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AREA 4 2011 – TAG 3

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Ort: Lüdinghausen – Flugplatz Borkenberge

Datum: 21.08.2011

Tag 3 des diesjährigen Area 4 stand vor der Tür und sollte leider gleich zwei unliebsame Überraschungen mitbringen. Zum einen sollte der Gig von JUPITER JONES ausfallen, da Sänger Nicholas Müller sich vormittags ernsthaft am Knie verletzt hatte und ins Krankenhaus musste und zum anderen fiel der Auftritt der KOOKS buchstäblich ins Wasser. Über dem Borkenberge braute sich zu diesem Zeitpunkt nämlich ein dickes Gewitter zusammen und den Veranstaltern blieb gar nichts anderes übrig, als das Konzert nach nur gut fünf Songs abzubrechen. Bis dahin meinte es der Wettergott aber gut mit der Festivalgemeinde, die sich über ein sehr abwechslungsreiches Programm freuen durfte.

ROYAL BANGS

Selbiges startete pünktlich zum High Noon an der Mainstage, wo nach zwei Tagen Tanz nicht ein Grashalm mehr wuchs. Der Publikumszuspruch ließ noch zu wünschen übrig; auf jeden Security-Mitarbeiter kam etwa ein Zuschauer, dieses Verhältnis sollte sich in den kommenden rund 25 Minuten zwar noch bessern, verdient hatten ROYAL BANGS auf jeden Fall etwas mehr Zuspruch, denn die drei Jungs aus Knoxville brachten definitiv Schwung in den Sonntagmittag. Vereinzelt wurde zu den flotten Sounds, bei denen beste Rock’n’Roll-Attitüde auf rohe Elektronik und einnehmende Melodien traf, auch schon getanzt; kein Wunder bei dem fortwährend antreibenden Rhythmus, den der Dreier auf dem Zettel hatte.

VS. ROME

Die Luft im Zelt war nach der langen Disconacht noch biergeschwängert, als VS. ROME mit brachialem Geballer den Weckdienst gaben. Seit 2008 spielen die Dortmunder eine Mischung aus Indie-Rock, Noise und Post-Hardcore, den sie „brutalen Indierock” nennen. Die Mucke war auf jeden Fall perfekt, falls der Blutdruck noch im Keller gewesen sein sollte. Das (wenn auch überschaubare) Auditorium zeigte sich durchaus angetan von VS. ROME, die bei zuckenden Lichtgewittern Gehoute und cleanen Gesang zum knackigen Sound ablieferten und damit auch durchaus tanzbaren Stuff unters Volk brachten.

THE MENZINGERS

Zeigte sich der Himmel früher am Tag noch etwas verhangen, brannte bei den MENZINGERS wieder die Sonne. Das Quartett aus Pennsylvania steht seit 2005 für Punk mit einer gewissen experimentellen Note, zeigte sich beim Area 4 jedoch ziemlich schnörkellos. Songs wie „I Was Born“ oder auch „Home Outgrown“ rockten straight nach vorn, vergaßen dabei nicht die Emotionen und luden gleichzeitig durchaus zum Tanzen ein.

MINI MANSIONS

Wenn bei QUEENS OF THE STONE AGE gerade nicht viel los ist, widmen sich die Bandmitglieder ja gern auch mal anderen Projekten. So auch Bassist Michael Shuman, der 2009 die MINI MANSIONS ins Leben gerufen hat. Im Juni ist das selbstbetitelte Debüt erschienen, das auf der Tent Stage ein wenig Seventies Flower Power verbreitete. Die Orgelklänge grüßten zudem auch aus den Sixties und zeigten sich ebenso rhythmusverliebt wie tanzbar. Bisweilen schlugen die drei Herrschaften auch einmal ruhigere Töne an, allerdings nur, um am Schluss wieder amtlich auf die Tube zu drücken. Stoische Trommelschläge und vertrackte Akkorde auf dem Tasteninstrument zeichneten derweil das verlangsamte BLONDIE-Cover „Heart of Glass“ aus, bevor es der Gig mit zwei weiteren Stücken aus der eigenen Ideenschmiede endete. Nicht unbedingt Futter für QOTSA-Fans, aber zweifellos auch nicht uninteressant.

