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AMPHI FESTIVAL 2012 – TAG 1

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Ort: Köln - Tanzbrunnen

Datum: 21.07.2012

Unglaublich, aber wahr – das Amphi-Festival 2012 ist schon wieder Geschichte. Es ist nicht zu früh, schon an dieser Stelle zu konstatieren, dass dieses Jahr ein ganz besonders gelungenes Event in Köln stattgefunden hat, das in den meisten Disziplinen punkten konnte. Für alle, die daheim bleiben mussten oder wollten, nun eine kleine Nachlese dessen, was dort alles zu sehen und hören war.

Gegen 10:30 Uhr, bei schönstem Sonnenschein, im Grunde einem blauen Himmel und ein paar Schäfchenwolken, konnte schon der leckere Duft von allerlei Speisen wahrgenommen werden, die auf dem Gelände um den Tanzbrunnen herum, feilgeboten wurden. Überall waren bereits kleine Menschengruppen zu erkennen, die sich bald zu einer großen Traube formten und vor der Hauptbühne einfanden, um den ersten Act des bereits achten Amphis zu begrüßen.

THE WARS

Kürz vor 11 Uhr betrat niemand geringeres als Alexx Wesselsky (bekanntermaßen Frontmann der noch an diesem Tag folgenden EISBRECHER) die Bühne und erklärte mit freundlichen Worten das Festival für eröffnet. Es dauerte nicht lange, bis der Opener des Tages THE WARS startete. Das Trio aus Berlin bewegt sich zwischen New Wave und Rock der 80er, wobei bereits von Anfang an eine angenehme Stimmung verbreitet wurde. Neben Songs vom aktuellen Album „Healings“, gab es auch bisher unveröffentlichte Stücke zu hören, wovon mir insbesondere „Stairway“ durch sein teilweise flottes Tempo gefallen hat. „Heisenberg“ wusste wiederum durch den grandiosen Drumsound zu überzeugen. Sicherlich eine Band, von der man noch mehr hören und sehen wird.
Darkun

Setlist THE WARS
Transit
Succubus
Enclave
Nature
Sequence
Stairway
Heisenberg

EISENFUNK

Nach einem kleinen Plausch mit dem EPIC DREAMS Sänger Götz, den ich beim Wandern von der Hauptbühne ins Staatenhaus getroffen hatte, war ich nun in letzterem angekommen. Die an sich recht große Halle war für diese frühe Uhrzeit schon gut mit Homo Sapiens befüllt. Wie üblich hatten sich auch zahlreiche tanzwütige Cybergothics eingefunden, die mit Neonbändern geschmückt, ihre Arme und Beine wild im Takt der Musik hin- und herschwangen. EISENFUNK heizten auf der, in stimmungsvollem blau getauchten Bühne, mit technoiden Tracks wie „Super Space Invaders“, „Schmerzfrequenz“ und natürlich dem Clubhit „Pong“ der Menschenmenge ein und bildeten so sicherlich ein erstes Highlight für die Elektrofraktion.
Darkun

Setlist EISENFUNK
Eisenfunk Quattro GTI / Pentafunk
Super Space Invaders
Schmerzfrequenz
Duck and Cover
Egoshooter
Pestilenz
Pong

A LIFE DIVIDED

Draußen war es mittlerweile etwas bewölkter, aber Jürgen Plangger, der Sänger von A LIFE DIVIDED gab Entwarnung, in dem er versicherte, dass es heute nicht mehr regnen würde. Obwohl es vor der Hauptbühne etwas leerer als in der Halle schien, vermochten die sympathischen Musiker („Schön, dass Ihr da seid.“), die Leute von Anfang an, zum Abrocken „anzustiften“. Bei der sehr guten Bühnenpräsenz ist es nicht sehr verwunderlich, dass die Band zumindest in Teilen aus dem EISBRECHER-Umfeld stammt. Mit straighten Rocksongs wie „The Lost“ oder dem Mitgrölstück „Words“ und sogar einer VNV NATION Coverversion von „Perpetual“ erspielte man sich sicherlich auch zahlreiche neue Fans.
Darkun

