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THE GATHERING (ANNEKE)

THE GATHERING SIND MOMENTAN AUF TOUR UM IHR NEUSTES ALBUM ZU PROMOTEN, TROTZDEM HATTE DIE CHARMANTE ANNEKE ZEIT, SICH UNSEREN FRAGEN ZU STELLEN UND ES WAREN VIELE…

DAS ERSTE KONZERT HABT IHR BEREITS HINTER EUCH. DAS EUROSONIC IN GRONINGEN… Stimmt. Es war eigentlich eine Art Showcase, man spielt also nur 45 Minuten, und Du weißt, wie so was ist, es kommen vor allem die Bonzen… Aber es hat trotzdem wirklich Spass gemacht, denn es waren auch „normale“ Konzertbesucher dabei, das Publikum war also sehr angenehm… DIE FANS UND DIE MUSIKINDUSTRIE ALSO? Ja, genau – eine Kombination, die OK geht. Stimmung kommt eben erst auf, wenn „der gemeine Mann“ auch vorbeischaut. Auch das ganze Umfeld war prima bei Eurosonic und es war natürlich schön, Marjolein vorzustellen. Das hat wirklich sehr, sehr gut geklappt. Wir sind sehr stolz auf sie, denn sie hat in nur wenigen Wochen ein riesiges Repertoire gelernt – harte Arbeit! Wir sind extrem froh, dass sie dabei ist, es sieht auf dem Podium auch gut aus, sie steht richtig, sie spielt toll… WO KOMMT SIE HER? Aus Os. UND SIE WAR EINE STUDENTIN VOM KONSERVATORIUM? Nein, sie studiert an einer Rock-Akademie. Sie ist eigentlich die Freundin einer Freundin, keine echte gute Bekannte also, wir kannten uns von Partys. Wir wussten, dass sie viel spielt, Gitarre hauptsächlich und Rene, unser Gitarist meinte plötzlich, ob wir sie nicht auch zum Vorspielen einladen sollten. Wir haben sie als erste eingeladen, weil sie eine sehr angenehme, gutgelaunte Person ist und es uns wichtig war, dass ein neues Mitglied zur Band passt… GANZ BESTIMMT WENN DIE BAND SO ENG ZUSAMMENGEWACHSEN IST WIE BEI EUCH… Ja! Die beiden Sängerinnen vor mir haben sich innerhalb recht kurzer Zeit die Klinke in die Hand gegeben, aber ich bin jetzt auch schon wieder zehn Jahre dabei und ich bin das Mitglied aus der heutigen Besetzung, das als Letztes hinzugestossen ist. Wir sind wirklich eine Gruppe von Leuten, die sich sehr nah stehen. Wir luden Marjolein also als Erste ein und obwohl wir uns ursprünglich noch andere Leute angucken wollten, lief es so gut, dass wir sie gleich am selben Abend anriefen und sagten: „Wenn Du willst, bist Du Mitglied von THE GATHERING“ – und sie sagte zu. ICH HABE GESEHEN, DASS DER FEBRUAR UND MÄRZ VOLL VON KONZERTTERMINEN IST. WIRD ES LANGSAM SPANNEND? Ja. Ich finde so etwas immer körperlich sehr anstrengend, es ist also immer eine spannende Sache, ob man das durchhält. Aber wir freuen uns schon total darauf, es sind wieder mal einige Länder dabei, in denen wir noch nie gespielt haben. Es verspricht eine sehr schöne Tour zu werden. ES SIND EINE MENGE TERMINE IN AMERIKA DABEI… Ja, fünf oder sechs Stück… Im Osten der USA. Kanada ist auch neu für uns und Südamerika ebenfalls. Das ist also schon mal toll und dann kommt noch Europa… Es ist auch schon wieder ein Jahr her, dass wir zum letzten Mal auf Tour waren, wir sind also alle sehr froh, dass es wieder losgeht. ICH HABE AUF DER MONSTERS E.P. AUCH DEN VIDEO TEIL ANGEGUCKT UND FAND, DASS IHR EXTREM ENTSPANNT AUF DER BÜHNE AUSSEHT… Ja, stimmt. Es ist wirklich das, was wir gerne tun. Das merkt man glaube ich auch und ist denke ich