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WOLVES LIKE US (LARS KRISTENSEN/ TORGEIR KJELDAAS/ ESPEN HELVIG/ JONAS THIRE)

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ALS MICH DRUMMER JONAS THIRE MITTAGS AM TELEFON FRAGTE, MIT WIEVIELEN BANDMITGLIEDERN ICH EIGENTLICH SPRECHEN WOLLE, ANTWORTETE ICH IHM IN ERWARTUNG AN EINE KLEINE RUNDE HALB IRONISCH: „SO VIELE WIE MÖGLICH“. DASS ICH STUNDEN SPÄTER TATSÄCHLICH MIT ALLEN VIER WÖLFEN AN EINEM TISCH SITZEN SOLLTE, HATTE ICH ABER NICHT ERWARTET. DOCH WENNGLEICH SICH NICHT ALLE GLEICHERMASSEN AM GESPRÄCH BETEILIGT HABEN, FÜLLTE DIE ANWESENHEIT VON GLEICH VIER NORWEGERN, DIE DANK BANDS WIE EBEN WOLVES LIKE US WIEDER MEHR IN DEN FOKUS DES EUROPÄISCHEN ALTERNATIV-BEREICHS RÜCKEN, DIE UNTERHALTUNG SO KURZ VOR EINEM TRADITIONELLEN FEST WIE WEIHNACHTEN NATÜRLICH MIT REICHLICH INFORMATIONEN, ANEKDOTEN UND WITZ, DER DEN STEROTYP DER SPARSAM HUMORVOLLEN MENSCHEN AUS DEM NORDEN ARG IN FRAGE STELLEN SOLLTE. DIE TOUR IST BALD VORBEI, HEUTE IST EUER LETZTER TAG IN DEUTSCHLAND. WIE FÜHLT IHR EUCH GERADE? Jonas: Ich bin müde… (lacht) Torgeir: Ich denke wir sind alle etwas erschöpft. Nicht, dass wir das Touren satt hätten, aber das waren jetzt immerhin 23 Tage. Jonas: Es war wirklich cool mit so vielen Bands in zwei Bussen auf Tour zu gehen. Wir hatten zwar auch Zeit zum Schlafen, aber jeden Abend Shows zu spielen und mit so vielen tollen Menschen, die unsere Freunde geworden sind, unterwegs zu sein… Dazu noch kostenlosen Alkohol jeden Abend – das ist keine gute Kombination. Wir fühlen uns jetzt einfach ein wenig ausgebrannt, aber so soll es ja auch sein. WOLVES LIKE US WURDEN LETZTES JAHR GEGRÜNDET, EUER ERSTES ALBUM IST ERST EIN PAAR MONATE ALT UND ES SCHEINT SO, ALS HÄTTET IHR IN DER KURZEN ZEIT SCHON SO VIEL ERREICHT. WIE HABT IHR DAS ÜBERHAUBT GESCHAFFT? Jonas: Puh, weißt du, vielleicht ist es ein wenig von allem. Wir hatten ein wenig Glück und haben die richtigen Leute getroffen, was wohl mit Glück zusammen hängt, hoffentlich beides mit dem Ergebnis, dass wir gute Musik machen können, die die Leute mögen. Wir hatten alle vier unsere Projekte in den vergangenen Jahren, haben eigentlich immer Musik gemacht, aber dass alles so schnell passiert ist, ist einfach unglaublich und macht uns sowohl froh, als auch stolz. It’s about fuckin‘ time, he! HABT IHR DIESES GEMEINSAME PROJEKT SCHON LÄNGER GEPLANT, QUASI NACHDEM EURE ALTEN BANDS SICH AUFGELÖST HABEN? Lars: Nein, nein… Torgeir: Eigentlich haben wir nur auf Espen gewartet. Espen: Ouh… (lacht) Jonas: Ich schätze, es waren höchstens ein oder zwei Monate nachdem wir das erste Mal darüber gesprochen haben, dass wir unsere erste Probe hatten. (überlegt) Als ich mich das erste Mal mit Lars getroffen habe, bis wir im Proberaum waren, das waren… Lars: … zwei Monate. Jonas: Zwei Monate, höchstens. Er hatte schon die ersten Ideen, ein paar Riffs und Texte, und dann haben wir eigentlich direkt angefangen. Nach kurzer Zeit hatten wir dann schon vier oder fünf Songs. Lars: Wir hatten das Album ungefähr im Juni oder Juli… also: Chemie und Glück, Schicksal… Torgeir: Gutes