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THE VISION BLEAK (ULF THEODOR SCHWADORF)

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HALLO – ALS ERSTES EINMAL DANKE, DASS DU DIR DIE ZEIT FÜR DAS GESPRÄCH NIMMST. Das ist kein Problem. Ich bedank mich auch bei Dir. IHR SEID JA GERADE VON DER TOUR MIT ALCEST UND FJOERGYN ZURÜCK. WIE IST ES GELAUFEN? Sehr gut! Wir sind mit der Tour wirklich sehr zufrieden, hatten einen sehr guten Besucherschnitt und haben auch nach anfänglichen Schwierigkeiten – wir hatten lang nicht live gespielt – unsere Unsicherheit in den Griff bekommen. Die hatte sich nach ein, zwei Gigs gelegt. Der Zuschauerschnitt war ungefähr bei 200-250 Leuten, was europaweit super ist. Daher sind wir wirklich sehr zufrieden. WIE PASST DIE RUHIGERE MUSIK VON ALCEST UND DER AVANTGARDISTISCHE METAL VON FJOERGYN ZU EUREM PROGRAMM? Wir suchen eigentlich immer Gegensätze. Unsere letzte Headliner-Tour, die wir gemacht haben, war ja mit NEGURA BUNKET, also auch eine Band, wo jeder gefragt hat, wie das zu uns passt. Ich bin halt der Meinung, dass es gut ist verschiedenartige Musik an einem Abend zu haben. ALCEST ist zwar eine ganz andere Musik als Unsere, aber wir mögen ALCEST und sie mögen auch uns. Und wir haben uns gedacht, dass es einfach interessanter für das Publikum ist, wenn man 3 verschiedene Bands an einem Abend hat, als wenn du z.B. eine Tour hättest mit CANNIBAL CORPSE, MONSTROSITY und noch etwas Ähnlichem. Ich finde das wesentlich interessanter, verschiedenartige Bands zu haben, die dann aber trotzdem geeint sind und dass sie Atmosphäre mit ihrer Musik erzeugen, auch wenn die äußere Umsetzung oft verschieden ist. Das ist dann aber auch für den Besucher eines Konzerts unterhaltsamer als 3 Bands in einem sehr ähnlichen Stil zu sehen. DA DU DIE BESUCHER ANSPRICHST – WIE VIELE FANS, DENKST DU, VON EMPYRIUM LOCKT IHR ZU EUREN KONZERTEN? Viele! (lacht) Ich weiß natürlich nicht WIE viele. Aber ich unterhalte mich oft nach einem Gig mit den Fans und werde da auch oft nach EMPYRIUM gefragt. Es gibt noch viele Leute, die meine musikalische Tätigkeit seit den frühen 90ern kennen, was natürlich sehr schmeichelhaft ist. EMPYRIUM WAR JA DAMALS AUCH DIE NEOFOLK-GRÖSSE SCHLECHTHIN! UND WENN SPÄTER Z.B. „WEILAND“ KEIN NEOFOLK MEHR WAR, WAR DIE MUSIK DOCH RECHT EINZIGARTIG. Also ich würde EMPYRIUM generell nicht als Neofolk bezeichnen. Sie hatten ihren eigenen Stil. Davon abgesehen ist die Band im Laufe der Jahre zu einer totalen Kultband gereift. Ich merke das immer wieder. Es wird von Tour zu Tour schlimmer (lacht), wie viele Leute mich danach fragen. ABER ABGEHAKT IST EMPYRIUM DENNOCH, ODER? Sag niemals nie! (lacht) ABER VERLASSEN WIR MAL EMPYRIUM UND KOMMEN ZU THE VISION BLEAK UND ZUM NEUEN ALBUM. IN WELCHEM KONTEXT STEHT „SET SAIL TO MYSTERY“ ZU DEN VORGÄNGER-ALBEN? ES IST SEIT DEM DEBÜT DAS ERSTE WERK, DAS WIEDER NAMENTLICH MARITIM IST. IST ES EINE ART ABSCHLUSS EINER REIHE ODER GAR DER BEGINN EINER NEUEN? Weder noch. THE VISION BLEAK ist ja eine Konzept-Band. wir werden uns immer in unseren Texten mit der Thematik von Horror und dem Übernatürlichen beschäftigen. Daher ist eine Fortsetzung von dem, was wir bisher gemacht haben und wo wir immer hintendieren werden. Ich meine, wenn man „Set sail to