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SKINNY PUPPY (NIVEK OGRE)

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KATARINA MAZURKIEWICZ HATTE BEIM ZILLO 2004 DIE MÖGLICHKEIT MIT NIVE OGRE EIN INTERESSANTES INTERVIEW ZU FÜHREN, DEM MANN, DER ZUSAMMEN MIT SEINEM PARTNER KEVIN SKINNY PUPPY WIEDER AUFERSTEHEN LIESS. ABER WAREN SIE ÜBERHAUPT JE TOT? DAS ERFAHRT IHR, WENN IHR EUCH DEM FOLGENDEN FRAGE-/ANTWORT-SPIEL WIDMET.

NACH DWAYNES TOD UND JAHREN, IN DENEN IHR NICHT MAL MITEINANDER GESPROCHEN HABT, WAREN DIE ERWARTUNGEN AN EIN NEUES SKINNY PUPPY-ALBUM NATÜRLICH ENORM HOCH. HABT IHR DIESEN DRUCK BEI DEN AUFNAHMEN GESPÜRT? Am Anfang haben wir schon Druck gespürt, aber das hat sich nach kurzer Zeit gewandelt. Im Laufe des Jahres, in dem wir ein neues Label gesucht haben, wurde viel diskutiert und schließlich waren wir der Meinung, dass wir einfach das nehmen sollten, was wir bis dahin hatten und von dort aus fortzufahren. Einfach so natürlich wie möglich zu agieren und nicht zu versuchen „Too Dark Park“ neu zu erfinden, was wirklich nicht besonders kreativ gewesen wäre. Wir haben versucht nach vorne zu schauen und nicht irgendwas bereits vorhandenes zu replizieren, um damit vielleicht Geld zu machen. Das war nie unser Stil! ABER IHR HABT ERST EIN LABEL GESUCHT UND DANN DAS ALBUM AUFGENOMMEN?! Ja, wir haben die Doomsday-Show gemacht und hatten dann vertragliche Verpflichtungen mit Cleopatra Records. Die haben wir erfüllt, wonach wir dann ein paar Demos aufgenommen haben, um mit denen einen Label Deal zu bekommen. Nach dem 11.September gab es in Amerika die Entwicklung, dass viele Alternative-Bands zu kleinen Indie Labels gewechselt sind bzw. mussten, und so gab es einen harten Wettbewerb. Also hat es ein Jahr gedauert, bis wir den Vertrag mit SPV unterzeichnen konnten. Und wir haben uns SPV ausgesucht, weil die Leute dort einen ungeheuren Enthusiasmus für die Band gezeigt haben. Es gab schon einige Plattenfirmen, die an uns interessiert waren, auch in den Staaten, aber sie waren eben nicht SO interessiert, in dem Sinne von „Anstellen und Bitten“. IST ES DENN IN AMERIKA SCHWER, AIRPLAY ZU BEKOMMEN? Ja, das stimmt. Bei normalen Mainstream-Radiostationen auf jeden Fall. Natürlich gibt es College-Radioanstalten, aber wir waren irgendwie nie DIE Radioband. Unsere Bedeutung leitet sich eher von der fanatischen Anhängerschaft ab, die im Laufe der Jahre entstanden ist. ABER DIE LEUTE IN DEN STAATEN MÖGEN DOCH „DUNKLE“ MUSIK WIE ETWA MARILYN MANSON ODER NINE INCH NAILS. WARUM FUNKTIONIERT DAS BEI SKINNY PUPPY NICHT SO GUT? Da gibt es sicherlich verschiedene Gründe, vielleicht sind wir einfach zu politisch. Und wenn man mal ehrlich ist, spielen doch die NINE INCH NAILS und MANSON im Grunde recht kommerzielle Musik, was jetzt in keinster Weise negativ verstanden werden soll. Wenn man sich unseren Back-Katalog anschaut, dann kann man jetzt auch nicht behaupten, dass wir in punkto CD-Verkäufen stetig gewachsen wären. Natürlich waren wir immer eine kreative, hart arbeitende Formation, aber wenn man z.B. auch die Jahre von 1996 bzw. 2000 bis 2004 betrachtet, dann haben Leute nicht nach solchen Acts wie uns gesucht. Da zählte – zumindest in Amerika – nur ein richtiges Hit-Album. Und die NINE INCH NAILS haben eben solche Alben veröffentlicht. Bis zu einem gewissen Grad machen wir auf dem neuen Album auch kommerzielle Musik, aber im Wesentlichen