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CAMPUS FESTIVAL BIELEFELD 2017

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Ort: Bielefeld – Campus der Universität

Datum: 22.06.2017

Nachdem das Serengeti Festival 2015 von der Bildfläche verschwunden ist, hatte der Veranstalter Vibra Agency mit dem Campus Festival bereits einen neuen dicken Fisch an der Angel. Inzwischen ist auch die Stadt Bielefeld mehr in die Organisation eingebunden und das 1-Tages-Festival mit seinem dritten Anlauf zu einer echten Institution geworden. Es ist nicht nur das größte Campus Festival Deutschlands, sondern auch das größte Musikfestival in der Region Ostwestfalen. Als dann in diesem Jahr endlich der aus Bielefeld stammende CASPER als Headliner für die Veranstaltung verkündet wurde, war eigentlich alles perfekt!

Passenderweise fand sich mit JORIS dann auch noch ein Co-Headliner, welcher ebenfalls ostwestfälische Wurzeln hat. Ansonsten war das Line-Up für meinen Geschmack schon mal spannender als in diesem Jahr. Als der 22. Juni näher rückte, machte man sich in Bielefeld große Sorgen, und zwar um ein vorher angekündigtes Unwetter im beträchtlichen Ausmaß. Hier erinnere ich mich gerne an das vergangene Jahr, als der Veranstaltungstag zum heißesten Tag des Jahres wurde und man daraufhin intensiv die Wetter-Apps beobachtete. Schlussendlich sind wir damals alle trocken geblieben und ich habe das Gewitter erst miterlebt, als ich in meinem schützenden Auto den Heimweg angetreten hatte.

Spannenderweise sollte es in diesem Jahr genauso sein! Der Donnerstag, an dem das Campus Festival über die Bühne gehen sollte, brachte Rekordhitze von bis zu 37 Grad. Das angekündigte Unwetter blieb aber aus. Hier hielt der Teuto seine schützende Hand über Bielefeld und somit die schlimmsten Unwetter vom Veranstaltungsort fern. Zwei recht kurze Schauer waren am Ende alles, was an diesem Tag in Bielefeld vom Himmel kam. Das war natürlich ein Riesenglück für die Veranstalter und Besucher und nicht zuletzt auch für die Sicherheitskräfte, die nur wenige Kilometer nördlich ganz andere Bilder gesehen hatten.

Aber nun zurück zum Ort des Geschehens: Ich passierte den Eingang zum Festivalgelände nach Erledigung meiner Büropflichten gegen 18 Uhr und freute mich über den reibungslosen Ablauf und die vielen Verbesserungen, die die akkreditierten Pressevertreter an diesem Tag genießen durften. Es gab einen eigenen Presseeingang, gekennzeichnete Rucksäcke und die Möglichkeit, sich im klimatisierten Gebäude X aufzuhalten, welches uns mit Getränken, Infos uns WLAN versorgte. Am meisten freute ich persönlich mich aber darüber, dass es im dritten Anlauf nun endlich auch die Möglichkeit gab, den Bühnengraben von der rechten Seite aus zu betreten und zu verlassen. Das erleichtert doch vieles, da es auf der linken Seite zugleich auch den Einlass für den vorderen Zuschauerbereich gibt, an welchem es regelmäßig zu Gedränge kommt. Aber dazu später noch mehr…

Den ersten musikalischen Eindruck lieferte die kurz vor dem Festival bekanntgegebene ANTILOPEN GANG. Die drei Rapper überzeugten mit ihrer guten Bühnenpräsenz und einem schicken Bühnenbild. Textlich tue ich mich mit den Jungs schon etwas schwer. Auch wenn ich mich selbst als offen für linke politische Texte und Ansichten bezeichnen würde und anti-rechte Veranstaltungen, Songs und Aktionen jederzeit unterstütze, habe ich wenig Verständnis für Textzeilen wie „Atombombe auf Deutschland“. So wirklich kümmerte das die meisten Zuschauer aber nicht wirklich, denn diese waren in der Regel mehr mit sich selbst beschäftigt als mit der Musik, die auf den Bühnen geboten wurde. Für viele der 17.000 Besucher war es halt auch eine riesige Studentenparty und das Bühnenprogramm nur die Hintergrundbegleitung. Das war in den letzten Jahren auch schon so zu beobachten, aber in diesem Jahr fiel es mir extrem auf. Das forderte auch schon in den frühen Abendstunden so manche Alkoholleiche, die auf die Sanis oder mindestens auf ihre Begleiter angewiesen war. Für mich als Musikfan wirkt das immer wieder etwas befremdlich, aber da es eben auch eine Studentenparty ist, möchte ich das auch nicht verurteilen.

