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BLANK & JONES/ SCHUMANN CAMERATA

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Ort: Düsseldorf - Robert-Schumann-Saal

Datum: 26.05.2006

Unter dem Titel „440Hz – New Frequencies in Classical Music“ wird in Düsseldorf seit Oktober 2005 versucht, klassische Musik mit „modernen”, ungewohnten Einflüssen zu kombinieren, um so ungewöhnliche Klangerlebnisse für ein breiteres Publikum zu erschaffen. Als Paten dieser aufregenden Konzeption muss man u.a. Eckart Schulze-Neuhoff nennen, den Leiter des Robert-Schumann-Saals, in den es uns an diesem nasskalten Freitagabend dann auch verschlug. Denn nach Kollaborationen mit den WISE GUYS (einer bekannten deutschen A-cappella-Formation) sowie der Sopranistin Marlis Petersen stand heute eine durchaus terror-affine Kombination auf dem Programm: Die Trance-Päpste BLANK & JONES wollten zusammen mit der SCHUMANN CAMERATA die Verbindungen zwischen Klassik und elektronischen Klängen aufzeigen, mithin das bisher wagemutigste Projekt der Reihe. Piet und Jaspa zählen ja nicht erst seit ihren Zusammenarbeiten mit ANNE CLARK oder Robert Smith (THE CURE) für innovative Ideen, wenn es darum geht, aus ihrem engen Genre-Korsett auszubrechen. So machten wir uns also auf den Weg in die Landeshauptstadt und erreichten pünktlich gegen 20 30 Uhr das direkt am Rhein gelegene Kulturzentrum Düsseldorf, mit all seinen Museen und Konzertsälen. Vorab stand bereits zu lesen, dass es ausnahmsweise weder Garderobenpflicht noch Bestuhlung geben würde, man wollte das Konzert zu einer lockeren Tanzveranstaltung machen. Und so tummelten sich bereits einige Hundert neugierige Besucher im Foyer der Location, Sekt machte die Runde, ein Merchandise Stand durfte ebenfalls nicht fehlen. Die Vorstellung konnte beginnen…

Im eigentlichen Konzertsaal war die Bühne bereits entsprechend vorbereitet worden: Auf der linken Seite ein DJ Pult mit allerlei elektronischen Klanggeräten für das dynamische Duo, ansonsten bestimmten Stühle, Notenständer und Dirigentenpult die Szenerie, ganz hinten rechts befand sich auch ein Flügel. Der Raum füllte sich schnell, viele Besucher zeigten ihre Vorliebe für BLANK & JONES schon äußerlich anhand ihrer T-Shirts, und am anderen Ende befand sich erhöht eine kleine Tribüne für diverse Sitzwillige. An die 1000 Menschen dürften es gewesen sein, die sicher auch vom fairen Preis von 18 Euro angelockt worden waren. Mit kurzer Verspätung ging es dann gegen 21 15 Uhr los mit der Veranstaltung, die in feines schwarz gewandeten Musiker (vorwiegend Damen) nahmen ihre Streichinstrumente in die Hand und performten als eine Art Intro die „Overture on Treasures and Cream“. Nicht zu vergessen noch die persönliche Begrüßung des bereits angesprochenen Herrn Schulze-Neuhoff, dem man seine Neugier und Begeisterung für das Event förmlich ansah. Danach stellte sich auch Dirigent (sowie künstlerischer Leiter der 440Hz-Reihe) Alexander Shelley vor, der schon äußerlich einen recht pop-kulturigen Eindruck machte. Doch nun wurde es noch einmal lauter in der „heiligen Halle“: Die Herren Blank, Jones und Kaufhold (man performt zu dritt!) nahmen Platz hinter den Synthesizern, leger gekleidet, etwas nervös aber guten Mutes. Nach einer weiteren Vorstellung und gegenseitigen „Lobzuweisungen“ ertönte dann auch noch ein elektronisches Intro von BLANK & JONES, derweil die Streicher andächtig und stilvoll verharrten.