auch einer der Gründe, warum die Leute gerne zu unseren Konzerten kommen und dort eine so angenehme Atmosphäre ist. EUER BANDNAME ERHÄLT SO AUCH EINE NEUE BEDEUTUNG: ES IST WIRKLICH EINE ZUSAMMENKUNFT VON LEUTEN, DIE GEMEINSAM ETWAS ERLEBEN. Ja, genau, das sind einfach Leute, die Musik lieben. Es ist nicht unbedingt cool oder hip und auch kein Pflichtprogramm, sondern einfach nur angenehm. In der heutigen Zeit ist Vieles sehr kurzlebig und da sind THE GATHERING eine echte Konstante. Vielleicht ist es genau das, was die Sache so Besonders macht. WIRD DIE TOUR EBENFALLS SEMI-AKUSTISCH SEIN? Im amerikanischen Teil wird es eine Mischung aus den älteren, härteren Stücken und akustischen Tracks und Kompositionen im Stile unser letzten Scheibe sein, während der europäische Set wirklich akustisch sein wird – wo immer möglich, werden wir versuchen, vor sitzendem Publikum zu spielen. Es wird auf jeden Fall auch etwas vom „Souvenirs“-Album gespielt werden. Ruhiger also und mehr an „Sleepy Buildings“ angelehnt. WERDEN ES NORMALE KONZERTSÄLE SEIN, ODER EHER THEATERSÄLE IM STILE DES FÜR DIE AUFMAHMEN VERWENDETEN KINOS? Im Lux, wo die Aufnahmen für das Album stattfanden, werden wir auch wieder an zwei Abenden spielen. Abgesehen davon sind es schon reguläre Konzertsäle, in die wir teilweise einfach Stühle stellen werden oder für verschiedene Gelegenheiten verwendbare Venues, die zwar bestuhlt sind, aber in denen auch schon mal Popkonzerte stattfinden. In Deutschland werden wir auch in zwei Kirchen spielen – etwas ganz Besonderes! Eine bunte Mischung also, denn eine richtige Theatertour muss man so lange im Voraus buchen, dass es praktisch undurchführbar ist. WIE UND WANN ENTSTAND DIE IDEE FÜR EIN AKUSTISCHES LIVE ALBUM ÜBERHAUPT? Wir mussten noch eine letzte Platte für unsere alte Plattenfirma aufnehmen und es war ursprünglich die Idee, dieses Kapitel mit einer „Best Of“ abzuschliessen. Das war uns etwas zu langweilig, weil es einfach nur alte Stücke auf einer neuen Scheibe sind – eine bequeme Angelegenheit, aber nicht sehr spannend. Also dachten wir: Vielleicht können wir da draus etwas Besonderes machen und die alten Tracks in ein neues Gewand kleiden. Oder genauer gesagt: Sie zunächst „ausziehen“ bis auf die nackte Essenz und dann etwas Neues daraus formen. Ein rein akustisches Album erschien uns dann als zu still und die Dynamik dieses semi-akustischen Ansatzes gefällt uns sehr: Es kann sowohl sehr intensiv, als auch sehr ruhig werden und ich glaube, das hält den Hörer bei der Stange. JA, ES FUNKTIONIERT GUT! DANACH DACHTE ICH: WIESO HABT IHR DAS NOCH NIE VORHER VERSUCHT? (lacht) Schön! Ich glaube, so etwas sollte man erst versuchen, wenn man schon über ein etwas grösseres Repertoire verfügt und vielleicht war die Zeit jetzt gerade richtig. Wir haben ja schon vorher Live-Auftritte aufgenommen und veröffentlicht, aber dieser Versuch hat tatsächlich sehr gut geklappt. Sogar die alten Stücke: Die hatten zehnmillionen verschiedene Riffs, waren extrem bombastisch und laut, basierten aber stets auf einer wirklich schönen Klaviermelodie. Und es ist so schön, dass diesen Lieder nach zehn Jahren wieder neues Leben eingehaucht wird und es im Grunde genommen sehr starke Songs waren. SIE