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CAMPUS FESTIVAL BIELEFELD 2015

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Ort: Bielefeld – Campus der Universität

Datum: 25.06.2015

Wahnsinn! Mit 19.500 Besuchern vermeldete das erste Bielefelder Campus-Festival bereits “ausverkauft”. So gab es erst gar keine Tageskasse und diejenigen, die es verpasst hatten, sich rechtzeitig mit den günstigen Tickets einzudecken, mussten/durften das Geschehen immerhin aus der Ferne verfolgen. Beliebt waren die dabei die angrenzenden Parkhäuser und der Gang von der Bahnhaltestelle zum Hauptgebäude. Aber von vorne: Während wir arbeitsbedingt erst gegen 17 Uhr am Gelände eintrafen, machten es sich viele Besucher schon vorher nett auf dem Campus. Um 15 Uhr öffneten die Tore und bereits eine Viertelstunde später startete das Programm mit dem Hörsaal Slam. Viele der größtenteils jungen Besucher waren aber gar nicht wirklich wegen den Künstlern auf den Bühnen gekommen. Es ging ihnen mehr um die Atmosphäre und die Party überhaupt. Das war ihnen auch oftmals anzumerken. Dieser Umstand ist mitunter etwas ärgerlich für diejenigen, die vornehmlich der Musik wegen da waren oder gar, um einen bestimmten Künstler zu sehen. Man kann es den jungen Studentinnen und Studenten aber nicht zum Vorwurf machen. Schließlich war es ja ihr Fest und das sollten sie natürlich auch in allen Zügen genießen und auskosten. Es sei ihnen gegönnt!

Direkt nach unserer Ankunft durften wir CHEFBOSS aus Hamburg auf der 2. Hauptbühne erleben. Die beiden Mädels verwandelten samt DJ und einer kleinen Crew an Tänzerinnen die Bühne zu einem Dancefloor. Eine Mischung aus Dancehall, Hip-Hop und Dub erinnert mitunter an SEEED und eignet sich natürlich zur völligen Party-Ekstase. Zu späterer Stunde in einem kleinen Club dürfte das eine grandiose Kombo sein, weshalb ich sicher bin, dass man von ihnen noch eine Menge hören wird.

Pünktlich um 17.30 Uhr standen dann die Newcomer ANNENMAYKANTEREIT auf der großen Hauptbühne. Diese Band ist echt ein Wahnsinns-Phänomen. Wer ihren Hit „barfuß am Klavier“ einmal im Radio gehört hat, hat wahrscheinlich (genau wie ich) mit einem älteren bärtigen Herren gerechnet, dem diese markante Stimme gehört. In Wirklichkeit aber ist der Sänger, Henning May, gerade einmal Anfang 20 und sieht aus wie der Bandleader einer Schülerband. Hätte man die Herren durch ihre mediale Präsenz nicht schon einmal irgendwo gesehen würde man ganz sicher davon ausgehen, dass sie eine Ausgeburt irgendeiner Musik-AG sind. Der optische Kontrast zu dieser einmaligen markanten Stimme ist schon etwas Besonderes. Und so verwunderte es auch nicht, dass bereits großer Applaus aus dem Publikum kam, als die ersten Worte des Sängers ins Mikro geschmettert wurden. Die authentischen deutschen Texte wussten zu gefallen und kamen größtenteils sehr gut an. Dabei durfte natürlich der oben erwähnte Hit nicht fehlen, aber auch etwas heitere Songs wurden gespielt und gefeiert. Die Durchstarter füllen ohne richtiges Album bereits sämtliche Clubs und auch schon die ersten größeren Hallen. Das sind – ohne Frage – bereits riesige Erfolge und ich persönlich freue mich schon auf das erste Album, welches wohl bereits in der Mache ist. Etwas arbeiten müssten die Jungs vielleicht noch an ihrer Bühnenpräsenz. Wenngleich sie durch ihre Musik überzeugen wirken sie manchmal eben doch etwas wie die kleine, etwas unsichere Schülerband. Aber vielleicht ist es genau das, was es ausmacht!?