YOUNG REBEL SET

Mein erstes Highlight des noch jungen Sonntages bestand aus sechs Personen, die mit einem alten Kleinbus vom britischen Eiland nach Deutschland gekommen sind. Zu verdanken haben wir das Thees Uhlmann, der das YOUNG REBEL SET unter seine GHvC-Fittiche genommen und den Erstling „Curse Our Love“ veröffentlicht hat. Dabei haben Andy, Chris, Dave, Luke, Mark und Matty aus dem nordöstlichen Stockton-on-Tees schon Clubs ausverkauft, da hatten sie noch nicht mal ne Platte draußen. Aber wer mittags im kurz vor 14.00 Uhr schon mit einer Batterie Bierflaschen und Kippen auf die Stage kommt, weiß wohl einfach, wie Rock’N’Roll geht. Im Fall des YOUNG REBEL SETs gehört dazu auch noch eine enorme Portion Folk und schon kann’s gutgelaunt losgehen. Genauso war’s dann auch mit „Down The Line“, das mit Davids Mundharmonika-Grooves versetzt war, ehe das rhythmusbetonte „Measure of Man“ übernahm. „Precious Day“ startete verhalten, um dann wieder den Dancefloor zum Beben zu bringen, bevor es mit „Cruel“ einen treibenden neuen Song auf die Ohren gab. Mit dem orgellastigen „Fall Hard“ wurde es ein wenig melancholisch und auch die kommende Single „Red Brick“ blieb gefühlvoll. „Lion’s Mouth“ ist ja mein Favorit auf dem Debütalbum, entsprechend habe ich ebenso wie das übrige Publikum diese Nummer abgefeiert, mich aber nicht minder über den wunderschönen Abschluss gefreut, den die Briten mit „If I Was“ hingelegt haben. Nur schade, dass die Jungs gerade mal eine gute halbe Stunde Stagetime hatten. Das nächste Mal brauchen YOUNG REBEL SET mehr Zeit!

Setlist YOUNG REBEL SET
Down The Line
Measure of A Man
Precious Day
Cruel? (neuer Song)
Fall Hard
Red Brick
Lion’s Mouth
If I Was

THE COMPUTERS

Wer beim Bandnamen THE COMPUTERS elektronische Frickelsounds erwartet hat, dürfte schwer enttäuscht gewesen sein. Damit haben Alex Kershaw und seine drei Mitstreiter nämlich ziemlich wenig am Hut. Im Gegenteil: Sie haben eine eher gespaltene Meinung zum Thema Internet und wollen viel lieber live überzeugen als via Stream Fans zu finden. Ich wage mal zu behaupten, dass sie an diesem Sonntag neue Bewunderer rekrutieren konnten. Mich selbst eingeschlossen. Der rasante Handcore-Rock’N’Roll-Mix hatte es so was von in sich, dass man fast geneigt war, sich noch mal schnell die Augen zu reiben, ob das denn da jetzt auch wirklich auf der Bühne passierte. Mal ganz davon abgesehen, dass Alex der Platz auf der Stage viel zu eng war. Da musste der Herr, der ebenso wie seine Kollegen ganz in weiß gekleidet war, mitsamt seines Mikroständers auch schon mal ganze Songs (z.B. „Group Identity“ auf einer Lautsprecher-Box stehend performen (wobei er allerdings einigermaßen unsicher aussah, hatte er sich wohl selbst cooler vorgestellt und ist deshalb zur High-Energy-Walze „Blood Is Thicker“ auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück gekommen) oder ist gleich wie bei „Music Is Dead“ mitten rein ins Publikum. Der Albtraum eines jeden Ordners, aber die Zuschauer waren viel zu fasziniert vom Auftritt des kleinen Derwisches, der sich die Lunge aus dem Leib schrie, während die Instrumentalfraktion auf ihre Werkzeuge eindrosch. Dass Mr. Kershaw dann auch noch den Mirkofonständer schrottete, tut weiter nichts zur Sache. Schließlich hatte der vorher auch schon ne Macke (wollte nicht auf der eingestellten Höhe bleiben und musste mit Gaffa fixiert werden) und das ist nun mal Rock’N’Roll. Mit ihren Punk-Riffs, Rockabilly-Melodien und einer schier unbändigen Energie werden THE COMPUTERS im Herbst THE SUBWAYS auf Tour begleiten. Da müssen Charlotte Cooper und die Brüder Billy Lunn und Josh Morgan wohl aufpassen, dass ihnen die Jungspunde nicht die Show stehlen.

