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CHAMBER – SKELETAL FAMILY – QNTAL – NFD – NEBELHEXE – ON THE FLOOR

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Ort: Leipzig WGT Parkbühne

Datum: 16.05.2005

Endlich war es soweit, der Sommer hielt zumindest ansatzweise Einzug in Leipzig, und das ausgerechnet an unserem Abreisetag. Da traf es sich gut, dass wir diesen Montag Nachmittag der NEBELHEXE widmen wollten, die erstaunlich früh im Parkbühnen-Billing platziert worden war. Aber zunächst gab es noch die Gelegenheit den Hamburgern ON THE FLOOR ein Ohr zu schenken, die ihren Gothic Rock bei hellstem Sonnenschein zelebrieren wollten bzw. mussten. Die Regenschirme der vergangenen Tage wurden nun wieder zum Sonnenschutz umfunktioniert, schon ein sehr praktisches „Grufti-Kleidungsstück“. OTF entstanden Ende der 90er und funktionierten bis jetzt ohne mein Wissen, dabei hat man 2003 das Debüt „Under a Heart-Shaped Sun“ veröffentlicht, von dem die meisten Stücke stammen dürften. Sänger Helge Zielenski mit Tom Gerhardt-Gedächtnismütze verfügt über ein amtliches Organ, unter das die Saitenfraktion André Lindner, Dennis Lindner und Patr… nein natürlich Henning Thurow den nötigen Druck legen. Mein letztgenannter Fast-Namensvetter scheint früher mal in einer Psychobilly Band gespielt zu haben, zumindest weisen seine Koteletten darauf hin. Auch wenn man sich genretypisch kaum bewegte (außer Helge) und das Wetter nicht wirklich zum leicht elektronisch angehauchten Gruftrock passen wollte, schlug man sich doch alles in allem ganz passabel und kassierte dementsprechenden Beifall.

Jetzt aber wurde es doch recht voll in Anbetracht der noch recht frühen Uhrzeit von knapp 16 Uhr. Eine waschechte Nebelhexe kriegt man aber auch nicht alle Tage zu sehen. Wie ein Security Mensch süffisant ausplauderte, hatte man wohl ihre Umkleide vergessen, also war wohl Klamottenwechseln im Wald oder Nebel angesagt. Nun gut, sie kam dann ohne Probleme barfuss mit Rock und ein paar hellen Farbstrichen auf der Kleidung auf die Bühne, und mit ihr 3 namenlose Mitmusiker. Die Dame an den Keyboards rechts war optisch sehr apart, hätte aber zumindest so tun können, als ob sie am Sound partizipieren würde. Dafür legten sich die Männer an Bass und Gitarre mehr ins Zeug, alles dreht sich aber letztlich um Andrea Haugen. Die Dame dominiert die Bühne, tanzt gestenreich umher und gibt sich auch beim Gesang keine Blöße, der für mich etwas Schamanenhaftes an sich hatte. Ein wenig plätscherten die NEBELHEXE-Songs wie „My visual World“ vor sich hin, was besonders beim alten HAGALAZ RUNEDANCE-Stück „When the Trees were silenced“ deutlich wurde, wo der langhaarige Zupfer sich um die Percussion kümmerte. Der „Bird Song“, eine Coverversion von LENE LOVICH bildete eine weitere gekonnte Ausnahme, da hier etwas mehr Dynamik zum Zuge kam. Mit „Celtic Crows“ war das recht kurze Set dann auch wieder beendet und man entnahm den Rufen, dass einige hier gerne mehr vernommen hätten. Eine schöne Sache an malerischer Stätte und irgendwie schon recht eindrucksvoll, was die Norwegerin hier zum besten gab, die im Januar noch zusammen mit SOL INVICTUS beim „Elfen gegen Rechts“-Festival aufgetreten war.

