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BELA B. Y LOS HELMSTEDT – THE TRACEELORDS

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Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 01.09.2006

Nachdem mit FARIN URLAUB ja ein Teil der „besten Band der Welt“ schon eine Visitenkarte im Ringlokschuppen abgegeben hatte (und bald wieder abgeben wird), war es nun an der Zeit, dass auch Dirk Felsenheimer alias Bela B. seine Solokünste in Ostwestfalen demonstriert. Das lockte die Massen an (2000 plus), wenngleich er den Laden nicht ganz ausverkaufen konnte. Viel junges Volk vorne, einige alte Hasen im hinteren Bereich, so war in etwa die räumliche Aufteilung der Zuschauer, die begierig auf ihren Meister warteten, derweil wir noch nett mit ihm plauderten, siehe Interview. Kurz vor 8 Uhr musste er dann aber los, da er vor seinem Support noch ein paar Worte ans Auditorium richten wollte, insbesondere in Bezug auf ein geplantes Geburtstagsständchen für seinen Drummer Danny Young. Aber auch THE TRACEELORDS wurden sehr sympathisch angekündigt, kein Funken von Starallüren bei Bela, der alle seine 7 Support Acts handverlesen hatte. Mir persönlich wären zwar TEMPEAU um Jan Plewka noch etwas lieber gewesen, aber das Leben ist kein Wunschkonzert.

So trat dann also gegen 20 Uhr das Hagener Schweinerock-Quartett auf die Bühnenbretter, welches mancherorts schon als deutsche Antwort auf POISON tituliert wurde. Energischer Punk ’n’ Roll mit viel Posing stand nun auf dem Programm, was insbesondere die jüngeren Fans schon richtig ausrasten ließ. Das Gekreische hoher Bauart erinnerte gar ein wenig an… aber lassen wir das. THE TRACEELORDS verfügen aber auch über genügend Bühnenerfahrung, um das Unterhaltungsheft fest in die Hand zu nehmen. Sänger/ Gitarrist Andy Brings war früher bekanntermaßen bei SODOM tätig und Christof Leim links kennt man als aufmerksamer Metal Hammer-Leser. „Slick Prolidol“, der Bassist mit den überdimensionalen Koteletten sowie Drummer Haan Hartmann komplettierten das Line Up. Mag auch Bandana-Andy nicht der allerbegnadetste Sänger sein, so kicken die Songs doch mächtig „ass“, die von allen 3 Longplayern der Truppe stammten. Insbesondere „My Evil Girlfriend“ ist hier zu nennen, zu dem auch ein Videoclip existiert. Während Andy sich immer mehr entblätterte und mit Saiteninstrument auch mal im Publikum verschwand, bewies Slick, dass er ebenso über eine passable Stimme verfügt. Geradezu euphorisch wurde schon in der Halle gerockt, was den Jungs die Feuchtigkeit in die Augen trieb. So verkündete man marketingtechnisch geschickt, dass man die aktuelle Scheibe „The Ali of Rock“ für nur 10 Euro erwerben könne an diesem Abend. Lässig auch vom Headliner, dies problemlos zu akzeptieren, da habe ich auch schon andere Geschichten gehört. Mit dem BONEY M.-Cover „Daddy Cool“, welches nun wirklich die meisten kannten, verabschiedete man sich mit bester Partymucke, bevor ein wenig Stage Diving einen überzeugenden Auftritt abschloss. THE TRACEELORDS sollten ihren Bekanntheitsgrad mit solchen Leistungen problemlos ausbauen können.

