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BOPPIN’B – MR. CRACKER

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Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 29.12.2012

Man kann BOPPIN’B wohl definitiv keine Faulheit vorwerfen. Die fünf Jungs aus Aschaffenburg bringen es seit ihrer Gründung im Jahr 1985 auf mehr als 5.000 Konzerte und das elfte Album „Monkey Business“ ist Ende Oktober erschienen. Mit diesem Silberling touren die Rockabilly-Spezis momentan durch die Lande und haben sich selbst über Weihnachten nur eine minimale Pause gegönnt. Am zweiten Weihnachtstag standen BOPPIN’B wie üblich bereits wieder im heimischen Colos-Saal auf der Stage und beehrten zwischen den Jahren schließlich u.a. auch Osnabrück, wo sie vermutlich auf deutlich weniger Zuschauer als bei ihrem Heimspiel trafen. Das ehemalige Kino am Rosenplatz hätte zweifelsohne noch ein paar zusätzliche Besucher vertragen können und wie üblich zeigten sich die Hasestädter auch mal wieder vergleichsweise reserviert, aber immerhin wussten sie auf die Frage „Do you feel alright?“ die richtige Antwort.

Zuvor präsentierten sich jedoch vier junge Herren aus dem Artland, die man bereits auf diversen Stadtfesten live erleben durfte. Die Rede ist von MR. CRACKER, die in der klassischen Kombination Schlagzeug, Gitarre, Kontrabass und Gesang angetreten waren. Angetan mit schwarzen Hosen und orangeroten Hemden enterten die Jungspunde pünktlich um 21.00 Uhr die Bühne und luden zum Aufwärmen für Silvester ein. „Rock This Town“ war entsprechend die Aufgabe des Abends und wenn man auch noch auf Abstand blieb, so wurde doch vereinzelt schon getanzt und die Petticoats geschwungen. „Rock’n’Roller“ blieb temporeich und forderte zum Mitmachen auf, was allerdings nur leidlich klappen wollte. Für den Evergreen „Be Bop A Lula“ kam Drummer CandyHeart (Michael Krogmann) mit nach vorn, kehrte aber hinter seinen Steh-Arbeitsplatz zurück, nachdem er den Ausflug ins Publikum, den er gemeinsam mit Gitarrist CrackheadMoon (Konstantin Gur) unternahm, absolviert hatte. Zu „Shake Rattle And Roll“ turnte CandyHeart wenig später auf seiner Basstrommel herum, während Master (Florian Risch) seinen Kontrabass am Boden bearbeitete und CrackheadMoon obendrein auf dem Instrument Platz nahm. Es ging wahrlich rund bei diesem rührigen Vierer, der sich jedoch auch auf ruhige Töne verstand, wie man mit „Stand By Me“ unter Beweis stellte. Dabei wechselte der Schlagzeuger zunächst an die Cabasa, ehe er wieder die Schießbude unter Feuer nahm und der Song mit Schmackes endete. Das folgende „Ich bin ein Mann“ wurde derweil dem Bassmann gewidmet, der eigens eine schwarze Lackledermütze verpasst bekam, die allerdings nicht ganz klar machte, ob es sich jetzt um ein Rocker-Accessoire oder eher ein Leder-Schwuppen-Outfit handelte. Die Herrschaften waren auf jeden Fall im Highspeed-Modus unterwegs und auch der „Amtssong“ wurde mit viel Drive zelebriert. Das Auditorium wusste alles mit artigem Applaus zu bedenken, zeigte sich aber auch hinsichtlich der diversen akrobatischen Einlagen an und auf den diversen Musikinstrumenten doch sehr zurückhaltend. Beim Klassiker „Hit The Road Jack“ war der Gesang der Zuschauerschaft dann immerhin okay, auch wenn man ähnliches schon deutlich enthusiastischer hören konnte (vgl. THE BASEBALLS). Die Osnabrücker sind halt immer ein wenig unterkühlt, Artländer werden das ob der geografischen Nähe bestimmt richtig einordnen können und entsprechend legten der Sänger Mr. Cracker (Alexander Pampel) und seine Mitstreiter mit „Tainted Love“ auch noch einmal in Hochgeschwindigkeit nach. Zum Abschluss wurde sich zu „Mofagäng“ noch vermittels Stahlhelm, Fuchsschwanz und Motorradbrillen kostümiert, dann verabschiedeten sich MR. CRACKER nach 45 Minuten auch schon mit einem letzten Hinweis auf ihre Homepage www.mrcracker.de und hinterließen ein Publikum, das bestens auf die kommenden zwei Stunden mit BOPPIN’B vorbereitet worden war.