Weiter ging es mit AUDIO 88 & YASSIN, welche in priesterlichen Gewändern ein durchaus amüsantes Bild abgaben und ihre Fans mit ihren Rap-Lyrics begeisterten. Co-Headliner JORIS ließ es erwartungsgemäß etwas ruhiger angehen, bewegte sich auf der großen Bühne aber intensiv und verstand es, das Publikum schnell auf seine Seite zu ziehen. Seine gesanglichen Qualitäten trugen das Übrige für einen kurzweiligen Auftritt bei. Auf der kleinen Bühne nebenan machten sich derweil schon ADAM ANGST bereit für ihren Auftritt, als es den zweiten Schauer des Tages gab. Viele meiner Kollegen und ich schafften es gerade noch so unter die benachbarte Bierbude und blieben so trocken. Pünktlich zu den ersten Akkorden auf der Bühne war der Regenschauer schon wieder vorbei, und so konnte man dem impulsiven und durchaus hörenswerten Sound von ADAM ANGST lauschen, welche es zudem hervorragend verstanden, auf der Bühne zu posen. Die spezielle Gesangsstimme, welche mich ein bisschen an SUBWAY TO SALLY erinnert, macht das Gesamtpaket dann rund.

Etwas ungemütlicher wurde es kurz vor Ende des Auftritts. Denn der große Headliner stand bereits in den Startlöchern. Folglich herrschte großes Gedränge im vorderen Bereich. Das führte dazu, dass der Ordnungsdienst den vorderen Zuschauerbereich frühzeitig dichtmachte und niemand mehr hineinließ. Daraus resultierte eine Situation, die äußerst bedenklich war und allem widerspricht, was seit dem großen Love Parade-Unglück besser werden sollte. Denn die Menschen drängten (verständlicherweise) nach vorne, konnten aber nicht weiter. Dass dieses aus ihrer Sicht völlig unverständlich war, weil noch mehr als genug Platz im vorderen Bereich war, führte natürlich zu Aggressionen und Gedränge. Dass ich mich nicht sonderlich beliebt machte, als ich bewaffnet mit Rucksack und zwei Kameras den Weg durch die Menge antrat, brauche ich wohl nicht zusätzlich erwähnen. Schlussendlich wurden weinende Mädchen aus der Menge gezogen, Polizisten kamen herbei und ich hatte das große Glück, mich hinter einen Sani hängen zu können. Das war für mich ein Paradebeispiel dafür, das derzeit praktizierte Konzept dieser „Sektorentrennungen“ in Frage zu stellen. Ob dieses eine direkte Folge vom eben erwähnten Love Parade Unglück oder nur dem jeweiligen Sicherheitskonzept geschuldet ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Meine persönliche Erfahren bei Konzerten und Festivals mit bis zu 125.000 Besuchern, hat allerdings deutlich gezeigt, dass solche Trennungen, Schneisen und Kontrollen nicht notwendig sind und die Lage keinesfalls entspannen. Vielmehr führen sie immer wieder zu kritischen Situationen und Unverständnis.

Pünktlich um 22 Uhr enterte CASPER dann allerdings auch endlich die Bühne und alles andere war Schnee von gestern. Mit Arminia-Shirt bekleidet hatte er natürlich sofort die Sympathien auf seiner Seite. Daran änderte auch nicht die Tatsache, dass er sein Set mit einem unbekannten (wahrscheinlich neuen) Song startete, ehe mit „Im Ascheregen“ das erste Highlight folgte, das alle mitsingen konnten. Anders als befürchtet, bot uns Fotografen der Lichtmischer eine tolle Kulisse, die bestens geeignet war, den flott über die Bühne fegenden Wirbelwind noch scharf einzufangen. Es folgte ein anderthalb Stunden langer Auftritt, der wie gewohnt eine gute Mischung aus alten und neuen Songs bot. Dabei war auch das erst vor wenigen Tagen vorgestellte „Sirenen“, welches seitdem zu polarisierenden Diskussionen unter den Fans führt. Unter dem Strich erinnerte Vieles an dem Auftritt beim vergangenen „Zurück Zuhause“-Festival im vergangenen Dezember im Bielefelder Ringlokschuppen. Die Setlist war jedenfalls in vielen Punkten identisch und auch die immer wieder herauf beschwörte Zuneigung zur alten Heimat sollte an diesem Abend nicht fehlen.

Schade, dass gegen 23 Uhr schon viele der 17.000 Besucher gegangen waren und wohl nur noch maximal ein Drittel davon wirklich intensiv der Musik des Headliners lauschte. Das lag sicher auch an den Regenschauern und der Tatsache, dass es inzwischen um fast 15 Grad abgekühlt war, aber eben auch an dem sehr fortgeschrittenen Alkoholkonsum vieler Besucher, den diese Veranstaltung auch immer wieder mit sich bringt. Alles in Allem hat es trotz einiger Kritikpunkte (die in erster Linie auf das Verhalten der Besucher bezogen sind) wieder sehr viel Spaß gemacht und gerade die Verbesserungen für die Pressevertreter haben den Tag sehr angenehm gestaltet. Dafür sei den Veranstaltern an dieser Stelle noch einmal ein ausdrückliches Lob ausgesprochen. Ich bin bereits schon jetzt gespannt auf das nächste Jahr…!

Copyright Fotos: Sascha Uding

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