Terrorverlag > Blog > ELUVEITIE, FEUERSEELE, HEIDEVOLK, RAPALJE > BURGFOLK 2011 – TAG 1

Konzert Filter

BURGFOLK 2011 – TAG 1

110819-Eluveitie-0.jpg

Ort: Mülheim – Schloss Broich

Datum: 19.08.2011

10 Jahre Folk & Frey

Bereits vor siebzehn Uhr am vergangenen Freitag sah man die schwarz gekleideten, teils gewandeten Leute im beschaulichen Städtchen Mülheim auf einen zentralen Punkt hin wandern: dem Schloss Broich. Diese historische Stätte war nun zum zehnten Mal der Austragungsort des international bekannten Musikfestivals für Folkmusik und all ihrer neuen und modernen Varianten. Der Wettergott hatte schönes Wetter versprochen und auch prompt geliefert. Zum zweiten Mal fand dieses Konzert nun an zwei Tagen statt und die Fülle und Namen der angekündigten Bands machte Lust auf eine Reise. Auch dieses Mal hatte sich der Veranstalter, die Kulturbetrieb Mülheim an der Ruhr unter der Federführung von Michael Bohnes, in ganz besonderer Weise um die Fans des Festivals gekümmert: in dem Parkgelände um das Schloss herum wurde in einem entfernteren Winkel ein Zeltplatz eingerichtet. Selbstverständlich nicht mit dem Wacken vergleichbar, aber immerhin mussten die von etwas weiter Angereisten nicht auf einen von beiden Festivaltagen verzichten oder an beiden Tagen eine weite Fahrt antreten. Sein Appell an die Fans, dass dieser Testballon gerade nach dem Desaster mit der Loveparade im Nachbarort Duisburg nicht das ganze Festival ins Wanken stürzen sollte, wurde von den Leuten erhört. Das Zeltplatzleben verlief gesittet.

So wurde der 10jährige Geburtstag am ersten Tag von über 1.400 Gästen und 4 Bands bei schönstem Wetter gefeiert. Den Auftakt dazu bildeten die sechs jungen Musiker von FEUERSEELE, die ihre moderne Rockmusik auf Geige, Dudelsack und Blues-Harmonika erweitern und bereits mit NACHTGESCHREI auf einer Bühne standen. Die Spiellaune ist den Musikern anzusehen, wenn sie ihre teils brachialen, teils melodischen Rhythmen unter das Volk bringen. Ihr Stil wird aber nicht nur durch die zusätzlichen traditionellen Instrumente, sondern auch anhand der Verquickung des modernen Rock mit der in unterschiedlichen Ländern verwurzelten Musik sichtbar. Pünktlich begannen FEUERSEELE ihr Konzert und taten ihren ohnehin schweren Job als Starter außerordentlich gut. Verglichen mit „meinem“ vorherigen Konzert mit ihnen empfand ich die Musiker als einen Tick professioneller im Umgang mit den Zuschauern.

Mit wenigen Minuten Verspätung betraten dann gegen halb Sieben HEIDEVOLK aus den Niederlanden die Bühne. Bereits seit 2002 arbeiten diese Folkmetaller in ihrem Genre und haben seitdem bereits 6 Silberlinge in die Szene geworfen. Und wie es sich für Metaller gehört, egal, auf welchen Instrumenten die Musik rüber kommt und ob sie folkig ist oder nicht, Headbanger kamen definitiv auf ihre Kosten. Rassig, klassig, knallig, richtig was zum Schütteln und der Burghof bebte. Ihre ganz besondere stimmliche Note verdanken HEIDEVOLK ihren zwei Frontmännern, denn prinzipiell wird jedes Lied zweistimmig gesungen. Außergewöhnlich anzusehen ist es obendrein, wenn zwei Sänger auf der Bühne performen. Einen Song widmeten sie den fünf Toten, die nur einen Tag zuvor beim Pukkelpop Festival im belgischen Hasselt durch ein Unwetter ums Leben gekommen waren. Eine feine Geste. Viele von ihnen gespielte Stücke entstammten der aktuellen CD “Uit oude grond”, auf der sie eine Reise durch die Geschichte, Mythologie, Folklore und Natur ihrer Heimat Gelderland vollführen, was mit kräftigen Shouts und Wolfsgeheul unterstützt wurde.