Es folgte dann mit „Watching the Waves“ die erste „wirklich“ zusammen gespielte Nummer, wobei sich der Einsatz der Camerata auf eine kurze Passage beschränkte, welche zudem lautstärkenmässig nicht optimal aufeinander abgestimmt schien. Die Sequenzer waren einfach zu laut. Im Gegensatz dazu dann wieder ein Solostück der klassischen Musiker mit Samuel Barbers „Adagio“. Der letzte Titel vor der nun angekündigten Pause hieß „Nightfly“ und wurde bereits nach wenigen Tönen von der Fangemeinde heftigst bejubelt, Jaspa zeigte mit der Hand die Richtung an: Nach oben, zu den Sternen, und einige Besucher nutzten diese Aufforderung zum Tanzen. Nach ca. 45 Minuten stiefelten die Musiker umjubelt von dannen, um uns eine knapp halbstündige Pause zu gönnen. Schon recht nett anzuhören das Ganze, aber ich hatte mir doch mehr „Synthese“ vorgestellt, die Integration zweier Welten, nicht das nebeneinander her spielen. Das sollte sich aber im nun folgenden zweiten Teil gründlichst ändern. Zunächst stieg man mit einer reinen Klassikperformance wieder ins Rennen ein, dargeboten wurde „Sospiri“, eine Komposition des Engländers Edvard Elgar (1857 – 1934) für Streicher und Orgel, entsprechend wurde nun auch das Piano bedient. Dass man diesem Stoff auch neuzeitlich beikommen kann, bewies die nachfolgende Re-Interpretation zusammen mit BLANK & Co., der Sound schien nun optimal aufeinander abgestimmt, äußerst gelungene Klangwelten taten sich auf. Das setzte sich beim nachfolgenden Song „Mulholland Drive“ fort, Kino-Enthusiasten werden sicher sofort an David Lynch denken und richtig, hier haben die Damen und Herren den Filmscore des überaus fähigen Angelo Badalamenti in ein pulsierendes Stück Musik verwandelt, welches man ohne Probleme in die Sparte Future Pop einordnen könnte. Mit dem B&J-Hit „Beyond Time“ war dann schon wieder das Ende der Reise erreicht, die Stimmung im Auditorium schien so weit gelöst, dass man sich wie auf einer Dance-Veranstaltung im Club vorkam, jubelnde und schreiende Menschen allerorten. Interessant zu sehen, wie das Ensemble dabei versuchte, Haltung zu bewahren. Aber zum Schlussapplaus konnten auch sie aus sich heraus gehen, die 3 Elektroniker kamen nach vorne und verbeugten sich artig, abgesehen von den vielen Verbrüderungsszenen mit dem umtriebigen Herrn Shelley. Doch so einfach wollte man noch keinen Schlussstrich unter den Abend ziehen, die vielen Zugaberufe „zwangen“ die Musiker zu einer Verlängerung in Form des bereits gespielten „Elgar-Tracks“ – natürlich in der Crossover-Variante.

Eigentlich sollte ich diesen Begriff ja nicht verwenden, aber dem ursprünglichen Gedanken nach, also der Verbindung zweier anscheinend gegensätzlicher Klangwelten, entsprach die Veranstaltung insbesondere im zweiten Part zur vollsten Zufriedenheit. Dementsprechend gut gelaunt konnte man sich im nachhinein noch der Aftershowparty mit Musikern und Verköstigung widmen oder einfach den „Nightfly“ in die Realität antreten. Experiment gelungen, mögen noch viele weitere folgen!

Setlist
Overture on Treasures and Cream (SCHUMANN CAMERATA) – Alexander Shelley
Intro (BLANK & JONES)
Watching the Waves (SCHUMANN CAMERATA/ BLANK & JONES)
Adagio (SCHUMANN CAMERATA) – Samuel Barber
Nightfly (SCHUMANN CAMERATA/ BLANK & JONES)

Sospiri (SCHUMANN CAMERATA) – Edvard Elgar
Sospiri (SCHUMANN CAMERATA/ BLANK & JONES) – Edvard Elgar
Mulholland Drive (SCHUMANN CAMERATA/ BLANK & JONES) – Angelo Badalamenti
Beyond Time (SCHUMANN CAMERATA/ BLANK & JONES)

Sospiri (SCHUMANN CAMERATA/ BLANK & JONES) – Edvard Elgar


Copyright Fotos: Karsten Thurau

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