Setlist A LIFE DIVIDED
Change
Doesn’t count
The Lost
Words
Other side
Perpetual
Hey You
Heart on fire

TYSKE LUDDER

Zurück im Elektrotempel gab es nun das erste Mal an diesem Tag Futter für die EBM-Freunde. Mit deutschen Texten, bei denen kein Blatt vor den Mund genommen wird, kräftigen Beats und aggressivem Gesang vermochte die Formation zu überzeugen. Tracks wie „Hexenjagd“, „Eugenix“, bei dem mit einer riesigen Flagge gewedelt wurde oder „Bastard“, bei dem sich der Sänger passend zum Inhalt des Songs eine Maske aufsetzte, haben großen Ohrwurmfaktor und wurden entsprechend von den Fans lauthals gefeiert. Bei „For their glory“ betrat dann mit Jay von DEVIANT UK auch noch ein Gaststar die Bühne. Die Party konnte gleich draußen weiter gehen – stand dort doch bereits der nächste EBM-Act auf dem Parkett.
Darkun

Setlist TYSKE LUDDER
Androgyner Held
Hexenjagd
EUGENIX
Bastard
Canossa
Vordester Front
For their glory
Panzer
Monotonie

SPETSNATZ

And then to come… SPETSNAZ. Vorab war ich schon ein wenig besorgt, ob die Außenbühne nicht etwas zu groß für die Herren Nilsson und Stålberg sein könnte. Räumlich wohlgemerkt, nicht qualitativ. Zudem war die zeitgleiche Ansetzung der ebenfalls EBM-affinen TYSKE LUDDER im Staatenhaus sicher nicht optimal. Dennoch war genügend Publikum zugegen, um dem Duo aus Örebro zu huldigen, das immerhin 5 Jahre lang schon keine Veröffentlichungen mehr vorzuweisen hat (doch was ist das gegen die SISTERS?). Pontus im weißen Jäckchen übernahm erwartungsgemäß gleich die Initiative und tigerte ruhelos von der einen Seite zur anderen, während Stefan mit stoischer Miene sein neues Drumkit malträtierte, welches er vorab schon auf Facebook vorgestellt hatte. Und wer kann zu den knochentrockenen Beats von etwa „Apathy“ oder „ManGod“ schon ruhig bleiben? Ergo waren nicht nur in den ersten Reihen rege Tanzbewegungen erkennbar. Obwohl der Fokus auf dem letzten Longplayer „Deadpan“ lag, überraschten die Schweden ihre Zuhörer auch mit gleich 4 neuen Tracks, von denen mir namentlich „Fake“ und „Onwards“ in Erinnerung geblieben sind. Musikalisch scheint alles in etwas beim Alten geblieben zu sein, der Gesang wirkte hingegen wieder aggressiver. Bei einer zufälligen Begegnung auf dem Nachhauseweg verriet mir der Schlagwerker (in aparter Damenbegleitung), dass es bis zu einem neuen Album leider noch ein wenig dauern wird, die letzten 5 Jahre mit vielerlei Problemen hätten ihre Spuren im Bandgefüge hinterlassen. So endete der sehr gelungene Gig mit dem kleinen Hit „That Perfect Body“, bei dem wie früher auch der BRONSKI BEAT-Klassiker „Hit That Perfect Beat“ eingearbeitet wurde. Nicht zu vergessen der Aufruf an alle Promoter hierzulande, SPETSNAZ wieder häufiger zu buchen, einer Forderung, der ich mich nur anschließen kann!
TK

[X]-RX

Im letzten Jahr hatten die Jungs um [X]-RX die Gelegenheit, das Festival auf der Hauptbühne zu eröffnen. Dieses Mal war man zu etwas späterer Zeit dafür jedoch in der Halle zugege,n und erneut wurde dort auf deren Hits wie „Kein Herz“ und „Hit the Drum“ abgezappelt. Leider hatte der Playback-Ap*le Rechner auch kein Herz und verstummte für einen ganze Zeit. Doch dann bekam man die Technik wieder in den Griff und die Party konnte weitergehen.
Darkun