Timing… Lars: Ja, gutes Timing… Ninjas… Jonas: (lacht) Yeah, da waren Ninjas im Spiel! Lars: Ja ja ja… ich werde darüber nicht sprechen. Jonas: Lars hat als Teilzeit-Ninja gearbeitet. Lars: Ja, ja, sag es nicht, oder ich werde dich töten müssen! EURER MEINUNG NACH, WAS HAT SICH SEIT DEN ZEITEN VON J.R. EWING UND AMULET VERÄNDERT? Lars: 15 Jahre… Jonas: Ich schätze ich werde diese Frage beantworten müssen, da ich in beiden Bands gespielt habe. 2002 habe ich bei J.R. EWING aufgehört, das ist lange her. Als ich die letzte Tour mit ihnen gespielt hab, das war Super Punkrock, wurden sie langsam zu einer großen Band. Aber wir waren gute Freunde, wir kamen auf die Touren der jeweils anderen. Schon allein der Unterschied zwischen den Auftritten damals und der Tour hier ist riesig. Jetzt ist es einfach viel organisierter. Ich kann mich daran erinnern, dass AMULET versucht haben mit Avocado Booking zusammen zu arbeiten, weil wir alle dachten, dass wir da rein passen würden. Doch sie wollten uns nicht. Da war ein Typ, den ich während einer Tour getroffen habe und zu uns sagte, dass gerade als er für uns Shows buchen wollte, die Auflösung abzusehen war. Und dann ist es tatsächlich passiert. Aber wie ich bereits sagte, mit WOLVES LIKE US hatten wir Glück und haben die richtigen Leute früh genug getroffen. Darum sollte man sich als Band bemühen. Du musst den Leuten, mit denen du arbeitest, vertrauen können. Und das ist einfacher, wenn die Leute auf dich zu kommen und sagen: „Ich will mit euch arbeiten“, anstatt den Leuten hinterher zu telefonieren und zu fragen: „Hey, wollt ihr nicht mit uns arbeiten?“. Das ist etwas völlig anderes. Lars: Dieses Mal gab es viele solcher Leute, die zu uns kamen und direkt sagten: “Hey, ich mag euer Album, ich will mit eurer Band arbeiten“. Natürlich musst du den Menschen vertrauen können, die damit an dich heran treten. Mit Marco (Walzel, Mitinhaber von Avocado Booking, Anm. d. Verf.) haben wir schon ziemliches Glück. Jonas: Das Lustige ist, dass ich ihn nicht einmal persönlich kannte. Ich hatte mit ihm nicht ein einziges Mal gearbeitet, bis er unsere Show in Oslo buchte! Lars: Ihr wart eher E-Mail-Freunde… Im ersten Jahr passierte uns eigentlich jede Woche etwas Cooles. „Oh, ich kann nicht glauben, dass der Typ uns buchen will! Ich kann nicht glauben, dass dieses Festival uns haben will!“, und wir dachten nur: „What the fuck…“ Jonas: Gerade diese kleinen Dinge waren klasse. Zum Beispiel hat uns einer mal gefragt, ob wir denn schon T-Shirts gedruckt hätten. Wir hatten nicht einmal irgendetwas released, und der Typ wollte ein T-Shirt! „Hey, wir haben eine E-Mail im Postfach!“ (lacht) Wir haben sogar hier in Deutschland jemanden getroffen, mit dem wir für unser Merchandise kooperieren. Er hat uns einfach eine Mail geschrieben, kam und sah sich unsere Show an, mochte uns und wollte mit uns arbeiten. Selbst er war einer dieser ersten Menschen, der von sich aus mit uns arbeiten wollte. All diese kleinen Fundamente rundherum um die Band sind überaus wichtig. Nun kann es hauptsächlich erst einmal um die Band und die Musik gehen, schätze ich, und