Vain…“ war eine hervorragende Gelegenheit solch unorthodoxe Art in der Praxis anzuwenden. WIE IST DENN EURE ARBEITSAUFTEILUNG? SCHREIBT HAUPTSÄCHLICH EINER DIE TEXTE UND DER ANDERE MUSIK? B: Nein, für das Gerüst jedes Songs bin ich verantwortlich, ich schreibe die Bass- und Vocal Lines, danach die Texte und dann arbeiten wir zusammen mit Primoz an den Arrangements, die wir dann so zu sagen „aufpolieren“, bis sie in unseren Augen endlich perfekt sind. HAST DU MUSIK STUDIERT? B: Nein, aber Primoz P: Ja, ich habe ein paar Jahre richtig Klavier studiert. Ich wollte ein Pianist sein, vielleicht nicht wie Ivo Pogorelich… (ein weltbekannter klassischer Pianist, berühmt u.a. für seine Chopin Interpretationen d.I.) AU JA, ICH KANN MICH ERINNERN, ER HAT VOR JAHREN IN WARSCHAU DEN ZWEITEN PREIS BEIM CHOPIN WETTBEWERB GEWONNEN UND DIE HÄLFTE DER JURY HAT DIE VERANSTALTUNG AUS PROTEST VERLASSEN, WEIL SIE DACHTEN, ER SEI EIN RICHTIGES GENIE UND SOMIT AUCH NATÜRLICH VIEL BESSER ALS DER GEWINNER. ICH GLAUBE, DAMALS WAR ER HALT ZU UNORTHODOX FÜR DEN KONSERVATIVEN WETTBEWERB… P: Es war nicht die Hälfte der Jury, sondern nur Martha Argerich. HAT ER SIE NICHT SPÄTER GEHEIRATET? ICH MEINE, ER WAR MIT EINER VIEL ÄLTEREN FRAU VERHEIRATET P: Ja, mit einer Russin, sie war tatsächlich zwanzig Jahre älter als er. Unglücklicherweise ist sie vor ein paar Jahren gestorben. Aber eigentlich müssen wir darüber nicht sprechen, oder? NEIN, WIE WAR ES NOCHMALS? IM ENDEFFEKT DREHT SICH ALLES UM DIE LIEBE…. P: Ja… „all you need is love“… DER SONG “HALL OF MIRRORS” IST SCHON ETWAS BESONDERES. IHR HABT BEREITS AUF DEM ERSTEN UND ZWEITEN ALBUM JEWEILS EIN LIED GECOVERED, ABER DIESES LIED STICHT TATSÄCHLICH HERVOR. UND IHR HABT DARAUS EINE GANZ BESONDERE COVERVERSION GEMACHT. SOGAR DER MENSCH VON KRAFTWERK HAT ZUGEGEBEN, DASS ES IHM SEHR GUT GEFÄLLT, WAS NACH MEINER AUFFASSUNG SCHON SOWAS WIE EIN KLEINES WUNDER IST P: Das Thema des Liedes passt hervorragend zu der Vain Geschichte. Auch er sieht sein Gesicht in einem Spiegel… und so weiter und so fort. Da es so verwandt mit unserem Thema war, war es daher eine vollkommen natürliche Wahl. Obwohl wir zuerst gebeten wurden einen Song für die „TransSlovenian Compilation“ CD beizusteuern, ich hoffe übrigens, dass die CD auch bald rauskommt, und daraufhin haben wir „Hall of Mirrors“ aufgenommen. Danach erst haben wir das Stück auf „Vain..