MIND.IN.A.BOX

Besonders gefreut habe ich mal wieder über MIND.IN.A.BOX, die ich schon mehrfach sehen durfte und zu meinen persönlichen Favoriten gehören. Die Mixtur aus minimalem Elektro, Vocodersounds und modernen Elementen ist wirklich eine Wohltat für die Ohren.
Darkun

Auf den nächsten Hauptbühnen-Gig war ich besonders gespannt, hatte ich doch MIND.IN.A.BOX, die auf dem Plattenteller daheim zu meinen großen Lieblingen gehören, noch nie live erlebt. Ich kann mich noch an eine Anfrage meinerseits bzgl. einer Buchung erinnern, bei der mir Stefan Poiss entgegnete, keinerlei Live-Auftritte zu planen. Das hat sich ja nun glücklicherweise geändert, und ich war gespannt, wie man das „Dreamweb“-Konzept umsetzen würde. Zunächst mal mit insgesamt 4 Herren an den Instrumenten, Schlagzeug, Gitarre etc. Das ließ schon mal einen voluminösen Sound erahnen und Bewegung auf der Stage. Ein wenig skeptisch war ich nämlich schon, ob der teils doch recht verträumte MIAB-Sound für die Amphi-“Massen“ geeignet sein würde. Antwort nach der Darbietung: Jein. Stefan ist nicht gerade eine Rampensau und wirkt ein wenig wie eine schüchterne (und jüngere) Ausgabe von Jean Michel Jarre. Zudem ist es optisch strange, wenn ein Herr am Mikro mit einer quasi-weiblichen Stimme singt, die Vocals werden ja entsprechend moduliert in einigen Songs. Funktioniert auf CD definitiv besser. Doch ich will die Performance keinesfalls schlecht reden. Von Lied zu Lied fühlte man sich offensichtlich wohler und wenn der Österreicher das Publikum direkt adressierte, klappte das Ganze schon wesentlich besser. Zur Setlist gehörten u.a. das treibende „Cause and Effect“ vom aktuellen Werk „Revelations“ als auch das überaus atmosphärische „Change“. Nach etwa der Hälfte der Darbietung zog es mich dann aber doch zu SEABOUND, wobei auch hier die fast zeitgleiche Ansetzung zweier ähnlicher Acts grenzwertig war.
TK

Setlist MIND.IN.A.BOX
Change
Unknown
Cause and Effect
Remember
Stalkers
Lost Alone
Control
Not Afraid
8 Bits

SEABOUND

Während MIND.IN.A.BOX auf der Hauptbühne ein sehr schönes Konzert absolvierten, gab es auch in der Halle mit SEABOUND eine ähnlich gelagerte Band zu sehen. Die im Original aus Bielefeld stammende Band um Sänger Frank Spinath und Musiker Martin Vorbrodt brachte eine Mischung aus sphärischem Future Pop, gepaart mit tanzbarem Dancefloor und klassischen Elektroelementen . Dabei kam das Projekt sehr sympathisch rüber. So wurde zum Beispiel der Song „Friends“ mit den Worten angekündigt „Es sind bestimmt welche hier…“. Weitere gelungene Stücke waren auch „Scorch the ground“ oder die brandneuen „Nothing but love“/ „For life“, bei denen man der Band den Spaß beim Auftritt sichtlich anmerken konnte.
Darkun

Setlist SEABOUND
For Life
Contact
Exorcize
Poisonous Friend
Castaway
Scorch The Ground
Nothing But Love
Hooked

