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BOYSETSFIRE – KVELERTAK – TRUCKFIGHTERS (WESTEND FESTIVAL 2013)

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Ort: Dortmund – FZW

Datum: 04.10.2013

Wenn der Sommer sich schon verabschieden muss, dann doch wenigstens mit Pauken und Trompeten. Das scheinen sich zumindest die Kollegen der Visions zu denken, die inzwischen zum vierten Mal zum Westend Festival ins FZW nach Dortmund luden. An drei Tagen sollte in den verschiedensten Spielarten gerockt werden, so waren für den Prog- und Post-Rock-Auftakt am Donnerstag BARONESS, LONG DISTANCE CALLING und THE OCEAN verpflichtet worden und am Samstag standen mit den EDITORS und NEW DESERT BLUES treibende Indie-Sounds auf dem Programm. Der Terrorverlag war dabei, als knackige Langäxte das Wochenende am Freitag einläuteten. Dafür reisten die Hardcore-Veteranen BOYSETSFIRE aus den USA an und beehrten gleich zwei skandinavische Kapellen den Ruhrpott: die norwegischen Schwermetaller KVELERTAK und die schwedischen Stoner TRUCKFIGHTERS.
Die spielten allerdings um 19.30 Uhr noch vor vergleichsweise leeren Rängen. Kurzerhand war der Beginn des flotten Dreiers nämlich um eine halbe Stunde nach vorn verlegt worden – vermutlich, um einen pünktlichen Beginn der Konservenkost-Beschallung im Anschluss an das Live-Vergnügen zu gewährleisten. Dies hatte allerdings wohl zur Folge, dass einige nicht in den Genuss des schwedischen Rollkommandos kamen – schlicht, weil sie sich noch auf dem Weg in die Ritterstraße befanden. Niklas Källgren besser bekannt als Dango an der Gitarre, Oskar Cedermalm aka Ozo (Bass & Gesang) und Drummer Andre „Poncho“ Kvarnström ließen nämlich nichts anbrennen und legten mit ihrem krachenden Opener „Desert Cruiser“ vom 2005er „Gravity X“ einen donnernden Start hin. Insbesondere der halbnackte und gut gebaute Dango fegte unermüdlich über die Stage, hüpfte auf und ab, schüttelte sein Haar und strechte den Anwesenden immer wieder seine Zunge heraus. Nachdem auf diese Weise die ersten 15 Minuten der Show vergangen waren, ließ man seine Zuschauer wissen, dass man aus Örebro in Schweden käme und machte anhand des Ortsnamens gleich einmal ein paar Stimmübungen mit dem Auditorium. Grundsätzlich waren das gesprochene – und auch das gesungene – Wort allerdings irgendwie Nebensache bei den TRUCKFIGHTERS, die lieber ihre wuchtigen Krachlatten zu Gehör brachten und auf diese Weise auch neues Material an den Mann brachten. Genannt sei an dieser Stelle „The Chairman“ von der gleichnamigen EP, die als Vorbote für das neue Album, das Anfang 2014 frischen Wind in die Fuzzrock-Landschaft bringen soll, heute erschienen ist. Mit „Traffic“ beendeten die Schweden ihr Set nach 40 Minuten vergleichsweise versponnen. Zu guter Letzt sprang Ozo dabei noch in den Graben, hängte jemanden in der ersten Reihe seinen Stahlsaiter um und spielte dann noch ein paar Akkorde, bevor das Trio die Stage endgültig für den nächsten skandinavischen Leckerbissen räumte. Zweifellos ein gelungener Auftakt, der fragen lässt, warum die TRUCKFIGHTERS nach zwölf Jahren im Geschäft nicht schon viel bekannter sind.

Setlist TRUCKFIGHTERS
Desert Cruiser
Atomic
The Chairman
Monte Gargano
Traffic

Die TRUCKFIGHTERS sind es im Übrigen gewohnt, für KVELERTAK zu eröffnen, haben sie doch im Frühjahr noch als Supportkapelle für einige Gigs der Norweger fungiert. Diese enterten schließlich um 20.45 Uhr die weitgehend dunkle Bühne und nahmen an ihren Instrumenten Aufstellung, während Fronter Erlend Hjelvik mit einer riesigen Eule als Kopfschmuck angetan war. Ein wenig mehr Licht wäre an dieser Stelle nicht verkehrt gewesen, dann hätte man diese Besonderheit zweifellos auch besser im Foto festhalten können, aber die Bühnenshow der Nordmannen, die gleich mit drei Krachlatten und einem Tieftöner am Start waren, sah nun einmal anders aus. Für die inzwischen zahlreichen, überwiegend männlichen Gäste im ausverkauften FZW werden die norwegischen Texte vermutlich ein Buch mit sieben Siegeln geblieben sein. Ein Umstand, den man allerdings vernachlässigen kann, denn der brachiale Sound irgendwo zwischen Hardcore Punk, Rock’n’Roll und Black Metal sprach für sich. Erlend hatte wie sein Kollege Dango von den TRUCKFIGHTERS obenrum blank gezogen und schüttelte unablässig sein Haupthaar, gleichzeitig produzierten die fünf Instrumentalisten fette Sounds, denen man sich kaum entziehen konnte. Zwar blieben die Fans vergleichsweise zahm, ausschweifende Szenen gab’s vor der Stage kaum zu Gesicht, aber ganz offensichtlich gefiel dem Ruhrpott, was er da von KVELERTAK zu hören und zu sehen bekam. Der seit 2007 aktive Sechser hat in diesem Jahr seinen zweiten Longplayer „Meir“ rausgebracht, mit dem es zuhause bis an die Chartspitze ging und auch hierzulande war ein respektabler 64. Platz drin. Das Cover der Platte zierte als riesiges Backdrop den Bühnenhintergrund und mit „Evig Vandrar“ war auch ein Track dieser Full Length vertreten, der ausnahmsweise mal nicht mit bedingungsloser Ab-durch-die-Mitte-Attitüde startete, sondern sphärische Klänge und entferntes Donnergrollen unters Volk schickte. Klar, dass dieser Style nicht dauerhaft beibehalten wurde und schon bald war wieder Rambazamba angesagt. Vom selbstbetitelten 2010er Debüt stammte derweil „Nekroskop“, das mit Highspeed und allerlei Lichtblitzen ans Eingemachte und nahtlos in „Månelyst“ überging. Nach einer Stunde endete die energiegeladene Show der Jungs aus Oso mit dem Song, der den Bandnamen trägt und zu dem noch einmal alle Beteiligten zu Classik-Rock-Elementen richtig steil gehen konnten, während Herr Hjelvik eine riesige Fahne mit den Emblem der Combo schwenkte. Wer jetzt noch nicht ins Schwitzen gekommen war, hatte irgendwas falsch gemacht, aber es gab ja noch eine weitere Möglichkeit, seine Betriebstemperatur zu erhöhen.

