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XPQ-21 (JEYENNE)

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AM 01.12.06 SPRACH ICH MIT JEYENNE, DEM MASTERMIND VON XPQ-21, DER MIT LEIB UND SEELE MUSIKER IST UND BISHER EINE WIRKLICH INTERESSANTE KARRIERE HINTER SICH HAT. WIE ENTSTAND EIGENTLICH “DEIN” BANDNAME? Der Bandname XPQ-21 entstand durch eine Zusammenkunft und ist eine Kombination mehrerer Buchstaben, die mir sehr viel bedeuten. Das ganze entstand schon 1991. Ursprünglich war „XPQ-21“ ein Song, ein Techno-Ding, ein richtiger Stampfer. Das haben wir dann als ADAM EVE rausgebracht. Das sollte nie eine Band werden, das war nur ein Lied und es war der erste Hit/ Clubhit und später dachten wir uns dann: „Okay, machen wir daraus einen Bandnamen“, weil ich den Namen sowieso immer schon ganz gut fand und die Bedeutung. DU HAST EINE AUSSERGEWÖHNLICHE MUSIKALISCHE KARRIERE UND UNTERSCHIEDLICHE GENRES DURCHLAUFEN. WAS WAREN DEINE HIGHLIGHTS? Die bisherigen Highlights waren die Love-Parade, die „Mayday“, die Tour mit PRODIGY und die mit MOBY. Das war schon sehr, sehr spannend. Der Remix von FRONT 242 war sehr schön und die Entstehung von XPQ-21 bis hierhin. Eine sehr, sehr intensive Zeit. Fast jeden Monat passiert etwas bei uns und jeden Monat ist was Neues am Start. Sowohl Positives als auch Negatives, aber man lernt ja aus gewissen Dingen. Die Zeit im Technobereich, wo wir geraved und Partys gefeiert haben wie die Wilden, die werde ich nie vergessen. WAS HAT ES MIT DEM OMINÖSEN MASKENMANN „THE MASK“ AUF DER BÜHNE AUF SICH? Der Maskenmann ist ein Hilfsmittel. Wie sagt man? Es gibt einen Spruch „Mittel zum Zweck“. Es war so, wir haben mehrere Leute gesucht. Ich wollte ja nicht Tausend Leute wechseln und immer wieder neue Gesichter zeigen, weil es sehr schwer ist, gute Musiker zu finden, wo wirklich die Chemie und alles passt. Da haben wir gesagt, gut okay, ich brauche einen Mastermind für die ganze Elektronik und wir haben mehrere Leute ausprobiert. Und durch die Maske sollte jeder im Publikum denken, es wäre nur EIN Mensch – aber die haben alle herausgefunden, dass es immer wieder verschiedene Personen waren. Der Effekt kommt gut, weil es quasi immer nur eine Person gibt, immer nur ein Gesicht, immer nur eine Mimik, bis wir die richtige Person gefunden haben. Ich glaube aber, jetzt haben wir die richtige Person gefunden und demnächst wird er die Maske abnehmen, das macht er auf dieser Tour auch, mitten im Set sieht man wie der junge Mann ausschaut. Und nächstes Jahr, wenn wir auf Tour gehen, dann werden wir die Maske komplett abnehmen. Aber es war einfach nur ein Gag und es hat sich rumgesprochen und vielleicht arbeiten wir weiterhin mit Masken, einfach so für den Keyboarder/ für den Sequenzmann – weil es einfach Spaß auch macht. Es macht auch was her auf der Bühne, also ich finde es sehr, sehr schön. BEIM BOCHUM TOTAL WAR SELBST IN DEN ZEITUNGEN VON DEM OMINÖSEN MASKENMANN DIE REDE, WAS ALSO AUCH EINE SEHR GUTE WIRKUNG BEI DER PRESSE HATTE. Definitiv, definitiv – es ist was anderes, es machen nicht viele andere Bands. Einige schon, siehe zum Beispiel GWAR oder LORDI. Aber ich finde es sehr abwechslungsreich, dass man vier Typen hat und einer hat eine Maske, das schaut sehr „strange“ aus und es ist einfach eine kalte Mimik, einfach cool, mir gefällt es. Damals haben wir gesagt: „Komm, nimm die Maske!