mystery“ übersetze, dann würde ich als „Auf zu Mysterien“ beschreiben – als Aufforderung an den Hörer. Aber es ist auch ein sehr cooler „Wink mit dem Zaunspfahl“, welcher auf unser Debüt-Album hinweist. Das war auch durchaus so gewollt, weil seit unserem Debüt sich eigentlich ziemlich viele Bands mit diesem maritimen Thema auseinandergesetzt haben, und wir waren damals 2004 die erste Band seit RUNNING WILD, die so was gemacht hat. daher fanden wir das als ziemlich coolen kleinen Hinweis, dass wir mit die ersten waren, die das Maritime mit in den Metal gebracht haben. NACH „CARPATHIA“, WELCHES IHR JA H.P. LOVECRAFT GEWIDMET HATTET, IST AUCH HIER DER EINFLUSS DIESES KÜNSTLERS ZU ERKENNEN. (THE OUTSIDER) WELCHE KÜNSTLER SPRECHEN DICH LITERARISCH NOCH AN? Also literarisch sind unsere Einflüsse schon immer LOVECRAFT, POE und LORD BYRON. Das ist für mich das Triumvirat, die heilige Dreifaltigkeit der Literatur, würde ich sagen. Ich liebe an allen drei Schriftstellern ihre verschiedenen Aspekte, wobei alle drei die Beschäftigung mit dem Dunklen, dem Übernatürlichen eint. Das sind die 3 einflussreichsten Schriftsteller für THE VISION BLEAK. Wir haben ja auch alle 3 auf der neuen Platte gefeatured. „Descend into maelstrom“ ist eine POE-Geschichte und „A curse of the grandest kind“ basiert ja auf einem Auszug aus dem Drama „Manfred“ von BYRON. DAS SIND JEDOCH DREI, ICH MÖCHTE SAGEN, „BETAGTE“ SCHRIFTSTELLER. AKTUELLERE, Z.B. CLIVE BARKER, INSPIRIEREN DICH NICHT? Ich muss sagen, dass ich mich mit aktueller Literatur nicht so sehr beschäftige und daher da auch nicht so bewandert bin. Der letzte Schriftsteller, der mir wirklich zugesagt hat, der aber letztes Jahr verstorben ist, war Michael Crichton. Er war ultratalentiert. Er hatte einen eigenen Stil zu schreiben. „Eaters of the dead“, ein Roman von ihm, auf dem übrigens der Film „Der 13. Krieger“ basiert, fand ich einfach hervorragend. KÖNNTEST DU DIR VORSTELLEN, EINMAL EINE KOMPLETTE GESCHICHTE ZU EINEM ALBUM UMZUSCHREIBEN? SEI ES POES „DER RABE“ ODER „DUELL DER ZAUBERER“. Könnte ich mir schon vorstellen. Es muss natürlich das richtige Werk dazu sein. Wobei bei „Carpathia“ war es ja ähnlich. Es erzählt eine Geschichte von Anfang bis Ende und ist beeinflusst von LOVECRAFT und POE. Aber das war ja thematisch was Ähnliches. Wir haben literarisch eine Geschichte, die war aber selbst ausgesponnen und vertonen das mit der Musik. Das war ein vergleichbarer Ansatzpunkt, nur dass es halt keine Vertonung eines Werkes eines anderen Künstlers war. SPRACHLICH BLEIBT IHR AUCH IMMER DEM ENGLISCHEN TREU? JA! Definitiv! Das passt einfach zu THE VISION BLEAK wie die Faust aufs Auge. Ich denke, dass unsere Musik eine leichte Ausstrahlung von „viktorianischem England“ hat und da passt die englische Sprache natürlich sehr gut. WO SIEHST DU DICH UND DIE BAND IN ZUKUNFT? Also ich muss sagen, ich bin mit dem aktuellen Status sehr zufrieden. Ich kann mich jederzeit künstlerisch mit THE VISION BLEAK ausdrücken. Deswegen ist das sehr schwer zu beantworten. Von mir aus kann es gern so weitergehen. Natürlich muss immer die Inspiration da sein, um ein Album zu machen. Wenn man sich dafür entscheidet, eine Band zu gründen, die von Anfang an ein Konzept hat, dann muss man sich auch sicher sein, dass