darum zu machen, was wir einfach am besten können. OK, ALSO SEHT IHR IN WOLVES LIKE US WAHRSCHEINLICH EHER DEN ANFANG VON ETWAS NEUEM ALS DIE WIEDERAUFERSTEHUNG ALTER ZEITEN…? Jonas: Klar, natürlich, das ist etwas völlig neues. Ich meine, die Jungs haben schon vorher zusammen in einer Band gespielt (damit sind INFIDELS FOREVER gemeint, in der alle drei anderen Mitglieder gemeinsam aktiv waren, Anm. d. Verf.), und ich war ein riesiger Fan. Torgeir: Das klingt gut! Lars: Ich mochte sie nicht… (alle lachen) Jonas: Also war ich ziemlich glücklich, als alle drei mit mir diese Band hier starten wollten. Wir werden alle älter langsam, und jetzt noch einmal diese Erfahrung machen zu können, sich als Freunde im Proberaum zu treffen, zusammen Musik zu machen, aufgeregt zu sein, wenn man einen neuen Song geschrieben hat und anschließend zusammen ein Bierchen zu trinken, ist unglaublich. Es ist eigentlich das Primitivste, das man mit Musik machen kann: nur vier Typen, die zusammen im Proberaum Musik machen… das bringt Erinnerungen aus der eigenen Jugend zurück, als man selbst noch ein Kid gewesen ist. GIBT ES DENN IRGENDETWAS, DAS IHR AUS DIESEN VERGANGENEN TAGEN WIRKLICH VERMISST? Jonas: Ich vermisse meinen alten Körper, bevor ich angefangen habe, mich so gehen zu lassen! Lars (O-Ton): Your old buddy? Jonas: My old buddy, yeah… my old body! Lars: Das ist der Ninja-Typ, man… Nun, ich vermisse es nicht. Es gibt einige Dinge aus der Zeit, die ich vermisse: zu den Shows zu gehen und die Bands, die zu der Zeit gerade im Umlauf waren, zu sehen… Jonas: Das stimmt, ja… Lars: … und ich vermisse es dünn zu sein und cool auszusehen. Aber alles in allem vermisse ich die Zeit nicht. Ich mag das, was wir jetzt sind. Und wir haben immer noch genau denselben Spaß, den wir schon mit Mitte 20 hatten… Jonas: (lacht) Er lügt! IN DEN LETZTEN MONATEN HABEN ES JA WIRKLICH VIELE JUNGE NORWEGISCHE BANDS AUCH ÜBER DIE GRENZEN DER HEIMAT HINAUS GESCHAFFT ERFOLGE EINZUFAHREN. HABT IHR EINE ERKLÄRUNG FÜR DIESEN DEUTLICHEN TREND? Espen: „Junge Bands“, danke! (lacht) Lars: Nun, erst einmal haben wir in paar wirklich gute Labels. Die meisten dieser Bands – ich schätze du sprichst von HAUST, OKKULTOKRATIE und so – stehen bei Fysisk Format aus Oslo unter Vertrag. Dort arbeiten sie wirklich hart für die jungen Leute. Darüber hinaus haben die Bands einfach verstanden, dass man nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen und nur darauf warten kann, dass irgendwann alles von alleine läuft. Man muss raus gehen, arbeiten und touren, und ich schätze das ist erst einmal alles. Im Moment gibt es schätzungsweise so neun, zehn Bands in Oslo, die sich ganz gut machen, weil sie genau das verstanden haben. Jonas: Sie arbeiten hart, und Chemie und Atmosphäre stimmen einfach da oben. Die Jungs und Mädchen, die da musizieren, pushen sich gegenseitig. Lars: Zudem ist Oslos Szene nicht zu riesig. Die meisten Leute kennen sich einfach. Wenn du im Musikbusiness bist, bei einer Booking-Agentur arbeitest oder ein Label hast, kennst du einfach jeden. Jonas: Norwegen ist generell nicht so groß. Wir haben vorhin