“ gepackt. SOWEIT ICH WEISS, HABT IHR UND ANNE CLARK IN DEUTSCHLAND DIESELBE PROMOAGENTUR. HAT DAS EUER UNTERFANGEN MIT IHR ERLEICHERT? KENNT IHR ANNE CLARK GAR LÄNGER? P: Nein, wir kamen tatsächlich durch „Brainstorm“ in Kontakt mit ihr, das ist unsere Promoagentur in Deutschland. JA, ICH GLAUBE, SIE MAG DIESE „EASTERN“ SCHIENE. VOR EINIGEN JAHREN HAT SIE AUCH MIT EINER POLNISCHEN BAND NAMENS „FADING COLOURS“ KOLLABORIERT. ICH GLAUBE, SIE HAT SO EIN KLEINES FAIBLE FÜR „OST BANDS“. ABER JETZT MAL IM ERNST, WISST IHR, OB ES IHR GEFALLEN HAT? P: Ja, ich denke, es gefiel ihr ganz gut. Sie ist auch eine sehr nette Person. Wir verbrachten einen tollen Tag mit ihr, haben ganz viel geredet. Es war ein schöner Tag, er wird uns in Erinnerung bleiben… ES PASSIERTE ALLES AN NUR EINEM TAG? P: Ja, wir haben uns in Deutschland getroffen. Haben das Lied hier im Studio aufgenommen, danach waren wir essen und wir haben geredet und geredet…. HABT IHR DIE ALTEN ALBEN VON ANNE CLARK ZUHAUSE? WENIGSTENS DIE „OUR DARKNESS“ MAXI? B: Unser Promotion Mensch hat uns ein paar ihrer alten CDs gegeben und machte uns mit ihr bekannt. Ich glaube, sie war etwas vor unserer Zeit. Deswegen war mir vor der Kollaboration ihre Musik unbekannt. JA, ICH GLAUBE ES IST AUCH DESWEGEN SO, WEIL IHR AUS SLOWENIEN KOMMT. AUCH IN POLEN WAR ES VOR ZWANZIG JAHREN SCHWIERIG AN SOLCHE MUSIK RANZUKOMMEN. DIE GROSSEN NAMEN KANNTE MAN NATÜRLICH, ABER DER ZUGANG ZU DEN INDEPENDENT SACHEN WAR SCHON SEHR SCHWIERIG. JETZT SIEHT DIE SACHE NATÜRLICH GANZ ANDERES AUS. ES GIBT KEINE UNTERSCHIEDE MEHR. B: Klar, aber andererseits war es früher viel einfacher für eine Ost Band im Westen Fuß zu fassen. All diese Märchen über den Eisernen Vorhang und grausamen Kommunisten machten jede Band interessanter. Jetzt sind wir bloß ein kleines kapitalistisches Land mitten in Europa, und keinen interessiert es… JA, ES IST GENAU DAS, WAS LAIBACH DAMALS PERFEKT AUSGENUTZT HAT. DER SCHRECKLICHE KRIEG, DIE DUNKELHEIT DER MUSIK UND SCHON WAR DER WESTEN INTERESSIERT, ER HATTE GAR MITLEID… B: Stimmt, der Westen hat die ex- jugoslawischen Republiken immer mit Mitleid betrachtet. Die Leute hier dachten wohl, wir waren Jahrzehnte lang fürchterlich unterdrückt und totunglücklich, aber so schlimm ging es uns nie. ALSO WIR IN POLEN DACHTEN IMMER, DASS IHR IN JUGOSLAWIEN VIEL BESSER DRAN SEID ALS DER REST DES OSTBLOCKS. FÜR UNS WARD IHR VOR JAHREN SOWAS WIE EIN RADIESCHEN; DRAUSSEN KOMUNISTISCH ROT, INNEN ABER WEISS, ALSO KAPITALISTISCH. MEINT IHR ALSO, DASS ES HEUTZUTAGE DEFINITIV VORBEI IST MIT DEM KLEINEN „OST BONUS“, WENN ES UM DIE PROMOTION DERARTIGER MUSIK IM WESTERN GEHT? B: Ja, es ist endgültig vorbei. Niemand interessiert sich für uns. Dazu kommt oft, dass osteuropäische Bands manchmal in sehr schlechtem Englisch singen. Schade drum, manchmal machen sie ganz gute Musik. AUF DER VIELZITIERTEN VAIN-TRIBUTE