Terrorverlag > Blog > ABAY, MAT REETZ > ABAY – MAT REETZ

Konzert Filter

ABAY – MAT REETZ

170427-Abay-0

Ort: Münster – Café Sputnik

Datum: 27.04.2017

Ein besonderes Ereignis erwartete die Anwesenden im Cafe Sputnik am Münsteraner Hawerkamp. Der ehemalige und der amtierende BLACKMAIL-Sänger teilten sich an diesem Abend die kleine Bühne, was darin begründet lag, dass Aydo Abay, seines Zeichens bis 2008 Sänger der Koblenzer Alternative-Indie-Institution, sein neuestes Projekt ABAY live vorstellte und seinen Nachfolger MAT REETZ als Support mit auf die Tour genommen hatte. Zumindest bei den beiden Frontern scheint es offensichtlich keine Differenzen zu geben; nachdem man ja seinerzeit immerhin davon hörte, dass Aydo BLACKMAIL nicht ganz freiwillig verlassen habe, ist eine Freundschaft mit dem Mann, der den eigenen Job übernommen hat, ja nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit.

Kollege Reetz hatte am vergangenen Freitag sein Solo-Debüt „962“ in die Plattenläden gebracht und präsentierte pünktlich im 20.00 Uhr gemeinsam mit Hannes Jaeckl (AMPERSAND) eine Auswahl von Songs, die deutlich ruhiger daherkamen als das, was man beispielsweise von BLACKMAIL kennt. Musikalisch bewegte sich das Duo im weiten Feld des Indie-Folks, der mit elektronischen und akustischen Popelementen versetzt war. So wurde es in den ersten 35 Minuten recht melancholisch, wobei ein Stück wie „You And I“ durchaus flotte Sounds mitbrachte. An dieser Stelle wechselte Hannes vom Schlagzeug an den Stahlsaiter, was auch bei „Second Chance“ noch einmal geschah, wobei bei dieser Schmusenummer auch sein elektronisches PC-Piano gefragt war. Mich hat jedoch insesondere das zarte Schlagwerk geflasht, das beim abschließenden „Hurricane Walls“ zu Gehör gebracht wurde. Mat wirkte während seiner halben Stunde leider nicht immer ganz entspannt, was möglicherweise ein völlig falscher Eindruck war, der durch die Kopfhörer entstanden ist, die der Songwriter während seines Gigs trug. Vermutlich brauchte er diese auditive Unterstützung, um die Melodien, die vom Rechner kamen, richtig hören zu können, gleichzeitig sorgte es jedoch für eine gewisse Distanz zum Publikum. Vermutlich hatte tags zuvor nicht umsonst ein Zuschauer gefragt, ob er über die Headphones Hip-Hop hörte. Auf jeden Fall wurde der reduzierte Vortrag der Herren Reetz und Jaeckl mit freundlichem Applaus bedacht und nach einer kurzen Umbaupause ging es auch schon mit dem Headliner weiter.

Setlist MAT REETZ
The Chase
Crystal
You And I
Daisy
Bonny
Second Chance
Alive
Hurricane Walls