Danach folgte NFD: Umworben als inoffizielles Nachfolge-Projekt der nach dem disaströsen Gezeter um das halbseidene letzte Album “Fallen” nun wohl endgültig zu Grabe getragenen FIELDS OF THE NEPHILIM (Ex-Fields-member Tony Pettit spielt am Bass) bemüht sich Sänger Peter ‘Bob’ White redlich, Ex-Fields-Mastermind Carl McCoy so gut es geht stimmlich zu kopieren. Und es gelingt ihm für seine Verhältnisse nicht mal schlecht, auch wenn ihm das letzte Quäntchen gruftbrunstiges Timbre dann doch fehlt. Das versucht er durch druckvolle Shoutings zu kompensieren – naja, die Fields werden daraus dennoch nicht. Aber wer hätte das auch ernsthaft erwartet? – Seine rotgefärbten Rastalocken kommen eigentlich auch nicht wirklich cool… Immerhin: Die Gitarren-Soundwände haben Atmosphäre, auch wenn sie nichts wirklich Neues in die Gruftgemeinde einbringen.

Der Wechsel kam krass: Zwischen dem harten Gothic Rock von NFD zu QNTAL, dem Projekt von “Doktor Mittelalter” Michael Popp und Sängerin “Syrah” Sigrid Hausen liegen so manche stilistische Welten. Doch der Unterschied fiel nicht mehr so groß aus wie noch zu der Phase als kein geringerer als Ernst Horn zum Line-Up von QNTAL gehörte (nicht nur das: er hat dieses Projekt auch ursprünglich gegründet). Zu den rein elektronisch-rhythmischen Kompositionen mischen sich seit “Qntal III” nun auch weitere Instrumente – teilweise auch mittlalterlichen Ursprungs, so dass man sich schon fragen muss, was letztendlich die beiden Popp-Projekte QNTAL und ESTAMPIE noch unterscheidet. Bei QNTAL wird nicht ganz so penibel Wert auf historische Authentizität gelegt; d.h. hier ist grundsätzlich alles erlaubt – ein kunterbunter Stilmix also, mit sowohl dance-orientierten, dann wieder eher rockigen oder auch balladesken Nuancen. Alles in allem haben mir die ursprünglichen Horn’schen QNTAL aber besser gefallen, denn die Sound-Frickeleien des DEINE LAKAIEN-Musikers sucht man in der neuen Bandbesetzung vergebens. Und so gut Syrahs Stimme live auch rüberkommt – performance-technisch wirkt ihr Auftreten doch etwas steif. Vielleicht hätte man doch besser den ESTAMPIE-Auftritt im Heidnischen Dorf am Lagerfeuer verfolgen sollen – diese Art der Musik bedarf einfach einer anderen als der typischen Festival-Atmosphäre.

Mit Spannung erwartete ich danach die Live-Reunion der aus der Gothic-Hochburg Leeds stammenden SKELETAL FAMILY, die in der ersten Hälfte der 80er Jahre mit Hits wie “She Cries Alone” oder “Promised Land” ihre Höhepunkte feierten – zu meinem Leidwesen, denn zum einen waren “Gothic” oder “Batcave” zu jener Zeit noch Fremdworte für mich (ich entdeckte die Family erst im Zusammenhang mit dem “Sisters-Fieber” Ende der 80er Jahre, als es sie schon nicht mehr gab), zum anderen beschränkte sich der Erfolg der Family fast ausschließlich auf England, so dass Live-Konzerte dieser Band in Deutschland eine absolute Rarität blieben. Die Reunion im vorletzten Jahr fand leider ohne die ursprüngliche Sängerin Anne-Marie statt, und so stellte sich die spannende Frage, wer die kaum zu bewältigende Aufgabe hatte, ihren Part zu übernehmen.