SEITE BEFINDEN SICH AUCH VAINS PERSÖNLICHE KOMMENTARE ZU ALLEN ALBUMSONGS. ER SCHREIBT ZU „SOMEONE ELSE’S SONG“ SOWAS WIE, DASS EIN MUSIKER SEHR OFT UNBEWUSST IN SEINER MUSIK DINGE VON ANDEREN MUSIKERN, DIE ER BEWUNDERT, EINFLIESSEN LÄSST. WAS WAR DENN EURE GRÖSSTE INSPIRATION, ALS IHR ANGEFANGEN HABT? B: Mit „Vain…“? NEIN, NEIN, GANZ AM ANFANG EURER KARRIERE, MEINE ICH… B: Nun ja, wir sind in den Achtzigern großgeworden. Das hörst du schon in unserem Sound raus. Es ist wie eine chronische Krankheit, du wirst es wohl nie loswerden. Und das willst du auch gar nicht. Es ist eine seltsame Krankheit. Also haben wir damals alle bekannte Namen gehört. Aber auch in den Neunzigern haben wir uns Sachen rausgepickt, wie z.B. BJÖRK. UND AUCH DIE TRIP HOP SACHEN, NEHME ICH STARK AN… B: Klar, wir lieben Trip Hop. Insbesondere MASSIVE ATTACK, in meinem Fall zumindest. Und dann kommen noch die östlichen Einflusse. In Jugoslawien hatten wir damals viele großartige Bands. Da war noch ein pakistanischer Sänger namens NUSRAT FATEH ALI KHAN, er ist echt toll, solche Interpreten haben mich geprägt. ES EXISTIEREN DREI VERSIONEN VON „RUNALONG“. ZWEI AUF DEM ALBUM, EINE ALS FREE DOWNLOAD FÜR DIE ALBUMBESITZER. IST DAS LIED BESONDERS WICHTIG FÜR EUCH, ODER IST ES EHER NUR EIN ZUFALL? B: Ach, von fast jedem Song auf dem Album existieren mehrere Versionen. Mit „Runalong“ waren wir einerseits zufrieden, aber wiederum nicht vollkommen zufrieden. Wir haben versucht DIE perfekte Version davon zu finden. Na ja, wenigstens für uns die perfekte Version… WAS AUF „VAIN…“ HERRAUSSTICHT SIND DIE ZWEI FANTASTISCHEN INSTRUMENTAL-STÜCKE. ES IST EINERSEITS FAST ZU SCHADE, DASS SIE KEINE „RICHTIGEN“ SONGS GEWORDEN SIND, ANDERERSEITS ABER NICHT, DA SIE GESCHICHTEN ERZÄHLEN, OHNE DASS EIN EINZIGES WORT FÄLLT. Als wir vor Jahren angefangen haben Musik zu machen, war ein gesungener Refrain gerade total aus der Mode. Es gab wohl einen Refrain, aber der war rein instrumental. Bis heute mögen wir solche Tracks gerne. Ich bin der festen Überzeugung, dass pure Musik viel mehr ausdrücken kann als ein gesungenes Stück. OH JA, ES IST EINE SEHR SELTENE, EINE BESONDERE GABE, KOMPLETT OHNE WORTE EINE GESCHICHTE ZU ERZÄHLEN. DER SOUNDTRACK „MAISON DES RENDEZ-VOUS“ BESTEHT ZUM GRÖSSTEN TEIL AUS SOLCHEN GESCHICHTEN. IST DIESER SOUNTRACK ZU EINEM BETONTANC BALLET SPEKTAKEL AUSSCHLIESSLICH EURE PRODUKTION, ODER WAR DIESMAL NOCH JEMAND ANDERS AM WERKE? P: Nein, es ist ausschließlich unser Projekt, extra für eine Ballettaufführung des Betontanc Tanzensembles namens „Maison des Randez-vous“. Sorry, das war eine kurze Antwort. Ich spreche nicht viel… DU