darüber geredet: vor einigen Jahren gab es so etwas wie ein „elektronisches Jahr“, als die ganzen Elektro-Bands gehyped wurden. Das nächste Jahr war dann ein Hip Hop Jahr, und irgendwann kam wieder der Black Metal. Es ist wie eine Welle, die immer wieder zurückkommt. Nun sind wir gerade wieder mitten in einem Rock-Ding gelandet, mit vielen härteren Bands, Metal-Bands. Und auch die werden gefragt, ob sie nicht auf Festivals spielen wollen. Dadurch bekommen sie auch die Aufmerksamkeit des Hauptpublikums, so dass es für sie einfacher ist, Shows zu buchen. Gerade haben wir wirklich wieder ein paar gute Bands. WAS MACHT BANDS AUS DEM NORDEN SO BESONDERS? Lars: Das muss die Kälte sein… und die vielen heißen Mädchen. Jonas: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Wir haben im Winter wirklich nicht viel zu tun, außer im Proberaum zu sitzen und Musik zu machen. Davon abgesehen ist es mehr oder weniger das, was Lars angesprochen hat. Oslo ist recht klein, da lernt man schnell viele Leute aus der Musikbranche kennen, sodass man die eigene Band recht einfach verbreiten kann. ICH HABE MAL ÜBER DIE MÖGLICHKEIT EINER FINANZIELLEN UNTERSTÜTZUNG GELESEN, DIE DER NORWEGISCHE STAAT MUSIKERN ANBIETET. WAR DAS BEI EUCH AUCH THEMA? Jonas: Ja, wir wären nicht hier, wenn wir das nicht auch in Anspruch genommen hätten. Aber es ist kein einfacher Schritt, denn du musst dich durch einen Berg von Formularen kämpfen. Es gibt ein paar gute Möglichkeiten, an die Unterstützung zu kommen, aber es ist nicht so, dass du das Geld sicher bekommst. Lars: Nein, nein, da steckt Arbeit hinter. Du musst beweisen können, dass du etwas machst. Jonas: Wir haben vielleicht fünf oder sechs Anträge gestellt, seitdem wir angefangen haben, und gerade mal drei Antworten bekommen. Espen: Du musst erst einmal etwas schaffen, eine Tour buchen oder so etwas, und danach bekommst du vielleicht das Geld. Lars: Ja, vielleicht! OHNE WEITERES KANN MAN ALS BAND DAS GELD ALSO NICHT IN ANSPRUCH NEHMEN? Jonas: Rein musikalisch gibt es da keine Einschränkungen: auch Pianisten, christliche Musiker oder Schauspieler am Theater können Anträge stellen. Lars: Dafür bewerben kann sich alles und jeder. Jonas: Es ist mehr so ein kulturelles Ding, das vom Staat unterstützt wird. Nächstes Jahr haben wir geplant, in die USA zu reisen. Damit wir das erreichen können, brauchen wir wieder etwas Glück und hoffen auf eine erneute Finanzierungshilfe. Wir müssen das alles aus unseren eigenen Taschen bezahlen, alles für die Band. Vor Ablauf der nächsten Jahre werden wir wahrscheinlich kaum etwas durch die Band verdienen. Wir zahlen unseren Proberaum immer noch selber und sparen Geld, damit wir WOLVES LIKE US am Laufen halten können. Hoffentlich zahlt man uns das später, wenn wir älter sind, zurück. KÖNNT IHR DENN WENIGSTENS FREI DARÜBER ENTSCHEIDEN, WO IHR DAS GELD SCHLIESSLICH ANLEGT? Jonas: Es ist eher in Budgets aufgeteilt. Das ist hart, am Anfang bekommst du vielleicht 50 Prozent, und die andere Hälfte wird dir erst im Nachhinein ausgezahlt. Du musst den Verantwortlichen alles vorlegen: Flyer, Homepages, Rezensionen… du