Nach dem Auftritt wurde es Zeit für einen kleinen Snack und bei dem Gang zu den Imbissbuden wurde uns dann auch erst richtig das Ausmaß dieser Veranstaltung bewusst. Abgesehen davon, dass sich der Campus als Festivalgelände tatsächlich sehr gut eignet, war es gerade im vorderen Bereich schon sehr eng und wuselig. Es ist eben nicht so weitläufig in der Breite, und so wird es schnell man etwas eng. Pünktlich zu THEES UHLMANN schaffte ich es aber dennoch wieder in den Fotograben vor der Hauptbühne. Er war schließlich auch mein persönlicher Favorit dieses Abends. So cool und authentisch wie er sind aber auch nur wenige. Die mitunter minutenlangen Ansagen sind ja schon legendär. Besonders witzig wird es dann wenn er – wie heute – eine Geschichte über ein bekanntes Bielefelder Spaßbad erzählt. Die Liebesbekundungen an unsere schöne Stadt sind ihm dabei zu 100% abzukaufen, da ich aus sicherer Quelle weiß, dass er gerne mit ein paar Bekannten vom Fußball oftmals um die Bielefelder Häuser zieht und spätabends in der „Zwiebel“ landet. Mittlerweile hat sich da wohl mit einigen tatsächlich eine Freundschaft fürs Leben entwickelt. Das macht den Gründer des „Grand Hotel van Cleef“ nur noch sympathischer. Aber es gab tatsächlich auch musikalisch etwas auf die Ohren. Und das war – wie gewohnt – vom feinsten. Die Hits seiner ersten beiden Alben kommen einfach immer wieder gut und lassen sich mitunter gepflegt abfeiern. Sein Charterfolg „Zum laichen und sterben ziehen die Lachse den Fluß hinauf“ hat dabei natürlich das meiste Potential. Aber auch eine Rap-Einlage (CASPER konnte ja wieder einmal nicht da sein..) brachte die Gesichter in den ersten Reihen zum strahlen. Wie üblich stellte der Song „Die Toten auf dem Rücksitz“ den Schlusspunkt seines einstündigen Auftrittes dar. Mein persönlicher Favorit, den ich bei jedem Mal hören noch ein bisschen mehr liebe. Gut und gerne hätte es also noch weiter gehen können, aber die Zeit war nun einmal begrenzt.

Kurz danach musste ich natürlich noch flugs an der zweiten Hauptbühne vorbeischauen, wo SCHNIPO SCHRANKE einen ebenso interessanten wie auch etwas verstörenden Eindruck hinterlassen. Das Duo gibt offensichtlich einen absoluten Scheiß auf Konventionen jeglicher Art. Das war sowohl ihrer Musik wie auch ihrem optischen Stil anzumerken. Beides erinnert mitunter ein bisschen an die Anfangstage von MIA oder der neuen Deutschen Welle der 80er, spielt aber auch mit Hip Hop-Elementen. Zusammengefasst also: Sehr schräg und wild. Ich bleibe gespannt, ob wir von der Combo in Zukunft noch mehr hören werden..

Enden sollte der Abend für uns bereits mit GENTLEMAN, welcher pünktlich um 20.30 Uhr die Hauptbühne betrat. Einmal mehr durfte ich dabei feststellen, dass der deutsche Raggae-Veteran fotografisch eine echte Herausforderung darstellt. Ähnlich wie CASPER steht er keine Sekunde still auf einem Fleck, sobald er die Bühne betritt, sondern ist immer in Action und bezieht das Publikum mit ein. Das macht natürlich bereits bei den ersten Songs richtig Laune und so war es nicht verwunderlich, dass dieses Feuer direkt auf das Publikum übergesprungen war, welches schon bald mit den Armen in der Luft zu den jamaikanischen Beats tanzte. So soll es sein! „Music ist he answer!“ Wie auf einigen Luftballons vor Ort zu lesen war.

Ein kurzer Schnack mit ein paar Freunden und bekannten setzte für uns den persönlichen Schlusspunkt unter diese gelungene Veranstaltung.

Copyright Fotos: Sascha Uding

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