JOHNOSSI

Wie kraftvoll auch ein Duo agieren kann, hatten am vorherigen Abend bereits die BLOOD RED SHOES bewiesen. Jetzt stand ein rein männlicher Zweier auf der Running Order. JOHNOSSI der Name, der sich wiederum aus den Vornamen der beiden Bandmitglieder John Engelbert und Oskar „Ossi“ Bonde zusammensetzt. Die beiden Schweden sind in Stockholm beheimatet und haben ihr Indie-Alternative-Bandprojekt 2004 ins Leben gerufen. Inzwischen haben sich JOHNOSSI dank vielfältiger Live-Präsenz auch hierzulande einen Namen gemacht und drei erfolgreiche Alben veröffentlicht, die jede Menge Songperlen enthalten. So gab’s am Borkenberge erneut einige delikate akustische Schwedenhappen – angefangen beim Opener „Dead End“, der bereits feinsten Indie bot, über das temporeiche „Party With My Pain“, bei dem Sänger und Gitarrist John zwischenzeitlich auf Ossis Drumkit Aufstellung genommen hatte oder das scheppernde „No Last Call“. Treibend schloss sich „18 Karat Gold“ im Midtempo an, bevor „What’s The Point“ knackig nachlegte. Es war schon spannend, welche Geräusche Herr Engelbert seiner Akustikklampfe beim „Execution Song“ entlocken konnte, ehe es mit „Man Must Dance“ nahtlos weiterging und es dank „Roscoe“ noch einmal richtig krachte. JOHNOSSI waren zwar zum ersten, aber hoffentlich nicht zum letzten Mal beim Area 4…

Setlist JOHNOSSI
Dead End
Bobby
Party With My Pain
No Last Call
18 Karat Gold
What’s The Point
Execution Song
Man Must Dance
Roscoe

SKINDRED

Wieder im Zelt angekommen, steppte hier bereits der Papst im Kettenhemd. Ach nee, war er gar nicht, das war der SKINDRED-Sänger Benji Webbe, der nicht nur ob seiner imposanten Statur nicht zu übersehen war. Der dunkelhäutige Rastamann haute dermaßen auf die Kacke, dass im Zelt ziemlich schnell die Luft brannte. Inzwischen musste auch schon wieder ein Einlassstopp ausgerufen werden und die lauten SKINDRED-Gesänge zeugten davon, dass die Briten durchaus auch auf die Hauptbühne gepasst hätten. Musikalisch boten sie einen hochenergetischen Mix aus Reggae, Metal, Hip-Hop und Punk, dem Benji seine sonore Stimme lieh. Mal wurde heftigst gegrowlt, dann wieder clean gesungen und zu „Trouble“ (inkl. des angespielten METALLICA-Cover „Sad But True“) auch mal ein Singspielchen mit der Zuschauerschaft veranstaltet. Dazu reckten sich alsbald auch Tausende Arme in die Höhe, ehe sich beim hip-hoppigen „Pressure“ Gangsta-Feeling breit machte. „Cut Dem“ war ein recht verschrobener Track vom brandaktuellen Album „Union Jack“, während „Destroy The Dancefloor“ nahe dran war, zum Motto des Nachmittags erklärt zu werden. Das Publikum fraß Mr. Webbe aus der Hand – wahrscheinlich aus Angst, ansonsten von ihm gefressen zu werden. Aber der Mann wollte ja nur spielen… Deshalb vollführte er gleich auch mal seinen „Robot-Dance“ und forderte bei „Nobody“ zum Massenhüpfen auf. Nach einem Snippet von PRODIGYs „Breathe“ war schließlich die Zeit für die T-Shirt-Helikopter gekommen. Will sagen, Benji forderte alle auf, ihre T-Shirts auszuziehen (auch und besonders die Damen), um sie dann zusammen über dem Kopf rumwirbeln zu lassen. Ein beeindruckendes Bild, trotzdem sich die Frauen doch sehr zurückhaltend zeigten. Damit und mit ihrer jüngsten Single „Warning“ beendeten SKINDRED ihren schweißtreibenden Gig, verabschiedeten sich noch von ihren Fans und waren nicht mehr gesehen. Sie haben aber versprochen, im November wieder auf Tour zu kommen!