“ und haben sie weiß gepinselt, das war ganz schrecklich – sie war anfangs goldig. Er kann da unten nur sehr schlecht atmen, er kann eigentlich gar nichts machen, es ist für ihn eine Qual, aber da muss er durch jetzt. (lacht) ICH HABE EUCH DIESES JAHR MEHRMALS GESEHEN, MIT UNTERSCHIEDLICHEN BESETZUNGEN AUF DER BÜHNE. WIE KOMMUNIZIERT IHR MITEINANDER, WIE ERRANGIERT IHR EUCH UNTEREINANDER, DADURCH, DASS IHR UNTEREINANDER AUCH VERSCHIEDENE BESETZUNGEN HABT? Also wir sind eigentlich in ganz Deutschland, in ganz Europa verstreut. Aber die Chemie stimmt und das ist das Wichtigste. Wir können nicht immer zusammen spielen, weil manchmal der eine nicht kann oder die Entfernung riesengroß ist, so dass man das gar nicht bewerkstelligen kann und deshalb haben wir 8 Leute, die die ganze Band bilden, aber der feste Kern besteht immer aus 4 Personen – mit mir natürlich als Master of Desaster. Wir kommunizieren per E-Mail – wenn wir Stücke haben, die wir zusammen einspielen müssen, dann wird ne E-Mail geschickt. Die anderen hören sich die MP3 an, spielen Ihre Instrumente drauf und dann trifft man sich kurz vor der Tour. Dann probiert man und checkt einige Sachen aus, aber es ist wunderbar, heutzutage haben wir Internet und alles mögliche und es funktioniert – Wir sind global – ha! WAS HAT DAS JAHR 2006 BISHER FÜR DICH BEDEUTET? Ja das Jahr 2006 ist mehr oder weniger ein Comeback, wir sind lebendig, wieder „Alive“, weil ich mich einige Jahre mit Dingen gequält habe, die mit Musik so wenig zu tun gehabt haben, aber es war eine notwendige Entwicklung. Wir haben uns vom alten Management getrennt und von der alten Bookingagentur. Und dann musste eine Zeit vergehen, bis man sich wieder regeneriert, bis man wieder weiß, wohin man will. Diese Zeit war auch sehr grausam. Das Jahr 2006 war eigentlich eine sehr, sehr schöne Zeit. Im März haben wir das Album rausgebracht und seitdem ging es Schlag auf Schlag und im Laufe des Jahres ist es immer mehr geworden und ich will nicht wissen, was nächstes Jahr passiert. Also es ist sehr spannend gewesen und sehr intensiv – sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Ich hab sehr viel erlebt, es hat sich vieles geändert, aber so zack und da muss man erst mal mit leben und ich kann damit leben. WELCHE PLÄNE/ ZIELE HAST DU FÜR 2007? 2007 erscheint das neue Album, wir sind schon dabei, ich und mein Keyboarder, am Einstudieren bzw. am Schreiben. Auch während der L’ÂME IMMORTELLE Tour sind wir im Tourbus und ich schreibe kräftig an meinem kleinen Laptop, und ich denke im Januar/ im Februar wird der Plattenfirma was vorliegen, und das wird im März/ April als neues Album erscheinen. Ich möchte nicht zuviel Pause machen zwischen der „Alive“ und dem neuen Album, weil ich die dreijährige Pause, die wir davor gehabt haben, wieder einholen will. Denn ich bin Musiker und ich will Musik machen und ich will jedes Jahr oder zumindest alle 18 Monate ein neues Album rausbringen. Es