CORVUS CORAX

Draußen gab es mittlerweile eine echte Mittelalter-Legende zu sehen und hören. Niemand geringeres als CORVUS CORAX hatte sich auf dem extrem gut gefüllten Festival eingefunden und bespaßten das Publikum mit allerlei obskuren und originellen Instrumenten. Irgendwie war es bisher an mir vorbeigegangen, dass Originalsänger Teufel nicht mehr bei der Combo ist. Um so erfreulicher, dass Gründungsmitglied Castus einen super guten Job als Frontmann abliefert. Die überwiegend nordisch orientierten Stücke kamen bei Jung und Alt gleichermaßen gut an. Tatsächlich waren auch viele Kinder unter dem Publikum. Stücke wie der Meerjungfrauensong „Havfrue“ wurden natürlich lauthals von allen mitgegrölt. Schönes Konzert am Nachmittag.
Darkun

Setlist CORVUS CORAX
Gjallarhorni
Sverker
Fiach Dubh
Mille anni passi sunt
Venus Vina Musica
In Taberna
La i mBealtaine
Havfrue
Ragnarök

SPIRITUAL FRONT

Zwei Locations abzuklappern ist ja schon anstrengend (natürlich auch interessant), wenn man sich auf die Fahne geschrieben hat, über möglichst jeden Act zu berichten. Nachdem nun auch in der dritten Veranstaltungsstätte Bands aufspielten, bewegten sich meine Beine noch schneller von Ort zu Ort. So gab es schließlich im atmosphärischen Saal des Theaters die italienischen SPIRITUAL FRONT zu bestaunen. Benutzt man die Definition von Wikipedia, so kann der Sound als einen Mixtur aus Neofolk, Post-Punk und Dark Cabaret bezeichnet werden und das trifft es aus meiner Sicht auch recht gut. Akustisch dargebotene, gitarrenorientierte und melodiebetonte Stücke wie „Jesus died in Las Vegas“ oder „Slave“ luden zum Entspannen und Mitgrooven ein. Eine tolle Show, die mit Clips vom Beamer passend abgerundet wurde.
Darkun

Setlist SPIRITUAL FRONT
The Shining Circle
Cold Love in a Cold Coffin
Walk the Deadline
Darkroom Friendship
Jesus Died in Las Vegas
Song for the Old Man
German Boys
Slave
Soul Gambler
Hey Boy
Bastard Angel

ASSEMBLAGE 23

Nach der (in meinen Augen) leichten Enttäuschung SEABOUND (muss man wunderschöne Synthie Pop-Lieder mit Club-Beats verhunzen?) war es dann an Tom Shear und seinem Projekt ASSEMBLAGE 23, meine Laune wieder aufzuheitern. Und es sollte dem in Seattle lebenden Herren nebst Live-Unterstützung an Keys und Drums gelingen, so viel vorab. Endlich machte auch der Sound im Staatenhaus einen ordentlichen Eindruck und die Zuschauerschar war durchaus eindrucksvoll. Das neue A23-Werk „Bruise“ ist aber auch ein ordentliches Pfund, nachdem der direkte Vorgänger noch ein wenig geschwächelt hatte. Mit „Crosstalk“, dem Opener der aktuellen Langrille, gelang dann auch ein bereits sehr wohlwollend aufgenommener Einstand, die beiden folgenden Klassiker „Opened“ und das wunderbare „Drive“ sorgten dann endgültig für Hochgenuss. Tom ist mittlerweile ein respektabler Fronter, und das, obwohl ihm eine aufreibende Tour in den Gliedern steckte und er schon 4 30 Uhr früh auf den Beinen war (ja, auch wieder eine Facebook-Info). Immer wieder streute er neue Tracks ein, insgesamt 4, von denen das abschließende „The Noise Inside My Head“ gleichzeitig auch DER Hit von „Bruise“ ist. Darüber hinaus verfügt A23 mittlerweile über so einen hochklassigen Back-Katalog, dass die Spielzeit von 40 Minuten viel zu schnell verging. Jetzt geht es für Tom erst mal wieder nach Hause zu seiner Familie, während der gemeine Electro-Fan einen der besten Auftritte an diesem Samstag mitgenommen hatte.
TK