bleibt es doch kakophonisch, uneinheitlich, unmelodisch und relativ untypisch für normale Hörgewohnheiten. Wie es hier in Deutschland aussieht, kann ich natürlich nicht beurteilen. WENN ICH MAL MEINE EINDRÜCKE VON EUREM NEUEN ALBUM SCHILDERN SOLL, DANN FINDE ICH ES ETWAS VERWIRREND Z.B. DIE BUCHSTABEN – IHR ARBEITET MIT KLEINEN UND GROSSEN ZEICHEN, WAS ZIEMLICH „OHGR-LIKE“ IST UND ICH BEI SKINNY PUPPY NOCH NIE GESEHEN HABE… Das haben wir schon immer gemacht. O.k. vielleicht nicht mit großen oder kleinen Buchstaben, aber Wortspiele haben wir schon immer verwendet. DER RAP IN „PRO-TEST“, DIE GITARREN-SAMPLES… ICH FINDE EINIGE DINGE RECHT ÜBERRASCHEND, MIR WAR SCHON KLAR, DASS ES NICHT SO „DÜSTER“ WERDEN WÜRDE, WIE VIELE DAS ERWARTET HABEN, ABER EINIGES WAR NICHT UNBEDINGT ZU ERWARTEN. In gewisser Weise ist es sehr düster! Aber um auf die einzelnen Punkte einzugehen: Seit „Dig it“ haben wir Rap-Elemente benutzt, seit „Tin Omen“ Gitarren. Ich finde gerade bei „I’mmortal“ die Gitarren unglaublich, das Riff klingt ungemein gut. Aber letztlich ist es natürlich Geschmackssache. Es ist schon noch in fast derselben Art und Weise gearbeitet worden, wie wir es immer getan haben. FÜR MICH HÖRT ES SICH EHER NACH EINEM OHGR- ALS NACH EINEM SKINNY PUPPY-ALBUM AN?! Nun, ich BIN OHGR, das kann ich wohl nicht leugnen. ABER WO IST DER EINFLUSS VON KEVIN CROMPTON AUF DIESEM ALBUM? Lass ihn das mal nicht hören. Da ist eine ganze Menge von Kevin auf der Scheibe! Ich kann aber von der Produktionsseite aus verstehen, warum du das sagst. Es ist wirklich kein Ogre-Album, denn wir haben es hier mit ganz anderen Songstrukturen zu tun. JEDER HORRORFAN WEISS, DASS MAN TOTE NICHT ZUM LEBEN ERWECKEN SOLL. WIE WAR ES BEI SKINNY PUPPY, WART IHR TOT ODER HATTET IHR NUR EINE KREATIVE PAUSE? Sag du es mir! Du sprichst hier über eine sehr subjektive Sache. Ich lebe mit dieser Band seit über 20 Jahren, ein Bandmember ist an einer Überdosis gestorben. Du betrachtest das aus eine Fan-Perspektive. Waren wir tot? Keine Ahnung, ich habe die ganze Zeit mit der Band gelebt. Du liest in einem Magazin, dass wir tot sind, es kommen keine Alben heraus für eine gewisse Zeit, aber die Realität sieht doch anders aus. Meiner Meinung nach ist die Band nie gestorben, ein Mitglied ist gestorben, das ist wahr, aber der Geist von Skinny Puppy ist nie gestorben. Ob es besser wäre, wenn wir „tot“ wären, das musst du als Redakteur beurteilen. NEIN, NATÜRLICH WÄRE DAS NICHT BESSER… Ganz ehrlich, das ist eine für mich kaum zu beantwortende Frage, da die Band für mich immer existierte. HAT SICH EURE ARBEITSWEISE VERÄNDERT? Meiner Meinung nach hat sich vor allem die elektronische Musik im allgemeinen verändert. Mittlerweile klingt sie in der modernen Kultur so vereinheitlicht, dass es schwierig geworden ist, noch interessant bzw. „anders“ zu sein. Heutzutage kann sich jeder alle Tools leisten, die man für elektronische Musik braucht. Jeder kann ganz einfach etwas auf die Beine stellen, überall hat elektronische Musik in den Alltag Einzug gehalten. Dadurch klingt sie in gewisser Art und Weise verwässert, nicht mehr substanziell. ABER ES IST LETZTLICH DOCH IMMER NOCH DIE „GUTE IDEE“, WELCHE DEN UNTERSCHIED MACHT… Ja natürlich, das Songwriting, aber das gilt für alle Arten Musik, elektronische, gitarrenorientierte… ABER AM RECHNER IST EINFACHER ALS MIT EINER KOMPLETTEN BAND ZU ARBEITEN. Das stimmt, aber das kann