Dreiviertel Acht gab es dann das erste Ständchen zum 10jährigen Geburtstag. Mit Bagpipe wurde „Happy Birthday“ gespielt und die Kilt tragenden Männer David, William, Dieb und Marceal von RAPALJE marschierten an den vorderen Bühnenrand. Die auf keltischen Folk abonnierten Musiker gehören fast schon zum Stammpersonal des Burgfolk Festivals. Immerhin traten sie zum vierten Male in Mülheim auf. Langweilig wird es jedenfalls nicht mit ihnen und wenn sie den Song „Wat zullen wir drinken“ ankündigen, gibt es immer jemanden auf der Bühne oder bei den Fans, der dann mit „Ein Bier“ antwortet. Die Trink- und Tanzlieder hoben die Stimmung, so dass die Arme der Gäste kaum einmal unten waren und ständig im Takt klatschten. Zwischen all ihren Instrumental- und Gesangstücken fehlten auch nicht die Klassiker „Whiskey in the jar“ und „Drunken sailor“. Schnell hatten die Fans eine Polonaise auf dem Burghof aus dem Boden gestampft. Eine Überraschung gab es dann zum Abschluss mit dem feuerspeienden Dudelsack, mit dem David, seine langen Haare und seinen Kopf durch einen Ritterhelm beschützt, auf die Bühne trat. Während der Dudelsack in diesem Genre nichts Außergewöhnliches ist, ist einer, der Flammen aus seinen Pfeifen ausspeit, doch etwas ungewöhnlich, aber klasse.

Gegen 21:30 Uhr war die Zeit für ELUVEITIE. Die 30 Minuten Verspätung abzuwarten hatte sich gelohnt. Denn die mittlerweile „Superstars“ der Pagan Metal Szene zelebrierten ein Konzert der Extraklasse. Obwohl auch sie Metaller wie HEIDEVOLK verstehen sie es ganz besonders, den Folk in ihre Lieder einfließen zu lassen. Einerseits machen Sie das mit den Instrumenten, den die beiden Musikerinnen in der Band spielen Drehleier und Geige, Dudelsack und Flöte fehlen ebenso wenig. Andererseits sind sie hervorragend in der Lage, dem Burgfolk-Charakter entsprechend akustisch zu performen. Einen Großteil ihrer Lieder singen sie in Gälisch und werden auch nicht müde dabei, den Fans die gälischen Refrains beizubringen. Zeile für Zeile ging das prima. Zwar wusste keiner, was man singt, aber es klang gut. Als jedoch alle vier Zeilen auf ein Mal hintereinander gesungen werden sollten, gab es Schwierigkeiten, sie wiederzugeben. Das war einfach zu viel Text… Aber es war egal, hatte es doch Spaß gemacht. Ob a- oder ekustisch: ELUVEITIE hat eine ganz besondere Symbiose von Folk und Metal gefunden, die manchmal einen Hauch von Pop spüren lässt, bei dem selbst die härtesten Metaller auf dem Hof mittanzten und die immer wieder schön anzuhören ist.

Nach den Zugaben konnte durchaus von einem gelungenen Konzerttag gesprochen werden, bei dem das Wetter mitspielte, die Stimmung super war und der dieses Mal noch etwas offenbarte: man hatte den Eindruck, dass mehr ältere Gäste als die Jahre zuvor zugegen waren. Das Genre scheint auch die Silbernacken in ihren Bann zu ziehen.

Copyright Fotos: Detlef Knut

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu ELUVEITIE auf terrorverlag.com

Mehr zu FEUERSEELE auf terrorverlag.com

Mehr zu HEIDEVOLK auf terrorverlag.com

Mehr zu RAPALJE auf terrorverlag.com