THE MIGHTY MIGHTY BOSSTONES

Währenddessen hatten open air schon die MIGHTY MIGHTY BOSSTONES losgelegt. Die Erfinder des Skacores hatten sich sehr ansprechend in karierten Sakkos gekleidet, die perfekt zum Schottenkaro-Backdrop passten. Und natürlich fehlte es auch nicht an einer dezenten Krawatte oder im Falle von Sänger Richard „Dicky“ Barrett an einer Fliege. Die acht Herren wissen halt sich zu kleiden und sie wissen vielmehr noch zu musizieren. Neben Gitarre, Bass und Schlagzeug durfte natürlich auch die Bläsersektion nicht fehlen, die mit Saxofon, Tenorsaxofon und Posaune vertreten war. Bereits 1985 in Boston gegründet, hatte sich die Formation 2003 aufgelöst, jedoch vier Jahre später wieder zueinander gefunden und zweifelsohne nichts von ihren Skacore-Qualitäten verloren. Deshalb ist wohl nicht nur die Person ins Schwitzen geraten, die Dicky von der Bühne aus entdeckte, als er gerade mit „Don’T Worry Desmond Dekker“ loslegen wollte. Er oder sie stand zu diesem Zeitpunkt gerade in schwindelerregender Höhe im Korb des Bungee-Jumping-Krans und wurde wenig später mit zahlreichen „Jump“-Rufen nicht unwesentlich unter Druck gesetzt. Gesprungen ist der Delinquent trotzdem nicht, genauso wenig, wie THE MIGHTY MIGHTY BOSSTONES mit ihren fröhlichen Sounds verhindern konnten, dass es zu regnen begann. Wenn’s allerdings bei den paar Tropfen geblieben wäre, hätte darüber niemand ein Wort verloren.

Setlist THE MIGHTY MIGHTY BOSSTONES (ohne Gewähr)
The Old School Off the Bright
The Rascal King
Kinder Words
Nah Nah Nah Nah Nah
Someday I Suppose
You Gotta Go!
Dr. D
All Things Considered
Graffiti Worth Reading
Where’d You Go?
Don’t Worry Desmond Dekker
Rudie Can’t Fail (THE-CLASH-Cover)
Devil’s Night Out
The Impression That I Get
Holy Smoke

YELLOWCARD

Für mich ging es jetzt sowieso erst einmal wieder ins Trockene, denn auf der Tent Stage hatten sich YELLOWCARD angekündigt. Die fünfköpfige Band aus Florida hatte neben den Langäxten und dem Drumkit auch die Violine mit über den Großen Teich gebracht und nach vier Jahren Pause zudem auch ein neues Studioalbum namens „When You’re Through Thinking, Say Yes“ mit im Gepäck. Beste Voraussetzungen, sechs Jahre nach ihrem letzten Besuch in Deutschland mal wieder so richtig auf den Putz zu hauen. Entsprechend ging der Fünfer auch gleich mit dem Opener „For You, and Your Denial“ ab wie Zäpfchen, was übrigens in gleicher Weise für das Auditorium galt. Das weiße Zelt war erneut pickepackevoll und zu YELLOWCARD-Gesängen ging es umgehend mit Vollgas und „Way Away“ weiter. Der Alternative-Rock der Amis wird durch das Gefiedel einfach einmalig und absolut partytauglich, was „Light Up The Sky“ wenig später unter Beweis zu stellen wusste, ehe sich „Rough Landing, Holly“ mit Hochdruck anschloss. „Five Becomes Four“ war mit einer Aufforderung zum Circle Pit verbunden, bevor es mit „Hang You Up“ eine kleine Auszeit gab. Auch „With You Around“ vom neuen Longplayer zeigte sich eher gemäßigt und wurde mit einem kleinen Singspielchen begangen, während ich mich schweren Herzens auf den Weg zur Hauptbühne machte.

