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ATROCITY – LEAVES’ EYES – BATTLELORE

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Ort: Osnabrück - Lagerhalle

Datum: 05.10.2004

Ein 3-Mäderl-Abend plus Ehemann, so in etwa hätte der Slogan für den anstehenden Abend aussehen können. In der Osnabrücker Lagerhalle hatten sich nämlich gleich 4 Bands angesagt, von denen man 2.5 zu dem oft despektierlich „Trällerelsen-Metal“ genannten Genre zählen konnte. Ich war sehr gespannt, wie viele Zuschauer Liv Kristines neue Formation LEAVES’ EYES ziehen würde, da sie ja in letzter Zeit durch den gesamten deutschen Alternative-Blätterwald geflattert war. Also auf nach Niedersachsen, begleitet von einem Fotographen und einem abebbenden Unwetter. Ich hatte in der Universitätsstadt schon einige Locations inspiziert, aber die Lagerhalle war mir vorher nicht bekannt. Eigentlich ein netter, an der Rolandsmauer gelegener Laden, mit einem gemütlichen Kneipenteil. Der Konzertraum selber ist eher lang denn breit und verläuft nach hinten raus erhöht, so dass man auch von dort eine gute Sicht hat. Wenn aber eh nur 80 Leute anwesend sind, sollte man sich doch vielleicht bequemen, nach vorne zu kommen. Jedenfalls kann ich nicht verstehen, wie man erst Geld für so einen Abend ausgibt und dann gelangweilt hinten an den Tischen stehen bleibt.

Aber da lag noch einiges mehr im Argen: Bands wie Tourbegleiter waren nicht gerade zufrieden mit dem örtlichen Veranstalter, der in einigen Punkten eine eher schlechte Figur abgab. Den knapp 70jährigen an der Kasse konnte man sicher noch verschmerzen, aber dass man in Osna gleichzeitig noch ein Metal-Konzert veranstaltete (KATAKLYSM) nahm man nicht gerade positiv auf. Zudem waren die Bandnamen der 2 Supports falsch geschrieben („ALLIS“ & „BATTLEGORE“, eigentlich ja eine ziemlich coole Bezeichnung, die Fantasy Metaller sollen glatt überlegt haben, sich spontan umzutaufen!). Auf der Homepage und vor Ort stand geschrieben, dass es um 20 30 Uhr los ginge, als wir dann aber recht pünktlich eintrafen, stand Sabine Dünser schon am Merchandise Stand und der Auftritt der Schweizer/ Liechtensteiner ward beendet. 6 Songs plus Intro hatte man laut Setlist zum Besten gegeben, wobei der Gesang von Anwesenden als zwar „gut“, aber auch zu leise gegenüber den Gitarren bezeichnet wurde. Wirklich schade, ich hätte mir die Ex-ERBEN DER SCHÖPFUNG gerne angeschaut.

So blieb mir nur das ELIS-Drumkit, welches auch der zweite Support BATTLELORE verwendete, derweil das entsprechende Gerät für die Double-Headliner schon hinten positioniert worden war. Das führte natürlich bei der nun auftretenden 7-Personen-Kapelle zu enormen Platzproblemen. Und die Napalm Records-Truppe war optisch wirklich eine Augenweide und erfüllte gleich mehrer Klischees auf nette Art und Weise. Da hätten wir die zierliche und irgendwie niedliche Sängerin Kaisa mit angeklebten spitzen Elfen-Öhrchen, einen Shouter mit Fell und Schwert in der Hand (die ganze Zeit!), einen glatzköpfigen Black Metal artigen Gitarristen, einen weiteren Saitenkünstler mit Rastas, den Bassisten in Mönchskutte und eine Keyboarderin im Mittelalterstoffgewand. Ergo: Es war wirklich was los, was immerhin ein paar Leute dazu brachte, sich vor der Bühne zu positionieren. Musikalisch hatte ich bisher nur am Rande von den Jungs und Mädels gehört, war aber angenehm überrascht. Ihre Mischung aus weiblichem, klaren Gesang, ein paar aggressiven Growl-Einlagen (leider zu leise), Keyboard-Tupfer und MAIDEN-artigen Riffs fand ich recht erfrischend und mitreißend. Das sahen wohl auch ein paar Metaller so, die ihre Matten kreisen ließen. Die Setlist bestand aus Stücken der beiden bisherigen Scheiben (2 mal „Where the Shadows lie“ und 3 mal „Sword’s Song“), plus dem brandneuen Track „Ghan of the Woods“. Man hatte auch den Eindruck, dass die Finnen (die ganz ordentliche deutsche Ansagen brachten) richtig Spaß an ihrer Musik haben, besonders die „Spitzmaus“ Kaisa überraschte mit ein paar unorthodoxen Tanzeinlagen. Im nach hinein wurde mir sogar noch eine handschriftliche Setlist überreicht, dafür vielen Dank an dieser Stelle!