STEHEN SEHR ORGANISCH NEBENEINANDER… Ja, es passt gut zusammen! Auch mit den Stücken von „Souvenirs“, die sind nicht sehr weit von „Sleepy Building“ entfernt… Die Dinge finden scheinbar zum genau richtigen Augenblick zusammen. ES IST EINE AUSWAHL AUS ZWEI KONZERTEN… Ja. WAR AUCH DIE SETLISTE AN BEIDEN ABENDEN IDENTISCH? Ja, die war die selbe. Wir haben einfach die besten Stücke der beiden Abende ausgewählt. Wir haben nichts im Mix neu eingesungen oder eingespielt, was häufig gemacht wird. Es ist so pur wie nur möglich. HABT IHR AUCH SONGS GESPIELT, DIE ES NICHT AUF DIE CD GESCHAFFT HABEN? Ja, zwei Stück haben wir nicht verwendet – „Night time Bird“ und „The May Song“, die waren etwas schwach auf der Brust und einfach nicht gut genug. ES STEHT AUCH NICHTS VON EUREM AKTUELLEN ALBUM AUF „SLEEPY BUILDINGS“, OWBOHL IHR IMMER WIEDER BETONT HABT, DASS DAS EURE LIEBSTE SCHEIBE IST… Es ist wirklich eine Auswahl der Platten, die bei unserer alten Plattenfirma erschienen sind. Wir haben nur die Songs verwendet, die über Century Media gelaufen sind – ansonsten gäbe es zusätzlich noch Probleme bezüglich der Lizenzgebühren. Wir haben dieses Kapitel also hiermit abgeschlossen, obwohl das Leben schon weiterging mit zwei Platten auf unserem eigenen Label. Der einzige Grund dafür war, dass die Vertragsverhandlungen so lange gedauert haben, wir aber weitermachen wollten. Es ist also ein bischen komplizierter mit den neuen Alben. (lacht) AUF DER „SOUVENIRS“ STEHEN AUF JEDEN FALL EINIGE TRACKS, DIE IN EINER AKUSTISCHEN BEARBEITUNG SEHR GUT KLINGEN WÜRDEN… Ja, es wird auf jeden Fall etwas von „Souvenirs“ geben. „YOU LEARN ABOUT IT“? Jaaaa… Wahrscheinlich schon. Wir sind gerade am Proben und Vorbereiten für die Shows, aber Komposition wie „Souvenirs“ kommt auf diese Art und Weise voll zur Geltung. IST DIESE AKUSTISCHE HERANGEHENSWEISE MÖGLICHERWEISE AUCH EINE REAKTION AUF DIE EHER ELEKTRONISCHE LETZTE PLATTE? Nein, die Idee für das akustische Album stand schon länger, aber es war trotzdem eine sehr logische Folge aus „Souvenirs“ Es ist in der Tat sehr pur und ich glaube, dass das nächste Studioalbum auch wieder purer ausfallen wird. „Souvenirs“ ist ja in Sachen Produktion sehr kompliziert, wir haben da sehr viel Zeit hineingesteckt, die Musik ist sehr vielschichtig , sehr „privat“. Das betrifft sowohl die Produktion, als auch die Songs, die ganze Herangehensweise und die ständige Bereitschaft zu lernen. Das dauert lange und ist zwar schön, aber man kann das danach kaum noch überbieten – man hat ja schon alles gegeben – und muss dann eben nach anderen Wegen Ausschau halten. Bei der letzten CD lagen zum Teil sieben Gitarrenspuren übereinander und man konnte gar nicht mehr erkennen, dass es überhaupt Gitarren waren, weil daraus eine gänzlich neue Atmosphäre entstand. Und gerade jetzt finde ich es einen erfrischenden Gedanken, einfach ein paar Stücke zu schreiben und spontan auf Platte zu bannen! SO WIE ES BEI „IF_THEN_ELSE“ DER FALL WAR, ODER? Ja, das stimmt schon. Das ist auch eine sehr abwechslungsreiche Scheibe mit sehr vielen verschiedenen Stücken, während auf der „Souvenirs“ alles ineinander passte, alles war aufeinander abgestimmt. Und jetzt ist es an der Zeit, ein zwar kohärentes, aber auch