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THE SATURNETTES (JANN/ HENRIKA/ KAIDE/ ROBIN)

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EIGENTLICH WAREN THE SATURNETTES NUR ALS KLEINES NEBENPROJEKT GEDACHT, MIT DEM SÄNGER JANN WILDE SEINE VORLIEBE FÜR ELEKTRONISCHE UND KANTIGERE SOUNDS AUSLEBEN WOLLTE, WÄHREND SEINE BAND THE NEON COMETS WEITER DEM ORGANISCHEN POPROCK VERHAFTET BLIEB. ABER UNVERSEHENS ENTWICKELTEN DIE SATURNETTES SO VIEL EIGENSTÄNDIGKEIT UND KRAFT, DASS WILDE SICH ENTSCHLOSS, DIE COMETS EINSTWEILEN AUF EIS ZU LEGEN UND SEINE GANZE ENERGIE DEN SATURNETTES ZU WIDMEN. AUS DEM EINSTIGEN WILDE-PROJEKT WURDE EINE BAND GLEICHBERECHTIGTER MUSIKER, DIE RUND UM IHRE BASIS IM FINNISCHEN TAMPERE DIE ERSTEN AUFTRITTE ABSOLVIERTEN UND ZU EINER STARKEN EINHEIT ZUSAMMENWUCHSEN. NUN IST DAS ERSTE ALBUM DRAUSSEN, UND AUS DEN ELEKTRONISCHEN ANFÄNGEN HAT SICH EINE MISCHUNG AUS KRAFTVOLLEM WAVEPOP UND RUPPIGEN ROCKELEMENTEN ENTWICKELT. DER MUSIC ALLIANCE PACT, EIN ZUSAMMENSCHLUSS VON BLOGGERN, ZU DENEN AUCH DAS BRITISCHE RENOMMIERBLATT THE GUARDIAN ZÄHLT – KÜRTE THE SATURNETTES INZWISCHEN SCHON ZU DEN BESTEN NEWCOMERN FINNLANDS. WORUM ES DER BAND SELBST GEHT, ERZÄHLTEN ALLE VIER – JANN (GESANG/ GITARRE), ROBIN (GITARRE), HENRIKA (PIANO/ GESANG) UND KAIDE (BASS) – IN UNSEREM INTERVIEW. ALS ICH EUREN BANDNAMEN DAS ERSTE MAL HÖRTE, ERWARTETE ICH JA EIGENTLICH EINE GIRLGROUP, WEIL ER SO NACH MOTOWN KLINGT. WIE SEID IHR AUF DEN NAMEN GEKOMMEN? Jann: Den Namen gab es schon lange vor der Band. Ich suchte etwas mit einem Hauch Sixties, Sci-Fi und Gender-Bending. Meine englischen Lieblingsworte sind Saturday und Saturn … außerdem hat The Saturnettes 14 Buchstaben, und 14 ist meine Glückszahl und mein Geburtstag. Vor allem aber war der Name originell genug, dass er keine weiteren Google-Treffer hat! Henrika: Ich finde, der Name passt mit seinem naiven Klang gut zu uns. Letztlich sind wir gar nicht so weit weg von einer Girlgroup. EINE GIRLGROUP, DIE – WENN MAN DEM INFO DER PLATTENFIRMA TRAUEN DARF – VON KÜNSTLERN WIE BOWIE, THE JESUS AND MARY CHAIN, LORDS OF THE NEW CHURCH, THE CURE ODER NEW ORDER GEPRÄGT IST. UND TATSÄCHLICH SIND SICH DIE VIER SATURNETTES IN IHREN VORLIEBEN RECHT ÄHNLICH UND VOR ALLEM AM KLASSISCHEN ROCK UND POP INTERESSIERT; DIE BANDBREITE DER VERSCHIEDENEN GESCHMÄCKER REICHT ABER DARÜBER HINAUS VON PJ HARVEY ÜBER DIE GITARRENGÖTTER CLAPTON, PAGE, HENDRIX BIS ZU DEN STOOGES UND MC5. DIESE VIELFALT PRÄGT AUCH DAS ALBUM. AUF „THE SATURNETTES“ HABT IHR DUNKLE SONGS WIE „DIETRICH“, DIE FAST EIN BISSCHEN GOTHIC KLINGEN, NEBEN ROCKNUMMERN WIE „CADILLAC“ UND MELODISCHEM SYNTHIPOP WIE „GIRL NAMED SUE“. WAR DAS