Nun stand der heimliche (?) Höhepunkt des Tages an: LEAVES’ EYES, bestehend aus der ATROCITY-Instrumentalfraktion und der anmutigen Liv Kristine, die bekanntlich mit Alex Krull verheiratet ist. Die Mädels im Publikum rückten nach vorne, allerdings nicht in der Menge, dass man von einem angemessenen Rahmen hätte sprechen können. In Rostock ein paar Tage vorher sollen noch ein paar Hundert Leute die Norwegerin richtig abgefeiert haben. Hier aber wehte nur ein laues Lüftchen, welches zumindest Liv nicht zu beeindrucken schien. Mit beeindruckender optischer Präsenz und einer nahezu perfekten Sangesstimme intonierte sie ihre komplette Debüt CD „Lovelorn“ und zwar in exakt derselben Reihenfolge wie auf dem Silberling! Allzu viele schienen aber mit den Stücken nicht vertraut zu sein, außer vielleicht 3, 4 Mädels, die alle Texte mitsingen konnten. Liv bedankte sich mit einem freundlichen Lächeln, vielleicht hätte sie aber auch ein paar Ansagen bringen können, um das Eis noch mehr zu brechen. Die 2 Gitarristen plus Bassist mit merkwürdigem Hütchen spielten sich eher lustlos durch das Set und man merkte ihnen an, dass sie kaum mehr als Routine boten. Dafür kam der gute Alexander bei ein paar Stücken („Ocean’s Way“, „The Dream“, „Temptation“) als Duettpartner auf die Bühne und faszinierte vor allem mit einer unglaublich langen Haarespracht und seinem ausgefeilten Bongospiel. Er versuchte zwar mit allen Mitteln, die Anwesenden zum Klatschen und Tanzen zu bewegen, aber an diesem Abend schien eine gehörige Dosis Valium in der Luft zu hängen. Ergebnis: Man verzichtete glatt auf die angedachte Zugabe „Leaves Whisper“ von der ersten Single. Für mich persönlich ein interessanter Gig, obwohl das nicht ganz mein Genre ist, aber die Gitarren braten live doch sehr ordentlich.

Nun fand eine Art Wanderbewegung im Auditorium statt, die Mädels verschwanden, die „harten“ Jungs kamen nach vorne, voller wurde es dadurch nicht, ganz im Gegenteil. Eigentlich keine würdige Kulisse für so eine alteingesessene Truppe, deren Atlantis-Banner übergroß im Hintergrund angebracht worden war. Man startete dann auch gleich mit „Reich of Phenomena“ durch, welches ebenso wie das Gros der neuen Scheibe recht hart ausfällt. Vielleicht ist auch der härtetechnische Schlingerkurs zwischen den Veröffentlichungen ein Grund für eine eher unkonstante Fanbase. Zwischen „Gemini“, „Blut“, „Werk 80“ und der aktuellen CD liegen doch musikalische Welten. Die Setlist machte aber aus der Not eine Tugend und enthielt Stücke fast aller Schaffensperioden, natürlich mit Betonung der aktuellen Platte („Gods of Nations“, „Enigma“). Aber mit „The Great Commandment“ gab es auch eine schöne 80er Coverversion auf die Ohren, die gerade mir besonders gut gefiel. Alexander hatte sich hinter einem kunstvollen Mikro aufgebaut, welches ein wenig wie die abgespeckte Variante des MAYHEM-„Zinkens“ aussah, auch sonst verstand der Produzent und Vater etwas vom Posing. Die bereits erprobten Musiker, jetzt leicht martialischer gekleidet, boten wieder nur Standardkost, rifften sich allerdings spieltechnisch sehr akkurat durch die verschiedenen Genres. Sogar Liv kehrte – nun in einem neuen Kleid – wieder auf die Bühne zurück, um im Hintergrund Songs wie „Apocalypse“ oder „Clash of the Titans“ zu veredeln.

So verließen wir dann kurz vor Mitternacht den eher trüben Ort, der sicherlich für diese Acts so schnell nicht mehr gebucht wird. Schon komisch wie in der letzten Zeit doch einige Konzerte eher unspektakulär über die Bühne gehen, obwohl man doch andere Erwartungen hegte. An den Musikern hatte es jedenfalls heute am allerwenigsten gelegen, dass der Abend zu einer etwas lauen Angelegenheit mutierte…

SETLIST ELIS
Intro
Devil’s Temptation
Anger
Elis
Der letzte Tag
Lost Soul
For such a long Time

SETLIST BATTLELORE
Fangorn
Sons of Riddermark
Buccaneers Inn
Ghan of the Woods
Journey to undying Lands
The Mark of the Bear

SETLIST LEAVES’ EYES
Norwegian Lovesong
Tale of the Seamaid
Ocean’s Way
Lovelorn
The Dream
Secret
For Amelie
Temptation
Into your Light
Return to Life

SETLIST ATROCITY
Reich of Phenomena
Necropolis
God of Nations
Clash of the Titans
Enigma
The Great Commandment
Seasons in Black
Blut
Apocalypse
Omen
Cold Black Days
Shout

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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