Setlist YELLOWCARD (bis 17.25 Uhr)
For You, And Your Denial
Way Away
Light Up The Sky
Rough Landing, Holly
Five Becomes Four
Hang You Up
With You Around

WHITE LIES

Dass die WHITE LIES aus dem Londoner Stadtteil Ealing nicht unbedingt das Area-4-Stammpublikum ansprachen, zeigte sich schon bei der überschaubaren Anzahl Zuschauer. Dabei hatte es zwischenzeitlich sogar wieder aufgehört zu regnen, aber die Mucke von Harry McVeigh, Chares Cave und Jack Lawrence-Brown, die noch um zwei weitere Live-Musiker verstärkt wurden, war wohl einfach zu elektronisch. Harry (übrigens in einem abgrundtief hässlichen Hemd gekleidet) schaute dann auch ein wenig skeptisch, als die Band um 17.25 Uhr vor für die Uhrzeit relativ lichten Reihen mit „Farewell To The Fairground“ und coolem Gitarren-Synthie-Rock mit jeder Menge Drive den Reigen eröffnete. Bei „Strangers“ trafen liebliche Keyboard-Flächen auf wummernde Bässe, während „To Lose My Life“ umgehend ins Bein ging und auch Anklang beim Auditorium fand, wie die zahlreichen Akklamationen zeigten. Fette Sounds zeichneten auch „Holy Ghost“ aus, wie überhaupt die bombastischen Soundtürme ein absolutes Markenzeichen der WHITE LIES sind, die im Januar ihre zweite Langrille „Ritual“ in die Läden gebracht haben und damit in die bundesdeutschen Top Ten einsteigen konnten. Nach einem langsamen Start nahm „The Price of Love“ wieder Fahrt auf, bevor sich „A Place To Hide“ und „Death“ druckvoll und flott anschlossen. Die sakralen Orgelklänge von „Unfinished Business“ waren mit einer Einladung zum Tanzen verbunden, wohingegen „The Power & The Glory“ nach einer verspielten Anfangssequenz wieder in die Vollen ging. „Bigger Than Us“ war die erste Single-Auskopplung des aktuellen Albums und sollte als echter WHITE-LIES-Stomper den elektronischen Part des diesjährigen Area 4 würdig beschließen.

Setlist WHITE LIES
Farewell To The Fairground
Strangers
To Lose My Life
Holy Ghost
The Price of Love
A Place To Hide
Death
The Power & The Glory
Bigger Than Us

UNDEROATH

Dafür war auf der Nebenbühne ein weiteres Shout-Inferno angesagt, denn UNDEROATH stellten den nächsten Programmpunkt. Die Truppe aus Florida wird dem christlichen Metalcore zugerechnet, was sie mir ja schon ein wenig suspekt machen. Wobei: UNDEROATH auf dem nächsten Katholikentag? Das hätte dann schon wieder was! Von der Ursprungsbesetzung von vor zwölf Jahren ist inzwischen niemand mehr dabei, auch der Sound changiert heuer teilweise deutlich Richtung Post-Hardcore, auch kein Problem, Hauptsache, es gibt was auf die Mütze, was definitiv gegeben war, wenngleich „In Division“ vom kommenden Longplayer vergleichsweise soft ausgefallen ist.

THE NATIONAL

Auf der Main Stage war einer meiner weiteren Favoriten annonciert und wieder hielten sich die Zuschauermassen in Grenzen. THE NATIONAL machen Indie-Rock, der auf der einen Seite eigentlich ziemlich unaufgeregt ist, auf der anderen Seite aber Rhythmen inszeniert, die einfach fesseln. Das mag auch daran liegen, dass der Sound mit Trompete und Posaune eine ganz eigene Färbung erhält. Nicht fehlen dürfen zudem das Piano und natürlich die Rhythmusfraktion, sowie die sehr unmittelbaren Gitarren und die wunderbare Stimme von Matt Berninger. All diese Zutaten hatten THE NATIONAL mit nach Lüdinghausen gebracht, sodass einer wunderbaren Stunde Musik nichts im Wege stand. Passend zu den akustischen Ergüssen hatte auch die optische Untermalung auf den Videoleinwänden eine ganz eigene Handschrift erhalten. Es wurde nicht nur das Geschehen auf der Bühne wiedergegeben, sondern zugleich auch noch Videosequenzen eingeflochten und die eingefangenen Stage-Bilder verfremdet. Musikalisch starteten die seit 1999 agierenden Amerikaner, die fünf Langrillen herausgebracht haben, mit dem groovenden „Anyone’s Ghost“, um bassbetont und mit satten Bläser-Sounds „Bloodbuzz Ohio“ folgen zu lassen. „Slow Show“ machte seinem Namen alle Ehre, wenngleich die Nummer am Ende wieder an Tempo gewonnen hatte, bevor das bassige „Squalor Victoria“ den Kehlkopf hüpfen ließ. Sehr tanzbar präsentierte sich „Afraid of Anyone“, ehe „Son“ als „kleiner Pop-Hit vom ersten Album, das niemand kennt“ angekündigt wurde. Piano und Bläser zeichneten derweil „England“ aus, während „Mr. November“ noch einmal Gas gab. Zum Schluss nahm Matt noch ein Bad in der Menge und sang weite Teile von „Terrible Love“ aus dem Publikum heraus, um zurück auf der Stage ziemlich sang- und klanglos mit den Kollegen im Off zu verschwinden. THE NATIONAL machen halt keine großen Worte, zumindest nicht, wenn keine Musik im Spiel ist.