schreibst quasi eine Art Report und schickst ihn wieder zurück an die Regierung. Und da sitzen Leute, die die Bands erst einmal nicht interessieren. Das sind Erwachsene, die nichts weiter als Zahlen, Fakten und Beweise sehen wollen. DAS KLINGT TATSÄCHLICH HART… Jonas: Ja, und trotzdem ist es eine gute Sache. AUS EURER ERFAHRUNG HERAUS KÖNNTET IHR ALSO SAGEN, DASS MAN HEUTE ALSO MUSIKER AUF DERARTIGE UNTERSTÜTZUNG ANGEWIESEN IST? Jonas: Ja und nein. Ich meine, es gibt auch Bands, die das nicht brauchen. Wenn du eine Pop-Band hast und einen großen Hit landest, läuft alles so gut wie von selbst. Aber wir befinden uns in einem Genre, das komplett anders ist. Mit harter Musik ist es auch härter, bekannt zu werden. Ich schätze wir könnten auch immer noch eine Band sein und uns nicht um solche Sachen kümmern, aber dann wären wir wahrscheinlich heute nicht hier. So ist es nun einmal. ZURÜCK ZUR MUSIK: EURE KOLLEGEN VON KVELERTAK SCHREIBEN IHRE TEXTE NUR IN IHRER MUTTERSPRACHE. HABT IHR DARÜBER ANFANGS AUCH NACHGEDACHT? Lars: Nein, ich fühle mich nicht wohl dabei, auf Norwegisch zu singen. Dann würde ich wahrscheinlich auch nicht so viele Leute hier und in den Staaten kennen, die mit unserer Musik etwas anfangen können. Und weißt du, du würdest sicherlich nicht gerne wissen, worüber KVELERTAK singen. Ich möchte eher Gefühle und Gedanken überzeugend rüberbringen. Ehrlich gesagt machen wir und KVELERTAK das ganze wohl nicht aus demselben Grund. Mir sind 10 Kids aus den Staaten, die verstehen, worüber ich singe, lieber, als 400 hier, die mich kein Bisschen verstehen. Ich möchte wirklich gerne mit den Leuten kommunizieren, und der beste Weg, das tun zu können, ist eine Sprache zu benutzen, die jeder verstehen kann. Das ist eigentlich meine Haupt-Motivation, meine Texte in der englischen Sprache zu schreiben. Espen: Zudem singen wir die ganze Zeit und schreien nicht. Du kannst tatsächlich jedes einzelne Wort verstehen. Lars: Ja genau. Würde ich auf Norwegisch singen, klänge das wirklich nicht cool. Die Kids könnten rein gar nichts verstehen. Ich denke nicht, dass die Leute dazu eine Verbindung herstellen könnten. NUN JA, KVELERTAK HABEN ES JA DOCH IRGENDWIE GESCHAFFT. Lars: Viele norwegische Black Metal-Bands singen auch auf Norwegisch. Vielleicht ist das ein möglicher Grund, warum sie in dem Maße Erfolg damit haben. Aber wir könnten das nicht. Da ich nicht schreie, war das nie eine Option für uns. Wenn ich in einer Black Metal-Band spielen würde, könnte ich vielleicht auf Norwegisch singen… über Odin und so. WENN MAN MAL DIE REZENSIONEN ZU EUREM ALBUM DURCHLIEST, STÖSST MAN HÄUFIG AUF VERGLEICHE ZU HOT WATER MUSIC AND PLANES MISTAKEN FOR STARS – NEBEN VIELEN ANDEREN NATÜRLICH. WELCHER VON DIESEN VERGLEICHEN SCHMEICHELT EUCH DENN AM MEISTEN, ODER WELCHER PASST AM BESTEN? Lars: Eine Kombination aus beiden. Ich bin mit HOT WATER MUSIC aufgewachsen, und PLANES MISTAKEN FOR STARS kennen wir persönlich. Ich habe sie zum ersten Mal 1999 gehört, also höre ich die Band seit 12 Jahren. Ich verbinde mit dieser Band so viel, dass ich manchmal denke, ich sollte selber in der Band