Setlist ASSEMBLAGE 23
Crosstalk
Opened
Drive
The Last Mistake
Naked
Over And Out
Document
LET THE WIND ERASE ME
The Noise Inside My Head

CAMOUFLAGE

Heute sollte der Tag der Klassiker werden. Mit CAMOUFLAGE stand nun eine, wenn nicht sogar DIE deutsche Synti-Pop Legende auf dem Plan. Es freut immer wieder zu sehen, wie toll sich die Band heute, knapp 20 Jahre nach den ganz großen Zeiten, auf der Bühne präsentiert. Noch genialer ist es aber, dass auch die neuen Stücke richtig gut gelungen sind. So wurde unter anderem „Shine“ vom kommenden Album dem begeisterten Publikum vorgestellt und entpuppte sich als absoluter Ohrwurm. Dabei wurden die Zuschauer eingespannt, um den Chorus mitzusingen, der wiederum mitgeschnitten wurde und evtl. auf der nächsten Veröffentlichung Verwendung finden soll. Auch die Klassiker „Love is a shield“ (mit einem schönen Accapella-Schluß), „Suspicious love“ und „The great Commandment“ durften natürlich nicht fehlen und so war das Konzert rundum gelungen.
Darkun

Setlist CAMOUFLAGE
Suspicious Love
Misery
Neighbours
We are lovers
Dreaming
Confusion
That smiling face
Me and you
Love is a shield
Shine
The Great Commandment

[:SITD:]

Im Staatenhaus gab es derzeit schon wieder etwas härtere Elektrokost zu goutieren. SHADOWS IN THE DARK boten erneut ein sehr kurzweiliges und gewohnt hochwertiges Soundpaket. Der Laden war wirklich brechend voll und bei Stücken wie „Rot“ konnte man die Hitze der Sonne deutlich spüren. Neben den Clubhits „Laughingstock“, „Richtfest“ und auch „Snuff Machinery“, die von der Menge mitgeklatscht und – gesungen wurden, gab es auch die ein oder andere Überraschung. So sang auch Tom einige Stücke – darunter sogar eine Coverversion von „Papillion“ (THE EDITORS), die wirklich klasse gemacht war und den Song würdig im Gewand einer Elektronummer präsentierte.
Darkun

Setlist [:SITD:]
Intro (Extrajudicial Punishment)
Code :Red
Lebensborn
Periculär (Richtfest II)
Sonic Barrier
Papillon
Laughingstock
Rot
Richtfest
Snuff Machinery

HENKE

Im Theater, das aufgrund der diesjährigen Bestuhlung seinem Namen alle Ehre machte, fand tatsächlich echtes Musiktheater statt. Dem entsprechend entstand auch hier, wie schon bei SPIRITUAL FRONT, eine wirklich tolle Atmosphäre, die einen willkommenen Kontrast zu den Auftritten im Staatenhaus lieferte. Oswald Henke präsentierte mit einem ganzen Ensemble von Musikern und illustren Gästen (z.B. Sonja Kraushofer) einige seiner schönsten Stücke. Dabei durften dieses Mal auch keine Werke von GOETHES ERBEN fehlen. Immer wieder mitreißend ist auch der Evergreen „Sitze der Gnade“. Nach einem ersten Abschlussapplaus und einer Verneigungsrunde, bei der sich Oswald bei seinen Mitstreitern und dem Publikum bedankte, wurde mit der Zugabe „Zeitmemory“ ein stimmiges Konzert beendet.
Darkun

Setlist HENKE
Ein Jahr als Tag
Das schwarze Wesen
Abseits des Lichtes
Märchenprinzen
Die Form
Spüren
Rote Irrlichter
5 Jahre
Kopfstimme
Vergessen
Helden
Der Eissturm
Mensch sein
Sitz der Gnade
Zeitmemory

