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CHAMELEONS VOX – LUXURY STRANGER

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Ort: Bielefeld – Forum

Datum: 25.01.2011

An diesem nasskalten Abend stand mal wieder eine Reise in die Ur-Zeiten meiner musikalischen Sozialisation an, die CHAMELEONS waren in den 80ern für meiner einer nämlich quasi der Missing Link zwischen Post-NDW und Pre METAL, so ganz Holzschnittartig verdichtet. Wer hätte gedacht, dass ich die Band, wenn auch unter leicht anderer Bezeichnung (was mit Rechten zu tun hat), ein Vierteljahrhundert später einmal live zu Gesicht bekommen würde? Die Geschichte der britischen Post Punk/ New Wave-Legende war eine wechselvolle. Mit dem Debüt „Script of the Bridge“ (1983) legte man eins der wichtigsten Genre-Dokumente vor, welches unzählige andere Formationen bis heute beeinflusst. Man denke aktuell beispielsweise an INTERPOL. Danach folgten 2 weitere Studioalben, bevor man sich 1987 nach dem Tode des väterlichen Tourmanagers Tony Fletchers auflöste. Zwischen 2000 und 2003 gab es eine Art 2te Phase der Kamelienherren, die immerhin auch ein neues Werk namens „Why call it anything“ hervorbrachte, bevor wieder Schicht im Schacht war. Mittlerweile touren Sänger Mark Burgess und Drummer John Lever mit einer neuen Mannschaft unter dem Namen CHAMELEONS VOX, welcher den Stellenwert des Fronters noch einmal hervorhebt. Immerhin gut 400 Anwesende konnte das Forum verzeichnen, die dem Ruf dieser legendären Stimme gefolgt waren und die Allermeisten dürften wie ich Fans der ersten Stunde gewesen sein. Die Haare etwas schütterer, die Taille etwas fülliger, doch immer noch rein in die schwarzen Klamotten und die Körper zu den düster-melancholischen Takten gewiegt. Ob man deshalb gleich am Einlass als „Rentner“ abgestempelt werden musste (im wahrsten Sinne des Wortes!), war dann vielleicht doch etwas übertrieben…

Doch halt, zunächst trat gegen 21 Uhr noch ein Opener ins spärliche Bühnenlicht, 3 Herren aus Great Britain, die als LUXURY STRANGER firmieren und deren Erstling „Desolation“ bei meiner Schreiberkollegin gut ankam. Stilistisch zwischen JOY DIVISION, THE CURE und THE CHAMELEONS liegend sollte das Trio perfekt ins Vorprogramm passen. Interessanterweise hat Bandchef/ Sänger/ Gitarrist Simon York erst vor kurzem sein Line Up ausgetauscht, die Neulinge Chris Tuke und Neal Spowage (ehedem beide Mitglieder der SCREAMING BANSHEE AIRCREW) waren erst vor genau 10 Tagen der Öffentlichkeit präsentiert worden, dennoch gab man sich spieltechnisch kaum eine Blöße. Während Simon weiß geschminkt sowohl optisch wie auch stimmlich sehr an Robert Smith erinnerte, schien der Bassist sich eher die Punklegende ADAM ANT zum Vorbild genommen haben. Gemeinsam rumpelte man sich durch ein 40 minütiges Set, welches Songs beider Langspieler enthielt. Vom just erschienenen „Commitment and Discipline“ beispielsweise der Opener „Korruption“ oder auch „Where you’ve gone“. Während zunächst der Funke nicht so richtig überspringen wollte, war irgendwann zur Mitte hin der Bann gebrochen und vor allem die schnelleren Stücke sorgten doch für etwas Bewegung im Publikum. Ein solider und sehr ordentlicher Start in den Abend.

Setlist LUXURY STRANGER
Empty Men
Frozen
Dreaming our lives away
Dirt
Paradise untouched
Precious for evermore
Where you’ve gone
Korruption
Elements

Letztendlich waren aber doch alle Anwesenden für die Hauptattraktion angetreten, so wurde nun auch langsam die Scheu abgelegt und die Massen drängten zum Bühnenrand. Kurz nach 22 Uhr war es dann soweit, gleich 6 Herren machten sich bereit, das Forum zu rocken. Neben Burgess und Lever noch ein Basser sowie gleich 3 Gitarristen, von denen nur ein Saitenhexer jüngeren Datums war und sich dementsprechend etwas mehr bewegte. Mit so einem Instrumentalaufgebot kann man natürlich eine ordentliche Gitarrenwand zimmern und den so typisch „wabernden“ CHAMELEONS-Sound rekonstruieren. Hypnotisch, verhallt, melancholisch, treibend. Doch was wäre das alles ohne die Performance des in Würde gereiften Interpreten am Mikrophon? Mark Burgess (Jahrgang 1960) performte unprätentiös in schwarzen Boots/ Army Jacke gekleidet, voller Hingabe und Leidenschaft lebte er seine über 20 Jahre alten Kompositionen quasi vor der versammelten Zuschauerschar, ließ uns an seinen Gefühlen teilhaben. Stimmlich präsentierte er sich eine gute Oktave tiefer als auf den Studioscheiben, was der Magie der Songs aber keinen Abbruch tat. Zumal einige Die Hard-Fans jede Textzeile mitsangen und die eingangs schon angesprochene Zeitreise auch körperlich angetreten hatten. 90 Minuten raus aus dem Alltag, rein in die „unschuldigen“ Grufti-Zeiten der Vergangenheit, als Leuchtstäbe und Gasmasken noch nicht zum Inventar des durchschnittlichen Goten gehörten. Insbesondere die Tracks von „Script of the Bridge“ wurden begeistert abgefeiert, wie etwa „Monkeyland“ oder „Less than human“, aber auch der 85er Titel „Nostalgia“ mit der markanten Textstelle „Tomorrow remember yesterday“ wirkte fast hypnotisch. Zudem ein wunderbares Motto für diesen beeindruckenden Konzertabend. Mit dem „Überhit“ „Second Skin“ wurde der Hauptteil bestmöglich beendet und als sich danach noch eine vehement geforderte Zugabe ankündigte, verließen wir so langsam die Stätte der Begegnung. Die Anfangszeiten im Forum sind zumindest in der Woche für den arbeitenden Teil der Bevölkerung schon etwas grenzwertig und die Stimmung war eh kaum noch zu toppen.

Mögen die CHAMELEONS kommerziell nie den Erfolg ihrer Kollegen von THE CURE, ECHO & THE BUNNYMEN etc. eingefahren haben, so ist ihr Liedgut doch mindestens genauso zeitlos, was an diesem Abend von einer zwar nicht mehr ganz taufrischen aber dafür perfekt aufeinander eingestellten Band bestens unter Beweis gestellt wurde. Ein schöner Einstieg ins Konzertjahr 2011… Ist es wirklich schon so spät?

Setlist CHAMELEONS VOX
Paper Tigers
A Person Isn’t Safe Anywhere These Days
Monkeyland
Pleasure & Pain
Less Than Human
Soul In Isolation
Nostalgia
Tears
Seriocity
In Answer
Perfumed Garden
Singing Rule Britannia
Second Skin

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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