einfacheres Album aufzunehmen. WO WIR GERADE ÜBER FRAGEN DER PRODUKTION SPRECHEN: WER ZEICHNETE FÜR DIE AUFNAHME VON „SLEELPY BUILDINGS“ VERANTWORTLICH? Es ist eigentlich ein mobiles Studio, der Firma „Vans“ in dem die ganzen Geräte stehen. Sie machen auch sehr viele Fernsehproduktionen. Die haben alles aufgenommen und anschliessend haben wir dann den gesamten Mix selbst durchgeführt. DIE PLATTE KLINGT SEHR GUT: ES IST LIVE, ABER OHNE STÖRENDE NEBENGERÄUSCHE… Ja, das Publikum war auch sehr dankbar: Sehr ruhig und bei sitzenden Zuhörern hat man auch nicht den Lärm von Gläsern und Ähnlichem. IST DER TITELSONG EIN NEUES STÜCK ODER BEREITS VOR LÄNGERER ZEIT AUFGENOMMEN? Wir haben ihn aufgenommen während der Produktion von „Black Light District“, der Platte vor „Souvenirs“ also, haben das Stück aber nicht auf das Album gestellt. Dann wurde der Titel irgendwie im Internet bekannt und erfuhren die Leute davon und jetzt haben wir ihn nicht nur aufgenommen, sondern auch das Album danach benannt. WÜRDEST DU ZUSTIMMEN, DASS DER SONG VIELLEICHT DAS OPTIMISTISCHTE STATEMENT VON THE GATHERING BIS JETZT IST? Ja, er ist in der Tat sehr positiv! Schon auf der „Souvenirs“ gab es diese Art Texte, es geht darum, nah bei sich zu bleiben und das zu geniessen, was man hat. Diese Art Statements gibt es in letzter Zeit öfter bei uns. EINE SCHÖNE ENTWICKLUNG! Ja, finde ich auch! Es gibt immer viel Ungemach und es ist okay, das durchs Schreiben abzubauen, aber bei THE GATHERING gibt es immer Licht am Ende des Tunnels. Selbst bei unseren dunklen Texten und dunkler Musik ist es nie so, dass es so wäre, als ob ich aus dem Fenster springen wollte. Das ist mir sehr wichtig. UND DAS OBWOHL FÜR MICH DEINE INTENSIVSTE GESANGSDARBIETUNG DES ABENDS „IN MOTION PART II“ IST – EIN SONG EURER „DUNKLEREN“ PHASE. HEISST DAS, DASS DER AUCH NOCH IRGENDWIE AKTUELL IST? Ja, es bleibt aktuell. Es sind sehr persönliche Gefühle, es geht da um Abschied, und das ist natürlich immer „sad“ – obwohl das jetzt zehn Jahre her ist, ist das auch jetzt noch von Bedeutung. Ich kann mich da immer hineinversetzen, weil es ganz eigenes, allgemeines Gefühl ist, das man jederzeit abrufen kann und bei ganz vielen verschiedenen Menschen vorkommt. Bei mancher Gelegenheiten ist man diesen Gefühlen näher als bei Anderen, aber ich kann mich immer in sie hineinversetzen, wenn ich singe. DIE SONGTEXTE BASIEREN ALSO EHER AUF EINEM ALLGEMEINEN GEFÜHL, DENN AUF EINEM KONKRETEN ERLEBNIS? Sie basieren sehr oft wohl auf konkreten Erlebnissen, aber wenn ich das Lied zehn Jahre später wieder singe, kann ich wieder sehr leicht Zugang zu dieser vergangenen Situation finden. WAS EIGENTLICH EHER ANDERHERSHERUM IST WIE BEI DEN MEISTEN KÜNSTLERN: DIE HABEN DAS PROBLEM, DAS DIE STÜCKE, DIE SIE SINGEN KEINEN BEZUG ZU IHREN HEUTIGEN GEFÜHLEN HABEN… Stimmt, aber damit habe ich in der Tat keine Probleme. Es gibt selbstverständlich Songs, die nicht mehr zu einem passen, bei denen man nichts mehr fühlt und die den Zahn der Zeit nicht überstanden haben, von denen man einfach genug hat. Und dann wiederum gibt es Stücke, die man jahrelang nicht gespielt hat, sie dann wieder ins Set aufnimmt, voller Hingabe darbietet und zu hundert Prozent in ihnen aufgeht. Zugegeben: Ich schreibe nie über wirklich „aktuelle“ Sachen, wir sind zum Beispiel keine politische Band. DU SETZT DEINE STIMME AUF DIESER LIVE-CD SEHR VARIABEL EIN, MIT VIELEN SUBTILEN NUANCEN. IST DAS DEINE ART, DIE SONGS INTERESSANT ZU HALTEN – EINE NEU-INTERPRETATION? Ja, eigentlich schon. Es ist mir wichtig, dass man das eigene Potential auch ausschöpft, weil es dann, auch was die Musik angeht, dynamischer wird – damit kann man schöne Effekte erzielen. Man denkt beim Songwriting nicht bewusst an solche Sachen, es ist mehr das Gefühl, dass zu einem bestimmten Song eine tiefe Stimme oder eine laute, hohe Stimme passt – und das hängt auch von den verwendeten Instrumenten ab. Es hängt also vom Lied, dem Entstehungszeitpunkt und den dann aktuellen Gefühlen ab. Es wird auf Dauer auch recht langweilig, wenn man alles laut und in hoher Tonlage singt, in nur einer Farbe. Man sollte verwenden, was man hat, das macht es sowohl für einen selbst wie auch das Publikum interessanter! DEN SATZ „WILL I ALWAYS BE ALONE“ SINGST DU BEIM ERSTEN MAL VERLETZLICH UND BEIM ZWEITEN MAL BEINAHE WÜTEND… Ja! Toll, schön, dass man das hört! DAS IST ALSO ETWAS, WAS DU BEWUSST STEUERST? Ja! Das Beispiel, das Du ansprichst, ist ja eigentlich ein sehr altes, hartes Stück, in dem ursprünglich gegrunted wurde. Das heisst, dass ich zunächst aus dem übrigens sehr schönen Text eine Gesangsmelodie dafür entwickeln musste und dann kann man das sehr dramatisch umsetzen – wenn man es ganz, ganz „klein“ singt, kommt es bedeutend lauter an – toll, dass Dir das so augefallen ist. Dann ist das Ziel auf jeden Fall erreicht! ZUM SCHLUSS NOCH EIN PAAR ALLGEMEINERE FRAGEN: WIE STEHST DU ZUM LIVE-ALBUM IM ALLGEMEINEN? EIN GESCHENK FÜR DIE FANS ODER EIN EIGENSTÄNDIGES KÜNSTLERISCHES WERK? Beides eigentlich. Wenn man eine Live-Platte aufnimmt, muss man zumindest über ein gewisses Repertoire verfügen, das ist eine Art Best-Of oder Zusammenfassung dessen, was man getan hat. Es ist auch einfach etwas, das Spass macht, denn live zu spielen ist immer eine Sache, die Freude bereitet. Wenn die Fans nicht danach fragen würden, sollte man meiner Meinung nach auch keine solche Scheibe aufnehmen, aber wenn die Nachfrage danach besteht, dann ist es auch eine Sache, die man sehr spontan, innerhalb eines halben Jahres, realisieren kann. Es wird aber immer nur eine Art Bonus bleiben: Für Studioalben komponiert man, begibt sich speziell ins Studio und realisiert eine Produktion, mit der man wirklich jeden Winkel der eigenen Möglichkeiten zur Schau stellen kann – die Stücke kommen aus diesem Prozess genau so heraus, wie man es sich vorgestellt hat. Und ausserdem fehlt bei einer Live-CD auch die Lichtshow und das, was auf der Bühne passiert. DU SAGST, EINE LIVE-PLATTE SOLLTE EINE ART „BEST-OF“ SEIN, ABER EURE GRÖSSTEN HITS STEHEN AUF DIESER GAR NICHT DRAUF… (lacht) Nein, wohl wahr… Wir sind auch nicht wirklich eine Hit-Band. Wir hatten zwar in der Tat einen kleinen Hit mit „Strange Machines“ und wir veröffentlichen auch Singles, aber daraus werde eigentlich nie echte „Hits“. Es beschäftigt uns auch nicht, ob da Radio gerade unsere Lieder spielt, wir bewegen uns so ein wenig am Rande von diesen Sachen. Natürlich überlegen wir uns vor der