Der hatte im Vorfeld via Facebook bereits seine Ängste hinsichtlich der Stadt an der Aa geäußert, da der Vorverkauf in Münster wohl recht schwach war und zweifellos hätten durchaus noch ein paar mehr Leute ins Cafe Sputnik gepasst. Mal ganz davon abgesehen, dass die Westfalen natürlich den üblichen Sicherheitsabstand zur Bühne hielten, war die Stimmung im alten Industriegemäuer jedoch bestens – sowohl vor als auch auf der Stage. Dort wurde auch von Anfang an amtlich Gas gegeben – zunächst mit zwei großartigen ABAY-Songs vom 2016er Album „Everything’s Amazing And Nobody Is Happy“ („The Queen Is Dead“ und „Different Beds“), während die nicht minder hörenswerten Tracks „Amelia“ und „Same Sane“ noch aus alten BLACKMAIL-Zeiten stammten und offensichtlich auch von vielen Anwesenden wiedererkannt wurden. Inzwischen wurde sogar das Tanzbein zu den temperamentvollen und abwechslungsreichen Post-Pop-Klängen geschwungen. Etwa beim straighten „The Fever“, das zwischendurch mit ruhigeren Momenten zu einem kurzen Durchschnaufen verhalf. Ähnlich verhielt es sich auch mit „1997 (Exit A)“ und „1999 (Exit B)“, während „The Boat“ grundsätzlich etwas langsamer angelegt war. Dies bedeutete einen Klavierstart und einen gewissen Jahrmarkt-Twang, der schließlich auch den erforderlichen Wumms in das Lied brachte. „Signs“ erwies sich ebenfalls als fantastischer Ohrwurm, der zudem auf die Hüften ging und so musste das Auditorium nach rund 50 extrem kurzweiligen Minuten feststellen, dass man bereits beim letzten Song angekommen war. „Out of The Sun“ wurde dann noch mal nach allen Regeln der Kunst abgefeiert, um sich nach einem ganz kurzen Break den Zugaben zuzuwenden.

Ein echter Kracher war dabei zweifelsohne das SCOOTER-Cover „Always Hardcore“, Teil der „Conversions Vol. 1“, die zum diesjährigen Record Store Day erschienen ist. Bevor die zweite Cover-Version „Paradise Circus“ (im Original von MASSIVE ATTACK) zum Besten gegeben werden konnte, wurden neue Bandfotos geschossen. Davon wusste die Band zwar nichts, aber Aydo hatte sich das in der vergangenen Nacht so überlegt und der dafür engagierte Fotograf Markus tauchte auch noch just in time auf. Also hieß es für die Zuschauerschaft, an den Bühnenrand vorzurücken und den Musikern den Rücken zuzukehren, während die Kapelle in einer möglichst coolen Pose verharrte, damit der Mann an der Kamera seinen Job machen konnte. Im Gegensatz zu mir hatte der auch ein Weitwinkelobjektiv, sodass seine Aufnahmen die komplette Kapelle nebst Publikum erfasst haben sollten. Auf jeden Fall hatten die Fans jetzt ihren Sicherheitsabstand aufgegeben und wurden nicht nur mit dem krachenden Titeltrack der letzten Langrille belohnt, sondern auch noch mit einer weiteren Zugabe. Die THE-XX-Nummer „Angels“ eignete sich dann auch hervorragend für Aydos finale Liebes-Bekundungen ans Auditorium, das kurz nach 22.00 Uhr in die kalte Nacht entlassen wurde.

Keine Frage, Aydo Abay ist eine absolute Rampensau (der man im Übrigen nicht widersprechen sollte – wie eines seiner Bandmitglieder in Zusammenhang mit der Foto-Aktion anmerkte). Er reißt seine Fans vom ersten Moment an mit und begeistert zudem mit einer extrem ausdrucksstarken Stimme. Den Rest erledigen die tolle Musik und eine Kapelle (bestehend aus Jonas Pfetzing – Gitarrist und Songschreiber von JULI, Ole Fries (Bass), Chris Stiller (Keys) und Johannes Juschzack (Drums), die den Sound absolut auf den Punkt bringt. Deshalb waren die 70 Minuten schlicht und ergreifend erstklassig, wobei wohl niemand etwas dagegen gehabt hätte, wenn ABAY noch ein paar weitere Songs gespielt hätten.

Setlist ABAY
The Queen Is Dead
Different Beds
Amelia (BLACKMAIL-Cover)
Same Sane (BLACKMAIL-Cover)
All Sorrow
Rhapsody In Red
The Fever
1997 (Exit A)
1999 (Exit B)
The Boat
Signs
Out of the Sun

Always Hardcore (SCOOTER-Cover)
Paradise Circus (MASSIVE-ATTACK-Cover)
Everything’s Amazing And Nobody Is Happy

Angels (THE-XX-Cover)

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu ABAY auf terrorverlag.com

Mehr zu MAT REETZ auf terrorverlag.com