Dann aber war es Zeit für Mr. Kultmusiker himself BELA B. vor einem riesigen, flauschigen Backdrop mit BB-Bestickung, sah ein wenig nach 20er Varieté aus. In diesem Sinne traten dann auch die LOS HELMSTEDTs, seine umtriebige Backingband, in stylishen, einheitlichen Kostümen mit Armbinden auf. Und die 4 Herren plus Dame sind keine Unbekannten: Am Bass Tim Beam, normalerweise bei KNORKATOR tätig, und mehr als nur Ersatz für Ex-MAD SIN-Holly. Am Schlagzeug der Norweger Danny Young, bis zur Auflösung bei den genialen GLUECIFER beschäftigt. Wayne und Olsen, Belas Produzenten, sowie für alle weiblichen Stimmparts Ina Paule genannt Paule, die aufmerksame Fernsehzuschauer vielleicht aus der Münster-Serie „Wilsberg“ kennen. Da kann musikalisch schon mal nichts anbrennen, vor allem wenn sich dann noch Bela in feinen Zwirn mit Zylinder schmeißt und ebenfalls die Langaxt bedient. Passenderweise ging es dann gleich mit dem treibenden „Gitarre runter“ fetzig los, bevor mit „Versuchs doch mal mit mir“ und dem „Zapping Song“ nahtlos weiter gerockt wurde. Ohne allerdings das Geburtstagsständchen von Herrn Young zu vergessen, welches von vielen Hundert Kehlen mitgesungen wurde. Befürchtungen, Bela könnte evt. über zu wenig Solo-Material verfügen, wurden schnell ad acta gelegt. Hoffnungen, er würde vielleicht einen ÄRZTE-Song spielen, allerdings auch, da hält er es wie Farin. Und genau wie dieser mimt er auch immer gerne den Entertainer zwischen den Stücken, witzelt herum und liefert sich Spaßduelle mit seiner Combo. Ganz kann er dabei seinen blonden Kollegen nicht erreichen, da dieser einfach um einen noch spontaneren/ alberneren Wortwitz verfügt. Aber auch die Kompositionen an sich sind ja keineswegs immer spaßig angelegt, „Letzter Tag“ beispielsweise wurde einer verstorbenen Freundin gewidmet, hier wehte ein wehmütiger Hauch durch den Ringlokschuppen. Wohingegen „Der Vampir mit dem Colt“ zwar dem vor 2 Tagen dahingeschiedenen Western-Recken Glenn Ford ans tote Herz gelegt wurde, aber dennoch eher einem „lustigen“ Country Style verpflichtet war. Mit der wirklich genialen Single „1.2.3. …“ wurde erstmals ein Maximum an Stimmung aus dem Publikum geholt, bei diesem Rhythmus kann man einfach nicht still stehen. Die Charlotte Roche-Parts wurden dabei von Paule perfekt umgesetzt, genau wie sie die Lula gab im darauffolgenden „Hab keine Angst“. Von einem eindeutigen Statement gegenüber den neuen, „gebildeten“ Nationalisten eingeleitet rockte der frei im Netz saugbare Titel „Deutsche kauft nicht bei Nazis“ ebenfalls gehörig ab. So langsam neigte sich dann der Hauptteil des Sets auch schon wieder dem Ende zu, mit einer Quasi CINDY LAUPER-Coverversion („Money changes everything“) wurden die letzten drei Stücke angekündigt, darunter die „Traumfrau“, bei der natürlich auch 2 selbige Exemplare auf die Bühne geholt wurden, die ein wenig ihre hübschen Körper ausschüttelten. Aber das Ende ward da noch lange nicht gekommen, die Ostwestfalen plus Zugereiste forderten vehement eine Verlängerung.

So fehlte ja beispielsweise noch die erste Single „Tag mit Schutzumschlag“, die dann im ersten Zugabenblock wieder zu enthusiastischen Reaktionen führte. Danach hätte ich gar nicht mehr mit einer weiteren Extra-Zeit gerechnet, doch Bela sollte seinem Versprechen, 2 Stunden lang zu performen, absolut gerecht werden. Jetzt wurde es gar erst richtig spannend, da nun Danny und Herr B. die Plätze tauschten, um ein RAMONES-Cover zu zelebrieren. „Pet Sematary“ Titeltrack der King-Adaption „Friedhof der Kuscheltiere“ wurde allerorten lauthals mitgegrölt, dasselbe übrigens was auch der langhaarige Schlagwerker mehr oder weniger mit seinen Vocals anstellte. Umso kontrastiger das darauffolgende Duett mit Paule, welches auf den Namen „Leave“ hörte und ursprünglich mal mit Lula für den „Kaliber Deluxe“-Soundtrack eingespielt wurde. Gänsehaut pur! Und man wollte uns immer noch nicht in die Nacht entlassen, zuguterletzt war auch noch der Bonus Single Song „Loverboy“ an der Reihe, bevor sich Bela mit der Bemerkung „Bielefeld, ihr seid das lauteste Publikum“ (zumindest an diesem Tag, Ergänzung meinerseits) verabschiedete.

Ein fettes, fair bepreistes Konzert (21 Euro), welches die vielen Stärken und die kleinen Schwächen des „Drum-Arztes“ deutlich offen legte. Die Ansagen vielleicht ein wenig reduzieren und ein zweites Album, welches 1, 2 Filler aus der Setlist stößt, und schon sollte einer sehr erfolgreichen Soloschiene des junggebliebenen Mitvierzigers aber auch gar nichts im Wege stehen. In diesem Sinne bis bald mal wieder Bela!

Setlist THE TRACEELORDS
She’s back
Instead
Take a Mental Picture
Silver Lining
People My Age
Mr. Marple
My Evil Girlfriend
Everything is just perfect
Daddy Cool

Setlist BELA B. Y LOS HELMSTEDT
Gitarre runter
Versuchs doch mal mit mir
Zapping Song
Irgendetwas bleibt
Wenn das mal Liebe wird?!
Der Vampir mit dem Colt
Letzter Tag
Was ist nur los…?
Lee Hazlewood & das erste Lied des Tages
1.2.3. …
Hab keine Angst
Deutsche kauft nicht bei Nazis
Money changes everything
Traumfrau
Wiehr thind sssuper

Sie hat was vermisst
Tag mit Schutzumschlag

Pet Sematary
Leave

Loverboy

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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