Setlist KVELERTAK
Åpenbaring
Spring fra livet
Mjød
Fossegrim
Ulvetid
Bruane Brenn
Nekrokosmos
Sjøhyenar (Havets herrer)
Evig Vandrar
Nekroskop
Månelyst
Offernatt
Blodtørst
Kvelertak

BOYSETSFIRE werden wohl für einen Großteil der Zuschauerschaft der Grund gewesen sein, an diesem Freitag nach Dortmund zu kommen, denn bereits der emotionale Opener „Walk Astray“ wurde vielstimmig mitgesungen und auch die Security hatte vom Start an jede Menge mit Crowdsurfern zu tun, die aus der Menge in den Graben gezogen werden mussten. 1994 gegründet, lösten die Amis 2007 ihre Post-Hardcore-Formation auf, fanden jedoch drei Jahre später wieder zu einander. Von den Gründungsmitgliedern sind noch Sänger Nathan Gray und die beiden Gitarristen Chad Istvan und Joshua Latshaw mit von der Partie, Bassist Robert Ehrenbrand ist seit 2012 wieder mit dabei und im vergangenen Jahr sind auch Drummer Dan Pelic und der zweite Mann am Stahlsaiter, Chris Rakus, Teil von BOYSETSFIRE. Mit dem melodischen „My Life In The Knife Trade“ von der 2000er „After The Eulogy“-Langrille bewiesen die Westfalen quasi a cappella Textsicherheit, ehe mit „Until Nothing Remains“ knackige neue Sounds vom jüngsten Studio-Output „While A Nation Sleeps“ (#22 der deutschen Albumcharts), der im Sommer in die Läden gekommen ist, angesagt waren. Nathan brüllte und growlte was das Zeug hielt – vielleicht eine Spur zu viel, denn gegen Ende der Show hatte er doch das eine oder andere Mal ein wenig Probleme mit seiner Stimme. „Requiem“ ließ sich da vergleichsweise zahm, aber ebenfalls mit viel Schmackes an und natürlich wurde diese Nummer gehörig abgefeiert. Für „After The Eulogy“ ging Robert im Graben auf Tuchfühlung mit den Fans, die mit fettem Highspeed-Geknüppel beschallt wurden und auch „Eviction Article“ machte keine Gefangenen. Deutlich ruhiger präsentierten sich da die HC-Kuschel-Melodien von „Prey“, zu denen die Stage in lilafarbenes Licht getaucht wurde. Mit „Falling Out Theme“ gab’s erneut eine volle Breitseite, bevor Dan hinter seiner Schießbude für „Never Said“ Stakkato-Trommelwirbel produzierte. „Hand of Redemption“ wurde abermals amtlich abgefeiert und auch mit „The Misery Index“ vom gleichnamigen Album aus 2006 ging es ebenso emotional wie kraftvoll zur Sache. Zuvor mussten jedoch einige offene Fragen zu Chads Schenkelbürste geklärt werden, der ein echter Siebziger-Jahre-Pornobalken war. Nach einer guten Stunde markierte „Rookie“ das Ende des regulären Sets – keine Frage, dass bei dieser Granate noch einmal alle steil gingen und deshalb auch mit einer Zugabe belohnt wurden. Die folgte in Form des lauthals mitgesungenen „Empire“, um schließlich mit „Bled Drey“ noch einmal heftig zu growlen. Ein Outro beendete schließlich 75 kurzweilige Konzertminuten, die eindrucksvoll unter Beweis stellten, dass BOYSETSFIRE wieder mit voller Kraft am Start sind.

Wer wollte, konnte sich vom DJ weiter mit gitarrenlastiger Musik versorgen lassen, mein Plan war jedoch ein geordneter Rückzug, der Livegenuss der TRUCKFIGHTERS, von KVELERTAK und BOYSETSFIRE war an diesem Abend nicht mehr zu toppen und so entschied ich, mit dieser Mucke im Ohr Richtung Heimat zu fahren

Setlist BOYSETSFIRE
Walk Astray
White Wedding Dress
Release The Dogs
Closure
My Life In The Knife Trade
Until Nothing Remains
Requiem
After The Eulogy
Everything Went Black
Eviction Article
Prey
Falling Out Theme
Never Said
Handful of Redemption
The Misery Index
Rookie

Empire
Bled Dry

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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