kommt ja aus mir raus, ich bin nicht so, dass ich ein Album schreibe und 10 Jahre damit glücklich bin. Ich denke nächstes Jahr kommt ein neues Werk, eine neue Tour, vielleicht auch eine USA Tour, da sind wir dran. Eine UK Tour wird es sowieso geben, weil wir da eine UK Promoterin haben, und ich denke, wir werden mehr als in diesem Jahr auf Tour und insgesamt mehr unterwegs sein. KONZEPTIONELL, WORUM WIRD ES IN DEM NEUEN ALBUM GEHEN? Das weiß ich noch nicht so genau, ich schwanke zwischen Gefühl und Aggression, also direkt auf die Fresse. Ich bin im Moment ein bisschen gespalten. Es sollte etwas kräftiger werden, es sollte im Vergleich zur „Alive“ noch mehr Gitarren enthalten, aber wir werden keine Gitarrenband werden, wir bleiben elektronisch. XPQ-21 bleibt eine Elektro-Punk Band, nur die Gitarren werden ein bisschen kräftiger. Eigentlich geht es immer auf die Nase bei uns, denn die Musik soll rocken. Aber ich hab momentan auch zu viele Balladen geschrieben, da muss ich zusehen dass ich einige Balladen rausschmeiße, sonst wird das zu weich auf der Bühne, aber mal sehen. WIE HABT IHR EUCH AUF DIE TOUR VORBEREITET? Eigentlich gar nicht. Wir wussten die Tour ist da und wir haben 2/ 3 Tage die Sachen einstudiert und das reichte eigentlich, weil wir das Programm ja schon kennen und dieses Jahr schon mehrmals gespielt haben. Wir mussten unser halt nur auf 45 Minuten reduzieren und das war alles. Ein bisschen nervös ist man immer und dann überlegst Du Dir, was man machen kann, was kann man anders machen, wie kann man das bewerkstelligen. Ich habe mit Thomas Rainer VON L`ÂME IMMORTELLE schon ein halbes Jahr Kontakt, ich habe ja unter anderem einen Remix für sie gemacht und insofern wussten wir, was auf uns zukommt und deshalb mussten wir nichts Großes vorbereiten. Wir sind die Vorband und wir benehmen uns auch so, und dann kann man auch nichts großartig mit Bühnenshow machen und sagen, wir brauchen aber hier noch ein Licht – das geht nicht. Wir spielen kurz und knackig und dann sagen wir tschüß und ich hoffe, dass das so ankommt, wie es auch gemeint ist. GIBT ES EIN PAAR NEUE STÜCKE IN DER SETLIST? Ja wir haben diesmal “Sonne“ in unsere Setlist genommen, ich werde seit drei Tagen nur noch auf “Sonne“ angesprochen, das Stück kommt auf jeden Fall an. Und “Poisonous Words“, den Song gibt es bisher nur auf der DJ Promo Single und den spielen wir jetzt schon seit einiger Zeit und er kommt ebenfalls sehr gut an. Die “Sonne“ haben wir jetzt neu im Programm, der erste deutschgesungene Song von mir und der kommt unwahrscheinlich gut an. WIE ENTGEHST DU DER GEFAHR, NACH EINER AUSGIEBIGEN TOUR NICHT IN EIN LOCH ZU FALLEN? Sehr gute Frage. Es ist jetzt kurz vor Weihnachten, das wird sehr spannend sein. Am 15./ 16.12. sind wir zuhause, dann werde ich erst mal ein bisschen relaxen, drei, vier oder fünf Tage und dann ist auch schon fast Weihnachten. Weihnachten wollte ich eigentlich bei der Familie verbringen, die in Italien ist, aber das geht nicht so schnell, dass ich einfach so dahinfliege, weil ich mich ja erst mal wieder zuhause eingewöhnen muss. Ich denke, ich werde versuchen etwas Ruhiges zu machen. Ich werde