Aufnahme einer Live-CD, ob man auch „Strange Machines“ spielen sollte, aber wenn genau dieser Song während der Proben etwas farblos bleibt, haben wir auch gar kein Problem damit, es dann eben sein zu lassen. Es zählt nur, dass die auf der Platte enthaltenen Stücke gut sind. Diese Einstellung, Songs danach auszuwählen, ob sie bekannt sind, gefällt uns nicht. Das ist etwas, was wir aus künstlerischen Überlegungen ablehnen. DU HAST GENAU DIESES LIED AUCH SCHON MAL ALS 1-D BESCHRIEBEN. (lacht) Ich glaube es war Hans, unser Drummer, der gerne von 1-, 2- und 3-D spricht. Es stimmt ja auch: Es ist ein Stück, dass Spass macht und wir haben es auch wieder in das Set integriert, auch für das amerikanische, aber es ist wirklich ein einziges Bolzen! Jahrelang war es nicht mehr im Set und wir waren mit dem Stück durch, aber gerade vor kurzem haben wir es wieder gespielt und es war angenehm. ES IST NATÜRLICH TOLL, WENN MAN SICH SO FREI VON ERWARTUNGEN GEMACHT HAT, DASS MAN ES NICHT UNBEDINGT SPIELEN MUSS… Genau, und wir sind ja nur auf Nummer 20 gelandet mit dem Titel! Es ist kaum auszumalen, was so etwas für eine Band bewirken kann. Aber ein Nummer-1 Hit oder sogar mehrere – das sind gleichzeitig Handschellen. Dann muss man die Lieder spielen, auch wenn man wirklich keine Lust mehr hat. Persönlich finde ich unseren Status ideal: Natürlich will ich immer gerne eine Sprosse auf der Leiter nach oben, die eigene Bekanntheit vergrössern, um sich die Chancen auf Live Auftritte zu erhöhen und das Geld für viele neue Platten zur Verfügung zu haben – Ich will sehr wohl wachsen, aber es muss nicht unbedingt ein Nummer 1 Hit dabei herausspringen. IN DEN MEDIEN WURDE ZUNÄCHST EUER STILWECHSEL NACH „MANDYLION“ THEMATISIERT, DANN DIE „STARKE FRAUEN IM ROCK“-GESCHICHTE – DAMALS GAB ES EINEN ARTIKEL MIT DIR UND K’S CHOICE SÄNGERIN SARAH BETTENS IN DER NIEDERLÄNDISCHEN OOR. GLAUBST DU, DASS DIESE DEBATTEN JETZT ZU ENDE SIND UND ENDLICH NUR NOCH ÜBER MUSIK GEREDET WERDEN KANN? Es wir in der Tat ein zehnjähriger Prozess, diese „Frauen in harter Musik“-Sache – gerade im Metal stand das überhaupt nicht auf der Tagesordnung. Meine Einstellung war dazu immer: Natürlich fallen wir auf, denn es gibt nun mal wenige Frauen im Rock. Aber dann gab es irgendwann Anouk und wurde die Angelegenheit normaler. Klar ändert es den Sound und auch den visuellen Aspekt und das ist toll. Aber ich habe nie teilgenommen an irgendwelchen Gruppendiskussionen mit Rock-Chicks, das ist mir nicht wichtig. WAS MIR AUCH AN DEM ARTIKEL AUFFIEL, WAR DASS K’S MUSIKALISCH MEILENWEIT VON EUCH ENTFERNT SIND! Ja, aber genau deswegen habe ich die Sache dann doch gemacht! K’s Choice ist ja im Grunde genommen ein Pop Band, aber eben härter und mit kräftigen Gitarren, mir war also schon klar, wo die Verbindung herkam. Es hat uns auch mit einer sehr positiven Szene in Kontakt gebracht, aber es war immer wichtig, den Fokus nicht von der Musik abzulenken. DIE AUFNAHMEN ZUM NEUEN ALBUM BEGINNEN NACH DER TOUR? So ist es zumindest geplant. Nach der Tour werden zwar wohl noch auf Festivals spielen und zwei Wochen Ferien einlegen, dann aber mit dem Schreiben anfangen. VIELEN DANK FÜR DEINE ZEIT!

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