VON ANFANG AN SO GEPLANT? Jann: Wir versuchen zu vermeiden, dass sich die Songs untereinander zu sehr ähneln. Wir müssen niemandem beweisen, wie rockig oder wie indie wir sind. Und ich hasse Bands, die dauernd ihr erprobtes Hit-Rezept wiederholen – besonders, wenn sie noch keinen Hit gehabt haben. IN DEUTSCHLAND DENKT MAN BEI MUSIK AUS FINNLAND DANK BANDS WIE NIGHTWISH ODER HIM BEINAHE AUTOMATISCH AN METAL ODER DARK ROCK. DIE SATURNETTES KLINGEN NUN VÖLLIG ANDERS. HABEN WIR EIN FALSCHES BILD VON DER FINNISCHEN MUSIKSZENE, ODER SEID IHR MIT EUREM WAVE-SYNTHI-POP-ROCK TATSÄCHLICH EINE AUSNAHME? Henrika: Na ja, ich würde sagen, beides. Finnland war beim Export von Metalbands bisher sehr erfolgreich, von daher ist dieser Eindruck kein Wunder. Dunkle Sounds kommen der finnischen Mentalität entgegen, daher ist unsere Art von Musik wirklich nicht so häufig anzutreffen. Wir fallen hier schon auf, aber die einzige Popband sind wir nun auch nicht. Kaide: Die meisten Bands spielen aber schon Heavy-Rock. Die Finnen sind nun mal ein ziemlich schlichtes, bodenständiges Volk und meinen deswegen, dass nur etwas, das hart und heftig ist, Credibility haben kann. Wer hier bei uns Pop mag, muss schon ein ziemlich großes Selbstbewusstsein mitbringen, und das ist Finnen meistens nicht gegeben. Und deswegen gibt es hier so viele Bands, die zwar Songs mit netten Melodien spielen, sie aber, damit sie sich auch verkaufen, vorsichtshalber hart und krachig arrangieren, um ja schön heftig und bloß nicht peinlich poppig zu klingen. VOR DER GRÜNDUNG DER SATURNETTES HABEN JANN, KAIDE UND ROBIN BEREITS BEI JANN WILDE & THE NEON COMETS ZUSAMMENGESPIELT, UND HENRIKA SANG AUF DEM ALBUM NEON CITY ROCKERS MIT JANN EIN DUETT. ABER WIE HABT IHR EUCH EIGENTLICH ALLE KENNEN GELERNT? Jann: Wir sind nach einer Orgie nebeneinander aufgewacht und trugen nichts außer unseren Instrumenten. DAS WAR SICHER EIN SEHR SPANNENDER ANBLICK. UND WAS WAR EUER ERSTER EINDRUCK VONEINANDER? Henrika: Oh Mann, das ist schon so lange her … ich habe mich immer gefragt, wie viel Haarspray Jann für seine Frisur braucht. Und ich habe Kaides perfekt polierte Fingernägel sehr bewundert. Robin traf ich später bei einem Gig der Neon Comets und dachte, hey, der Typ kann seine Gitarre verkehrt rum spielen, das ist ja cool. KUNSTSTÜCK FÜR EINEN LINKSHÄNDER … ABER SPASS BEISEITE. DAS ERSTE MITGLIED DER NEUEN BAND WAR BEAT PEST, EUER DRUMMER, ODER VIELMEHR, EUER DRUMCOMPUTER, DER NICHT NUR EINEN NAMEN HAT, SONDERN SEIN EIGENES FACEBOOK-PROFIL UND EINEN BLOG. WIESO HABT IHR EUCH FÜR EINE MASCHINE ENTSCHIEDEN UND NICHT FÜR EINEN DRUMMER AUS FLEISCH UND BLUT? Jann: Er gibt das 1-2-3-4 in reinster Form vor