über das Jahr nachdenken. Das, was passiert ist, reflektieren – das, was gut gelaufen ist, und das, was nicht gut gelaufen ist. Einfach für mich eine ruhige Zeit verbringen und entspannen und nicht großartig feiern und nicht großartig Sachen machen, die nichts mit meinem Leben zu tun haben. Dann kommt ja schon mein Geburtstag an Weihnachten Ich bin ja ein Weihnachtskind, ein Sonnenkind! Dann kommt auch schon Silvester Ich habe mir keine großartigen Gedanken gemacht, ob ich jetzt großartig Party mache, ich werde sicherlich etwas Ruhiges machen und über das Jahr nachdenken. WIE GEHST DU AN NEUE SONGS, AN EIN NEUES ALBUM RAN? Verschieden. Ich hab hin- und wieder eine Melodie im Kopf oder einen Drum-Loop. Meistens eher Melodien, oder ich setze mich an das Keyboard. Je nachdem, ob ich mich gut fühle, ob ich melancholisch bin, ob ich Herzschmerz habe, dann habe ich da irgendwie meine Melodie raus und dann wird das eine Ballade. Und wenn ich in mir eine gewisse Aggression verspüre, dann wird das etwas härter. Ich weiß ja welchen Style XPQ hat, und das möchte ich versuchen, so gut es geht immer beizubehalten. Manchmal fühlt man anders und dann geht man in eine andere Richtung, in die man eigentlich gar nicht gehen will und dann muss man wissen, was XPQ eigentlich ist. Es wächst und bewegt sich ja ständig. Das erste Album klingt anders als jetzt unser letztes. Wir sind ja schließlich Menschen und ändern unsere Gefühle. Ich arbeite komplett chaotisch im Studio, viele fragen sich, wie ich das mache, aber ich arbeite so und das Ergebnis zählt. Es fängt wie schon gesagt mit der Melodie an, dann wird das Keyboard gespielt und dann der Loop entwickelt. Kurz vorm Aufstehen habe ich dann eine Melodie im Kopf, ein Drum, ein Groove, wo ich dann die ganze Zeit vor mir rumtippe auf dem Tisch und denke, diese Bassline, diese Snare oder die Kombination könnte es sein. Es gibt keine Regel dafür, ich hasse jedes Schema, ich bin kein Schematyp. WIE WICHTIG IST FÜR DICH DIE INSZENIERUNG/ DIE PERFORMANCE AUF DER BÜHNE? Sehr wichtig, weil die Inszenierung dazugehört. Du musst die Musik, die Du schreibst, auch irgendwie darstellen und ausdrücken. Du willst ja was damit etwas aussagen und wir machen uns ständig Gedanken, was man machen kann. Letztendlich ist sehr viel improvisiert von mir auf der Bühne, weil ich das auf der Bühne richtig auslebe und genieße, privat bin ich ganz anders. Ich mache das mit meinem Herz, einige Sachen sind natürlich einstudiert, wo ich weiß an dieser Stelle mache ich dieses oder jenes. Alles andere ist spontan. JEYENNE, HAST DU DEN WM-TITEL DER „TIFOSI“ IM SOMMER DIESEN JAHRES BEJUBELT ODER INTERESSIERT DICH DAS RUNDE LEDER NICHT? Fußball interessiert mich, wenn Länder gegeneinander spielen. Diese WM, bei aller Liebe zu den Italienern, ich habe sie gefeiert, aber es war nicht so wie 1982, wo ich die WM anders gefeiert habe, das war schon was ganz Besonderes. Dieses Jahr hatte ich schon das Gefühl, dass die Deutschen hätten gewinnen sollen und können, weil ich in Deutschland lebe und ich habe gesehen, wie die Mannschaft aufgebaut worden ist und ich habe gesehen, wie die Euphorie von Tag zu Tag gewachsen