EISBRECHER

Gegen Abend näherte sich dann der heimliche Headliner mit riesigen Schritten. Schon vorab dürfte klar gewesen sein, dass mit EISBRECHER der Stimmungshöhepunkt erreicht werden dürfte, erzeugen die nachfolgenden SISTERS doch eine ganz andere (natürlich ebenso faszinierende) Stimmung. Doch Rampensau Alexx Wesselsky ist nun mal in der „schwarzen Szene“ einer der Wenigen, der nicht nur seine immer gleichen Sprüche und Posen zelebriert, ja einer der noch Wenigeren, dessen Selbstverliebtheit nur eine Clownerie zu sein scheint. So ging es denn nach einem launigen „Deutschrock“-Intro beschwingt mit dem Brecher „Exzess Express“ los, Mitstreiter Jürgen Plangger an der Gitarre durfte somit nach seiner „eigenen“ Band A LIFE DIVIDED bereits ein 2tes Mal an diesem Tag Amphi-Luft schnuppern. Sein Cheffe Alexx liebkoste und lobte ihn dafür auch. Natürlich gab es zwischen den Icebreaker-Klassikern wie „Schwarze Witwe“ oder „Willkommen im Nichts“ genug Zeit für derbe Scherze und Gimmicks. So wurde eine Publikumskamera in die Menge gereicht, die einmal reihum gehen und verschiedenste Impressionen einfangen sollte. Vielleicht erfahren wir ja irgendwann, was daraus geworden ist (und ob das gute Teil überhaupt wieder zum Absender zurückkehrte). Zu „Amok“ (recht gewagt nach dem „Batman-Massaker“ am Vortag) wurden 4 Fässer zu Percussion-Zwecken bearbeitet, vor dem Zitat „Club Smasher“ „Prototyp“ durfte kurz eine Discokugel ins Rampenlicht rücken. Zudem mokierte sich Herr W., dass im Publikum tatsächlich Baumfällerhemden getragen wurden. Also irgendwo gäbe es doch wohl auch in der „toleranten“ Schwarzen Szene Grenzen. Ein wenig Jodeln seinerseits wäre wohl noch erlaubt, man sei ja eine lustige Band, aber DAS ginge definitiv zu weit. Mit „This Is Deutsch“ wurde alsdann der Ironie weiter Vorschub geleistet, wobei sogar die eine oder andere deutsche Flagge im weiten Rund gesichtet wurde. Zum Abschluss durfte natürlich das obligatorische „Miststück“ nicht fehlen, aufgepeppt mal wieder mit „Amadeus“-Parts und einem Ausflug auf die Terrasse, auf der leider kaum stimmliche Qualität bei den Besuchern vorhanden war, angesichts der Schrei-“Versuche“ ins Mikro. Und da man dann irgendwo noch 3 weitere Minuten „gefunden“ hatte, durfte als eine Art Zugabe auch noch „Die Hölle muss warten“ durch den Äther fließen, was den überaus unterhaltsamen Auftritt perfekt abrundete. Der EISBRECHER ist noch lange nicht am Ziel…
TK

Setlist EISBRECHER
Intro
Exzess Express
Willkommen im Nichts
Verrückt
Leider
Herz aus Eis
Amok
Prototyp
Schwarze Witwe
Vergissmeinnicht
Heilig
This is deutsch
Miststück
Die Hölle muss warten

HAUJOBB

Im Hallenbereich war eine weitere Elektrolegende zugegen. HAUJOBB, das Projekt um Daniel Myer, erzeugte mit trancigen, sphärischen Synthisounds gepaart mit kräftigen, tanzbaren Beats wieder eine einmalige Stimmung. Auch wenn die Halle (wahrscheinlich aufgrund von EISBRECHER) nicht ganz so gut gefüllt war, wie erwartet, so war die Atmosphäre, nicht zuletzt auch wegen einer sehr schönen Lichtshow und unterschiedlich bespielter Videowürfel auf der Bühne, sehr angenehm – ja man könnte sogar sagen – familiär.
Darkun