Setlist MR. CRACKER
Rock This Town
Rock’n’Roller
Be Bop A Lula
Shake Rattle And Roll
Stand By Me
Ich bin ein Mann
Amtssong
Hit The Road Jack
Tainted Love
Mofagäng

Um 22.10 Uhr ging der Fünfer aus Nordbayern dann auch gleich mit „Call It Rock’n’Roll“ von ihrem jüngsten Baby in die Vollen. Auch wenn die Herren Michael Treska (Gesang & Gitarre), Didi Beck (Kontrabass), Golo Sturm (Gitarre), Thomas Weiser (Drums) und Frank Seefeldt (Saxofon) ein paar Jahre mehr als die Support-Band auf dem Buckel haben, sparten BOPPIN’B nicht an sportlichen Einlagen. Gleich zu Beginn konnte man Didi auf seinem Arbeitsgerät stehen sehen und bei „Honey Hush“ lag er gar am Boden und balancierte sein nicht eben kleines Instrument auf den Füßen, während Dodo auf der Basstrommel Aufstellung genommen hatte. Am mangelnden Körpereinsatz lag es also nicht, dass die Osnabrücker weiterhin einen gewissen Abstand hielten, auch wenn direkt vor der Bühne bereits ordentlich getanzt wurde. Unbedarfte Erstbesucher eines BOPPIN’B-Konzertes mögen sich zu diesem Zeitpunkt auch über die vereinzelten „Scheiß Kapelle“-Rufe gewundert haben. Die hatten jedoch durchaus seine Richtigkeit und erfreuten die Mannen sogar, denn bei den Unterfranken ist genau das die Antwort auf ihre Frage nach dem Wohlbefinden. So groovten sich BOPPIN’B auch schon bald mit „Ruby“ ins Herz ihrer Fans, bevor bei „16 Chicks“ das Saxofon im Mittelpunkt stand und Michael zu „Rockin’ Rollin’ Stone“ zu seiner Akustikklampfe griff. Für „Chemical Reaction“ wechselten er und der Saxofon-Mann an verschiedene Rhythmusgerätschaften und verdonnerten das Publikum zum Klatschen und Schreien, was bei diesem SASHA-Cover im Calypso-Gewand auch gut klappte. Ganz offensichtlich war das Auditorium inzwischen auf Betriebstemperatur. Dass mit dem grandios an JOHHNY CASH erinnernden „If You Believe“ ein weiterer SASHA-Song auf der Setlist stand, kam nicht von ungefähr. Erstens hat der Schmuse-Sänger mit DICK BRAVE ja sein eigenes Rockabilly-Alter-Ego erschaffen, zweitens waren BOPPIN’B 2005 mit DICK BRAVE und den BACKBEATS gemeinsam auf Tour und haben eine komplette Platte mit SASHA-Hits im Rockabilly-Style gemacht („Bop Around The Pop“). Ein weiteres Schmankerl war die DEPECHE-MODE-Adaption „Enjoy The Silence“, die ebenfalls auf der neuen Scheibe zu finden ist und ein wenig Country-Feeling in den Rosenhof brachte. Mit „Mercury“ gab’s wieder die volle Rockabilly-Breitseite, bevor für „Jump Jive An’ Wail“ die nächste Akrobatik-Nummer anstand. Dafür gingen Sänger und Gitarrist in die Hocke und der Saxofonist nahm breitbeinig auf den Oberschenkeln der beiden Platz, bevor Dodo mitsamt seines Sechssaiters auf die Schultern seiner Kollegen an Saxofon und Kontrabass verfrachtet wurde – unnötig zu erwähnen, dass bei diesen Aktionen natürlich weiter musiziert wurde. Da nahm es sich fast schon entspannend aus, wenn Herr Seefeldt wie bei „Just Rockin’“ einfach nur auf seinem geschwungenen Holzinstrument lag. Nach jeder Menge Drive gab es mit „Broken Hearted Story“ was dramatisch-schönes fürs Herz, bei dem vereinzelt auch die Feuerzeuge gezückt wurden, doch mit „The Only Way“ wurde umgehend wieder Gas gegeben. „How Low“ spielte derweil mit den Tempi und gab dem Auditorium erneut ausgiebig Gelegenheit zum Mitsingen. Als weiterer Fremdbeitrag stand der JET-Klassiker „Are You Gonna Be My Girl“ auf der Setlist, gefolgt von der Eigenkreation „Hot Rod Girl“, bei der es für den jüngsten Besucher im Kindesalter eine Fanta gab. „Mambo #6“ tanzt man ganz offensichtlich, wenn man bei BOPPIN’B mit von der Partie ist und mit „Runaround Sue“ schloss sich ein Gassenhauer an, der Rockabilly erster Güte servierte. Traditionell ist „The Bop Won’t Stop“ die Abschlussnummer des regulären Sets und so war’s auch heute Abend. Natürlich war nach 95 Minuten an dieser Stelle jedoch noch nicht Schluss; einen kleinen Nachschlag hatten das Quintett noch im Köcher und zauberte mit „Stay“ Wüsten-Feeling, das auch einem Tarantino-Film gut anstünde. Nachdem das Saxofon hier eine Pause hatte, kehrte Thomas zu „I Need You So“ mit seinem Blechinstrument zurück und legte gleich einmal ein fettes Solo hin, bevor bei „Ein toller Tag“ wieder alle Anwesenden gefragt waren. Die Osnabrücker zeigten sich textsicher und absolvierten nicht nur den „Nanana“-Part, sondern auch den Refrain fehlerfrei. Nach einem weiteren kurzen Break hieß die Aufforderung „Rock Me If You Can“, die vom coolen „Change My Life“ abgelöst wurde. Das finale „Gone With The Wind“ diente Sänger und Gitarrist Michael Treska nicht nur als Abschiedslied für diesen Abend, nein, er sagte damit auch der Band und den Fans Adieu, da er zum Jahresende BOPPIN’B verlassen wird. Begleitet wurde er an dieser Stelle nur von Kontrabass und Drums und legte mithilfe seiner akustischen Langaxt einen emotionsgeladenen Abgang hin, an dem auch die JOHNNY-CASH-Getreuen ihre Freude gehabt hätten.

