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BJERGA/ IVERSEN – AALFANG MIT PFERDEKOPF – FEU FOLLET/ MIINA VIRTANEN

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Ort: Köln - Kulturbunker

Datum: 04.04.2007

Es ist mal wieder ein langer Abend in Köln Mülheim. Der Kulturbunker hat geladen und dank einem Programm, das an Buntheit und stilistischer Bandbreite kaum übertroffen werden kann, haben sich doch immerhin ca. 40 interessierte Besucher trotz angenehmem Frühlingswetters in der großen Konzerthalle zusammengefunden. Zunächst kombinieren FEU FOLLET und MIINA VIRTANEN Literatur mit ambienten Pianoklängen à la Brian Eno und Harold Budd in einem atmosphärischen Set, wonach AALFANG MIT PFERDEKOPF durch ein einstündiges Punk-Gaga-Spektakulum tanzen, das genauso viele Besucher begeistert wie verschreckt. Doch der Hauptact heute Abend sind die beiden Norweger Bjerga und Iversen, deren Tour durch halb Europa sie bereits in das riesige „La Generale in Paris“ geführt hat, wo sich verschwitze Menschenmassen an zwei parallel bespielten Bühnen entlang drückten, wo doch der experimentierfreudige Wohnzimmer-Industrial des Duos eher in die kleineren Clubs passt.

Weswegen man in Köln gewiss besser aufgehoben ist, vor einem Publikum, welchem die Aktivitäten der umtriebigen Klangforscher nicht komplett fremd sein dürften. Schließlich handelt es sich bei Jan-M. Iversen nicht nur um den Kopf des TIBProd Labels, welches es inzwischen dank seines erkennbaren DIY-Stils und einer farbenfrohen Veröffentlichungspolitik (Ex-TANGERINE DREAM Mann Conni Schnitzler bot Iversen ein kostenloses Download Album an) doch zu einigem Ansehen gebracht hat, seine Kollaboration mit Sindre Bjerga ist eine der produktivsten Projekte derzeit: Über 30 Alben in zwei Jahren, da kommt schon mal der Verdacht der Überproduktion auf. Wie die beiden heute aber beweisen, geht es ihnen um etwas gänzlich anderes.

Zunächst einmal fällt die entspannte Art und Weise auf, in der man sich da oben auf der Bühne hingefläzt hat, eine Hand an den Reglern, die andere am Bier, ganz so als handle es sich dabei um eine lockere Sitzung in den eigenen vier Wänden oder ein gemütliches Picknick. In einem Umkreis von knapp zwei Metern liegen unsystematisch verstreut Effektgeräte, Sampler, Babybanjos und Kinderklaviere, eine E-Gitarre, Metallstäbe und vieles andere mehr. Ausgehend von einem Zischen und Zirpen bewegt sich die Musik zunächst im Noise-Bereich, wandelt sich aber zunehmend in hellere Collagen dank der rhythmischen Beiträge von Bjerga, der in wechselnden Abständen die Instrumente hervorkramt und ihnen mal sehr reale, mal völlig verfremdete Klänge entlockt. Die Boxen hat man fast auf sich selbst gerichtet, um alle Feinheiten des eigenen Spiels mitzubekommen, bei der ungewohnt niedrigen Lautstärke wirkt das aber schon längst nicht mehr so grimmig und finster wie bei vielen Kollegen, sondern eher beschaulich und fast schon angenehm altmodisch, dabei aber immer abwechslungsreich und sympathisch verspielt.

Dass man das zwar respektieren, aber nicht unbedingt bierernst nehmen muss, wird spätestens dann klar, wenn Sindre auf einem Mini-Saxophon feine Obertöne produziert, während die Klangmassen um ihn herum sanft aufbrausen. Irgendwie hat diese Performance etwas von den Hippie-Sitzungen der 60er und 70er: Nichts ist vorbereitet, man musiziert locker zusammen und nachher geht man mit dem Publikum noch einen rauchen oder trinken. Dass aus letzterem leider nichts wird, liegt dann an der fortgeschrittenen Stunde, denn um viertel nach zwölf müssen die meisten ihren Zug nach hause erwischen. Trotzdem hat man das Gefühl, zwar leicht angemüdete, aber dennoch hochzufriedenen Gesichter verschwinden zu sehen. Es war eben mal wieder ein langer, aber auch ein toller Abend in Mülheim.

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