sein. Aber ich liebe HWM, ich liebe PLANES… es ist wie mit zwei Kindern. Ich kann mich nicht entscheiden. Jonas: Wenn HOT WATER MUSIC ein Hund wär, und PLANES eine Katze…? Lars: Nun, ich hasse Hunde… (alle lachen) Espen: “Und ich hasse Katzen!” Lars: Und ich hasse Katzen… nein, ich liebe Tiere, ich liebe Tiere… Jonas: Und wenn HWM eine Schlange wär, und die anderen ein Löwe? Lars: Ok, das ist besser… ich würde sie beide mögen! Nein, weißt du, es ist hart, sich da zu entscheiden. Diese beiden gehören einfach zu meinen Lieblingsbands. Jonas: Es ist einfach eine Ehre, so etwas zu lesen. Lars: Mit zwei seiner Lieblingsbands verglichen zu werden, ist ein super Gefühl. Aber da gibt es natürlich auch noch fünf, sechs andere Bands, die wir, ohne sie mit den anderen unbedingt gleichzustellen, sehr schätzen. Jonas: Vielleicht ist das nicht die korrekte Antwort auf deine Frage. Aber ich denke, dass wir etwas härter sind, etwas mehr in die Metal-Ecke tendieren als HOT WATER MUSIC. Lars: … und PLANES. Jonas: Ja, PLANES auch, aber ich denke, wir sind mehr… Indie als PLANES waren. Lars: Wir sind mehr Indie als PLANES, ja. Jonas: Ich denke schon, ja. Sie waren außerdem auch härter als HWM. Lars: Espen und ich können generell viel mit altem Indierock anfangen… viel Distortion. Da könnte man noch so viele nennen… LEATHERFACE… Espen: … HÜSKER DU. Lars: Genau, HÜSKER DU. Melodisches Noise-Zeug. Und QUICKSAND… Espen: … AFGHAN WHIGS, SONIC YOUTH… Jonas: MELVINS… wir stehen auf alle möglichen Sachen. Wir mögen natürlich auch neue Bands, von denen mich immer noch viele inspirieren. Lars: Klar, ich habe ganz viele Sachen gehört, die dieses Jahr erschienen sind. Jonas: Bands wie TRAIL OF DEAD, RIVAL SCHOOLS… Lars: Das sind aber alte Bands! Jonas: Ja, das stimmt… nicht sooo alt! Lars: Aber den Kampf würden wohl PLANES MISTAKEN FOR STARS gewinnen, schätze ich. Torgeir: Gared (O’Donnell) von PLANES ist übrigens ein Gast-Sänger auf unserem Album. Lars: Das stimmt, er singt in der Bridge des ersten Songs. Also ist er sozusagen ein Teil der Band! NACHDEM IHR NUN MIT EINER AMERIKANISCHEN UND EINER ITALIENISCHEN BAND QUER DURCH EUROPA GEKOMMEN SEID – KOMMT DER BESTE METAL TROTZDEM IMMERNOCH AUS SKANDINAVIEN? Lars: Hehe, ich habe nie wirklich gesagt, dass der beste Metal aus… Schweden kommt… aber ok, AT THE GATES… hmm, und die Staaten… aber ich bin kein Scenester. Jonas: Aber THE SECRET sind wirklich beeindruckend. Die pusten mich jeden Abend immer wieder aufs Neue weg. Ihr Mix ist wirklich abgefahren: mit ihrem Hardcore-Metal-Ding sind sie so brutal und gleichzeitig so… eiskalt, das ist heftig. Aber genauso geht es mir auch mit TOXIC HOLOCAUST. Sie gehen einfach rauf auf die Bühne, stöpseln ihre Gitarren ein, und dann hörst du nur „Eins zwei drei – dömdömdömdöm“! Das ist purer, primitiver Thrash Metal! Espen: Auf dieser Tour haben wir ein wirklich cooles Lineup. Und dazu bekommt man ganze vier Bands für den Preis von einer. Aber ich schätze, die Antwort auf deine Frage ist eine andere… Lars: Die Antwort auf deine Frage ist: nein! KOMMT MAN, WENN MAN IN NORWEGEN AUFWÄCHST, ÜBERHAUPT UM (BLACK-) METAL HERUM? Lars: Weißt du, Torgeir und ich kommen aus derselben Stadt wie MAYHEM. Torgeir: Sie waren quasi unsere Nachbarn! Lars: Mit 13 bin ich immer zum Fußball-Training gegangen, und sie hatten ihren Proberaum in einer alten Scheune direkt neben dem Sportplatz. Also habe ich beim Fußball immer MAYHEM gehört! Espen: In Norwegen ist es wirklich nicht einfach, um die ganze Black Metal-Geschichte herum zu kommen. Das ist etwas Wichtiges. ANDERE TRADITION: WIE FEIERT IHR DAS BEVORSTEHENDE WEIHNACHTSFEST? Lars: Nun, es ist ein traditionelles norwegisches Fest. Ich weiß nicht, wie ihr das hier macht, aber wir feiern einfach, indem… Torgeir: … wir zu viel essen und zu viel trinken. Lars: Nun ja, ich bin jetzt Vater, habe eine kleine Tochter, bin verheiratet. Dieses Jahr Weihnachten zu feiern wird eine völlig neue Erfahrung für mich sein. Ich freue mich auf jeden Fall darauf. Ich schätze mal, dass es bei uns etwas anders abläuft als bei euch. Für uns ist es einfach eine Tradition, allzu viel stecke ich da jetzt nicht rein. UNSERES IST AUF JEDEN FALL STARK VON DER CHRISTLICHEN TRADITION BEEINFLUSST. Jonas: So ist es bei uns auch. Alles dreht sich um die Familie und ums Essen. Lars: Ja, Familie und Essen ist so ziemlich die Hauptsache. Und es ist ein arbeitsfreier Tag. Torgeir: Ich denke, es sind nicht allzu viele Leute, die es aufgrund der christlichen Tradition feiern. Lars: Vor allem nicht bei uns. Espen: … und das Biiier… Torgeir: Ja… es ist ebenso eine alte nordische Tradition, die schon gefeiert wurde, bevor die Christen nach Norwegen kamen. Für mich ist es einfach eine gute Gelegenheit, ein paar schöne Stunden mit der Familie und den Freunden zu verbringen. BLEIBEN WIR DOCH NOCH BEIM THEMA FAMILIE. LARS, DU SAGTEST EBEN, DU SEIST VATER. DA IST MAN DOCH SICHERLICH FROH, OBWOHL IHR JA BESTIMMT GERNE AUF TOUR SEID, ENDLICH WIEDER NACH HAUSE ZU KOMMEN… Jonas: Darüber haben wir vielleicht gerade vor fünf Minuten, als wir die Treppe hochgekommen sind, gesprochen. Lars: Ja… tatsächlich liebe ich es nicht unbedingt auf Tour zu sein. Ich wünschte, wir könnten kürzere Touren spielen, die anstatt vier vielleicht nur zwei Wochen lang sind. Jonas: Ich denke, das werden wir in Zukunft auch tun. Wir sind keine Band, die zwei Monate am Stück unterwegs sein kann. Dafür sind wir zu alt und haben zu viel mit unserer Arbeit zu tun. Wir haben Verantwortung und besitzen keine dicken Eigentumshäuser. Lars: Im Prinzip sind wir Erwachsene, die das nebenbei tun, was sie mal gerne beruflich gemacht hätten (lacht). Es ist eine Frage des Geldes, der Zeit und der Arbeit. Und man muss auf jeden Fall eine verständnisvolle Frau haben, die einem die Erlaubnis gibt, sich auf Tour auch mal gehen lassen zu können. Aber alles in allem mag ich das Touren auch. Es ist wie eine kleine Auszeit vom normalen Leben. Manchmal braucht man das eben. MIT BLICK AUF DIE LETZTEN MONATE – HABT IHR NUN DIESES JAHR SO ETWAS WIE EINE „ALTE LIEBE“ GEFUNDEN? Lars: Hehe, nun ja… hast du eine „alte Liebe“ gefunden, Espen? Espen: Ach… hast du, Torgeir? Lars: (lacht) Hast du, hast du?! Jonas: Das ist eine