LÄSST LIEBER DIE MUSIK SPRECHEN? P: Ja LASS UNS ÜBER DIE REMIXES UND DIE SINGLES SPRECHEN. EIGENTLICH KENNE ICH NUR EINE EINZIGE SINGLE VON EUCH. ES IST DIE „SON OF SIN“ MCD MIT EIN PAAR REMIXES DRAUF. HABT IHR GRUNDSÄTZLICH WAS GEGEN VERÖFFENTLICHUNGEN VON SINGLES, ODER LIEGT ES NUR AN DER POLITIK EURER PLATTENFIRMA? B: Nein, ich will auch nicht schlecht über unsere Plattenfirma reden, und um ganz ehrlich zu sein, wir stehen nicht so auf Remixes. Ich denke, wenn ein Song gut ist, soll er bleiben wie er ist. Wenn die Leute einen Song mögen, dann mögen sie ihn, wenn nicht, dann nicht. Kein Remix wird es ändern. Und was ich wirklich hasse ist die Mentalität: „O.k., wir machen einen Dance Remix, so dass so viele Leute wie möglich von uns hören und vielleicht auch andere Sachen von uns kaufen, und dann noch einen extra Remix für den Ost Block… dann einen für den westlichen Markt… Ich mag solche Ansichten gar nicht, ich bin ein Musiker und kein Seifenverkäufer! Musik soll eigenständiger sein, nur sie ist es leider nicht. OK, WENN SCHON KEINE REMIXES, WAS IST MIT KOLLABORATIONEN. AUSSER MIT ANNE CLARK HABT IHR VOR EINIGEN JAHREN EIN LIED FÜR DEN SUBOUT SAMPLER MIT ERNST HORN VON DEINE LAKAIEN AUFGENOMMEN. GIBT ES DA VIELLEICH EIN PAAR KONKRETE PLÄNE FÜR DIE ZUKUNFT? P: Momentan nicht, aber wenn eine passende Gelegenheit da ist, warum nicht. B: Wenn es sich zu einem günstigen Zeitpunkt ergibt, gerne ES IST FÜR EUCH SCHON EINE LEICHT VERRÜCKTE SITUATION IN DEUTSCHLAND. HIER HABT IHR FANS, DIE IN ERSTER LINIE DEINE LAKAIEN FANS SIND, DA EUER DEUTSCHES PLATTENLABEL BIS VOR KURZEM AUCH DAS LABEL VON DEN LAKAIEN WAR. IHR SEID SEIT JAHREN SOWAS WIE EIN GEHEIMTIPP, DIE MUND ZU MUND PROPAGANDA WAR BEINAHE EURE EINZIGE WERBUNG. ICH KANN MIR VORSTELLEN, DASS IHR IN SLOWENIEN EIN GANZ ANDERES PUBLIKUM HABT. BESTIMMT ES KOMMEN BESTIMMT NICHT SO VIELE SCHWARZBEKITTELTE MENSCHEN ZU EUREN KONZERTEN, ODER IRRE ICH MICH DA GERADE? P: Na ja, nicht ganz, aber es kommt auch schon eine ganze Menge „schwarzer“ Leute zu unseren Konzerten in Slowenien. Unser Erfolg begann vor Jahren innerhalb dieser Szene und die Leute kommen heute noch, wenn wir live spielen. B: Vor zwei Tagen haben wir in Ljubljana gespielt, da hatten wir viele „Schwarze“ im Publikum… P: Hauptsächlich Mädchen… B: Ja, laute Gothic Mädchen DIE WAHRSCHEINLICH AUCH AUF WITHIN TEMPTATION STEHEN… KENNT IHR „BRAVO“? DAS MAGAZIN FÜR TEENIES UND KINDER? DA GIBT ES IN DER MITTE POSTER VON BANDS WIE WITHIN TEMPTATION, ES SIND SO GENANNTE „BRAVO GOTHIK SZENE BANDS“: HIM, WITHIN TEMPTATION, THE RASMUS. GROSSARTIGE BANDS, DIE SO AUTHENTISCH „GOTHIK“ SIND WIE