Setlist THE NATIONAL
Anyone’s Ghost
Bloodbuzz Ohio
Slow Show
Squalor Victoria
Afraid of Everyone
Conversation 16
?
Son
?
England
Fake Empire
Mr. November
Terrible Love

THE KOOKS

Eigentlich müssten an dieser Stelle zunächst JUPITER JONES aufgeführt sein, aber deren Auftritt konnte aufgrund der Knieverletzung, die sich Nicolas vormittags zugezogen hat, nicht stattfinden. So kurzfristig konnte auch kein Ersatz gefunden werden und wenn man geahnt hätte, was der Abend noch mit sich bringen würde, hätten die Veranstalter sicherlich FACE TO FACE bereits jetzt um 19.45 Uhr spielen lassen. Aber noch deutete nichts darauf hin, dass etwa eine Stunde später die KOOKS nach gerade mal fünf Liedern ihren Auftritt abbrechen mussten, weil eine massive Unwetterfront auf Borkenberge zuzog. Es fielen zwar ziemlich zu Beginn der Show schon ein paar leichte Tropfen, aber mehr als Bange machen war das noch nicht. Deshalb erfreuten sich die zahlreichen Zuschauer auch unbeschwert an Songs wie dem beschwingten „Always Where I Need To Be“ vom 2008er Album „Konk“ oder den Schrammelgitarren von „See The World“. Nach dem rhythmusbetonten „Matchbox“ nahm Sänger Luke Pritchard dann für „Is It Me?“ eine Ukulele zur Hand, während „Ooh La“ vom 2007er Debüt „Inside In/ Inside Out“ mit Mann und Maus abgefeiert wurde. Langsam regnete es sich tatsächlich richtig ein, trotzdem kam Richards Ansage, dass das Konzert wegen eines drohenden Unwetters abgebrochen werden müsse, reichlich überraschend und wurde natürlich von Pfiffen begleitet. Wenig später gab’s dann noch eine offizielle Erklärung, der rasch die Räumung des gesamten Infields folgte. Gerade nach den Ereignissen beim Pukkelpop die einzig richtige Entscheidung der Verantwortlichen.

Setlist THE KOOKS
Always Where I Need To Be
See The World
Matchbox
Is It Me?
Ooh La

Es dauerte dann auch gar nicht mehr lange, bis sich der Himmel heftigst verdunkelte und die ersten Blitze am Himmel zuckten. Letztlich hielt sich das Ausmaß des Gewitters in Grenzen, aber es hätte auch ganz anders kommen können und so war die Sicherheit aller Besucher gewährleistet worden, die über das Festivalradio CAMP.FM und Lautsprecher-Durchsagen auf dem Laufenden gehalten wurden. Viele entschieden sich natürlich dafür, den etwas verfrühten Heimweg anzutreten, was wiederum zu unvermeidbaren Staus führte. Etwa 10.000 Hartgesottene harrten jedoch der Dinge, die da noch kommen sollten und gegen 22 Uhr war auch klar, dass sowohl FACE TO FACE als auch DEICHKIND spielen würden.

FACE TO FACE

Kurz vor 23.00 Uhr war es dann auch soweit und FACE TO FACE aus Victorville in Kalifornien hauten ihren klassischen Punk-Rock auf der Tent Stage raus. Das Zelt hatte sich etwa zur Hälfte mit Zuschauern gefüllt; vielleicht waren das diejenigen, die keine Gummistiefel für den Matsch draußen dabei hatten, vielleicht war’s aber auch einfach die Fraktion, die noch ein letztes Mal Pogo tanzen wollte, wofür der Dreier bestehend aus Trever Keith, Scott Shiflett und Pete Parada, der sich bereits 1991 formiert, Ende 2003 aufgelöst, aber 2008 wieder zusammengefunden hat, mit Sicherheit das passende Repertoire mitbrachte.