Am Sonntag wird er noch ein letztes Konzert in Ingolstadt spielen, dann ist für Michael BOPPIN’B nach 17 Jahren Geschichte. Ersatz ist mit Sebastian Bogensperger bereits gefunden, es kann somit Mitte Januar direkt wieder auf Tour gehen. Der Mann kommt wie der Rest der Kapelle aus Aschaffenburg und bereits langjährigen BOPPIN’B-Fan. Beste Voraussetzungen also, um aus 5.000 Konzerten 6.000 zu machen. Viel Erfolg und Spaß dabei und natürlich dem Kollegen Treska ebenfalls alles Gute für die Zukunft!

Setlist BOPPIN’B
Call It Rock’n’Roll
King of Bongo
Honey Hush
Ruby
16 Chicks
Rockin’ Rollin’ Stone
Chemical Reaction
Rulez of Rock’n’Roll
Sh’Boom
Enjoy The Silence
Mercury
Jump Jive An’ Wail
If You Believe
Up Jumped The Devil
Just Rockin’…
Broken Hearted Story
The Only Way
How Low
Are You Gonna Be My Girl
Hot Rod Girl
Mambo #6
Runaround Sue
Feeling…
The Bop Won’t Stop

Stay
I Need You So
Ein toller Tag

Rock Me If You Can
Change My Life
Gone With The Wind

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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