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CAMOUFLAGE – KOLKHORST

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Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 17.09.2006

Sonntag Abend, Osnabrück, das schöne Spätsommerwetter neigt sich dem Ende zu. Tatort Rosenhof: Den Anfang in dieser zentral gelegenen Location machte ein Herr, den es aus dem lauschigen Lüneburg ins große Hamburg verschlagen hat. KOLKHORST sein Name, Kai-Uwe KOLKHORST. Seines Zeichens so etwas wie ein Alleinunterhalter im Elektropoppunkrock-Bereich. Ganz allein stand er dann auch pünktlich um 20.00 Uhr in schwarzer Schlaghose und blauer Retro-Trainingsjacke auf der Bühne, stellte seinen Drumcomputer an und hängte sich eine Gitarre um. Und los ging es mit Synthie-Klängen vom Band, die Herr KOLKHORST an den Saiten begleitete. Im Sommer ist der zweite Longplayer „Wir sind größer“ erschienen, von dem es allerhand zu hören gab. Den Anfang machte „So lang allein“, gefolgt vom recht rockigen „Mond“. „Andere Schwingungen“ brachte eine leicht düster-psychedelische Note ins Geschehen. Das Publikum nahm interessiert, jedoch auch ein wenig distanziert Notiz von der Ein-Mann-Show, die mit jaulender Gitarre und hallender Stimme ihre Fortsetzung mit weiteren neuen Songs wie „Alles“ und „Einzelkämpfer“ fand. „Schön“ präsentierte NDW-Synthiepop nach KOLKHORSTer Art und zu guter Letzt gab es vom „kleinen Fisch im großen Wasser“ (O-Ton Kai-Uwe) auch noch was vom 2004er Debüt „Pizza Amore“: „Bon Jour“ für den frankophilen Zuhörer und „Le Rock“ für den Freund der englischen Sprache. So plötzlich wie er auf der Bühne aufgetaucht war, beendete KOLKHORST auch sein Set. Immerhin waren auch schon 45 Minuten vergangen und vielleicht war ihm siedend heiß eingefallen, dass er ja als Support seiner Freunde von CAMOUFLAGE engagiert war und somit nicht wie sonst schon mal vier Stunden Zeit für einen Auftritt hatte. Netter Einstieg in den sonntäglichen Konzertabend, musikalisch hat es mir am besten gefallen, wenn die Gitarre etwas stärker betont wurde. Das Posing klappt auch ganz gut, mal schauen, was aus dieser Ecke noch so kommt.

Und nun also CAMOUFLAGE, die ich vor fast genau 3 Jahren das letzte Mal auf einem Einzelkonzert erblickt hatte, damals noch im Bielefelder PC69, Gott hab den Laden selig. Die Vorzeichen für das (Ex-)Bietigheimer Trio waren auch nicht mehr ganz dieselben, zwar wurde wieder ein neues Album betourt, aber die Promotion Maschinerie für „Relocated“ war irgendwie nicht richtig heiß gelaufen. Dementsprechend übertraf die Zuschauerzahl mit vielleicht 150 meine Erwartungen auch nur knapp. Die waren aber durchaus feierwillig und rotteten sich jetzt einigermaßen geschlossen vor der Bühne zusammen. Die Herren Kreyssig/ Maile/ Meyn traten nach einer praktisch nicht existenten Umbaupause dann auch schon hinter ihre Geräte bzw. hinter das Mikro und legten mit „How do you feel?“ sowie „Me and You“, der erfolgreichen Single vom „Sensor“-Album, einen sehr ordentlichen Start hin. Schnell wurde klar, dass insbesondere Soundqualität und Lichteffekte heute höheren Ansprüchen genügten und auch die Musiker schienen motiviert. Marcus trotzt weiter sämtlichen Alterungsprozessen und hat das Singen natürlich auch nicht verlernt. Daneben feuerte er seine Fans immer wieder an, klatschte und fegte über die Stage. Mit „The Pleasure remains“ folgte alsbald ein erster Titel der neuen Scheibe, die den Anwesenden durchaus schon geläufig schien. Neben dem Kerntrio agierten weiterhin die Gastmusiker Volker Hinkel an der Gitarre und Jochen Schmalbach (PROJECT PITCHFORK) am Drumkit, was dem Sound das obligatorische Attribut „organisch“ verpasste und zudem für mehr Bühnen Action sorgte. Aber auch der partielle Fronterwechsel konnte gefallen, wenn Oliver bei „Confusion“ das Mikro ergriff. Nebenbei agierte er auch mal an Tamburine und Umhängetrommel, gar eine ganz kleine Anleihe ans Neofolk Genre. Heiko hingegen verzichtete zwar auf einen Gesangsbeitrag, schnallte sich aber dafür seinerseits ein Keyboard um und unterhielt in den Pausen zwischen den Stücken, insbesondere wenn es wieder mucksmäuschenstill war. Die Setlist hielt weitere Schmankerl parat in Form von Tracks wie „Perfect“, „Close“, „The Perfect Key“ oder „Motif Sky“, das neue „We are Lovers“ wurde dabei als autobiographische Komposition angekündigt. Irgendwann war natürlich die Zeit für den ersten großen Old School Hit gekommen und „The Great Commandment“ wurde über alle Maßen abgefeiert. Trotzdem hatte man hier nie den Eindruck, es mit einer Altherren Riege zu tun zu haben, die nur mit ihren Oldies durch die Lande tingelt, dafür ist das neue Material einfach zu stark. Allerdings teilweise immer noch sehr DEPECHE MODE-lastig.

Der eiligst herbei geklatschte erste Zugabenblock wurde von „Suspicious Love“ eingeleitet, gefolgt von der aktuellen Single „Something wrong“ und dem zweiten Überklassiker „Love is a Shield“, wo wieder fast alle den Refrain intonierten. Die Moodlights im Hintergrund mit ihren vielen Effekten kamen jetzt mit allerlei Spielereien noch besser zur Geltung, was für einige schöne Foto-Motive sorgte. Eine anonym bleiben wollende Kollegin wurde übrigens während ihrer Arbeit heftigst hofiert, Herr Kreyssig wollte seine Augen gar nicht mehr von ihr lassen. Und da sagt man immer, Frauen wären beruflich benachteiligt… müssen dann wohl eher die unattraktiven sein… Aber egal ob unattraktiv oder nicht, es kam noch zu einer zweiten Verlängerung mit „Real Thing“ und „Strangers’ Thoughts“, bei dem alle Musiker außer Marcus nebeneinander auf der Bühne hockten und für die Percussion sorgten. Ein wunderbares Bild, was den langen Abend perfekt abrundete. In dieser Form und mit dieser Chemie untereinander dürften die deutschen Synthie Popper schon bald wieder mehr Zuschauer ziehen, verdient hätten sie es allemal!

Setlist CAMOUFLAGE
How do you feel?
Me and you
The Pleasure remains
I can’t feel you
That Smiling Face
Heaven (I want you)
Thief
Confusion
We are Lovers
Perfect
Close
Dreaming
You turn
The Perfect Key
Motif Sky
The Great Commandment
Conversation

Suspicious Love
Somehting Wrong
Love is a Shield

Real Thing
Strangers’ Thoughts

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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