die Inspiration so schnell nicht ausgeht. Ich hab aber einen großen Fundus an Inspiration, und das Übernatürliche gibt wahnsinnig viel her. Ich meine „X-FILES“ haben es geschafft, 9 großartige Staffeln zu machen (lacht), also warum sollen wir es nicht schaffen, 10 Alben zu füllen? DEM IST NICHTS HINZUZUFÜGEN. KOMMEN WIR ZUR AUFMACHUNG DES NEUEN WERKS. EURE BISHERIGEN CDS SIND JA IMMER IM DIGI UND ALS JEWEL CASE ERSCHIENEN. DIESES MAL GEHT IHR WEITER UND LIEFERT DEN FANS SOGAR ZUSÄTZLICH EIN ARTBOOK. WIE KAMT IHR AUF DIESE IDEE? Wir waren auf der Suche nach einem Format, das wirklich etwas Besonderes darstellt. Wir waren in einem konstanten Dialog mit unserer Plattenfirma, was wir machen können und was wirklich etwas Spezielles ist. Irgendwann kam unsere Plattenfirma eben auf dieses Format „Artbook“. Das haben wir uns dann genauer angesehen und uns dann ziemlich schnell entschieden, dass wir das machen müssen! Und als ich dann das Artbook bekommen und in der Hand gehalten habe, war es wohl das erste Mal seit dem Debüt von EMPYRIUM 1996, dass ich mich gefreut habe wie ein kleines Kind, weil es wirklich so ein schönes wertiges Produkt ist. Und ich bin mir sicher, dass wir zukünftig jede Platte in diesem Format herausbringen werden, weil es irgendwie der „missing link“ zwischen CD und LP ist. Alles was Leute an Vinyl geliebt haben, eben dieses große Cover, die Grafik, die viel besser zur Geltung kommt, ist eben auf dem Artbook vorhanden und zusätzlich hat man die Vorzüge der CD, das eben die Archivierung nicht ganz so schwierig ist wie bei einer Platte. Ich find es wirklich hervorragend! ALS BONUS-STÜCKE GIBT ES JA AUCH WIEDER EINIGE PIANO-PARTS ZU HÖREN. KANNST DU DIR VORSTELLEN, EINMAL EIN KLASSISCHES WERK ZU KOMPONIEREN, DAS OHNE ROCK-ELEMENTE AUSKOMMT? Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich hab ja Ähnliches früher mit EMPYRIUM gemacht. „Where at Night the Wood Grouse Plays“ ist sehr klassisch und auch „Weiland“ hat sehr wenige Rockelemente, abgesehen von einzelnen Schlagzeugpassagen. Daher ist es auf jeden Fall etwas, was ich mir sehr gut vorstellen kann. Wir beide (Markus Stock alias Ulf Theodor Schwadorf und Tobias Schönemann alias Allen B. Konstanz – Anm. d. Red.) sind sehr große DEAD CAN DANCE-Fans und unterhalten uns sehr häufig über die Band. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass TVB irgendwann mal Musik wie DEAD CAN DANCE macht (lacht), auch wenn das nicht morgen sein wird … oder übermorgen, aber wer weiß (lacht noch mal). Wir sind halt beide große Fans von Dark Ambient und Klassik. DEAD CAN DANCE sind, ähnlich wie andere Bands, die ohne Rockelemente daherkommen, frei von jeder Schublade. WIE KAMT IHR EIGENTLICH AUF DIE IDEE, „I DINED WITH THE SWANS“ DURCH DEN SÄNGER VON SHINING EINSINGEN ZU LASSEN? (ALS BONUS-STÜCK, ANM. D. RED.) Das ist eine relativ profane Geschichte. wir haben zusammen mit SHINING gespielt und kurz vor unserem Gig kam Niklas (Kvarfoth, Anm. d. Red.) auf uns zu und fragte, ob er einen Song mit uns auf der Bühne performen kann. Er ist dann ganz spontan mit uns auf die Bühne und hat den Song „Carpathia“ mit uns gesungen. Er konnte den Text auswendig. Später hat er uns gesagt, dass er ein großer TVB-Fan ist. Wir mögen SHINING auch sehr gern, vor allem