Terrorverlag > Blog > ARCHITECTS, MORE THAN LIFE, NORTHLANE, STRAY FROM THE PATH > ARCHITECTS – STRAY FROM THE PATH – NORTHLANE – MORE THAN LIFE

Konzert Filter

ARCHITECTS – STRAY FROM THE PATH – NORTHLANE – MORE THAN LIFE

140401-Architects-0

Ort: Nürnberg - Hirsch

Datum: 01.04.2014

Moin und Servus aus dem Frankenland,

liebe Gemeinde des guten Hardcore- , Punk-, Metal- und Mathcore-Geschmacks, wir sind heute hier im Hirsch in Nürnberg zusammen gekommen, um dem alt-eingesessenen Metal-Franken ein wenig neue Kultur einzuflößen und dem herkömmlichem Metal-Konsumenten ein wenig seinen Horizont zu erweitern. Die Anhänger dieses Genres sind wie erwartet, vermehrt junge Beanie- oder Undercut-tragende Metalheads mit aufgedehnten Ohrlöchern in denen große Flesh-Tunnels ihren Platz gefunden haben und natürlich ist das Tragen unzähliger Tattoos auf der Haut in diesem Genre Standard. Was jedoch, im Gegensatz zu einem herkömmlichen Metal-Konzert, noch deutlich hervor sticht, ist der große Anteil weiblicher Fans, die diesem Gebiet des Metals angehören. Aber fangen wir jetzt endlich mal an mit den wirklich wichtigen Infos zu dieser wunderschönen Hochzeit mehrerer Metal-Stilarten!

Den Anfang des Abends machen die Jungs von MORE THAN LIFE, die fast pünktlich auf die Minute mit ihrem Set um 20 Uhr beginnen. Leider muss man hier am Anfang gleich festhalten, dass der Mann am Mischpult nicht grad seinen besten Tag und damit den Sound dieser wunderbaren Band leider zerstört hat, so dass MORE THAN LIFE sich unter wirklich erschwerten Bedingungen den Arsch abrocken. Vielleicht sollte irgendjemand diesen Typen am Mischpult von seinem Leiden erlösen und dafür sorgen, dass wir endlich einen vernünftigen Sound erhalten, dazu aber an anderer Stelle mehr… MORE THAN LIFE stammen aus dem United Kingdom, wie auch der Headliner dieses Abends, und werden dem Melodic-Hardcore zugesprochen, wobei sich auch Einflüsse des Punks nicht verleugnen lassen… total verständlich, denn schließlich stammen doch auch die wunderbaren und einzigartigen, sozial-kritischen Sex Pistols aus dem Vereinigten Königreich. Trotz beschissenem Sound reißen sich die Briten wirklich den Arsch auf und geben alles, um das Frankenland gut zu unterhalten und anzuheizen. Dass schaffen MORE THAN LIFE spielend: ein roher, wilder Sound mit ordentlichen Power-Chords, ein solider Rhythmus-Teppich sowie James Matthews gutturaler Gesang machen den Auftakt eigentlich perfekt. Dabei lässt der Matthews keinerlei Wünsche des Genres offen und fordert das Publikum zum Crowd-Singing auf, genießt das Bad in der Menge und lässt selbst Besucher in den vorderen Reihen ins Mikrophon shouten. Die obligatorische Aufforderung nach dem Circlepit wird natürlich sofort erwidert und auch hier lassen sich die Franken nicht lumpen und geben einiges, aber noch längst nicht alles…denn ehrlich gesagt fällt dieser ein wenig dürftig aus. Nach dreißig Minuten endet das Set der Briten für eine kurze Verschnauf-/ Bier- & Zigaretten-Pause, bevor die unglaublich talentierten und hochgepriesenen Musiker der Gruppe NORTHLANE die heiligen Hallen betreten.