Es bot sich schon ein bizarres Bild – da standen drei sichtlich gealterte Herren an Gitarre, Bass und Keyboard, alle so um die Mitte 40… und im Zentrum eine rund 25 Jahre jüngere kleine Göre mit blonden Rastalocken, die wie ein Känguru heftigst zu den alten Klassikern wie z.B. dem Opener “Far And Near” herumhopste – ob sie schon geboren war, als dieses Stück entstanden ist? – Egal, das Alter macht es nicht, die Stimme aber schon – und die war (mit Verlaub) eine regelrechte Zumutung. Das Mädel traf teilweise nicht einmal die richtigen Töne, noch war sie in der Lage, das unnachahmliche “Gequietsche” von Anne-Marie wiederzugeben. Die alten Herren hatten dennoch sichtlich Spaß und ihre Gitarren klangen auch in der Tat originalgetreu – meistens sogar besser als das, was man von alten Bootleg-Tapes her kennt… Welch Tragödie: Die Musiker sind deutlich gereift, nur die Sängerin bleibt nun hinter allen Erwartungen zurück. Fairerweise muss man aber auch erwähnen, dass der Auftritt durchaus bei dem ein oder anderen Anklang fand – mir aber vollkommen unverständlich, denn mit den ursprünglichen Gothic Rockern aus dem Umfeld der legendären SISTERS OF MERCY (man erinnere sich: Anne-Marie wechselte nach Auflösung der Family zu den von Sisters-Mitglied Gary Marx gegründeten GHOST DANCE) hatte dieses Konzert nicht mehr viel zu tun.

CHAMBER, das kleine streicherdominierte “schwarze” Kammerorchester gehört seit vorletztem Jahr zum Stammprogramm des WGT. Und so konnte auch ich mein erstes CHAMBER-Konzert 2003 in der Moritzbastei erleben. Durch den krankenhausbedingten Ausfall im letzten Jahr, hatte ich leider nicht die Gelegenheit, die Band in der einzigartigen Atmosphäre der Krypta des Völkerschlachtdenkmals zu genießen. Kopf der Band ist Max (= Marcus Testory, wirkte auch bei ASP mit), ein waschechter Wiener, was er mit der Folk-Nummer “Hometown” (das aber inhaltlich eher nach einem verregneten irischen Heimatstädtchen klang) auch noch mal im besonderen unterstrich. Max lebt inzwischen in der Nähe von Frankfurt, tritt mit CHAMBER auch ab und an mal im Sinkkasten oder Nachtleben auf. Ergreifend war insbesondere die vorgetragene Interpretation von “Ceremony After A Fire Raid”, die dem kürzlich plötzlich und überraschend verstorbenen Lichttechniker der Band gewidmet wurde – und so manches Auge der Bandmitglieder blieb dabei nicht ganz trocken.

Erfreulicher: Es gab ein weiteres Bandmitglied auf der Bühne, das jedoch noch nicht offen in Erscheinung trat. Das Ehepaar Olga und Ralf Hübner, beide an Viola, Violine und Gitarre bei CHAMBER tätig, darf sich in Kürze über einen kleinen “Chambrini” freuen, dem bereits jetzt das melodiöse Irish Folk Stück „Our Conversation“ gewidmet wurde. Richtig Stimmung kam aber auch bei einer weiteren Mitschunkel-Folk-Nummer „Sleep, Sweet Sleep“ vom aktuellen Album „Solitude“ auf. Max ist auch zwischen den Stücken einem kleinen Späßchen nie abgeneigt. Angefangen bei der Aufforderung an das Publikum, lautstark mitzugrölen (was dieses jedoch erst bei der Quasi-Zugabe „Engel“ – RAMMSTEIN-Coverversion – so richtig beherzigte), über den Vorschlag, sich im Anschluss an die musikalische Darbietung gemeinsam zu betrinken, bis hin zu einer als Einleitung zu „I Hate Falling In Love“ ausgesprochenen Kuschelempfehlung, bis „die Poperze kracht” (was auch immer das heißen mag ;-) . Und prompt war Max, dessen Stimme auch jeden Shanti-Chor bereichern würde, zu Beginn eben jenes Liedes in der Textzeile verrutscht, was er aber geschickt in das Stück einzubauen vermochte und umgehend korrigierte.

Copyright Fotos: Karsten Thurau (NEBELHEXE/ ON THE FLOOR) – Jana Legler (CHAMBER/ SKELETAL FAMILY/ QNTAL)

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