ist. Das hat mich auch selbst mitgenommen. – auch als Italiener. Nichts gegen mein Land, aber ich wusste nicht, wer wer ist und ich wusste nur, die haben ganz enge, sexy T-Shirts an wie die meisten Italiener, aber die haben miserabelst gespielt, genau wie die anderen auch. Die Deutschen haben sich Mühe gegeben, ich hätte mir wirklich den Titel für sie gewünscht, ohne mich hier in Deutschland einzuschleimen, ich bin kein Schleimer, wer mich kennt, weiß das, sie hätten es verdient gehabt. Beim entscheidenden Spiel war ich in England und das hat mir sehr Leid getan. Aber vielleicht schafft es Deutschland in zwei Jahren bei der EM, weil sie sich so enorm gesteigert haben und von allen Mannschaften sich am besten entwickelt haben. Das ist auch gut für die Stimmung in Deutschland, wenn die Fußballer gut sind. Ich lebe hier ja momentan und ich möchte auch, dass sich die Leute gut fühlen um mich herum. WAS BEDEUTETE FÜR DICH DIE VERÖFFENTLICHUNG VON “ALIVE“ NACH DREI JAHREN PAUSE? Ja wir sind “Alive“: wieder am Leben, nach einigen Umstrukturierungen sind wir zurück und “Alive“ ist ein hervorragendes Album geworden. JEYENNE, DU BIST SCHON DURCH VIELE LÄNDER GETOURT. WELCHE ORTE SIND DIR IN BESONDERER ERINNERUNG GEBLIEBEN? Barcelona, Los Angeles, New York, London und Edinburgh. In diesen Städten rockt es einfach. Los Angeles, die Leute in dieser Stadt sind unglaublich und können riesig feiern. Sie sind dankbar für alles. New York rappelvoll und die finden das gut, was man da macht. Barcelona spielen wir ja jedes Jahr, traumhafte Fans, eine Traumstadt. In Edinburgh bin ich sehr gerne, eine geile Stadt, die mich sehr fasziniert und die Leute sind auch sehr erdig und sehr herzlich. London sowieso – ich war ja dieses Jahr hunderttausend Mal in London. Es ist immer wieder wunderbar. In Deutschland war Berlin sehr schön, die sind da sehr offen die Berliner. IST ES EINFACHER POSITIVE ODER NEGATIVE SONGS ZU SCHREIBEN? Boah, gute Frage. Ich kann es nur schwer beantworten. Das ist stimmungsabhängig. Wenn ich mich schlecht fühle, dann kann ich einfach negative, melancholische Songs schreiben, wobei melancholisch nicht immer negativ ist. Doch melancholische Songs kann ich schreiben, wenn es mir schlecht geht. Wenn es mir gut geht und ich sage:„Ja alles ist toll.“ Dann mache ich so etwas wie die “Sonne“, die mir aus dem Arsch scheint und es mir gut geht. Aber das ist stimmungsabhängig, aber Schreiben ist Schreiben. Es ist Dein Gefühl, wie Du Dich in dem Moment fühlst. Es ist einfach nur Musik, wie das Ding letztendlich klingt, liegt an Dir, welche Stimmung Du gerade hast. DU HAST WIE BEREITS ERWÄHNT SCHON ALS VORBAND VON MOBY UND THE PRODIGY GESPIELT, WELCHE ERINNERUNG HAST DU NOCH DARAN? Das war mein Soloprojekt JEYENNE. Ich habe noch sehr gute Erinnerungen daran, ich hab auch im Tourbus geschlafen und gelebt und ich habe mit MOBY gute Gespräche gehabt und auch mit den Jungs von THE PRODIGY. Sie waren erstaunlich nett, wie man es nicht unbedingt erwartet hätte, weil sie auf der Bühne so die Sau rauslassen. Man denkt dann auch, die sind sicher auch privat so, aber im Gegenteil, sie waren Gentlemen, sehr höflich, sehr nett. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Ich habe damals als JEYENNE das erste Mal ein anderes Publikum gehabt, vorher hatte ich das Rave/ Technopublikum, aber ich wollte das ja nie haben, weil ich mit meiner Musik immer wieder was anderes versucht habe auszudrücken. Bei dieser Tour habe ich die Leute dann angesprochen, was dann der eigentliche Beginn von XPQ-21 war, nur zwei Jahre später haben wir das dann auch umgesetzt. Unsere Musik hat sich dann so geändert, das ich dann gesagt habe, okay das ist nicht mehr JEYENNE – Wir stoppen jetzt JEYENNE, das war jetzt eine Ära und dann habe ich XPQ-21 gegründet, weil ich wusste, dass mir das mehr Freiraum gibt, ein anderes Publikum, ein anderes Volk sich mir offenbart. Ich kann mich anders entfalten, diese Tour hat den Wandel bestärkt. WELCHE ERINNERUNG HAST DU NOCH AN DIE TECHNOSZENE, IN WELCHER DU JA „GROSS“ GEWORDEN BIST UND WAS VERBINDEST DU DAMIT NOCH? Ja Techno hat mich sehr geprägt, ich habe als DJ ja im Hip Hop Bereich aufgelegt. Die Technozeit hat mich dermaßen geprägt, dass ich so geworden bin wie ich bin, weil ich sonst in eine ganz andere Richtung gegangen wäre. Ich habe ja früher mit Punk angefangen, mit Wave mit Soul/ Funk. Schwarzen Hip Hop habe ich gemacht, dann kam da eine Dame, die dann zu mir gesagt hat “Ich höre schwarze Musik!“ und ich sagte, ah ja Hip Hop, sie erwiderte: “Nein schwarze Musik!“ und dann erklärte sie mir: Das schwarz nicht schwarz wäre, denn das, was sie meinte, war ja EBM und ich war dann so verknallt in sie, das ich auch EBM gehört habe und so bin ich in die Szene reingerutscht. Dann kam Acid, dann wurde es Techno/ House und dann bin ich in die Technoszene gerutscht, aber die große Liebe war eigentlich EBM oder New Wave. Und vom Techno bin ich dann abgedriftet in Richtung Rave, was mir dann aber zu kommerziell wurde und dann kam ich wieder zurück zu meiner Liebe. Die Ravezeit hat bei mir im Produktionsbereich im Musikverständnis enorm gewirkt und von daher schreibe ich auch jetzt so wie ich schreibe. Auch die Partys waren prägend, wenn man mich kennt, weiß man, ich habe nie Drogen konsumiert und ich habe die Stimmung gefühlt, die da lief, diese Einigkeit, diese Musik war unglaublich stark. Das hat Dinge bewegt. GIBT ES NOCH KONTAKTE MIT DJS VON DAMALS? Ja Kontakt habe ich noch. Mit WESTBAM und MARUSHA waren wir früher noch viel unterwegs vor der Mayday. Ich bin im E-Mail Verteiler von MARIO DE BELLIS, der ist im Moment glaube ich in Ibiza. Und ich bekomme immer noch einige E Mails von Leuten von damals, wo ich dann weiß, wer was macht. Aber wir sind im Moment nicht mehr unterwegs und machen zusammen Partys oder treffen uns täglich. Wenn man sich bei einer Veranstaltung trifft, dann freut man sich und man plaudert nett. Von einigen Techno-Djs wird unser Song “Gothic Novel“ auch ständig aufgelegt. Der Prodigy Dj, der ausgestiegen ist, der war letztens in Heidelberg glaube ich, da war ich auch und da haben wir uns wieder ganz nett unterhalten, als wäre es gestern gewesen, als ich mit THE PRODIGY auf Tour war. Das war sehr nett, man kennt sich und man unterhält sich gerne, wenn man sich wieder trifft. MUSIK