die letzten zwei Platten waren hervorragend! Als wir nun das Bonusmaterial geplant haben, haben wir direkt an ihn gedacht, weil „I dined with the swans“ ein Stück ist, was super zu seiner Art Gesang passt. Er hatte auch sofort zugestimmt und innerhalb von ein paar Tagen war die Sache dann erledigt. DA STELLT SICH NATÜRLICH DIE FRAGE: GIBT ES KÜNSTLER, EGAL OB ES AKTUELLE SIND ODER BEREITS VERSCHIEDENE, MIT DENEN DU GERN MAL ARBEITEN WÜRDEST ODER GERN GEARBEITET HÄTTEST? Ideal wäre natürlich wenn H.P. LOVECRAFT das Textgut schreibt, die Bühnenkulisse von Caspar David Friedrich gemalt würde und das Ganze dann von Brandon Perry und Lisa Gerrard vorgetragen würde. (lacht). Das wär ein ziemlich gelungener Abend. SOWEIT ICH WEISS, SEID IHR JA AUCH MAL BEIM „TERRORVERLAG FESTIVAL“ IM BIELEFELDER TRIEBWERK AUFGETRETEN, WO IHR MIT LEICHENWETTER UND UNHEILIG GESPIELT HABT. WIE ORDNEST DU DEN GROSSEN CHARTERFOLG VON UNHEILIG EIN? IST SO ETWAS GUT FÜR DIE MUSIKSZENE? Ich muss gestehen, dass ich den Song erst einmal gehört habe. Ich höre fast nie Radio. Und Musikfernsehen habe ich mir schon lang abgewöhnt zu schauen, denn Klingeltonwerbung hat nichts mehr mit Musik zu tun. Aber zum Song – Tobias hat mich darauf aufmerksam gemacht. OK, es ist kein Metal im eigentlichen Sinne. Es ist eine Popnummer. Aber das ist nicht abwertend gemeint! Ich gönne jeder Band ihren Erfolg und UNHEILIG sind ja keine Eintagsfliege. Sie gibt es auch schon ewig. Davon abgesehen kann ich mir nur sehr schwer vorstellen, dass wir so etwas einmal erreichen. Auch wenn unsere Musik im Metal-Bereich schon „catchy“ ist, ist sie das nicht im Radio oder Pop-Bereich. Und ich denke auch, wenn der Text von UNHEILIG in Englisch wäre, dann wäre der Song keine Nummer 1 in Deutschland. Der Text kann einfach so jeden berühren, ohne versteckte Botschaften. Jeder kann sich damit identifizieren. Und das ist auch nicht abwertend gemeint! Aber dafür ist TVB z.B. zu speziell. Wobei … RAMMSTEIN beweisen ja auch wieder das Gegenteil. Es ist einfach sehr schwer so etwas im Metal-Bereich zu erreichen, wenn auch nicht unmöglich. Aber ich glaube nicht daran, dass wir das jemals schaffen, auch wenn unsere neue Platte auf Platz 65 in den Charts eingestiegen ist. Aber das ist natürlich noch weit entfernt von der Nummer 1 (lacht) … auch Verkaufszahlentechnisch. KOMMEN WIR NOCH ZU EINEM ANDEREN WICHTIGEN MUSIKER. AM 14.04.2010 IST PETER STEELE VON TYPE O NEGATIVE GESTORBEN. WIE WIRD SICH DER TOD DIESES MUSIKERS AUF DIE SZENE AUSWIRKEN? Ich denke, dass die TYPE O NEGATIVE-Alben ein Revival erfahren werden. Ich muss aber zu meiner Schande gestehen, dass ich nie der große TON-Fan war, im Gegensatz zu Tobias. Ich hab eigentlich nur die „Slow, deep and hard“ und die „Bloody kisses“ gemocht. Alles danach war nicht ganz so mein Ding. Dennoch war Pete ein einflussreicher Musiker. Allein seine Art zu singen und seine total ehrlich-radikale Einstellung waren schon sehr respekteinflößend. ABSCHLIESSEND DANKE ICH DIR FÜR DIE ANTWORTEN, WÜNSCHE DIR VIEL ERFOLG MIT DER BAND. DIE LETZTEN WORTE GEHÖREN DIR. Ich würde jedem empfehlen, der auf atmosphärische dunkle Musik steht, „Set sail to mystery“ mal ein Ohr zu leihen. Das, denke ich, genügt.

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