NACHTMAHR

In der gleichen Location folgte nun NACHTMAHR. Der Schuppen hatte sich zwischenzeitlich extrem gefüllt. Passend zu dem Outfit der Band, fanden sich auch sehr viele uniformierte Personen ein. „Nenn mich wie Du willst“ oder auch „Mädchen in Uniform“ schmetterte es aus den Boxen und die Menge zappelte wild im Takt der club-orientierten Musik. Die Personen, die nicht tanzen wollten, konnten derweil die hübschen Frauen auf der Bühne bestaunen. Stücke wie „Feuer frei“ und auch „Weil ich´s kann“ heizten die Fans weiter an.
Darkun

THE SISTERS OF MERCY

Wer kennt sie nicht? Mit Hits wie „Temple of Love“, „This Corrosion“ oder “Mother Russia” hat die Band um Frontmann Andrew Eldritch Musikgeschichte geschrieben. Fast bei jedem in der schwarzen Szene dürften Erinnerungen wach werden, wenn zu „First & Last & Always“, „Dominion“ oder „More“ abgetanzt wird. Folgerichtig war der Platz vor der Hauptbühne gerammelt voll mit Partywütigen (allerdings etwas leerer als bei der „Vorband“), die jedes weitere Stück abfeierten. Musikalisch hat die Band wieder hundertprozentig überzeugt. Extrem schade finde ich es jedoch, dass wie gewohnt, die ganze Bühne in einem Wust von Nebel gehüllt wurde. Das mag ja schön sein, wenn man in der ersten Reihe steht und trotzdem etwas sehen kann. Von weiter hinten lugt jedoch leider nur ab und zu der Kopf vom Sänger aus dem Dickicht heraus, so dass man nicht wirklich viel erkennen kann. Des Weiteren würde man sich von einem Headliner vielleicht auch mal einen neuen Song wünschen (was allerdings hinsichtlich der Historie in den letzten Jahren wohl eher ein utopischer Wunsch ist). Das ist der etwas bittere Beigeschmack eines sonst coolen Konzerts.

APOPTYGMA BERZERK

Die letzten beiden Konzerte des Abends fanden im Staatenhaus statt. Die Geschmäcker sind natürlich verschieden, aber mit APOPTYGMA BERZERK und den folgenden DAF standen aus meiner Sicht nun die wahren Headliner auf der Bühne. Die Halle war, wie erwartet, schon extrem gut gefüllt und die Menschenmenge wartete gespannt auf den Beginn. Genauso neugierig war ich auf das Konzert, war es doch das erste Mal nach ca. zwanzig Gigs, die ich die Band bisher live erleben konnte, dass ich APOP in neuer Besetzung sah. Nach einem wohlbekannten Intro begann die norwegische Combo auch gleich mit einem ihrer größten Hits „Love never dies“ – hier jedoch in einer scheinbar arg gekürzten Version. Doch das war beim nächsten Stück „Nonstop Violence“ auch schon wieder vergessen. Stephan Groth hat in all den Jahren nichts von seiner Fähigkeit verloren, die Fans mitzureißen. So wurden auch die weiteren Stücke enthusiastisch gefeiert. Interessant ist in dem Zusammenhang, mal auf das Publikum zu achten. Denn dort waren ganz unterschiedliche Generationen von Fans auszumachen. Aus der Anfangsphase der ersten beiden Alben, der „Welcome to Earth“ Future Pop Zeit und aus der Rockära der Neuzeit der Formation. Passend dazu wechselten, in Abhängigkeit des gerade gespielten Songs, auch die Stellen, wo der meiste Jubel herkam. Große Freude kam bei mir auf, dass auch meine absoluten Lieblingsstücke „Deep Red“ und „Bitch“ mit von der Partie waren. „Bitch“ wurde dabei nach langer Zeit sogar mal wieder rein elektronisch vorgetragen, was mich wirklich positiv überrascht hat. Mit „Love will tear us apart“ war auch noch eine gelungene Coverversion von JOY DIVISON mit an Bord. An den Tod des Sängers Ian Curtis erinnerte derweil eine Einblendung über den Beamer, was eine angemessene Würdigung der Kult-Formation war. Sehr geniales Konzert, bei dem einfach alles stimmte.
Darkun

