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BLACKMAIL – ZEN ZEBRA

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Ort: Bielefeld – Forum

Datum: 10.02.2012

Als BLACKMAIL zuletzt im Bielefelder Forum gespielt haben, war das im Rückblick ein nahezu denkwürdiger Gig, denn wenige Tage später trennte sich die Band nach 15 Jahren von ihrem Sänger Aydo Abay. Inzwischen macht Mathias Reetz seit zwei Jahren einen hervorragenden Job an Mikro und Gitarre, und auch eine gemeinsame Platte namens „Anima Now“ haben die Koblenzer Indie-Veteranen 2011 erfolgreich in die Charts gebracht, so dass es eindeutig mal wieder an der Zeit war, in der Leineweberstadt vorbeizuschauen.

Wie es sich gehört, waren BLACKMAIL nicht allein gekommen, sondern hatten einen vielversprechenden Support mitgebracht, der vor gar nicht so langer Zeit noch bei Kurt Ebelhäuser im Studio zu Gast war, um an den elf Songs seines Debüts „Awaystation“ zu feilen. Die Rede ist von der Leipziger Formation ZEN ZEBRA, die Postcore allererster Güte zum Besten gab und uneingeschränkt zu überzeugen wusste. Zwar hielten die Ostwestfalen mal wieder einen gehörigen Sicherheitsabstand, den sie auch im Laufe des 40-minütigen Auftrittes des energiegeladenen Fünfers kaum reduzierten, aber der druckvolle ZEN-ZEBRA-Sound veranlasste den einen oder anderen dann doch schon bald zum Tanzen. Besonders hervorzuheben ist das grandiose RÖYKSOPP-Cover „What Else Is There?“, dem ZEN ZEBRA zu unerwarteter Härte verholfen haben, was der Nummer jedoch ganz hervorragend stand. Im Anschluss wurden noch einmal alle Verzerrer auf Anschlag gedreht, Sänger Marv Endt kauerte auf dem Boden, schnappte sich ein Tamburin und brach am Ende noch ein mal in leicht irres Gekreische aus, das die Langaxtfraktion bestehend aus Eric Badstübner und Stefan Heinrich nicht nur zu diesem Zeitpunkt mit fettem Geschrammel und Geschwurbel begleitete, während Lars Wollmann am Bass und Drummer Johnny Cotta für ein solides Rhythmusfundament sorgten. Nur selten nahmen die Jungs Druck oder Tempo raus und zweifellos entfaltete die Kapelle ihr Können insbesondere dann, wenn sie Vollgas gab. Wir freuen uns auf die noch nicht terminierte Veröffentlichung der ersten Langrille, die der EP „Take Back The Reins Apollo“ folgt.

Nun musste nur noch die Stage für BLACKMAIL präpariert werden und schon konnte um 21.25 Uhr das „Santa-Rosalia“-Intro vom aktuellen Longplayer „Anima Now“ erklingen, ehe es mit „Resonant Wave“ vom gleichen Silberling nicht minder krachend weiterging. Wie üblich konnte man Chef-Gitarrist Kurt Ebelhäuser dabei beobachten, wie er sein Instrument von oben bespielte, statt die Akkorde wie sonst üblich von unten zu greifen, ehe der grummelnde Stomper „Evon“ (2003 auf „Friend Or Foe?“ erschienen) langsam Fahrt aufnahm. Inzwischen hatten sich auf die arg zurückhaltenden Bielefelder bis vor die Bühne gewagt und lauschten andächtig dem knackigen „The Mentalist“ vom 2008er „Tempo Tempo“, ehe sie „Away With The Fairies“ („Aerial View“ – 2006) mit seinem fetten Geschrammel mit Akklamationen bedachten. Mit dem temporeichen „Deborah“ gab’s erneut aktuelles Material auf die Ohren, was auch für „Telescope“ mit seinem Stakkato-Start und das krachende „The Whys of The Ways“ galt. Das blitzschnelle „It Could Be Yours“ ging umgehend ins Bein und wurde ZEN ZEBRA gewidmet, bevor „Monographic Doll“ keine Zeit verlor und mit Schmackes weitermachte. Keine vier Jahre alt, zählt der bassbetonte Hammer „It’s Always A Fuse To Live At Full Blast” mit seinen orientalisch angehauchten Keyboard-Zwischentönen, für die ein namenlos gebliebener Musiker sorgte, ebenso wie „(Feel It) Day By Day“ zu den BLACKMAIL-Klassikern, die dankenswerter Weise in aller Ausführlichkeit zelebriert wurden. Längst hatte sich auch die Zurückhaltung der Ostwestfalen gelegt, die inzwischen ausgelassen tanzten, lauthals mitsangen und reichlich Beifall spendeten.

Auf diese Weise endete nach einer knappen Stunde das reguläre Set, aber allein der Umstand, dass Bassist Carlos Ebelhäuser erst gar keine Anstalten machte, seinen Arbeitsplatz zu verlassen, brachte die Erkenntnis, dass es auf jeden Fall noch einen Nachschlag gäbe. Ein langes Intro eröffnete deshalb schon bald das sphärische „Night School“, welches insgesamt ruhiger blieb als die restlichen Nummern und nahtlos von einem weiteren Highlight abgelöst wurde. Auf dem Programm stand „Same Sane“, das einmal mehr für Bewegung im Forum sorgte und vom grandiosen „Friend“ gefolgt wurde. Hier bekam auch Drummer Mario Matthias noch mal gut zu tun, wohingegen der Tastenmann sich irgendwann ins Off verabschiedete, während die Langäxte noch minutenlang und auf das Feinste bearbeitet wurden. Fast schien es, als wollten die vier Musiker gar nicht von der Bühne gehen. Mario täuschte zwischenzeitlich sogar einen „Live Is Life“-Trommelwirbel an, den seine Kollegen an den Krachlatten zum Anlass nahmen, noch einmal so richtig los zu legen. Schließlich endete der Gig dann aber nach annähernd 80 Minuten beinahe so wie er begonnen hatten: mit ein paar Takten „Santa Rosalia“ und wahrlich verdientem Applaus.

Setlist BLACKMAIL
Santa-Rosalia-Intro
Resonant Wave
Evon
The Mentalist
Away With The Fairies
Deborah
Telescope
The Whys of The Ways
It Could Be Yours
Monographic Doll
It’s Always A Fuse To Live At Full Blast
(Feel It) Day By Day

Night School
Same Sane
Friend

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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