und zwingt dich, alles Unnütze wegzulassen. Es wird auch leichter, die ganzen anderen elektronischen Sounds einzubinden. Und halleluja, es ist so viel einfacher und ökonomischer, ohne ein Schlagzeug auf Tour zu gehen! BEI DEN COMETS WAR ALLES KLAR AUF JANN ALS FRONTMANN UND SONGWRITER AUSGERICHTET. INZWISCHEN ÜBERNIMMT HENRIKA EBENFALLS LEADGESANG, ZUMINDEST LIVE SINGT KAIDE EINIGE SONGS, UND AUCH DAS SONGWRITING ÜBERNIMMT JANN NICHT MEHR ALLEIN. HAT SICH DADURCH DIE CHEMIE ZWISCHEN EUCH VERÄNDERT? Henrika: Ich glaube, sie war bei den Saturnettes von Anfang an anders. Wir wollten eine Band ohne festgelegte Rollen. Wir könnten auch unsere Instrumente untereinander tauschen, wenn wir wollten. Jann: Dass ich auf dieser Platte noch sehr viele Songs singe, liegt nur daran, dass ein großer Teil des Materials ursprünglich für ein neues Jann-Wilde-Album vorgesehen war. Trotzdem sind bei den meisten Titeln drei Stimmen zu hören, und ich hoffe, dass wir das in Zukunft noch viel weiter ausbauen werden. Vielleicht singe ich dann nur noch eine Zeile, und Robin übernimmt zehn. Wer weiß? Robin: Haha, das Problem ist nur, dass ich mir so schlecht Texte merken kann, wahrscheinlich fehlt mir da die Übung! Davon abgesehen gibt es schon drei großartige Sänger in der Band, und das reicht meiner Meinung nach. Aber wer weiß schon, was in Zukunft noch kommt! VIERSTIMMIG PRÄSENTIEREN SICH DIE SATURNETTES TATSÄCHLICH AUF IHRER WEIHNACHTSSINGLE „COMMODORE XMAS“, DIE AB DEM 1. DEZEMBER ÜBER DIE WEBSEITE DER BAND ALS DOWNLOAD VERFÜGBAR SEIN WIRD. DER KOLLEKTIVE GEIST DER BAND IST ABER NICHT NUR AUF GESANG UND INSTRUMENTENTAUSCH BESCHRÄNKT, DIE SATURNETTES HABEN IHREN ERSTLING AUCH GEMEINSCHAFTLICH PRODUZIERT – WAS, WENN MAN JANN GLAUBEN DARF, VÖLLIG OHNE MACHTKÄMPFE UND EGOSPIELCHEN VONSTATTEN GING. ALS EINZIGER AUSSENSTEHENDER WURDE HENRI KOVANEN, EIN ALTER FREUND DER BAND, ZUM ABMISCHEN HINZUGEHOLT. STELLT SICH DIE FRAGE, WIE WICHTIG ES FÜR DIE SATURNETTES IST, ALLE FÄDEN SELBST IN DER HAND ZU BEHALTEN? Robin: Das ist schon wichtig, weil wir nur so unseren Sound selbst bestimmen und das, was uns musikalisch vorschwebt, genau umsetzen können. Es ist wirklich erfrischend, Musik zu machen, ohne dass einem ständig jemand über die Schulter guckt und zu Kompromissen zwingt, um die Musik beispielsweise kommerzieller zu machen. KOMPROMISSE SIND WIRKLICH NICHT IHRE SACHE. DER SOUND DER SATURNETTES BESTEHT AUS SO VIELEN VERSCHIEDENEN ROCK- UND POP-ELEMENTEN, DASS ER SICH ERFOLGREICH ALLEN VERSUCHEN ENTZIEHT, DIE BAND IN IRGENDEINE SCHUBLADE ZU STECKEN, UND DAS MACHT SIE AUCH SO WENIG BERECHENBAR. JANN HAT SICH BEWUSST VOM GLAM- UND GLITTERIMAGE ABGEWANDT, DAS