Setlist APOPTYGMA BERZERK
Love never dies
Non stop violence
Eclipse
Shadow
Kathy’s song
In this together
You keep me from breaking apart
Shine on
Deep red
Unicorn
Starsign
Until the end of the world
Love will tear us apart
Bitch

DAF

Das letzte Konzert des Abends wurde erneut von einer lebenden Legende bestritten – die Deutsch Amerikanische Freundschaft, kurz DAF, bot in der Halle wieder erstklassigen EBM. Insgesamt war die Halle nach APOPTYGMA BERZERK zwar etwas leerer geworden, aber dennoch gab es hier ein echtes Live-Highlight zu erleben. Man kann sich nur immer wieder fragen, woher Gabi Delgado Lopez und Robert Görl nach so langer Zeit die Kraft nehmen – so frisch und dynamisch wirken die beiden auf der Bühne – keine Spur von Ermüdung. Von Beginn an kamen einige der bekanntesten Stücke – man ließ die Fans nicht warten und nutze jede Sekunde für eine einfache, aber auf den Punkt gebrachte und mitreißende Show. „Verschwende Deine Jugend“, „Ich und die Wirklichkeit“ und „Der Mussolini“ bildeten den Auftakt und legten den Grundstein für ein absolut geniales Konzert. Im weiteren Verlauf wurden zahlreiche weitere Perlen aus den 80ern (genial „Nacht Arbeit“ von „Die Kleinen und die Bösen“), aber auch von dem 2003er Album „15 neue DAF Songs“ wie „Der Sheriff“ und „Algorithmus“ gespielt. Ein absolutes Highlight, war dabei der neue Song „Du bist DAF“, der schon jetzt nicht mehr aus meinem Ohr geht. Natürlich fehlten auch nicht „Sato Sato“, „Der Räuber und der Prinz“ und „Kebab-Träume“. Als Zugabe gab es dann sogar noch einmal „Der Mussolini“ und final „Alles ist gut“. Geiles Powerkonzert, das seinesgleichen sucht.
Darkun

Setlist DAF
Verschwende Deine Jugend
Ich und die Wirklichkeit
Der Mussolini
Ich will
Muskel
Die Lippe
Mein Herz macht Bum
Algorithmus
Rote Lippen
Liebeszimmer
Du bist DAF
Sato-Sato
Alle gegen alle
Nacht Arbeit
Der Sheriff
Die Lüge
Als wärs das letzte Mal
Der Räuber und der Prinz
Kebabträume
Der Mussolin
Alles ist gut

Fazit des ersten Tages:

Die Veranstalter hatten wieder ein hochkarätiges, an diesem Samstag eher elektronisches Line-Up gebucht, das für viel Abwechslung und Qualität sorgte. Die Organisation glänzte ebenfalls mit Vorzeigecharakter. Danke an dieser Stelle an das ganze Team, von Security, über hilfsbereite Parkplatzwächter, Sanitärpersonal und Sanitäter, Techniker und alle, die ich hier vergessen habe. Ein klasse erster Tag, der auch durch gutes Wetter überzeugen konnte und Lust auf mehr machte. Das durchweg friedliche Publikum hatte nun noch Gelegenheit bei der Afterparty zu feiern – ich begab mich jedoch zum Parkplatz, um mit einigen sehr netten Belgiern, die ich kennen gelernt hatte, den Abend bei ein paar Bier ausklingen zu lassen.

Copyright Fotos: Martin Wackerzapp

Copyright Texte: Darkun – außer MIND.IN.A.BOX, SPETSNAZ, EISBRECHER, ASSEMBLAGE 23 (TK)

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