eben heutzutage fast jeder und die Spreu muss sich vom Weizen trennen. Es muss deutlich werden, wer gute elektronische Musik macht. Was Gitarren angeht, kann nicht jeder mit ein paar Akkorden einen Song schreiben. PUNK BANDS MÖGLICHERWEISE DOCH… Ja, aber am Ende wird sich in allen Genres – ob Punk, Elektro oder Klassik – die „gute Idee“ durchsetzen. WAS DENKST DU EIGENTLICH ÜBER DAS INTERNET, MEINST DU, DASS NAPSTER WIRKLICH DIE MUSIKINDUSTRIE „GETÖTET“ HAT? Bis zu einem gewissen Punkt, ja. Aber es ist natürlich auch ein zweischneidiges Schwert, denn auf der anderen Seite hat man durch das Internet Zugang zu Musik, die vorher nicht oder nur schwer erhältlich war. Aber wenn eine Band dann mit der Musikindustrie in Kontakt kommt, dann geht es doch letztlich um Plattenverkäufe. Und die hängen doch stark davon ab, ob eine Band „downgeloaded“ wird oder nicht. Es hat einen Einfluss auf den kreativen Prozess von Musikern und Künstlern, ob es auch einen Einfluss auf das „Business“ hat, kann ich nicht beurteilen. Der Künstler aber bekommt nur etwa 12 Prozent der Einnahmen einer CD und davon hängt es dann ab, ob man eine weitere Scheibe herausbringen kann. Und so beeinflusst das dann auch die musikalische Ausrichtung der nächsten Veröffentlichung, gerade bei jungen Bands. FINDEST DU, DASS MUSIK UNWIRKLICH, SOZUSAGEN „VIRTUELL“ GEWORDEN IST? FRÜHER KONNTE MAN EINE SCHALLPLATTE ANFASSEN, SPÜREN… Es ist fast so, als ob Musik eine Art „Give Away“, eine Beigabe, geworden ist, wie früher etwa T-Shirts. Und Bands leben heute nicht mehr von ihrer Musik, sondern vom Touren und eben den T-Shirts, dem Merchandise. Wir sind alle zu einem Markenzeichen, einem Produkt, in der modernen Welt geworden. Letztlich ist Musik aber der Kern, das Konzept, von wo aus alles andere ausgeht. Alles andere leitet sich von der Musik ab und dennoch ist die Musik im heutigen Business nur noch ein Nebenprodukt. Man kann sie downloaden, kaufen, bei Freunden anhören, die Musik ist die Quelle, aber um Geld daraus zu machen, müssen heute andere Strategien her. STIMMT ES, DASS IHR IN AMERIKA ZUSAMMEN MIT MINISTRY AUF TOUR GEHEN WERDET? Ich glaube, das ist nicht mehr richtig. Ich bin zwar mit Al sehr gut befreundet und wir haben das schon recht positiv diskutiert, aber in den letzten Wochen scheint die Wahrscheinlichkeit dafür zu sinken. Er ist wesentlich politischer als ich und glaubt an diese ganze „Links/ Rechts“-Geschichte in der amerikanischen Politik. Ich glaube nicht daran, dass es so etwas in den Staaten gibt. Meiner Meinung nach gibt es eine zentrale Regierung, die man von links oder rechts betrachten kann. Nimm den Präsidentschaftskandidaten Kerry, der entstammt derselben Yale-Gruppe wie George Bush, die nehmen pro Jahr nur 18 Leute auf, und die beiden gehören dazu. Es leben nur jeweils rund 800 Ex-Mitglieder dieser Gruppe! Da kann man von einer zentralen, elitären Regierung sprechen, aber nicht von einer linken bzw. rechten Parteienregierung. MAN BRAUCHT ALSO NICHT ZU FRAGEN, OB DU DIESES MAL WÄHLEN GEHEN WIRST?! (NIVEK LEBT SEIT GERAUMER ZEIT IN DEN STAATEN, ANM. DER RED.) Ich darf nicht wählen, ich bin Kanadier, ich habe nicht mehr als meine Meinung, die ich äußern kann. Und das Volksvotum zählt eh nichts, denn es sind die „Electoral Colleges“, die in Amerika den Ausgang der Wahl bestimmen. „It’s a fucked up political system…“

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