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ARCHIVE

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Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 03.03.2015

ARCHIVE zum Zweiten, diesmal in etwas intimerer Umgebung, da sich in der kleinen Ringlokschuppen-Halle mit etwa 500 Besuchern im Gegensatz zum Konzert in Dortmund am vergangenen Freitag nur etwa halb so viele Fans versammelt hatten. Ein Wochenendtermin passte den Fans möglicherweise besser, doch hat sich hier wirklich wieder jede Minute gelohnt, die man eventuell später als sonst ins Bett gekommen ist und das TV-Programm kann auch auf gar keinen Fall spannender gewesen sein als das, was die Londoner an diesem Abend in der Leineweber-Stadt abgeliefert haben.

Im Übrigen hatten ARCHIVE ja sogar einen Film mitgebracht, mit dem der Gig zur besten Tagesschau-Zeit eingeläutet wurde. „Axiom“ entstand in Zusammenarbeit mit dem spanischen Filmkollektiv NYSU und der 40-minütige Kurzfilm kann durchaus als bandeigener Soundtrack verstanden werden, der im vergangenen Herbst auch als CD in die Plattenläden kam und zweifellos als das bislang aufwändigste Projekt der Trip-Hop-, Indie- und Post-Rock-Helden bezeichnet werden darf. Auf den Lorbeeren für dieses Werk haben sich Darius Keeler, Danny Griffith & Co. allerdings nicht lange ausgeruht, sondern das neue Jahr gleich einmal mit einer neuen Platte eingeläutet.

„Restriction“ ist der zehnte Studio-Output der 1994 gegründeten Kapelle und wenn ich mich mit dem Silberling anfangs ein bisschen schwer getan habe, kann ich den Songs inzwischen absolute Live-Tauglichkkeit attestieren. So brachte bereits der knackige Opener „Feel It“ das Auditorium in die passende Stimmung und auch das eindringliche „Kid Corner“, das ebenfalls vom jüngsten Longplayer stammte, wusste mit der charmanten Holly Martin am Mikro zu gefallen. Natürlich durften aber auch alte Hits nicht fehlen und so avancierte „You Make Me Feel“ vom 1999er „Take My Head“ zum ersten Highlight der Show, wofür die Ostwestfalen auch reichlich Beifall spendeten. Dieser Tage übernimmt Miss Martin im Übrigen die weiblichen Gesangsparts komplett, da Maria Q leider die laufende Tour nicht begleitet, aber die zarte Lady machte ihre Sache erneut bestens und ließ ihre Kollegin deshalb nur am Rande vermissen. Die männlichen Vocals teilten sich wie üblich der langhaarige Pollard Berrier und der bärtige Dave Penn, die beide wie beim bewegenden „Dangervisit („Controlling Crowds“ – 2009) bei Bedarf auch zur Gitarre griffen. Das weniger manchmal mehr ist, unterstrich das minimalistische „Black And Blue“, das Hollys absolut hörenswerte Stimme in dem Mittelpunkt und die Stage in rotes Licht rückte. Nahtlos ging es mit „Nothing Else“, „Blood In Numbers“ und „Bullets“ weiter. Ähnlich der dreiteiligen Leinwand im Bühnenhintergrund, die Videoinstallationen und bewegte Bühnenbilder lieferte, gehörten diese drei Lieder quasi zusammen – obwohl sie aus ganz unterschiedlichen Epochen stammten. So wurde „Nothing Else“ beispielsweise dem Debüt „Londium“ aus 1996 entnommen, während die beiden anderen Tracks 2009 erschienen sind. Insbesondere „Bullets“ sorgte für Begeisterung und ging zudem direkt in Bein und Gehörgang. Für „Ruination“ kehrte die Dame im Bunde ins Rampenlicht zurück und servierte gemeinsam mit ihrer Begleitung treibende Melodien, die Darius Keeler an seinem Arbeitsplatz an den Tasten und Knöpfchen links außen erneut zum rastlosen „Dirigenten“ seiner Mannschaft werden ließen. Auf der Gegengerade zog Danny Griffith sein Ding ganz gelassen durch und auch Smiley sorgte an den Fellen ebenso wie die Saitenfraktion für den nötigen Wumms. Den brauchte beispielsweise das treibende „Crushed“ und auch „Conflict“ und „Violently“, die beide 2012 auf „With Us Until You’re Dead“ veröffentlicht wurden, erhielten viel Drive und zwingende Melodiefolgen. Scheppernde Elektronik zeichnete derweil „End of Our Days“ aus, bevor „Third Quarter Storm“, „Bridge Scene“ und „Ladders“ zunächst eine düstere Stimmung verbreiteten, um dann mit „Numb“ erneut zum Tanzen einzuladen.

Inzwischen lagen rund 75 Minuten Konzertgenuss hinter uns und die Herrschaften verließen für einen kurzen Moment ihre Arbeitsplätze, um dann jedoch noch einmal nach allen Regeln der Kunst mit ihrer eindrucksvollen Musik zu verzaubern. Für diesen Zweck hatten sich ARCHIVE das wunderbare „Lights“ vom gleichnamigen Album aus 2006 aufgespart, das in aller Ausführlichkeit zelebriert wurde und nochmals 20 Minuten musikalischen Hochgenuss bot. In der gebotenen Präzision baute der Song eine ungeheure Spannung auf, die sich umgehend auf die Zuschauerschaft übertrug, die gut daran getan hatte, dieses eruptive Finale abzuwarten. Belohnt wurde der Achter auf der Stage mit tosenden und absolut verdienten Akklamationen und nach ein paar verabschiedenden Worten auf Deutsch (mehr wurde auch den ganzen Abend über auf der Bühne nicht gesprochen) und letzten Verbeugungen, entließen ARCHIVE ihre Anhänger um 22.35 Uhr in die Nacht. Es war mir erneut ein Fest und wenn es meine Zeit zuließe, wäre ich auch noch ein drittes oder viertes Mal mit von der Partie.

Setlist

Axiom (Film)
Distorted Angels
Axiom
Baptism
Transmission Data Terminate
The Noise of Flames Crashing
Shiver
Axiom (Reprise)

Feel It
Kid Corner
You Make Me Feel
Dangervisit
Black And Blue
Nothing Else
Blood In Numbers
Bullets
Ruination
Crushed
Conflict
Violently
End of Our Days
Third Quarter Storm
Bridge Scene
Ladders
Numb

Lights

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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