BEDEUTET FÜR MICH…? Musik ist mein Leben. Musik ist mein Atem. Ich atme Musik, hat mir jemand mal gesagt. Und das war ein ganz weiser Spruch KUNST IST IN MEINEN AUGEN…? Die Musik, die man macht, zu verkaufen und dass man mit seinem Gefühl, seiner Gestik und Mimik die Musik so verkauft, dass die Menschen wissen, dass die Musik einzig ist. Heutzutage bist Du nicht mehr nur der Musiker, sondern auch der Manager, Du musst die Musik auch nach außen anpreisen. WAS ICH MEINEN FANS SCHON IMMER SAGEN WOLLTE… Versucht ein bisschen offener zu sein mit Musik, denn die Musik ist nicht nur uffs, itz, itz, und irgendein Geschrei von Sängern, die gar nicht singen können, sondern versucht vielseitig zu sein und nicht nur Trübsal zu blasen, weil das geht immer nach hinten los. WO WÜRDEST DU NOCH GERNE AUFTRETEN? Japan, in Tokio. Da waren wir noch nie, ich möchte gerne die ganzen kleinen Japaner schreien sehen, das muss wohl der absolute Burner sein da oben. Denn wenn eine Band aus Europa kommt, sind die ganz heiß darauf. Ich liebe das Land da drüben – Asien allgemein. Es würde mich sehr interessieren, da zu spielen, weil dort ein ganz anderer Kulturkreis ist, die denken komplett anders und ich würde für mich sagen, ne Woche oder zwei dort zu leben und meinen Laptop mitzunehmen und dort zu arbeiten oder zu produzieren, das wäre ein Traum. DU BIST JA IN EINEM SEHR CHRISTLICHEN HAUS AUFGEWACHSEN. WAS HALTEN DEINE ELTERN UND VERWANDTE VON DEINEM EINGESCHLAGENEN WEG? Die finden das alle toll. Die sind alle gespannt, was ich so mache, die kaufen sich auch die CDs, die findet man da unten ganz wenig, ich war vor ein paar Jahren in Rom, habe da gespielt. Da sind extra Leute aus Süditalien nach Rom gefahren, um uns zu sehen, weil in Süditalien so was nicht läuft, da ist es ja sehr konservativ. Aber meine Verwandten, die sind stolz darauf, dass ich das mache, die wissen zwar nicht genau, was ich mache. Sie fragen mich, was ist das für Musik, aber sie wissen, ich mache Musik und die wussten schon immer, dass ich Musik mache, weil ich habe ja im katholischen Priesterhaus mit Musik immer zu tun gehabt. Und die wussten/ wissen auch, der wird irgendwann sterben mit Musik. Die erwarten nichts anderes von mir, sie erwarten nicht, dass ich morgen anfange und dann einen bürgerlichen Beruf ausübe, sondern sie wissen, das ist mein Leben und akzeptieren das. IHR SEIT MIT L`ÁME IMMORTELLE AUF TOUR, DU HAST FÜR SIE AUCH EINEN WUNDERBAREN REMIX GEMACHT, WIE IST DEINE HERANGEHENSWEISE BEI REMIXEN? Der Thommy, der Thomas hat mir Material geschickt, Gesang und Melodien und dann das Original. Ich habe dann den Gesang genommen und andere Melodien dazugeknallt und meine Art von tanzbarer Version gemacht. Die waren ja bei der gleichen Plattenfirma wie wir (Trisol) und so kam dann auch der Kontakt zustande. Innerhalb einer Woche war der Remix fertig und ich lege das Lied sehr gerne auf – “Phönix“- weil es sehr gut ankommt, weil es rockt, aber ich hätte nicht gedacht, dass es gut gelungen ist, weil ich nur eine Woche dran saß, normalerweise hätte ich mehr Zeit gebraucht. DIE TOUR HAT GESTERN IN NÜRNBERG BEGONNEN, WIE WAR DER START? Ja die L`ÂME