Die Pausen- und Umbauzeiten gestalten sich verdammt kurz und knapp, so dass man sich mit seinem Bier und seiner Kippe beeilen muss, um nichts zu verpassen. Denn für mich beginnt schon jetzt ein Highlight des Abends, mit der Gruppe NORTHLANE aus Sydney, Australien. Die seit 2009 aus super-talentierten Musikern bestehende Band, mit einem exquisiten Geschmack in puncto Brachialiät, Tonalität und sphärische Klängen, wird vor allem dem Hardcore Punk, Metalcore und Mathcore zugeordnet – in meinen Augen aber weniger Hardcore Punk und mehr Mathcore. Die Jungs von NORTHLANE sind in Australien schon renommierte Künstler mit Auszeichnungen in der Tasche, denn 2013 gewannen sie den Triple J für das Album des Jahres, wurden vom Blunt Magazine Award für ihren Tonträger “Singularity” ausgezeichnet. Und das obwohl hochkarätige Konkurrenz in diesem Land vorherrscht, man denke dabei nur mal an PARKWAY DRICE, die ebenfalls aus Down Under stammen und uns mit ihren Klängen verdammt nochmal ordentlich den Arsch aufreißen. Aber heut Abend sind die jungen Wilden dran und präsentieren uns bei ihrem 30- minütigen Set vor allem Songs ihres Erfolgsalbums “Singularity”. Während des Sets zeigen uns diese jungen und außerordentlich talentierten Musiker, dass sie nicht umsonst so hoch gehandelt werden und dass ihre Fan-Base von Mal zu Mal größer wird. Aber das ist ja auch verständlich, denn die Jungs lassen wirklich keine Wünsche des Genres offen, so dass man nur im Takt –grins – Mit-Nicken kann und aufpassen muss, dass man sein Beanie nicht gleich verliert. Im Set der Australier finden sich solche Diamanten wie der Song “Aspire”: unglaublich tief gestimmte und brutal klingende Gitarren mit massiver Distortion und Sustain, gepaart mit Adrian Fitipaldes ordentlichen Growls und Shouts von und einer unglaublich präzisen Rhythmus-Section aus Bass und Schlagzeug verwöhnen unsere Ohren. Im Hintergrund zaubern die Gitarristen immer wieder sphärisch anmutende Melodie-Linien, entführen den Zuhörer auf eine wunderbare Reise ins brachial klingende Down Under. Auf einmal wird es uns allen klar, das Australien, sich zu einem neuen Mekka des Math-und Metalcores entwickelt hat. Also gebt uns noch mehr von diesem Scheiß, denn davon können wir nicht genug bekommen. Weitere Highlights sind das unheimlich treibende “Dream Awake”, dessen Drums uns alle nur so nach vorne prügeln und die Growls und Shouts alle Anhänger und Süchtigen dieses Genres betören, kurze einzelne Melodie-Linien der Gitarren nehmen kurz das Tempo aus dem Stück heraus, aber auch nur, um einen ordentlichen Spannungsbogen aufzubauen und um es danach noch heftiger knallen zu lassen. Phantastisch, so könnt das wegen mir auf ewig weiter gehen! Die beiden absoluten Song-Perlen dieses Abends sind jedoch „Worldeater“ und das letzte Stück des Abends, „Quantum Flux“. Hier zeigen uns NORTHLANE, dass sie nicht umsonst als eine der Sperrspitzen dieses jungen Metal-Genres gelten sollte vor Vor so viel technischem Können, gepaart mit brachialen aber auch eingängig-vertrakten Riffs ist der Hut/ das Beanie zu ziehen. Was den Sound angeht und diesen Mischer, der meint er könne solche Band abmixen… tja, der wird nach dem NORTHLANES zweitem Song ersetzt worden durch den Profi der ARCHITECTS ersetzt. Eine wahre Wohltat für die Ohren, denn endlich passt der Sound. Gott, war das vorher scary! Nur weil klassischen Metal optimal abmixt, heißt das nicht, dass man auch alle anderen Sparten des Metals bedienen kann. Da muss jemand noch seine Hausaufgaben machen, ansonsten entsorgen und ab in die Pegnitz…..