DIE BRÜSTE VON PAMELA ANDERSON P: Oh, ich habe nicht gewusst, dass diese Bands als Gothic Bands durchgehen NA JA, SOWAS ÄHNLICHES…. IN DEUTSCHLAND VERKAUFEN SICH MOMENTAN AM BESTEN DIE DARK METAL UND QUASI GOTHIK BANDS MIT EINER LEICHT ÜBERGEWICHTIGEN FRONTFRAU MIT OPERNKLEID. MANCHMAL SIND DIESE SÄNGERINEN NICHT MAL ÜBERGEWICHTIG, ABER DAS KLEID IST MAL NE NUMMER ZU KLEIN UND ALLES QUILLT ÜBER. VIELLEICHT SOLLTEST DU AUCH ALS DRAG QUEEN AUFTRETEN UND IHR KÖNNT DADURCH MEHR ALBEN VERKAUFEN. B: Du meinst, wenn ich eine hübsche Frau wäre, hätten wir es leichter gehabt hier berühmt zu werden?! VIELLEICHT… (allgemeines Gelächter) P: Wir suchen einen neuen Sänger… B: Wir suchen eine hübsche Frau…. WIE IHR WISST, BIN ICH SELBER AUCH KEINE DEUTSCHE. ICH HABE MIR ÜBERLEGT, DASS DIE SACHE MIT DEM GRENZENLOSEN VERSTÄNDNIS DURCH DIE MUSIK EIN ABSOLUTER QUATSCH IST. MANCHE NATIONEN MÖGEN EHER FRÖHLICHE MUSIK UND MANCHE, WIE DIE POLEN MÖGEN ES GERNE LEICHT MELANCHOLISCH. SOWAS WIE DER GLEICHE MUSIKGESCHMACK, ODER WIE DIE UNIVERSELLE SPRACHE DER MUSIK GIBT ES NICHT. ES IST IMMER ABHÄNGIG VON GEOGRAPHIE UND KULTUR. WAS DENKT IHR DARÜBER? B: Klar gibt es da Unterschiede. Geographische zum Beispiel. Ich vermute, dass wir mit unserer Musik keine Karriere auf Jamaika anstreben können. P: Ja, oder in Thailand….Schade …. VAIN SAGT – DIESES ZITAT TAUCHT IN ALLEN PRESSEINFOS ZUM ALBUM AUF – DASS „ES DAS PROBLEM DER MUSIK IST, DASS SIE OFT MIT PUBLIKUM ZU TUN HAT“. WIE IST ES MIT EUCH.? SOWEIT ICH WEISS, GEBT IHR NICHT SO VIELE KONZERTE UND GEHT NIE AUF EINE MEHRMONATIGE TOUR, OBWOHL IHR ES BESTIMMT KÖNNTET, WENN IHR WOLLTET. ICH KANN MIR GUT VORSTELLEN, DASS DIE MÖGLICHKEITEN DA SIND, WENN MAN AN DIE GESAMTEN EX – JUGOSLAWISCHEN REPUBLIKEN DENKT, DORT BEI EUREN NACHBARN SEID IHR BESTIMMT AUCH BEKANNT… B: Nein, dass glaube ich eigentlich nicht. In Slowenien kennt man uns, aber in den Nachbarländern herrscht ein unglaubliches Chaos, wenn es darum geht, ein Album rauszubringen oder ein Konzert zu organisieren. Es gibt dort keine Promotion, keinen Vertrieb, keine Tantiemen, keine seriösen Konzertveranstalter. So, wenn du nicht gerade eine durchschnittlich 17 Jahre alte Punkband bist, die vor Enthusiasmus fast platzt und kein Geld für den Auftritt verlangt, kannst du es vergessen! So was vermeiden wir halt… KÖNNT IHR VON DER MUSIK LEBEN? IN DEUTSCHLAND GIBT ES ZURZEIT EINE MENGE RELATIV BEKANNTER ALTERNATIVEBANDS, DIE DENNOCH „NORMALEN“ BERUFEN NACHGEHEN, DA DIE SITUATION AUF DEM MUSIKMARKT IST , NA JA, WIE SIE IST, LEIDER… P: Teilweise können wir von der Musik leben. Streckenweise zumindest. Aber teilweise