IMMORTELLE-Geschichte hat gestern begonnen, wir waren ja schon vorher auf Tour. Der Start war sehr gut, der gestrige Abend war gut besucht. Na ja die Nürnberger, die waren teilweise sehr müde, weil es war ja Donnerstag und am nächsten Tag mussten die meisten arbeiten. Aber ich habe versucht mein Bestes zu geben und danach kamen doch erstaunlicherweise viele zum Merchandisingstand und wollten Merchandisingartikel, Autogramme und Interviews. Und gerade bei “Sonne“ waren einige schockiert, da ist einer raus gegangen, mit Hand im Gesicht und sagte: Oh was macht der, das ist mir zu heftig.“ Das habe ich später erfahren, von der Merchandisinglady: Ja da kamen drei Leute raus und das fanden sie alle zu heftig, aber hey ich war doch ganz lieb da oben. Ich habe doch niemanden gebissen. Es war ein lustiger Start. Wir haben das erste Mal wieder seit langem zu zwei gespielt – die Maske und ich. Es war schön die Gesichter der Zuschauer zu sehen, denn das Fanpublikum von L`ÂME IMMORTELLE ist doch ein anderes wie XPQ Publikum. Aber wir haben uns gestern tapfer gehalten und die Bude gerockt. WIE SIEHT EIN TOURTAG BEI DIR AUS? Wir schlafen aus, weil ich die Nacht in den Tourbetten nicht schlafen kann, weil der Bus heute Nacht nur rumgewackelt ist. Ich musste zwei-/ dreimal aufstehen, TV–gucken, deswegen schlafe ich lange. Dann wird gefrühstückt, gewaschen und Zähne geputzt in den Locations. Dann wird geguckt, aha das ist die neue Location, das ist unsere neue Bühne für heute, das ist der Backstagebereich und dann geht man wieder in den Bus. Ich habe heute zum Beispiel den ganzen Nachmittag im Bus Musik gemacht und gegen 16/ 17h war Soundcheck und dann kommt jemand wie Du und fragt mich nach Sachen und dann geht es gleich in die Garderobe, zieh mich um, schmink mich und dann wird gespielt, später wird dann noch gefeiert, denn hier ist auch noch ne Party im Anschluss. Nicht jeden Tag ist das so, aber meist schläft man bis 10/11h, je nachdem wie der Abend vorher war, Frühstück, nachmittags Musik oder Sightseeing. Und auf der Bühne ist man dann total unter Strom, deshalb muss man den Tag langsam anfangen. WIE KOMPENSIERST DU DAS, DASS DU DREI WOCHEN AUF TOUR BIST, HAST DU VORHER SPORT GEMACHT ODER DICH IRGENDWIE DARAUF VORBEREITET? Ich mache viel Sport eigentlich, in letzter Zeit ist mir das weniger gelungen durch Produktionsarbeiten etc. Aber ich habe sehr viel Sport gemacht, mich gesund ernährt, wenig Alkohol getrunken. Man muss schauen, dass man sich fit hält. Die Stimme muss man fit halten, gestern Abend gesungen und nach dem Auftritt hatte ich aber ein Kratzen, aber heute habe ich da von der Sonja, der Sängerin von L`ÂME IMMORTELLE, Ingwertee bekommen und das hat unheimlich gut getan. Man muss schauen, dass man sich bewusst ist, dass man den Kopf auf dem Hals behält und es gibt auch einen von den LAI-Jungs, der joggt jeden Tag, ich würde das auch gerne, habe aber leider meine Turnschuhe vergessen. Sonst wäre ich jeden Tag gelaufen, um sich auch ein wenig abzureagieren. Aber ich werde mich gleich im Backstage gymnastisch betätigen. Das ich dann fit bin auf der Bühne…

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