So, jetzt erst einmal Umbaupause und dann können wir zu dem Teil des Abends übergehen, auf den man sich in Sachen Aggressivität auf einiges gefasst machen darf. Denn liebe Anhänger des “Auf-die-Fresse-Metals”, STRAY FROM THE PATH aus Long Island, New York, USA sind am Start und was soll man sagen? Diese vierköpfige Hardcore-Punk-Band aus den Staaten läßt es mal richtig krachen und geht gleich mit “False Flag” von aktuellen Album Anonymous in die Vollen. Also packt die Schlagringe und Baseballschläger aus, denn bei soviel Energie und Aggressivität werden einfach alle mitgerissen und die, die nicht mit machen, tja die “schiffen” sich halt in die Hosen und sollten beim nächsten Mal einfach ein anderes Konzert besuchen. Drew York, der blonde, etwas stabile aber nichts desto trotz sehr bewegliche Frontmann, bellt die Menge schon gleich beim ersten Stück an und es wird sofort klar was hier gewollt und gefordert werden wird: Crowd surfen, Moshpit, Wall of Death – das komplette Programm…und genau das wollen wir doch auch! Thomas Williams malträtiert seine Gitarre bis aufs äußerste und Anthony Altamura (Bass) sowie Dan Bourke (Drums) sorgen für den nötigen Hintergrund Beat, der auch in die Hip-Hop-Szene passen könnte. Was wäre es für ein Erlebnis gewesen, diese Jungs zusammen mit einer Größe wie HOUSE OF PAIN zu erleben. Wahrscheinlich wäre dann die Welt-Ordnung aus dem Gefüge geraten und es gäbe absolute Anarchie auf diesem Planeten…schade. Auf geht es nahtlos zu weiteren Knaller-Songs wie “Badge & a Bullet” und “Mad Girl”, dabei fordert Sänger Drew York immer eindringlich zum obligatorischen Circle Pit auf. STRAY FROM THE PATH reicht die Aggressivität, die das Publikum bislang an den Tag gelegt hat, noch lange nicht. Scheinbar hätte man den Hirsch abbauen müssen, um den Jungs ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Aber im klassischen Metal-Franken werden ansonsten nur gesittet die Haare geschüttelt, die haben ja sonst auch immer die Haare schön. Weiter geht es zu “Negative and Violent”, “Landmine”, “Radio” und “Damien”. Die Jungs zeigen einfach keine Spur von Müdigkeit oder nachlassendem Enthusiasmus – ganz im Gegenteil, im Laufe des Gigs scheinen SFTP erst wirklich warm zu werden und Betriebs-Temperatur zu entwickeln. Ein echter Augen- und Ohren-Schmaus. Zu guter letzt folgt “Black Friday”, in dem Drew sich die Seele aus dem Leib schreit, als ob es um sein Leben ginge und die Nähe zum Publikum aufsucht. Zeit für Crowd Singing! Und schließlich lassen es STRAY FROM THE PATH mit “Bring it back to the Streets” nochmals richtig knallen und krachen, bevor sie unter lauten Zugaberufen die Bühne. Für mich gibt es jetzt nur noch zu sagen, hier gab es mal satt auf die Fresse – und das wiederholt mit nachtreten. Richtig so, denn nichts anderes haben wir von STRAY FROM THE PATH erwartet.