verdienen wir unser Geld anders. B: Primoz studiert mehrere Sprachen und ich bin ein Designer, aber momentan konzentrieren wir uns tatsächlich nur auf das Musikmachen. Es ist allerdings nicht einfach so zu leben. IST DAS AUCH EINER DER GRÜNDE, WARUM ES VON SILENCE NACH SO VIELEN JAHREN NUR DREI STUDIOALBEN UND DEN SOUNDTRACK VON „MAISON DES RENDEZ-VOUS“ GIBT? B: Ich glaube, ich bevorzuge Bands, die weniger, dafür aber hervorragende Alben rausbringen, als solche die zwanzig Alben raus haben, aber leider nur zwei davon gut sind. Qualität vor Quantität. Wir sind halt langsam. Daran mag es wohl liegen. P: So schlimm ist es nicht. Von 1997 bis 2005 vier Stück, das macht alle zwei Jahre ein Album. Es ist doch vollkommen normal. B: Dazu kommt eine Menge Musik für Theater, die wir in der Zwischenzeit geschrieben haben. Solche Sachen sind unheimlich schwierig rauszubringen. Kein Plattenlabel fragt danach und nur wenige Leute wollen dann diese Art von CDs kaufen. WIE IST ES IN SLOWENIEN? UNTERSTÜTZT ZUFÄLLIG EURE REGIERUNG DIE MUSIKSZENE IN EUREM LAND? SO IST ES ZUM BEISPIEL IN SKANDINAVIEN. DORT ZAHLT DIE REGIERUNG DIE PROMOTION IM AUSLAND UND DIE POBERÄUME. DESWEGEN KOMMT SO VIEL GUTE MUSIK AUS SKANDINAVIEN. IN ERSTER LINIE SIND DAS DIE ROCK `N ROLL BANDS, ABER IMMERHIN. B: Nein, unsere Regierung tut so was nicht. Ich glaube, so was sollte eine vernünftige Regierung tun. In Slowenien zählt bis heute leider nur die klassische Musik, die wird dotiert. Der Rest, na ja – ist so was wie ein Hobby. Nicht wichtig. Es muss sich eines Tages ändern! WIE SIEHT DENN DIE MUSIKSZENE IN SLOWENIEN ÜBERHAUPT AUS? IHR SEID EIN WIRKLICH KLEINES LAND MIT NUR 2 MIO. EINWOHNER, DEUTSCHLAND HAT ZUM BEISPIEL ÜBER 80 MIO. BEI 2 MILLIONEN, DA KENNT FAST JEDER JEDEN PERSÖNLICH, BILDLICH GESPROCHEN. ALSO WIE IST DENN EURE MUSIKSZENE? KLEIN, GROSS, EHER GESCHLOSSEN UND AUTARK? P: Also für so ein keines Land ist sie erstaunlich groß. Insbesondere die Elektronik Szene entwickelt sich recht prächtig. Da gibt es schon einige bekannte Namen, wie z.B. DJ UMEK oder natürlich auch LAIBACH und andere… Auch die Rock Szene ist ganz stark. Am bekanntesten ist momentan die Band SIDDHARTA. Sie sind wohl momentan der größte Alternative Act in Slowenien JA, DIE KENNE ICH AUCH. FÜR MEINEN GESCHMACK BENUTZEN DIE HERRSCHAFTEN DAS F*** WÖRTCHEN WOHL ETWAS ZU OFT P: Ich kenne die englische Version des Albums noch gar nicht… WILLST DU ES HÖREN, HABE ES ZUFÄLLIG BEI MIR… P: Eee, nein, danke. Ich glaube, ich habe genug SIDDHARTA gehört (lacht) OK, DANN EIN ANDERES MAL… DANKE FÜR DAS INTERVIEW!

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