IHM IN FINNLAND VOR EINIGEN JAHREN GROSSEN ERFOLG EINGEBRACHT HATTE, UND WEIGERT SICH SEITDEM STANDHAFT, ERWARTUNGEN ZU ERFÜLLEN, DIE MAN VON AUSSEN AN IHN HERANTRÄGT. „DON’T EVER PUT YOUR HANDS IN A ROCK’N’ROLL BAND, IF YOU CHANGE YOUR DIRECTION YOU GET KILLED BY YOUR FANS“, SINGT JANN IM REFRAIN VON „LAVATORIES“. HABT IHR SOLCHE ERFAHRUNGEN GEMACHT? Jann: Manche Bands machen jahrelang das, was die Fans, ihre Plattenfirma oder ihre Mütter von ihnen erwarten, und das kann ich nicht verstehen. Ich möchte immer etwas Neues erschaffen und die Leute überraschen. Sicher hat man mir auch schon gesagt, dass ich der Frisur und den engen Einteilern hätte treu bleiben und weiter irgendwelche verrückten Dinge auf der Bühne hätte tun sollen, so wie 2006 und 2007. Das Publikum wollte Ziggy Stardust sehen und bekam plötzlich den Thin White Duke. – Hey, jetzt habe ich mich gerade mit Bowie verglichen … aber warum auch nicht! BEI ANDEREN SONGS VERMISCHT JANN IN SEINEN TEXTEN GERN ROCK-VERSATZSTÜCKE MIT BEZIEHUNGSSKIZZEN ODER KURZEN BEOBACHTUNGEN. UND WORUM GEHT ES IN „JELLO“? Jann: Um den Moment, in dem sich ein Künstler in eine Jukebox verwandelt und jedes Jahr eine neue Compilation auf den Markt wirft. Vielleicht kann ich eines Tages auch am Swimmingpool liegen, in dem Bewusstsein, dass man unsere Best Ofs an jeder Tankstelle kriegt. Davon abgesehen enthält der Song auch ein paar nicht ganz ernst gemeinte Seitenhiebe, die an die Adresse meiner alten Plattenfirma gerichtet sind. WIE GROSS IST DIE ROLLE, DIE MUSIK IN EUREM LEBEN SPIELT? Henrika: Sehr groß. Ich mache eigentlich nichts außer Musik. Abgesehen von den Saturnettes habe ich noch andere Projekte, und ich komponiere auch für andere Künstler. Für mich ist das die einzige Beschäftigung, mit der ich mir mein Geld verdienen will. Einen Job von neun bis fünf kann ich mir nicht vorstellen. Was ist mir sonst noch wichtig, lass mich überlegen – lange schlafen und Schokoladenmuffins backen. Ich glaube, das ist das einzig Mädchenhafte an mir. Robin: Bei mir muss auch alles mit Musik zu tun haben. Wenn ich zuhause bin, habe ich eigentlich immer die Gitarre in der Hand. Manchmal spiele ich Cover-Gigs mit anderen Musikern. NUN, DA DAS SATURNETTES-ALBUM DRAUSSEN IST, WAS PLANT IHR FÜR DIE ZUKUNFT? Jann: Eine EP wäre schön. Oder eine Split-Vinylsingle. Aber ich habe auch darüber nachgedacht, ein paar von meinen alten Songs neu aufzunehmen. Manche Titel von „Tokio Okei“ und „Neon City Rockers“ würden perfekt zu den Saturnettes passen, man müsste ihnen nur einen kräftigen Elektroschock verpassen. Den Songs, meine ich natürlich, nicht der Band…!

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