DEICHKIND

Bereits gegen 22.30 Uhr starteten DEICHKIND ihre Show und mit dem Bandnamen und als waschechte Hamburger konnte die Jungs das Wetter ja sowieso nicht schrecken. Außerdem war es inzwischen ja zumindest von oben wieder trocken und am Ende eines solchen Festival-Wochenendes spricht ja gegen Pfützentanzen sowieso nichts mehr. Zudem haben DEICHKIND auch immer ihr Schlauchboot dabei, das auch an diesem Abend – wenn auch mit etwas Verspätung – bei „Hovercraft“ zum Einsatz kam. Im Gummigefährt ging’s über die Menge – zur Not hätten die Tech-Rapper auch über die Fläche paddeln können, aber so schlimm ist es ja glücklicherweise gar nicht gekommen. Außerdem hatten die DEICHKINDer auch ihre riesige „Zitze“ (eine Art Pyramide mit Euter) am Start, die passend zu „Prost“ angezapft wurde, ehe das Schlauchboot noch ein letztes Mal auslief und es Federn sowie bunte Papierschnitzel regnete.

Mit einer etwa halbstündigen Verzögerung und nur einem kleinen KOOKS-Appetithappen ging das 2011er Area 4 schließlich ohne weitere Zwischenfälle zu ende. Wäre es gänzlich trocken geblieben, wäre es noch ein bisschen schöner gewesen, aber auch so konnten die 20.000 Besucher ein tolles Wochenende mit insgesamt 49 Bands erleben. An dieser Stelle noch einmal die besten Genesungswünsche an Nicolas Müller, der mit JUPITER JONES eigentlich die 50. Band gestellt hätte, aber hoffentlich bald wieder im wahrsten Sinne des Wortes auf den Beinen ist.

Zum Schluss noch ein paar Zahlen für die Statistiker unter den Terrorverlag-Lesern: Für das Area 4 wurden ca. 10 km Bauzaun aufgestellt, außerdem 260 m Polizeigitter und 220 Mobiltoiletten. Den 20.000 Festival-Jüngern stand ein 37.000 qm großes Festivalgelände zur Verfügung, außerdem 322.000 qm Zelt- und Parkflächen. Für die Wohnmobile waren 54.000 qm reserviert, der übrige Campingbereich machte 182.0000 qm aus, während die Crew auf 24.600 qm untergebracht war. Etwa 100 Sanitäter und 300 Securities kümmerten sich um die Gesundheit und Sicherheit der Gäste, hatten aber glücklicherweise nicht ungewöhnlich viel zu tun, sieht man mal davon ab, dass Jared Letos Aufruf, 20 Mädels mögen zu ihm auf die Bühne kommen, dazu geführt hat, dass die Ordner deutlich mehr als 20 Damen über die Absperrung hieven mussten. Die Mainstage brachte es auf eine Größe von 40 m Breite bei einer Tiefe von 27 m und 15 m Höhe. Die Club Stage maß immerhin noch 20 x 18 m.

Ob all dies im nächsten Jahr wieder auf dem Flugplatz Borkenberge zum Einsatz kommt, steht heute leider noch nicht fest, da die Veranstalter mit erheblichen behördlichen Auflagen zu kämpfen haben, die zu deutlichen Mehrkosten und erheblichen Einschnitten bei der flexiblen Gestaltung eines solchen Festivals mit allen seinen Unwägbarkeiten führen. Dass es diese amtlichen Reglements, die nach der Katastrophe von Duisburg ausschließlich in NRW eingeführt wurden, gar nicht braucht, hat das umsichtige Handeln aller Beteiligten (Veranstalter, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste) angesichts der Unwetterwarnung gezeigt. Auch dass sogar der Bürgermeister der Stadt Lüdinghausen kein Verständnis für die neuen Maßgaben hat und die bisherigen Regelungen für ausreichend hält, spricht zweifelsohne Bände. Hoffen wir, dass auch 2012 wieder am Borkenberge gerockt werden kann, denn das Ambiente und die Location sind einfach perfekt.

Copyright Fotos: Uli Klenk

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