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STOA (OLAF PARUSEL)

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EURE GRÜNDUNG WAR BEREITS ANNO 1991. ERZÄHLT UNS DOCH EINMAL EIN WENIG ÜBER DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE UND WIE SICH DAS PROJEKT BIS HEUTE ENTWICKELT HAT. Ich habe vorher schon in verschiedenen Projekten Musik gemacht, von Punk über wilde experimentelle Soundkollagen bis zu Wave. Zudem hatte ich früher noch eine klassische Ausbildung genossen. Als ich sToa ins Leben rief, wollte ich für mich neue Türen aufstoßen – Ruhe, Transzendenz, Philosophie und Melancholie miteinander vereinen. Ich hatte keine Ahnung, ob das funktionieren würde. Und plötzlich merkte ich, dass dies genau das Richtige ist, dass alles auf einmal extrem intensiv wurde. Diese Faszination des Intensiven wollte und will ich bewahren, denn Musik ohne Intensität ist verlogen. WIE WÜRDET IHR EUCH SELBST BESCHREIBEN? Das bekannte “Carpe Vitam” trifft es wohl am besten – “Nutze den Tag”. Wir wollen das Leben mit all seinen Facetten genießen und wahrhaft erleben. Die Musik ist dabei unser ständiger Begleiter. HINTER EUCH LIEGEN NUNMEHR 18 JAHRE BANDDASEIN. JEDOCH HABEN ERST VIER ALBEN DAS LICHT DER WELT ERBLICKT. BEABSICHTIGT? Wenn ich ehrlich bin, hatte ich eigentlich ein paar mehr Alben machen wollen, allerdings nur von der Anzahl her. Vier Alben in 18 Jahren kommt mir quantitativ etwas mager vor. Andererseits sollten die auch Relevanz besitzen und nicht nur aus marktwirtschaftlichen Gründen erscheinen. Insofern passt es schon alles. Was mich außerdem bestärkt: Einige Bands haben auch sehr wenige Alben veröffentlicht. Die Sex Pistols zum Beispiel haben nur eine einzige richtige Platte veröffentlicht – und die haben damit die Musikgeschichte verändert. Vielleicht sollte man sich nicht zu sehr von Zahlen beeinflussen lassen… EUER LETZTES WERK TRÄGT DEN SCHÖNEN NAMEM “SILMAND”. WAS GENAU KÖNNEN WIR UNS DARUNTER VORSTELLEN? Ich habe dieses Wort eher zufällig beim Stöbern im Internet entdeckt. Generell liebe ich es, Wörter zu sammeln, die eine gewisse Magie haben. Diese setzt sich aus dem Klang des Wortes und natürlich dessen Bedeutung zusammen. “Silmand” heißt “Seelenmonat”, was in einem alten deutschen Dialekt (Dithmarsisch) für den Monat September steht. Im September wurde ich geboren, im September wurde dieses Album geboren. Silmand war für mich daher das perfekte Wort. IM GEGENSATZ ZU DEN VORHERIGEN ALBEN BEDIENT IHR EUCH ERSTMALIG AUCH AN POPPIGEN KLÄNGEN. BEWUSST? Ja, das war bewusst – und unbewusst. Auf der einen Seite will ich mit jedem Album etwas Neues schaffen, neue kreative Facetten ausloten. Auf der anderen Seite entstanden die Songs nicht geplant. Ich komponiere eigentlich fortwährend und lasse mich dabei stilistisch nicht festlegen. Welche Songs ich in welcher Form veröffentliche, zeigt sich dann später. So werden einige für Soundtracks genutzt, andere schlummern einfach so auf meiner Festplatte – und andere passen perfekt zu sToa und finden dann auch ihren Weg auf das jeweilige Album. So ging es mir mit den popigeren Songs des neuen Albums. Da schwingt etwas mit, das zu sToa passt auch wenn wir bislang weniger Pop gemacht haben. DAS ALBUM WURDE WIE DU SCHON ERWÄHNTEST BEREITS IM SEPTEMBER LETZTEN JAHRES RELEASED. WIE WAR DIE RESONANZ? Die Resonanz war glücklicherweise fantastisch. Ich habe eigentlich bislang nur eine negative Kritik gelesen und die war eigentlich eher putzig, da der Typ das Album offensichtlich nicht gehört hatte und scheinbar nur schnell seinen “Job” erledigen wollte. Er schrieb z.B., dass das Album ganz genauso wie alle vorherigen sToa-Alben klänge und wir ruhig mal etwas Neues hätten ausprobieren sollen. Ansonsten bekommen wir sehr viele positive E-Mails aus aller Welt. Das motiviert natürlich. Der einzige Wermutstropfen ist, dass heute offensichtlich kein Mensch mehr CDs kauft. ANHAND EINER INTERNETRECHERCHE KONNTE ICH IN ERFAHRUNG BRINGEN, DASS DER SONG “TACTICUM” AUCH BEREITS ALS FILMMUSIK VERWENDET WURDE. WIE KAM ES DAZU? Bei