gute und witzige Frage, und eine interessante Art den Albumtitel zu sehen. Ich schätze, wir haben das geschafft, was wir uns vorgenommen haben zu schaffen, und das ist der ganze Liebes-Aspekt für mich persönlich. Ich meine, wenn man mal eineinhalb Jahre zurückdenkt, und jetzt sitzen wir hier, spielen diese lange Tour. Natürlich möchte ich nun langsam auch wieder nach Hause, aber auf der anderen Seite denke ich: „Das ist genau das, was wir machen wollen“. Wenn ich dann erst einmal zwei Wochen wieder daheim bin, möchte ich auch eigentlich gleich schon wieder los. Torgeir: Dann bricht wieder eine ganze andere Routine herein… man atmet nicht mehr die abgestandene Luft im Tourbus, riecht nicht mehr die ganzen anderen Tour-Gerüche… (lacht) Jonas: Ja man, gestern war ich so fertig, ich habe ungefähr zehn Mal gekotzt… (lacht) Lars: Er hat gestern sogar mit einem Eimer neben seinem Drumkit gespielt. Jonas: Oh ja, er kam mit einem Eimer und hat ihn neben mich gestellt. Ich habe auch nur noch die Show gespielt, und danach war alles vorbei… Lars: Also ja, ein paar „late loves“ haben wir wohl entdeckt. UND WIE SIEHT ES BEI EUCH IM NÄCHSTEN JAHR AUS? Jonas: Wir haben für April eine etwa dreiwöchige Tour geplant, mit einer fantastischen Band, JUNIUS, unsere Labelkollegen. Die haben ein wirklich unglaubliches Album herausgebracht, gerade erst vor gut zwei Monaten. Wir sind wirklich froh, dass die Jungs nach ein paar E-Mail-Kontakten mit uns zusammen spielen wollten. Wir mögen uns gegenseitig und sind irgendwie auch die zwei „weirderen“ Bands auf Prosthetic, das ja sonst eher härtere Gruppen aus dem Bereich Metal und Metalcore unter Vertrag nimmt. Und nach Europa haben wir geplant in den Staaten zu spielen, falls wir das nötige Geld bis dahin zusammen haben. Eingeladen sind wir schon einmal, mehr als eine Woche haben wir auch nicht eingeplant. Dann sagte unsere Booking-Agentur noch, dass wir hoffentlich ein paar europäische Festivals abgreifen können… welche das sein werden, wissen wir aber noch nicht. Und viel mehr haben wir bislang noch nicht geplant. Lars: Irgendwann werden wir uns natürlich auch an ein neues Album setzen müssen. Jonas: Jep, ein paar neue Ideen haben wir schon. Ich freue mich auf jeden Fall darauf, wieder nach Hause zu kommen, zu proben und einfach Musik zu machen und Songs zu schreiben. DARUM GEHT’S JA SCHLIESSLICH UND DESHALB SEID IHR AUCH HEUTE HIER. Jonas: So sieht’s aus! ICH DANKE EUCH FÜR DIESES WIRKLICH AUSFÜHRLICHE UND LANGE INTERVIEW! HABT IHR ZUM SCHLUSS NOCH EIN PAAR BERÜHMTE LETZTE WORTE FÜR DEUTSCHLAND ÜBRIG? Lars: Macht nicht, was euer Daddy euch sagt… (alle lachen) Jonas: Wir lieben es hier zu spielen. Danke, dass ihr uns mögt! Torgeir: Deutschland war großartig, eine der besten Touren. Lars: Tut nicht, was die Erwachsenen euch sagen! Espen: Rock your socks off! Jonas: Nehmt keine Drogen… Lars: … oder macht es mit Verantwortung. Jonas: Trinkt keine Vodka-Shots um 4 Uhr nachts. Lars: Trinkt erst gar nicht… oder trinkt verantwortungsvoll. Jonas: Und legt euch keine bescheuerten Bärte zu!

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