Letzte Umbaupause im Hirschen, bevor die großen und wunderbaren ARCHITECTS die Bühne betreten, deshalb nochmal schnell eine Ziggie, ein Bierchen und die Fußball-Championsleague Ergebnisse gecheckt. Denn was für ein Zufall ist das? Just heute ist der F.C. Bayern München zu Gast bei Manchester United – und wir haben die Engländer aus Brighton zu Gast im Frankenland. Dann startet der große Showdown um 21.50 Uhr mit den Architects. Die Band existiert seit 2004 und wird ganz klar dem Genre Metalcore und Mathcore zugeordnet. Mit Gitarristen-Neuzugang Josh Middleton von SYLOSIS haben die Jungs nochmals an Klasse und Qualität dazu gewonnen. Aber ganz klar steht Sänger Sam Carter mitsamt markanter Stimme und seinem gekonntem gutturalem Gesang im Vordergrund. Die Growls und Screams sind perfekt abgestimmt und auch der Clean-Gesang, der in manchen Songs aufkommt, ist nahezu perfekt. Schon beängstigend, wie dieser Mann die Massen und seine Stimmbänder beherrscht. Keinerlei Ansatzpunkte zum stänkern – Sam liefert eine perfekte Show ab. Einzig das Tragen eines Manchester United-Shirts wirkt ein wenig bizarr wenn man bedenkt, das der “gute Sam” mitten im bayuwarischen Land ein gegnerisches Fan-Shirt trägt- Aber das ist uns allen eigentlich egal, denn Mr. Carter hat mit der ersten Note seiner Band und seines Gesangs die Menge voll im Griff. Dabei lassen es die Jungs gleich mal zu Beginn richtig knallen, denn “Gravedigger”, die erste Single vom gerade erschienenen, aktuellen Album “Lost Forever / Lost Together“, eröffnet das Set. Die Band zeigt gleich zu Beginn ihr Können, was Polyrhythmik angeht und zeigt keinerlei Schwächen oder irgendwelche Verspieler, woran man sich stören könnte. Auch die Songs “C.A.N.C.E.R”, “Alpha Omega”, “Even if you win, you`re still a Rat” und “Day in, Day out” treffen vollends ins Schwarze. Eine einzige Masse springt vor der Bühne auf und ab, selbst in den hinteren Reihen werden die Köpfe zum Takt dieser komplexen aber doch eingängigen Musik rhythmisch genickt. Den nächsten Höhepunkt bilden “Naysayer” und “The Devil is near” – scheinbar wollen die ARCHITECTS die Hölle losbrechen lassen. Die Menge nimmt dieses Angebot dankend an und springt so heftig umher, dass man das Gefühl hat, der ganze Boden bebt. Auch die Gitarristen lassen sich nicht lumpen, springen wie wild über die Bühne und Sam schüttelt das spärlich behaarte Haupt – dieser Mann kann machen was er will und es ist einfach nur cool. Ein Gassenhauer nach dem anderen heizt die Menge weiter auf und man wünscht sich als Fan und Anhänger, als Süchtiger dieser Musikrichtung, dass dieser Abend, dieses Konzert niemals enden möge. Ganz klar im Vordergrund steht der charismatische Frontman der ARCHITECTS, der die Masse mit seiner Stimme begeistert. Der Song “Red Hypergiant” zeigen dann aber einmal allein – ohne ihre “Rampen-Sau” Sam – Tom Searle und Josh Middleton (beide Gitarre), Dan Searle (Drums und Alex ” Ali Dino ” Dean ausgiebig, was sie alles technisch zu bieten haben: Polyrhythmik, Arpeggios und absolut komplexe Songstrukturen mit hymnenähnlichen Melodielinien – für mich ein wahrer Ohren-Schmaus. Zu guter Letzt geben die ARCHITECTS mit “These Colours don`t run” noch einmal alels, bevor sie sich unter tosendem Applaus respektvoll verneigend von der Menge verabschieden. Man will an dieser Stelle wirklich nicht glauben, dass der Zauber dieser Nacht schon vorbei sein soll, aber leider entspricht das der Realität und somit zieht die Fanbase langsam ab und ist an diesem Abend Zeuge eines legendären musikalischen Ereignisses geworden, an diesem Dienstag dem 01.04.2014. Kein April-Scherz, sondern ein wahr gewordener Traum! Und wenn man morgen tot umfallen sollte, so kann man doch ruhigen Gewissen abtreten, schließlich war man Teil einer Gemeinschaft, von der zu träumen man nie gewagt hätte.

Damit verabschiede ich mich aus dieser Nummer hier und sage gute Nacht und verbleibe mit freundlichsten Grüssen und warte auf den nächsten Schlag ins Gesicht und Tritt in die Eier, auf hervorragende Musik und herausragende Musiker. Bleibt sauber Freunde, legt euch trocken weg und tut euch dieses Festival von musikalischer Kongenialität mal an, denn seinen Horizont erweitern tut nicht weh und man könnte ja gefallen daran finden.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu ARCHITECTS auf terrorverlag.com

Mehr zu MORE THAN LIFE auf terrorverlag.com

Mehr zu NORTHLANE auf terrorverlag.com

Mehr zu STRAY FROM THE PATH auf terrorverlag.com