Filmmusiken ist es ja häufig so, dass die Komponisten ein paar Musik-Ideen an die Regisseure schicken, um zu zeigen, wie sie sich die Musik für einen Film vorstellen würden. Ich hatte damals eine Zusammenarbeit bei einer historischen Dokumentation, für die ich mir das Stück “Tacitum” wunderbar vorstellen konnte, was auch der Regisseur so sah. Es sollte ein mehrteiliges Filmprojekt über die Erfahrungen von Kriegskindern sein. Diese sind eigentlich bis heute kaum aufgearbeitet, obwohl so viele Menschen als kleine, unschuldige Kinder nach und während des Zweiten Weltkrieges so traumatische Erfahrungen machen mussten. So wurde in dem Film davon berichtet, wie eine – mittlerweile alte – Frau bei einem Bombenangriff ihre sämtlichen Spielkameraden verlor. Die Einfachheit und Traurigkeit des Songs “Tacitum” passte da ganz wunderbar und hat den traurigen Erzählungen Tiefe gegeben. IST ES EIN GENERELLES ZIEL VON STOA, DIE FILMMUSIKBRANCHE ZU ERREICHEN? Unsere Musik soll die Menschen erreichen. Sie soll sie zutiefst bewegen. Das will ein guter Film normalerweise auch, insofern kann ich mir unsere Musik da gut vorstellen. Sie wurde ja auch schon häufig in Film und Fernsehen weltweit eingesetzt. Allerdings komponiere ich mit sToa nicht explizit für Filme sondern nur für die reine Kunst. Die Musik soll hier vollkommen frei, ohne Zwänge entstehen. WIE ENTSTEHT EIN STOA-SONG? Ich verarbeite ganz viele Stimmungen und Erlebnisse in Musik. Außerdem trage ich in mir die Vision eines perfekten Musikstückes. Diesem möchte ich mich annähern und auf der Suche nach dieser idealen Musik befinde ich mich ständig. Mal bin ich näher dran, mal liegt die Welt mit ihren Erfordernissen und Abgründen dazwischen. Die Stücke, die am dichtesten an diesem Ideal sind, werden veröffentlicht. Viele sind es leider nicht. WÜRDET IHR GERN EINMAL AUCH ETWAS MIT ANDEREN MUSIKERN ZUSAMMEN MACHEN, GLEICH WELCHEN GENRES? Ja, kommt darauf an, was ich mit den Musikern zusammen machen soll. Einen Supermarkt überfallen? Allen geldgeilen Bankern “Du blöder Doofkopf” hinterher rufen? Ich nehme aber mal an, Du meintest eine musikalische Zusammenarbeit. Das mache ich mittlerweile relativ häufig. So werde ich aktuell mit befreundeten Musikern von Rajna für einen Soundtrack zu einer Mittelalter-Doku über Barbarossa zusammenarbeiten. Mal sehen, was sich sonst noch für Projekte ergeben. WELCHE MUSIK HÖRT IHR GERN PRIVAT ZU HAUSE? SIND ES DA AUCH EHER DIE RUHIGEREN TÖNE? Das ist unterschiedlich. Bei mir sind es sehr viele Soundtracks, klassische Musik aber auch viel gute Popmusik oder experimentelle Sachen. Das reicht von Autechre, Trentemöller über Arvo Pärt und Max Richter bis hin zu Rachmaninoff und Chopin. WOHER BEZIEHT IHR EURE MUSIK, DIE IHR PRIVAT ZU HAUSE HÖRT? Ich stöbere recht viel bei MySpace herum und habe da auch schon einige Perlen entdeckt, die ich mir dann auf CD zulege. Und dann hat man natürlich seinen Freundeskreis, der einem immer mal wieder etwas Gutes ans Herz legt. WIE SCHAUT ES IN DER ZUKUNFT VON STOA AUS? DÜRFEN WIR UNS AUF WEITERE ALBEN FREUEN? GIBT ES EUCH EVENTUELL AUCH EINMAL LIVE ZU SEHEN? Wir spielen in diesem Jahr beim Wave Gotik Treffen und in Mexiko, vielleicht auch noch in Rumänien, Belgien und an ein paar anderen Orten. APROPOS LIVEAUFTRITTE UND MEXIKO, IHR WARD JA AUCH SCHON AUF MEXIKANISCHEN BÜHNEN ZU SEHEN. WIE UNTERSCHEIDET SICH DAS MEXIKANISCHE VOM DEUTSCHEN PUBLIKUM? Die Mexikaner sind viel intensiver. Als wir das letzte Mal dort spielten, habe ich nach dem Konzert erfahren, dass das halbe Publikum bei unserem Konzert vor Ergriffenheit geweint hat. Und der Abschlussapplaus dauerte länger als fünf Minuten. Da habe ich Gänsehaut bekommen. Dies war einer der glücklichsten Momente in meinem Leben. ICH BEDANKE MICH RECHT HERZLICH FÜR DAS INTERVIEW, WÜNSCHE EUCH IM NAMEN DES GESAMTEN TERRORVERLAG-TEAMS ALLES ERDENKLICH GUTE FÜR 2009 UND ÜBERLASSE DIE LETZTEN WORTE NUN EINFACH EUCH… Viele Liebe Grüße auch von uns. Vielleicht sehen wir uns beim WGT.

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